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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Dolph Lundgren

Creed II: Rocky’s Legacy

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© 2019 Warner Bros. Ent.

Eines haben Legenden immer gemeinsam: Sie sind oben an der Spitze ziemlich einsam einem Sturm ausgesetzt, der extrem hohe Erwartungen fordert, die teils kaum noch zu erfüllen sind und weit über das menschliche Vermögen hinaus gehen.

Oftmals treten dann “jüngere Schauspieler” in die Fußstapfen von Meistern, an deren Vorgaben sie kaum heranreichen und die “Masterpiece-Legende” stirbt schon, bevor sie überhaupt begonnen hat, zu leben.

Creed als Fortsetzungs-Ableger der legendären Rocky-Verfilmungen war einer dieser Geniestreiche, die Sylvester Stallone ins Leben gerufen hat, um die Geschichte nobel abzugeben und selbst wieder in den Hintergrund treten zu können, jedoch merkt man auch im zweiten Teil der “Nachgeschichte”, dass er die viel größere Legende ist, als der Hauptdarsteller selbst. Und so etwas verurteilt quasi das Werk an sich schon von Anfang an zum Tode.

Michael B. Jordan hat auch im zweiten Teil nicht das, was ich als ein rühmliches Scheinen bezeichnen möchte, sondern seine Rolle bleibt blass und unstrukturiert, fast schon langweilig und unbeholfen und erzählt eben einfach einmal mehr den nicht besonderen Plot eines ganz gewöhnlichen Boxerfilms.

Der heimliche Favorit und in meinen Augen unterschätzte Star des Films ist Florian Munteanu, dem eigentlich nur die “Nebenrolle” gegeben wurde, der darin aber brilliert und einen hochedlen Glanz auf die Leinwand pfeffert, der alles andere des Films mit Leichtigkeit in den Schatten stellt. Das, was er hier zur Vollendung führen möchte, ist der Biss, den ich von Creed erwartet hätte, der jedoch eher “rumjammert” als zu liefern und damit dem Reigen der Langweiligkeit angeschlossen bleibt, während Munteanu abzieht und alles hinter sich liegen lässt.

Florian Munteanu beim Special Screening von Creed II: Rocky’s Legacy in München

Klar sind auch hier wieder gestählte Muskeln und unglaubliche Eigendressuren im Hintergrund notwendig gewesen, um derart gewaschenen Männerschweiß und edle Linien auf die Leinwand zu werfen – auch das möchte geschätzt und gewürdigt werden, auf beiden Seiten.

Fakt ist, dass das Publikum den Film trotzdem liebt und auch eine Woche nach Kinostart beim Abspann noch Applaus durch den Saal hallt, der einmal mehr beweist, dass die Welt dem Boxsport mehr abgewinnen kann, als ich.

Wenn ich aber vergleiche, dann ist die Legende weniger wert als der viel mehr hingebungsvolle Underdog, der im Polnischen auf die Bretter schickt und in meinen Augen die wesentlich bessere Aussage mit sich bringt. Hier fehlt mir dann doch etwas das Epische und man zögert sich zu zaghaft aus dem Plotende heraus.

.kinoticket-Empfehlung: DER Hingucker und Star des Films ist und bleibt für mich Florian Munteanu, der nicht nur den Plot, sondern auch seine Hauptdarsteller in den Schatten stellt und als Gegenspieler auf Platz 2 beweist, dass er eigentlich an die Spitze gehört und seine Hollywood-Karriere gerade erst begonnen hat.

Dieser Typ ist Bombe und haut einen nach dem anderen raus und liefert den Biss und die Schlagfertigkeit, die ich einem Boxfilm abgewinnen möchte und weder von Stone noch von Jordan geliefert bekomme.

Jürgen Prochnow als Sylvester Stallones Synchronsprecher einzusetzen, schließt zwar an die Nostalgie an, ist aber für die heute lebende Generation eher nicht so der geniale Schachzug, denn diese Stimme ist tatsächlich befremdlich und wirkt irgendwie “falsch”, auch wenn dieser früher seine Filme gesprochen hat. Wir sind mit einer anderen Stimme aufgewachsen und empfinden es nicht mehr als das Original, was der deutschen Version zusätzlich etwas den Reiz nimmt.

Nachspann
❌ beginnt mit Bildern, muss aber nicht abgewartet werden, nach dem üblichen Blackroll kommt nichts mehr.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: CREED II
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

Hail, Caesar!

Die Zeiten, wo man sich über tiefsinnige Fehlbeiträge auf den deutschen Kinoleinwänden beklagen konnte, sind vorbei. Mit Hail, Caesar! geht ein weiterer Film ins Rennen, dem ich das Prädikat zuspreche, von Hollywood für Hollywood gemacht worden zu sein.

Massentaugliche Unterhaltung ist etwas völlig anderes. Im Ernst: Hier werden Arbeitsweisen auf den Tisch gebracht, die so mancher Regisseur wohl leidlich kennen dürfte, die aber eher persiflierend von der Meute der Filmschaffenden auf die Bildfläche projiziert wurde, um mit nicht funktionierender Unterhaltung eines zu tun: zu unterhalten.

Die Selbstironie, mit der man das Filmbusiness damit aufs Korn nimmt, zeugt von extrem hoher Qualität und sorgt im Vorbeigehen dafür, dass nicht nur die Kinozuschauer fluchtartig den Saal verlassen, sondern auch die Vorstellungsanzahl rapide abnimmt, wenn man sich die Spielpläne einiger Kinos mal näher betrachtet.

In meinen Augen geschieht beides völlig zu unrecht, da hier doch mit einer enorm großen Portion Verstand an die Sache rangegangen wurde und man im Stile großer Abendunterhaltung à la arte ein Portfolio an funktionierenden Gags und cineastischem Flair geschaffen hat, bei dem nicht nur George Clooney überzeugend wirkte.

Vielleicht liegt’s auch einfach nur daran, dass Josh Brolin einfach schauspielern kann und mit seiner selbstfinderischen Art den Film zusammenhält wie sonst kein anderer. Das Ganze als ein Art Geschichte zu bezeichnen, grenzt in meinen Augen schon fast an Sünde. Es von der Leinwand zu nehmen oder – wie in vielen Fällen – gar nicht erst abzuspielen, genauso.

Hail, Caesar! ist ein Werk, das zeitlich vollkommen richtig platziert wurde und im Zuge der Academy Award-Verleihungen auch nochmals unterstreicht, dass man in Hollywood nicht ausschließlich Filme produziert, um Kohle zu scheffeln, sondern hier und da auch künstlerisches Können publiziert, um Liebhaber selbiger zu unterhalten.

Dieser Film mitsamt seinem Charme, seiner verdrehten Art und den selbstironischen Partikeln, die explodierend überall durch die Luft fliegen, gehört für mich jetzt schon zu den Errungenschaften, die viele Samstag Abende gekonnt in ihren Bann ziehen und für die “Bettlektüre” taugen.

Eine tiefe Verbeugung vor dem Hollywood vergangener Tage und zugleich eine Selbstbeweihräucherung eigener Fehler, die man hier offen im Film eingesteht und gekonnt in Szene setzt.

Dass der Zuschauer dabei noch lachen kann, ist quasi der Bonus oben drauf.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte jemand tatsächlich noch ein Kino finden, dass dem Massenwahn der aktuellen Blockbuster noch entgegenwirken kann und diesen Titel tatsächlich in seinem Programm führt, sollte man schleunigst die Chance nutzen und sich das Werk gemeinsam mit einer Handvoll erlesener Kunstkenner zu Gemüte führen.

Denn nirgendwo macht Film schauen so viel Spaß, wie im Kino – für das Filme gemacht worden sind.

Und wer noch eine Portion mehr Glamour benötigt, um reinzugehen: Bitteschön.

Alden Ehrenreich * Ralph Fiennes * Jonah Hill * Scarlett Johansson * Tilda Swinton * Channing Tatum * Christopher Lambert * Dolph Lundgren …

Nachspann
❌ Wer braucht schon einen Nachspann, wenn er einen guten Film gesehen hat, hm? Ganz genau!

Kinostart: 18. Februar 2016

Original Title: Hail, Caesar!
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

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