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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Cordula Stratmann

Rocca verändert die Welt

DE_Hauptplakat_ROCCA

© 2019 Warner Bros. Ent.

Tja, was soll ich sagen? Es ist der Film, auf den die Welt gewissermaßen gewartet hat, der so vieles so grundlegend anders macht, der sich endlich gegen bestehende Regeln auflehnt und ein meisterliches Beispiel dafür liefert, wie es funktionieren kann – und der dennoch dabei an einigen Dingen scheitert.

Scheitert? Da gibt’s nicht viel. Eigentlich nur ein paar winzige Punkte, die mir im Kino aufgefallen sind: Zum Beispiel die Sprechweise der Kinder und das “typische Verhalten” einiger Erwachsener in solchen Kinderfilmen, das mir immer noch bitter aufstößt und wo ich mir so oft etwas mehr Realismus wünsche.

Sei’s drum: Hier wird ansonsten mit so viel erfrischender Andersartigkeit aufgefahren, die jede Regel, jedes Klischee, jedes Eingefahren sein und jedes Vorurteil mit einer so modernen, klugen, selbstbewussten und gleichberechtigten Weise kontert, dass der Titel bereits jetzt zu Recht mit dem Prädikat “wertvoll” ausgezeichnet wurde.

Und dabei steht Rocca im Vordergrund, deren löbliche Einstellung und tolles Verhalten zwar manchmal die Affinität zur Nerverei aufweist, die aber ständig wieder durch erstaunliche Reaktionen verblüfft und zeigt, dass der Kampf ums Gesehen werden eben auch anders geführt werden kann und dafür nicht zwingend Hass und wilde Raserei von Nöten ist.

So hier wird’s richtig gemacht, meiner Meinung nach.

Nicht selten schafft man es, den Zuschauer an die Grenzen der Rührseligkeit zu bringen und sorgt für mächtig Stimmung im Gefühlsbad der Emotionen, denn, was hier gezeigt wird, ändert einige Ansichten und bringt völlig neue Ideen auf den Tisch.

Aber auch hier ein paar wenige Kritikpunkte: Natürlich mag in der Moral gute Absicht versteckt sein, gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass teils zu unreflektierte “Wahrheiten” wiedergegeben sein wollen, die man nicht zwingend voraussetzen muss, um in der Welt Gutes zu tun: Stichwort: “Fame”. Natürlich ist es herrlich gewesen, endlich mal solch ein Beispiel zu sehen, dieses Verhalten stufe ich jedoch wieder als etwas zu gutgläubig ein, denn es dürfte sich in der Praxis wohl eher als heuchlerisch erweisen und auf lange Zeit nicht durchführbar sein.

Dass wir an manchen Stellen nicht von Realismus sprechen müssen, der glaubhaft und ernst genommen werden kann, bedarf keiner Erwähnung, all dies ändert nichts an der tollen Message und der hervorragenden Intention, die hier durchgezogen wird und mit kindlicher Frische und einer unfassbar energiegeladenen Positivität in die Welt geströmt wird.

.kinoticket-Empfehlung: Mehr davon!

Ein unangefochten einzigartiges Beispiel für selbstbewusstes Gesehen werden im Kampf des Heranwachsens und der Geschlechterdiskriminierung: Hier werden so tolle Chancen und Möglichkeiten aufgezeigt, wie man dem alltäglichen Mobbing entgegen treten kann ohne dabei in Depression und Selbstmitleid oder gar Hass zu versinken.

Dass dies von Kindern dargestellt wird, verstärkt den Effekt und sorgt für ein unvergleichbares Kinoerlebnis, das ihr schnellstmöglich aufgreifen solltet, solange der Titel noch auf den Leinwänden ist.

Nachspann
✅ Rennt nicht gleich raus, hier werden zu Beginn noch Sequenzen gezeigt, die ihr auf jeden Fall mitnehmen dürft. Die Gute Laune macht auch im Nachspann keinen Halt.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Rocca verändert die Welt
Length: 101 Min.
Rated: FSK 0

Sweethearts

Sweethearts

© 2019 Warner Bros. Ent.

Karoline Herfurth – manchen bekannt aus Türkisch für Anfänger – den meisten spätestens durch die Fack Ju Göhte-Trilogie, hat nun ihre zweite Regiearbeit angenommen und uns im Rahmen der Ladies Night im CinemaxX München gebeichtet, dass dies gar nicht so einfach war, da sie zeitgleich auch noch die Hauptrolle in ihrem eigenen Film spielte und beide Persönlichkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten: Hauptdarstellerin und Regisseurin.

Tatsächlich erwägt der .trailer auch beim Publikum nicht so großes Interesse, sondern sorgte teils sogar für verhaltene Reaktionen, was wohl auch der Grund dafür ist, dass sich die Meute nicht zwingend auf den Film stürzt und die Säle aus allen Nähten platzen lässt. Großer Fehler!

Ihr kennt meine Affinität zu deutscher Kultur, was Filme angeht und wisst, dass ich regelmäßigen Brechreizen erliege, wenn ich die Klientel da drin so “sprechen” höre. Dazu kommt dann noch der “Blödplot” bekannt aus Sat.1 und fertig ist das Fremdschämprodukt… WAS?

NEIN! Herfurth zeigt endlich, wie man es richtig macht und sorgt im Saal für dermaßen Humor, wie ich es in meiner Karriere in deutschen Filmen bislang noch nie erlebt habe! ENDLICH hat’s jemand verstanden und bringt einen Plot, ausgereifte Charaktere und empfehlenswerten Witz auf die Leinwand, bei dem der Spaß im Saal mal sicher ist. Ganz ehrlich? Beste Unterhaltung ist hier garantiert!

Frederic Linkemann (ganz links) und Karoline Herfurth (ganz rechts) in der Ladies Night im CinemaxX München

© Petra Schönberger

Die beschwingte Leichtigkeit, die präsenten Darsteller, der exquisite Humor und ein Drehbuch, das am Ende leicht melancholisch wird und vielleicht etwas an Geschwindigkeit einbüßt, formen hier einen Film, den man sich definitiv mit Freundesschaft und Familie im Kino besehen sollte – denn auch das Publikum tut sein übriges und zählt an dieser Stelle für mich mit zum Film dazu.

Herfurth selbst sorgte nach dem Film zusätzlich mit Frederic Linkemann nochmal für bombastische Stimmung im Kino und stand anschließend Rede und Antwort auf die Fragen zum Film … und bewies einmal mehr, dass ihr schauspielerisches Talent tatsächlich auch außerhalb von Kamera und Set perfekt zur Unterhaltung taugt und sie die “müden Deutschen” trotzdem dazu animieren kann, Spaß zu haben und einen tollen Abend zu erleben.

Vielen Dank an dieser Stelle für die sensationelle Show – und danke, dass es nun endlich wieder eine deutsche Regisseurin gibt, deren Arbeit man anderen empfehlen kann – besucht ihren Film und habt viel Vergnügen!

.kinoticket-Empfehlung: Deutsches Kino mit Lachern und einem vergnüglichen Plot, dass tatsächlich empfehlenswert ist?

Karoline Herfurth hat genau dies geschafft und den Monster-Zweifler überzeugt: Dieser Film taugt bestens für eine absolut lustige, unterhaltsame und erfrischende Show – besser könnte man einen Tag nicht ausklingen lassen.

Also besorgt euch .kinotickets, schnappt ein paar Jungs und Mädels von der Straße dazu und geht gemeinsam in diesem Film – ihr werdet es hinterher nicht bereuen!

Nachspann
❌ muss nicht ausgesessen werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Sweethearts
Length: 107 Min.
Rated: FSK 12

SMS für dich…

Ja, ich habe diesen Titel gemieden wie die Pest.
Ja, ich habe einen großen Bogen darum gemacht, dass mein Stammkino genau dieses Werk in den größten Saal katapultiert hat – denn das haben sie ja auch mit den Schweighöfer-Filmen gemacht und die mochte ich auch kein Stück.
Ja, ich habe gedacht, ich komme drumrum und lasse das Werk einfach in einer unsichtbaren Versenkung verschwinden und komme drumrum, ihn anzusehen.
Der Grund? Der Trailer.
So furchtbar naiv, klischeebehaftet, weibisch, schmalzromantriefend und vorhersehbar – das kann nur schief gehen.
Ja, ich hatte Vorurteile und es tut mir leid – ich habe einen Fehler gemacht.
Nachdem mich die Filmbelegung diese Woche mehr oder weniger dazu gezwungen hat, diesen Titel doch in die Movieschiene der zu sichtenden Titel aufzunehmen, habe ich mich selbst dafür verflucht, dieser genialen Meisterleistung so lange aus dem Weg gerannt zu sein, denn ich hätte euch schon längst in die Säle schicken müssen und nicht erst darauf hinweisen, wenn es fast schon zu spät dafür ist.
Soviel zu meiner Beichte.
Was mir an SMS für dich… so unglaublich gefallen hat?
Berliner Schnauze – die eine ungekannte Authentizität auf die Leinwand bringt, deren Charme man auch als Nicht-Berlin-Liebhaber nicht widerstehen kann. Diese liebevolle Sprache, für die ich als Ex-Berliner natürlich extrem viel übrig habe, bringt nicht nur unglaublich viel Sympathie ins Spiel, sondern sorgt auch dafür, dass man sich als Zuschauer ernstgenommen fühlt und der Story Glauben schenkt – denn genau so könnte es dir auf offener Straße auch passieren.
Das Thema – tausende Male erzählt, wiederaufbereitet und doch völlig neu entworfen: Filme über die Liebe, Frauen, Männer, Beziehungen, Dramen, Enttäuschungen und Glück gibt es wie Sand am Meer. Dass all dies hier nicht zum Inhalt gehört, sondern man eine völlig neue Plattform betritt, die nicht nur das Rad irgendwie komplett neu erfindet, sondern dazu auch noch eine frische Brise Moderne mit auf den Plan wirft, ist gleichermaßen schmeichelnd wie wohltuend: Auch hier merkt man wieder die Unverbrauchtheit der Regisseurin – und genau diese Tatsache lässt einem alteingesessenen Filmliebhaber um so mehr das Öl die Kehle runterlaufen.
Der Umgang mit Klischeemomenten – die irgendwo keine mehr sind, sondern sich auf einer völlig normalen, natürlichen Basis zu etwas wirklich fesselndem entwickeln, von dem man seine Augen nicht mehr abwenden kann: Der Unterhaltungskomplex hat hier eine Dimension erreicht, die einen vergessen lässt, dass man gerade in einem Film sitzt und sich womöglich auch langweilen könnte, sondern du bist bei der Sache und fieberst bis zum Schluss mit, wenn man in einem überbordenden Finale gipfelt, dass dem vorurteilsbehafteten Zuschauer die letzten Argumente raubt, wenn der sich selbst mitwippend in einem Hauch Selbstironie wiederfindet, die jeglicher Vorstellung von Normalität spottet und etwas hinterlässt, dass ich dem Machwerk hinter diesem Trailer niemals zugetraut hätte.
Wie auch schon bei Unsere Zeit ist jetzt hatte ich hier einmal mehr den verstärkten Eindruck, man gibt sich zur Zeit grade die allergrößte Mühe, all die stummen Gebete der Vergangenheit zu erhören und in Deutschland endlich eine Basis zu schaffen, auf der Filme kreiert werden, die man auch in 20 Jahren noch guten Gewissens weiterempfehlen kann. SMS für dich… gehört für mich seitdem zu den Pflichtfilmen, die jeder deutsche Movieliebhaber in seiner Sammlung haben sollte – wer hätte das gedacht.
Und wer von dem Cast noch irgendwelche Nachwehen zu verdauen hat, möglicherweise aus Titeln wie Fack Ju Göhte 2, dem sei gesagt: Die Überraschung ist euch versprochen – so habt ihr diese Jungs und Mädels noch nie spielen sehen.
Wenn’s weiter so läuft mit der inländischen Produktion, werde ich bald noch Fan von deutscher Filmkost … – das schockt mich ehrlich gesagt genauso wie euch vielleicht an dieser Stelle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Es tut mir leid, dass ich so spät darauf hinweise – man sollte sich so schnell wie möglich aufmachen und dafür den Kinosessel buchen.
Alles andere wären vertane Chancen, denn hier zeigt man eimmal mehr, welches filmische Potenzial unser Land aufzuweisen hat und in welche Richtungen man gehen kann.
Das Dargebotene hat mich nicht nur tief beeindruckt, sondern setzt unglaubliche Maßstäbe für kommende Kinofilme, deren Kreativität, Charme, Unverbrauchtheit und Liebe zur Erzählung hoffentlich noch oft zu sehen sein wird.
Also rein und diesen Titel zu einem Erfolg werden lassen. Es lohnt sich.

 
Nachspann
Auch hier gilt wieder mal: Sitzenbleiben. Die gezeigten Szenen während des Abspanns sind die paar Minuten wert.

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