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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Dimensionen

Der dunkle Turm

Nun sind wir an der Stelle angelangt, an der mein berühmtes “Lies niemals ein Buch, wenn du vor hast, den Film dazu zu sehen” seinen galaktischen Höhepunkt einnimmt. Und tatsächlich: Ich habe nie einen King gelesen. Wirklich. Nie.
Nach diesem Film habe ich es vor.
In der .trailer-Vorschau habe ich bereits durchblicken lassen, dass ich mich tierisch auf diese neuartige King-Verfilmung freue und der Film hat sein übriges getan, um mich verwirrt und zwiegespalten zurückzulassen.
Meine Vermutung war gar nicht so schlecht, dass die Elemente eines typischen King-Films tatsächlich auch hier wieder einen Stellenwert einnehmen werden, jedoch habe ich mir anhand der gezeigten Vorab-Bilder etwas mehr Style-Tiefgang gewünscht, die die brettharte Ummantelung eines von den Kritikern hochgelobten, mehrdimensionalen Fantasy-Konstrukts würdig auf eine Ebene heben, die zumindest die Zuschauer mental fordert und ihnen keine B-Movie-würdige Soße vorsetzt.
Der dunkle Turm erhebt nun aber keinen großartigen Anspruch darauf, hier großen Filmschmieden den Rang durch überdimensional-gute Special Effekts abzulaufen, sondern konsterniert eher mit bruchstückhafter Zusammensetzung inhaltlosen Gemetzels, das schon als Nicht-Kenner gefühlt mit dem Buch nichts mehr gemein haben kann.
Der sprachliche Durchbruch, der von den Fans oft so hochgelobt wird, bleibt im Film auf jeden Fall aus und auch schauspielerisch setzt man keine neuen Messlatten. Selbst Schauspielikone Idris Elba, dessen Fehlbesetzung von der Fangemeinde ja hinreichend bejammert wurde, hat mich in diesem Film so absolut gar nicht überzeugt.
Wollte man in Sachen Düsternis punkten, hat man allenfalls eine warmweiche Brühe a la Suicide Squad fabriziert, die dem Namen in keinem Fall gerecht wurde und somit auch den Großteil aller Fans eher enttäuscht hat, als hier wirklich mal über die Strenge zu schlagen und etwas ganz großes abzuliefern.
Der Name Steven King scheint dann aber dennoch genügend Publikum ins Kino zu ziehen, denn die Säle sind voll und die Menschen um mich herum fiebern tatsächlich mit.
Mir war die Action etwas zu fad, die Ideen zwar gut angerissen, aber für so ein Konstrukt viel zu lieblos aufgearbeitet. Hier hätte man mit etwas mehr Leidenschaft und Hingabe (und Zeit und Geld) durchaus viel besseres produzieren können, dass dann förmlich nach einer Fortsetzung geschrieen hätte.
So bleibt nur ein mittelmäßiger Durchschnittsfilm, der Nicht-Buch-Kennern sicherlich gefallen dürfte und allen anderen gnadenlos ins Gesicht schlägt.
Das ändert nun – wieder – nichts an der Maxime: Vertraue niemals der Verfilmung eines Kings. Schade.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hat man im .trailer noch richtig mit Stil und Raffinesse überzeugt, landet man im Hauptfilm dann doch wieder in der Pfütze der zweiten Liga, in der sich eigentlich alle Verfilmungen dieses Autors wiederfinden.
Zum ersten Mal bedauert man die durchschnittlich kurze Laufzeit und das fehlende Verlangen danach, der Tiefgründigkeit dieser Werke tatsächlich gerecht werden zu wollen. So produziert man in der Tat für die Masse und entledigt sich allem Nachdenkenswertem und vergisst wieder einmal, dass auch die Zuschauer mit Hirn gesegnet sind, denen man selbst in heutiger Zeit gerne mehr zumuten darf.
Verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
läuft ohne weitere Bild- und weiterführenden Momente ab, der Tritt ins nächste Kinoabenteuer wird also nur vermutlich angerissen und daher eher völlig offen gelassen. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 10. August 2017

Doctor Strange (3D)

Wer Marvel kennt, weiß, dass man sich hier wieder auf herausragendes Blockbusterkino einlässt, dass nicht nur unglaublich die Massen ins Kino zieht, sondern auch eine markante Bodenständigkeit aufweist, die trotz Superheldentum irgendwo klassisch-konservativ anmutet und einen erneut zum Staunen einlädt.
Was ich dabei interessant finde, sind nicht etwa die Einfälle und Bewegungen, die man hier aus der Realität heraus macht, sondern vielmehr die unglaublich funktionierende Größe, mit der man sich innerhalb dieser Produktionen bewegt und einmal mehr beweist, dass es nicht sonderlich viel braucht, um etwas Herrschaftliches zu erschaffen, hinter dem dennoch tiefere Abgründe verborgen sind.
Die majestätische Rückführung in die Höhle des Bösen, wie es bei DC oft der Fall ist, findet hier gar nicht statt, sondern man entfesselt einen neuen Charakter aus dem Marvel-Universum auf der Leinwand und erklärt damit der Langeweile den Krieg. Doctor Strange hinterlässt nicht nur mit seinem ersten Eindruck bleibende Erinnerungen sondern überzeugt auch mit einem vortrefflichen 3D, dass sich den Namen tatsächlich verdient.
Hiermit werden Sphären geschaffen, die sich nicht nur aus der Zweidimensionalität heraus bewegen, sondern sowohl Geist als auch Seele entführen und in neue Welten vorstoßen, die sich abseits der bisherigen Auseinandersetzungen befinden und einmal mehr etwas Neues in Angriff nehmen, dem man sich auf diese Weise bislang noch nicht in dieser Form genähert hat.
Auch hier herrscht wieder viel Interpretationsspielraum, kreative Bühne für neue Ideen, die einem guten Kinobesuch das gewisse Etwas verleihen und dafür Sorgen, dass man als Zuschauer eher geschmeichelt als gekränkt ist und sich auch in seinem Intellekt nicht verraten fühlt. Gleichwohl gibt es an der Gesamtumsetzung viel Diskussionswürdiges zu bemerken, das allerdings im Gros der Erzählung keinen nennenswerten Unterschied macht, sondern sich auf hervorragendes Popcornniveau begibt und hier – ganz klassisch – die Massen unterhält.
Die Effekte sind anfangs ein Augenschmaus, etablieren sich meiner Meinung nach dann aber etwas zu früh und lassen damit etwas Geschwindigkeit im Film liegen, was stellenweise zur Übersättigung des Zuschauers führt, jedoch reißt dies die nahezu kritiklose Darstellung eines Benedict Cumberbatch wieder raus, der hier den Charakter des Doktor Strange wunderbar vorstellt und damit den Grundstein für viele weitere, tolle Geschichten legt, die sich im Marvel-Universum abspielen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich für meinen Teil war begeistert von der schonungslosen Veränderlichkeit, die man hier in einem bekannten Erzähluniversum durchzieht und welcher Mittel man sich alles bediente, um keinen übertrieben-krampfhaft-sinnigen Film zu machen, sondern durchaus effektvoll und bleibend eine Figur einzuführen, von der ich persönlich auch in Zukunft gerne mehr sehen will.
Die schauspielerische Arbeitsleistung ist hoch lobenswürdig und auch das Team im Hintergrund hat ganze Arbeit geleistet, um wieder einen Sprung nach vorne zu machen und sich einmal mehr in dem zu übertreffen, was man dem Publikum vorsetzt.
Dass dabei der Geist auf wundersame Reisen geschickt wird, ist nur einer der positiven Effekte, die dieser Film auf seine Besucher haben wird.

 
Nachspann
Marvel … also sitzenbleiben. Und wenn die Post-Sequenz vorbei ist: Sitzenbleiben. Es gibt noch eine Aftershow-Party, die nennenswerte und wichtige Szenen zeigt und nicht nur billig die Leute bis zum Schluss im Kino halten will. Also fesselt euch an die Stühle und lasst die Idioten rausrennen, aber seid selbst keiner von denen.

Paranormal Activity: Ghost Dimension (3D)

Es war mir – nicht zuletzt wegen der Aggressivität der Werbung – schon von vornherein klar, dass hier keine bahnbrechenden neuen Innovationen auf der Leinwand serviert werden, wenn man den finalen Todesstoß einer bislang 5teiligen Horror-Serie etablieren will.
Schon die Tatsache, dass die Trailer bereits in Kindervorstellungen (!) um 14:00 Uhr gezeigt wurden, sagte eigentlich alles über zu erwartende Momente aus, die einem im 6. und letzten Teil dieser Reihe begegnen würden.
Tja, was soll ich sagen: Es ist, wie befürchtet – eher noch ein kleines bisschen schlechter. Ging dir im ersten Teil noch richtig die Wumme, als hier und da mal ein zwei Ideen präsentiert wurden, zieht sich der letzte Teil eher lahmarschig vorwärts und bietet außer ein paar knalligen Soundeffekts nichts wirklich bewegendes.
Weihnachten, Geister, irgendwelche Dimensionen (wie der Titel unlängst vermuten ließ) und eine Story, die … nicht startet.
Ja, die Idee ist sensationell und hätte so richtig schön verarbeitet zu einem Horrorerfolg werden können. Was Blumhouse hier aber liefert, ist wohl eher nur Neugierbefriedigung, weil jeder wissen will, wie es endet – und das sang und klanglos ohne jedwede Begeisterung.
Ist das die neue Form von Kino? Man wirft einen Erfolg auf den Tisch, produziert daraus Filmreihen, die sich jeder nur noch anschaut, um zu wissen, dass es tatsächlich so schlecht ist, wie die Kritiker sagen? Ich hoffe nicht.
Spannend: Im Kino wird extra darauf hingewiesen, dass die 3D-Effekte stilistisch gebraucht wurden und daher erst nach 15 Minuten einsetzen. Armutszeugnis?
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist: Paranormal Activity: Ghost Dimension kann man sich getrost schenken, insofern man gänsehautproduzierende Horrorfilme mag.
Schade eigentlich, denn die Trailer-Idee ist wirklich reizend und hätte so genial zu großartiger Unterhaltung mit Gänsehautfaktor umgewandelt werden können.
So bleibt ein Streifen, nach dessen Ende man sich kopfleer anschaut und fragt, was das jetzt eben war .. und wieso. Antworten darauf bleiben die Macher uns wohl auf ewig schuldig.

 
Nachspann
… gibt es keinen, rennt euch aber nicht über den Haufen, wenn ihr aus dem Kino stürmt.

Fantastic Four

Wenn ich eines vorweg nehmen darf: Tut es euch nicht an. Ich weiß nicht, ich werde mit dem Film einfach nicht glücklich.
Das begann schon damit, dass er schon seit Monaten dermaßen aggressiv und häufig beworben wurde, dass irgendwas damit nicht stimmen muss, sonst hätte man wohl kaum so vehement Werbung dafür auf die Leinwände geknallt.
Die Theorie ging bei Terminator: Genisys (3D) irgendwie auf und trifft hier dann so richtig ins Schwarze. Der große Showact, den man nach diesen verbissenen Trailern erwartet, existiert einfach nicht. Ja, die Geschichte ist großartig ausgebreitet und nimmt viel Land ein, aber genau das ist beim Erzählen auch das Problem: Zwischen den interessanten Stellen ist immer sehr viel Platz und man braucht lange, um in die nächste, interessante Ecke davon zu gelangen.
Die Erzählweise ist so langsam und ausgedehnt, dass man müde davon wird und es nicht durch Spannung oder andere Obskuritäten herausgerissen wird. Man dämmert so vor sich hin und wacht vielleicht am Schluss dann wieder etwas auf, wenn die völlig aus der Luft gegriffenen, überdrehten Animationsszenen ihren Überfluss feiern und den Film irgendwie beenden.
An Genialität oder markanten Momenten war rein gar nichts zu finden. Obwohl es im großen Stil gedreht und vom Budget sicherlich auch reich gesegnet wurde, kam hier nicht der große Brüller, den man z.B. bei The Dark Knight aus der Kiste gelassen hat. Im Gegenteil: Die Dialoge sind schwach, einsilbig und wirklich für jeden Depp zu verstehen und die Geschichte als solche glänzt auch nicht unbedingt mit unvorhersehbaren Szenen, sondern frühstückt eher ab, was jeder aus den bisherigen Teilen sowieso schon kennt.
Beim ersten Mal hab ich den kompletten Schluss verpasst (es lebe der gesunde Schlaf – in der 14 Uhr-Vorstellung!), beim zweiten Mal bin ich am Anfang weggedöst und habe mich dann gezwungen, den restlichen Film durchzuhalten, damit ich euch hier wenigstens über alles berichten kann und nicht nur selbst die Hälfe davon gesehen habe. Aber es war eine Qual und ich kann euch versprechen: Es bringt mich keiner nochmal in diesen Film rein – nie im Leben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es laufen so viele tolle Filme zur Zeit, dass man auf diesen Flop gerne verzichten darf.
Mich hat er überhaupt nicht angesprochen, Dialoge sind platt, Story vorhersehbar und an Effekten wird auch nichts geboten, dass man nicht schon tausendmal anderswo wesentlich besser gesehen hätte. Schade eigentlich, denn genügend inspirativer Stoff wäre da, um daraus auch einen Meilenstein der Kinogeschichte zu machen.
Potenzial verschenkt.

 
Nachspann
Nichts sehenswertes oder animiertes oder nachfolgendes. Und auch die Musik in diesem Film war leicht verstörend, hat irgendwo so gar nicht meinen Nerv getroffen.

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