Dan Stevens

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Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
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Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

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Müsste ich das vorliegende Werk klassifizieren, würde ich ihn dem New York-Genre zuordnen, denn diese Stadt hat sich in der Geschichte doch längst – sind wir ehrlich – als eigenes Filmgenre herauskristallisiert.
Norman erzählt wieder eine Story, die sich in dem für mich bis heute immer noch nicht greifbaren Genre der New Yorker Büroturm-Welt abspielt und es dennoch geschafft hat, mich so richtig zu packen.
Wer jetzt glaubt, er wird mit Floskeln aus einer Branche beworfen, mit der auch er nichts anfangen kann: Selbst die Originalversion des Films ohne Untertitel war für alle leicht verständlich – ein Hoch auf Richard Gere, dessen seelige Ruhe auch in diesem Film wieder maßgeblich zu einem wunderbaren Feeling beiträgt.
Neben ihm machen Lior Ashkenazi, Michael Sheen, Steve Buscemi, Harris Yulin und andere ebenfalls eine gute Figur und offenbaren dem Kinopublikum eine verzweigte Story, die in Theater-Manier aufgespielt wird und mit der man sich spätestens nach 10 Minuten innig angefreundet hat.
Und wer zwischendrin meint, aus welchen Gründen auch immer den Saal verlassen zu müssen, der verpasst eines der schönsten Filmenden, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und bei im Durchschnitt 400-500 Vorstellungen im Jahr sind das einige.
 

.kinoticket-Empfehlung: So unscheinbar der Titel, so altbacken vielleicht der Hauptdarsteller in seinem Genre wirken mag, so genial und grandios durchzogen ist der Plot, der in einem Finale mündet, dass wirklich jedes Herz aufbricht.
Man braucht vielleicht eine Weile, bis man drin ist, aber dann macht die Show wirklich Spaß. Zutiefst berührend und sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – Ausgang freigegeben.
Kinostart: 21. September 2017

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Vor der Pressevorführung habe ich mich gedrückt, den Film in Ruhe anlaufen lassen und mich dann doch dazu bequemt, ihn mir im Kino anzuschauen.
Meine Kritik zu Vaiana ließ meinen Geschmack zu Disney-Filmen ja bereits etwas durchblitzen und erkennen, dass ich nicht unbedingt der Typ dafür bin, der gesungenen Musicals auf der Leinwand großartig etwas abgewinnen kann.
Dazu kommt die relativ einfallslose Geschichte, die man so schon hundertfach gesehen hat und auswendig mitbeten kann, die Disney im Zuge der Wiederaufbereitung der vergangenen Film-Jahrzehnte jetzt auch wieder ausgräbt, um noch mal ordentlich Kasse zu machen.
In Verbindung mit der Gier des Konzerns nach Geld, die vielen kleinen Kinos das Leben schwer macht – was ich Disney bisher immer noch nicht verziehen habe, sorry! – bin ich mit sehr stark gemischten Gefühlen in diese Vorstellung gegangen ohne große Lust, mir den Film tatsächlich anzusehen.
Von der Presse wird Emma Watson für ihre Darbietung sehr gelobt, der Film erhält insgesamt positive Kritiken und die Menschen scheinen zufrieden damit zu sein.
Was mich auf nüchternen Magen und ohne das magische Einhornsprühen glitzernder Sterne in den Augen habend etwas gestört hat, waren die teilweise unterirdischen Dialoge, die sowohl bei den Erzählungen als auch in den Songs verwendet werden. Dies entbehrte an vielen Stellen einer unfreiwilligen Komik, die dem ziemlich gefüllten Saal auch zu viel Gelächter verhalf.
Aber ich möchte dem zukünftigen Publikum die Show jetzt auch nicht schlecht reden, und da ich persönlich ehrlich gesagt nicht wirklich weiß, was ich zu diesem Film noch sagen soll, habe ich mich auf die Suche nach ein paar Damen im Saal gemacht und sie einfach gefragt, wie sie die Vorstellung fanden.
Dabei kam raus, dass – wie auch schon bei Fifty Shades of Grey – eine der Damen nur wegen ihrer Freundin mitgegangen ist, dann aber die Liebe zum Film entdeckt hat und sich ihn sogar noch einmal ansehen würde, wenn sich jemand findet, der eine Begleitung fürs Kino braucht.
Gut gefunden wurde auch, dass man sich hier eher am klassischen Märchen orientiert hat und nicht so auf die Horrorelemente gegangen ist, wie es bei anderen Märchenverfilmungen ja durchaus öfters zu finden ist. Damit erinnert dieser Film eher an die eigene Kindheit und wenn man die Erzählung früher schon mochte, bekommt man sie heute in einer technisch aufbereiteten aber dennoch gelungenen Version wieder auf der Leinwand zu sehen.
Eine der Damen hatte – wie ich – auch größere Probleme damit, dass ständig gesungen wird, weil sie so etwas persönlich überhaupt nicht mag. Sie empfand bei diesem Werk die richtige Ausgewogenheit zwischen Gesangseinlagen und erzählter Geschichte, was die Story als solches recht angenehm rüberbrachte.
Die Animationen und das 3D sind bei diesem Film so dermaßen herausragend, dass man den Kinos fast schon verbieten sollte, überhaupt 2D-Vorstellungen anzubieten. Die Räumlichkeit und Integration in die reale Verfilmung ist derart gelungen, dass ich Disney erstmalig zugestehe, das verdiente Geld auch wirklich in gute Filme zu investieren.
Man sollte sich als Zuschauer von vornherein darüber im Klaren sein, dass hier eben keine klassische Märchenerzählung stattfindet, sondern das ganze eher wie ein gefilmtes Musical rüber kommt, das in sehr großem Stil mit sehr viel Detailgetreuheit inszeniert wurde, um hier einmal mehr die technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu feiern.
Damit hat Disney für mich zwar nicht den großen Coup gelandet – dafür hätte ich mir etwas mehr Inspiration und Kreativität im Plot gewünscht – aber dennoch eine Vorstellung abgeliefert, die Musical-Niveau hat und durchaus auf einer Theaterbühne gezeigt werden könnte. Damit entfernt man sich etwas von den klassischen Erzählungen des Kinos und sollte hier nicht von Kinokritikern bewertet werden, sondern sich sein Publikum eher im Opernbereich suchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fest steht, dass Disney sich selbst im Vergleich zu allen anderen Filmen hier getoppt hat, denn auch meine beiden Interview-Gäste empfanden dieses Werk deutlich qualitativ über den Vorgängerfilmen wie Vaiana & Co.
Wer also auf klassische Märchen steht, keine großartigen Innovationen hinsichtlich einer Geschichte braucht und einfach tollen Farben, Formen und Bewegungen etwas abgewinnen kann, der sollte sich zwingend ein 3D-Ticket kaufen und diese Vorstellung aus Herzenslust genießen.
Der Song, der mir persönlich am besten gefallen hat, befindet sich am Beginn des Nachspanns, der irgendwie auch eine Art Charakter des Films darstellt.
Also hört euch von Celine Dion “How does a Moment Last Forever” an und entscheidet auf Basis des Gefallens dieses Songs, ob dieser Film für euch taugt oder nicht.

 
Nachspann
Bei den 3D-Animationen bleibt sowieso jeder noch sitzen, danach kommt nichts weiter, auch wenn der Hintergrund wunderbar aussieht.

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Ich höre schon wieder Zähneknirschen, wenn einige den Namen John Travolta lesen. In seiner Karrierelaufbahn hat dieser Kerl nicht nur einmal mit seinen Machwerken direkt ins Klo gegriffen.
Wenn sein Name im Vorspann auftaucht und man sich so besieht, was gezeigt wird, dann ist es tatsächlich auch richtig schwer, erstmal damit klar zu kommen. Man könnte fast sagen: Man wird mit einem festen Arschtritt ins kalte Becken geschmissen und muss tierisch rudern, um irgendwie an der Wasseroberfläche zu bleiben – und wenn man einmal die Balance gefunden hat, dann ist es im Becken auf einmal richtig geil.
Criminal Activities gehört definitiv nicht zu den Massenunterhaltungsfilmen, sondern breitet sich hier in einer Nische aus, die man lange nicht mehr im Kino gesehen hat. Es stehen außer Travolta keine unbedingt bekannten Schauspieler auf der Bildfläche und die Art ihrer Präsentationsweise ist – as said – sehr gewöhnungsbedürftig.
Was es meines Erachtens nach aber absolut rausreißt, ist die Pointe des Films, die sich über den kompletten Schluss erstreckt und die Gegebenheiten nochmal so richtig durchmischt und somit beweist, dass hier jemand die Finger im Spiel hatte, der definitiv etwas von guten Geschichten versteht – auch wenn sie zeitweise etwas Hirnakrobatik erfordert und nicht nur visuell manchmal Magenschmerzen hervorrufen kann.
Die gezeigten Szenen sind hier und da mal nichts für schwache Gemüter, wer sich aber von dem Anfangs erwähnten Arschtritt erholt hat, darf hier nun schlussendlich ein Fest des neuartigen Geschmacks zelebrieren und geht nicht enttäuscht wieder aus dem Saal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn man Travolta nicht mag, darf man trotzdem sein .kinoticket für diesen Film lösen, denn es erwartet einen fast schon anspruchsvolle Unterhaltung auf einem völlig nischenhaften Niveau.
Es braucht Zeit, um sich auf die ungewohnten Gegebenheiten einzustellen, wer dann aber den Absprung in die Geschichte schafft, geht in ihr völlig auf und hat auch durchaus seinen Spaß daran.
Der Mainstream dürfte so seine lieben Schwierigkeiten mit diesem Werk haben – und das ist auch gut so, denn Filme wie dieser beweisen, dass Kino auch salonfähig für andere Dinge als stupide Ballerei ist und Anspruch nicht unbedingt sofort ein Garant für einen Flop darstellt. Hoffe ich.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also nach der Schwarzblende wieder nach draußen rennen.

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