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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Freundschaft Page 1 of 4

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Bumblebee (3D)

© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

Inzwischen läuft der Streifen schon ne Weile und er wird von euch völlig zu Unrecht durch Nichtbesuchen abgestraft: Dem müssen wir langsam mal etwas entgegen wirken.

Viele haben sich von der Transformers-Tour der letzten Jahre etwas abschrecken lassen: Die Kombination Shia LaBeouf und Megan Fox hatte ja noch so ihre Reize, aber mit den Teilen 4 und 5 hat man es actiontechnisch dann echt übertrieben und die Menschen mehr oder weniger in die Enge getrieben, was bei vielen wohl für Überdruss an der Filmreihe über Hasbro-Spielzeuge geführt hat. Logisch, was soll noch groß kommen und die Realität sieht leider oft so aus, dass diese Art Film eben im falschen Kino angeschaut wird, was dann kein Genuss, sondern bloße Enttäuschung ist.

Dafür sind die meisten Dorfklitschen schlichtweg zu klein bzw. werden selbst in den Städten diese Titel oft nicht in den angemessenen Sälen präsentiert, was diese Filmreihe zusätzlich drückt, da diese Filme tatsächlich nur laut und groß und in 3D wirken und popcornmäßig Spaß machen.

ABER – und das ist das große ABER: Dieser Titel hier heißt Bumblebee und nicht: „Transformers 8 – Bumblebee“ oder sowas … man könnte also gut und gerne sagen, dass dieser Film erstmalig rein gar nichts mit Autobots und Decepticons zu tun hat, sondern etwas völlig anderes ist, obwohl diese Tierchen darin auftreten.

Fakt ist: Man hat endlich (!) gemerkt, dass mit stupider Action auf Dauer kein Geld zu machen ist und es die Leute zunehmend langweilt und hier echt richtig seine Hausaufgaben gemacht und Drehbuchautoren an das Game herangelassen, die sich nach Lust und Laune austoben durften. Und was dabei rausgekommen ist, ist echt ein sensationeller Film mit tollen Dialogen, einer wunderbar austarierten und liebevollen Geschichte, die fast schon vor Anmut und Herzwärme erstrahlt.

So viel Liebe, Mitgefühl, Normalität und Austariertheit kennt man schlichtweg nicht im Zusammenhang mit Transformers, dazu paaren sich sensibel erzählte Witze und eine absolut … ja … romantische (?) Story, die mehr oder weniger schon halb zu der Herzlichkeit an Weihnachten passt, weswegen der Starttermin gar nicht so doof gewählt ist.

Leider merkt dies der Zuschauer erst, wenn er bereits in dem Film sitzt und muss die Kaufentscheidung aber lange davor treffen – und dazu reichen weder .trailer noch andere Vorabinformationen aus, um ihn dazu zu bewegen.

Man könnte sagen: Michael Bay gibt die Schablone und zeichnet aus, wie die Transformer aussehen sollen, wobei auch hier ein wunderbar 80s-lastiger Look und nostalgischer Charme aufgespielt wurde. Steven Spielberg bringt seine BFG – Big Friendly Giant-Avancen mit ein und jemand anderes schreibt dazu das Drehbuch und liefert grandiose Dialoge. Dieser geniale Mix bringt’s einfach und macht aus Bumblebee den besten Transformers aller Zeiten, obwohl er eigentlich gar keiner sein möchte.

Hier werden nämlich noch ganz andere Dinge völlig richtig gemacht: Klischeerollen nicht besetzt, Menschen nicht die absolut dämlichsten Worte in den Mund gelegt, um sie wieder in diese Schubladen zu pressen, eine völlig unbefangene und tolle Freundschaft aufgebaut und viele der üblich-bekannten Actionfilm-Fehler nicht begangen: Hier stehen die Soldaten eben nicht einfach, nachdem sie von Betonklötzen erschlagen wurden, eigenhändig wieder auf und laufen, als wäre nichts gewesen … selbst in diesen Dingen hat man sich ein wenig Gedanken gemacht und es „realistischer“ gestaltet, was dem Film zusätzlich sehr viel mehr Glaubwürdigkeit und Ehre verleiht.

Bee hatte schon in den alten Teilen die Avancen dazu, „menschlicher“ zu sein als die anderen und in seinem eigenen Film kriegt er jetzt einfach vollkommen Spielraum, stiehlt dabei einer grandiosen Hailee Steinfeld nicht die Show und lässt sie ihre Geschichte erzählen. Und die ist den Kauf eines .kinotickets allemal wert!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist KEIN Transformers-Film – also lasst eure Vorurteile nicht eure Entscheidungsfreiheit trüben!

Die drei magischen Worte lauten: GROSSE Leinwand, LAUTE Anlage und 3D-BRILLE auf dem Kopf! Aber nicht, weil das wieder eine martialisch-bestialische Actionschlacht wird, sondern weil Filme wie dieser da einfach laufen. Das hier? Romantik, Feingefühl, Liebe und wahre Freundschaft. Weit weg von all dem, was Transformers früher geliefert hat – und damit wahrscheinlich der beste Transformers aller Zeiten.

Lasst euch den nicht entgehen!

Nachspann
❌ Den Song sollte man mitnehmen, der im Übrigen als Soundtrack generell grandios ausgewählt ist – neue Szenen kommen aber keine mehr.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Bumblebee
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12

Verliebt in meine Frau

Verliebt in meine Frau

© 2018 Weltkino Filmverleih

 
Theaterverfilmung again: Gab es eigentlich schon einmal einen Versuch, solche Stücke ins Kino zu bringen, die gescheitert sind?
Verliebt in meine Frau brilliert erneut durch eine Form von Intelligenz, die man in solchen Filmen eigentlich kaum erwartet: Immerhin werden hier alle Klischees im Plot-Overview zusammengefasst, die jedem Filmliebhaber eigentlich die Fußnägel hochrollen lassen sollten, es aber im Streifen selbst sonderbarerweise überhaupt nicht tun. Ganz im Gegenteil: Der ist vollgepackt mit einer liebenswürdigen Erträglichkeit, die positiv zum Himmel schreit und sich von allem anderen abhebt, das einem im Zuge dessen noch so einfallen könnte.
Liebe? Kein Problem, man ist mehr mit Lachen beschäftigt als alles andere.
Geschlechterverschiedenheit? Kein Ding – die gegenseitigen Einblicke in die jeweils andere Sichtweise macht irre Spaß und eröffnet Welten, zu denen man als Mann/Frau sonst keinen Zutritt hat.
Romantik? Kein Ding – die Genialität, in der man die ausufernde Schmalzigkeit verpackt, überdeckt jedes schlechte Gefühl und hinterlässt einen Raum, in dem man seinen Geist entfalten und den Gefühlen freien Lauf lassen kann: Es macht einfach nur Freude und ist so vollkommen anders, ohne dass man es in Worte fassen könnte. Jeder, der aus der Pressevorführung wieder rausspaziert ist, empfand diesen Film als einen super gelungenen Film, der endlich mal wieder zum Lachen einlädt, ohne dabei auf “bekanntes” zurückzugreifen.
Und wer den Film sieht, weiß an dieser Stelle, wie viel Ironie dieser Satz in sich trägt (ohne dabei negativ zu werden).
 

.kinoticket-Empfehlung: Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass kein einziger sich den Klappentext dazu durchlesen darf und ihr den Film einfach sehen MÜSST: Es ist unglaublich, wie etwas so Abgekautes so viel Freude im Kino machen kann ohne auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen.
Die Darsteller liefern hier eine intelligente, durchdachte und konsequent kurzweilige Unterhaltungsshow ab, die im Prinzip alle Klischees hernimmt, die man so kennt und das “Klischee” daraus entfernt und nur das auf der Leinwand lässt, was dann noch übrig bleibt: Der pure Genuss!
Tut euch den Film an, sonst verpasst ihr 1,5 wundervolle Stunden eures Lebens, die vollständig mit Glück angefüllt sind! Vertraut mir!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Amoureux de ma femme
Length: 85 Min.
Rate: FSK 0

Durch die Wand

Haltet mal kurz inne: Atmet aus, atmet wieder ein und schließt kurz die Augen.
Und jetzt lest weiter.
Ich hoffe, ich habe nun in eurem Leben einen kleinen Break drin, denn ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, euch dieses Stück hier etwas näher zu bringen, ohne die Masse gleich zu verschrecken. Mich hat’s geflasht. Und mir wird schon oft nachgesagt, dass ich Filme entweder mega geil oder mega scheiße bewerte und kaum was dazwischen ist.
Ich hab keine Ahnung, weil ich mich selbst von außen schlecht betrachten kann und daher schlecht einschätzen, inwieweit diese Behauptungen wahr sind oder nicht, mich hat dieser Film => geflasht.
Ich würde gern aufräumen, alle Bewertungen killen und irgendwie euer Leben tatsächlich kurz auf Pause stellen, damit man volle Aufmerksamkeit widmen kann und sich wirklich auf das besinnen, was auf der Leinwand zu sehen ist.
Wenn ich jetzt nämlich mit all den Standard-Phrasen antanze, die man so von sich geben kann von wegen “wahre Begebenheit”, “unfassbarer Vorwärts-Steber-Geist”, “american spirit” etc., dann haut jeder aus Angst vor irgendwelchen Klischees gleich wieder ab.
Ja, ich hab ne Meise, was Outdoorleben angeht (nein, es ist nicht so ein Film) und ich bin dem Amerikanischen nicht ganz so pessimistisch-krankhaft abgeneigt, wie viele andere Deutsche und ich bin der Ansicht, dass diese Dinge hierbei überhaupt nicht so stark zählen, sondern etwas völlig anderes:
Wahre Freundschaft.
Über Freundschaft liest mal viel, da triefen schon mal ganze Kerzenmeere aus Wachs aus den Ohren und Augen, wenn man die schmalzigen Fließband-Bildchen auf Facebook und Co liest, die mit ihrer Pseudo-Moral aus allen Ritzen quellen und den Lesern wertvolle Zeit stehlen, weil sie grundsätzlich nichts aussagen und dabei auf mega wichtig tun … und nein, so ein Film ist das nicht. Es ist nicht diese “Freundschaft”, sondern wahre Freundschaft – und die ist sowas von hammer, dass es fast schon weh tut.
Wer es schafft, in diesen Film einzusteigen, den Wert erkennt, den diese beiden haben, begreift, was hier und da so eine einzige Entscheidung für psychologische Konsequenzen nach sich zieht, der begreift langsam das Ausmaß dessen, was uns hier vorgeführt wird.
Und ja, es ist ne wahre Story, die sich so zugetragen hat und damals auch leidenschaftlich von den Medien zerfetzt wurde: Hier kommt der Film dazu, der die Ruhe, Vernunft, Menschlichkeit und das “Hinter den Kulissen” wieder mit sich bringt und damit die Geschichte zum ersten Mal so erzählt, wie sie wirklich ist: Ohne medial-gehypte Verfälschung drin.
Und es ist ein Film, der einen nicht unberührt wieder aus dem Kino entlässt und über den ich hinterher noch tagelang nachdenken musste.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich fürchte, für die Wirkungseffizienz, die dieses Teil mit bringt, ist die Aufmachung viel zu klein gehalten und es wird viel zu wenig Werbung gemacht, was ich hiermit ändere:
Geht in Durch die Wand, auch wenn der Titel nicht spektakulär klingt oder das Cover an bereits Dagewesenes erinnert und vertraut mir, wenn ich euch sage: Es ist nicht so, wie es scheint.
Die Story reißt mit, birgt wahre Schätze in sich, die man erst beim näheren Hinsehen und mit der gewonnenen Ruhe entdeckt und der englische Titel enthüllt dann auch tatsächlich, worum es in diesem Film geht.

 
Nachspann
✅ fadet langsam ins off, also nicht gleich aufspringen, sondern entlasst die Spannung fließend wieder in den Alltag 🙂
Kinostart: 04. Oktober 2018
Original Title: The Dawn Wall
Length: 100 Min.
Rate: FSK (tba)

Deine Juliet

Leute: Zeit für Titeldiskussionen!
Was lest und seht ihr beim Plakat? Ich bin unzählige Male in der Untergrundstation an dem riesigen Teil vorbeigelaufen und dachte mir: Mäh, noch so ein Weiberfilm, Mann, Frau, Deine Juliet, wunderbar für’n Mädchenabend … da musst du dann wohl irgendwann durch und dir den Mist anschauen, ihn bewerten und darfst ihn dann endlich wieder vergessen. Gottseidank.
Ich verrate euch, wie das Original dazu heißt:
The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society
oder übersetzt:
Die Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf
Merkt ihr was?
Irgendwo tief im Hirn klopft Der Club der toten Dichter ans Hirninnere und erinnert an einen verdammt guten Film. Solche “schwierigen” Titel haben doch schon einmal funktioniert, wieso belässt man es dann nicht einfach beim englischen Original?
Weil das Buch in Deutsch bereits auch so doof heißt.
Wer hat damals diese katastrophale Fehlentscheidung überhaupt getroffen? Nun, Titel werden wohl immer schon früh genug ausgewählt und dann wird erstmal gemacht … und dabei handelt der Film tatsächlich vielmehr von der “Society” als dem “Deine Juliet”-Anteil, der zwar vorhanden, aber eher unwichtig ist.
Und er nimmt jedwedes Frauen-Vorurteil und spricht eine in meinen Augen viel breitere Masse an, was den Film viel interessanter macht und enorm aufwertet. Warum also verzichtet ihr auf diesen geilen Titel? Zumal der im Film sogar oft genug genannt wird, um titelgebend Bezug darauf nehmen zu können?
Egal.
Was viel wichtiger ist: Dieses Werk, in dem gefühlt der komplette Downton Abbey-Cast mitspielt (eben die Elite der britischen Schauspieler), baut zwar auf Klischee und Tränendrüsen-Mentalität und greift somit scharf die kritischen Züge von Genialität und Einfallsreichtum an, aber: Er funktioniert. Und das sowas von. Man möchte es nicht anders.
Er ist großartig! Beeindruckend. Nachhallend. Diese Geschichte lebt und man entdeckt ein völlig neues Niveau in diesem Genre, das kein anderer Liebesfilm bisher auch nur annähernd auf diesem Level erreicht hätte. Und genau das ist der Grund, weshalb der nicht nur in der Ladies-Night, sondern überall laufen und von allen Gesellschaftsschichten und -sorten besucht werden sollte: Diese geniale Auseinandersetzung mit den Themen, mit denen Deine Juliet aufwartet, gehört mit ausreichend Besucherzahlen belohnt. Man fühlt sich auf intellektuell absolut hohem Niveau bestens unterhalten und stört sich kein kleines bisschen an möglichen Klischees oder emotionalen Tragweiten.
Dieses enorm hohe Level an Kunstfertigkeit, mit denen Mike Newell hier auftrumpft, hat auch mich stark beeindruckt. Und ja, ich werde erneut reingehen und ihn tatsächlich in der Ladies-Night sichten, um die Reaktionen des Publikums abzugreifen und mich davon zu überzeugen, dass die Erst-Sichter dann auch genügend Werbung für diesen Film machen, denn so etwas gehört auf die Leinwand. Den Weg in die Herzen der Menschen erobert der Film im Sturm.
Was noch beeindruckend ist: Arthaus hat ja mittlerweile einen zu abgespacten Beigeschmack, so dass sich viele in dem Wissen eher wieder davon abwenden, weil die Filme zu seltsam, zu anspruchsvoll oder zu abgehoben sind. Das hier ist Arthaus und keiner merkt’s. Damit hat man eine Brücke geschlagen und bietet dem ganz gewöhnlichen Zuschauer, der keinen allzu großen Anspruch möchte, hochwertiges Kino mit einer lebendigen und spannenden Story, die für einen Kinoabend allem anderen vorzuziehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Original heißt: The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society.
Und jetzt packt eure Klamotten ein, bringt ein paar Taschentücher mit und lasst euch von diesem anspruchsvollen und absolut wertigen Film beeindrucken, der mit dem deutschen Titel das Understatement des Jahrhunderts gesetzt hat: Dahinter verbirgt sich so viel mehr, als man anfangs erwartet. Und genau deshalb sollten insbesondere auch Männer diesen Film zwingend besuchen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, rausgehen erlaubt!
Kinostart: 09. August 2018

Catch Me!

Catch Me! – ein Spiel, dass glaube ich jeder in seiner Kindheit unzählige Male gespielt hat. Kindheit – die Zeit im Leben, in der man unbeschwert und voller Sorglosigkeit in jeden Tag hineinlebt und ein Abenteuer nach dem anderen durchstreift und dabei immer wieder neue Dinge entdeckt.
Dann kommt das Erwachsensein, man übernimmt Verantwortung, sucht sich Arbeit, wird seriös, macht gewisse Dinge nicht mehr, weil “das so gehört” und benimmt sich nicht mehr kindisch, um in der Gesellschaft nicht negativ aufzufallen.
Der “Ernst des Lebens” beginnt und damit einher gehen Traurigkeit, Depressionen, Sorgen, Nöte, Ängste, Abgründe und unvergleichlich viel negative Emotionen.
So selten fragen sich Menschen dann, wann und vor allem, warum sie die Fähigkeit des Lachens und der Freude aufgegeben haben und was sie eigentlich ganz genau davon abhält, diese Freude auch weiterhin zu verspüren, auch im höheren Alter?
Ich beobachte dieses Phänomen schon seit Jahren und habe mir persönlich damals gesagt, dass es wichtig ist, niemals die Fähigkeit zu opfern, täglich zu spielen. Wer aufhört, das Leben als ein Spiel zu betrachten, der öffnet gewissermaßen Depressionen und Ängsten Tor und Tür.
Catch Me! kommt nun mit einer wahren Geschichte daher, in der ein paar Männer eben jene Fähigkeiten nicht aufgrund ihrer Karrieren oder Lebenswegen geopfert haben, sondern sich alljährlich zusammentun und ihre Kindheit weiterleben lassen, indem sie einfach spielen. Die Idee und Botschaft, die hinter diesem Streifen steckt, ist also außerordentlich und beinhaltet eine gewisse Wichtigkeit, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte.
Filmisch umgesetzt wurde das Thema super lustig, sofern man auf Ed Helms-Humor steht. Ich persönlich kann ihm weniger etwas abgewinnen und war auch kein allzu großer Fan der Hangover-Filme, es ist ganz nice anzuschauen und man lacht sich hier und da auch krumm ob der wirklich abstrusen Einfälle, jedoch verliert sich der Streifen damit ein wenig an “Ernsthaftigkeit”, die das Publikum – das ja nun mal erwachsen ist und bereits in der ‘Ich spiele nicht mehr’-Falle gefangen ist – dadurch nicht wirklich abholt, sondern bestenfalls top unterhält.
Die Message des Films bleibt davon aber absolut unberührt, was ihn für mich dennoch zu einem sehenswerten Film macht, den man am besten mit seinen Freunden im Kino anschauen sollte. Zusammen macht’s eben einfach mehr Spaß! 🙂
 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Botschaft, wahre Story und ein Appell an alle, die die Fähigkeit verlernt haben, sorglos durchs Leben zu spazieren.
Ed Helms hat einen besonderen Humorstyle, den man mögen sollte, um völlig bespaßt zu werden, unterhaltsam und witzig ist das Ding allemal und die Moral von der Geschicht’ würde unsere Welt auch in Teilen etwas mehr auflockern. Kein Überflieger, aber für einen tollen Kinoabend durchaus zu gebrauchen.

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben – selten so gelacht!
Kinostart: 26. Juli 2018

Tanz ins Leben (Freikarten zu gewinnen!)

Am Ende des Beitrags gibt es zwei Freikarten für den Film zu gewinnen!
Ihr steht gerade vor einem Phänomen, dass ich sehr lange Zeit weder im deutschen, noch im britischen oder französischen Kino gesehen habe. In heutiger Zeit sind wir ja längst daran gewöhnt, dass mit absurden Summen plot-halbgare Monsterfilme auf die Leinwand befördert werden, in denen weder Seele, noch Herz, noch irgendwelche schauspielerischen Leistungen stecken, sondern man jüngliche, frisch dem Mutterleib entschlüpfte und im Fitnessstudio großgezogene Milchbubis herangezüchtet hat, die allesamt in sich austauschbar sind und den eigentlichen CGI-Stars einfach nur ein Gesicht geben sollen, damit die großen Verleihe Geld verdienen können.
Diese Form des abgestumpften Kinos hat eine große Zuschauergruppe in den vergangenen Jahren oft vor den Kopf gestoßen: Menschen, die sich noch an Zeiten zurückerinnern können, wo die Schauspieler die Stars, technische Kniffe und Tricks das “CGI” ausgemacht haben und man noch echte Handwerkskunst auf der Leinwand geboten bekam. Diese Gruppe ist es gewöhnt, mit Inhalten umspült zu werden, Herzblut und Seele zu genießen und möchte nach einem Kinobesuch beseelt von Liebe, erzählerischer Leidenschaft und emotionalem Tiefgang sein.
Und wenn man das so liest, denkt man sehr schnell an “Kitsch”, Filmgesetze, die übliche Vorhersehbarkeit und somit auch gleich an Langeweile und wenig Spaß.
Damit stehen wir jetzt vor dem Phänomen: Tanz ins Leben ist ein Film, bei dem sehr schnell klar wird, dass genau das hier gespielt wird – und der einen absolut mitreißt und bei dem diese ganzen vorhersehbaren Klischees wunderbar und hervorragend funktionieren. Man sitzt drin und will es! Man wäre enttäuscht, wenn sie sich von dem üblichen Schema abwenden würden und ergötzt sich auf einmal an einem wunderbaren Stück Kinogeschichte, dass genau diese Generation herzlichst dazu einlädt, ihre Seele mal wieder umsorgen zu lassen und 111 köstliche Minuten zu träumen und zu genießen!
Und das hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Es ist dauerhaft kurzweilig, man ist gespannt bei der Sache, man kann es kaum erwarten, wenn endlich der nächste Schritt im Drehbuch eintrifft und man ist ergriffen und beherzt von der süßen Melodie, die das Leben hier vorgibt.
Auch bei der Schauspieler(innen)-Auswahl hat man voll ins Schwarze getroffen und dem gewünschten Zielpublikum das geliefert, was hier passt, ohne auf Koryphäen zurückzugreifen, mit deren Namen man marketingstrategisch bessere Werbung fährt, sondern das Ensemble passt so gut zusammen, dass auch hier wieder völlige Harmonie und Einheit herrscht und man – selbst als jüngerer Zuschauer – hier nicht vor den Kopf gestoßen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Am Schluss ist jedem klar, dass hier typische Klischees gefeiert werden, aber jeder einzelne weiß, dass es diesmal echt funktioniert und keiner möchte es anders.
Dieser Film gehört damit fast schon zur “traditionellen Schule”, weil er die Filmgesetze perfekt inszeniert und ein Filmerlebnis bietet, dass zwar in Vorhersehbarkeit ertränkt, jedoch keineswegs enttäuscht oder langweilt.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden.
Kinostart: 31. Mai 2018
 
:: G E W I N N S P I E L ::
Entertainment One Germany GmbH lädt zwei meiner Leser dazu ein, sich den Film gratis in einem Kino ihrer Wahl anzusehen und hat mir daher zwei Freitickets zum Selberausdrucken überlassen, die ich euch hiermit weiterverlosen darf.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis zum einschließlich 6. Juni 2018 24:00 Uhr unter diesem Beitrag und hinterlasst dabei eine gültige E-Mail Adresse, an die ich euch die Freitickets schicken kann.
Diese müssen von euch dann ausgedruckt und mit ins Kino genommen werden, z.B. ins

  • Cineplex
  • CinemaxX
  • Kinopolis
  • CineStar
  • UCI Kinowelt
  • Cinecitta
  • Cinedom
  • Traumpalast
  • UFA-Palast
  • (m) mathäser
  • Yorck Kinogruppe
  • Kinobetriebe Muckli
  • Dersa Kino
  • Zoo Palast
  • C1 Cinema filmpalast

oder ein Kino eurer Wahl, dass diesen Film zeigt und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze übrig hat.
Die Freitickets sind gültig bis 1. Oktober 2018 und in jedem Kino einsetzbar, dass Tanz ins Leben im Programm hat, auch denen, die oben nicht gelistet sind. Sollte euer Kino nicht auf der Liste stehen, kauft ihr bei Gewinn regulär zwei Kinotickets, genießt den Film und ladet anschließend ein Foto eurer gekauften Tickets gemeinsam mit den Gutscheinen auf einer Website hoch, gebt dort eure Bankverbindung an und bekommt vom Verleih den Eintrittspreis zurückerstattet. Genaueres werde ich euch dann in der Gewinner-E-Mail mitteilen.
Hinweis zum Datenschutz: Eure Daten werden nur zur Auswertung dieses Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und der Gewinner anschließend von mir per E-Mail benachrichtigt. Es genügt, wenn ihr in eurem Kommentar in das entsprechende Feld eine gültige E-Mail Adresse angebt, hierfür können auch Einweg-Adressen oder Alias-Adressen genutzt werden, solange ihr nach dem 6. Juni 2018 noch darauf zugreifen könnt und darunter erreichbar seid.
Nach dem Versand werden alle Daten von mir gelöscht.
Der Rechtsweg ist – wie üblich – ausgeschlossen, ebenso eine Barauszahlung des Gewinns. Es gelten die vernunftbasierten Gewinnspielbedingungen. Gerne dürfen mehrere Teilnehmer eines Haushalts kommentieren, dies erhöht eure Gewinnchancen. Die Ziehung wird per random.org vorgenommen, indem alle Kommentare durchnummeriert und dann per Zufall der Gewinnerkommentar ausgelost wird.
Und nun viel Glück und viel Spaß bei einem der schönsten Filme des Jahres!

Solo: A Star Wars Story

Die PR des Films ist eine mittelgroße Katastrophe, die .trailer-Synchronisation schreit die Fans förmlich an und der Film löste auf dem Festival in Cannes mittelmäßige Begeisterung aus und sorgte damit eher für verhaltene Reaktionen und weniger für Fanboy-Gekreische.
In China tut man indes alles dafür, den Zuschauern vorzuenthalten, dass sie hier in einem Star Wars-Film sitzen: Man veröffentlicht nach dem desaströsen Verlauf von Star Wars: The Last Jedi den Titel einfach unter dem Namen Ranger Solo und in Deutschland wäre man diesen Schritt wohl konsequenterweise auch besser gegangen.
 

 
Beste Voraussetzungen dafür, einfach mal ganz von vorn anzufangen.
Und mit ganz von vorn, meine ich ganz von vorn. Vergesst alles, was ihr bisher wisst. Vergesst vergangene Generationen. Vergesst, was ihr aus dem Star Wars-Universum bereits kennt. Vergesst, dass einst George Lucas der uneingeschränkte Herrscher über diese Imperien war und vergesst, dass wir alle ihn wie die Diener eines Gottes verehrt haben und als Fans letztendlich Star Wars zu dem gemacht, was es heute ist: Uneingeschränkter Kult!
Disney stellt hier den Fan-Zuschauer vor die unbewältigbare Aufgabe, Star Wars nicht mit Star Wars zu vergleichen, sondern die urigen Hintergründe dieser neuen Modeschöpfung am Sternenhimmel der Kinos zu begreifen und zu feiern. Und diese Aufgabe ist – wie schon erwähnt – nicht lösbar. Zumindest nicht, ohne ganz viel Willen, Begeisterungsfähigkeit und Liebe für die Leinwand mit in den Saal zu tragen und nicht zu erwarten, dass hier die überschwängliche Begeisterung von Seiten der Macher von der Leinwand runterpurzelt.
Wer also ist in der Lage dazu, einen völligen Neuanfang zu wagen und sich unvoreingenommen diesem Werk zu nähern? Richtig: Jemand, der bisher noch nie etwas von Star Wars gesehen oder gehört hat.
Gibt’s nicht?
Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe diese seltene Koryphäe – dieses Wunderwerk der Natur gefunden und sie hat den Film (also Solo: A Star Wars Story) mit mir gemeinsam schon vor Kinostart gesehen und ich hatte die unvergleichbare und einmalige Chance, eine Art “Interview” mit ihr zu führen und sie zu fragen, wie sie den Film empfunden hat.
Hierbei ist viel Interessantes zu Tage gekommen, z.B. dass diese Frau mit ihren Empfindungen meinem Wunsch nach völliger Neutralität gegenüber Neuem fast zu 100% entsprochen hat. Sie empfand den Film durchaus als sehr unterhaltsam, stellenweise zu viel Soundtrack, würde empfehlen, ihn sich lieber in 2D anzuschauen, da die Impressionen und Eindrücke sonst einfach zu viel seien und wollte von mir wissen, ob Chewbacca eine Anspielung auf Planet der Affen sei und was es damit auf sich hätte.
Tatsächlich … nehmen wir einfach mal an, der hieße hier auch Ranger Solo und wir hätten es einfach mit einem völlig neuen, unvoreingenommenen Film ohne Vorgeschichte zu tun: Das Ding funktioniert. Zwar ist der Plot bei weitem nicht so ertragreich und bombastisch wie bei Größen wie Star Wars, aber damit hat der Film ja auch nichts zu tun! 😉 Es ist halt einfach eine völlig in sich schlüssige, gut erzählte und mit wahnsinnig großartigen Effekten ausgestattete Geschichte eines Jungen, der in den Anfängen der Geschichte der Galaxis seinen Weg geht.
Unter diesem Aspekt … gespickt mit dem von mir empfundenen, großartigen Soundtrack, der sämtliche Langeweile-Lücken fantastisch auffüllt und gepaart mit dem Vorwissen, was aus dem kleinen Kerlchen später mal werden wird: Man erkennt fast schon die Wesenszüge eines späteren Harrison Ford, der in den Augen der Fans der einzig wahre Han Solo ist und auch immer bleiben wird!
Und genau das ist die Crux: Man muss es teilen. Auseinandernehmen und seiner magnetischen Vergleichswirkung entziehen: Man darf eben das Frühe nicht mit dem Vergangenen/Heute vergleichen, sondern sollte Solo eine eigenständige Chance geben, sich als Kinofilm zu etablieren. Der liefert nämlich so viel Unterhaltung und funktioniert in Sälen, die mit Dolby Atmos ausgestattet sind, so brachial, dass einem fast die Spucke wegbleibt und bei einigen Szenen wahrhafte Blockbustergröße empor sprießt!
Dazu kommt: Man sollte sich – auch wenn man kein einziges Wort Englisch versteht – diesen Film zwingend in OV oder zumindest in OmU ansehen und auf die deutsche Synchronisation komplett verzichten: Die ist scheiße! Nennen wir das Kind beim Namen und lösen damit auch gleich das Rätsel auf, weshalb die Deutschen so unmütig auf die Vorstellung des neuen Zwischenfilms reagierten: Die Synchronstimme passt schlichtweg einfach so überhaupt gar nicht und hat rein keinen Schimmer von den sympathisierenden Zügen der Originalstimme von Alden Ehrenreich, der in seinem typisch amerikanisch-“kanadischen” Stimmenklangsoundbed die richtige Würze für diesen Charakter liefert und mit seinem unvergleichlich bissigen Blick Charakterstärke aufbaut, die einem späteren Harrison Ford durchaus würdig wird.
Das Problem: In den .trailern ist davon halt absolut nichts zu sehen, darum kann es auch keiner wissen und deshalb fanden die meisten den .trailer eben von vornherein doof – inklusive mir, der sich dachte: Jetzt ist alles verloren und Disney in seinen schlechtesten Eigenschaften hat die Weltherrschaft endgültig an sich gerissen und fängt an, alles und jeden um sich herum zu zerstören.
Die Wahrheit ist eine völlig andere: Man muss den ganzen Film sehen um ihn beurteilen zu können – und zwar genau so, wie ihn sich die Macher vorgestellt haben. Wir Deutschen leben in einem Land, das mit großartigen Synchron-Funktionalitäten ausgestattet ist und können uns glücklich schätzen, dass es haufenweise Teams gibt, die sich unterhaltender Lektüre annehmen, sie sichten, neu interpretieren und dann übersetzt hierzulande auf den Markt bringen. Und genau da liegt das Problem: Es ist eine Interpretation eines Einzelnen, dem sich nun ein ganzes Land unterwerfen muss und die vielleicht nichts mehr mit den eigentlichen Intentionen zu tun hat.
Gerade bei den prägenden Dingen wie Stimme, “Nuschelei”, Charakterzügen oder knackigem Wortwitz brechen wir an den Sprachbarrieren kümmerlich auseinander und übrig bleibt ein Rest, der nicht mehr anzuschauen würdig ist.
Auch der Coup, dass man die besten Szenen im Film belässt und hier keinerlei Spoiler in die .trailer einbaut, mag von der PR-Riege Disneys löbliche Absicht gewesen sein: In diesem Falle hat sie einfach nur versagt und den Fans mit ihren riesigen Erwartungen jedwede Lust auf den Film genommen und sie bitter vor die Köpfe gestoßen: Lasst euch im Namen von Disney ein “Entschuldigung” zurufen und konsumiert den Film einfach im Original: Hier wird alles wieder so, wie es ursprünglich gedacht war.
Und ein letzter Punkt: Es ist Dolby Atmos, dass dieses Ding zum Leben erweckt und den wahrhaftigen Geist dieses Films zur Geltung bringt. Wer darauf verzichtet, gibt Geld für ein .kinoticket aus, auf dass er gerne genauso verzichten könnte, denn ohne Dolby Atmos lohnt sich der Film einfach nicht! Hier spielt er derartige Stärken aus, die dem ganzen Werk Leben einhauchen, weil es einmal mehr von der permanenten Entertainmentqualität lebt und im Zuge dessen eben von einem dynamischen, lauten und umhüllenden Sound, der das Kinoerlebnis erst zu einem solchen werden lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beachtet man diese zwei Dinge: NUR IN OV / OMU ohne 3D und in einem Kino mit DOLBY ATMOS – dann ist das seit Jahrzehnten das erste Werk Disneys, dass so richtig reinknallt und zeigt, dass der Laden es in der Moderne doch noch drauf hat!
Nach all den negativen Dingen, die ich über diesen Konzern geschrieben habe, könnte dieser Film – wie auf dem Plakat verkündet – der Beginn der größten Freundschaft der Galaxis werden, der zwischen mir und Disney itself. Die Unterhaltungsqualitäten hat der Film und die negative Kritik im Vorfeld kann ich nur damit erklären, dass diejenigen einfach keine Ahnung hatten, weil sie nur Teile und nicht das Ganze gesehen haben.
Ich würde und werde wieder reingehen, denn dieses Spektakel wirkt nur auf dem Big Screen und ist nichts fürs TV oder Heimkino, es sei denn, man lebt in einem Lichtspielhaus! 😉

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine Szenen mehr.
Kinostart: 24. Mai 2018
P.S.: Die Frage, ob dieses Universum jetzt als Basis für die neu gegründete Trilogie fungieren wird, die Disney bereits geplant hat, wollte mir die Pressestelle zu dem Zeitpunkt nicht beantworten. Eben dies würde ich begrüßen und fände es riesig, da dann aus dem zeitlich zurückgelassenen Schlachtfeld tatsächlich etwas großartiges entstehen könnte. Die Zeit wird’s zeigen…

Dieses bescheuerte Herz

Fack Ju Göhte 3 verschwindet langsam aus den größeren Sälen und einigen Kinos und beendet damit einen deutschen Kinoerfolg, der manche stark geprägt hat. Gerade Elyas M’Barek hat damit zu kämpfen, sich nach diesem einschlagenden Erfolg von den Vorurteilen seiner Rolle zu befreien um den Schöpfern neuer Kinofilme zu zeigen, dass er nicht nur der obercoole Lehrer ist.
Deshalb war Dieses bescheuerte Herz für mich auch so ein klein bisschen die Feuerprobe M’Bareks, weil das quasi der erste Film nach seiner Karriere als Kinolehrer ist, in dem er beweist, wohin es in Zukunft mit ihm gehen wird.
Und liest man sich den Plot des neuen Films ein bisschen durch, quellen Zweifel und Ängste, da dieses Bild so absolut gar nicht zu dem passt, wofür man Elyas inzwischen kennt. Logisch teasert man im .trailer dann auch möglichst nahe an seiner Coolness-Rolle, um die Fack Ju-Gemeinde abzuholen und auch im nächsten Film gute Quoten einzuheimsen.
Dieser Schachzug ist meines Erachtens gelungen, denn Dieses bescheuerte Herz ist ernst, ergreifend, absolut gefühlvoll und emotional. Es reißt einen in die Tiefe seelischer Agonie und erzählt eine unfassbare, wahre Geschichte, die meiner Meinung nach voll reinknallt!
Man sitzt gebannt im Kino, beobachtet das Geschehen, fiebert mit, hat extrem starke Empfindungen und ist äußerst angetan – obgleich dies eine deutsche Produktion ist, von der man gerne glauben möchte, dass sie wieder in die typischen Fremdschämfallen abdriftet, die man aus TV-Produktionen nur allzugut kennt. Hier haben die Macher so ein unglaublich fähiges Händchen bewiesen, um diese Gefälle zwar aufkommen zu lassen, aber niemals den Abgrund hinabzustürzen, sondern in einer ehrenhaften, ruhigen und ergreifenden Variante die Würde aller bestehen zu lassen: Also quasi das völlige Gegenteil von Fack Ju.
 

.kinoticket-Empfehlung: Womit wieder einmal bewiesen wäre: Drama können die Deutschen! Gebt uns einfach mehr davon – und bevölkert erstmal die Säle, wenn Dieses bescheuerte Herz demnächst anläuft. Endlich wieder mal ein Film, der sich zu schauen lohnt!

 
Nachspann
offenbart die echten Protagonisten – man sollte also nicht gleich rausrennen.
Kinostart: 21. Dezember 2017

Genauso anders wie ich

Es ist wieder mal eine Schande: Im Kino häufen sich die Filme, die in aller Munde sind und die Leute rennen zu Scharen rein und Vorstellungen wie diese sind schamlos leergefegt und werden von keinem beachtet. Dabei ist gerade dieser Titel es soooo wert, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt – und das gleich aus mehreren Gründen.
Vorab: Wer bereits irgendwo eine Kritik gelesen oder sich von Inhaltsangaben oder sonstigem Schwachsinn oberflächlich hat abspeisen lassen, sollte seine aufgebauten Vorurteile wieder in die Tasche stecken und einfach mal fünf Minuten zuhören.
Ja, es gibt tatsächlich kurze Momente, in denen die illustre Mädchenhaftigkeit von Renée Zellweger zu spüren ist, die nunmal ihre ganz eigene Bridget Jones Tagebuch-Manier hat, das macht sie als Person nunmal aus.
So man dies weiß und sich diesen Film besieht und erstmal geschlagene 20 Minuten braucht, um festzustellen, dass das tatsächlich Zellweger und nicht jemand anderes ist, zeugt an dieser Stelle dann wohl eher von einer schauspielerischen Stärke, die seinesgleichen sucht. Und da schließe ich alle anderen sofort mit ein, die das Kinoplakat auf den ersten Blick freigibt: Die gespielten Rollen überzeugen dermaßen mit einer Authentizität und Hingabe, die man so selten gesehen hat.
Ich behaupte oft, dass die Menschen heute in den Werken beliebig austauschbar wären und alles nur noch von Technik und CGI-Gekröse am Leben erhalten wird – dies kann man von Genauso anders wie ich mal absolut nicht behaupten: Nimm einen der Darsteller hier raus und die Kiste bricht in sich zusammen! Diese Höchstleistung gehört honoriert und es ist eine Schande, dass der Film gerade gnadenlos absäuft!
Weiter geht’s nämlich mit den eindrücklichen Szenen, die mancher als “kitschig” bewirbt oder schmalzig dargestellt sehen will: Dies kann ich so überhaupt nicht unterstreichen: Kameramäßig merkt man auch hier wieder viel Arbeit, die in solche Szenen geflossen sind und musikalisch hat man eher auf Beruhigung und Tiefenentspannung gesetzt, was in der ansonsten oft hektischen Weihnachtszeit jetzt ja wohl das Willkommenste ist, das man sich wünschen kann: Einen Film, der mal nicht nach vorne prescht, sondern sich mal die Zeit lässt und an Natur, Farbträchtigkeit und Schönheit ergötzt, ohne den Zuschauer durch mittelklassische Musik zu deformieren. Auch da wieder ein großes Lob, diese Momente sind den Besuch in einem ruhigen Kino durchaus wert!
Gehen wir zur Kindlichkeit und dem Rumgenerve von Zellweger: An alle Frauenrechtler und Feminist-Fetischistinnen: Sorry, dieser Film erzählt nicht die Geschichte einer Frau, sondern die eines Mannes – und da ist es leider ein ganz klein wenig egal, ob diese Frau sich im Laufe der Spielzeit selbst zur Lächerlichkeit führt und sich daher am Ende eigenständig obsolet macht: Vielmehr zählen die unfassbar vielen Momente, die zwei Kerle hier miteinander erleben und die eindrücklich ein so wichtiges und diskutiernotwendiges Thema aufgreifen, dass einem nur das Herz durchgeschüttelt werden kann.
Mein Gott, was bin ich zwischendrin oft zusammengebrochen, als man mit einer derartigen Einbruchskunst vor verschiedene Szenarien geführt wurde und sie in einem mächtigen Emotionsschlag hat enden lassen, die sowohl das anprangern, was angeprangert gehört als auch zeigen, aus welchen Verwindungen sich manche herauskämpfen müssen, das wiederum ihre soziale Abgeschiedenheit und Andersartigkeit erläutert und damit einen Reigen zur humanistischen Verständigung anführt, die ich in diesem Ausmaß noch nicht erlebt habe: Ohne Moralfinger, ohne Predigten und den ganzen Schwachsinn einen Film über so ein wichtiges Thema zu drehen, der diese Reaktionen beim Zuschauer auslöst: Her damit!
Und nicht zuletzt: Wahre Geschichte! Und zwar so wahr, dass er in Amerika drüben so extrem viel bewirkt hat, dass sich jemand sogar auf die Beine gemacht und das Ding verfilmt hat – es ist also etwas dran. Dies sieht man auch am Nachspann – und darum bleibt mir nur zu sagen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Vergesst die verdammten Kritiker und setzt euch auf eure vier Buchstaben und zwar genau in diesen Film!
Eine wichtigere Botschaft gibt es an Weihnachten nicht – und das Geplörre von irgendwelchen Schrullen, die einem erzählen wollen, dass das hier schmalzt oder nervt, darf man sich gerne wohin stecken.
Dies ist ungelogen menschlich gesehen einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe!

 
Nachspann
dringend sitzen bleiben, denn hier sieht man, dass das nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern tatsächlich wahr ist. Sehr wertvoll!
Kinostart: 30. November 2017

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