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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Emily Kusche

Ballon (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
Michael Bully Herbig wird ernst – und viele kaufen ihm das schon im Vorfeld seines ersten Films in diesem Metier nicht ab. Warum?
Vielleicht, weil ein Großteil der Presse schon immer nicht genau hingeschaut hat. Wie oft ist es damals passiert, dass man beim Zappen hängen geblieben ist, wenn die Bullyparade auf ProSieben gelaufen ist? Wie sehr hab ich bedauert, als diese Sendung schlussendlich abgesetzt wurde, einfach nur, weil Bully etwas ganz eigenes war. Klar gab es viele Showoriginale, die aber in vielen Fällen eine pragmatische Weichgespültheit besaßen, um die für Allgemeinheit tauglich zu bleiben und dem Tod aller Shows – zu wenig Einschaltquoten – nicht anheim zu fallen.
Mein Gefühl war immer: Bully interessiert sich nicht für so etwas. Und tatsächlich habe ich ihn als Person gegenüber der Presse und dem ganzen Medienrummel schon ganz abgeneigt erlebt und hatte das Gefühl, er selbst fühlt sich von den Vertretern der Presse gänzlich missverstanden. Diese Sprache haben auch schon seine früheren Filme gesprochen: Was grade “in” ist, interessiert ihn nicht, er macht einfach sein eigenes Ding und versucht so, seinen Blick auf die Welt an andere weiterzugeben. Seine Filme sind Originale, die sich nicht dem Zeitgeist angepasst haben und jeder – egal, ob Freund oder Feind – kennt sie.
Nun hat er nach dem abschließenden Bullyparade – Der Film einen Schlussstrich unter den Komödienstadl gezogen und möchte fortan nur noch ernste Geschichten drehen. Der erste Fakt: Er hält sich dran: Ballon ist durch und durch ernst und zeigt so gar nichts von dem früheren Filmemacher, den damals schon sehr viele total unterschätzt haben.
Eine Sache fällt den Kritikern nämlich immer nicht ganz so blühend ins Auge: Er hat unfassbar viel Können und Filmwissen, er weiß mit und vor der Kamera umzugehen und kennt daher Schachzüge, die man als Regisseur tätigen kann, aus dem FF. Ich glaube, viele Leute unterschätzen ihn vollkommen als Filmtalent, weil viele ihn salopp als “Spinner” abtun – und das ist in meinen Augen ein großer Fehler.
Diese Tatsache bekräftigt sich schon allein dadurch, dass sein Erstlingswerk im neuen Genrebereich kein Alleingängerfilm ist, sondern er sich an bereits gezeigtem Material orientiert und es auf seine Weise neu interpretiert, einfach, um sich in der Richtung auszutesten und damit anzufangen, neue Wege zu beschreiten. Man merkt an vielen Stellen des Films, wie er vor Potenzial und Schöpferkraft strotzt und dass da noch einiges kommen wird, was aus ihm rausplatzen möchte – und ehrlich gesagt freue ich mich riesig darauf.
Ballon als solches ist bereits eine Geschichte, der durch ihn als Berühmtheit zu Aufmerksamkeit verholfen wird, denn ehrlich gesagt kenne ich kein einziges dieser vorher schon “zig mal verfilmten” Werke über diese Story, und ich komme aus dem Reich der DDR und sollte es daher eigentlich wissen.
Was hier an geballter Spannung, unfassbar gutem Schauspiel und Filmästhetik auf der Leinwand zu sehen ist, erinnert mit gar nichts an das, was man von ihm als Person vorher kannte: Ballon macht riesigen Spaß anzuschauen und unterhält auf bestem Wege.
 
G E W I N N S P I E L
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© 2018 StudioCanal

Und wer sich diesen Film gerne auf Kosten von StudioCanal ansehen möchte, für den ist vielleicht folgendes interessant: Mir wurden vom Verleiher zwei Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch als meine Leserschaft verlosen darf.
Kommentiert unter diesem Beitrag, welcher Film euch von Bully bislang am meisten oder am schlechtesten gefallen hat und ihr landet im Lostopf. Unter allen Kommentatoren bis einschließlich 30. September 2018 wird anschließend per Zufall der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Bitte gebt dazu also eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann, damit euch die Freikarten zugeschickt werden können.
Und nun wünsche ich allen viel Glück und natürlich viel Spaß im Kino – dieser Film ist es wert, ihn dort anzuschauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bully beschreitet neue Wege und zeigt, dass wesentlich mehr in ihm steckt, als manch einer ihm vorher zugetraut hätte.
Dieser Film erzählt eine unglaublich spannende Story und wartet mit filmischem Potenzial auf, das vor Energie und Stärke nur so strotzt: Es lohnt sich, diese bereits erzählte Story neu interpretiert im Kino zu besehen, allein schon, weil die Impressionen gewaltig beeindrucken.
Diese neu gefundene Ernsthaftigkeit, der sich ein ehemaliger Comedy-Garant verschrieben hat, ist grandios und ich wünsche Ballon einen wahnsinnig erfolgreichen Kinostart, den ihr alle ihm durch einen Besuch in den Lichtspielhäusern verschaffen könnt.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Sequenzen mehr.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Ballon
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12

Steig. Nicht. Aus.

Erinnert ihr euch noch an den sensationellen Niedergang der Tatort-Folge Tschiller: Off Duty? Der gleiche Regisseur hat erneut zugeschlagen und vernichtet öffentlich-rechtliche Gelder in einem triumphalen Krampf schlecht erzählter Geschichten.
Oder anders gesagt: Der ursprüngliche Plot stammt aus Spanien und hatte gänzlich andere Inhalte und ob der Einfallslosigkeit deutscher Filmemacher breitet man das Nichtkönnen merkwürdiger Regisseure über den Teppich an zwangseingesammelten Gebührengeldern und verbrennt sie in einem belanglosen Plot, der vor Lächerlichkeit und Dämlichkeit nur so glänzt.
Und dabei hat Wotan Wilke Möhring doch längst bewiesen, dass er es besser kann: Es tut einfach nur weh, die hart erkämpfte, filmische Ehrlichkeit Deutschlands mit Volldampf in den Scheißhaufen rasen zu sehen und nichts dagegen unternehmen zu können.
Ja, fürs Fernsehen könnte man diesen Plot sicherlich verwenden, dafür ist er schlechtgut genug, denn die langsam dahinsiechende Dattergreis-Generation wird sich sicherlich oft genug an den Herzschrittmacher greifen, um die Spannung und elendige Actionhast einigermaßen zu ertragen, aber jeder andere hat garantiert damit seine Schwierigkeiten.
Ich meine: Es gibt doch inzwischen eine weit verbreitete Anspruchsmesslatte, die man an Kinofilme anlegt und unter der man sich nicht bewegen sollte, wenn man vom allgemeinen Publikum auch angenommen werden soll.
Warum fabriziert man dann hier so eine – auf Deutsch gesagt – Scheiße? An Unglaubwürdigkeit, Lachhaftigkeit und selten dämlicher Nicht-Eloquenz kaum zu überbieten.
Für wen ist dieser Streifen also gemacht?
In erster Linie für den Autor selbst, der sich damit unfassbar bereichert und etwas auf die Füße stellt, für das jeder von uns grade stehen musste – und dafür sollte man ihn mal gehörig übers Knie legen.
Außerdem noch für diejenigen, die Spaß an Sonntag-Abend-ZDF-Unterhaltung haben und deren Intelligenzanspruch sich mit Alzheimer gemeinsam verbündet hat, denn dann merkt man nicht mehr, was hier eigentlich für ein Plot-Blödsinn gemacht wurde.
Und an alle, die Nick Tschiller als Tatort-Kommissar gut fanden.
Der Rest sollte einen weiten Bogen um dieses … Ding … machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schlecht, schlechter, Steig. Nicht. Aus.!
Christian Alvart bemüht sich, möglichst viele Gebührengelder in einem lächerlichen Plot zu verbrennen, der an allen Ecken und Enden einfach nur gnadenlos in die Bodenlosigkeit abstürzt. Dabei ist die Idee so genial, dass man daraus wirklich etwas hätte machen können, aber wer weiß, welchem ZDF-Intendanten das dann wieder nicht gepasst hätte …

 
Nachspann
nicht sitzen bleiben, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 12. April 2018

Tigermilch

Den Kino-Trend zu beobachten, der sich inzwischen in deutschem Lande ausbreitet, bereitet meiner einer relativ großes Vergnügen. Hatte ich in der Vergangenheit immer extreme Schwierigkeiten mit deutschen Filmemachern und ihren Endprodukten, entwickelt sich derzeit fast schon eine erbarmungslose Liebe zwischen mir und dem deutschen Kino.
Deutsche haben vorwiegend versucht, Komödien zu produzieren und die Welt zum Lachen zu bringen, vermutlich, weil dann nicht so schwerwiegend auffällt, dass hierzulande nicht mal annähernd so viel Kohle für die Filmproduktion übrig ist, wie in Hollywood. Das kann man in Komödien noch besser kaschieren, als wenn man sich z.B. Actionfilme vornehmen und diese produzieren würde.
Aus dem Grund quellen in den heimischen Verkaufsregalen auch nicht Unsummen von Action-Krachern, sondern Filme, die ich persönlich niemals kaufen würde, sondern eher peinlich berührt belächle.
Unter der Annahme, dass Geschmäcker verschieden sind, wage ich jetzt einfach mal die Aussage und behaupte, dass es in diesem Land niemanden gibt, der wirklich großartige Komödien auf die Reihe kriegt – weder Comedians noch Akteure der Filmindustrie. Zumindest sieht es so aus, wenn man das Tagesgeschäft dessen betrachtet, was sich derzeit auf dem Markt tummelt (Ja, ich weiß, Bully und so … der gehört für mich aber eher in das vergangene Zeitalter und nicht mehr zur modernen Filmpolitik).
Und statt aufzugeben und den Kopf in den Sand zu stecken, widmet sich das inländische Kino einfach einem anderen Genre, und haut da in kürzester Zeit einen Erfolg nach dem anderen raus: Drama.
Schaut man sich die ins Millionenfach gehenden Nazi-Produktionen an, mit denen wir im TV zugeschwemmt werden und deren Depressivität Nacht für Nacht die emotional Instabilen ins Unglück stürzt, hätte man sich eigentlich so etwas denken können. Doch bisher ist wohl niemand drauf gekommen, anders lässt sich nicht erklären, dass derartige Filme erst jetzt so richtig den Durchbruch an die Oberfläche des cineastischen Alltags geschafft haben und dort mächtig abstauben.
Tigermilch ist einer dieser Filme, in dem Constantin Film ein weiteres Mal absolutes Gespür für guten Geschmack, eine hervorragend erzählte Geschichte und prätentiösen Tiefgang beweist. Die Charaktere laben sich in ihrer Unschuld und erwecken beim Zuschauer sogleich Mitgefühl, Verständnis und emotionale Nähe, während sie ihren widerstrebsamen Geist auf das Volk loslassen und somit für Entertainment pur sorgen.
Nach Axolotl Overkill hat man auch hier wieder fähige Musiker die Auswahl des Soundtracks treffen lassen und zeugt einmal mehr davon, dass dieses Land mehr kann als Sauerkraut und Weißwurstbrezeln. Der Beat ist berauschend und führt mit der jugendlichen Agonie zwei Kinder an den Rand des Erwachsenwerdens, die sich eben nicht mehr nur mit Luxusproblemen herumschlagen müssen, sondern knallhart mit aktuellen, politischen Fakten konfrontiert und diese im Alleingang an vorderster Front lösen müssen.
Hierbei trifft Regisseurin Ute Wieland den Geist der Zeit und fordert den mündigen Bürger von anderer Seite her auf, aktiv zu werden um in der Gesellschaft manche Dinge im Sinne der Heranwachsenden endlich zu klären.
Dass man als Zuschauer die Problematik des Inhalts nun endlich auch mal sorgenfrei von der anderen Seite aus betrachten kann, ist fast schon ein Bonus, der interkulturell für mehr Verständnis sorgt und somit sogar ein klein wenig zum Bildungsreichtum beiträgt, den ich so gerne auf der Leinwand sehe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob es nun einfach die Frage ist, was derzeit grad sehenswert ist, oder man sich ein wenig amüsieren möchte – oder einfach auf der Suche nach tiefgründigem Stoff ist, der den Abend intellektuell auf ein klein wenig höheres Niveau hebt – Tigermilch eignet sich für all das hervorragend.
Der Zuschauer wird mitten in eine Welt geschmissen, von der man in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger gehört hat, und dort durch richtige Songauswahl, erfrischende Charaktere und unglaublich gutes Können mit allerlei Liebenswertem beworfen.
Wieder einmal zeigt sich in jüngster Zeit das präferierte Genre, dem sich die inländischen Filmemacher mehr zuwenden sollten: Drama, Baby!

 
Nachspann
ist klassisch, wartet mit Musik und Text auf und enthält keine weiteren Überraschungsszenen. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 17. August 2017

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