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Horror. Kino. Eigentlich immer eine schlechte Idee. Mainstream-Horror kam noch niemals gut in der Genre-Gemeinde an und das richtig geile Zeug schafft es komischerweise niemals in die Kinos. Alles, was man in der Regel zu sehen zu bekommt, dümpelt irgendwo in der Belanglosigkeitsgrube vor sich hin und macht in Sachen Plot und „Wir erschrecken dich zu Tode“-Versprechungen immer die gleichen Fehler.

Ich habe gewissermaßen aufgegeben, guten Horror im Kino vorgesetzt zu bekommen und meine Hoffnungen ad Acta gelegt, die mich immer wieder vorwärts trieben und meine sehnsüchtigen Adrenalindrüsen schon im Vorfeld auf Hochtouren laufen ließen, wenn auf den Plakaten wieder irgendeine zukünftige Enttäuschung angepriesen wurde.

Inzwischen haben ja eh Halbkommerzialisierte den Bau übernommen, die fortan als Produktionsschleuder fungieren und so hoffentlich einen „Hit“ nach dem anderen landen, der zumindest viel Geld in die Kassen spült. Sehr zum Ärger des Horrorkinofans, der eben keine ausgewählten Schmankerl mehr vor die Füße gesetzt bekommt, sondern sich mit dem Schrott rumschlagen muss, den andere als „absolut tödlich“ bezeichnen.

Ja, man hat sich gewissermaßen damit abgefunden, dass niemand mehr bereit ist, neue Ideen auszuwählen und aus ihnen hervorragendes Kino entstehen zu lassen. Ja, man weiß inzwischen, dass die letzten Bastionen inzwischen die Filmfeste sind, auf denen das Material für den Deutschen unverständlich und vor allem nur ein einziges Mal über den Screen gejagt wird, auf dass ja keiner auf die Idee kommen könnte, das ihm das gefallen und er womöglich NACH seiner Arbeitszeit aus freien Stücken nochmals in den Film gehen kann. Gott bewahre.

Für den Rest sind Studios wie Blumhouse Pictures zuständig, die inzwischen ein absolut perfektes Allround-Puzzle entworfen haben, das mit „Einmal schütteln“ einen verkaufsfähigen Horrorscreener auf die Leinwände bringt und dabei abwechselnd mal absolut abkackt und dann wieder richtig fett Kohle macht.

Und der Horror-Fan?

Der bleibt auf der Strecke, wird noch einmal mit Stahlstiefeln getreten und ihm dann ein Rohr in die Eier gebohrt und gut ist. Immerhin steht der ja auf so einen Scheiß, right?

Nope.

The Possession of Hannah Grace macht hier einiges anders, krankt aber gleichermaßen an einigen schier unheilbaren Tatsachen. Fangen wir mal mit dem Positiven an: Der Einstand des Films. Optischer, akustischer und erschreckender Hochgenuss, der so richtig Bock auf den Film macht und quasi verspricht: Leute, die Zeiten haben sich geändert!

Ja, man bedient sich hier auch wieder der typischen Elemente, die man aus „Der Exorzismus der/des [hier Name einsetzen]“-Filmen schon zur Genüge kennt und die heute niemanden mehr erschrecken dürften, zeichnet aber dabei ein vollständiges und teils echt schmuck anzusehendes Gesamtwerk, das in seiner Aussage und dem „Wow-Effekt“ tatsächlich funktioniert.

Auch Pretty Little Liar-Star Shay Mitchell leistet großartige Arbeit und kommt nicht als die völlig verblödete Teenie-Schlampe daher, die wir sonst in zweitklassigen Gruselfilmen so oft auf den Knien ausgewalzt bekommen, sondern neben optischen Augenweiden liefert man hier auch noch ein wenig Hirn und einen halbwegs soliden Charakter, aus dem man tatsächlich etwas formen könnte.

Dann kommen ein paar völlig neue und (haltet euch fest!) realistische Ideen her, die dem Film quasi Raketendüsen nach oben verpassen und auch wunderbar durchgezogen werden, aus deren Potenzial man aber irgendwie nicht schöpfen wollte. Es scheint den Machern egal zu sein, dass sie hier eigentlich einen stummen Geniestreich erschaffen haben. Sie legen es hin, rühren es danach aber kein einziges mal mehr an. Why?

Also bleiben die toten, starren Erwartungen, dass man mal mit einem super Plot überrascht werden könnte oder es Szenen gibt, die einem die Fußnägel ausziehen und daraus schöne Bilder an der Fensterscheibe gestalten oder einfach nur das billige und leicht zu befriedigende Gefühl, etwas in Sachen Horror auf den Tisch zu kriegen, dass eben nicht vollkommen hirnlos ist, sondern (vielleicht sogar WEGEN) seiner Realismus-Nähe so viel Grusel erzeugt, dass die Leute davor gewarnt werden müssen, das zu sehen.

Ich säße in der ersten Reihe.

The Possession of Hannah Grace geht hier ein paar ganz gute Schritte in die richtige Richtung, stolpert dann aber auch wieder über die „üblichen Verdächtigen“ und entfaltet seine Größe einfach nicht, die aber nachweislich in diesem Ideen-Paket steckt.

Dennoch hat der Film ein paar ganz brauchbare Szenen und ist nicht auf ganzer Linie enttäuschend, so wie man es von anderen Gruselschockern inzwischen gewöhnt ist. Deshalb hat er‘s auch in die Top 5 geschafft: Im Vergleich zu allem anderen reden wir hier von einem wirklich geilen Stück!

.kinoticket-Empfehlung: Großartiger Einstand, teils schön gruselige Momente, abwesende Horrorfilm-Dummheit und Ansätze von Ideen, die man tatsächlich hätte aufgreifen sollen, statt sie einfach nur in den Raum zu stellen und anschließend daraus nichts zu machen.

Im Vergleich ein mit Abstand gelungenes Werk, wer allerdings den Oscar®-Überflieger sucht, den muss ich auch weiterhin vertrösten und ihm zuraunen: Warte noch ein bisschen, vielleicht ist der echte Tod gar nicht mehr so weit … 😉

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: The Possession of Hannah Grace
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16