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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Channing Tatum

The LEGO® Movie 2

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© 2019 Warner Bros. Ent.

Die Idee ist eigentlich grandios: Im Zuge des Erfolgs von Minecraft und der Pixel-Verblödung im Zeitalter von UHD und Co. einfach beides miteinander zu verbinden und “Pixel-Typen” in UHD auf die Leinwand zu werfen und damit gleichermaßen beide Fraktionen zu befriedigen.

Und was keiner merkt: Das Teil müsste mehr oder weniger als “Dauerwerbesendung” markiert werden und ist somit noch ein geniales Product-Placement, das offensichtlicher nicht sein könnte, aber rein gar keinen Wert darauf legt und sich somit so unterschwellig wie nur irgend möglich verhält… sensationell. Mit Augenmerk auf die hollywoodösen Anspielungen, die mehr nicht mehr sein könnten, zollt man als Unternehmen der Kinogemeinde Respekt und würdigt sie in ihrem eigenen Terrain. Großartig!

Das beweist nicht nur die bislang existente TV-Serie, sondern auch die vergangenen Kinofilme The LEGO® Movie, The LEGO® Batman® Movie sowie The LEGO® Ninjago® Movie. Jetzt führt man das Original eben in die Fortsetzung und ertüchtigt sich dabei an der Hürde des berühmten “zweiten Teils”.

Und ein Kinderfilm ist das schon lange nicht mehr. Ja, die Kids mögen vielleicht da rein rennen und sich ob der Situationskomik unterhalten fühlen, die Anspielungen gehören mittlerweile aber definitiv in die FSK-18-Riege, denn Kinder und Jugendliche können die Film-Sidekicks überhaupt nicht verstehen, sofern man sich im Jugendschutzgesetz-Rahmen bewegt. Das Ding gehört nicht nur in die 14:00 Uhr-Schienen, sondern darf gerne auch in den Nachtvorstellungen laufen, denn zum ersten Mal haben Erwachsene in einem als Kinderfilm vermarktetem Etwas mal wieder immens viel Gaudi!

Apropos “Zweiter Teil-Hürde” => Mit Bravour gemeistert und meiner Meinung nach einer der besten LEGO®-Movies aller Zeiten! Die Gags sind mit den Zuschauern erwachsen geworden, die Story ist nicht mehr dämlich, sondern fast schon tiefgründig, es gibt eine Pointe und man fühlt sich über alle Maßen unterhalten und bespaßt.

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass ihr diesem Film den gewünschten Erfolg bringt und den Lieferanten die Besucherzahlen schenkt, die sie sich erhoffen, damit diese genügend Anreize haben, damit weiterzumachen und uns auch in Zukunft mit derlei geilem Entertainment beglücken!

.kinoticket-Empfehlung: Best LEGO® Movie eva!

Mit mehrfach-eindeutigen FSK-18-Anspielungen längst nicht mehr die Kids als Focuspoint, sondern auf ein erwachseneres Publikum ausgerichtet. Man liefert wahnsinnig kurzweilige Unterhaltung, Mörder-Gags und eine Story, die fast schon das Attribut “tiefgründig” verdient.

Mega Leistung, gerne mehr davon. Die Entwicklung ist definitiv die richtige!

Nachspann
✅ Anfangs darf man getrost sitzen bleiben, beim “Roll Over” darf dann raus spaziert werden – das ist ewig lang und hält keine weiteren Szenen mehr parat.

Kinostart: 7. Februar 2019

Original Title: The LEGO® Movie 2: The Second Part
Length: 107 Min.
Rated: FSK (tba)

Smallfoot

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© 2018 Warner Bros. Ent.

 
Ganz ohne Spaß: Smallfoot zählt zu den besten Kinderfilmen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und das hat viele Gründe.
Ich schaue ja sehr viel und habe mich zuweilen auch sehr tief in die Sphären des Kids-Cinema eingegraben und hier schon sehr viel Blödsinn und Mittelmäßiges vor die Augen gekriegt. Es gibt hier und da ein paar Ausnahmen, aber selbst von Disney gefällt mir vieles überhaupt nicht, was Kinderfilme angeht.
Smallfoot hat schon im .trailer gewissermaßen anklingen lassen, dass hier jetzt einiges anders läuft und der Film selbst ist einfach nur Bombe!
Der Humor ist erstklassig, zügig umgesetzt und triumphiert in vielen Szenen durch so ein Gagbombardement, dass die Kinder sich vor Lachen fast in die Hosen machen – und man selbst als zorniger Erwachsener langsam anfängt, seine Mundwinkel nach oben zu reißen und letztendlich einfach lachen muss. Diese Version, für die man sich hier entschieden hat, die Art Humor, ist megamäßig und geht einem zu keinem Zeitpunkt des Films in irgendeiner Form auf die Nerven oder langweilt durch Wiederholung oder Ausreizen verschiedener Gags. Wirklich erste Sahne!
Die Charakterzeichnung wurde hervorragend gemeistert. Die Männer sind nicht “männlich ohne Gnade” und die weiblichen Figuren nicht überweiblicht, sondern alles hat einen derartig realistischen Zusammenhang, dass man meinen könnte, alles wäre echt so. Hier braucht nicht von Inklusion, Genderneutralität oder dem ganzen Quatsch geredet werden, der Film ist in seiner “Gendersprache” einfach in Ordnung, weil er sich nicht drum schert, sondern einfach völlig normale Figuren nebeneinander stellt und sie ihre Geschichte spielen lässt.
Versteht das also nicht falsch: Der Film ist nicht “politisch korrekt” und achtet penibel auf möglichst unverletzliche Aussprache, im Gegenteil: Er ist einfach völlig normal. Alte Schule. Das ist ein riesiger Unterschied! Er schert sich nicht um diesen Mist, tritt dabei gleichzeitig aber niemandem auf die Schuhe, sondern umwärmt einen mit einer Portion Normalität, dass man sich wünscht, die restliche Welt wäre genauso.
Die Moral – wobei: Moral ist hier das falsche Wort, das hört sich schon wieder so geschichtsbuchmäßig an – also das “Lerneffekt-Dings” tut gut und rührt durch seinen unbescholtenen Defensivismus in der Unterschwelligen-Liga fast schon zu Tränen: Nicht, weil hier rührselige Komponenten in den Plot eingeflochten wurden, sondern weil das Teil so herrlich unterschwellig ist und man auch da – in einem Kinderfilm (!) – zeigt, wie es richtig gehen kann: Damit leistet der Streifen perfekte Erziehungsarbeit und flößt unterschwellig gute Werte, ethisches Verhalten und Normalität in die Kinderköpfe, die sich in 1-2 Generationen dann evtl. wieder zu normalen Menschen entwickeln und dem ganzen Wahnsinn da draußen ein Ende setzen.
Smallfoot ist also gewissermaßen das Venom für Kinder, in natürlicher FSK-Freigabe und ohne irgendjemandem Schaden zuzufügen. Weder visuell, noch sprachlich, noch zeichnerisch, noch irgendwelche Bio-Fanatiker unterstützend – das Ding ist einfach gesund und normal, heil und heilsam und pure Energie und Leben für groß und klein.
Und je länger ich darüber nachdenke, umso fester steht mein Entschluss: Das ist der beste Kinderfilm, den ich je in meinem Leben gesehen habe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einer der besten Kinderfilme, die es gibt – wenn nicht sogar DER beste schlechthin.
Der Humor ist großartig, die Charakterzeichnung perfekt, der ganze kranke Mist wurde außen vor gelassen und trotz seines absurden Themas glänzt dieser Film durch eine natürliche Normalität, die man fast überall da draußen grad nur vermisst.
Dieser stechende Dorn, der einem bei anderen Filmen oftmals begegnet, ist hier einfach nicht zu finden, obwohl ich die ganze Zeit danach gesucht habe: Das Ding hat mich vollkommen überzeugt und vom Hocker gerissen und ich werde sehen, dass ich es noch in die ein oder andere Wiederholungsvorstellung schaffe.

 
Nachspann
✅ voll süß gemacht und schön bis zum Ende hin durchanimiert, man braucht also nicht gleich aufspringen.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Smallfoot
Length: 96 Min.
Rate: FSK 0

Logan Lucky

Als ich damals im Internet auf die Suche nach ein paar Vorabinformationen zu Kinofilmen ging, die ich plante, mir im Kino anzusehen, traf ich auf extrem viele Spoiler, aggressive Meinungen und jede Menge Rücksichtslosigkeit, was das Verraten von Detailinformationen zur Handlung betrifft und mir damit den Genuss komplett zerstörte, weil ich mich jetzt während des Films nicht mehr von interessanten Wendungen überraschen lassen konnte.
Damals dachte ich mir: Warum jetzt eigentlich darüber aufregen, dass niemand so etwas schreibt? Schreib es doch einfach selbst und sei du der Unterschied, den du dir in der Welt wünschst. Gesagt – getan. Fortan habe ich zu jedem Kinoticket, das man mir verkauft hat, eine Rezension geschrieben: .kinoticket-blog.de war geboren.
Steven Soderbergh erging es mit den großen Studios genauso – und ich denke, man kann aus so manchem Interview herauslesen, dass die kreativen Ausflüchte und Risiken, die man als Künstler gerne eingeht, oft (immer?) von den geldeintreibenden Großmächten wieder zurückgestutzt werden und so das geistreiche Schaffen der Regisseure mächtig beschränkt wird. Also warum noch länger damit rumärgern und nicht einfach selbst den Unterschied machen?
Gesagt – getan: Er gründete seinen eigenen Verleih Fingerprint Releasing, dass derzeit in den Kinos mit seinem ersten Großprojekt Logan Lucky am Start ist, dem man diese schöpferische Freiheit vollkommen anmerkt.
Das Bild von traditionell zurechtgestutzten Charakteren fehlt völlig und man verzichtet auf den ganzen massentauglichen Mist zugunsten von Ideen, die spürbar nicht in der Allgemeinheit verankert sind, sondern sich wieder der überaus schwierigen Aufgabe widmen, dem Zuschauer eine neue Form der Unterhaltung zu bieten und ihn gleichzeitig dafür zu gewinnen, so dass er mit einem großen Maß an Befriedigung wieder aus dem Kino raus kommt.
Meiner Meinung (und den Lachern meiner Mit-Zuschauer) nach zu urteilen ist dies auch völlig gelungen. Die schroffe, unnatürliche Art, in unerklärten Gesichtsausdrücken und Handlungsoptionen zu verharren, sie als gegeben zu präsentieren und deren Beweggründe vielleicht auch im kommenden Abschnitt nicht hinreichend (oder auch gar nicht) zu erklären, bezeugt für mich wieder den Mut, den Zuschauer durchaus für fähig dafür zu halten, die logischen Lücken der Profile der Protagonisten durch Eigeninitiative zu füllen und somit für sich selbst ein schlüssiges und funktionierendes Gesamtbild zu erschaffen.
Damit schlägt Soderbergh gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er erspart sich das BILDhafte Idiotenerklärungssystem, dass sich neuerdings in Blockbustern eingeschlichen hat und nutzt zugleich das biologische Belohnungssystem des Zuschauers, um positive Emotionen zu bilden. Und das ist – neben der Geschichte an sich – für mich der eigentliche Coup dieses Films: Der gewagte und lohnenswerte Schritt neben die Spur und damit endlich wieder mal auf erzählerisches Neuland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schon der .trailer war seltsam und der Film offenbart dann, warum: Hier waren kreative Kräfte am Werk, die ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept präsentieren, dass einen Besuch im Lichtspielhaus definitiv sinnvoll erscheinen lässt.
Die Konzeption von Offenlegung der Profile im gleichen Atemzug mit den Stichpunkten der Handlung einhergehend legt man hier eine völlig neue Erzählweise auf den Tisch und schafft es, die Kundschaft von diesem zu überzeugen.
Für mich einen Besuch im Kino definitiv wert.

 
Nachspann
hat leere Taschen und braucht deshalb nicht ausgesessen zu werden.
Kinostart: 14. September 2017

(Trailer) Kingsman: The Golden Circle

Sonntag ist .trailer-Zeit und heute gibt’s vorab eine Warnung:
Kingsman: The Secret Service dürfte mittlerweile jeder im Kino, auf Blu-ray oder sogar in UHD gesichtet haben und wissen, was für eine – auf deutsch gesagt – geile Errungenschaft diese Form der Action-Rumwüterei das geworden ist.
Kingsman: The Golden Circle schließt an den unglaublichen Kinodurchbruch an und ist einfach schon vorweg sowas von affenscharf, dass ich euch den .trailer dazu einfach präsentieren muss, weil dadurch die Vorfreude auf den Kinostart noch um so vieles gesteigert wird.
Allerdings ist es egal, welchen der bisher von Twentieth Century Fox veröffentlichten .trailer man hernimmt: Sie spoilern alle unfassbar viel und daher an alle die Warnung:

Bitte nur schauen, wenn ihr auch gespoilert werden wollt!
Ansonsten lieber den Kinostart abwarten!

Aber jetzt genug der Worte: Viel Spaß mit dem neuen Action-Hit und der kleinen Vorschau hier:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=0fvqnGmr9S8&w=560&h=315]
eine krasse Action-Ballade präsentiert von © Twentieth Century Fox
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Zum einen mal, weil Eggsy ne verdammt coole Socke ist und auch im zweiten Teil wieder eine verdammt gute Figur macht und das Ensemble auch hier wieder 100% zu stimmen scheint.
Die Kingsman-Filme haben ihr eigenes Genre erfunden und präsentieren ihre Ideen abseits von Geistesblitz-Klau aus anderen Werken und definieren damit eine völlig eigene Welt, in die man als Besucher gerne immer wieder abtaucht.
Der Style hat überzeugt und der .trailer lässt hoffen, dass man auch in der Fortsetzung wieder viel Wert auf selbigen gelegt hat und sich nicht einfach nur selbst übertrumpfen wollte.
Kurzum: Die helle Freude im Kinosaal scheint vorprogrammiert und damit gehört für mich schon jetzt dieses Stück auf die Top 10 des diesjährigen Kinojahres.
 
Kinostart: 21. September 2017

Hail, Caesar!

Die Zeiten, wo man sich über tiefsinnige Fehlbeiträge auf den deutschen Kinoleinwänden beklagen konnte, sind vorbei. Mit Hail, Caesar! geht ein weiterer Film ins Rennen, dem ich das Prädikat zuspreche, von Hollywood für Hollywood gemacht worden zu sein.

Massentaugliche Unterhaltung ist etwas völlig anderes. Im Ernst: Hier werden Arbeitsweisen auf den Tisch gebracht, die so mancher Regisseur wohl leidlich kennen dürfte, die aber eher persiflierend von der Meute der Filmschaffenden auf die Bildfläche projiziert wurde, um mit nicht funktionierender Unterhaltung eines zu tun: zu unterhalten.

Die Selbstironie, mit der man das Filmbusiness damit aufs Korn nimmt, zeugt von extrem hoher Qualität und sorgt im Vorbeigehen dafür, dass nicht nur die Kinozuschauer fluchtartig den Saal verlassen, sondern auch die Vorstellungsanzahl rapide abnimmt, wenn man sich die Spielpläne einiger Kinos mal näher betrachtet.

In meinen Augen geschieht beides völlig zu unrecht, da hier doch mit einer enorm großen Portion Verstand an die Sache rangegangen wurde und man im Stile großer Abendunterhaltung à la arte ein Portfolio an funktionierenden Gags und cineastischem Flair geschaffen hat, bei dem nicht nur George Clooney überzeugend wirkte.

Vielleicht liegt’s auch einfach nur daran, dass Josh Brolin einfach schauspielern kann und mit seiner selbstfinderischen Art den Film zusammenhält wie sonst kein anderer. Das Ganze als ein Art Geschichte zu bezeichnen, grenzt in meinen Augen schon fast an Sünde. Es von der Leinwand zu nehmen oder – wie in vielen Fällen – gar nicht erst abzuspielen, genauso.

Hail, Caesar! ist ein Werk, das zeitlich vollkommen richtig platziert wurde und im Zuge der Academy Award-Verleihungen auch nochmals unterstreicht, dass man in Hollywood nicht ausschließlich Filme produziert, um Kohle zu scheffeln, sondern hier und da auch künstlerisches Können publiziert, um Liebhaber selbiger zu unterhalten.

Dieser Film mitsamt seinem Charme, seiner verdrehten Art und den selbstironischen Partikeln, die explodierend überall durch die Luft fliegen, gehört für mich jetzt schon zu den Errungenschaften, die viele Samstag Abende gekonnt in ihren Bann ziehen und für die “Bettlektüre” taugen.

Eine tiefe Verbeugung vor dem Hollywood vergangener Tage und zugleich eine Selbstbeweihräucherung eigener Fehler, die man hier offen im Film eingesteht und gekonnt in Szene setzt.

Dass der Zuschauer dabei noch lachen kann, ist quasi der Bonus oben drauf.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte jemand tatsächlich noch ein Kino finden, dass dem Massenwahn der aktuellen Blockbuster noch entgegenwirken kann und diesen Titel tatsächlich in seinem Programm führt, sollte man schleunigst die Chance nutzen und sich das Werk gemeinsam mit einer Handvoll erlesener Kunstkenner zu Gemüte führen.

Denn nirgendwo macht Film schauen so viel Spaß, wie im Kino – für das Filme gemacht worden sind.

Und wer noch eine Portion mehr Glamour benötigt, um reinzugehen: Bitteschön.

Alden Ehrenreich * Ralph Fiennes * Jonah Hill * Scarlett Johansson * Tilda Swinton * Channing Tatum * Christopher Lambert * Dolph Lundgren …

Nachspann
❌ Wer braucht schon einen Nachspann, wenn er einen guten Film gesehen hat, hm? Ganz genau!

Kinostart: 18. Februar 2016

Original Title: Hail, Caesar!
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

The Hateful Eight

Was wurde für ein Aufriss darum gemacht: Quentin Tarantino hat seinen achten Film auf der Leinwand! Und was schleichen sie alle einzeln in die Spätvorstellungen. Wer Tarantino kennt, der dürfte nichts anderes gewohnt sein: Grandiose Kameraaufnahmen, übervorteilende Dialoge, ewige Länge und eine abartige Sinnlosigkeit mit Tiefenpsychologie, die in der Filmwelt bis dato einzigartig ist.
Ich hatte ehrlich gesagt bei den vielen Trailern vorab so manchmal meine Zweifel, ob er damit wirklich wieder so einen Hit landet, wie man es von ihm gewöhnt ist: Irgendwie wurde alles gesagt und der Junge weicht von seinem Schema auch keinen Deut ab.
Und genau so startet man auch. Der Sound? Reißt dich mit. Und zwar ganz tief nach unten. Mit brachialer Macht und unglaublich ästhetisch-kalten Bildern ohne großes Wirrwarr. Man kann den Unterhaltungen folgen. Und es zieht sich. Man braucht Geduld. Zum Warmlaufen.
Denn lässt man sich auf die Story ein (und das braucht dieses Mal wirklich einen aktiven Schritt vom Zuschauer), dann zündet der Funke und auf einmal ist Quentin wieder da. Und es flutet. So als ob das Streichholz erst gar nicht angehen will und dann sofort die ganze Kutsche niederbrennt. Und nach Tarantino-Manier macht es wieder richtig Spaß, dem Geschehen zu folgen und im Zuge der Durchtriebenheit vieler Erzählstränge den Überblick zu behalten. Zeit genug dafür ist da, denn der Großmeister schert sich einen Scheißdreck um hollywoodöse Regeln und macht einfach sein eigenes Ding. Und es funktioniert.
Wer enttäuscht vom Schluss des Films ist, sollte sich vergewissern, dass er tatsächlich erst vor dem Abspann und nicht vor Beginn des zweiten Teils in der Pause nach Hause gerannt ist, so wie es eine Zuschauerin beim Personal des Kinos jüngst beklagte. Der Meister der verbalen Unvergesslichkeit führt einen auch hier wieder an ein zufriedenstellendes Ende in glückseliger Verrücktheit. Und danach kommt tatsächlich der Abspann. Und der lässt keine Fragen mehr offen.
Vergleichen kann man die Filme sowieso nur mit sich selbst und vielleicht sollte man das besser auch nicht tun. Wir alle sind vorbelastet von Titeln wie Pulp Fiction und erwarten brav nach eingeimpfter Steigerungsmentalität dann völlig unbewusst, dass jeder auf diesen Zug aufspringt und sich aus dem einstigen Schleim der Kinderhäute erhebt und zu noch größerem aufsteigt. Oftmals ist das gar nicht notwendig. Manchmal reicht es auch schon, einfach die Türen der normalen Welt hinter sich zu verschließen und in die absurde Wahnsinnigkeit von Tarantinos Fantasie abzusteigen, um einen Film zu erleben, der sich von der Masse der ihn umgebenden Filme deutlich abhebt.
Und diesen Anspruch erhebt The Hateful Eight nicht nur, sondern erfüllt ihn auch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der bittersüße Nachgeschmack, das Tarantino bereits alles gesagt hat, bleibt auch nach dem Abspann noch etwas erhalten.
Der Kultfaktor entsteht allerdings auch, wenn auch womöglich etwas zeitversetzt. Die Einfälle sind durchaus wieder würdig genug, um in die Filmchronologie des Machers einzugehen. Allerdings sollte man hier viel Zeit und Geduld mitbringen, denn das Teil hat nach 1.5 Stunden erst richtig angefangen.

 
Nachspann
Kommt keiner mehr, man darf also fröhlich nach Hause spazieren und damit anfangen, seine Türen zu …. 😉

Magic Mike XXL

Channing Tatum gilt nicht erst seit Das Leuchten der Stille als Frauenmagnet. Das Grinsen, als ich – leicht verspätet – als einziger Kerl den Saal bei bereits laufender Werbung betrat – unbezahlbar ^^. Filmschauen im Dienste der Wissenschaft, oder so ähnlich 😉
Magic Mike (also Teil 1) war ja auch schon ein Film, der nicht unbedingt die klassische Erzählweise vorzeigen konnte, sondern sich eher an in sich geschlossenen Showblöcken orientierte, die – aneinandergereiht – dann doch eine Art Geschichte ergaben. Getragen wurde das seinerzeit von der rühmlich-unantastbaren Art von Matthew McConaughey, der als Showmaster die Truppe bei Laune hielt und mit seinem ungesehenen Inspirationsgeist und der imperialen Geldmacht das Wesen des Films als Ganzes trug. Klar hatte Tatum als sein No. 1 Laufbursche auch eine tragende Rolle, jedoch führte meiner Meinung nach erst das Zusammenspiel beider Elemente zu dem Erfolg, den Magic Mike in der Filmgeschichte zu verbuchen hatte.
Das führt zu dem Schluss, dass mit XXL hier zwar wieder die Truppe an Board ist, die McConaughey geschichtlich-folgerichtig außen vor lässt und somit zwar wieder die ursprünglichen Showblöcke gezeigt werden, der große Durchbruch in Form der erwarteten XXL-Superlative aber ausbleibt.
Klar, es bedarf jeder Menge Körperbeherrschung und Bewegungskunst, um solche Kunststücke zu vollführen, jedoch haben mich die Animationen in Teil 1 eher begeistert. Hier hatte ich viel mehr das Gefühl, man möchte nochmal, kann aber nicht so richtig und legt mehr schlecht als recht eine Vorstellung hin, die sich eher auf Masse denn auf Klasse konzentriert.
Der andere Punkt ist: Die Geilheits-Ausseh-Show gehört seit eh und je den Jungen. Vielleicht ist also schon der komplette Ansatz falsch, die ursprüngliche Crew hier wieder antreten zu lassen, wenngleich man damit die gleichsam gealterte Zielgruppe erneut anspricht – getreu dem Motto: “Was ist eigentlich aus xxx geworden?”
Man spürt eben dieses allgegenwärtige Gealtertsein, diesmal fast noch schlimmer als in Terminator: Genisys (3D). Und das macht in meinen Augen viel von dem ursprünglich lebensbejahenden, saft-strotzenden Flair aus, der in Magic Mike XXL eben nicht so recht zum Tragen kommen will. Die Blüte der Jugend ist verblasst und beginnt langsam zu verwelken.
Und das macht den Film eher zu einer nostalgischen Erinnerung als zu einem erneuten Wunder der Körperbeherrschung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Zeit heilt nicht nur alle Wunden, sondern reißt auch neue auf.
Zumindest könnte man das glauben, wenn man sich die “fertige” Group anschaut, die es sich selbst nochmal beweisen will und erneut in den Ring der Kritiker tritt, um die Fantasien von tausenden Fans anzuregen.
Das mag zwar für heutige Verhältnisse auch irgendwo funktionieren, die Showgröße der Kunst, die man an Teil 1 so mochte, ist aber verblasst.

 
Nachspann
ist anfangs bebildert und läuft dann ins Schwarze aus. Also nicht gleich rausrennen.

Jupiter Ascending (3D)

“Von den Machern von…” ist für mich eigentlich kein Kriterium, einen Film zu schauen, da dieses Hochgehype oftmals einfach nur verkaufsfördernd wirken und niemals garantieren kann, dass ein Nachfolgestück die gleiche Brillanz aufweist wie sein glorreicher Vorgänger.

Dennoch war die Neugier einfach zu groß, weshalb ich mir den neuen Titel der Wachowski-Elite gerne im Kino geben mochte. .kinoticket gekauft und rein in den Spaß.

Jupiter Ascending ist ein Glanzbeispiel dafür, das heutzutage nicht mehr viel Realität gebraucht wird, um einen Kinofilm zu produzieren, der irgendwie funktioniert.

Jupiter, ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, kommt durch Zufall ein paar Tatsachen auf die Spur, die ihr Heile-Welt-Bild gehörig durchschütteln und sie in ferne Dimensionen entreißen, in denen es Schlachten zu schlagen gilt, von denen das Wohl der Menschheit abhängt.

Was in vollem Maße beeindruckt, sind die fantastischen Welten, mit denen die Wachowskis auch eine ihrer größten Stärken ausspielen: Einfallsreichtum. Ansatzweise durfte man ihr kreatives Können schon in den Weltgestaltungen der Matrix-Trilogy bewundern, treiben sie dieses Spiel hier jedoch auf ihre Spitze. Ruckzuck befindest du dich in einem völlig anderen Universum, das irgendwie auch funktioniert und ob seiner patriarchischen Herrscher fast schon ein wenig an das korrupte System in Riddick erinnert.

Die schnöde Realität dieser Welt ist schnell vergessen und man befindet sich auf einem Trip, der geschichtlich bei weitem nicht an die Brillanz von Matrix heranreicht und keineswegs alleine zu beeindrucken weiß.

Wettgemacht wird dieser Verlust meiner Meinung nach durch Farben und Formen der verschiedenen Galaxien, die die Protagonisten im Laufe ihres Daseins durchreisen. Harmonierend mit guten 3D-Effekten bildet sich hier ein Spektakel, dass durchaus unterhaltend wirkt.

Getrübt wird die Größe, die man damit hätte erreichen können, allein durch teils simple Dialoge, die so gar nicht an den mächtigen Charme der grünen Trilogy erinnern. Mila Kunis wirkt als Jupiter oftmals einfach nur wie ein Kind, dem man die Dinge drei mal erklären muss, bevor sie sie kapiert. Das nervt zuweilen und wird von anderen Schauspielgrößen auch nicht unbedingt kompensiert, obgleich Channing Tatum sehr vieles wieder rausreißt.

Er ist meiner Meinung nach einer der Gründe, weshalb man sich diesen Film überhaupt ansehen sollte. Nicht nur, dass sein Charakter am eigenständigsten ist, sondern auch die Ausgefeiltheit und Umsetzung seines Parts ist meines Erachtens durchaus gelungen.

Mit Jupiter Ascending zeigt sich, dass wir heute eben nicht mehr in einem Zeitalter leben, in dem es notwendig war, verschiedene Kniffe und Tricks anzuwenden, um spektakulär zu filmen, sondern wo mit ein paar Computerrenderings einfach alles möglich ist.

Dies wirkt sich hier fast nachteilig aus, weil man so sehr schnell in zu abstrakte Verhaltensformen abrutscht, die in sich nicht mehr schlüssig sind und so keine Glaubhaftigkeit vermitteln.

So gerät auch die geübte Kritik am kapitalistisch ausgerichteten Wirtschaftswesen ein wenig in den Hintergrund. Auch, wenn man eindeutig spürt, dass dies eine der Misstände sein soll, die die Wachowskis hier anprangern möchten, kommt doch nicht so wirklich Flair dabei auf. Es wurde gesagt und hoffentlich auch irgendwie verstanden, das einschmetternde Kometengefühl, dass dich hinterher verstört zurücklässt, bleibt aber aus.

.kinoticket-Empfehlung: Nicht mit zu großen Erwartungen anschauen und sich dann einfach von den Eindrücken verzaubern zu lassen, ohne dabei so tief in sich verschlungene Komplexitäten wie bei Matrix zu erwarten.

Dann macht Jupiter Ascending durchaus Spaß und sorgt für ein wenig Abwechslung im Alltag.

Nachspann
✅ Im Nachspann werden verschiedene Bilder gezeigt. Die Besonderheit ist hier: Es gibt sie in 3D. Weiterführende Szenen oder interessante Infos fehlen aber.

Kinostart: 5. Februar 2015

Original Title: Jupiter Ascending
Length: 127 Min.
Rated: FSK 12

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