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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Frankreich Page 1 of 2

Monsieur Claude 2

Monsieur Claude 2

© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Christian Clavier ist das Aushängeschild Frankreichs fürs Kino und mittlerweile ein Garant für lustige Unterhaltung. Filme mit ihm treffen normalerweise immer voll ins Schwarze und sorgen breitflächig für Belustigung und gute Laune.

Monsieur Claude war damals ja bereits ein Überraschungserfolg sondergleichen und ich habe es tatsächlich irgendwann geschafft, mir die Blu-ray zu organisieren und ihn mir angeschaut und war … mäßig begeistert. Kein Plan – irgendwie absolut nicht mein Humor. Ich fand es zu schräg, zu langatmig, zu aufgebläht, zu wüst, zu viel.

Teil zwei knüpft nun an den Erfolg an und ändert wesentliche Charakterprinzipien, hat dadurch aber nichts von der Grundidee aufgegeben: Irgendwie bekommt jeder seine zwei Minuten und Ende. Genau das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg des Ganzen: Da sind so viele … eigentlich alle Konstellationen, Optionen, Möglichkeiten zusammengerissen, dass sich jeder da drin wiederfindet – wenn auch nur ganz kurz. Und genau da fehlt mir ein großer, roter Leitfaden dahinter: Irgendwie werden Szenen gebracht, dann ist direkt Schluss und andere Szenen werden gebracht. Grad so, dass du in manchen Szenen dann verschiedene Leute nochmal wieder siehst und daran merkst, dass doch alles irgendwo eine Geschichte sein soll.

Es sind aber viele. Zu viele. Und die sind so wild zusammengeschnitten, dass es einfach keinen Spaß macht, dem Strang zu folgen und man sich irgendwann nur noch auf “kommen da noch lustige Witze” konzentriert – die der Film gegen Ende aber immer weniger liefert, was auch zu immer mehr “Stimmungsruhe” im Saal führt. Kein Wunder also, wenn selbst die Sneak-Gemeinde diesen Film fast zur Hälfte bloß mit “mittelmäßig” bewertet und sogar einige “schlecht”-Stimmen in der Abstimmungsbox liegen.

Hier hätte man sich nicht auf “Wir hauen nochmal richtig drauf”, sondern lieber auf einen lustigen Plan konzentrieren sollen, entweder mehr Gagdichte oder mehr Kameraspielraum schaffen müssen, damit der Zuschauer nicht so wild vor sich hergetrieben wird. Und dann den Film in den Sneaks im Original mit Untertitel zu zeigen, wo die Darsteller alle dermaßen schnell sprechen (und dementsprechend schnell untertitelt werden) … denkt euch selbst, wie viel Freude das bereitet. Und sprecht dabei leise 3x hintereinander superschnell “Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?” aus 😀

.kinoticket-Empfehlung: Zu wild durcheinandergeschnitten, zu zerrissen, kein richtiger, durchgehender Plot, sondern einfach nur viel, laut und schräg: Absolut nicht mein Humor.

Hier hätte es etwas mehr Kamera-Ruhe oder als Ausgleich gegen Ende etwas mehr Gagdichte getan, um den Film noch einigermaßen zu retten. Jeder bekommt halt seine zwei Minuten, in denen er sich absolut wiederfindet – die werden aber durch abrupte Schnitte direkt beendet.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, das Lied ist ganz cool – aber nicht zwingend nötig, hier sitzen zu bleiben. Es kommen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Belleville Cop

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© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Omar Sy ist seit spätestens Ziemlich beste Freunde als Schauspieler bekannt und in aller Munde: Damit steht er für qualitatives, hochwertiges Kino und sollte eigentlich ein Garant für den Erfolg eines Filmes sein, in dem er mitspielt.

Belleville Cop versucht, Miami Vice in die Neuzeit zu portieren und damit den Generationswechsel, der inzwischen stattgefunden hat, zu übertünchen und den Frischlingen das zu bieten, was unsere Eltern und Großeltern damals gefeiert haben.

Doch irgendwie geht die Rechnung nicht ganz auf. Der Plot hat zwar ansatzweise Reißer drin, aus denen man etwas Berührendes erschaffen hätte können, die Art und Weise der Umsetzung kommt – zumindest in der deutschen Synchronfassung – aber nicht wirklich beim Publikum an: Irgendwas fehlt, um die Story generell ernstnehmen zu können. Man driftet leicht in die Belanglosigkeit ab und reiht sich damit eher in die Kategorie “Filme, die keiner braucht und die mit allen Mitteln versuchen, witzig zu sein” ein. Damit schaufelt man sich selbst gewissermaßen sein eigenes Grab, obwohl eine gewisse nostalgische Note im Bezug auf Miami Vice unverkennbar ist.

Vielleicht hat man sich aber auch verkalkuliert und verkannt, dass Sy einen Film allein nicht tragen kann, sondern eben “nur” als Sidekick bestens funktioniert und es eben bei Ziemlich beste Freunde nicht sein Schauspiel allein, sondern die Kombination der Konstellationen gewesen ist, die den Erfolg ausmachten. Das fehlt hier und wird allein durch wenige Lacher etwas entschärft und aufgelockert. Dies reicht jedoch nicht, um den Film als Gesamtes rauszureißen und das Publikum mit einem Wohlgefühl zurück nach Hause zu schicken.

.kinoticket-Empfehlung: In Ansätzen gut gemacht, der gewünschte Knalleffekt bleibt aber aus: Der Generationenwechsel von Miami Vice in die Neuzeit funktioniert nicht so recht, dafür sind die Charaktere evtl. auch etwas zu überzeichnet.

Der Film hat seine Momente, das Gesamtkonstrukt krankt aber an mangelhafter Umsetzung und persifliert sich damit eher selbst, als in die würdigen Fußstapfen vergangener Tage zu treten. Schade, denn die Idee ist sicherlich nicht von schlechten Eltern.

Nachspann
❌ enthält keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: Le Flic de Belleville
Length: 111 Min.
Rated: FSK 12

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Colette

Colette

© 2018 DCM Film Distribution GmbH

Kaum ein Film lässt so tief blicken, wenn es darum geht, etwas zu vollbringen und dafür die gebührende Ehre und den Lohn zu bekommen: Dort, wo heute alle nur noch wild durcheinander gackern und sich aufregen wie die Waldschnepfen, gab es früher echte Probleme, die sehr wohl aufzeigen, woraus so mancher inzwischen abwegiger Kulturzweig entstanden ist.

Was es wirklich bedeutet, unter dem Schemel gehalten zu werden, welche Auswirkungen es hat, wenn eine Gesellschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, welches Leid und welche Qualen die stillen Helden unserer Welt im Kämmerlein ertragen müssen, darüber berichtet uns Colette – ein Film, der im Kern seiner Aussage vollkommen auf wahren Ereignissen und Menschen basiert und dessen Erstellung gar von den Erbinnen dieser Frau höchstpersönlich abgesegnet und unterstützt wurde.

Dabei ist es nicht nur Keira Knightleys höchst bewundernswerter Performance zu verdanken, dass dieser Titel als “oscarwürdig” ausgepriesen wird, sondern der Geschichte selbst, die danach schreit, an die Öffentlichkeit zu gelangen und von einer Frau vorgelebt wurde, die es zu Lebzeiten bereits zu Ansehen gebracht hat: Wer hier zuschaut, der weiß, was es bedeutet, Gleichberechtigung zu leben und welche Opfer manche dafür erbringen mussten und zum Teil bis heute müssen.

Und wer schon ein wenig länger mitliest, weiß, was ich von all den leidigen Diskussionen über teils völlig abstruse Forderungen halte und für wie entgleist ich diese Thematik im deutschen Fernsehen inzwischen finde … und wenn ich mich als “Online-Autor” mit solchen Dingen auseinandersetzen muss, dann kommt mir oftmals nur die Galle hoch: Worum geht es wirklich? Ist es tatsächlich ein “-in”, dass jemanden psychisch so dermaßen zermürbt, dass er und seine Familie den heiligen Weg ins Todesgrab antreten müssen oder stecken tatsächlich andere Dinge dahinter und das moderne Geheule ist tatsächlich nichts weiter als ein aufmüpfiges Schreien um des Schreiens willen?

Bevor ihr jetzt (lustig, wie auf einmal das Blut in Wallung kommt, wenn jemand ein wenig provokativ darüber textet, oder?) auf mich losgeht wie die Rohrspatzen, haltet inne und hört kurz zu: Geht auf die Straße, setzt euch in eurer Auto oder den Bus oder aufs Rad oder in die U-Bahn und tretet den kürzesten Weg zum nächsten Lichtspielhaus an und beseht euch Colette. Denn dieser Film drückt meine wahren Gefühle über Gleichberechtigung und die wahren Notstände und Misserfolge menschlichen Tuns aus und offenbart, worum es tatsächlich gehen sollte. Wenn Gleichberechtigung gelebt und aktiv praktiziert werden soll, dann mit Vorbildern wie dieser starken Persönlichkeit, die es im übrigen in Frankreich als erste Frau zu einem Staatsbegräbnis geschafft hat.

Ja, hier werden akute und krasse Dinge gezeigt, von Erfahrungen berichtet, die ich heute nirgends mehr sehen möchte und wo mir klar ist, dass das Thema noch längst nicht vom Tisch ist. Es wird jedoch ebenfalls offenbar, dass es mit einem “-in” nicht getan ist, sondern das respektvolle Behandeln unserer Mitmenschen nicht darin besteht, die Sprache derart zu zerstückeln, dass niemand mehr etwas sagen oder schreiben kann, sondern es manchmal einfach nur um Respekt, Ehre und aufrichtige Anerkennung geht und es das ist, was diesem Land zu großen Teilen fehlt und worunter ganz offensichtlich der “weibliche Flügel” zu leiden hat.

Und damit erhält man hier nicht nur ein wunderbar erzähltes Stück menschliche Historie, sondern ein grandioses Biopic einer Dame, die ich für alles bewundere, was sie in ihrem Leben geleistet hat und zudem ein fantastisches Werk, dass den Namen “Unterhaltung” mit dem hoch angesehenen Wort “Bildung” perfekt vermischt.

Sofern es möglich ist, mehr davon zu bekommen, dann lasst es mich wissen … und ich werde es hier für euch kund tun.

.kinoticket-Empfehlung: Ich weiß, ich benutze dieses Wort inzwischen inflationär oft: Großartig!

Viele andere mögen das Schauspiel Knightleys loben, ich bewundere den Stil und die Courage, eine so tolle Geschichte zu erzählen und damit vorzuleben, wie Gleichberechtigung tatsächlich funktioniert und was dieses Wort in seiner Tiefe bedeutet – ohne dabei auf irgendwelchen Öko-Pfaden zu wandeln und in absurde Diskussionen abzuschweifen.

Wer hier fern bleibt, der verpasst etwas … großartiges!

Nachspann
✅ nach den Schriftzügen ist dann endgültig Schluss, also rennt nicht sofort raus.

Kinostart: 03. Januar 2019

Original Title: Colette
Length: 111 Min.
Rate: FSK 6

Augenblicke: Gesichter einer Reise

Nouvelle-Vague-Regie-Ikone Agnès Varda und Streetart Künstler JR haben sich zusammengetan und eine Reise angetreten, in der es um die sinnlichen, herzergreifenden und seelisch intimen Momente von Menschen aller Art geht. Dieser Film ist eine Perle – eine Augenweide für die Seele und das Herz. Er erweicht jeden noch so knochenharten Betonbrecher und öffnet das zärtlichste aller Organe ganz wie von selbst.
Dass ich als Kamerabenutzer etwas für Fotografie übrig habe, ist offensichtlich. Dass ich mich für Kunst und geistreiche Kreativität begeistere, hat man wohl auch schon aus dem ein oder anderen Beitrag herausgelesen. Mich hat Augenblicke: Gesichter einer Reise voll erwischt! Dieses Projekt ist der reine Wahnsinn und es wurde zurecht auf den wichtigsten Verleihungen als beste Dokumentation nominiert und sogar mit Preisen ausgezeichnet!
Das, was die zwei hier angehen, einfach anzusehen ist schon absolut ergreifend. Diese Reise als Zuschauer mit anzutreten und in die geheimen Höhlen menschlicher Existenz vorzukrabbeln um darin die pure Schönheit zu entdecken, ist ein wahres Juwel, dass dieses Werk jedem Zuschauer einfach so in die Hände legt. Die Künstler verstehen ihr Handwerk bestens und es ist faszinierend, bewegend und überwältigend zugleich.
Auch Kunstbanausen und solche, die mit “Art” und “französischen Begriffen” absolut nichts anfangen können, holt der Film an ihrem Standpunkt ab und vermittelt ihnen etwas, dass wirklich jeder versteht und an dessen Ergebnissen sich tatsächlich jeder erfreuen kann. Es gibt also keine Ausreden, die Freundin nicht zu begleiten.
Diese Vielfalt, die Schlupflöcher in die Gefühlswelt der Menschen und die selbst auferlegten Regeln der zwei sind wunderbar und schöpfen hier das wahre Ich aus jedem einzelnen der Protagonisten.
Zu erleben, wie Menschen mit eigentlich einfachsten Mitteln die besten Seiten aus ihren Mitmenschen heraus kitzeln, sollte jedem ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten habe ich etwas so wunderschönes und einfühlsames gesehen, wie das hier: Kunst, Ästhetik und Schönheit auf den Punkt gebracht und zur Vollkommenheit geführt.
Zwei großartige Menschen haben sich auf den Weg gemacht und aus der Welt etwas geholt, um es in dieser großartigen Dokumentation jenem Planeten zurückzugeben und zu zeigen, dass die Menschheit manchmal eben doch ganz anders ist. Man muss einfach nur hinschauen … und hier und da ein wenig zuhören.

 
Nachspann
✅ Sollte man mitnehmen, es hört erst auf, wenn’s wirklich alle ist 😉
Kinostart: 31. Mai 2018

Die Grundschullehrerin

Seit ein paar Wochen schwärme ich schon davon, dass es demnächst jede Menge Filme geben wird, die euer Herz fordern werden – ohne dabei Namen zu nennen – dies hier ist einer davon.
Mit so viel Liebe, Inbrunst, Herzblut und pädagogischem Vorbild geht man die zwischenmenschlichen Beziehungen im frühen Kindesalter an und entdeckt die Welt einmal völlig neu und von vorne. Dabei ist die Herausarbeitung der verschiedenen Persönlichkeiten enorm! Das Meckern über mangelnde Profiltiefe bei zu oberflächlich dargestellten Charakteren trifft spätestens hier auf seine Grenzen, denn die Ineinanderverflechtung der verschiedensten Ausgangssituationen erlebt in einem völlig herzlichen und absolut empfehlenswerten Film seinen Höhepunkt.
Dabei wurden die Darsteller sowas von sorgfältig ausgewählt, dass einem selbst als Kinderhasser das Herz aufgehen muss, denn die Kleinen leisten Umwerfendes! Das rührt fast schon zu Tränen!
Man mag kaum glauben, dass es sich diesmal nicht um eine wahre Geschichte handelt, sondern alles nur fiktiv ist und spürt die zweijährige Recherche an allen Ecken und Enden. Das Ergebnis ist mehr als authentisch und zeugt von so viel Vorbildcharakter, dass ich diesen Titel fast schon als Lehrstudie im Unterrichtsplan von angehenden Lehrkräften sehen möchte. Als absoluten Pluspunkt muss man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen, dass die Menschen hier nicht auf ihre Berufe reduziert oder süffisant auf ihre Stereotypen runtergebrochen wurden, sondern man tatsächlich das Kunststück (was eigentlich keins sein sollte) geschafft hat, ein ganzheitliches Bild zu zeichnen, das keinen Aspekt des Lebens außen vor lässt und Menschen gedanklich Unmögliches abverlangt.
Gerade das Umgehen mit Schwächen, das Lernen in allen Perspektiven und die spielerische Auseinandersetzung mit todernsten Themen machen aus diesem Film eine Perle, die man definitiv gesehen haben muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ihr den Titel nun im Kino, Heimkino oder irgendwo unterwegs schaut, sei dahingestellt – wichtig ist nur, dass er auf eurer To-Do-Watchlist steht und ihr keinesfalls versäumt, die Inhalte dieses französischen Peaks zu konsumieren.
Natürlich würde ich immer die gemütliche Abendrunde mit Freunden im Independent-Kino eurer Wahl bevorzugen, für mich verbirgt sich hinter dem fast unscheinbaren Titel aber eine ganz große Story, die es wert ist, der Welt gezeigt zu werden.
Also schaut sie euch an.

 
Nachspann
muss nicht abgebrochen werden, man wird hier endlich wieder mal “sanft entlassen”.
Kinostart: 15. Februar 2018

Eine bretonische Liebe

So herzlich und wärmend wie die Farben des Kinoplakats rüberkommen, so strahlt der Film eine familiäre, unglaublich lustige und zugleich dramatische Präsenz aus, die wieder absolut für das französische Kino spricht: Die Herren und Damen dort wissen einfach, was sie tun – und begeistern in Eine bretonische Liebe einmal mehr mit ihrer cineastischen Brillanz.
Man spürt, dass man hier nicht auf Schema F zurückgreifen wollte (obwohl viele Anhaltspunkte dafür da gewesen wären), sondern man sich ganz zielgerichtet und bewusst für die Divergenz zum sonstigen Kinoalltag entschieden hat – und Leute, das tut so unfassbar gut, dass es dafür kaum Worte gibt.
Damit landet Eine bretonische Liebe auch in meiner Toplist der besten Filme, die diese Woche anlaufen und die man sich zwingend im Kino anschauen sollte: Der Sehspaß ist nämlich nahezu ungetrübt von irgendwelchen Ausfällen jedweder Art.
Selbst die Portion Durchschnittsdepp, die man hier auch reingepackt hat, erzürnt in keinster Weise, sondern stößt höchstens hier und da mal mit etwas zu spürbarer Reserviertheit auf, was aber den Gesamteindruck nur wenig bis keinen Schaden nehmen lässt, sondern das durchaus gelungene Kinostück in seiner Glückseligkeit verharren lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier stimmt einfach alles: Eine mega Portion Herz, ganz viel Kinoverliebtheit, tolle Story, klasse Schauspieler und wahnsinnig gute Unterhaltung.
Für mich definitiv der Film der Woche – sofern man noch nicht weiß, wo man demnächst reingehen sollte.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, der läuft nur auf die übliche Weise durch und bringt keine Überraschungen mit sich.
Kinostart: 21. Dezember 2017

Auguste Rodin

Hand hoch, wer kennt ihn? Ich zähle … genau. Mir sagt der Name nämlich auch rein gar nichts und dementsprechend unvoreingenommen bin ich in diese Vorstellung spaziert und habe mich davon berieseln lassen, was da kommen möge.
Regisseur Jacques Doillon hat sich der Verfilmung des Biopics eines Menschen angenommen, der in unserer Welt großartiges vollbracht hat, dafür aber privat mit genügend anderen Problemen hat kämpfen müssen.
Was zuerst auffällt: Die Hingabe zur Kunstfertigkeit und das Zeitnehmen zum Betrachten und dabei Zusehen, wie solche Kunstwerke entstehen. Noch niemals wurde ein Schaffensprozess derartig in Ton und Bild gewürdigt, wie es hier der Fall ist.
Das Eintauchen in diese für den Durchschnittsmenschen völlig abgeschiedene Welt der Arbeit entbehrt jedweden Beispiels, so dass man allein durch die Zurschaustellung des Konzipierungsprozesses eine völlige Alleinstellungstaktik vollzieht, die aus dem Film an sich schon wieder etwas Sehenswertes abseits des sonstigen Geschehens macht.
Dass dabei dem Publikum währenddessen genügend Zeit zum Nachgrübeln und Ergründen des ergänzenden Menschen drumherum bleibt, ist vielleicht Bonus, vielleicht auch beabsichtigt und gibt hier einer eigentlich in kurzen Sätzen erzählten Thematik ausreichend Raum, um sich zu entfalten und auch die dunkelsten Ecken ins Licht zu ziehen.
Apropos Licht: Kunst bedeutet immer in gewisser Weise den Umgang und die Inszenierung von Licht – und dabei hat man hier wahrhafte Könner ans Werk gelassen: Die Optik allein ist einen Besuch im wörtlichen Lichtspielhaus wert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsätzlich kann man sagen, ist Auguste Rodin eine Hommage an die Kunst und all dessen, was der Betrachter von außen nicht so mit kriegt.
Durch verschiedene Film-Elemente wird auch hier sehr großer Wert auf die Darstellung der verschiedenen Objekte gelegt und ihr Wesen im Rahmen dieses zweistündigen Films erklärt.
Ein zutiefst befriedigender Einblick, der sich vor allem eins vom Publikum nimmt, um es ihm ausgefüllt wieder zurückzugeben: Zeit.
In dieser hektischen Welt ein Denkmal für die wahrhaften Inhalte, denen sich keiner mehr so wirklich zuwendet.

 
Nachspann
bleibt ohne weitere Szenen oder Überraschungen, der Gang aus dem Saal also für den Betrachter konsequenzlos.
Kinostart: 31, August 2017

(Trailer) WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Willkommen zurück zum Trailer-Sonntag auf .kinoticket-blog.de – heute mit einem außergewöhnlichen Kinostück, dass mich nicht nur persönlich mehr als fasziniert und bewegt hat, sondern auch gefühlt die komplette Gegend meiner Heimat in seinen Bann gezogen hat (der Saal war restlos ausverkauft + Warteschlange hinten dran!).
Darum auch diesmal ein .trailer, dessen Wartezeit kürzer ist denn je, denn die Screenings sind bereits in vollem Gange und sollten von euch so oft und viel genutzt werden wie nur irgend möglich.
 
[vimeo 211668510 w=640 h=360]

WEIT. Trailer präsentiert von © weit on Vimeo

 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich schon viele Länder bereist und viel von der Welt und anderen Kulturen gesehen habe und so manche Aussage durchaus mit eigener Erfahrung bestätigen kann:
Die Welt ist längst nicht so, wie sie uns hier in Europa in den Medien präsentiert wird, sondern man entdeckt sehr viel – nicht nur über andere Menschen, sondern vor allem über sich selbst, wenn man reist.
Reisen verändert dich – du kommst als anderer Mensch wieder zurück und bist in vielen Dingen gewachsen.
Reisen zeigt dir, was wirklich Schwierigkeiten und Probleme sind und lässt deinen Alltag ganz anders aussehen, als du ihn vorher vielleicht in Erinnerung hattest.
Diese beiden nehmen dich mit auf ihren ganz persönlichen Trip und erzählen dir Dinge, die du ganz sicher nicht auf dem Schulhof mitkriegst oder dir auf Arbeit erzählt werden.
Du bekommst die Chance, Einblicke in fremde Länder zu erhalten, fremde Kulturen, fremde Strapazen ohne dabei selbst die langen Wartezeiten und harten Schwierigkeiten durchmachen zu müssen, sondern du darfst währenddessen ganz entspannt im Kinosessel liegen und dein Popcorn futtern.
Viele Menschen haben regelrecht Angst vor der Veränderung, die es bedeuten würde, aufzubrechen und eine Weltreise anzutreten, viele haben Schiss vor der scheinbaren Unsicherheit, wenn man seinen Job kündigt oder die Wohnung aufgibt und auf einmal “nichts mehr hat” – und schrecken vor solch einer Erfahrung zurück und verwehren sich den dadurch gewonnenen Erkenntnissen vollends.
Mit WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt bekommt jeder für kleines Geld die Chance, dennoch um die Welt zu reisen und diese beeindruckenden Faszinationen und Momente zu erleben, ohne dabei seine (Schein)Sicherheit aufgeben zu müssen und selbst den Arsch hochzuhieven.
Und wer weiß, vielleicht entdeckt dadurch ja jemand seine Reisefreudigkeit ganz neu oder gräbt sie wieder aus …
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswert mit höchst anspruchsvollem Inspirationsgeist, der nicht nur den inneren Schweinehund beflügelt, sondern frischen Wind und neue Lebenskraft einhaucht.
Die gezeigten Momente und Orte sind atemberaubend und ermöglichen den Zugang zu völlig anderen Teilen dieser Erde, von der wir – sind wir ehrlich – so gut wie kaum Ahnung haben.
Nutzt diese Gelegenheit und besucht die Kinos.

 
Nachspann
Enthält kein weiterführendes Material, listet aber spannende Facts und Menschen auf, denen die zwei auf der Reise begegnet sind. Liest sich für jemanden wie mich durchaus spannend!
 
Weitere Videos auf Vimeo.comhttps://vimeo.com/weitumdiewelt
(Hier erhält man schon mal einen kleinen Einblick, wie der Kinofilm ungefähr sein wird…)
Website: http://www.weitumdiewelt.de

Mein neues bestes Stück

Frankreich, Frauen, Männer und Komödie: Was schießt dir dabei als allererstes durch den Kopf?
Auf Empfehlung eines Freundes hin ließ ich mich zu dieser Vorstellung hinreißen und war ein wenig enttäuscht über die zu dick aufgetragene Klischeekeule, derer man sich hier des öfteren mal bedient.
Aus der eigentlich sensationellen Idee hätte man meiner Meinung nach etwas mehr machen können. So rennt Audrey Dana allerdings die ganze Zeit mehr oder weniger unbeholfen mit ihrem “Problem” durch die Gegend und erschafft dabei nicht wirklich den zauberhaften Durchbruch, wenngleich der Film sonst sehr viel für die Geschlechterverständigung tut und sich dabei äußerst Mühe gibt, auf die jeweils gegenüberliegende Seite einzugehen.
Hier hätte ich mehrfach die Schere angesetzt und manche Dinge dann nur angedeutet bzw. eher als Running Gag ausgebaut, als sie über so lange Spielzeit hindurch konsequent zu verfolgen.
Was im Ansatz spitzenmäßig begonnen wurde, mangelt am Ende an der üblich französischen Eloquenz und stolpert so ein wenig über die eigenen Gags, was zum Schluss in einer fast schon langweiligen Aneinanderreihung von Stereotypen endet. Einzig die finale Pointe setzt nochmal einen oben drauf und sorgte bei mir für einen Lacher.
 

.kinoticket-Empfehlung: Insgesamt ein solides Gut für einen Film, dem mir ein wenig der spritzige Geist einer wirklich gelungenen Komödie fehlt.
Die Figuren sind meiner Meinung nach zu unausgeglichen, bekommen teils zu wenig Zeit zur Entfaltung (Christian Clavier) und verlieren sich im Laufe der Spieldauer in einer zu starken Stereotypisierung.
Wer hierauf keine Erwartungen setzt, sondern einfach nur mal wieder locker-flockig unterhalten werden möchte, findet in dieser Wahl durchaus seine Befriedigung.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Gang ans Tageslicht sei euch gewährt.

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