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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Erziehung

Kleine Germanen

Kleine Germanen

© 2019 Little Dream Entertainment

Lasst den Krieg beginnen: Hauen wir mal verbal auf die Kacke und finden offene Worte. Alles andere ist Heuchelei und hilft niemandem weiter.

Das Plakat ziert der wunderschöne Satz “Ein wichtiger Film zur richtigen Zeit” und provoziert mit dem Bild, dass dort zu sehen ist. Ja, diese Behauptung ist wahr, denn wir müssen reden. Dringend reden.

Es herrschen Ausnahmezustände in den deutschen Foren, Social Media-Plattformen, Zeitungen, in den Köpfen der Menschen: Viele haben Angst, dass aus Deutschland wieder ein Nazi-Deutschland wird, andere haben Angst, dass durch Null-Komma-Prozent eine gesamte Kultur unterwandert und historisch getötet wird, wieder andere finden es richtig, unschuldige Bevölkerungsgruppen in die Luft zu sprengen, um sich für Missachtung und Hohn zu rächen und der Welt zu zeigen, dass ihre Tötungsmoral die bessere von allen Lebensformen ist.

Allen Religionsfanatikern gemein ist die Tatsache, dass ihre ständigen Kriegereien und Tötungen niemandem dienen und damit eine Religion ad absurdum führen, ganz gleich, welche Gottheit sie anbeten. Anderen Menschen das Leben durch Bomben, Terror, Gemetzel und Blut zu beenden kann NIEMALS die richtige Vorgehensweise dafür sein, um eine “trostspendende” und richtige Religion an den Mann zu bringen, die den Menschen hilft und der Allgemeinheit dienlich ist.

Hätten sich das einige “Führer” mal früher überlegt, gäbe es heute auch nicht weltweit eine solch verbreitete Aggression gegen gewisse Religionen, aber so weit denken manche eben nicht. Im Gegenteil: Viele von den “Hetzern” denken überhaupt nicht mehr, sondern haben ihr Hirn kategorisch ausgeschaltet und handeln nur noch in blindem Hass und voller Wut und Desorientierung.

Ich habe das Gefühl, manchmal sollte man sich gewisse Grundsatzfragen einfach nochmal neu stellen, um zu merken:

a) dass etwas schief läuft
b) was schief läuft

Und dafür muss man reden. Reden können. Schreib mal irgendwo eine These, ohne dass du sofort angefeindet und (verbal) terrorisiert wirst. Es fragt niemand mehr, warum. Es fragt niemand mehr, woher manche Situationen rühren und ob sie überhaupt so gemeint sind, jeder fühlt sich allernorts direkt und absolut angegriffen und verachtet, missachtet, geschunden, übergangen und heult nur noch rum, wie scheiße diese Welt geworden ist und dass die Zustände nicht besser werden.

The house got bigger, the minds don’t. Wir leben in einem Global-Menschismus, mit dem wir klar kommen müssen: Unsere Türen enden nicht mehr im Garten, sondern reichen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Ihr wollt billige Wäsche, seid aber nicht bereit dafür, die “indischen Konsequenzen” auch in Deutschland zu ertragen? Dann kauft deutsch. Und zahlt den angemessenen Preis dafür.

Ihr wollt billiges Fressen, seid aber nicht bereit dafür, der Landwirtschaft in Afrika unter die Arme zu greifen? Dann hört auf, billig zu kaufen und zahlt beim Lokalbauern das vielfache und unterstützt “euer Land”.

Übernehmt Verantwortung für euer eigenes Tun und hört auf, alles und jeden dafür zu beschuldigen, nur weil ihr euch zu fein seid, für eine Leistung auch den angemessenen Preis zu zahlen.

Was mit einem Land geschieht, dass sich aus der Weltengemeinschaft aussperrt, weil es kein Bock mehr auf Internationalität hat, seht ihr grade grandios an Lächerlich-Little-Mind-Britannien: Die Briten haben sich selbst in den Arsch gefickt mit ihrem Gejammere über “Oh mein Gott, andere bestimmen über uns” und selbst nicht gemerkt, dass diese anderen es sind, die das eigene Land eigentlich erst funktionieren lassen, weil sie auf einmal doch auf Exporte und Importe angewiesen sind und in einer globalisierten Welt mürrische Nationalität keinen Platz mehr hat.

Und was hat ihr Ruf nach “Freiheit” gebracht?

Die Firmen wenden sich massenweise von ihnen ab, holen ihre Standorte aus der “Gefahreninsel” heraus und schützen sich selbst, indem sie alle Verbindungen zu Großbritannien aufkündigen und die Briten “allein” lassen.

Dann sind sie frei, werden nicht mehr “fremdbestimmt” und können tun und lassen, was sie wollen. Und haben auch keine Arbeit, keine Wohnung und kein Fressen mehr. Wunderbar!

Dass das Gebahren scheiße war und man sich absolut hirnverbrannt dabei verschätzt hat, haben einige Befürworter des Brexit dann auch irgendwann gemerkt und still und heimlich ihre Meinung zu 180° geändert – der Schlamassel ist aber längst angerichtet und wir werden sehen, worauf das hinaus läuft.

Genauso geht’s mit den Religionen: Habt ihr euch mal gefragt, warum so viel Hass auf Muslime außerhalb der muslimischen Gesellschaft existiert? Wenn diese Religion so friedlich ist, so positiv ist, so hilfreich für die Welt ist, wieso stören sich dann die Menschen daran, dass aus deren Kreisen so viel explosives Material in die Luft fliegt und massenhaft Menschen das Leben nimmt und deren Umfeld selbiges zur Hölle macht? Wo sind die muslimischen Führer, die sich öffentlich gegen den Terror bekennen und einfach nur friedlich ihre Religion ausüben wollen?

Wie kann man so hirnverbrannt und blöd sein und der Meinung, dass man durch Anschläge und Terrorismus die Welt zu einem besseren Ort macht?

Manchmal wünsche ich mir Thanos und sein Fingerschnippen herbei.

Und in Deutschland genau das gleiche. Wir haben bereits einmal Nazi-Deutschland gehabt. Es hat Tod, Verderben, Kummer, Schmerz und unzähliges Leid verursacht und trägt heute noch Früchte davon, dass man an den Konsequenzen fast erstickt. Reue? Nein – wir wollen es einfach wieder. Seid ihr eigentlich noch alle ganz klar im Kopf?

Und wenn niemand so denken würde oder nur eine “Minderheit”, warum schaffen es verfluchte Parteien dann in den Bundestag? Im ganzen Land brodelt dieser Schwachsinn vor sich hin und glimmt in den Köpfen der Menschen, die immer mehr Plattformen finden, um im wüsten Geschrei medialen Alltags ihren geistigen Dünnschiss in die Welt hinaus zu flöten.

Hat sich einmal jemand gefragt, woher das kommt?

Kleine Germanen tut das. Allerdings mit dem – in meinen Augen – völlig falschen Ansatz. Hier haben Regisseure Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger (ja, multi-kulti) in wüster Zusammenarbeit Rechte (rechtsorientierte, nicht “rechtens’e”) vor die Kamera gelassen und ihnen Bühne geboten, damit die einfach erzählen.

Der Plan war, dass sie sich durch ihr Reden selbst in Schwierigkeiten bringen und ihre perfiden Ideen selbst widerlegen und damit das ganze rechtsorientierte Gedankengut in sich selbst vernichten.

Das haben die aber nicht getan. (Wundert’s wen?)

Die haben endlich die Möglichkeit gesehen, sich selbst zu erklären, zu zeigen, wie toll und offensichtlich anstrebenswert ihre Gedankenform dieser Welt ist und wie sehr sie sich zurückwünschen, dass die todbringende Zeit erneut da ist.

An dieser Stelle hätte ich einfach als Regisseur (gut, gerne auch danach im Schnitt) eingegriffen und doch kommentiert. So ein Film kann funktionieren – mit anschließender Podiumsdiskussion und “Themenabend” in der ARD, aber niemals in einem Kino, aus dem der Zuschauer anschließend verwirrt und allein wieder auf die Straße geschickt wird.

Bei der absoluten Abwesenheit fähiger Denkorgane auf diesem Planeten ist es fast unhaltbar, so einen Film unters Volk zu bringen … und gleichzeitig so unerlässlich, endlich darüber zu reden und endlich diese Menschen zu Wort kommen zu lassen, um sie überhaupt zu verstehen und eine Basis zu haben, auf der man damit beginnen kann, sie durch Verständnis wieder “zurück” zu holen?

Ich hab keine Ahnung, was richtig ist an dieser Stelle, ich weiß nicht, was ich empfehlen soll. Ich weiß auch nicht, wie man das Thema innerhalb einer Rezension glaubhaft und allumfassend aufarbeiten könnte… und gleichermaßen keinen Bock drauf, es einfach versanden zu lassen und zu sagen: “Okay, nicht mein Problem, sollen sich andere drum kümmern”.

Fuck it.

Tatsache ist: Wir müssen reden.

Dringend reden.

Wir müssen zuhören.

Auch den Menschen, die wir hassen und deren Weltanschauung wir absolut nicht teilen.

Auch Mördern. Terroristen. Religiösen Fanatikern.

Wir müssen Fragen stellen.

Wir müssen Fragen stellen dürfen.

Und wieder zuhören.

Selbst mal die Fresse halten und den anderen reden lassen.

Und dann weiter zuhören.

Und so gemeinsam in einen Dialog treten, in dem Probleme – auch komplexe, vielschichtige und historisch langatmige Probleme – durch miteinander kommunizieren gelöst und angegangen, aufgearbeitet und bereinigt werden können.

Kleine Germanen macht hier einen Anfang. Das Problem wird nur sein, dass die Wirkung innerhalb des Medienzirkusses gänzlich verpufft und sich so die eigentlich moralisch gute Absicht ins Gegenteil verkehrt und somit “gefährlich” wird.

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassen? Lest den Text. Sorry. Geht nicht anders.

Nicht bei dem Thema, nicht bei einer so heiklen Sache. Hochscrollen – lesen. Oder geht rein und lest es danach. Oder geht nicht rein und lest, warum nicht.

Nachspann
❌ folgt nichts weiter, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Kleine Germanen
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12

Kindheit

Dieser Film hat zwei Seiten. Einerseits – und das ist vollkommen löblich – setzt er sich mit Erziehungsmethoden auseinander, die grandios durchdacht sind und aus dieser Welt systematisch die Waschlappenkinder wieder entfernen könnten, wenn sich mehrere Tagesstätten derartiger Methoden annehmen und sie im Alltag praktizieren würden.
Ich habe nach der Pressevorführung jede Menge negative Stimmen gehört, worauf ich aber später noch zu sprechen komme. Warum mein Blickwinkel darauf trotzdem positiv ist? Wahrscheinlich lese ich zu viel zwischen den Zeilen oder mache mir währenddessen Gedanken darüber, wie es sonst in der Welt so aussieht und finde das Konzept, das im Hintergrund damit beworben wird, einfach fantastisch.
Und das sage ich jetzt befreit von jedwedem Öko-Bio-Neumodern-Gelaber, sondern einzig im Hinblick auf die Tatsache, dass wir von diesen Helikopter-Eltern einfach zu viele haben und sich viele abgewöhnt haben, Erziehungsberechtigte zu sein und sich stattdessen lieber darauf konzentrieren, beste Freunde der Kinder zu werden, die bei nichts mehr durchgreifen und damit Menschen heranwachsen lassen, die ihrerseits absolut unfähig dazu werden, wieder ihre Kinder zu erziehen.
Diesem Trend, der damit die ganzen Vollidioten produziert, die einem auf der Straße tagtäglich begegnen und von denen man auch im Netz jede Menge Bullshit vor die Augen geschmissen bekommt, wird hier auf eine völlig defensive und erkenntnisreiche Art entgegengewirkt und man sollte sich tatsächlich über das ein oder andere mal wieder klar werden – dazu werden gerade am Anfang des Films einige Sätze in den Raum gespeist, über die es sich ernsthaft nachzudenken lohnt.
Andererseits – und damit kommen wir zu den kritischen Stimmen – ist dieser Film sehr “nah” gefilmt, was bedeutet, dass während des Drehs der unabhängige Abstand zu den Kindern fehlt, die sich vor der Kamera tatsächlich völlig eigenständig und unbeeinflusst bewegen und verhalten können, was den Verdacht aufwirft, dass es im Hintergrund wohl doch “Regieanweisungen” gegeben haben könnte. Wohlgemerkt: haben könnte, es ist nicht gesagt, dass es tatsächlich so war, sondern das geschulte Auge bemerkt eben einfach, dass räumlich gesehen oft zu wenig Platz war, um beispielsweise mit extremem Zoom zu filmen und so den Kindern nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken.
Wer schon mal vor einer solchen Kamera hat agieren müssen, weiß selbst, wie “seltsam” das ist und kann sich daher denken, dass auch Kinder anders reagieren – auch hier gab es einige Szenen, die solcherlei Vermutung aufkommen lassen, weil es – sagen wir – etwas unnatürlich wirkt, wie sich die Kinder angeblich “aus freien Stücken” verhalten.
All dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dieses Gesamtkonzept absolut löblich ist und – ohne Kamera – gerne weiterverbreitet werden darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit pädagogischen Augen betrachtet ist dies ein rühmliches Vorbild, an dem man sich in der Kindererziehung gerne in jedem Haushalt orientieren kann.
An vielen Stellen fehlte ein wenig der Abstand, um die Kinder nicht zu aufdringlich zu verfolgen, was einen negativen Beigeschmack produziert, in meinen Augen aber das hintergründliche Prinzip deswegen nicht angreift.
Darum empfehle ich den Streifen definitiv als sehenswert und warte einfach darauf, welche Generationen diesem Erziehungsprinzip entspringen. Es wäre in höchstem Grade wünschenswert, dass es viele sind.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Die Grundschullehrerin

Seit ein paar Wochen schwärme ich schon davon, dass es demnächst jede Menge Filme geben wird, die euer Herz fordern werden – ohne dabei Namen zu nennen – dies hier ist einer davon.
Mit so viel Liebe, Inbrunst, Herzblut und pädagogischem Vorbild geht man die zwischenmenschlichen Beziehungen im frühen Kindesalter an und entdeckt die Welt einmal völlig neu und von vorne. Dabei ist die Herausarbeitung der verschiedenen Persönlichkeiten enorm! Das Meckern über mangelnde Profiltiefe bei zu oberflächlich dargestellten Charakteren trifft spätestens hier auf seine Grenzen, denn die Ineinanderverflechtung der verschiedensten Ausgangssituationen erlebt in einem völlig herzlichen und absolut empfehlenswerten Film seinen Höhepunkt.
Dabei wurden die Darsteller sowas von sorgfältig ausgewählt, dass einem selbst als Kinderhasser das Herz aufgehen muss, denn die Kleinen leisten Umwerfendes! Das rührt fast schon zu Tränen!
Man mag kaum glauben, dass es sich diesmal nicht um eine wahre Geschichte handelt, sondern alles nur fiktiv ist und spürt die zweijährige Recherche an allen Ecken und Enden. Das Ergebnis ist mehr als authentisch und zeugt von so viel Vorbildcharakter, dass ich diesen Titel fast schon als Lehrstudie im Unterrichtsplan von angehenden Lehrkräften sehen möchte. Als absoluten Pluspunkt muss man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen, dass die Menschen hier nicht auf ihre Berufe reduziert oder süffisant auf ihre Stereotypen runtergebrochen wurden, sondern man tatsächlich das Kunststück (was eigentlich keins sein sollte) geschafft hat, ein ganzheitliches Bild zu zeichnen, das keinen Aspekt des Lebens außen vor lässt und Menschen gedanklich Unmögliches abverlangt.
Gerade das Umgehen mit Schwächen, das Lernen in allen Perspektiven und die spielerische Auseinandersetzung mit todernsten Themen machen aus diesem Film eine Perle, die man definitiv gesehen haben muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ihr den Titel nun im Kino, Heimkino oder irgendwo unterwegs schaut, sei dahingestellt – wichtig ist nur, dass er auf eurer To-Do-Watchlist steht und ihr keinesfalls versäumt, die Inhalte dieses französischen Peaks zu konsumieren.
Natürlich würde ich immer die gemütliche Abendrunde mit Freunden im Independent-Kino eurer Wahl bevorzugen, für mich verbirgt sich hinter dem fast unscheinbaren Titel aber eine ganz große Story, die es wert ist, der Welt gezeigt zu werden.
Also schaut sie euch an.

 
Nachspann
muss nicht abgebrochen werden, man wird hier endlich wieder mal “sanft entlassen”.
Kinostart: 15. Februar 2018

Captain Underpants

Na, wer von euch hat Kinder und kennt diese Bücher? Mir hat der ganze Mythos bis kurz vor der Kinovorstellung rein gar nichts gesagt und ich konnte deshalb völlig ohne Vorbehalte da rein.
Naja, nicht völlig ohne. Ich mein: “Captain Underpants“? Stellt euch mal vor, die obercoole Jugendclique steht am Tresen im Foyer eines Kinos und zieht Streichhölzchen, wer jetzt zur Kassendame “4x Captain Underpants bitte” sagen darf …
Das mutet doch fast schon so “Psst … Hey … hier …. Rotlichtviertel“-mäßig an, weil der Titel für einen Erwachsenenfilm einfach total beschissen ist. Aber nunmal den Geschichtenheld bezeichnet. Und in meinen Augen absolut kein Kinderfilm ist.
Natürlich, wir reden hier von Animation, natürlich, es geht scheinbar um Babys, weil “Underpants”. Natürlich, dann muss es ja ein Kinderfilm sein. Wer stellt hier schon den Bezug zur Superheldenkostümierung in den Blockbustern an… Nur: Der Humor ist dermaßen komplex, überirdisch gut und abnorm verflochten, dass die Kinder dafür schon weit ans Hochbegabten-Niveau heranreichen müssen, um all die versteckten und teils auch offensichtlichen Hinweise überhaupt verstehen zu können.
Und damit wären wir bei der seriösen Erwachsenen-Gruppe, die am Tresen steht und “4x Captain Underpants bitte” sagt … genauso unvorstellbar.
Ihr seht das Problem: Ich hab keine Ahnung, wie ich euch davon überzeugen kann, dass ihr unbedingt in diesen Film müsst. Der ist noch erwachsener als es Die Simpsons sind, die augenscheinlich auch für Kids, in ihren Inhalten aber eher an Erwachsene gerichtet sind.
Captain Underpants schnürt da das Areal zur Kindheit noch viel enger und spricht nur Erwachsene an – und das auf einem extrem lustigen, tiefgründigen (oh ja!!!) und unterhaltsamen Weg, der viel zu schade dafür wäre, um in der Nische zu verkommen.
Ich würde ihn frühestens ab 20 Uhr zeigen und damit rechnen, dass sich dabei dann eher die 23-Uhr-Vorstellungen füllen, weil da die Straßen dunkel genug sind, dass sich heimlich die Pärchen in diesen Film verirren können, um anschließend zu verkünden, dass man “noch im Kino gewesen sei”.
“Welcher Film?”
“Einer, den du dir unbedingt anschauen musst! Wir haben lange nicht mehr so gelacht!”
Und damit hätten wir eine Mundpropaganda-Maschine, die dafür sorgt, dass dieses Machwerk hierzulande ein Erfolg wird, der weiter befeuert, dass die Folgefilme auch noch gedreht werden, denn: Bücher gibt es mittlerweile einige davon.
Und ja, ich bettele auf Knien darum, dass man die allesamt verfilmt und hier nicht auf Gewinnspanne oder Umsatz schaut, weil genau diese Art von Unterhaltung eine Nische aufblühen lässt, die heute eigentlich keiner mehr bedient: Animation für Erwachsene auf Basis eines Humors, der meines Erachtens ungeschlagen ist.
Ich hatte während der Vorstellung auf jeden Fall unfassbar viel gute Laune, musste elends oft lachen und wäre am liebsten direkt nochmal reingegangen und kann daher jedem nur empfehlen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Trinkt euch Mut an, ordert ein paar Tickets für diesen “Captain-Film” und habt anschließend unglaublich viel Spaß im Kino bei Lachsalven, die euch teilweise die Dialoge nicht mehr verstehen lassen.
Und lasst eure Kinder zu Hause. Es ist zwar nicht schlimm, wenn die mit im Kino sitzen, aber diejenigen, die danach am meisten beglückt wieder auf die Straße rennen, seid ihr und nicht eure Nachkommen.

 
Nachspann
Auf jeden Fall mitnehmen, da kommt noch eine Sequenz.
Kinostart: 12. Oktober 2017

The Book of Henry

The Book of Henry ist für mich eine der berührendsten, traurigsten und zugleich ergreifendsten und lustigsten Geschichten, die ich je gesehen habe. Bei diesem Film bleibt garantiert kein Auge trocken. Vor Lachen. Vor Ergriffenheit. Vor tiefer Trauer.
Nicht mal die Männer halten es aus, ohne Tränen im Saal und gleichzeitig aufmerksam zu bleiben.
“Hat das Tränengas gewirkt, dass wir während der Vorstellung in den Saal eingespeist haben?” als Frage vom Presseveranstalter ist daher gar nicht so blöd gestellt, schaut man danach in die verheulten Gesichter der Privilegierten, die diesen Film bereits vorab sehen durften.
Und wirklich: Es dauert keine zwei Sekunden und man ist gefangen in einer unfassbar herrlichen Welt, die geprägt von Menschlichkeit ist, dass es einem das Herz zerreißt. Offene Fragen, auf die heute viele mit Gleichgültigkeit antworten würden, werden hier eben nicht einfach aus diversen Gründen vom Tisch gefegt, sondern mit detailreicher und liebevoller Hingabe bearbeitet und vorgelebt. Dabei erobern die Charmeure Tremblay und Lieberher hier im Sturm die Herzen ob ihres jungen Alters, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Ich kenne wirklich kein vergleichbares Stück, dass dieser Großartigkeit gewachsen wäre und dem neuesten Geniestreich von Colin Trevorrow gefährlich werden könnte. Save. Versprochen.
Also gebt mir euer Wort drauf, dass jeder – und ich meine wirklich jeder – seinen Arsch hochhievt und in einen der zahlreichen Säle spaziert, in denen dieser Film gezeigt wird. Stürmt die Independent-Buden und zeigt auch den Multiplexern, dass ihr diesen und keinen anderen Film sehen wollt.
Und ich verspreche im Gegenzug davon, dass keiner von euch für seine Anstrengungen enttäuscht werden wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch ein Handtuch mit – das reicht dann für die Fülle an Tränen, die dieser Film produziert.
So etwas unwahrscheinliches ersten Ranges habe ich wirklich noch nicht gesehen. Die Schauspieler umwerben eure Herzen und nehmen euch in einer Story gefangen, aus der ihr nicht mehr raus wollt.
Reingehen ist absolute Pflicht!

 
Nachspann
Die Türen stehen offen, man darf nach draußen, denn hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 21. September 2017

Das Pubertier – Der Film

Jan Josef Liefers, Heike Makatsch – was sagt uns das?
Ein deutscher Film, der auf dem Plakat schon wieder den Anschein einer schlechten Komödie macht und sich damit in die Reihen der ganzen deutschen Versagerfilme einreiht, die es auf dem Markt bereits gibt.
Und jetzt zieht los, kauft euch ein .kinoticket und überzeugt euch selbst davon, dass dem nicht so ist.
In Das Pubertier – Der Film beweist Heike Makatsch, dass sie auch ohne Stock im Arsch schauspielern kann und neben Monika Gruber eine unglaublich gute Figur abliefert. Die Lässigkeit, derer man sich der bereits vielerzählten Thematik annimmt, ist bewundernswert und erstaunlich freigiebig. Alle Kritikpunkte, die ich dem deutschen Kino oft genug anlaste, finden hier keinen Nährboden und offenbaren, dass man in unserem Land den jüngsten Beispielen nach zu urteilen wohl doch endlich begriffen hat, dass es cineastisch einen Platz gibt, auf dem man sich erfolgreich austoben und auch international Anerkennung gewinnen kann.
Das Pubertier – Der Film greift dabei nicht nur auf hervorragendes Ausgangsmaterial zurück, sondern etabliert dieses auch sehenswert auf dem Screen. Die Umstände, derer sich Liefers im Film ausgesetzt sieht, schmücken in vielen Haushalten wohl auch den Alltag und kommunizieren somit Verständnis, Gemeinschaft und realitätsnahe Unterhaltung, die ich als absolut positiv empfunden habe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Stück zeitlose Geschichte, die jede Familie im Verlaufe ihres Lebens mindestens einmal selbst betrifft und hier herrlich komödiantisch und mit viel Liebe zum Detail gepflegt wird.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 6. Juli 2017

Bad Moms

Man darf von den Hangover-Machern denken was man will. Begrabt es!
Man darf von solcher Art Filme halten, was man will: Begrabt es!
Man darf Vorurteile haben, sie ausleben, aussprechen … ratet mal: Begrabt sie!
Man darf von dem Trailer halten, was man will: …. ihr wisst schon => Begrabt es!
Bad Moms macht nämlich so richtig richtig richtig viel Laune und verbreitet eine Stimmung, gegen die der Trailer richtig mies wirkt!
Wo man anfangs noch das Gefühl hat, es wird wieder nur zu so einer erbärmlichen Show, die nahe am Fremdschämen vorbeischlittert und vielleicht grad so den Bogen kriegt – diesmal halt wieder nach derzeit üblicher Manier auf Frauenseite – der täuscht sich gewaltig.
Der Humor in diesem Streifen ist derart gut austariert, dass er zwar immer den Bogen sehr weit spannt und sich streckenweise auch gewaltig aus dem Klischeefenster hängt, jedoch niemals den Absturz in die Tiefe exerziert, sondern jedesmal einen Volltreffer landet, der in tausenden Lachern beim Publikum mündet.
Ganz ehrlich? Mich hat es total erstaunt! Ich hatte nämlich echte Bedenken, obwohl ich beim ersten Mal beim Trailer schon dachte: Wow, das könnte was werden – während meine Stimmung beim 50. Mal Trailer ziemlich tief im Keller war.
Und der ist weit weit von dem entfernt, was der Film letztendlich bietet: Nicht nur die Spaßmomente sind einzigartig und erfreuen das Publikum in mannigfaltiger Art und Weise, sondern auch die Lehren zwischen den Zeilen sprechen mir zu 100% aus der Seele.
Mal ganz im Ernst: Wir alle fühlen mit Mila Kunis, wenn sie ihre Ansprachen hält und die Wahrheit auf den Tisch packt und können nachempfinden, was sie meint. Und diese für einige bittere Realität ist derart unterhaltsam und witzig verpackt worden, dass man jedem nur empfehlen kann, sich auf die Socken zu machen und diesen Titel auch tatsächlich zu schauen, sobald er in die Kinos kommt: Ein absolutes Muss, denn dieser Film gehört endlich mal zu der Kategorie “Comedy”, der ich wirklich etwas abgewinnen kann.
Und zwar nicht nur vom Humor, sondern vor allem auch von den schauspielerischen Leistungen der Damen. Kunis feierte in älterer Vergangenheit ja nicht gerade ruhmreiche Dialoge in Filmen wie Jupiter Ascending und hatte bislang auch schauspielerisch bei mir nicht die besten Karten. Aber was diese Frau hier vom Stapel lässt und welche Mimik und Eigenaura sie dabei auf den Tisch wirft, haut mich fast schon vom Hocker.
Generell hat der Cast eine derart hervorragende Leistung erbracht, die allein schon Grund genug für den Film liefert, im Gesamtpaket mit dem Plot, den verbalen Spitzen und den vergnügt-seeligen Reißern in die Klischee-Schiene macht das Werk dann aber nicht nur richtig Spaß, sondern haut einem förmlich den Wecker weg.
Mich würde es wundern, wenn in der Auswertung nächste Woche tatsächlich Stimmen dabei sind, die den Film als negativ bewertet haben, denn der ist alles andere als das!
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Reingehen! Und zwar sofort!
Ohne Diskussion und ohne Kompromisse. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Der hier bricht sogar den Erfolg von Hangover, denn er ist besser als der.
Wer den verpasst hat, kann nicht nur nicht mitreden, sondern hat auch 100 Minuten geilste Kinogeschichte nicht miterlebt – tut euch das selbst nicht an, sondern geht verdammtnochmal rein! Danke 🙂

 
Nachspann
Selten erlebt: Jeder blieb sitzen – bis zum Schluss. Der ist nicht nur reichlich gefüllt, sondern macht das gesamte Werk nochmal um Klassen sympathischer! Also auf jeden Fall bis zum Ende sitzen bleiben!

Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück

Mit Captain Fantastic geht ein Film an den Start, den sich viele wohl nicht so vorgestellt haben, denn schon von Anfang an holt man den Zuschauer ab und wirft ihn in einen Teil dieser Welt, den die meisten in dieser Intensität so nicht kennen dürften.
Was in meinen Augen hervorragend gelungen ist, ist die Wand, gegen die man den üblichen Materialismus prallen lässt um dann den Geist des Zuschauers langsam wieder aufzuheben und zärtlich neu zu verpflanzen, um hier eine völlig neue Ideologie eines gesunden Lebens vorzustellen, die in dieser Form sehr wohl selten gelebt und schon gar nicht für allgemeintauglich erachtet werden kann.
Und genau das macht mir einen riesigen Spaß: Zu erleben, wie die stoisch-kritische Masse an Menschen im Verlauf der Zeit immer weniger sinnvolle Argumente findet, um den dubiosen Lebensstil der Hauptdarsteller zu kritisieren, weil offenbar wird, dass vieles von dem sehr wohl überlegenswürdig ist und man sich eher darum bemühen sollte, zu hinterfragen, was denn im eigenen Leben falsch läuft, weswegen man nicht diese Form von Glück empfindet, die hier offenbart wird.
Wer jetzt glaubt, es handelt sich hier um eine massive Kritik an der modernen Gesellschaft, der irrt. Ein weiteres Juwel des Films: Er beleuchtet in mannigfaltiger Weise beide Seiten des Seins und lässt sie gewissermaßen koexistieren, ohne jeweils das eine oder andere zu verdammen, sondern führt nur dazu, dass man tatsächlich seinen Hirnbrei mal wieder anstrengt und darüber nachdenkt, ob das alles hier wirklich so sein muss oder man vielleicht doch an ein paar Stellschrauben drehen kann, um sich und der Umgebung ein bisschen weniger weh zu tun als sonst.
Und dieses Verhalten, der provokante und offene Umgang mit diversen Themen, der Intellekt, die Angleichung und sensible Filterung von einzelnen Elementen des großen Ganzen macht hier einen so wohldurchdachten und überzeugenden Eindruck, dass ich den Film jedem nur wärmstens ans Herz legen kann, denn hier steckt so viel Wahrheit über den Zustand unserer Welt drin, wie viele wohl gar nicht glauben mögen.
Dass unser Planet zur Zeit erkrankt ist, dass so vieles so schief läuft, dass Zustände herrschen, die unumkehrbar scheinen und die Menschheit darunter leidet, ist wohl unverkennbar. Captain Fantastic bietet insofern eine Lösung an, wie man als Individuum damit umgehen kann und offenbart hier eine Erklärung für die Lebensweise, die ich persönlich allem anderen vorziehen würde und es tatsächlich zeitweilig auch real umsetze. Nicht nur ironischerweise teilen der Hauptdarsteller und ich uns schon den selben Namen …
 

.kinoticket-Empfehlung: Captain Fantastic gehört zu den Filmen, die man gesehen haben muss, wenn man auf tiefgründige Auseinandersetzung mit den Grundpfeilern des Lebens steht, Philosophie und Gesellschaftskritik etwas abgewinnen kann und seinen eingefahrenen Blick auf die Welt wieder mit ein paar neuen Kreationen bereichern möchte.
Die offene, direkte und dennoch relativierende Sicht auf die Problematiken unserer Gesellschaft sind derart feinfühlig zusammengesetzt, dass allein schon die nicht-schmerzende Kritik sich wie eine forcierte Heilung unserer kranken Existenz anfühlt und man meint, endlich eine Lösung zu finden, die dem alltäglichen Wahnsinn da draußen paroli bietet.
Für mich jetzt schon ein weiterer Meilenstein der Filmgeschichte, der in jedes Filmregal gehört und über den man gerne in Schulen oder Universitäten diskutieren darf.

 
Nachspann
nach solch einem Thema braucht es keine weiteren Momente, sondern eher Zeit zum Nachdenken.

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