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Tag: Ezra Miller

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (3D)

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Es ist die heiß erwartete Filmfortsetzung aller Harry Potter-Fans: J.K. Rowling hat sich breitschlagen lassen und schreibt quasi für ihre Fans weiter: Phantastische Tierwesen ist entstanden.

Ich hab damit so meine lieben Schwierigkeiten. Fangen wir mal bei Potter an: Dort gab es einen Plan. In einem Film ist unglaublich viel passiert und wenn du quasi 30 Minuten zu spät ins Kino kamst, hast du dir den ganzen Film auch komplett schenken können. Die Dichte an Happenings ist unglaublich hoch und man hat gespürt, dass sie auf etwas ganz bestimmtes hinaus wollte. Auch, als in den späteren Teilen die Story dann erwachsener, düsterer wurde (was mir persönlich unglaublich zusagt), hat man gespürt, mit welchem Vorwärtsdrang und mit welcher intensiven Erzählkraft Rowling hier ans Werk geht um eben jenes zu vollenden.

Und es hat prima funktioniert. Die ganze Welt ist Amok gelaufen deshalb. Und tut es bis heute: Die Harry Potter-Wiederholungsvorstellungen sind fast gänzlich ausverkauft gewesen. Im Kino. Und das, obwohl die Teile schon jeder mitbeten kann und als VoD, Blu-ray, DVD und Buch zu Hause stehen hat.

Und das Teil hat ein fulminantes Ende und bricht damit den Stein und legt ein Siegel auf diese Geschichte. Fortsetzungen quasi unerwünscht.

Wie also soll man Phantastische Tierwesen etablieren, so dass der Zuschauer nicht vor den Kopf gestoßen wird?

Das hat beim ersten Teil noch wunderbar geklappt, da dieser für mich quasi mehr oder weniger den “Zusammenschnitt aller Zauberszenen der kompletten Harry Potter-Reihe” darstellt und somit einen immensen Unterhaltungswert hat. Das, was man in den Potter-Filmen teils noch vermisst, bekommt man in Phantastische Tierwesen mehr oder weniger am Stück geliefert und fühlt sich dadurch unterhalten, vergnügt und mit tollen Effekten und Einfällen geschmeichelt. Und es ging dabei mehr oder weniger genauso “schnell” zur Sache wie in den Vorgängerfilmen.

In der Fortsetzung spürt man jetzt, dass die Macher beginnen, jedes einzelne Zuckerkorn einzeln umzudrehen und quasi wirklich alles aus der Sache rausholen. Es wird gezaubert – und das auch mächtig und imposant, aber in meinen Augen eben viel zu wenig. Und viel zu langsam. Die Szenen füllen nicht mehr den kompletten Film, sondern sind selbst wieder nur solche “Drop-Elemente”, wie man sie aus anderen Filmen kennt: Anfangs-Swush, Mittelpunkt-Aufmerksamkeitssteigerung, Endkampf. Irgendwie fehlt dazwischen sehr viel und es fühlt sich trocken, roh, und langatmig an – und das sollte in einem grenzenlosen Zeitalter wie diesem mit derart viel Kohle in den Taschen eigentlich nicht passieren.

Der Film ist deshalb aber nicht schlecht, im Gegenteil: Er macht unglaublich Lust auf den Dritten Teil, der muss dann jedoch aber wieder liefern, damit die Leute nicht vom Zug abspringen, weil’s nur noch eine endlose Ausschlachterei von solchen Themen wird. Dieses bittere Gefühl, dass man diese Saga und Welt jetzt in Ketten zur Schlachtbank führt und quasi jeder einzelne 10-Minuten-Moment in einem 134-Minüter ausgeschlachtet wird, würde das Todesurteil für diese Art Filme bedeuten und aus ihnen genau das gleiche machen, was Twilight mit der Vampirszene angerichtet hat: Es wäre ihr gnadenloser Untergang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Fortsetzung ist für mich ein wunderbarer Auftakt für eine neue Zauber-Reihe, die jedoch bedingt, dass man ab dem dritten Film wieder etwas mehr Geschwindigkeit liefert und sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht: Die Schlachtbank, zu der man diese Welt ein wenig trägt, hat Blut an ihren Ecken und würde das Ende der Reihe bedeuten.

Dieser Teil macht unfassbar viel Lust auf eine Fortsetzung, fühlt sich selbst aber als eigenständiger Film etwas zu langatmig und “bürokratisch” an. So, als hätte man Rowling dazu gezwungen, weiterzuschreiben und sie übertüncht ihre Blockade, statt dass sie mit Lust und Hingabe ein Werk entwirft. Anschauen: Trotzdem im Kino im größten Saal den ihr finden könnt. Und unbedingt in 3D.

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, ist wie in den alten Potter-Filmen auch.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald
Length: 134 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (3D)

Wir alle kennen Harry Potter und haben die Filme bis zum Erbrechen gezeigt bekommen. Alljährlich im Free-TV, ständig im Kino, in den DVD- und Blu-ray-Regalen… man kann es bald nicht mehr sehen.
Ja, das Universum, dass Rowling da erschaffen hat, hat durchaus seinen Reiz und definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, jedoch habe ich es – Achtung: Blogbeichte! – immer noch nicht geschafft, mir tatsächlich alle bisher acht Harry Potter-Filme anzusehen.
Warum? Ich finde es irgendwie … kindisch. Klar, mag es Spaß machen, sich in diese Welt zu begeben, allerdings empfinde ich das “Gehabe” von Potter und seiner Hermine etwas zu laienhaft, schulisch, unprofessionell – wie auch immer. Warm geworden bin ich damit genauso wenig wie mit der Der Herr der Ringe-Trilogie, die als solches genauso ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, mich jedoch in ihrer Weise genauso wenig abgeholt hat.
Ich weiß, dass ich mich filmisch damit etwas zu einem Außenseiter degradiere und hoffe inbrünstig, dass ich euch trotzdem die Message rüberbringen kann, die mir bei diesem Spin-Of extrem am Herzen liegt.
Aufgrund meiner extraordinären Abneigung gegen diesen ganzen Kinderhexen-Quatsch bin ich nämlich mit reichlich angefüllten Vorurteilen und höchst niedrigen Erwartungen in den Saal spaziert und dachte mir: Gleich die Vorpremiere abgreifen, bevor der ganze Pöbel dann ins Kino rennt und man wieder die Hype-Kinder um sich rum hat.
Hat sich’s gelohnt?
Äh … ich würde ohne Umschweife sämtliche Harry Potter-Filme ohne zu zögern für die Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind-Filmreihe opfern.
Filmreihe? Yes! Geplant sind fünf Teile, die die neuen Handlungsstränge miteinander verweben und innerhalb des Potter-Universums ausleben, ohne dabei zu sehr an die Original-Geschichte angehaftet zu sein.
Und damit kommen wir zu dem, was mich bei Phantastische Tierwesen extrem vom Hocker gehauen hat.
Die Magie ist endlich erwachsen geworden. Der Witz, dieser humorvolle, umspielende Charme ist geblieben und auf einer wundersamen Art in Eddie Redmaynes Schüchternheit verpflanzt, der sich als Hauptdarsteller hier nicht nur extrem nach oben spielt, sondern seine in meinen Augen beste Leistung überhaupt abgeliefert hat.
Dazu gesellen sich die neuen “Teammitglieder”, die nicht nur extreme Frische zurück in die magische Filmwelt katapultieren, sondern zwischen denen die Chemie derart stimmt, dass man sie allesamt direkt ins Herz schließt und sich mit ihnen auf Lebenszeit anfreunden möchte.
Gespickt mit kreativen Einfällen, die dann doch wieder etwas ans Potter-Universum anknüpfen, hier jedoch keinerlei Wettbewerbsvorteile herauskitzeln wollen, wird eine (neue) magische Welt geschaffen, in der man sich als Zuschauer nicht nur zu Hause fühlt, sondern die man sich sehnlichst in immer mehr Filme hineinwünscht.
Geplant sind derzeit fünf … sorgt dafür, dass es mehr werden, indem die Vorstellungen überrannt werden und ihr den Schöpfern damit zeigt, dass ihr genau so etwas sehen wollt.
Denn diese Welt macht nun nicht mehr nur 6jährigen Spaß, sondern erhebt sich fast schon zur Märchenerzählung, die ausschließlich an Erwachsene gerichtet ist und nur am Rande zulässt, dass auch Kinder in die Vorstellung dürfen. Und es geht nicht nur mir so, sondern auch anderen, die Potter in und auswendig kennen, die mir ebenfalls mitgeteilt haben, dass sie von diesem Einschlag als Bystander-Filmserie zutiefst beeindruckt sind und sie fast besser finden als das Original.
Und die Ideen sind grandios. Die Einführung neuer Figuren, die Eröffnung neuer Möglichkeiten, das sanfte Umweben verschiedener Erzählstränge, die allesamt in einem großen Ganzen münden wollen, eröffnen hier so viel Handlungsspielraum, dass es kaum auszuhalten ist, bis Ende 2018 dann Teil 2 auf die Bühne kommt…
…was mich schon wieder begeistert, denn dieser 1-Jahres-Zyklus, mit der die Filmreihen konzipiert und aus dem Fließband gezerrt werden, empfinde ich angesichts der Zeit, die man braucht, um etwas anständiges zu produzieren, als zu kurz. Phantastische Tierwesen gibt auch hier schon von Anfang an bekannt, dass im 2-Jahres-Zyklus veröffentlicht werden soll, wo dann genügend Zeit ist, um nicht nur irgendwas Geldbringendes zu verwursten, sondern man sich tatsächlich den Tiefen der Story annehmen und sie bis ins Exil hinaus zu einer erzählenswerten Story transformieren kann, die den Kinozuschauer nicht nur abholt und tief in eine andere Welt hineinreißt, sondern auch dafür sorgt, dass man sich im Alltag immer wieder zurück in diese Ebenen der Erzählung wünscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Der Text wird zu lang, wenn ich hier ins Schwärmen gerate, aber genau das sprießt nur so aus meiner Empfindung für diesen Titel in die Welt hinaus.
Geht rein! Flutet die Säle, kuckt euch den Film wieder und wieder an und beweist damit den Studios, dass ihr genau das wollt – wieder und wieder – immer mehr. So werden gute Geschichten erzählt. So geht man mit Effekten um. So produziert man sagenhaftes 3D. So vereint man unsägliche Raumtiefe mit tiefgründiger Story und unterhaltsamem Witz.
Und noch etwas: Dieser Film wurde für’s Kino erschaffen. Keine Heimkinoanlage kann diese Power aufbringen, die benötigt wird, um die zerberstenden Eindrücke so wiederzugeben, wie sie gedacht sind. Devise: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je näher an der Leinwand, desto größer das brachiale Filmerlebnis, in das man hier eingeladen wird.
Also würdigt den Film mit einem .kinoticket und besucht ihn an dem Ort, für den er geschaffen wurde: im Kino.
Rein! REIN REIN REIN REIN!

 
Nachspann
Endlich bricht der Song hervor, den man den ganzen Film über immer wieder im Ohr hat … aber auch sonst ist der Soundtrack einfach gelungen und meines Erachtens neben vielen Dingen einen Oscar wert. Wem das egal ist, der darf den Raum vorzeitig verlassen, denn weitere Szenen folgen keine mehr.

Suicide Squad (3D)

Ich beobachte in der Welt immer wieder Phänomene, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel, wenn Menschen etwas Großartiges hernehmen, daraus eine kleine Ecke abbrechen und alle wie die wilden Hunde über diese kleine Ecke herfallen und den Rest stillschweigend ignorieren.
Batman ist so ein Phänomen, ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt. Schauspieler, Geschichte, subtile Moralpredigten, der aufkeimende Wahnsinn, der ausbrechende Wahnsinn, Schauspielerleistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, ein Score zum Niederknien und in der Neuzeit eine Form von Boshaftigkeit und Düsterness, die Leuten wie mir die Gänsehaut auf den Rücken jagt – vor Begeisterung.
Und was tut der Großteil der Menschen?
“Wähhhhh, Joker hat viel zu wenig Spielzeit bekommen buhahahahahaäääääMAMAAAAAAA!!!”
Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht.
Ja, wir alle wissen um die Vorherrschaft außergewöhnlichen Schauspielerns des grandiosen Jokers aus The Dark Knight, der eine Show hingelegt hat, die selbst im Folgeteil nicht überboten werden konnte (und: Überraschung => auch niemals mehr überboten werden wird!) und nun rennen Scharen von Menschen dem Irrglauben hinterher, etwas Vollkommenes ließe sich durch Wiederholungen zu etwas noch vollkommenerem umwandeln.
Leute, das funktioniert nicht. Genauso wie in der Musik, wenn einer eine grandiose Idee hat, die jeder abfeiert und anschließend Milliarden anderer “Künstler” sich dieses Machwerk zu Herzen nehmen und abertausende Male kopieren – es ist und bleibt ein langweiliger Brei an Musik, der hinterher auf dem Tablett steht und niemandem mehr schmeckt, sondern nur noch das fade Gefühl von Traurigkeit und Bedauern auslöst, wo doch so viel kreative Kunst stattdessen durchs Radio schallen könnte.
Wieso also – wieso heulen alle rum und fixiert sich jeder verdammte Bundesbürger einzig und allein auf einen einzigen Charakter in einem Universum, das von interessanten Persönlichkeiten nur so geprägt ist?
Suicide Squad schert sich darum einen Scheißdreck. Macht zumindest den Eindruck. Denn was hier geboten wird, lässt mir persönlich die Gänsehaut nicht den Rücken hoch und runterfahren, sondern dringt direkt ins Fleisch ein und sorgt für einen Dauerzustand von düsterem “Wow”.
Ja, ich mochte den Film. Ich mochte die Art, wie man großartige, epische Charakter mal eben an den Rand packt und etwas viel größeres auffährt, wie man mit Effekten spielt und aus Verzweiflung zu bunt wechselt, weil die Seele, das Empfinden, die Umgebung und alles andere einfach nur noch böse ist.
Ich mochte, dass man es geschafft hat, einen Film ins Leben zu rufen, in dem es so absolut rein gar nichts Gutes mehr gibt, und dieser krampfhafte Versuch, das Böse böse aussehen zu lassen, schlichtweg nicht nötig ist, weil die Schauspieler (jeder von ihnen) auf ihre Weise so authentisch spielen, dass der Regisseur zu Recht Psychologen ans Set gerufen hat aus Angst, ihm würden die Leute schier durchdrehen.
Dass hier nicht nur mit Wahnsinn gespielt wird, sondern der Wahnsinn eine allgegenwärtige Macht ist, die den ganzen Film über durchzieht und durch seine Omnipräsenz fast schon einen eigenen Charakter darstellt – darüber hört man kein Wort. Und meine Fresse, wie zieht sich alles in einem zusammen, wenn man die durchgeknallten Charaktere auf der Leinwand rumwüten sieht, während alles um sie herum zerbricht und keiner von ihnen dabei seinen krankhaften Humor verliert oder in anderer Art und Weise abtrünnig wird und in kritisierenswürdiger Form schwächelt – nichts!
Die Boshaftigkeit und dunkle Schwere in dem Streifen ist kaum zu ertragen. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie so mächtig und überzeugend ist, dass man sich als psychisch Labiler durchaus ernsthaft die Frage stellen sollte, ob man sich diesen Film überhaupt anschaut oder besser nicht.
Der Trailer hat ja sein Übriges dazu geleistet, um möglichst viele Menschen davon abzuhalten, in Suicide Squad zu gehen, den verhaltenen und abweisenden Reaktionen des Publikums anderer Filme nach zu urteilen, wenn im Vorprogramm die gute alte Musik lief.
Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Die Herrschaften in diesem Film geben sich die größte Mühe und setzen hier ein Werk in Gang, dass den Massenphänomenen nicht gewachsen sein will, sondern lieber böse ist und in Nischen vorprescht, die langsam keine mehr sind. Und – oh Wunder – langsam setzt sich das Phänomen Suicide Squad doch durch und wandert in immer größere Säle, die selbst zu den Spätvorstellungen noch reichlich gefüllt sind.
Fakt ist: Suicide Squad ist ein Film, der die Nation ohne Frage spaltet und kein Mittelding zulässt. Diejenigen, die ihn mögen, trauen sich in der immer überwachteren Öffentlichkeit kaum noch, das laut auszusprechen und beginnen fast schon zu flüstern und sich vorsichtig vorzutasten, um ihre Sympathie mit dem Streifen zu bekunden, während die, die ihn hassen, mit schwenkenden Fahnen durchs Land ziehen und versuchen, den Hype um diesen Film gleich im Keim zu ersticken.
Ganz ehrlich? Lasst es uns doch einfach abfeiern und die Show genießen, denn was man hier geboten kriegt, ist längst nicht der Zenit dessen, was im Rahmen dieser Veröffentlichung noch vor uns liegt.
Nur eines: Haltet eure Kinder von diesem Film fern und gebt ihnen genügend Zeit zum Reifen, Stärke aufbauen und dem sinnvollen Umgang mit derlei Gefühlen, denn Suicide Squad ist keine Unterhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel der Unterwelt unserer heutigen Zeit. Und genau dieses Erschreckende und Boshafte wird hier ungeschönt auf die Leinwand produziert und hat zumindest mich zutiefst berührt. Anders kann ich mir die 30minütige Gänsehaut nach dem Film nicht erklären. Und ich stehe dazu. Öffentlich.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lange nicht mehr so viele Gothics, Metal-Fans, Punks und andere Nicht-Mainstream-Gruppierungen in einem großen Kinosaal gemeinsam zusammen sitzen und feiern gesehen.
Allen schlechten Kritiken zum Trotz sollte man sich – einen positiven Geist und genügend Willensstärke vorausgesetzt – diesen Film ansehen und genießen, dass endlich wieder ein Großer den Mut dazu hat, etwas zu produzieren, was sich auch als Flop erweisen könnte.
Die Darsteller machen ihre Sache so überzeugend, dass man sich tatsächlich wundert, dass hierbei keine größeren psychischen Schäden entstanden sind – und allein das ist eine Filmleistung, die man mit dem Lösen eines .kinotickets durchaus würdigen sollte.

 
Nachspann
die 3D-Effekte noch mitnehmen, das ist nämlich im Film herausragend, und anschließend darf man sich wieder ans Sonnenlicht wagen.

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