Buch

All posts tagged Buch

Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
© 2018 KSM

 

Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Es gibt hin und wieder Trailer, die irgendwo nichtssagend sind und dennoch so ein feinfühliges Rausfluppen aus der Allgemeinheit tangieren, das unterschwellig mitschwingt und so manchen Langzeitkinogänger zärtlich ankratzt.
Genau so ein Fall ist Nocturnal Animals, der auf den ersten Eindruck merkwürdig erscheint, man das Gesehene setzen lassen muss, hier und da eine positive Wertung aufnimmt und sich schlussendlich richtig darauf freut.
Strike – was meine Vermutung und mein Hauptwunsch für die Sneak Preview diese Woche angeht – es war Tom Fords neuestes Werk, das nicht nur als film noir wieder berauschende Maßstäbe setzt, sondern eine überraschend packende Story beschreibt, die ich diesmal sogar mega gerne als Buch gelesen hätte.
Die für ihn typischen Charakterzüge mit Achtung vor der Eleganz, Anmut und dem stilistischen Design seiner Schauspieler, dass teilweise bereits schon auf Kosten des Plots in den Himmel gekürt wurde, zieht auch hier wieder kräftig an der Wichtigkeitsleine und beweist, dass es eben ein echter Tom Ford ist.
Stimmung kommt auf jeden Fall auf und das düstere Schauspiel nährt sich im Zuge seiner Episoden immer mehr von den Interpretationsmöglichkeiten, die man als Zuschauer dazu investiert und sich somit irgendwo selbst sein Bild des Geschehens macht – ganz im klassischen Sinne hervorragenden Kinos.
Da ich eh ein Fan von film noir bin und diese Darstellungsmethode liebe, das düstere, das unerreichbare, zerbrochene, markante und trächtige Wesen dieser Filmart total mag, war nicht nur ein Grund, weshalb dieser Titel bei mir voll eingeschlagen hat.
Dazu kommt einer meiner Lieblingsschauspieler – Jake Gyllenhaal – der auch hier wieder eine hervorragende Performance abliefert und dem das Drehbuch – wieder einmal – auf den Leib geschneidert erscheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für hervorragende Unterhaltung mit Anspruch, Anmut und Eleganz als empfehlenswertes Stück Filmgeschichte zu gebrauchen.
Die Erzählweise, Verschachtelung der Ereignisse und das Rüberbringen der Atmosphäre sind hier wieder einmal vom Konzept her gründlich durchdacht und mit Hingabe und Liebe zum Detail umgesetzt, ohne dass man sich dazu zu sehr in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verirrt.
Herausragend, so darf es gerne weiter gehen!

 
Nachspann
Es bleibt der übliche Schuss vor den Bug, der den Zuschauer entlässt und ihm Zeit zum Nachdenken gibt. Diese Zeit wird durch nichts weiteres unterbrochen.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Die Presse verteilte im Vorfeld schon mächtig Kritik an der Neuauflage von Ghostbusters, dessen Trailer – seien wir ehrlich – auch wirklich riesige Scheiße war.
Hatte ich Lust, in diese Vorstellung zu gehen? Nein. Definitiv nicht.
Bin ich trotzdem reingegangen? Was tut man nicht alles für seine Leser …
Und was soll ich sagen? Es war irgendwie die Überraschung des Tages.
Mir missfiel genau wie vielen anderen die Idee, Althergebrachtes nochmal zu verfilmen und dabei einfach alles aufs andere Geschlecht zu verlagern. Melissa McCarthy ist in meinen Augen auch ein zweischneidiges Schwert, in Spy – Susan Cooper Undercover fand ich sie überzeugend, im Rest eher nicht. Und die angeteaserten Gags in der Vorschau waren … naja.
Der Film selbst war dann aber wirklich überraschend gut. Klar ist es immer ein wenig nervig, wenn man sich in diesem stereotypischen Gehabe miteinander rumstreitet, aber das Gesamtkonzept passte irgendwie. Verblüffend und unglaublich gut gearbeitet wurde in der Technik, die hier nicht nur sensationelles 3D liefert, sondern mit ganz vielen kleinen Details die Liebe zum Film proklamiert und somit auf Ebene der Bildgestalter einiges liefert, das durchaus sehenswert ist. So wurden nicht nur die 3D-Effekte endlich wieder einmal in den Kinosaal verlagert und nicht nur in die Tiefe gezogen, sondern auch überraschend genial mit den “Rändern” der Leinwand gearbeitet, was im 3D-Spektrum ja eher selten ist.
Grundsätzlich waren die CGI-Effekte im lobenswerten Bereich, da hier nicht nur das übliche Blabla geliefert, sondern mit Einfallsreichtum gearbeitet wurde, der in sich schlüssig ist und den man meines Erachtens einfach nicht verurteilen kann.
Genauso beim Thema Sound. Ja, wir alle kennen und lieben das Original von Ray Parker Jr., aber ist das wirklich ein Grund, auf der neuinszenierten Version rumzuhacken? Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, man hat das Original mal nicht kaputt gemacht, sondern würdig in die neue Zeit transformiert.
Überraschend waren auch einige würdige Cameo-Auftritte, die hervorragend gecastet waren und irgendwo damit auch eine Art “Respekt” an den neuen Film verteilen, der hier eine Geschichte erzählt, die viele schon kennen, die deshalb aber nicht schlecht ist, nur weil man für den Trailer eben die übelsten Szenen zusammengeschnitten hat.
Hat’s Spaß gemacht? Jup.
Hat man bei den Beats mitgetanzt? Irgendwie auch.
War der Film jetzt wirklich so schlecht, wie jeder behauptet? Ganz ehrlich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man mit den miesen Erwartungen, die einem der Trailer einimpft, in den Kinosaal geht, dann erlebt man die Überraschung des Tages und geht hinterher vergnügt wieder aus dem Saal, denn die Gags sind weitaus besser als angenommen, die Technik überzeugt auf voller Länge und der Beat ist alles andere als schlecht.
Der Film hat unglaublich viel Potenzial und dabei so gut wie kaum welches verschenkt – aber es sollen ja noch weitere Teile folgen. Und die werde ich mir definitiv wieder mit viel mehr Lust zu Gemüte führen.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Nicht nur, dass der gesamte Abspann animiert und bebildert ist, sondern danach kommt noch unglaublich viel Filmmaterial … wir reden hier fast schon von einem weiteren Film. Also nicht rausgehen!

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

“Darunter kann ich mir mal absolut nichts vorstellen.” – so derjenige, der um den heutigen Sneak-Titel wusste und mir nicht mehr verraten wollte.
Gehört, gelesen oder sonstwie publiziert hat auch keiner irgendwas, das mir in die Augen gestochen wäre – und vielleicht ist das auch ganz gut so.
Maggie’s Plan erweckt den Anschein, jemand würde vorgeben, mit reichlich Intellekt gesegnet zu sein und hätte nun den Auftrag, einen Woody Allen zu kopieren und mit genügend unverstandener Sprache zu füllen, um daraus ein Werk zu kredenzen, das von der Presse hochgelobt wird und vom Publikum letztendlich verschmäht.
Schaut man sich die bis dato spärlichen Rezensionen dazu an, könnte man meinen, der Plan hat funktioniert. Die Ambivalenz des Films besteht darin, seine sowohl charakterliche als auch Plot-bezogene Entwicklung durch absoluten Stillstand zu definieren: Es passiert einfach mal rein gar nichts. Die Handlung besteht mehr oder weniger nur aus Gequatsche, mit dem vielleicht Frauen glücklich werden, die die typischen New Yorker Frauenfilme gutfinden, in denen auch immer und immerzu geredet wird.
Anfangs sogar so weltfremd, als könnte man meinen, jemand hätte sich hier in den Untiefen einer Universität verirrt und würde schon seit Jahrzehnten den Weg an Gottes Sonnenlicht nicht mehr finden. Was anfangs noch etwas wie Irrational Man ausgesehen hat, entpuppte sich schnell als seelenloses Geistwesen, das seinen Charme dadurch auszeichnet, dass auf der Rückseite irgendwas von “Made in China” steht und somit signalisiert, dass der vorgebrachte Echtheitswert eines Da Vinci tatsächlich von Honshon Khi Gau stammt, den kein Arsch kennt und auch irgendwie niemand kennen will.
Ethan Hawke und Julianne Moore sind jetzt zwar nicht gerade zwei Schauspieler, die ich persönlich von der geistigen Bettkante stoßen würde, und diese eine Zehntelsekunde, die ihren Charakter im Film definiert, spielen die beiden auch hervorragend, allerdings fehlt diesem Teil einfach eine eigene Seele und vor allem eins: Bewegung.
Es ist so furchtbar anstrengend, dem so dermaßen schmerzhaft-vorhersehbarem Plot zu folgen, der sich noch nicht mal Mühe dazu gibt, mit Wendepunkten zu überraschen, sondern einfach nur platt und erbärmlich ein Konzept in den Mund knallt, das nicht nur nicht schmeckt, sondern irgendwie in sich auch schon vergoren und schlecht geworden ist. Und selbst, wenn es mal dazu kommt, Momente zu erschaffen, die hier wieder großes Gefühlskino zulassen würden, dann enden diese Phasen in derart unromantischen, jämmerlichen Szenen, die noch nicht mal Entschuldigungen oder Mitleid zulassen, sondern eher auf schamhafte Weise ein nicht zu unterdrückendes Lachen hervorrufen ob der unvergleichlich platten Darstellung, die einzig zum Ziel hat, dem Moment jegliche Relevanz zu entziehen.
Mein langfristiger Sneak-Freund und ich (Grüße ins OEZ) haben hinterher scherzhafterweise noch darüber gewitzelt, dass dir im Leben niemals einer begegnen wird, der dich danach fragt, ob du diesen Film hier gesehen hast – und ich fürchte, an dieser Aussage ist extrem viel Wahrheit dran.
Die Bedeutungslosigkeit dieses Machwerks schreit schon nicht mehr zum Himmel, sondern ist vollständig in der Hölle gefangen. Nach dem Film vergehen keine drei Minuten, bevor alles vergessen und durch Egalität im Nirgendwo verschwunden ist, weil davon rein gar nichts hängen bleibt, das dir in irgendeiner Form emotional oder wissentlich weitergeholfen hätte.
Gehört man zu den Streber-Studenten, die hier ihren Mikrokosmos aufleben sehen, mag man vielleicht stellenweise seine Freude an verschiedenen Ausdrucksweisen haben, die fürs Allgemeinpublikum aber eher verwirrend, verstörend und unzulänglich sind und somit auch keinerlei Sympathiepunkte auf die Guthabenseite schreiben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn du den Titel liest, dann renn … und zwar nach draußen und möglichst weit weg.
Es war für mich unglaublich anstrengend, diesen Film bis zum Ende zu sehen und mitzuverfolgen, was da nun jetzt “passiert”. Mit viel Gutgläubigkeit und gutem Willen kann man darein vielleicht noch eine künstlerische Handlung interpretieren, die es fertigbringen wollte, einen Kinofilm zu erschaffen, der sich durch absolut nichts hervortut – gelungen ist dieses Experiment in meinen Augen aber gar nicht, sondern eher ein Paradebeispiel für Ausreden der Filmförderung, in Zukunft nicht ausgewiesene Konzepte zu unterstützen und zu fördern.
Bleibt draußen und nehmt lieber cineastische Alternativen, auch wenn davon zur Zeit auch nicht so arg viel über die Leinwände schwirrt.

 
Nachspann
Wenn da jetzt noch ein Nachspann gekommen wäre – wäre das eine Überraschung gewesen. Und das passt absolut nicht zum restlichen Konzept des Films.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Warcraft ist wieder eines der digitalen Technikwunder, das breite Lücken in die Welt von Fans und Kritikern reißt. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Viele finden es zu konstruiert-langweilig, wieder andere feiern frenetisch die Verfilmung ihrer Kindheitsspiel-Erinnerungen ab. Ich bewege mich wohl etwas zwischen beiden Welten.
 
Erzählt wird die Geschichte aus dem Computerspiel von 1994, was an sich ja schon mal fürs Kino eine Hammeraufgabe ist, da sich Computerspiele meist aus anderen Mitteln und Erzählstrukturen zusammensetzen und somit für den Mensch vor dem Display ganz andere Optionen an Nervenkitzel bieten, als man es im Kino erlangt, wo man stoisch auf die Leinwand blickend einfach nur konsumieren kann, was einem da vorgesetzt wird. Dies wird wohl einer der Hauptgründe sein, weshalb mediale Pressevertreter den Film anders bewerten als die spielende Generation, die ihre Helden abgefilmt auf der Leinwand wiedererkennt und dementsprechend glücklich darüber ist, dass dem Computerspielwahnsinn jetzt noch eine weitere digitale Schublade zugeordnet wird, in dem das Genre ausgeweitet und erneut belebt wird.
Dem Trailer in 2D entnahm ich ein ziemlich fades, fast schon erdrückendes Beispiel eines Films, der keine großartigen Überraschungen bereithält und seicht vor sich dahinfließend eines der großen Hypes der 90er wieder aufleben lässt, das an sich eher als “Nischenfilm” zu betrachten wäre und keineswegs als der große Sommerblockbuster an den Start geht.
Interessant wurde es, als ich zum ersten Mal den Trailer in 3D sah und erkannte, welch detailverliebte Wucht hier in den Klingen der Technik steckte und mit welcher Hingabe man sich der Verfilmung eines Computerspiels widmete, das an sich ja mit genau diesen Effekten arbeitet und ein optisch-illusorisches Wunderwerk projizieren möchte, in dem sich der Gamer/Filmschauer verliert.
Und genau dieser Punkt kommt im Film ganz groß raus. Man spürt förmlich die Mitwirkung von Blizzard, wenn es um die digitalen Effekte und das Darstellen der Zauberformeln geht, die förmlich dem Spiel entspringen und aus dem Werk keinen Kinofilm, sondern eine mörderisch-lange Zwischenspiel-Sequenz auf einer überdimensionierten Leinwand machen, die jedem Spielliebhaber das Herz schneller schlagen lässt.
Das Transformieren eines Geschichtsbruchstückes aus einem Computerspiel in die lineare Erzählform des Films ist hiermit mehr oder weniger gelungen, denn die Knallereffekte gehören eindeutig eher der visuellen Instruktion und dem gigantischen Aufeinandertreffen von Kräften, die jenseits unseres Vorstellungsvermögens sind und daher wieder den virtuellen Welten zuzuordnen sind, in denen sich so viel Spielsüchtige schon verloren haben.
Dass dem Kinozuschauer dann der Kauf seines .kinotickets vergoldet werden soll, ist in diesem Zusammenhang eben eher schwierig, da hier oftmals mehr Augenmerk auf die inhaltliche Komponente gelegt wird, die meiner Meinung nach eben nicht gerade ein Aushängeschild für die Öffentlichkeit ist, sondern mehr oder weniger zwangsweise eingebaut wurde, und somit etwas von dem Spielcharme verloren geht, den man auf dem heimischen Computer wiederfindet.
Ich suche verkrampft seit Wochen nach dem Wort, mit dem ich dieses fehlende Stückchen betiteln soll, das mir den Gesamteindruck des Films etwas schwer gemacht hat, aber ich finde bis heute keins.
Man ist sehr schön tief in die Spielewelt abgetaucht, man hat sehr viel originalen Blizzard-Charme eingebaut, man hat der Welt gezeigt, dass man es locker mit Herr der Ringe oder anderen Fantasy-Epochal-Schlachten aufnehmen wird, weil hinter dem Namen eben eine unglaublich starke Fangemeinde steht, für die der Film weit mehr ist als für jemand, der ohne Vorkenntnisse in die Geschichte plumpst und sich streckenweise dann etwas schwer mit dem Verständnis der ganzen Spielelemente tut, die hier eben nicht für dumme inszeniert wurden, sondern quasi als Vorabwissen vorausgesetzt werden.
Und darauf basierend, dass man hier ein Milliardenprojekt erschaffen hat, das eine ganze Fangemeinde bedient und für die Spieler höchst erfreulich ist, ist man meines Erachtens dann zu wenig in die Nische abgetaucht und hat den Spielfaktor zu sehr vermainstreamt, um die restlichen Kinozuschauer auch abzuholen und nicht mit völliger Verständnislosigkeit vor den Kopf zu stoßen. Und dafür fällt mir kein Wort ein, was bezeichnet, was ich an Warcraft: The Beginning vermisse.
Sollte sich das Ganze jetzt finanziell zu einer melkbaren Kuh entwickeln, ist ja geplant, aus der Geschichte wieder einen der üblichen 3-Teiler zu machen (wer wettet mit mir, dass es 4 werden?), wo dann das Spektrum, das der Film nach oben bietet, reichlich ausgefüllt und der intellektuelle Anspruch, den man als Quereinsteiger beim Film entwickelt, bedient werden kann.
Wünschenswert wäre dies allemal, denn die Geschichte hat viel Potenzial für ein paar wunderbare Stunden im Kino – und die Effekte sind hier wirklich einzigartig und große Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die Spiele schon in den 90ern gespielt hat, für den ist der Besuch im Kino sowieso längst Pflicht und mit Sicherheit auch schon lange auf der ToDo-Liste abgehakt.
Wer noch mit sich hadert, darf bei diesem Film auf gigantische Effekte gespannt sein, eine etwas seichtere Erzählung über einen Zwist, der sich im Laufe der Zeit zu einem mörderisch-großen Spiele-Epos herauskristallisiert hat und den man nun versucht, fürs Kinopublikum verdaulich einzufangen, dabei aber eher an herausragender Technik hängenbleibt, die den Kinobesuch letztendlich aber locker wett macht.

 
Nachspann
verrät nichts über kommende Teile oder hält im Nachgang noch ein Gimmick bereit, man darf also ruhig wieder nach draußen wandeln und den Saal verlassen.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Robert Redford gehört mittlerweile einer Generation an, die man den Jugendlichen im Kino erklären muss, bei der sie dankend abwinkt und sich zur Seite dreht.
Exakt diese Tatsache spiegelte sich auch im Publikum von Picknick mit Bären wider: Lebensweisheit, wohin das Auge blickte. Es war definitiv spannend, im Kino mal mit Abstand der Jüngste zu sein, der den Saal belebte und den Geschehnissen auf der Leinwand folgte. Dabei ist die Story alles andere als schlecht und die samtig eingebauten Jokes durchaus liebenswert.
Man geht hier zurück aufs Klassische, ohne dabei dem Konservativismus zu verfallen. Man schickt das Alter zurück auf jugendliche Pfade und fordert mit viel Erzählfrische jede Menge Abenteuergeist ein, der – sofern man sich auf die Geschichte einlässt – durchaus seine unterhaltenden Reize bietet.
Als jemand, der sich dem Kino der 80er und 90er verschrieben fühlt und diese Dekade durchaus als sein geistiges zu Hause bezeichnet, hatte ich mit den Darstellungen dieses Films absolut keine Probleme, obgleich ich von anderen schon beim Trailer zu hören gekriegt habe, dass dieser Film definitiv nichts sei, was man sich anschauen müsste.
Gerade das altbackene, aber dennoch durchtriebene ist es, das hier den Spaßfaktor erhöht und den Zuschauer mit auf die Reise nimmt, weil genau damit der Unterschied zur CGI-überladenen Actionballade unseres Jahrzehnts generiert wird. Umgeben von der Bodenständigkeit der Hauptprotagonisten einen Plot in Szene zu setzen, der dennoch irgendwie die Rebellion fördert und aus dem Alltag auszubrechen versucht, empfinde ich als ein sehr viel gewagteres Experiment, als sich hinzusetzen und nach kapitalistisch-funktionierenden Filmformeln ein Glanzstück der Langeweile zu produzieren, das den Erfolgsprinzipien der großen Kassenschlager entspricht, dafür aber seine künstlerische Seele einbüßt.
Und die erlebt hier ihr großes Comeback, umgeben von Natur, lebhaften und gesunden Eindrücken und eben jenem Esprit, den wir alle während der 90er so geschätzt und geliebt haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aqua‘s “Back to the 80s” darf man hier fast wörtlich nehmen, denn in herrlich-nostalgischem Flair taucht man in diesem Fall in das Kino vergangener Jahre ein, ohne dabei auf konservative Verstaubtheit zu stoßen.
Robert Redford und Nick Nolte liefern sich hier ein Charakter-Duell, das nicht nur verbal ausgetragen ihre Höhepunkte umgeben von der Schönheit der Natur feiert und dabei auf eine abenteuerliche Reise mitschleift, die die guten alten Werte von gesundem Geist anspricht.
Keine Witze unter der Gürtellinie, kein krampfhaftes Haschen nach Aufmerksamkeit und wirtschaftlicher Bedeutung, keine überdrehten Hyperdimensionen, um die Massen zu beeindrucken, sondern einfach nur gesundes, nostalgisches, erfrischend bodenständiges Kino nach Manier der 80er und 90er.

 
Nachspann
läuft ganz in Frieden bis zum Ende durch und offenbart währenddessen nichts außer Text. Rausspazieren ist also erlaubt.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Captive

Diesmal tu ich mich wirklich recht schwer damit, ein paar Worte über diesen Film zu verlieren, ohne anderen dabei den Sehspaß zu verderben. Die Story entstammt nämlich nicht einer fiktiven Feder, sondern basiert auf wahren Begebenheiten und reißt daher doppelt in ihren Bann.
Die Erzählweise und gekonnte Kameraführung macht so richtig Lust auf mehr, zumal auf die üblichen Verdächtigen diesmal verzichtet wurde. Das Gefühlschaos, das man als Zuschauer durchleben muss, der Zwist zwischen Gut und Böse, sucht seinesgleichen.
Die “Auflösung”, die auch im Trailer schon angedeutet wurde, fand ich persönlich zeitweise etwas lächerlich und peinlich, den Film als solches jedoch sehr spannend und unterhaltsam. Was ich mir gut vorstellen kann, ist, dass sich hierzulande einige schwer damit tun, den amerikanischen Alltag, der hier zelebriert wird, als gegeben hinzunehmen, weshalb dieser Film wohl auch nicht in jedem Kino gespielt wird und auf die hinteren Ränge verschoben wurde.
Nichtsdestotrotz hat man mit diesem Werk einen Film geschaffen, der einmal völlig entspannt eine “harte Geschichte” erzählt und dabei auf großartige Action gänzlich verzichtet. Gerade diese nischenhafte Art zu Unterhalten punktet in meinem Fall sehr.
 

.kinoticket-Empfehlung: Findet man sich mit den amerikanischen Eigenarten ab, erhält man hier eine Geschichte, die einmal in einem völlig stilfremden Genre erzählt wird.
Die charakteristische Tiefe sowie die Erzählweise beeindrucken völlig, während die Auflösung leicht enttäuschend daher kam – aber nahe am Original bleibt.
Wer hier mit Freunden zuschlagen möchte, sollte sich vorher evtl. etwas näher über den Film informieren, bevor es eine Enttäuschung für einige gibt.

 
Nachspann
gibt es keinen. Nach der Abblende darf man den Saal getrost verlassen.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment