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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Birds of Passage

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Birds of Passage hört sich erstmal nicht wirklich spektakulär an, hat mich aber zutiefst beeindruckt und fast wortlos zurückgelassen.

Dieser Film erzählt eine Story, die große Anfänge beschreibt, von denen Hollywood und die Allgemeinheit nicht sonderlich viel wissen (wollen), die aber so epischen Ausmaßes sind, dass sie zurecht als “indigener Pate” beschrieben werden: Hier kracht eine monumentale Erzählerwucht auf die Zuschauer ein, die verblüfft und entsetzt.

Dabei werden tiefe Wahrheiten ausgegraben, historische Gegebenheiten beleuchtet und Licht in dunkle Ecken gebracht, aus denen direkt das Quell allen Übels hervorgeht und weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden können, die verwurzelt bis in die heutige Zeiten ihr Unwesen treiben und die Menschheit in Ketten legen.

Und nicht nur im Plot liegt eine tragreiche Schwere, sondern auch in punkto Kameraarbeit hat man sensationelle Arbeit geleistet, die wirklich zutiefst beeindruckt: Die Bilder betören schon fast und muten mit einer faszinierenden, fesselnden Eleganz an, die in höchstem Maße bestaunenswert ist. Birds of Passage ist hohe Kunst, die das pure Gen der Wahrheit in sich birgt und verstörende und zugleich bildungsreiche Einblicke in das Wesen der Menschheit liefert.

Hier sollte man zwingend zuschlagen, ganz gleich, welches Kino ihr dafür ins Visier nehmt – Hauptsache der Film steht auf dem .kinoticket.

.kinoticket-Empfehlung: Monumental erzähltes Epos historischer Beginne einer krankhaften Kultur, die bis in die heutige Zeit reicht.

Dabei verblüfft nicht nur der Inhalt, sondern auch Bild, Kameraführung und das gesamte Setting drumrum: Hier wurde sagenhafte Arbeit geleistet, die zumindest mit einem .kinoticket honoriert gehört.

Reingehen!

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pájaros de Verano
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Asphaltgorillas

Buck, dem wir u.a. die Bibi und Tina-Filme zu verdanken haben, hat sich auf die Straße gewagt und einen Rennfilm gemacht. Dachte ich. Als ich auf Facebook die Titelabfrage gelesen habe und mitentschieden, wie der Film nun endgültig heißen soll.
Asphaltgorillas war auch meine finale Entscheidung gewesen, was ich allerdings, seit ich diesen Film gesehen habe, nun doch bereue. Nicht, weil der Filminhalt schlecht ist, sondern weil der Titel nun eben doch nicht so optimal passt und ein anderer Vorschlag besser gewesen wäre. Der Inhalt ist nämlich völlig entgegengesetzten Erwartungen gerecht geworden.
Aber mal der Reihe nach. Film kann Deutschland ja erst seit neuestem, nicht zuletzt das Teenie-Machwerk Das Schönste Mädchen der Welt überzeugt mit einer technischen und vor allem inhaltlich- und sprachlichen Eleganz, wie man sie von deutschen Filmschaffenden eigentlich sonst nicht kennt. In etwas älterer Vergangenheit gab es schon einmal “Frankfurter Milieu”-Filme, die ebenfalls ganz brauchbar sind – Nur Gott kann mich richten ist da nur ein Beispiel davon.
Man arbeitet sich also langsam nach oben und merkt, dass ernsthaftes Kino durchaus seine Abnehmerschaft findet und man sich gerne auch ohne auf zwanghaften Humor setzen zu müssen hinter die Kamera stellen und Filme drehen darf.
Hat Buck gemacht. Und irgendwie packt einen der Film ob seiner technischen Raffinesse und Eigenart doch relativ schnell. Auf eine seltsame Art und Weise. Natürlich muss man konform gehen mit den schon im Vorfeld plakativ präsentierten Darstellern, muss eine gewisse Vorliebe für solche Filme mitbringen und sich dann im Kino auch willentlich darauf einlassen, meine vorurteilenden Zweifel habe ich jedenfalls relativ schnell abgelegt.
Das Problem bleibt meiner Meinung nach eher beim Titel hängen, der – so ganz ohne Vorwissen und .trailer nun eben doch etwas völlig anderes verspricht, als der Film schlussendlich liefert. Enttäuscht ist man deswegen aber trotzdem nicht, vor allem die Moves und Kämpfe im Film sind sehr durchgestylt und lassen viel Erfahrung und ästhetisches Geschick vermuten. Und dass in diese Richtung aus dem deutschen Filmeareal noch einiges auf euch zukommen wird, brauch ich ja nicht groß ankündigen, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist kein Rennfilm im klassischen Sinne, sondern ein technisch durchgestylter und plakativer Film, der das deutsche Kino wieder sehr stark aufwertet.
Lässt man sich auf die Schauspieler ein, kann dem “Frankfurter Film” einiges abgewinnen, findet man hier sehr schnell Freude. Und Kida Khodr Ramadan, mach bitte immer so weiter!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, es sei denn, man steht auf den Sound 😉
Kinostart: 30. August 2018

Crazy Rich

Beim Originaltitel Crazy Rich Asians denkt unsereiner im schönen Europa ja erstmal “Was für ein Schmarren” – und wendet sich, sofern keine Liebe zum asiatischen Kino vorhanden ist, elegant zur Seite.
Aus dem Grund hat man den Filmtitel auch geändert um dieser Fehlentscheidung ein wenig entgegen zu wirken, denn dieses Ding mischt zwar im “Wir möchten den asiatischen Markt erobern”-Feldzug mit, zählt aber zu den Titeln, die auch jeder Europäer einmal gesehen haben sollte.
Und ganz ehrlich: Der Film ist richtig gut! Das ganze Kino hat sich während der Vorstellung den Arsch abgelacht und seinen Heidenspaß dabei. Interessanterweise löst weder der Titel, noch das Plakat noch der .trailer eben dieses Gefühl aus, was ich bei einigen Probanden mittlerweile getestet habe. Einerseits erzählt man im .trailer wieder die halbe Geschichte, ohne dabei jedoch auf das Wesentliche zu kommen, andererseits hab ich zur Zeit das Gefühl, man hat generell kein Interesse mehr daran, gute Filmtrailer zu machen, sondern lässt einfach so per Zufall KI entscheiden, welche von den Szenen jetzt in den .trailer sollen.
Zumindest ist mir das schon häufiger begegnet, dass die Vorschauen sowas von selten dämlich waren und der Film hintendran dann richtig gut.
Crazy Rich macht hier keine Ausnahme und ist überhaupt nicht das, was man im Vorfeld vielleicht vermuten würde – und vor allem nicht, was man im .trailer verspricht, sondern einfach ein Film, der eine wunderbare Story erörtert und dabei auch noch eine wunderbare Moral in sich trägt, die sich im Laufe der Spielzeit gänzlich entfaltet.
Diese Pointe tut einfach nur gut und man spaziert am Schluss wieder aus dem Saal und hatte ein richtig gutes Filmerlebnis.
 

.kinoticket-Empfehlung: Begrabt eure Vorurteile und gebt diesem Titel eine Chance, er hat es echt verdient!
Hier schlummert wesentlich mehr unter der Decke, als anfänglich angenommen, was weder Plakat, noch .trailer offenbaren. Erst im Film merkt man, dass die Entscheidung zum Kauf eines .kinotickets eigentlich doch gar nicht verkehrt war und hat hinterher das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben – geht rein!

 
Nachspann
✅ ist ziemlich cool animiert, hält zwar keine weiteren Szenen bereit, aber betört durch geile Grafik.
Kinostart: 23. August 2018

Meine Tochter – Figlia Mia

Meine Tochter – Figlia Mia ist einer der Nischenfilme, die wohl nicht jeder auf einem Plakat oder in der Werbung gesehen haben dürfte: Wer auf diesen Titel stößt, muss schon gezielt danach gesucht haben.
Doch die Suche lohnt sich! Was hier vermittelt wird, hat sehr viel mit Einfühlungsvermögen zu tun. Man wird entführt in eine wunderbare Welt mit bezaubernden Landschaftsaufnahmen und der vorsichtigen Annäherung an die Psyche dreier Menschen, die ein gemeinsames Schicksal teilen. Die teils bedrückende Enge wird durch exzellente Kameratechnik sehr realistisch rübergebracht, was ich dem Streifen sogar teilweise etwas ankreide, da ich mir stellenweise nichts sehnlicher gewünscht hätte, als ein paar Totalen. Geschichtlich passt dies jedoch sehr gut und auch der Twist war überraschend gut.
In solch einer Vorstellung ist man so weit vom Mainstream entfernt, dass sich irgendwelche Vergleiche eigentlich gar nicht mehr lohnen, da alle irgendwo an den Haaren herbeigezogen wären, weshalb sich dieses Werk auch sehr schlecht einordnen lässt. Was jedoch nicht heißt, dass man hier nicht reingehen darf: Im Gegenteil: Ich empfehle es sogar, weil die Story zumindest mich sehr nachdenklich gestimmt und zu weiteren Gedankengängen angeregt hat, die wieder das Menschsein als solches im Mittelpunkt haben und dabei interessante Thesen aufstellen und ausleuchten.
Und zuguterletzt kann man sogar sagen, dass man es ein klein wenig mit einem “Sonnenscheinchenfilm” zu tun hat, der durch ganz viele optische und liebevolle Momente punktet und hier den Zuschauer erstklassig unterhält. Langweilig wird dabei sicher niemandem!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unvergleichbar, absolut mainstreamfremd und damit einzigartig: Diese Geschichte sonnt sich in ihrer eigenen Eleganz und erzählt auf beflügelnde Weise eine teils harte Story.
Man muss schon gezielt danach suchen, wird nach solch einem Kinostück aber gewiss nicht enttäuscht nach Hause gehen – also .kinoticket kaufen und rein da.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018

Alles Geld der Welt

Alles Geld der Welt hat bereits in den Medien mit jeder Menge internationaler Aufmerksamkeit von sich reden gemacht, die ich jetzt nicht mehr großartig ausführen möchte – allerdings lasse ich mir nicht die Chance entgehen, hier mal einige Spekulationen zu beenden, die in meinen Augen oft nicht richtig im TV wiedergegeben werden:
Wir alle wissen, dass Kevin Spacey wegen diesen Vorwürfen aus der Produktion geschmissen wurde, damit – so die offizielle Pressemitteilung der Filmemacher – “… die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.”
Fakt ist, dass Christopher Plummer schon von Anfang an die erste Wahl von Ridley Scott gewesen ist und sich die Studios im Nachgang für Kevin Spacey entschieden haben, da dieser als Oscar®-Preisträger eine wesentlich höhere Bekanntheit hatte und vermutlich mehr Zuschauer in die Kinos gelockt hätte.
Tatsächlich hat man sich deshalb gegen den Willen der Macher für ihn entschieden, bis dann die Vorwürfe auftauchten, die Scott seinerseits dazu nutzte, den von ihm schon anfangs favorisierten Christopher Plummer einzusetzen, was in meinen Augen definitiv die richtige Wahl gewesen ist.
Dies führt mich zu zwei Punkten: Einerseits erkennt man hier – in einem Film, in dem es perverser Weise um Geld geht – mit welchen Mitteln tagtäglich in Hollywood gearbeitet wird, um eigentlich sensationelle Gedanken und kreative sowie künstlerische Prozesse so niederzubügeln, dass sie an einen kalten, emotionslosen Markt angepasst sind und möglichst viel Geld in die Kassen spülen, was sich als negatives Beispiel an sich selbst rächte, da genau der gewünschte Vorteilseffekt durch die unentschuldbaren Anschuldigungen jetzt ins Gegenteil verkehrt wurde und man jetzt paradoxerweise Angst davor hatte, dass die Zuschauer den Film gerade deshalb boykottieren.
Andererseits ist es ein Paradebeispiel dafür, woran Hollywood schon seit Jahren erkrankt ist: Junge, talentierte, erfahrene und fähige Menschen trumpfen mit tollen Ideen, klasse Erfindungen, filmischen Interventionen und anderen brauchbaren Möglichkeiten auf, die dann allesamt von den Studios in eine massentaugliche, langweilige und von allen Spitzen befreite Lahmarschigkeits-Maschinerie umgewandelt werden, die sich weder am künstlerischen Potenzial, noch an freigeistigen Ideen, sondern einzig und allein an einer perfekt optimierten Vermarktungsstrategie orientiert, der nichts mehr heilig ist: Nischen werden nicht mehr bedient, man möchte niemanden mehr vor den Kopf stoßen und opfert seine prätentiösen Möglichkeiten einer öffentlichen Zurschaustellung, die in einer desaströsen medialen Schlacht endet.
Bei Alles Geld der Welt ist jetzt eher unfreiwillig genau das passiert, was ich so vielen Filmen immer wünsche: Er wurde von den alles beherrschenden Gier-Mentalitäten der Publisher befreit und genießt nun auf einmal wieder ungestört das künstlerische Potenzial, dass sich Scott anfangs genau so ausgemalt hatte, wie es jetzt final auf der Leinwand zu bestaunen ist: Mit einem Christopher Plummer in Höchstform!
Ganz ehrlich: Ich habe den Titel bereits gesehen, als die Anschuldigungsvorwürfe noch ganz am Anfang standen und die Presse sich noch nicht wie die Geier über die Story hergemacht hatte und habe es – da ich Spacey als Schauspieler höchst schätze, weil er einfach verdammt gut spielt – verflucht, dass man jemand so talentierten wegen dieser Scheiße nun von der Leinwand verbannt … obwohl es definitiv gerechtfertigt ist und dieser Schritt absolut richtig war.
Beim Sichten habe ich jede Szene mit Plummer dann gedanklich auf Spacey übertragen und mich gefragt, wie er das gespielt hätte … oder allein, wie es mit seiner Stimme geklungen hätte – und da war ich bereits zu Beginn vollkommen davon überzeugt, dass niemals in der Geschichte jemand anderes als Plummer diese Rolle hätte spielen dürfen, weil Spacey dafür einfach der absolut falsche Mann gewesen wäre.
Man merkt so sehr, dass Plummer die Rolle so sehr auf den Leib geschrieben ist, da er als Person auch viel mehr an den echten Paul Getty rankommt. Ich meine, eine direkte Golden Globe-Nominierung spricht ja auch Bände.
Was ich nun bedenklich fände, wäre, wenn die Öffentlichkeit diesen Film aufgrund seiner medialen Skandal-Ambivalenz ignorieren würde, weil einfach schon zu viel darüber geredet wurde, denn das hat er nicht verdient.
Im Gegenteil: Die Botschaft des Films sollte mehr unters Volk verteilt werden, da man hiermit einen völlig neuen Blickwinkel auf Geld und Reichtum angetreten hat, der meiner Meinung nach absolut sehenswert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Plummer war von Anfang an gewünscht und ist kein Ersatz, sondern die erste Wahl – er spielt perfekt und macht aus dem Film etwas Großartiges!
Die skandalträchtigen News rund um diesen Film sollte man einfach beiseite schieben und sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich, sich diesen Film auf die .kinotickets drucken zu lassen und ihn in einem Kino seiner Wahl zu besehen! Es lohnt sich – versprochen!

 
Nachspann
Nicht sitzen bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

High Society

Da hab ich das deutsche Kino kürzlich noch so überdramatisch gelobt für seine neue Richtung, die es jetzt lobenswerterweise geht und die auch beim Publikum wie mir absolut anschlägt, schon steht das nächste Negativbeispiel auf dem Plan, weswegen ich mir mit der Rezension zu diesem Titel auch ein wenig Zeit gelassen habe.
High Society steht wieder für deutsche Comedy, wie ich sie aus allen Poren verachte. Sorry, Leute: Das ist einfach nur ein billiger Griff ins Klo. Unwitzig, belanglos, langweilig. Einzig Jannis Niewöhner macht eine einigermaßen gute Figur und behält in seinem Part bei diesem Trauerspiel wenigstens noch ein wenig seine Würde, der Rest gehört für mich schon per se zur verachteten Spezies – nicht zuletzt, weil ich genau dieser “High Society” absolut nichts abgewinnen kann und es abscheulich finde, wie man hier beispielsweise mit dem Leid anderer umgeht und dazu meint, die Menschen “unterhalten” zu können auf Kosten solcher Menschen.
Den Darstellern gehört für diese Rolle allen mal mächtig der Arsch versohlt, um zu zeigen, dass so etwas absolut nicht unterstützt werden sollte, sondern man sich mit viel mehr Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit solchen Thematiken widmen sollte. Denn die eigentliche Absicht, hier den Zwist darzustellen, die beide Klassen in der Gesellschaft spaltet, geht in der Lächerlichkeit der Darstellung komplett unter und darum versagt auch jedweder Versuch von Moral und Lehrreichtum in diesem Stück.
Und auch im restlichen Saalpublikum wurden eher Aufrufe wie “Oh mein Gott, nicht dein Ernst” laut statt dass die Szenen mit Lachern gefeiert wurden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein armseliges Beispiel dafür, dass die Zeit für deutsche Komödien abgelaufen ist.
Die Zuschauer fanden’s nicht witzig, ich auch nicht und man fühlt sich peinlich beschämt, wenn man den Lifestyle und das Benehmen der High Society in diesem Film sieht und sich dazu so seine Gedanken macht.
Sorry, sowas geht absolut gar nicht!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen, man darf also beim Abspann gleich nach draußen.
Kinostart: 14. September 2017

Casino Undercover

An alle, die beim Namen Will Ferrell einen Brechreiz kriegen: Ich fühle mit euch. Ich hasse den Typ und seine stupide Dummheit in seinen ständigen Rollen.
An alle, die bei Amy Poehler denken: Oh mein Gott, was für eine talentlose Frau, die in ihrer Erbärmlichkeit aufgeht und vor aller Welt beweist, was für armselige, lächerliche Schauspielerin sie ist: Ja, ich habe bei fast allen Filmen von ihr so gedacht.
Und ich lege euch wärmstens ans Herz, ab 6. Juli 2017 in Casino Undercover zu gehen.
Hauptdarsteller/in: Will Ferrell und Amy Poehler.
Was geht jetzt?
Ähm – so richtig begreifen kann ich es selbst noch nicht, was da passiert ist. Ich habe nicht mal bei den Minions so viel lachen müssen, wie vorgestern in Casino Undercover, als sich Ferrell und Poehler gegenseitig die Bälle zuspielten und ein Gagfeuerwerk entfesselten, dass seinesgleichen sucht.
In Zusammenarbeit mit Jason Mantzoukas erreichen die zwei hier Höhen, die unglaublich sind! Nicht nur, dass man es wohl endlich einmal geschafft hat, eine Komödie zu kreieren, die meinen Comedy-Hass galant beiseite stößt und mich für das Werk schwärmen lässt, sondern auch das Austarieren zwischen Unmöglichkeit und Überzogenheit hat hier in perfekter Weise geklappt. Man ist verrückt, durchtrieben, überdreht, wahnsinnig und voll auf dem Trip, schafft es aber trotzdem nicht, in irgendwelche Löcher abzurutschen oder es mit billigen Jokes zu versemmeln.
Im Gegenteil: Die meisterhaft geschnittene Schnelligkeit beweist, dass in den Drehbüchern des Films sehr wohl extrem viel Inhalt und wenig Zeit für Streckungen oder ähnliche Zeitschindereien gewesen ist, sondern man sich rühmlich auf das Wesentliche konzentrieren wollte und alles Lahmarschige dafür weggelassen hat.
Gott sei’s gedankt, denn so einen Film hätte man auch gerne gute 2 Stunden ausgehalten. Diese Entscheidung, hier tatsächlich nur mit knapp 90 Minuten zu spielen, zeigt einmal mehr das könnerhafte Verständnis für extravagante Filme der Macher.
Und im Ernst: Ich hasse diesen ganzen Komödienmist, von dem immer alle meinen, er sei “lustig” und der irgendwelche blöden Schulhofjokes feiert, als sei Gott persönlich vom Himmel herabgestiegen. Ich hasse es.
Und ich liebe diesen Film. Nachdem der gestern aus war, waren meine ersten Worte:
“Das ist mit Abstand der beste Film, den Ferrell jemals gedreht hat und das mit Abstand beste, was Poehler jemals aus sich gemacht hat.”
Und ich stehe dazu – ich liebe ihn. Ich ziehe ihn allem anderen “lustigen” vor und verweise jeden darauf, definitiv diese Vorstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Obwohl man eigentlich nicht lachen will, weil es zu “dumm” ist, muss man lachen – und es bleibt auch keine Zeit, sich auszuruhen, sondern man hat eine Szene noch nicht ganz verdaut, während man bereits in den nächsten vieren gefangen ist und auch da wieder zum Lachen gezwungen wird.
Leute im Ernst: Casino Undercover geht damit für mich in die Geschichte ein als allererster Film, den ich als Komödie wirklich für absolut gelungen bezeichne. Und damit meine ich einfach alles. Die Besetzung, die Dramaturgie, die Konversationen, die Einfälle, die realistische Glaubwürdigkeit innerhalb eines Metiers, dass extra für diesen Film geschaffen wurde, den Schnitt, die Musik, die Kostümierung, die Profilzeichnung – einfach alles!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zutiefst beeindruckt ziehe ich meinen Hut und gebe zu: Es gibt doch eine Komödie, die ich restlos feiere und vor der ich mich tief verneige: Casino Undercover.
Hier stimmt einfach alles – und die Dichte der Gags, die allesamt (!) gelungen sind und nirgendwo unter die Gürtellinie oder sonst wie abrutschen, ist überirdisch.
Geht da rein und erlebt ein einziges Mal, was es wirklich bedeutet, einen lustigen Film zu sehen – alles andere stinkt dagegen wirklich nur ab.

 
Nachspann
Läuft keiner, nur Text. Rausgehen ist also erlaubt.
Kinostart: 6. Juli 2017

Abgang mit Stil

Und wieder einer der Filme, in dem es um …. Achja, ich wollte ja nicht spoilern, jedoch fällt mir enorm auf, wie wichtig und präsent dieses Thema die letzte Zeit durch alle Medienkanäle geistert und auch von Hollywood als thematisch relevanter Stoff mit Freuden verarbeitet und durchexerziert wird.
Wer’s gar nicht aushält, schaut halt den Trailer und nimmt sich damit schon mal einen Großteil der Freude vorab weg – ich rate davon eher ab und empfehle lieber, direkt die freien Ostertage zu nutzen und eines der Kinos zu besuchen, die diesen Film neben Fast & Furious 8 zeigen (den man natürlich ebenfalls gesehen haben muss!).
Ich glaube, die Spitzenbesetzung mit CaineFreeman und Arkin löst auch so schon jede Menge Sympathiebekundungen in den Köpfen der Leute aus, und ihre schnippische und andere Art zeigt etwas von dem, dem sich in Zeiten wie diesen viele gegenübergestellt sehen und womöglich darunter leiden.
Ihre ausgeführte Konklusion ist zwar keinesfalls realistisch oder als mögliche Nachahmertat zu empfehlen, der sprudelnde Esprit und die humoristische Verpackung sorgen aber für galante 96 Minuten Kurzweil, wenn auch mit kurzen Hängern.
So wird man ganz im klassischen Stil für ein paar Momente aus seinem Alltag gezerrt und in fremde Welten entführt, in denen alles möglich zu sein scheint.
Die Stelle, an der mich der Film dann richtig gepackt hat, war die, als langsam klar wurde, worum es hier wirklich geht. Ich möchte gar nicht mal so viel vorwegnehmen. Schon allein wegen der Botschaft möchte ich einfach jeden Einzelnen ohne Vorbehalte da rein schicken und euch mit auf den Weg geben: Achtet darauf, nicht nur im Film, sondern in eurem Leben. Sorgt euch darum, denn am Schluss wird nichts anderes mehr außer das da sein.
Und Rückblickend – mit Ziel auf diese finale Erkenntnis – ist der Film generell gespickt mit Hinweisen und Offenbarungen, die genau das unterstreichen und unterstützen – und diese Nachhaltigkeit, mit der man zum Schluss diese Erkenntnis ins Gedächtnis hämmert, hat mir sozusagen den Rest gegeben und mich ganz tief drin berührt.
 

.kinoticket-Empfehlung:Man verbirgt ganz viele kleine, wunderschöne Dinge in einer Welt, die für sich schon wieder als liebenswürdig angesehen werden kann und richtet ein emotionales Fest aus, bei dem Lacher und tiefe Betroffenheit nicht weit voneinander entfernt sind.
Was ich befürchte, ist, dass der Film neben den Epos-Krachern untergeht, die gerade im Kino laufen und hoffe natürlich darauf, dass sich möglichst viele ein weiteres Mal dazu aufraffen, um genau diese Vorstellung hier zu besuchen, denn dieses .kinoticket gilt noch lange als wegweisendes Erinnerungssouvenir für’s eigene Leben.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also wieder aus dem Saale hinausspazieren.

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Das Thema Alter ist für viele Menschen nicht unbedingt mit positiven Assoziationen verbunden. Daher ist es auch nicht wenig erstaunlich, dass bereits im Büchermarkt der Vorgänger dieses Films ein Bestseller wurde, da viele Menschen durch die aufgeweckte und lustige Art des Hauptdarstellers inspiriert und zu ein wenig mehr Leichtigkeit im Leben eingeladen werden.
Die Fortsetzung dieses Films basiert diesmal nicht auf einem Buch, sondern entspringt aus dem Enthusiasmus und der Begeisterung der Regisseure über das Universum des alten Mannes. Die beiden haben sich hingesetzt, und eine Fortsetzung gesponnen, die seine Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Dabei die richtigen Nuancen zu treffen und den Schauspielern zu sagen, dass sie nicht witzig sein sollen, obwohl sie in einer Komödie sind, war sicherlich eines der schwierigeren Aufgaben. Denn der Film mutet genau in diesem Stil an: er besticht durch seinen unterschwelligen Humor und seine herzensgute und bodenständige Art, die keineswegs abgehoben oder super speziell ist.
Man verliebt sich sofort wieder in die alten Charaktere, hat jede Menge Spaß bei den neuen Abenteuern und beschäftigt sich eingehend mit der Planbarkeit des Lebens. Zu sehen, wie dieser alte Mann von einem Abenteuer ins nächste stürzt, macht nicht nur vor der Leinwand richtig Spaß.
Mit seinen 101 Jahren ist Allan Karlsson mit Sicherheit nicht nur eine Inspiration und Vorbild für die ältere Generation, sondern die liefert auch genügend Lebensenergie für Junggebliebene.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand liefert beste Unterhaltung, wartet mit spritzigem, unterschwelligem Humor auf und entführt erneut in die skurrile Welt eines über 100-Jährigen.
Das Anschauen macht Spaß, es gibt jede Menge zu lachen, und man hat als Zuschauer garantiert einen unterhaltsamen Abend.

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende darf man aus dem Saal verschwinden, hier kommt nichts weiter mehr.

Monster Trucks (3D)

Hinweis zur Sneak Preview
In der Sneak lief diese Woche der Film LION – Der lange Weg nach Hause, den ich hier bereits bewertet habe. Daher geht es heute mit dem regulären Kinoprogramm weiter.

Wer den Trailer des Films gesehen hat, kennt eigentlich fast schon die ganze Geschichte und kann sich den Besuch im Kino fast sparen. Es sei denn, man ist weiblich und dem Hauptdarsteller verfallen oder hat einen Faible für kids-like Transformers-Action, denn dieser Eindruck wird im Trailer vermittelt, dass man hier die Kiddieversion der größeren Blechbrüder abgedreht hat.
Allerdings wäre es an dieser Stelle wohl ein Fehler, wenn ich gewisse Abstriche nicht erwähnen würde.
Da wäre zum einen die Animation, die mich stark an die frühen Stephen King-Verfilmungen erinnert und mehr so in Richtung Der Nebel deutet als sich tatsächlich an den scharf-brillierten Bildern der Transformers-Reihe auszurichten. Dafür war wohl das Budget nicht ganz ausreichend.
Womit ich auch etwas größere Probleme hatte, war die Idee, die im Grunde ja eigentlich gar nicht schlecht, dafür aber im Film so dermaßen unglaubwürdig umgesetzt wurde, dass die gesamte Story zur Lachnummer mutiert als mit einer aus der Norm ausbrechenden Geschichte zu begeistern.
Man kauft den Darstellern ihre Drehbuchtreue im gesamten Film nicht wirklich ab. Und in Verbindung mit den gewöhnungsbedürftigen Animationen kommt dann während dem Schauen durchaus mal Langeweile auf.
Ich könnte jetzt aber auch nicht wirklich sagen, woran es genau hapert: Irgendwo passen die im Film vereinten Welten wohl nicht ganz zusammen oder der Mensch als solches hat Probleme damit, diese beiden Elemente miteinander zu verbinden, weil man sein ganzes Leben dahingehend programmiert wird, dass genau das eigentlich nicht zusammen gehört.
Wie dem auch sei – diese Disharmonie schwingt den ganzen Film über im Raum und bereitet zumindest denkenden Zuschauern gewisse Kopfschmerzen.
Gegen Ende wird man dann tatsächlich noch mit etwas Drive, Action und ungewöhnlichen Szenen belohnt, die den Kinogang als Ganzes meiner Meinung nach aber auch nicht rausreißen.
Nochmal anschauen würde ich mir den Film auf keinen Fall, dann lieber die richtigen Transformers-Filme raus kramen und die zum 4978sten Mal anschauen!
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Zielpublikum scheint auch hier wieder in den pubertären Bereichen angesetzt zu sein, denn bei Älteren zieht man mit dieser Idee wohl kaum mehr Begeisterungserscheinungen aus den Gesichtern.
Das 3D kann sich dafür stellenweise wirklich sehen lassen und ist – sofern man sich für diese Vorstellung entscheidet – tatsächlich sein Geld wert.
Ansonsten würde ich diesem Film das Label “Transformers-Discountfilm” verpassen, der es in meinen Augen ziemlich auf den Punkt bringt.

 
Nachspann
Hier wurde auch bis zum Ende mit 3D-Animationen gearbeitet, die die wahrlich gute räumliche Umsetzung aus dem Film konsequent fortsetzen. Wer sich die bunten Bildchen sparen will, darf aber gerne schon vorher aus dem Saal – das Warten auf eine weitere Szene ist auch hier vergeblich.

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