Kleine Germanen

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Lasst den Krieg beginnen: Hauen wir mal verbal auf die Kacke und finden offene Worte. Alles andere ist Heuchelei und hilft niemandem weiter.

Das Plakat ziert der wunderschöne Satz “Ein wichtiger Film zur richtigen Zeit” und provoziert mit dem Bild, dass dort zu sehen ist. Ja, diese Behauptung ist wahr, denn wir müssen reden. Dringend reden.

Es herrschen Ausnahmezustände in den deutschen Foren, Social Media-Plattformen, Zeitungen, in den Köpfen der Menschen: Viele haben Angst, dass aus Deutschland wieder ein Nazi-Deutschland wird, andere haben Angst, dass durch Null-Komma-Prozent eine gesamte Kultur unterwandert und historisch getötet wird, wieder andere finden es richtig, unschuldige Bevölkerungsgruppen in die Luft zu sprengen, um sich für Missachtung und Hohn zu rächen und der Welt zu zeigen, dass ihre Tötungsmoral die bessere von allen Lebensformen ist.

Allen Religionsfanatikern gemein ist die Tatsache, dass ihre ständigen Kriegereien und Tötungen niemandem dienen und damit eine Religion ad absurdum führen, ganz gleich, welche Gottheit sie anbeten. Anderen Menschen das Leben durch Bomben, Terror, Gemetzel und Blut zu beenden kann NIEMALS die richtige Vorgehensweise dafür sein, um eine “trostspendende” und richtige Religion an den Mann zu bringen, die den Menschen hilft und der Allgemeinheit dienlich ist.

Hätten sich das einige “Führer” mal früher überlegt, gäbe es heute auch nicht weltweit eine solch verbreitete Aggression gegen gewisse Religionen, aber so weit denken manche eben nicht. Im Gegenteil: Viele von den “Hetzern” denken überhaupt nicht mehr, sondern haben ihr Hirn kategorisch ausgeschaltet und handeln nur noch in blindem Hass und voller Wut und Desorientierung.

Ich habe das Gefühl, manchmal sollte man sich gewisse Grundsatzfragen einfach nochmal neu stellen, um zu merken:

a) dass etwas schief läuft
b) was schief läuft

Und dafür muss man reden. Reden können. Schreib mal irgendwo eine These, ohne dass du sofort angefeindet und (verbal) terrorisiert wirst. Es fragt niemand mehr, warum. Es fragt niemand mehr, woher manche Situationen rühren und ob sie überhaupt so gemeint sind, jeder fühlt sich allernorts direkt und absolut angegriffen und verachtet, missachtet, geschunden, übergangen und heult nur noch rum, wie scheiße diese Welt geworden ist und dass die Zustände nicht besser werden.

The house got bigger, the minds don’t. Wir leben in einem Global-Menschismus, mit dem wir klar kommen müssen: Unsere Türen enden nicht mehr im Garten, sondern reichen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Ihr wollt billige Wäsche, seid aber nicht bereit dafür, die “indischen Konsequenzen” auch in Deutschland zu ertragen? Dann kauft deutsch. Und zahlt den angemessenen Preis dafür.

Ihr wollt billiges Fressen, seid aber nicht bereit dafür, der Landwirtschaft in Afrika unter die Arme zu greifen? Dann hört auf, billig zu kaufen und zahlt beim Lokalbauern das vielfache und unterstützt “euer Land”.

Übernehmt Verantwortung für euer eigenes Tun und hört auf, alles und jeden dafür zu beschuldigen, nur weil ihr euch zu fein seid, für eine Leistung auch den angemessenen Preis zu zahlen.

Was mit einem Land geschieht, dass sich aus der Weltengemeinschaft aussperrt, weil es kein Bock mehr auf Internationalität hat, seht ihr grade grandios an Lächerlich-Little-Mind-Britannien: Die Briten haben sich selbst in den Arsch gefickt mit ihrem Gejammere über “Oh mein Gott, andere bestimmen über uns” und selbst nicht gemerkt, dass diese anderen es sind, die das eigene Land eigentlich erst funktionieren lassen, weil sie auf einmal doch auf Exporte und Importe angewiesen sind und in einer globalisierten Welt mürrische Nationalität keinen Platz mehr hat.

Und was hat ihr Ruf nach “Freiheit” gebracht?

Die Firmen wenden sich massenweise von ihnen ab, holen ihre Standorte aus der “Gefahreninsel” heraus und schützen sich selbst, indem sie alle Verbindungen zu Großbritannien aufkündigen und die Briten “allein” lassen.

Dann sind sie frei, werden nicht mehr “fremdbestimmt” und können tun und lassen, was sie wollen. Und haben auch keine Arbeit, keine Wohnung und kein Fressen mehr. Wunderbar!

Dass das Gebahren scheiße war und man sich absolut hirnverbrannt dabei verschätzt hat, haben einige Befürworter des Brexit dann auch irgendwann gemerkt und still und heimlich ihre Meinung zu 180° geändert – der Schlamassel ist aber längst angerichtet und wir werden sehen, worauf das hinaus läuft.

Genauso geht’s mit den Religionen: Habt ihr euch mal gefragt, warum so viel Hass auf Muslime außerhalb der muslimischen Gesellschaft existiert? Wenn diese Religion so friedlich ist, so positiv ist, so hilfreich für die Welt ist, wieso stören sich dann die Menschen daran, dass aus deren Kreisen so viel explosives Material in die Luft fliegt und massenhaft Menschen das Leben nimmt und deren Umfeld selbiges zur Hölle macht? Wo sind die muslimischen Führer, die sich öffentlich gegen den Terror bekennen und einfach nur friedlich ihre Religion ausüben wollen?

Wie kann man so hirnverbrannt und blöd sein und der Meinung, dass man durch Anschläge und Terrorismus die Welt zu einem besseren Ort macht?

Manchmal wünsche ich mir Thanos und sein Fingerschnippen herbei.

Und in Deutschland genau das gleiche. Wir haben bereits einmal Nazi-Deutschland gehabt. Es hat Tod, Verderben, Kummer, Schmerz und unzähliges Leid verursacht und trägt heute noch Früchte davon, dass man an den Konsequenzen fast erstickt. Reue? Nein – wir wollen es einfach wieder. Seid ihr eigentlich noch alle ganz klar im Kopf?

Und wenn niemand so denken würde oder nur eine “Minderheit”, warum schaffen es verfluchte Parteien dann in den Bundestag? Im ganzen Land brodelt dieser Schwachsinn vor sich hin und glimmt in den Köpfen der Menschen, die immer mehr Plattformen finden, um im wüsten Geschrei medialen Alltags ihren geistigen Dünnschiss in die Welt hinaus zu flöten.

Hat sich einmal jemand gefragt, woher das kommt?

Kleine Germanen tut das. Allerdings mit dem – in meinen Augen – völlig falschen Ansatz. Hier haben Regisseure Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger (ja, multi-kulti) in wüster Zusammenarbeit Rechte (rechtsorientierte, nicht “rechtens’e”) vor die Kamera gelassen und ihnen Bühne geboten, damit die einfach erzählen.

Der Plan war, dass sie sich durch ihr Reden selbst in Schwierigkeiten bringen und ihre perfiden Ideen selbst widerlegen und damit das ganze rechtsorientierte Gedankengut in sich selbst vernichten.

Das haben die aber nicht getan. (Wundert’s wen?)

Die haben endlich die Möglichkeit gesehen, sich selbst zu erklären, zu zeigen, wie toll und offensichtlich anstrebenswert ihre Gedankenform dieser Welt ist und wie sehr sie sich zurückwünschen, dass die todbringende Zeit erneut da ist.

An dieser Stelle hätte ich einfach als Regisseur (gut, gerne auch danach im Schnitt) eingegriffen und doch kommentiert. So ein Film kann funktionieren – mit anschließender Podiumsdiskussion und “Themenabend” in der ARD, aber niemals in einem Kino, aus dem der Zuschauer anschließend verwirrt und allein wieder auf die Straße geschickt wird.

Bei der absoluten Abwesenheit fähiger Denkorgane auf diesem Planeten ist es fast unhaltbar, so einen Film unters Volk zu bringen … und gleichzeitig so unerlässlich, endlich darüber zu reden und endlich diese Menschen zu Wort kommen zu lassen, um sie überhaupt zu verstehen und eine Basis zu haben, auf der man damit beginnen kann, sie durch Verständnis wieder “zurück” zu holen?

Ich hab keine Ahnung, was richtig ist an dieser Stelle, ich weiß nicht, was ich empfehlen soll. Ich weiß auch nicht, wie man das Thema innerhalb einer Rezension glaubhaft und allumfassend aufarbeiten könnte… und gleichermaßen keinen Bock drauf, es einfach versanden zu lassen und zu sagen: “Okay, nicht mein Problem, sollen sich andere drum kümmern”.

Fuck it.

Tatsache ist: Wir müssen reden.

Dringend reden.

Wir müssen zuhören.

Auch den Menschen, die wir hassen und deren Weltanschauung wir absolut nicht teilen.

Auch Mördern. Terroristen. Religiösen Fanatikern.

Wir müssen Fragen stellen.

Wir müssen Fragen stellen dürfen.

Und wieder zuhören.

Selbst mal die Fresse halten und den anderen reden lassen.

Und dann weiter zuhören.

Und so gemeinsam in einen Dialog treten, in dem Probleme – auch komplexe, vielschichtige und historisch langatmige Probleme – durch miteinander kommunizieren gelöst und angegangen, aufgearbeitet und bereinigt werden können.

Kleine Germanen macht hier einen Anfang. Das Problem wird nur sein, dass die Wirkung innerhalb des Medienzirkusses gänzlich verpufft und sich so die eigentlich moralisch gute Absicht ins Gegenteil verkehrt und somit “gefährlich” wird.

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassen? Lest den Text. Sorry. Geht nicht anders.

Nicht bei dem Thema, nicht bei einer so heiklen Sache. Hochscrollen – lesen. Oder geht rein und lest es danach. Oder geht nicht rein und lest, warum nicht.

Nachspann
❌ folgt nichts weiter, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Kleine Germanen
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12