.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Flucht Page 1 of 3

Ballon (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
Michael Bully Herbig wird ernst – und viele kaufen ihm das schon im Vorfeld seines ersten Films in diesem Metier nicht ab. Warum?
Vielleicht, weil ein Großteil der Presse schon immer nicht genau hingeschaut hat. Wie oft ist es damals passiert, dass man beim Zappen hängen geblieben ist, wenn die Bullyparade auf ProSieben gelaufen ist? Wie sehr hab ich bedauert, als diese Sendung schlussendlich abgesetzt wurde, einfach nur, weil Bully etwas ganz eigenes war. Klar gab es viele Showoriginale, die aber in vielen Fällen eine pragmatische Weichgespültheit besaßen, um die für Allgemeinheit tauglich zu bleiben und dem Tod aller Shows – zu wenig Einschaltquoten – nicht anheim zu fallen.
Mein Gefühl war immer: Bully interessiert sich nicht für so etwas. Und tatsächlich habe ich ihn als Person gegenüber der Presse und dem ganzen Medienrummel schon ganz abgeneigt erlebt und hatte das Gefühl, er selbst fühlt sich von den Vertretern der Presse gänzlich missverstanden. Diese Sprache haben auch schon seine früheren Filme gesprochen: Was grade “in” ist, interessiert ihn nicht, er macht einfach sein eigenes Ding und versucht so, seinen Blick auf die Welt an andere weiterzugeben. Seine Filme sind Originale, die sich nicht dem Zeitgeist angepasst haben und jeder – egal, ob Freund oder Feind – kennt sie.
Nun hat er nach dem abschließenden Bullyparade – Der Film einen Schlussstrich unter den Komödienstadl gezogen und möchte fortan nur noch ernste Geschichten drehen. Der erste Fakt: Er hält sich dran: Ballon ist durch und durch ernst und zeigt so gar nichts von dem früheren Filmemacher, den damals schon sehr viele total unterschätzt haben.
Eine Sache fällt den Kritikern nämlich immer nicht ganz so blühend ins Auge: Er hat unfassbar viel Können und Filmwissen, er weiß mit und vor der Kamera umzugehen und kennt daher Schachzüge, die man als Regisseur tätigen kann, aus dem FF. Ich glaube, viele Leute unterschätzen ihn vollkommen als Filmtalent, weil viele ihn salopp als “Spinner” abtun – und das ist in meinen Augen ein großer Fehler.
Diese Tatsache bekräftigt sich schon allein dadurch, dass sein Erstlingswerk im neuen Genrebereich kein Alleingängerfilm ist, sondern er sich an bereits gezeigtem Material orientiert und es auf seine Weise neu interpretiert, einfach, um sich in der Richtung auszutesten und damit anzufangen, neue Wege zu beschreiten. Man merkt an vielen Stellen des Films, wie er vor Potenzial und Schöpferkraft strotzt und dass da noch einiges kommen wird, was aus ihm rausplatzen möchte – und ehrlich gesagt freue ich mich riesig darauf.
Ballon als solches ist bereits eine Geschichte, der durch ihn als Berühmtheit zu Aufmerksamkeit verholfen wird, denn ehrlich gesagt kenne ich kein einziges dieser vorher schon “zig mal verfilmten” Werke über diese Story, und ich komme aus dem Reich der DDR und sollte es daher eigentlich wissen.
Was hier an geballter Spannung, unfassbar gutem Schauspiel und Filmästhetik auf der Leinwand zu sehen ist, erinnert mit gar nichts an das, was man von ihm als Person vorher kannte: Ballon macht riesigen Spaß anzuschauen und unterhält auf bestem Wege.
 
G E W I N N S P I E L
_SN21676_2030_FINA

© 2018 StudioCanal

Und wer sich diesen Film gerne auf Kosten von StudioCanal ansehen möchte, für den ist vielleicht folgendes interessant: Mir wurden vom Verleiher zwei Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch als meine Leserschaft verlosen darf.
Kommentiert unter diesem Beitrag, welcher Film euch von Bully bislang am meisten oder am schlechtesten gefallen hat und ihr landet im Lostopf. Unter allen Kommentatoren bis einschließlich 30. September 2018 wird anschließend per Zufall der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Bitte gebt dazu also eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann, damit euch die Freikarten zugeschickt werden können.
Und nun wünsche ich allen viel Glück und natürlich viel Spaß im Kino – dieser Film ist es wert, ihn dort anzuschauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bully beschreitet neue Wege und zeigt, dass wesentlich mehr in ihm steckt, als manch einer ihm vorher zugetraut hätte.
Dieser Film erzählt eine unglaublich spannende Story und wartet mit filmischem Potenzial auf, das vor Energie und Stärke nur so strotzt: Es lohnt sich, diese bereits erzählte Story neu interpretiert im Kino zu besehen, allein schon, weil die Impressionen gewaltig beeindrucken.
Diese neu gefundene Ernsthaftigkeit, der sich ein ehemaliger Comedy-Garant verschrieben hat, ist grandios und ich wünsche Ballon einen wahnsinnig erfolgreichen Kinostart, den ihr alle ihm durch einen Besuch in den Lichtspielhäusern verschaffen könnt.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Sequenzen mehr.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Ballon
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12

Bad Spies

The Spy Who Dumped Me … wie der Titel im Original heißt, lässt wieder einmal durchblicken, welch einflussreicher Meisterschlag James Bond-Filme seinerzeit bereits waren. The Spy Who Loved Me aus dem Jahre 1977 gilt als Anspielungsvorbild, auf das hier Hommage-Abgesänge gesungen werden, indem man das Meisterwerk als Trittbrett nutzt und darauf eine “Bad”-Version gründet, die in die moderne Zeit passt und jeglichen Anspruch auf Seriösität aufgegeben hat.
Mila Kunis gilt sowieso nicht als die Top Triple Star-Favoritin im Showbusiness, sondern spielt in einigen Filmen mit, die von vielen so als “mittel” bewertet werden. Jupiter Ascending war sogar ein Flop und auch in Bad Moms fanden sie viele zu schlecht.
Ich finde, sie trägt eine gewisse Unterschwelligkeit mit sich und spielt ihre Rollen immer sehr glaubhaft und überzeugend. Das Tableau eines Weltstars möchte sie vielleicht gar nicht entern.
Der deutsche Titel Bad Spies erinnert auch nicht an ein Weltklassemovie, sondern trägt bei vielen eine Egal-Stimmung auf, was den inneren Weg zu viel Toleranz freischaufelt, mit der man gerne die Kinosäle betreten darf.
Bad Spies ist nämlich ein Film, der sehr viel Spaß machen kann, wenn man weiß, worauf man sich einlässt und sich damit auch abfinden kann. Diesen für Elitäre schwer überwindbaren Schritt einmal getätigt, ist der Weg frei für einige Lachsalven, da der Plot so selten dämlich ist, dass es echt Spaß macht, ihn sich anzuschauen. Vorhersehbarkeit hin oder her – es ist so dumm, aber funktioniert trotzdem hervorragend, weil die Mixtur des Films die absolut richtige ist.
Die Location Scouts haben hier ganze Arbeit geleistet und so ziemlich alles aus dem Planeten rausgeholt, was filmtechnisch möglich ist und der Streifen wartet zudem mit einigen hochintelligenten Überraschungen auf, die man in der Form niemals erwartet hätte.
Laber-Rhabarber kann jeder, aber dann auch liefern zu können, das verspricht dieser Film zwar nie, tut es aber, was immens beeindruckend ist. Man merkt, dass hier keine Ernsthaftigkeit gewollt ist und ich glaube sehr stark, dass alle Beteiligten am Film ungemein viel Spaß hatten, das sieht man z.B. den Stunt-Men total an. Diese Irrwitzigkeit und der Wahnsinn, den man hier aufleben lässt, zieht alles durch den Dreck, was sich in dem Metier finden lässt – und das kann in einem vollen Kinosaal sehr viel Freude bereiten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urteilt also nicht vorschnell, wenn ihr diesen Titel lest, sondern bereichert euch eines .kinotickets und lasst den Film einfach mal auf euch wirken – auch wenn vieles dumm wirkt, die Zusammensetzung stimmt und man merkt dem Film an, dass die Darsteller sehr viel Freude daran hatten.
Locations, Twist-Momente und einige Cast-Überraschungen inklusive erhält man hier ein abendfüllendes Ereignis, über das man hinterher vielleicht nicht mehr häufig spricht, dass für einen tollen Kinoabend aber sehr wohl tauglich ist.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 30. August 2018

Papillon

Wer sich an den hauseigenen Produktionen von Constantin Film stört, sollte etwaige Vorurteile geflissentlich fallen lassen und sich mit dem Phänomen einer “weißen Seite” auseinandersetzen: Dieser Film ist “eingekauft” und zählt daher nicht zur Fack Ju Göhte-Generation, sondern erzählt einmal mehr die wahre Geschichte eines Menschen, der erneut beweist, dass das Leben selbst die besten Geschichten schreibt.
Die ältere Fraktion wird sogleich nach Steve McQueen und dem gleichnamigen Film aus dem Jahre 1973 verlangen und sich wohl an den Neuerungen einer bereits verfilmten Story stören. Den Jüngeren, denen man solche “alten Schinken” nicht mehr vorzusetzen braucht, spendiert man mit King Arthur: Legend of the Sword-Darsteller Charlie Hunnam eine modernisierte und durchweg fesselnde Neuinterpretation einer grandiosen Aktion, die ihre Verfilmung selbstredend verdient hat.
Und wer sich jetzt fragt, woher man seinen Mitspieler bereits kennt, der sei auf die prächtige Mr. Robot-Serie verwiesen, in der er auch den Hauptdarsteller mimt. Die beiden führen zusammen durch eine glanzvoll und düster durcherzählte Historie, die gespickt mit glorreichen Bildern und einem fantastisch-tragenden Soundtrack eine absolut packende Story ergeben, die sowohl alt als auch jung in ihren Bann ziehen.
Ich habe im Rahmen der Pressevorführungen bereits Kritiken darüber gehört, dass der Neuverfilmung die flüchtige Leichtigkeit eines “Papillon” (Schmetterlings) ein wenig fehlt, finde es im Angesicht unseres erdrückenden Zeitalters aber überhaupt nicht schlimm, weil dadurch nichts von der Impression dieser Geschichte verloren geht, sondern man tiefst gebeutelt und definitiv nachhaltig beeindruckt wieder aus dem Saal entlassen wird.
Hunnam selbst hat für diese Rolle auch jede Menge Opfer gebracht und sich z.B. mehrere Tage komplett eingesperrt gelassen, keine freien Entscheidungen während des Drehs gehabt und sich den psychischen und physischen Anforderungen des Originals so weit als möglich angepasst, um der Rolle total zu entsprechen. Cast & Crew hatten die Absicht, keine Neuverfilmung im klassischen Sinne zu vollziehen, sondern sie wollten eine völlig neue, frische Interpretation der Buchvorlagen haben, damit daraus kein “billiges Remake” wird, sondern eine vollständig neu erzählte Geschichte.
Diesem Anspruch sind sie in meinen Augen vollkommen gerecht geworden, denn dieser Film macht keinen kopierten oder nachgemachten Eindruck, sondern berührt einen auf eine völlig authentische und tief beeindruckende Art und Weise und hinterlässt tiefe Spuren, die man so schnell nicht wieder vergisst.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch vom Label nicht irrtieren, sondern kauft ein .kinoticket und lasst euch in diese absolut beeindruckende Spektakel entführen – es hinterlässt großartige Spuren!
Manch ältere Generation meint, dass hier die Leichtigkeit des 1973er Originals ein klein wenig fehlt, umso beeindruckende und “schwerer” ist die Neuinterpretation, die als Story als solches durchaus verfilmenswert ist und der heutigen Generation neuen Stoff zum Nachdenken und Staunen liefert.
Definitiv reingehen!

 
Nachspann
❌ Nach dem Endtext ist Ruhe, den Rest braucht man nicht auszusitzen.
Kinostart: 26. Juli 2018

Ready Player One (3D)

Steven Spielberg ist der erfolgreichste Regisseur aller Zeiten, der auf ein Repertoire an Filmen zurückblicken kann, die legendär-episch und definitiv prägend für die Geschichte Hollywoods und auch für die Geschichte des Films an sich sind.
Neben Kevin Feige (Avengers) zählt er zudem zu den erfolgreichsten Produzenten aller Zeiten, zumindest, wenn man sich die Einnahmen mal so ansieht.
Seine Lebenswerkliste liest sich runter wie das Who is Who in Hollywood und wer bin ich schon, dass ich einen Großmeister wie ihn kritisiere.
Ich tu’s trotzdem!
Ready Player One – als sein neuester Geniestreich – ist ein Film, der als allererstes Mal ein Kniefall vor den 80ern ist, was man an der diebisch freudigen Hingabe und Exzellenz spürt. Spielberg hatte definitiv seinen Spaß daran und es ist dabei völlig egal, ob er seinen Kindern eine Freude machen oder sich und den Rest der Welt nostalgisch in dieses Zeitalter zurück katapultieren wollte: Gepaart mit dem vollmundigen Humor und der vor Easter Eggs und Anspielungen triefenden Tiefe, mit der er in dieses Jahrzehnt abtaucht, erlebt man als Zuschauer einen ehrenhaften und respektvollen Kniefall vor einem Jahrzehnt, aus dem die heutigen Generationen, die .trailer und Plakat ansprechen sollten, wohl schon längst entwachsen sind.
Die Leute, die damals mit den entsprechenden “Artefakten” in ihrer Jugend groß geworden sind, können nun endlich dankbar den seinerzeit von Pixels vermasselten Versuch als gelungen bezeichnen, einer Ära den Respekt zu zollen, die es verdient. Was damals in lächerlicher Peinlichkeit versank, kommt dank Spielberg und seiner exzellenten Fähigkeit, solide Filme zu machen, nun endlich vollkommen zur Geltung.
Wie ich jüngst schon einmal schrieb: Spielberg gehört der konservativen Generation an, die es noch gewohnt ist, Filme zu machen, in denen man sich etwas ausdenken musste, um es glaubwürdig an die Zuschauer weiterzugeben. Er gab sich auch in der Vergangenheit nicht mit einem Versuch ab, sondern war – wie z.B. James Cameron auch – eine wegweisende und innovative Größe, die nicht einfach das tat, was ganz Hollywood schon mehr oder weniger versuchte, sondern der Meilensteine setzte und damit maßgeblich das nächste Zeitalter einläutete. Spielbergs Filme waren visionär, er war ein Mann, der sich Gedanken darum macht, was demnächst kommt und dem man durchaus nachsagen durfte, dass er sich auf der Ebene eines Genies bewegte.
Genau dieser Tupfer hat mir bei Ready Player One gefehlt. Natürlich versucht er, über moderne Techniken zu akkumulieren, dass sein Werk im Jahr 2018 tatsächlich ein Existenzrecht hat, was sich mit dem Kniefall vor den 80ern aber irgendwie beißt, da die Generation 80er schon längst aus den Kinderschuhe raus ist und dafür auf breiter Fläche viel zu wenig Zeit hat, um sich mit etwas derartigem zu beschäftigen, auf der anderen Seite mir von Spielberg zu wenig Innovation aufgefahren wurde, um daraus ein legendäres Masterpiece zu machen, dass in die Annalen der Geschichte eingeht.
Wäre ich böse (und ihr wisst, dass ich viel zu brav bin ^^), würde ich sagen: Man könnte es mit der katholischen Kirche von 1604 vergleichen, die dir erzählt, dass weiterhin alles so bleibt, wie bisher, man aber jetzt die Bibel auch auf dem iPad lesen könne. Innovation. Yeah.
Genau diese Bauchschmerzen, dieses “Können, aber aus Gründen nicht so richtig wollen”, dieses Abgeschleifte, damit sich keiner so richtig dran stößt, das “auf alle Märkte zugeschnitten sein” beißt sich mit der einst vorpreschenden Marke, die Spielberg schon immer ausgemacht hat.
Keine Frage: Die Actionszenen sind allesamt grandios umgesetzt, es kracht gewaltig und für’s Auge ist immens viel geboten. Wer sich für den Film entscheidet und dabei auf 3D verzichten möchte, sollte hochkant wieder aus dem Kino geschmissen werden, denn das wäre ein unverzeihlicher Frevel – das 3D ist gigantisch! Und zwar permanent! Da wurde nicht gespart und es rummst auch gewaltig.
Am Drehbuch scheitert es allerdings ein bisschen, da kommt meiner Meinung nach viel zu sehr die brave Anstandsmoral, die man auch schon aus BFG – Big Friendly Giant kennt, durch. Hier hat er sich meiner Meinung nach einfach ein wenig zu viel selbst gefeiert und dabei vergessen, dass nicht nur das (durchaus erlaubte und verständliche) Zurückschauen auf vollbrachte Taten an der Tagesordnung stehen sollte, sondern man den einen Schritt, den bisher noch keiner gewagt hat, eben auch noch hätte gehen sollen.
Ja, ich weiß, das ist Jammern auf sehr sehr hohem Niveau – doch jemand, der eben nicht grad erst damit begonnen hat, sondern unglaublich viele Filmjahre und -erfolge auf dem Buckel hat, darf man – denke ich – auch etwas anspruchsvoller kritisieren.
Für gute Laune, spaßige Unterhaltung und ein Easter-Egg-Feuerwerk an Anspielungen auch auf mein liebstes Jahrzehnt ist definitiv gesorgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Spielberg ist ein Genie, der auch dieses Mal wieder bis an seine Grenzen gegangen ist, ohne jedoch den einen entscheidenden Schritt auch noch zu gehen, der aus Ready Player One ein unvergessliches Meisterwerk hätte machen können.
Stattdessen hört er an dem Punkt auf, wo er auch die letzten Jahre schon stand, ohne dabei nicht trotzdem einen Reißer abzuliefern, der andere Filme mit Leichtigkeit in den Schatten wirft.
Für DIE Empfehlung der Woche reicht es definitiv – allerdings bitte NUR in 3D – denn das ist so grandios wie schon lange nicht mehr!

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine After-Credits.
Kinostart: 05. April 2018

Nur Gott kann mich richten

Leute: GEHT! DA! REIN!
Es ist doch einfach unfassbar: Die Zeit ist absolut reif, um zu sagen: Pumpt etwas mehr Kohle in die deutsche Filmproduktion und wir haben in ein paar Jahren ernsthafte Konkurrenz für Hollywood in unserem eigenen Land!
Klar, auf dem Plakat ist Moritz Bleibtreu zu sehen, der als deutscher bekannter Schauspieler schon einiges verzapft hat und jetzt vielleicht nicht bei jedem Zuschauer Sympathien hervorruft. Nur Gott kann mich richten gehört meiner Meinung nach jedoch zu seinen besten Werken und hält – als Gesamtpaket – die absolute Spitze, was deutsche Filme angeht, derzeit spielend leicht im Alleingang aufrecht!
Die immer wieder erwähnte Tatsache, dass sich dieses Land Tragödien, Dramen und düsterer Materie zuwenden sollte, um cineastisch erfolgreich zu sein, wird einmal mehr überdeutlich aufgezeigt und entfacht in mir die Sehnsucht nach genau solchem Stoff – und zwar viel mehr!
Hier landet man direkt in einem packenden, faszinierenden und gleichzeitig emotional bewegenden Stück schwarzer Filmgeschichte, die gleich von Anfang an fasziniert und mitreißt – und bei der einfach alles stimmt!
Sprache => Dialekt. Ohne Fremdschämen. Klasse!
Soundtrack => hat Hollywoodblockbustern durchaus das Wasser gereicht und erzeugt eine bizzelnde und knisternde Stimmung, die den Big Budget-Produktionen in nichts mehr nachsteht.
Plot / Twist => mag einigen Vorbildern ein wenig nachhängen, ist aber im Rahmen dieser düster-schauerlichen Film-Noir-Atmosphäre richtig gut angepasst und erzeugt Stimmung. Und genau das treibt diesen Film richtig vorwärts und macht ihn zu einem der sehenswertesten deutschen Produkte, die derzeit auf dem Markt zu finden sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut, was aus deutscher Filmschmiede entstehen kann – auch wenn man hierzulande immer noch auf Erfolge baut, die kaum vorhanden sind: Dieser Film treibt das internationale Ansehen Deutschlands auf Kinoebene weit nach vorne.
Definitiv ein sehr empfehlenswertes, düsteres und ernstzunehmendes Genre, dem sich Özgür Yildirim da geopfert hat – weiter so!

 
Nachspann
Wer auf die Musik abfährt: Kinos haben immer noch geilere Anlagen als mancher zu Hause – ansonsten kommt da nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

Happy Deathday

Jetzt habt ihr mich: Da heule ich die ganze Zeit der Welt vor, wie schlecht und vorhersehbar und unterhaltungstechnisch langweilig Filme von Blumhouse Productions sind und dann bringt man mal eben Happy Deathday raus und glänzt in allen Punkten mit überraschend positiven Werten.
Wer den .trailer sieht oder etwas länger aufs Filmplakat schaut und dort etwas aufschnappt, der kann sich zwar denken, wohin die Reise gehen soll, dass dann aber der Film im Kino trotzdem nicht langweilig wird, sondern man gespannt und bravourös unterhalten wird, hätte ich in der Zusammensetzung nicht gedacht.
Und das bei einem Wiederholungstäter, wo die Einfallslosigkeit ja quasi schon vorprogrammiert ist. Die Hommage an den Klassiker ist unverkennbar, die Umsetzung auf tödlicher Basis aber umso gelungener – so dass nicht nur bekannte Elemente zu einem neuen Twist zusammengefädelt werden, sondern man auch gleichzeitig noch einen bis dahin selten so charmant erlebten Humor eingewebt hat, der vor Sympathie und Ausstrahlung glänzt und die Figuren nochmal ein wenig näher bringt.
Und da lobe ich mir die Kreativität, das Herzblut und die Hingabe, die man der Hauptdarstellerin angedeihen ließ und mit der man sie in die immergleiche Geschichte schickt, die für den Zuschauer dadurch trotzdem niemals langweilig wird.
Dass auch hier wieder mit ganz normalen Mitteln vom Hauptziel abgelenkt werden will, steht außer Frage – dafür nutzt man aber nicht die langweilige Methode, sondern spendiert ein paar Überraschungen, die echt erfreulich waren und den Film damit zu einem der besten “Horror”-Filme dieses Jahres machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von allen Filmen, für die Blumhouse Productions in den letzten Jahren verantwortlich gewesen ist, liefert der mit Abstand das überraschendste Ergebnis und verblüfft in jederlei Hinsicht mit einer bislang unbekannten Ernsthaftigkeit und Professionalität.
Der Zuschauer wird nicht mehr durch Vorhersehbarkeit geplagt, sondern erhält die beste Unterhaltung mit erstaunlich wenig Punkten, an die man anecken könnte.
Bravo – weiter so, dann gewinnt ihr mich noch zum Fan!

 
Nachspann
kommt keiner, außer den üblichen Namensnennungen.
Kinostart: 16. November 2017

Aus dem Nichts

Wer wirklich gut aufpasst, dem fällt beim Titelschriftzug schon auf, welche Thematiken man in diesem Film behandeln möchte – und wer dann den .trailer schaut, der wird womöglich erstmal etwas abgeschreckt sein.
Ich zumindest habe bislang noch niemanden getroffen, der mir gesagt hat, er will diesen Film unbedingt sehen. Und genau das halte ich für einen Fehler.
Natürlich, Diane Kruger mit einer Titelrolle ist angesichts ihrer vergangenen Leistungen jetzt nicht unbedingt ein Garant für durchschlagenden Erfolg und krönende Szenen, in denen man wie gebannt auf dem Sessel gefesselt ist und einfach nicht weiß, wohin zuerst schauen.
Wer sich aber dann die Zeit nimmt und tatsächlich den Film schaut, stellt sehr schnell fest, dass ihre Rolle hier zu einer der besten zählt, in der ich sie jemals erlebt habe. Und das bei diesem Thema ist nahezu faszinierend und schockierend zugleich.
Auch die Fassaden, die immer mehr zu bröckeln beginnen und das anfangs eigentlich super austarierte Bild einer Familie widerspiegeln, beginnt man systematisch zu demontieren, bis es in einem fragwürdigen und daher diskutablen Ende mündet, dass durchaus zu Diskussionen auffordert, die an dieser Stelle sehr wohl auch angebracht sind.
Und obwohl man hier sehr wohl zu unterhalten weiß und auch niemals großartig den Spannungsbogen abbrechen lässt, sollte man dennoch einen Beutel voll Willen auf kritische Inhalte mitbringen, die nicht unbedingt auf Unterhaltung ausgelegt sind, sondern eher politisch-gesellschaftliche Aspekte provokativ hinterfragen.
Und dieser Mut gehört meiner Meinung nach belohnt – also lasst den Film ruhig in eure Kinowochenplanungen mit einfließen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Schauspielleistung von Diane Kruger in einem Thema, dass erschreckende Einblicke liefert.
Regt zur Diskussion an, hält aber die ganze Laufzeit über Spannung und Unterhaltung ganz weit oben.

 
Nachspann
Braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 23. November 2017

Good Time

Robert Pattinson kennt man in unserer Generation wohl eher aus der Twilight-Saga, mit der er sich international berühmt gemacht hat. Was ich an dem Jungen aber viel mehr bewundere, ist seine Entscheidung, sofort im Anschluss in die Independent-Produktionen zu wechseln und seine Karriere dort aufzubauen, statt sich – wie üblich – für Massenprodukte fürstlich bezahlen zu lassen.
Und es gibt ja bereits viele Titel, in denen er mitwirkt, die sich wirklich sehen lassen können und die ich den Twilight-Filmen immer vorziehen würde. Good Time gehört meines Erachtens dabei zu den wahren Stilblüten, in denen er die Hochkonjunktur seines kreativen Schauspielschaffens zeigen und erbarmungslos ausleben darf. Dieser Film ähnelt durch die Methoden des modernen Film Noir einer irren und subtilen Fahrt in die Abgründe des Wahnsinns solcher Eskapaden, die beim Zuschauer definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Es macht höllisch Spaß, dem düsteren Schaffen zuzusehen und selbst ein Teil davon zu werden. Dabei driften die Schöpfer auch niemals zu stark auf die Bahn der Hollywood-Geldmacherobjekte, sondern bleiben ihrem Hang zum Nischenkino immer treu. Angeführt von einer mehr als interessanten Persönlichkeit mit einer einzigartigen Ausstrahlung profitiert Good Time tierisch von Pattinsons Anwesenheit und macht aus diesem bislang nicht viel umworbenen Stück ein modernes Kinowunder.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt reingehen! Einer der besten Darbietungen, die Twilight-Star Robert Pattinson je abgeliefert hat!
Zerreißt vor Spannung, Ambiente und diebischer Hingabe an ein Kinogenre, dem wir wieder etwas mehr Aufmerksamkeit widmen sollten! Einzigartig!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen oder Abfolgen. Rausgehen erlaubt!
Kinostart: 2. November 2017

On the Milky Road

Unsereiner wird mit Monica Bellucci vor die Leinwände gelockt, Emir Kusturica inszeniert den Rest der Show und katapultiert sich dabei gleich selbst in die Hauptrolle. On the Milky Road trifft dabei die Wurzeln des Balkan-Films und schleudert eine dermaßen überdrehte Story auf den Tisch, dass einem so manches Mal der Atem im Hals stecken bleibt.
Dabei findet man sich nicht etwa in einer billigen Aufopferung anhimmelnd an die westliche Hemisphäre von unten her angreifend wieder auf dem Tableau internationalen Filmkönnens, sondern produziert hier mit Vorwärtsgang eine Ballade bildreicher Humorgewalt, der man beim Hinsehen trotz inneren Anspannungen kaum widerstehen kann.
Obwohl ich von dem netten Herrn bislang noch überhaupt nichts gehört habe, grenzt dieses Werk schon jetzt individual an cineastische Höchstleistung und portiert damit eine völlig neue Produktionsweise auf unsere heimischen Kinoleinwände.
Und ich sage vorab schon mal: Recht herzlichen Dank für diese irre Erfahrung, die damit am 7. September auch hierzulande die Independent-Kinos füllen wird.
Natürlich gibt es im Film genügend Beispiele dafür, die durchaus breitere Recherchen erforderlich machen würden, würde man sich an den Szenen in ihrer Echtheit und Arroganz stören und dennoch gehört genau diese Stimmung absolut in diesen Film, der damit eine hauseigene Marke seiner selbst präsentiert und auf absolut gar nichts aus dem Rest der Bewegtbild-Dimension zurückgreift.
Und wie hat man mir so schön gesagt: “Protestierende PETA-Befürworter sind doch auch eine schöne PR für diesen Film.”
An dieser Behauptung ist wohl was dran, auch wenn ich nicht umhin komme, die Genialität dieser Darstellung auch trotz der möglichen Anschuldigungen hier uneingeschränkt zu loben. Natürlich ist es grotesk, was man dem Zuschauer hier stellenweise zumutet, doch in Vereinigung mit dem Rest der einmalig erzählten Geschichte macht auch das ein umfassendes Bild aus, das man ob seiner skurrilen Darstellungsweise dennoch bewundern darf.
Also von mir aus: Gerne mehr davon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bewunderer auswärtigen Kinos finden hier eine Schlachtplatte burlesker Kinoerfahrung, die es genüsslich zu verspeisen gilt.
Insgesamt mutet das Werk als perfide Erfindung der Andersartigkeit an und erzählt in flottem, unterhaltsamen Tempo eine einmalige Geschichte, die in wundersame und zugleich bildschöne Szenen gepackt wurde.
Ich würde wieder rein gehen und empfehle euch, selbiges ebenfalls zu tun. Mit oder ohne Protest-Pulk an den Kinoeingängen.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, den Film sollte man aber unbedingt sehen!
Kinostart: 7. September 2017

Killers Bodyguard

Ich hoffe, ihr kennt alle die “Originalversion” mit Kevin Costner und Whitney Houston aus dem Jahre 1992. Allein schon das “Filmplakat”, das man im Internet zu beiden Filmen findet, verrät gewisse Parallelen.
Tatsächlich hat Twentieth Century Fox es sich hier auch nicht nehmen lassen, unfassbar viele Anspielungen auf das liebevolle Original im Neuwerk einzubauen und die Zuschauer so mit viel perfidem Vergleichs-Zynismus zu erfreuen.
Dabei gilt nicht mehr das klassische “Wir verarschen mal irgendeinen Film ein bisschen”, sondern man schlägt dermaßen über die Stränge, dass so manch frühzeitige Ausstrahlung durchaus in Frage gestellt werden darf.
Sehr zum Vergnügen der erwachsenen Zuschauer, die hoffentlich reichlich die Säle bevölkern, denn der Spaß findet kaum ein Ende. Dabei driftet man so herrlich in die Absurdität und Übertreibung ab, die längst nichts mehr mit klassischen B-Twist-Movies zu tun hat, welche man dem Film fälschlicherweise attestieren könnte, sofern man die “Vorgeschichte” dazu eben nicht kennt.
Daher mein gut gemeinter Rat an alle Newbies: Schaut euch vorab The Bodyguard mit oben erwähnten Darstellern an und nutzt diese Blu-ray als Vorfilm zur aktuellen Klamauk-Version, die aus dem ernst gemeinten Original dann etwas völlig anderes werden lässt – der Spaßfaktor steigert sich dadurch auf jeden Fall ungemein.
Und wie ich schon oft erzählt habe, hat jeder Schauspieler seine Rolle des Lebens, in der er die eigenen 100% erreicht und danach immer nur Schatten seiner selbst produziert. Bei Ryan Reynolds dürfte jedem klar sein, dass Deadpool diesen Platz ergattert hat – und diese Verrücktheit merkt man ihm auch hier ansatzweise an, auch wenn sie nicht so in den Spitzen gipfelt, wie in seinem Film.
Dennoch macht Killers Bodyguard unfassbar viel Spass und begeistert die Erwachsenenriege mit viel Sarkasmus, Übertreibung, Blut und noch viel mehr. Beste Unterhaltung im Kino garantiert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv vorher The Bodyguard schauen, dann erkennt man viel mehr Zusammenhänge zum eigentlich sehr sinnlich-romantischen Original.
Reynolds und Jackson geben hier genauso gute Figuren ab, wie die Hauptdarsteller in der Vorlage und gemeinsam mit einem umwerfenden Cast hat man im Kino als Erwachsener durchaus jede Menge Spaß.

 
Nachspann
Auf jeden Fall abwarten, auch wenn es etwas dauert – die Geduld wird auf jeden Fall belohnt 😀
Kinostart: 31. August 2017

Page 1 of 3

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén