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Tag: Geister

Kirschblüten & Dämonen

Kirschblüten und Dämonen

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Zeitreise. 2007 – Kirschblüten – Hanami setzt den Startschuss und erzählt eine Geschichte, die sich mit dem Nutzbarmachen des Lebens auseinander setzt und erzielt weltweit damit Erfolge. Die Szenen sind wohlgeformt, ergreifend und sinnlich, berühren das Herz und erreichen damit nicht nur beim Kinopublikum Aufmerksamkeit und Interesse.

2019 geht die Fortsetzung dessen an den Start: Kirschblüten & Dämonen kümmert sich quasi um die “nächste Generation” und möchte den Strang weiterspinnen, wird dabei aber auch sehr langsam und weniger “spektakulär”: Doris Dörrie nimmt sich erneut ihrer Hauptdarsteller/innen an und erzählt dort weiter, wo man 2007 aufgehört hat.

Als “Quereinsteiger” ohne den ersten Film zu kennen (was durchaus noch bei einigen der Fall sein dürfte) eignet sich diese Fortführung prächtig dazu, um in der Materie einzusteigen und dann mit dem ersten Teil quasi nochmal eins drauf zu setzen. Man kränkelt ein wenig an den Macken des verfluchten zweiten Teils, überspielt diese Mankos aber galant mit der würdigen, tragenden und lebenseingreifenden asiatischen Art, die sich ja bekanntermaßen sehr vornehm und elegant um die Weisheiten des Lebens kümmert und an den Punkten ansetzt, wo beispielsweise die amerikanische Plumpheit endet. Wer hierfür ein Auge hat, der wird auch im zweiten Teil bestens bedient und kommt damit klar, dass jetzt die pure Schönheit eben ein wenig dem “Alltag” der Charaktere gewichen ist. Gewissermaßen logisch, wenngleich auch etwas enttäuschend, aber was will man machen?

Alles in allem dennoch kein Grund, nicht in Kirschblüten & Dämonen zu gehen: Der Film ist durchaus sehenswert und spiegelt einmal nicht den üblichen Mainstream wider, den man sonst auf der Leinwand geboten bekommt.

.kinoticket-Empfehlung: Typischer Second Part, etwas ruhiger und weniger spektakulär, aber trotz allem mit den bekannten japanisch-asiatischen Wurzeln, die zum Ursprung allen Lebens führen und von Asia-Fans so geliebt werden.

Doris Dörrie setzt ihre Geschichte fort und kümmert sich um den “Fortbestand” im wahrsten Sinne des Wortes: Man pflegt die alten Kulturen wieder, lässt Vergangenes aufleben, erreicht damit aber nicht den Höhenflug, den der erste Teil aufs Parkett gelegt hat.

Sehenswert ist Kirschblüten & Dämonen deshalb aber trotzdem.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Kirschblüten & Dämonen
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Deutschlandpremiere des Films in München aus der Astor Filmlounge im Arri Kino.

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Winchester – Das Haus der Verdammten

Bei diesem Titel braucht man vorab ein paar Setting-Erklärungen, sonst geht die Sache gewaltig in die Hose:

    • Der Film zählt zum Horror-Genre, darüber sollte man sich im Klaren sein. Das bedeutet, er kann auch im Rahmen einer FSK-18-Sneak Preview gezeigt werden. Das Kinopersonal anzuschnauzen, dass man so etwas doch nicht in einem Kino zeigen könne, ist hier garantiert nicht intelligent. Genau dafür sind u.a. Sneak Previews da: Um Dinge auf den Screen zu bringen, die nicht im üblichen Kinoprogramm durchlaufen würden. Danke an die Kinos – shame on you an die Beschwerer.
    • Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit, wo man einfach Klamauk als festen Bestandteil eines jeden Horrorfilms kannte und es seltsam war, wenn die gewollt ironisch-billige Komik während der Blut- und Angstszenen fehlte? Genau da wollten die Macher Winchester – Das Haus der Verdammten haben: Als eine Hommage an diese Zeit. Billiger Plot, angsteinflößende Szenen, die in Lachkrämpfen enden und doch irgendwo horrös rüberkommen.
    • Ja, der Film sieht sich nicht als Blockbusterüberflieger und möchte genausowenig Independent-Geheimtipp sein: Er ist ehrlich zu sich selbst und vermittelt zu jeder Zeit, dass er einfach einen gemütlichen Kinoabend verspricht, der an die unbeschwerte Kindheit erinnert und einem mal wieder so richtig gechillt die Comedy-Eier durchschaukelt, während um einen herum diese von merkwürdigem Humor umflügelnden Angstzenen tanzen.
    • Man soll sich nicht gruseln, man soll belustigt sein.

 
 
Und damit wäre jetzt eigentlich alles gesagt und ihr seid bereit dafür, .kinotickets zu ordern und diesen Streifen zu genießen.
Die Idee ist nämlich durchaus gelungen, hält sogar Stücke aus der Realität parat – soll heißen: Die Gruselvorlagen entstammen dem echten Leben.
Das Bühnensetting steht auch völlig diskussionsfrei erhaben da: Die grandiosen Bauten und imposanten Einrichtungen allein sind ein Blick in diesen Film wert.
Und obwohl man während des Films manchmal seine Plot-Zweifel hegt (und auch hegen darf), so ergießt sich die Auflösung dann wieder völlig in Logik, insofern man oben benannte Regeln beachtet: Nehmt es einfach nicht ernst, sondern erfreut euch an einem wunderbar traditionellen Stück Horror.
Der Fakt, dass sich so viele bereits jetzt darüber aufregen (Ja, er lief in der Sneak) zeugt eigentlich nur von einer traurigen Wahrheit: Das Volk ist viel zu wenig getrimmt auf Horror – schon gar nicht im Kino. Wir wurden weichgespült und uns wurde der Umgang mit Horrorfilmen aberzogen. Der Zuschauer weiß nicht mehr, wie er mit solcherlei Stoff umgehen soll und fühlt sich überfordert, da er ansonsten nur mit geistigem Dünnschiss zugelallt wird oder mit ikonischen Blockbustern umschmeichelt.
Da kann der Horror in sich noch so gut sein, bewertet wird immer schlecht, weil: Horror.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und zieht euch dieses Werk rein, denn hier hat man den Griff ins Klo mal sagenhaft verfehlt 🙂
Man orientiert sich an alten Werten, komödiantischem Horror und trifft damit auf ein Genre, dass nichts im Mainstream verloren hat, sondern einfach Spaß macht und unterhält. Beachtet die obigen Regeln und ihr werdet dieses Ding lieben.

 
Nachspann
Hier seht ihr die originale Dame, was belegt, dass die ganzen Spukvorlagen tatsächlich aus realen Ängsten entstanden sind. Toll, dass dann so als Film herauszuarbeiten.
Kinostart: 15. März 2018

Insidious – The Last Key

Blumhouse, Blumhouse, was soll ich bloß mit euch machen …
Zum einen serviert ihr uns Titel wie die The Purge-Trilogy, die hoffentlich noch lange weitergehen wird, Filmperlen wie Happy Deathday, zeigt euch verantwortlich für Sinister und Nachfolger und kommt jetzt mit einem so vorhersehbaren Mist wie Insidious – The Last Key daher… Warum denn?
Freunde von mir bezeichnen den Titel als “den schlechtesten Horror, den ich je gesehen habe” und ich kann ihnen nicht widersprechen, denn gegruselt hat mich in eurem neuesten Werk schlichtweg … gar nichts.
Was also war die Aufgabe? Gebt Lin Shaye wieder eine Bühne, auf der dieses einprägsame Gesicht eine neue, müde Story austüftelt, gespickt mit den immergleichen, abflauenden Horrorbausteinen, die einem nicht mal mehr ein simples Gähnen entlocken?
Ich lasse mich gerne schocken. Ich drehe mich im Kino ob der Surround-Effekte gerne mal um und schaue, ob nicht irgendwer aus dem Kino hinter mich getreten ist und mich erschrecken will. Meine Güte, ich bin extra in die 23:00 Uhr-Vorstellung, die gähnend leer war, um einen weiteren Sicherheitsbaustein fallen zu lassen und den “Du bist allein und niemand kann dir helfen, wenn die Geister plötzlich echt werden”-Spuk-Katalysator anzuwerfen … und bin dabei sanft, aber konsequent ins seichte Land der Träume abgedriftet – und zwar zu euren “Höhepunkten”. Und nicht, weil ich müde war.
Gezuckt, geschockt, Gänsehaut … nichts.
Und das von einem Titel, der ein so vielversprechendes Plakat aufweist und uns auf diese Weise so sehr schmackhaft gemacht wurde: Traurig!
Warum tut ihr so etwas? Euch fehlen doch längst nicht mehr die Mittel, um ein Genre, das angestaubter nicht sein könnte, mit neuen Innovationen zu renovieren und vom Ballast der Alltäglichkeit zu befreien. Ihr habt doch längst alle Connections, fähige Leute, Schauspieler und Technik in der Hinterhand, um dem Kino wieder etwas zu liefern, bei dem sich der Zuschauer bis aufs Mark und Bein fürchtet und am Ende froh ist, den Saal wieder verlassen zu dürfen und noch zu leben.
Wieso langweilt ihr uns dann mit derartigem? Langeweile? Trist? Freudlosigkeit und Erwartbarem?
Die Offensive, den “Schauereffekt” einfach ein paar Sekunden mehr in die Länge zu ziehen, ist kein Allheilmittel, um immer besseren Horror zu kredenzen. Und spätestens 2018 hat jeder längst kapiert, dass einsetzende Violinen in schrägen Tönen Unheilvolles ankündigen – und wisst ihr was? Es funktioniert nicht mehr. Nicht bei mir.
Dazu die üblichen Holzblöcke aus altbekannten Horrorfilmen im Zeitalter der Aufgeklärtheit, die sich der Lächerlichkeit preisgeben statt den Zuschauer das Fürchten zu lehren ist für ein Label wie eures doch keine Trophäe, auf die ihr ernsthaft stolz seid, oder irre ich mich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich war die Enttäuschung auf keiner Ebene zu überbieten – viel zu ruhig, zu vorhersehbar, zu gewöhnlich und langweilig, um noch auf irgendeine Weise zu begeistern.
Schade, denn hier steckt so viel Schaffenskraft dahinter, die augenscheinlich völlig verpufft ist, bevor man sich diesem Titel zugewandt hat. Warum?

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Soundtrack wird hier auch nicht besser.
Kinostart: 4. Januar 2018

A Ghost Story

Dieses Werk lief bereits im Rahmen des Fantasy Film Fests 2017 in München – und genau dort gehört es auch hin. Man muss ein verwegener Fan des Nischenkinos sein, um hier so richtig abtauchen zu können und sich von jedwedem Anspruch an Unterhaltung und Vorsatz befreien, um einen geöffneten, philosophisch empfänglichen und bereitwilligen Geist zu haben, der sich auf dieses durchaus schwierig zu schauende Bühnenstück einlassen kann.
Und mit schwierig zu schauen meine ich schwierig zu schauen: Es ist teilweise eine absolute Zumutung, in welcher Form man hier mit Szenen konfrontiert wird, die einem Dinge abverlangen, die fast schon unmenschlich sind. Die Schwierigkeit hierbei liegt tatsächlich darin, das ganze absolut nicht als Unterhaltung zu sehen und die Zeit zu nutzen, um die tiefenpsychologischen Wirkungen innerlich zu diskutieren, die A Ghost Story auslöst. Betrachtet man es nämlich unter diesem Aspekt, ist dieser Coup absolut gelungen und offenbart sich hier als grandiose Meisterleistung, die sich vollkommen vom Rest der Filmwelt abhebt und völlig neue Gefilde betritt, in der Normalo nicht zurecht kommt.
Und damit verlässt man nicht nur die Bahnen des Mainstreams, sondern auch die der Nische und verkrümelt sich auf einem komplett anderen Planeten, der selbst die Regeln des Films nicht kennt und sich in seiner Erzählweise ebenso außerirdisch anfühlt wie episch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und seht A Ghost Story nicht als Entertainment an.
Dieses Stück ist extrem schwere Kost, das mit so viel Inhalt kommt, der nur sehr schwer verdaulich ist und die absolute Elite der Intellektuellen anspornt und sich dem Niveau der Normalos entzieht. Dort wiederum trumpft er mit Ideen auf, die wunderbar sind und sehr wohl zum Nachdenken anregen und den Diskurs fördern.

 
Nachspann
folgt keiner, nach einer unglaublich langen Spielzeit darf man dann endlich nach draußen.
Kinostart: 7. Dezember 2017

Ghostbusters: Answer the Call (3D)

Die Presse verteilte im Vorfeld schon mächtig Kritik an der Neuauflage von Ghostbusters, dessen Trailer – seien wir ehrlich – auch wirklich riesige Scheiße war.
Hatte ich Lust, in diese Vorstellung zu gehen? Nein. Definitiv nicht.
Bin ich trotzdem reingegangen? Was tut man nicht alles für seine Leser …
Und was soll ich sagen? Es war irgendwie die Überraschung des Tages.
Mir missfiel genau wie vielen anderen die Idee, Althergebrachtes nochmal zu verfilmen und dabei einfach alles aufs andere Geschlecht zu verlagern. Melissa McCarthy ist in meinen Augen auch ein zweischneidiges Schwert, in Spy – Susan Cooper Undercover fand ich sie überzeugend, im Rest eher nicht. Und die angeteaserten Gags in der Vorschau waren … naja.
Der Film selbst war dann aber wirklich überraschend gut. Klar ist es immer ein wenig nervig, wenn man sich in diesem stereotypischen Gehabe miteinander rumstreitet, aber das Gesamtkonzept passte irgendwie. Verblüffend und unglaublich gut gearbeitet wurde in der Technik, die hier nicht nur sensationelles 3D liefert, sondern mit ganz vielen kleinen Details die Liebe zum Film proklamiert und somit auf Ebene der Bildgestalter einiges liefert, das durchaus sehenswert ist. So wurden nicht nur die 3D-Effekte endlich wieder einmal in den Kinosaal verlagert und nicht nur in die Tiefe gezogen, sondern auch überraschend genial mit den “Rändern” der Leinwand gearbeitet, was im 3D-Spektrum ja eher selten ist.
Grundsätzlich waren die CGI-Effekte im lobenswerten Bereich, da hier nicht nur das übliche Blabla geliefert, sondern mit Einfallsreichtum gearbeitet wurde, der in sich schlüssig ist und den man meines Erachtens einfach nicht verurteilen kann.
Genauso beim Thema Sound. Ja, wir alle kennen und lieben das Original von Ray Parker Jr., aber ist das wirklich ein Grund, auf der neuinszenierten Version rumzuhacken? Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, man hat das Original mal nicht kaputt gemacht, sondern würdig in die neue Zeit transformiert.
Überraschend waren auch einige würdige Cameo-Auftritte, die hervorragend gecastet waren und irgendwo damit auch eine Art “Respekt” an den neuen Film verteilen, der hier eine Geschichte erzählt, die viele schon kennen, die deshalb aber nicht schlecht ist, nur weil man für den Trailer eben die übelsten Szenen zusammengeschnitten hat.
Hat’s Spaß gemacht? Jup.
Hat man bei den Beats mitgetanzt? Irgendwie auch.
War der Film jetzt wirklich so schlecht, wie jeder behauptet? Ganz ehrlich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man mit den miesen Erwartungen, die einem der Trailer einimpft, in den Kinosaal geht, dann erlebt man die Überraschung des Tages und geht hinterher vergnügt wieder aus dem Saal, denn die Gags sind weitaus besser als angenommen, die Technik überzeugt auf voller Länge und der Beat ist alles andere als schlecht.
Der Film hat unglaublich viel Potenzial und dabei so gut wie kaum welches verschenkt – aber es sollen ja noch weitere Teile folgen. Und die werde ich mir definitiv wieder mit viel mehr Lust zu Gemüte führen.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Nicht nur, dass der gesamte Abspann animiert und bebildert ist, sondern danach kommt noch unglaublich viel Filmmaterial … wir reden hier fast schon von einem weiteren Film. Also nicht rausgehen!

The Forest

Es ist manchmal schon unglaublich: Da wartet man Jahre lang auf guten Horror, bei dem der eigene Intellekt nicht verarscht wird, dann kommt die Faschingszeit und mit ihr ein Streifen ins Kino, der den Beititel “Horror” durchaus verdient und dabei so richtig gut umgesetzt wird, und die Presse zieht los und zerreißt das Teil in der Luft.
Das geht schon mit dem Anfang los. Die “Einführung” ist so trächtig geschwängert ohne den ganzen üblichen Blabla-Mist, bei dem man in allen anderen Fällen schon Todeszeitpunkt und -ursache vorhersagen kann, sondern man lässt sich hier Zeit, bleibt bodenständig und hält eine subtile Schwere am Start, die zweierlei verheißen kann: Entweder wird das hier gar nichts oder wir kriegen so einen richtig geilen Horrorstreifen danach.
Letzteres bewahrheitet sich.
Effektetechnisch verlässt man sich nicht auf die zeremoniell hochgeschraubte Splatterorgie (wahrscheinlich ist dies ein Grund für die Presse, das Teil nieder zu machen), sondern baut einen durchaus sinnvollen Plot auf, der gar nicht mal so weit hergeholt ist und nur ansatzweise an Fiktion erinnert. Dabei kommen dann visuelle Eindrücke zum Einsatz, die den Zuschauer nicht vor vollendet-blöde Tatsachen stellen, sondern vieles nur optisch anreißen, um so genügend Spielraum für kreative Ideen innerhalb des Kopfes zu lassen, in denen der eigentliche Wahnsinn vergraben ist, der sich beim Zuschauen abspielt.
Man sieht eben nicht, man vermutet, und das in Verbindung mit einem ernstzunehmenden Soundtrack, der diesmal eher vom Wiener Staatsorchester als von Winnibald von nebenan eingespielt wurde, hinterlässt bei mir respektvolle Eindrücke, die den Anschein erwecken, dass hier tatsächlich Geld dahinter steckt und kein Hobbyprodukt.
Selbst bei der “Auflösung” hat man mit Vorurteilen gespart und überlässt dem Zuschauer ebenfalls einen kleinen Interpretationsspielraum, was genügend Potenzial zum Nachdenken und Quatschen danach bietet und somit wiederum prächtig dafür sorgt, dass der Film eben im Gedächtnis bleibt und nicht im Sinnlosigkeits-Nirvana verschwindet.
Mir hat es nach langer Zeit mal wieder richtig Spaß gemacht, nicht für vollkommen bekloppt gehalten, sondern in eine Story geschickt zu werden, die anders ist und dennoch bekannte Stilmittel anderer Horrorfilme aufgreift und anreißt. Und das so sehr, dass ich mir den Titel sogar in die heimische Blu-ray-Sammlung holen würde, weil sich ein zweites und drittes Mal ansehen durchaus lohnen würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Genre ist an dieser Stelle vielleicht schwer zu beschreiben, da weder Gore noch klassischer Horror sein Unwesen hier treiben.
Dafür bekommt man beim Plot nicht eins aufs Dach und regt sich über so viel Unfähigkeit und senile Dummheit auf, die sonst in anderen Horrorfilmen an der Tagesordnung stehen, im Gegenteil: Hier wurde wirklich intelligent geschrieben und von den Darstellern überzeugend rübergebracht.
Wer sich danach ein Zelt schnappt und im Wald übernachten will, darf sich gerne bei mir melden – ich wäre nämlich sofort dabei!

 
Nachspann
ist anfangs ziemlich cool ins Theme des Films eingebunden, liefert aber dann keine weiteren Szenen oder Teaser für einen zweiten Teil. Ist vielleicht auch ganz gut so.

Paranormal Activity: Ghost Dimension (3D)

Es war mir – nicht zuletzt wegen der Aggressivität der Werbung – schon von vornherein klar, dass hier keine bahnbrechenden neuen Innovationen auf der Leinwand serviert werden, wenn man den finalen Todesstoß einer bislang 5teiligen Horror-Serie etablieren will.
Schon die Tatsache, dass die Trailer bereits in Kindervorstellungen (!) um 14:00 Uhr gezeigt wurden, sagte eigentlich alles über zu erwartende Momente aus, die einem im 6. und letzten Teil dieser Reihe begegnen würden.
Tja, was soll ich sagen: Es ist, wie befürchtet – eher noch ein kleines bisschen schlechter. Ging dir im ersten Teil noch richtig die Wumme, als hier und da mal ein zwei Ideen präsentiert wurden, zieht sich der letzte Teil eher lahmarschig vorwärts und bietet außer ein paar knalligen Soundeffekts nichts wirklich bewegendes.
Weihnachten, Geister, irgendwelche Dimensionen (wie der Titel unlängst vermuten ließ) und eine Story, die … nicht startet.
Ja, die Idee ist sensationell und hätte so richtig schön verarbeitet zu einem Horrorerfolg werden können. Was Blumhouse hier aber liefert, ist wohl eher nur Neugierbefriedigung, weil jeder wissen will, wie es endet – und das sang und klanglos ohne jedwede Begeisterung.
Ist das die neue Form von Kino? Man wirft einen Erfolg auf den Tisch, produziert daraus Filmreihen, die sich jeder nur noch anschaut, um zu wissen, dass es tatsächlich so schlecht ist, wie die Kritiker sagen? Ich hoffe nicht.
Spannend: Im Kino wird extra darauf hingewiesen, dass die 3D-Effekte stilistisch gebraucht wurden und daher erst nach 15 Minuten einsetzen. Armutszeugnis?
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist: Paranormal Activity: Ghost Dimension kann man sich getrost schenken, insofern man gänsehautproduzierende Horrorfilme mag.
Schade eigentlich, denn die Trailer-Idee ist wirklich reizend und hätte so genial zu großartiger Unterhaltung mit Gänsehautfaktor umgewandelt werden können.
So bleibt ein Streifen, nach dessen Ende man sich kopfleer anschaut und fragt, was das jetzt eben war .. und wieso. Antworten darauf bleiben die Macher uns wohl auf ewig schuldig.

 
Nachspann
… gibt es keinen, rennt euch aber nicht über den Haufen, wenn ihr aus dem Kino stürmt.

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