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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Diane Lane

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

The Secret Man

Oftmals braucht man ja gar nichts mehr zu einem Film sagen, sondern einfach nur ein Gesicht dazu präsentieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und die Zuschauerschaft ins Kino zu locken.
Wie wäre es mit Liam Neeson? Dessen Konterfei ja mittlerweile auch seinen eigenen Ruf erarbeitet hat und für ein ganz bestimmtes Genre steht, dass sich quasi schon als Subkultur innerhalb der Thriller- und Actionwelt begründet hat?
Ähm … schwierig. Richtig?
Aus dem Grund haben die Kostüm- und Maskenbildner in The Secret Man auch erstklassige Arbeit geleistet, da man den Mann in seiner Güte kaum wiedererkennt. Und seine Rolle schon gar nicht.
Bereits im .trailer entdeckt man eindrucksvoll, zu welch schauspielerischen Höhenflügen dieser bereits in die Jahre gekommene Mann noch fähig ist und dass er es durchaus versteht, seine Fans und darüber hinaus auch andere zu begeistern.
Nicht nur, dass diese Story wieder auf wahren Begebenheiten beruht, die damals von den Medien bis ins unerträgliche ausgeschlachtet wurden, sondern man münzt die Vorfälle in entertainmentfreudige und brachial-unterhaltsame Momente um, die einen erstklassigen und vor allem spannenden Polit-Thriller erschaffen, der gerne wochenlang die Blockbuster-Top-10 anführen darf.
Dass solche Naturgewalten schon seit Jahrhunderten die Massen begeistern, ist ja allseits bekannt. Einen so intimen Einblick in die privaten Bereiche dieser Organisationen mit Messer und Salz bewaffnet für all die wunden Punkte ihrer Karriere hat bislang aber noch keiner so eindrucksvoll hingekriegt.
Mich hat’s extrem mitgenommen und wieder mal hat Hollywood es nachträglich geschafft, eigentlich langweilige, für Schüler und Studenten uninteressante Politik zu einem sehenswerten Erlebnis zu machen, dass noch lange nachhallt und einprägsam einen Teil unserer Weltgeschichte ins Gedächtnis einbrennt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehen sollte man den Film auf jeden Fall, denn der zerbricht fast unter seiner selbst aufgebauten Spannung – und das, obwohl eigentlich alles schon vorab bekannt sein könnte.
Dazu sollte man sich ein ungestörtes, großes und soundträchtiges Kino suchen, aber nicht auf Actionsequenzen warten, sondern sich von dem wummenden Sound und der politischen Härte umnieten lassen.
Unterhaltung ist dabei auf jeden Fall garantiert.

 
Nachspann
wahrt die Anknüpfung an die reellen Geschehnisse in Form von Sätzen. Danach folgt nichts mehr.
Kinostart: 2. November 2017

Paris kann warten

Wenn der Name Coppola fällt, und damit nicht Francis Ford oder seine Tochter Sofia gemeint ist, dann wird es für mich ebenfalls außerordentlich interessant. Dass diese Familie im Filmemachen bereits eine gesegnete Grundeinstellung hat, dürfte ja hinreichend bekannt sein.
Diesmal macht sich Eleanor daran, ihren ersten Spielfilm zu inszenieren und betritt damit für sie völlig neues, ungewohntes Terrain. Dass sie sich dabei völlig anderen Herausforderungen stellen musste (zum Beispiel buchte sich ein arabischer Scheich mit 1000 Gästen in das gewünschte Hotel ein, weswegen der Drehort geändert werden musste), ist dabei nur eine Aufgabe, die sie im Verlauf des Drehs gemeistert hat.
Eleanor schrieb und filmte aus eigener Erfahrung heraus und machte so eine eigentlich persönliche Anekdote zu einer grandiosen Filmidee, die sie mit Paris kann warten hervorragend umgesetzt hat. Ihr Fokus auf die kunstvoll inszenierten Meisterwerke, die sich gerade im französischen Milieu verbergen, ist unverkennbar. Die Liebe zum Detailreichtum, die Hommage an die alten Baumeister und kreativen Schaffensprozesse in punkto Architektur, Kultur und Kulinarik ist eindeutig. Damit generiert sie ein Werk, das nicht von dem Prunk ihres Namens oder durch irgendwelche überdimensionierten Kritiken an Hollywood und der Filmindustrie lebt, sondern etabliert ein wunderschön-mümmeliges Stück, das anzusehen mehr als Pflicht ist.
Der französische Charme von Land und Leute erweist sich hier als absoluter Glücksgriff. Die teils immer morbider werdenden komisch anmutenden Präferenzen des diesländischen Kinos werden hier galant umschifft und sorgfältig neu erfunden.
Dabei bedient sie sich als Regisseurin nicht nur beispielloser Bilder und Impressionen, sondern gleichermaßen wunderschöner Charaktereigenschaften, die in einem sanften Stück über die Bildfläche schweben und der Zeichnung ihrer Darsteller immer mehr Profil verschaffen, bis es zum endgültigen Showdown kommt.
Gerade ihre Versessenheit darauf, der Kunst hier freie Bühne zu bieten, hat mich während der Vorstellung im Innersten getroffen und abgeholt.
Der spritzig-bunte Sommerflair eines verträumt-romantischen Teils dieser Erde gepaart mit der untypischen Geschichte erweckt nicht nur das Fernweh und Urlaubsfieber, sondern auch den emotionalen Part im Menschen und sorgt hier im Kino (und später hoffentlich auf arte) für jede Menge begeisterte Zuschauer, die sich an dem Können einer erfahrenen Frau laben dürfen, die hier eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit 92 Minuten Laufzeit ist diese Show viel zu schnell vorbei.
Die gekonnte, fein austarierte und liebevoll designte Hommage an Land, Kultur und Leute wird hier von einer Meisterin inszeniert, die sich damit auf dem Spielfilmmarkt ebenfalls ihre Lorbeeren abholen darf.
Paris kann warten besticht nicht nur durch seine immens verträumten Bilder, sondern vor allem auch durch den überaus charmanten Geist seiner Darsteller/innen. Ein Stück, dass man definitiv im Kino gesehen haben sollte.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Wer die Musik liebt (oder nicht will, dass es schon vorbei ist), der bleibt einfach bis zum Ende sitzen.
Kinostart: 13. Juli 2017

Batman v Superman: Dawn of Justice (3D)

Ein – inklusive Kinowerbung – 3-Stunden-Stück per .kinoticket-Kauf auf die To-Do-Liste zu setzen erfordert für manch einen wohl doch eine gehörige Portion Respekt vor dem eigenen Durchhaltevermögen. Und mit dieser Laufzeitansage begibt man sich auch gleich mal seitens der Macher auf episches Terrain, das einige Stolperfallen bereithält.
 
Mehrere Superhelden unter einem Hut
Meiner Meinung nach einer der gravierendsten Punkte, die man Batman v Superman: Dawn of Justice andichten kann: Hier müssen mehrere Welten miteinander vereint werden und durch die Charaktertiefe eines Batman und das düstere Höhlenloch, aus dem er gekrochen kommt, schafft man das eben nicht mehr ganz so einfach wie bei den vergleichsweise metallglatten Avengers, deren Aufgabe es im Nachhinein ja wohl eher nur war, die 14jährige Kinderriege zu unterhalten.
Batman ist für Erwachsene und zeugt hier von einer Welt, die durchtrieben, bösartig und vielschichtig ist. Superman hingegen war auf der Leinwand eher die aalglatte Vorstellung von superlativen Effekten gepaart mit dem hervorragenden Look eines Henry Cavill, der seinerseits eben nicht dafür gemacht ist, einen Helden zu mimen, der mehr kann als nur gut auszusehen. Er erschafft kein Profil, er erschafft keinen Charakter – was seinem Part im Film diesmal schon eher positiv zugute kommt, jedoch verblasst seine Darstellung dadurch im Rampenlicht des mit sich selbst zweifelnden Batmans und fordert den düsteren Höhlenhelden daher eher dazu auf, sich auf das Niveau der Allgemeinheit herabzulassen, um ihm gehörig die Birne zu waschen.
Dass sich im Zuge dessen dann noch weitere Epos-Helden etablieren und auf den Olymp der Comicgötter stellen wollen, lässt drei Stunden Laufzeit fast zu einer Farce verkommen, denn der Platz, auf dem sich die einzelnen Charaktere entwickeln dürfen, ist mehr als knapp bemessen.
 
Der Verzicht auf bekannte Elemente vergangener Tage
Stellt euch die Dialoge eines Jeremy Irons mal gesprochen von Michael Caine vor. Ersetzt dann den zeitweise gesichtslosen Daredevil-Versager mal mit dem rühmlich-bösen Christian Bale und achtet darauf, was in eurem Kopf passiert: Richtig! Diese Konstellation ist in meinen Augen einer der Gründe, weshalb The Dark Knight vorzüglich an allen anderen Streifen konkurrenzlos vorbeizieht und auch in 50 Jahren noch einer der Filme sein wird, die sich nicht mit anderen Filmen gleich welcher Art vergleichen lassen. Er hat einfach funktioniert und hier die Welt von Gotham mehr als präsentabel auf die Leinwand gebracht – Christopher Nolan erschuf einen Allzeitklassiker, der die Filmgeschichte maßgeblich geprägt hat.
Snyder, dem viele nichts, ich aber durchaus etwas abgewinnen kann, durfte hier halt nur nochmal am Kuchenteig schnüffeln und ist selbst eben nicht der Bäcker, der auf der cineastischen Nobelpreisverleihung steht und hier großartige Lorbeeren kassiert. Er hat seinen eigenen Stil, der er meines Erachtens nach auch großartig umsetzt (man bedenke z.B., mit welch stilistischer Einführung man die beiden Helden anfangs geschichtlich auf Vordermann bringt) und zeigt hier ganz klar anders positionierte Stärken als es ein Christopher Nolan tun würde. Dieser hat sich nämlich in die hinteren Ränge gesetzt und gemeinsam mit Hans Zimmer nur noch Spuren seines Schaffens am Gesamtwerk hinterlassen.
Da sind auf einmal zwei völlig verschiedene Welten, zwei großartige Soundtrack-Komponisten, zwei völlig verschiedene Facetten zweier Superhelden, die in einer einzigen Geschichte zusammenfinden müssen, was zwangsweise zu Abstufungen in der Eleganz perfektionierter Erzählungen führen muss. Superman wird Tiefe angedichtet, die Batman geklaut wird, um irgendwie einen korrelierenden Faktor zu erschaffen, auf dem sich all diese Elemente miteinander verbinden.
Und ein Publikum, das von Nolan in der Vergangenheit derart verwöhnt wurde, hat es dann eben schwer, mit neuen Maßstäben mitzuhalten und die Akzeptanz dafür aufzubringen, dass sich manche Dinge jetzt einfach geändert haben und man damit leben muss.
Interessant fand ich, dass Jesse Eisenberg von der Presse eher vorbeugend verrissen wurde, weil gerade seine Figur eine derjenigen war, bei denen nahezu alles gestimmt hat. Mal ganz im Ernst: Welches Werk hat dieser Junge in der Vergangenheit angepackt, in dem er nicht vollständig überzeugen konnte? Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die solche Dialoge wie in The Social Network auswendig lernen mussten. Und auch in diesem Film überzeugt er durch seine derart authentische Darstellung eines – man möchte fast schon sagen – zweiten Jokers, dass einem fast die Spucke wegbleibt und jede seiner Szenen zu einer cineastischen Gourmeterfahrung wird. Selbst wenn er in seinem gespielten Wahnsinn nur in die Kamera schaut, erlebt man als Zuschauer hier vollkommene Schauspielkunst, denn der Wahnsinn spiegelt sich in seinen Augen wieder und zeugt davon, dass Jesse seine Rollen nicht nur spielt, sondern tatsächlich auslebt.
Aus dem Grund jetzt zu behaupten, Batman v Superman: Dawn of Justice wäre nicht so toll gewesen, finde ich als etwas ungerecht, denn Snyder hat tatsächlich geschafft, in gewisser Weise wieder Größe auf die Leinwand zu bringen, auch wenn er an dem Experiment, viele Welten in einer zu vereinen, gänzlich scheiterte. Vielmehr hat man das Gefühl, alles wird jetzt nur noch schleierhaft in die Szenen gewebt, um überall etwas, aber nirgendwo etwas handfestes im Raum stehen zu haben, das der ganzen Sache Seele einverleibt.
Daraus resultieren dann zeitweise anklingende Perfektionslücken, die den Zuschauer aber dennoch kaum spüren lassen, wie schnell die Zeit vergeht – denn selbst ohne Pause in der Vorstellung kam mir die Spielzeit fast schon lächerlich klein vor, als der Abspann über die Leinwand nudelte. Action gibt’s auf jeden Fall gewaltig und wenn die Kinos das Prinzip verstanden haben und die Anlage ordentlich aufdrehen, dann macht der Streifen auch in Sachen Entertainment richtig Freude. Die unbestritten superlativen Kämpfe haben es auf jeden Fall in sich und sind würdig, den Film auf den Status eines Epos zu erheben, wo er sich mit anderen genialen Machwerken in Zukunft messen lassen darf.
Ich für meinen Teil werde definitiv noch eine Vorstellung dieser Art besuchen und dann schauen, wieviel von meiner anfänglichen Begeisterung geblieben ist, kann mir aber jetzt kaum vorstellen, dass sich da großartig was dran ändern wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kommt damit klar, dass hier neue Seiten aufgezogen werden und The Dark Knight niemals vergleichbar sein wird – hakt die Anhänglichkeit an die Vergangenheit ab und gebt der Sache eine Chance, dann wirds ein Schlachtfest der Action und Epik.
Niemand verlangt, dass Altes weitergesponnen wird und genauso, wie wir uns damit abfinden müssen, dass unser Lieblings-Bond hin und wieder mal neu besetzt wird, so müssen wir damit Vorlieb nehmen, dass perfekt funktionierende Konstellationen nach gewisser Zeit begraben werden um Platz für Neues zu schaffen.
Ich seh es positiv: So ist sichergestellt, dass mir die “Anfänge” von Batman immer positiv in Erinnerung bleiben werden, denn die nolansche Dark Knight-Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen. Und würde man jetzt weitermachen, könnten an der Fassade dieser ikonischen Stilblume kleine Macken entstehen und das würden denk ich noch viel weniger Menschen verkraften als die Tatsachen, denen man sich in diesem Werk hier stellt.
Also Schwanz einziehen, sich mit reichlich Popcorn und Getränken eindecken, das Handy lautlos ins Schließfach packen und sich dann einfach mal drei satte Stunden lang berieseln lassen – glaubt mir, am Ende macht’s euch doch Spaß!

 
Nachspann
erwartet hab ich ihn schon, gekriegt aber nicht: Hier darf man nach Anbrechen der weißen Lauftext-Zeichen gern damit beginnen, sich wieder aus dem Kinosessel rauszuschälen. Ein paar Meter weiter im Boden sitzt man am Schluss auf jeden Fall.

Alles steht Kopf (3D)

Disney eröffnet wieder eine neue animierte Welt – und macht damit so dermaßen aggressiv mit Trailern, Teasern und angepassten Werbeeinspielungen Furore, dass man glaubt, das Teil muss derart krass in die Hose gehen, sonst würde man nicht vor einer Filmvorstellung ungefähr 18x auf diesen Film hingewiesen werden.
Tatsache ist, dass Leute wie ich wahrscheinlich 18x in den Film rennen werden, denn das krankhafte da rein treten seitens der Werbeindustrie hat sich mehr wie gelohnt.
Was spielt sich im Hirn eines Menschen ab? Wie funktioniert der undurchsichtige Kasten da oben auf dem Körper und was passiert so im Laufe des Erwachsenwerdens?
Dies und mehr wird so unglaublich liebevoll und anschaulich auf der Bildfläche präsentiert, wie es sonst wahrscheinlich kein anderer könnte. Am Anfang ist es super einfach, wird dann immer komplexer und gipfelt schließlich in einem Abspann, der die meisten wohl “Nochmal! Nochmal!” schreien lässt.
Hier wurden nicht nur wissenschaftliche Fakten absolut verdaulich auf den Tisch gebracht, sondern mit einer Art, vor der ich mich tief verneige, eine Form von krankhaften Humor auf die Leinwand geprägt, die einfach jeden irgendwo mitreißt und zum Lachen bringt.
Wer bei diesem Film kein Glück empfindet, dem ist nicht zu helfen. Der Nachspann setzt uns ja schon einige Varianten vor, wie man das Ding nun weiterspinnen könnte und ich hoffe, dass da noch viele Fortführungen (und keine Kopien) folgen werden, denn diese Form der Unterhaltung macht einfach nur eines: Spaß!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Film, den man definitiv unbedingt gesehen haben sollte, denn hier werden so ziemlich alle Gefühlslagen angesprochen, die es gibt.
Dass man dabei nicht ausschließlich Kinder, sondern vielleicht sogar vorwiegend Erwachsene anspricht, zeigt einmal mehr, dass Animation nicht ausschließlich für die Jüngsten zu gebrauchen ist, sondern einfach nur das Feld für viel mehr kreative Freiheit schafft, auf der man sich exzellent ausleben kann.
Und das wurde hier bravourös gemeistert und mit so vielen lustigen Szenen gespickt, wie sie kaum ein anderer Film bereithält. Für einen gelungenen Kinoabend ist dieser Griff auf jeden Fall der richtige!

 
Nachspann
Sitzenbleiben, bis die Bilder verstummen. Aber hier steht sowieso keiner freiwillig auf.

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