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Tag: Gangster

Asche ist reines Weiß

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© 2019 Neue Visionen Filmverleih

Es ist eigentlich schade, dass man hierzulande so wenig Zugang zu asiatischen Inhalten hat bzw. diese so selten beworben werden. Vielleicht ist deren Kultur so extrem anders als unsere, dass einfach das Interesse nicht groß genug ist? Dabei sind Mangas und Animes doch auch hier längst etabliert und der Zuschauer sehnt sich nach Inhalten, die weit über das Mini-Niveau von billigen RTL II-Animes hinausgehen.

Ich kann’s nicht beurteilen, ich war noch nie dort und hab daher absolut keine Ahnung – und wenn das nicht mal beste Voraussetzungen für einen Kritiker sind, weiß ich’s auch nicht 😉

Wir reden hier ja auch nicht von Animes, Mangas und dergleichen, sondern einfach von asiatischen Spielfilmen, die es ebenfalls zu Hauf gibt und die meiner Meinung nach viel zu selten das deutsche Leinwandlicht erblicken: Asche ist reines Weiß erzählt nämlich eine dieser Geschichten, die man auch als Europäer gerne konsumieren darf und die sich nicht vor Hollywood verstecken brauchen.

Natürlich fährt man an dieser Stelle keinen Allerweltscast auf oder trumpft mit bekannten Gesichtern – aber, wenn wir mal ehrlich sind, das bietet uns das westliche Kino auch schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr in der Form, die man sich gerne wünscht, sondern langweilt mit Austauschbarkeit, dass es nur so zum Himmel stinkt.

Und Inhalte? Gibt es immer wieder mal mehr mal weniger. Was die asiatischen Kinokracher aber immer richtig gut können: Tiefe. Geistiger Reichtum und Tiefgründigkeit, die man in vielen Blockbustern vergeblich sucht und die auch in so manch independentösem Film eher verkrampft als natürlich rüberkommt und dadurch an seiner Authentizität zweifeln lässt.

Beides liefert Asche ist reines weiß in Pur-Form: Man entzückt mit einer tollen Story, gestaltet diese mit chinesischen Wahrheiten aus und liefert so das gewisse Extra, das aus dem Film eben nicht bloß pure Unterhaltung, sondern auch Lebensweisheit macht, die ich schon als Kind immer gern aufgesaugt habe.

Und auch, wenn vielleicht so manch einer am Schluss dann dasteht und sich fragt: “Das war’s jetzt?” – spätestens dann merkt ihr, dass wir eigentlich viel zu wenig von dieser Art Stoff zu sehen kriegen und man sich viel mehr darum bemühen sollte, auch asiatische Filme anzubieten und dabei aus den Klischeegrenzen von Bollywood zu verschwinden.

.kinoticket-Empfehlung: Großartig gespielt, toll geschrieben und mit einem verstörenden Ende: Asche ist reines Weiß erzählt eine super Geschichte, die einen fesselt und nach klassisch-chinesischer Manier mit Lebenswahrheiten um sich schmeißt.

Hier wird einem nicht nur das Leben “da drüben” etwas anders gezeigt, sondern wunderbar unterhalten und ich finde, dass solche Produktionen sich nicht hinter Hollywood verstecken müssen, sondern durchaus im Kino gesehen werden sollten.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. Februar 2019

Original Title: Jiang Hu Er Nü
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

Casino Undercover

An alle, die beim Namen Will Ferrell einen Brechreiz kriegen: Ich fühle mit euch. Ich hasse den Typ und seine stupide Dummheit in seinen ständigen Rollen.
An alle, die bei Amy Poehler denken: Oh mein Gott, was für eine talentlose Frau, die in ihrer Erbärmlichkeit aufgeht und vor aller Welt beweist, was für armselige, lächerliche Schauspielerin sie ist: Ja, ich habe bei fast allen Filmen von ihr so gedacht.
Und ich lege euch wärmstens ans Herz, ab 6. Juli 2017 in Casino Undercover zu gehen.
Hauptdarsteller/in: Will Ferrell und Amy Poehler.
Was geht jetzt?
Ähm – so richtig begreifen kann ich es selbst noch nicht, was da passiert ist. Ich habe nicht mal bei den Minions so viel lachen müssen, wie vorgestern in Casino Undercover, als sich Ferrell und Poehler gegenseitig die Bälle zuspielten und ein Gagfeuerwerk entfesselten, dass seinesgleichen sucht.
In Zusammenarbeit mit Jason Mantzoukas erreichen die zwei hier Höhen, die unglaublich sind! Nicht nur, dass man es wohl endlich einmal geschafft hat, eine Komödie zu kreieren, die meinen Comedy-Hass galant beiseite stößt und mich für das Werk schwärmen lässt, sondern auch das Austarieren zwischen Unmöglichkeit und Überzogenheit hat hier in perfekter Weise geklappt. Man ist verrückt, durchtrieben, überdreht, wahnsinnig und voll auf dem Trip, schafft es aber trotzdem nicht, in irgendwelche Löcher abzurutschen oder es mit billigen Jokes zu versemmeln.
Im Gegenteil: Die meisterhaft geschnittene Schnelligkeit beweist, dass in den Drehbüchern des Films sehr wohl extrem viel Inhalt und wenig Zeit für Streckungen oder ähnliche Zeitschindereien gewesen ist, sondern man sich rühmlich auf das Wesentliche konzentrieren wollte und alles Lahmarschige dafür weggelassen hat.
Gott sei’s gedankt, denn so einen Film hätte man auch gerne gute 2 Stunden ausgehalten. Diese Entscheidung, hier tatsächlich nur mit knapp 90 Minuten zu spielen, zeigt einmal mehr das könnerhafte Verständnis für extravagante Filme der Macher.
Und im Ernst: Ich hasse diesen ganzen Komödienmist, von dem immer alle meinen, er sei “lustig” und der irgendwelche blöden Schulhofjokes feiert, als sei Gott persönlich vom Himmel herabgestiegen. Ich hasse es.
Und ich liebe diesen Film. Nachdem der gestern aus war, waren meine ersten Worte:
“Das ist mit Abstand der beste Film, den Ferrell jemals gedreht hat und das mit Abstand beste, was Poehler jemals aus sich gemacht hat.”
Und ich stehe dazu – ich liebe ihn. Ich ziehe ihn allem anderen “lustigen” vor und verweise jeden darauf, definitiv diese Vorstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Obwohl man eigentlich nicht lachen will, weil es zu “dumm” ist, muss man lachen – und es bleibt auch keine Zeit, sich auszuruhen, sondern man hat eine Szene noch nicht ganz verdaut, während man bereits in den nächsten vieren gefangen ist und auch da wieder zum Lachen gezwungen wird.
Leute im Ernst: Casino Undercover geht damit für mich in die Geschichte ein als allererster Film, den ich als Komödie wirklich für absolut gelungen bezeichne. Und damit meine ich einfach alles. Die Besetzung, die Dramaturgie, die Konversationen, die Einfälle, die realistische Glaubwürdigkeit innerhalb eines Metiers, dass extra für diesen Film geschaffen wurde, den Schnitt, die Musik, die Kostümierung, die Profilzeichnung – einfach alles!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zutiefst beeindruckt ziehe ich meinen Hut und gebe zu: Es gibt doch eine Komödie, die ich restlos feiere und vor der ich mich tief verneige: Casino Undercover.
Hier stimmt einfach alles – und die Dichte der Gags, die allesamt (!) gelungen sind und nirgendwo unter die Gürtellinie oder sonst wie abrutschen, ist überirdisch.
Geht da rein und erlebt ein einziges Mal, was es wirklich bedeutet, einen lustigen Film zu sehen – alles andere stinkt dagegen wirklich nur ab.

 
Nachspann
Läuft keiner, nur Text. Rausgehen ist also erlaubt.
Kinostart: 6. Juli 2017

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Das Thema Alter ist für viele Menschen nicht unbedingt mit positiven Assoziationen verbunden. Daher ist es auch nicht wenig erstaunlich, dass bereits im Büchermarkt der Vorgänger dieses Films ein Bestseller wurde, da viele Menschen durch die aufgeweckte und lustige Art des Hauptdarstellers inspiriert und zu ein wenig mehr Leichtigkeit im Leben eingeladen werden.
Die Fortsetzung dieses Films basiert diesmal nicht auf einem Buch, sondern entspringt aus dem Enthusiasmus und der Begeisterung der Regisseure über das Universum des alten Mannes. Die beiden haben sich hingesetzt, und eine Fortsetzung gesponnen, die seine Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Dabei die richtigen Nuancen zu treffen und den Schauspielern zu sagen, dass sie nicht witzig sein sollen, obwohl sie in einer Komödie sind, war sicherlich eines der schwierigeren Aufgaben. Denn der Film mutet genau in diesem Stil an: er besticht durch seinen unterschwelligen Humor und seine herzensgute und bodenständige Art, die keineswegs abgehoben oder super speziell ist.
Man verliebt sich sofort wieder in die alten Charaktere, hat jede Menge Spaß bei den neuen Abenteuern und beschäftigt sich eingehend mit der Planbarkeit des Lebens. Zu sehen, wie dieser alte Mann von einem Abenteuer ins nächste stürzt, macht nicht nur vor der Leinwand richtig Spaß.
Mit seinen 101 Jahren ist Allan Karlsson mit Sicherheit nicht nur eine Inspiration und Vorbild für die ältere Generation, sondern die liefert auch genügend Lebensenergie für Junggebliebene.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand liefert beste Unterhaltung, wartet mit spritzigem, unterschwelligem Humor auf und entführt erneut in die skurrile Welt eines über 100-Jährigen.
Das Anschauen macht Spaß, es gibt jede Menge zu lachen, und man hat als Zuschauer garantiert einen unterhaltsamen Abend.

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende darf man aus dem Saal verschwinden, hier kommt nichts weiter mehr.

Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out of the Shadows (3D)

Wenn Michael Bay im Spiel ist, dann krachts und macht dem eingefleischten Popcornjünger richtig Spaß. Genau dieses Credo gilt auch für Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out of the Shadows, denn hier wird mit 3D gearbeitet, das wieder als Meilenstein in der Geschichte des dreidimensionalen Films gilt und eine Story abliefert, die erwartungsgemäß ist und somit keinerlei großartige Überraschungen bereithält.
Aber wen schert es: Man geht nicht in diesen Film, um mit herausragenden Dialogen begeistert zu werden, sondern weil man es krachen sehen will. Und tatsächlich erinnert hier alles ein wenig an die monumentale Größe von Transformers, nur dass die Effekte und der Wahnsinn fast einen Ticken besser sind als in der Saga der Autobots.
Der Streifen macht dabei nicht nur den jüngeren Zuschauern Spaß, deren Actionfiguren man belebt und in eine Schlacht schickt, die effektreißerisch und großartig ist, sondern unterhält hier auf einem Level, das eine eigene Dynamik entwickelt und somit nach gegebener Zeit auch erwachseneren Menschen Spaß zu machen beginnt.
Der absolute Star des Films ist ganz klar die Technik und Erfahrung, die Bay hier mit einfließen lässt, die eindrucksvoll beweist, das hier Action-Können dahintersteckt, von dem sich viele Kracherfilme eine Scheibe abschneiden können. Wer jemandem eindrucksvolles 3D näherbringen möchte, sollte sich diesen Referenzfilm packen, denn auch die Inhalte sind nicht so schlecht, dass man sich darüber mockieren müsste, sondern man bekommt solide Unterhaltung und hat hoffentlich viel Popcorn am Start, denn das wird gebraucht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist allererste Sahne, die Action weiß überzeugend zu beeindrucken und die Bayschen Einflüsse der Transformers-Liga sind deutlich spürbar.
All das macht TMNT 2 zu einem Film, der als Referenz in Ton und Bild gilt und hier einmal mehr eindrucksvoll beweist, welche audiovisuellen Fähigkeiten in einem Kinosaal stecken können.
Als Familienunterhaltung sehr wohl zu gebrauchen, auch wenn man nicht zwingend mit 4jährigen da reingehen sollte, so wie es eine Zuschauerin versucht hat ^^.

 
Nachspann
liefert anfangs noch recht nette Animationen, nach dem Umsturz auf den Normalfließtext darf man aber nach draußen.

Legend

Black Mass hat es unlängst vorgemacht, Legend zieht hier mit einem unglaublich starken Double-Part-Hauptdarsteller lediglich nach: Gangster-Epos in den Fußstapfen des bisher unerreichten Der Pate.
Erzählt wird – wieder einmal – basierend auf wahren Begebenheiten und somit Teile der Vergangenheit systematisch aufgedeckt. Das “Problem” solcher Filme ist nach wie vor, dass hier spannungstechnisch nicht auf übliche Muster gesetzt werden kann, sondern man einfach irgendwo mittendrin anfängt und später irgendwo wieder aufhört.
Demnach fehlt auch hier ein wenig die höhepunktale Orgie am Schluss des Films und macht einem erzählerischen Unmut Platz, der dem sonst grandiosen Film ein unehrwürdiges Ende bereitet.
Punkten kann Legend definitiv in Sachen Genre, da hier weder an Witz noch an Ironie und Sarkasmus gespart wurde, den Tom Hardy in seiner beeindruckenden Doppelrolle wirklich bei beiden Charakteren sensationell überzeugend verarbeitet.
Jedoch verliert der Film im Zuge seiner Laufzeit irgendwann den roten Faden und treibt die Geschichte selbst nicht mehr voran, sondern arbeitet sie lediglich ab. Somit weicht man in diesem Beispiel fast schon ein bisschen vom Pfad der Gangster ab und landet in einer biografischen Selbstdarstellung der Kray-Brüder und ihrer Geschichte. Ob dies tatsächlich so gewollt, oder einfach nur ein Nebeneffekt ist, kann man nicht wirklich erkennen.
Fakt bleibt, dass hier die Ausdrucksweise, der Stil und das eloquente Verhalten hoch im Kurs stehen und man in Sachen Verhaltensethik wieder einmal provokante Vorbilder aufstellt.
 

.kinoticket-Empfehlung:  Ansehen sollte man sich dieses Werk allemal, da allein schon das Schauspiel von Tom Hardy seinesgleichen sucht.
Umgeben von jeder Menge anderer, fähiger Protagonisten erlebt man hier ein Gangster-Werk der Neuzeit, das zwar nicht an Der Pate heranreicht, auf dem Weg dorthin jedoch bereits sehr weit oben angekommen ist.
Der finale Paukenschlag bleibt diesmal auch aus, die Zeit dazwischen darf man allerdings mit wunderbar schrägem Humor und ironischem Sarkasmus lustvoll genießen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, aufstehen und rauslaufen also erlaubt.

Black Mass

Johnny Depp hat schon viele unterschiedliche Rollen gespielt und landete damit mal ganz vorn, mal ganz hinten. In Black Mass tritt er erneut mit einem neuen Gesicht an und beweist einmal mehr, dass in ihm kein kleiner, sondern ein herausragender Schauspieler steckt, der durch Mimik, Sprache, Gestik und exzellente Darstellungen zu überzeugen weiß.
Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass seine Mitspieler ihm bei weitem nicht gewachsen waren. Was Depp verkörpert, ist phänomenal und sucht grenzüberschreitend seinesgleichen ohne auch nur ansatzweise fündig zu werden. Die Thematik selbst empfand ich mehr lückenhaft als erfüllend, denn hier wird weder auf der einen, noch der anderen Seite hinreichend inhaltlicher Denkstoff gegeben, sondern mehr oder weniger aufgezeigt, was im Stillen sowieso fast jeder vermutet, auch wenn diese Art der Kooperation dann doch reichlich ungewöhnlich zu sein scheint.
Nichtsdestotrotz erfüllt Hollywood auch hier wieder eine neue Tugend: Man verfilmt Realereignisse und füllt die Kinosäle mit Menschen, die vergangene Geschichten zuschauerverträglich aufbereitet im Kino sehen möchten – dieser Trend scheint zu funktionieren.
Die Szenen (sowohl die lustigen, als auch die ernsten) brennen sich definitiv tief unter die Haut ein, die Skrupellosigkeit und Gier, die Unhaltbarkeit, das Verflechten in Systeme, deren Kontrolle man schon am Anfang verloren hatte – all das wird verständlich und visuell hervorragend rübergebracht.
Was mir allerdings fehlte, war ein zufriedenstellender Schluss. Irgendwie hockt man am Ende da und wartet auf eine Aussage, die einfach nicht kommt. Nach dem Abspann findet man sich dann damit ab, dass die Eindrücke und Szenerien, die während des Films gezeigt werden, allein die Essenz des Movies ausmachen wollen und da jetzt tatsächlich nichts mehr kommt – und das war für mich, als jemand, der den großen Endpaukenschlag abgöttisch liebt, tatsächlich etwas verstörend und enttäuschend.
Dennoch wandert man tief beeindruckt und seelisch mitgenommen wieder aus dem Kino auf die Straße und fühlt sich irgendwie kratzbürstig durchgewaschen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Johnny Depp liebt, sollte sowieso da rein, wer einfach nur mal geniale Schauspielerei erleben möchte, auch.
Die verkörperte Gestalt von Bulger sucht seinesgleichen, was Charakter, Stärke und Profiltiefe angeht. Die Szenerien beeindrucken nicht in gleichem Maße, wie es Urgesteine wie Der Pate tun, allerdings erhält man hier etwas gleich großes, dem nur der epische Schlusspathos fehlt.
Ansonsten erhält man hier überdurchschnittlich rare Kost, die ein Biopic abzeichnet, das den Film zurecht verdient.

 
Nachspann
gibt es keinen, der Soundtrack von Tom Holkenborg überzeugt aber auch hier wieder auf voller Linie.

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