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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: El Capitan

Free Solo

Free Solo

© 2019 Capelight Pictures

Versteh einer die Oscars – Gegen Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats stinkt dieser Titel einfach nur ab. Genau das macht ihn auch irgendwie “unsympathisch”, wenn er jetzt auf einmal überall in den Kinos auftaucht und zumindest vereinzelt gespielt wird.

Na klar, die Leistungen sind überragend, was menschliches Vermögen angeht, aber man fragt sich dann doch, ob die alle Durch die Wand nicht gesehen haben? Genau da hatten wir das doch alles schon einmal und wurden verblüfft … teils mit den gleichen Leuten … und auf einmal ist ein völlig anderer Film oscarwürdig und bekommt ihn auch, weil … ?

Im Vergleich zu dem, was diesjährig sonst geboten wurde, empfand ich den Titel doch ziemlich sparsam mit sensationellen Neuigkeiten und weiß nicht, ob ich mir das irgendwann nochmal besehen wollen würde.

Da siegt dann wohl eher die Belanglosigkeits-Langeweile und man sitzt im Kino und besieht zum zehnten Mal den gleichen Hügel mit Elementen, die nur noch geringfügig verändert wurden und quasi nichts neues mehr auf den Tisch bringen, außer dass immer noch mehr gedopt wird, noch höhere Ziele gesteckt werden und man eben damit beginnt, maßlos zu übertreiben.

… und landet damit bei mir in der Kategorie “Wir feiern tierisch etwas ab, was panisch in ist und bei dem keiner merkt, dass es eigentlich schon lange niemanden mehr interessiert”.

Ja, ich tue diesem Werk mit dieser boshaften Einschätzung mörderisch Unrecht, denn das hat der Film nicht verdient… aber die Wut gegenüber der “Wichtigkeit” von Of Fathers and Sons und dem scheinbaren Verrat an seinem Vorläufer lässt eben böse Geschmäcker in mir aufkeimen.

Und dagegen konnte ich die gesamte Vorstellung über nichts tun. Oder liegt’s an meinen Freunden aus der Hauptstadt und der Tatsache, dass ich im falschen Kino die Treppe runter bin? Ich weiß es nicht …

.kinoticket-Empfehlung: Durch die Wand in extrem: Hier treten teilweise sogar die gleichen Leute wieder auf.

Ob dies nun notwendig war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden. Meine Meinung? Hat man einen gesehen, machen geringfügige Modifikationen auch keinen großen Unterschied mehr.

Das soll der Gesamtleistung natürlich nichts absprechen, fühlt sich für mich als Vielschauer aber nur wie eine Wiederholung an, nicht wie etwas sensationell neues, worüber man einen Film drehen müsste.

Nachspann
✅ Darf man mal wieder mitnehmen, hier werden noch einige Eindrücke zum Besten gegeben.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Free Solo
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6

Durch die Wand

Haltet mal kurz inne: Atmet aus, atmet wieder ein und schließt kurz die Augen.

Und jetzt lest weiter.

Ich hoffe, ich habe nun in eurem Leben einen kleinen Break drin, denn ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, euch dieses Stück hier etwas näher zu bringen, ohne die Masse gleich zu verschrecken. Mich hat’s geflasht. Und mir wird schon oft nachgesagt, dass ich Filme entweder mega geil oder mega scheiße bewerte und kaum was dazwischen ist.

Ich hab keine Ahnung, weil ich mich selbst von außen schlecht betrachten kann und daher schlecht einschätzen, inwieweit diese Behauptungen wahr sind oder nicht, mich hat dieser Film => geflasht.

Ich würde gern aufräumen, alle Bewertungen killen und irgendwie euer Leben tatsächlich kurz auf Pause stellen, damit man volle Aufmerksamkeit widmen kann und sich wirklich auf das besinnen, was auf der Leinwand zu sehen ist.

Wenn ich jetzt nämlich mit all den Standard-Phrasen antanze, die man so von sich geben kann von wegen “wahre Begebenheit”, “unfassbarer Vorwärts-Steber-Geist”, “american spirit” etc., dann haut jeder aus Angst vor irgendwelchen Klischees gleich wieder ab.

Ja, ich hab ne Meise, was Outdoorleben angeht (nein, es ist nicht so ein Film) und ich bin dem Amerikanischen nicht ganz so pessimistisch-krankhaft abgeneigt, wie viele andere Deutsche und ich bin der Ansicht, dass diese Dinge hierbei überhaupt nicht so stark zählen, sondern etwas völlig anderes:
Wahre Freundschaft.

Über Freundschaft liest mal viel, da triefen schon mal ganze Kerzenmeere aus Wachs aus den Ohren und Augen, wenn man die schmalzigen Fließband-Bildchen auf Facebook und Co liest, die mit ihrer Pseudo-Moral aus allen Ritzen quellen und den Lesern wertvolle Zeit stehlen, weil sie grundsätzlich nichts aussagen und dabei auf mega wichtig tun … und nein, so ein Film ist das nicht. Es ist nicht diese “Freundschaft”, sondern wahre Freundschaft – und die ist sowas von hammer, dass es fast schon weh tut.

Wer es schafft, in diesen Film einzusteigen, den Wert erkennt, den diese beiden haben, begreift, was hier und da so eine einzige Entscheidung für psychologische Konsequenzen nach sich zieht, der begreift langsam das Ausmaß dessen, was uns hier vorgeführt wird.

Und ja, es ist ne wahre Story, die sich so zugetragen hat und damals auch leidenschaftlich von den Medien zerfetzt wurde: Hier kommt der Film dazu, der die Ruhe, Vernunft, Menschlichkeit und das “Hinter den Kulissen” wieder mit sich bringt und damit die Geschichte zum ersten Mal so erzählt, wie sie wirklich ist: Ohne medial-gehypte Verfälschung drin.

Und es ist ein Film, der einen nicht unberührt wieder aus dem Kino entlässt und über den ich hinterher noch tagelang nachdenken musste.

.kinoticket-Empfehlung: Ich fürchte, für die Wirkungseffizienz, die dieses Teil mit bringt, ist die Aufmachung viel zu klein gehalten und es wird viel zu wenig Werbung gemacht, was ich hiermit ändere:

Geht in Durch die Wand, auch wenn der Titel nicht spektakulär klingt oder das Cover an bereits Dagewesenes erinnert und vertraut mir, wenn ich euch sage: Es ist nicht so, wie es scheint.

Die Story reißt mit, birgt wahre Schätze in sich, die man erst beim näheren Hinsehen und mit der gewonnenen Ruhe entdeckt und der englische Titel enthüllt dann auch tatsächlich, worum es in diesem Film geht.

Nachspann
✅ fadet langsam ins off, also nicht gleich aufspringen, sondern entlasst die Spannung fließend wieder in den Alltag 🙂

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: The Dawn Wall
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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