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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Christian Slater

Die Frau des Nobelpreisträgers

Die Frau des Nobelpreisträgers

© 2018 SquareOne Entertainment GmbH

Glenn Close, die Dame, die uns als altehrwürdige Koryphäe aus Mord im Orient Express im Kopf geblieben ist und die für mich immer so ein wenig den Charakter von M aus James Bond verkörpert: Eine Schauspiel-Legende, die auch in diesem Film wieder aus dem Vollen schöpft und eine Darbietung abliefert, die seinesgleichen sucht.

Ich weiß, ich sollte nicht davon ausgehen, dass die Masse von Welt The Man Who Killed Don Quixote gesehen hat und darum Jonathan Pryce genauer kennt, der übrigens tatsächlich in einem Bond mitgewirkt hat – nämlich in Der Morgen stirbt nie.

Beide gemeinsam führen ein Regiment eines Statements an, das ich mit Preisen überhäuft sehen möchte: Die Darbietungen aller (ja, aller!) Darsteller ist hochrangig und bis ins letzte Detail perfekt gecastet. Und was dieses Mal in meinen Augen super geil geklappt hat, war die Transportation vom Buch auf die Leinwand: Man hat beim Plot genügend Zeit und Muße gehabt, um erst das Werk zu veröffentlichen und anschließend nicht mehr viel verdrehen müssen, um daraus eine gängige Geschichte zu erschaffen, die auch auf der Leinwand funktioniert: Die Thematik ist so ausgeklügelt und wohl gewählt und macht bis ins kleinste Detail einfach nur eine Menge Spaß.

Kürzlich schrieb ich über Themen, die die Welt heute immer noch bewegen und berühren und dringend notwendig diskutiert werden müssen – dieser Titel reiht sich da ins Beispiel aller Positivitäten ein und erzählt einmal mehr eine Story, aus der Ehre, Tiefe, Eloquenz und Würde nur so raus trieft und die in meinen Augen einfach nur sehenswert ist.

Glaubt mir – und das ist wirklich absolut selten inzwischen: Nur wegen der Schauspielerei lohnt sich der Film, da wäre das Thema und Genre fast völlig egal – aber auch das ist wahnsinnig toll und beides gemeinsam sieht schwer nach einem perfekten Kinoabend aus, sofern ihr euch für The Wife entscheidet.

.kinoticket-Empfehlung: Es ist lange her, dass tatsächlich die Schauspieler und Schauspielerinnen den Inhalt einer Story ausgemacht haben und es an ihnen lag, ob eine Erzählung lebt oder nicht … und genau das ist hier der Fall: Ein Volltreffer ins Schwarze!

Jede Figur wurde perfekt ausgewählt, die Story ist schweinegeil und das Schauspiel und die Dialoge leben von einer ehrwürdigen Aufrichtigkeit, die selten so schwer dazu beigetragen hat, dass ein Kinoabend tatsächlich perfekt werden kann. Lasst euch dieses Gourmet-Stück nicht entgehen!

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Januar 2019

Original Title: The Wife
Length: 100 Min.
Rate: FSK

King Cobra

Modern Talking hört keiner und sie haben reißende Absätze zu feiern, Bild-Zeitung liest auch niemand und sie gehört zu den umsatzstärksten Zeitungen Deutschlands, und ein weiteres Thema gibt’s auch noch, das niemand praktiziert und in der Medienwelt eine derartige Reichweite und Macht besitzt ob der vielen Nutzerzahlen: Pornos. Nicht zuletzt hat die Blu-ray dank der Entscheidung der Pornoindustrie für dieses Medium den Kampf gegen die HD-DVD gewonnen.
Soll ich daraus einfach mal schlussfolgern: Keiner gibt’s zu, aber jeder tut es?
King Cobra wendet sich dem Thema zu und erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte rund um die Anfänge der Pornografie im World Wide Web aus Sicht eines damals erfolgreichen Darstellers. Dass die Chose in der Gay-Filmnacht gezeigt wird, lässt für manchen vielleicht schon erahnen, welche Szenen hier auf dem Tablett serviert werden. Die Mutigen unter euch werden jedoch schnell feststellen, dass – wenn schon der Titel so danach schreit – genau das eben nicht Hauptthematik ist, sondern man sich hier mit Schauspielgrößen James Franco, Christian Slater und Alicia Silverstone auf ganz andere Dinge fokussiert, die eben nicht den platten Sex darstellen wollen, um möglichst notgeiles, männliches Publikum anzusprechen, sondern tatsächlich eine Lebenserfahrung zum Besten geben, die zu sehen durchaus lohnenswert ist.
Hierbei findet keine Glorifizierung der Pornografie oder Verherrlichung des Sex’ statt, sondern wird viel eher eine Welt beleuchtet, die in der breiten Öffentlichkeit eben niemals großartig diskutiert, sondern deren Ergebnisse von jedem nur selbst im stillen Kämmerchen genutzt werden. Genau in die Presche der fehlenden Reflektion dieser Abgründe springt dieser Film und breitet den Zuschauern ganz offen und unverblümt eben jene Probleme aus, die mit den Machenschaften in dieser Branche einhergehen, in der es eben nicht nur um Geldverdienen und Sex, sondern durchaus um sehr viel mehr geht.
Gerade Garrett Clayton als Hauptdarsteller spielt hier eine faszinierend authentische Rolle, die genau punktiert ansetzt und die Zuschauer dort abholt, wo man die meisten vermutet und anschließend gemeinsam in die Tiefen dieser Welten vordringt. Die Brillanz, mit der man hier die Gefahren dieser Produktionen mit den ganz alltäglichen Problemen des Erwachsenwerdens verbindet, ist beispielhaft in dieser Szene und in meinen Augen auch für Heteros durchaus ansehnlich. Dadurch wird aus King Cobra wieder einer jener Filme, die zwar im Schwulenmetier spielen, jedoch ganz andere Aspekte in den Vordergrund stellen und damit einen Großteil dieser ansonsten dunklen Welt offen beleuchten und Diskussionsansätze bieten, um eben diese Zwiespältigkeit unserer Gesellschaft offen zu diskutieren.
Dafür sind meines Erachtens zwei Dinge zwingend notwendig. Erstens: Man muss den Film gesehen haben, damit gemeinsames Potenzial besteht, auf dessen Grundlage man Diskussionen führen kann. Und zweitens: Eine erhebliche Portion Toleranz gegenüber Szenen, die durchaus tief in die Gaywelt gehören, die zwar nicht viel, dafür aber sehr eindrücklich sind und bei denen sich vielen schon allein beim dran Denken die Fußnägel aufstellen.
Der Mut, den man hier auf der Leinwand bewiesen hat, sogar gedankliche Ansätze dafür zu bieten, was mit denjenigen ist, die sich bewusst für so ein Leben entscheiden, ist beispielhaft und zeugt nicht nur von Reflektiertheit, sondern auch von gelebter Menschlichkeit. Und im Zuge dessen war auch diese Gay-Filmnacht für mich wieder eine durchaus positive Erfahrung, in die ich gern so manch verbohrten Konservativen reinschicken würde. Und wenn es nur ist, um zu sehen, was dann passiert…
 

.kinoticket-Empfehlung: Indiewire bezeichnet diesen Film als den “besten Film, der jemals über die US-Porno-Industrie gedreht wurde”.
Ich habe keine Ahnung, wer schon alles über was je gedreht hat, darum kann ich diesen Slogan so nicht 100% unterstützen, jedoch empfand auch ich, dass hier ein wahnsinnig gutes Biopic einer ganzen Branche eingefangen und zum Besten gegeben wurde, das durchaus sehr viel mehr zeigt als das Offensichtliche.
Für mich eine sehenswerte Erfahrung, die sich nicht nur ans speziell schwule Klientel wendet, sondern auch für alle anderen genügend Denkanstöße liefert, in einer modernen Welt mit anderslebenden Menschen umzugehen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also von Dannen ziehen, sobald der finale Schuss gefallen ist.

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