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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats

Of Fathers and Sons

© 2019 Port au Prince Pictures GmbH

Talal Derki hat’s getan: Sein Leben riskiert, eine falsche Identität angenommen, andere Verhaltensweisen einstudiert, sich als jemand ausgegeben, der er nicht ist, sich mit Kamera über 300 Tage in der “Friendzone” einer Familie der al-Nusra-Front eingenistet und deren Alltäglichkeiten gefilmt.

Dieser Coup brachte ihm bereits 17 Preise, 19 Nominierungen sowie eine Oscar-Nominierung ein.

Und die ganze Welt hat nun die Chance, den “Fehler” der Academy wieder auszubügeln und diesen immens wichtigen Film dennoch zu schauen – denn der macht viele Diskussionen überflüssig.

Und kein Film dieser Art hat mich bisher mehr beeindruckt, als dieser.

Der Stoff ist harter Tobak. Extrem harter Tobak. Man wird mitten in die Dinge geworfen, die einem kein Medienvertreter zeigen, kein TV-Sender zur besten Sendezeit präsentieren kann, denn in diese geschlossenen Gelage dringt gewöhnlich niemand vor, ohne dabei seinen Kopf zu verlieren. Talal Derki hat seinen noch, aber auch nur, weil er in der Lage dazu war, sich als Sympathisant dieser grausamen Machenschaften auszugeben und dabei nicht aufzufliegen.

Das Material, das hier gesammelt und ungeschönt vorgeführt wird, wurde unter Einsatz seines Lebens zusammengetragen – und ich hab keine Ahnung, ob ich persönlich dazu in der Lage gewesen wäre, mit solchen Menschen zu speisen, zu beten, zu leben … über 300 Tage lang. Wohl eher nicht.

Umso mehr Respekt verlangt diese Tat mir ab, umso mehr verbeuge ich mich vor dem Risiko, dem sich dieser Regisseur gestellt hat – eine Welt zu erkunden, über die man im “Wilden Westen” unserer Breitengrade eigentlich wenig weiß.

Als jemand, der das Leben schätzt, der gleichzeitig aber auch alle Menschen erst einmal respektiert und in ihrer Kultur und ihren Bräuchen toleriert und der zugegebenermaßen keinerlei Ahnung vom Islam, IS, Terrorismus und Co. hat, weil mich das Thema bis dato offen gesagt nur “tangiert”, aber niemals aufmerksam interessiert hat, habe ich beim Sichten dieses Films nahezu Schockzustände bekommen, denn die bittere Wahrheit dieser Personen kommt in diesem Film abartigst zum Tragen.

Und ich verneine solcherlei Absichten, Durchführungen, Weltanschauungen und Taten aufs Schärfste, denn für solches Gedankengut kann und darf man keinerlei Verständnis und Toleranz aufbringen… und es ist mir bis jetzt immer noch ein Rätsel, wie dieser Regisseur in solch einem Umfeld ruhig bleiben konnte.

Of Fathers and Sons geht aber nicht um Abartigkeiten, sondern nimmt sich einer noch viel größeren Aufgabe an: Nämlich ein Bild zu zeichnen, dass nicht Schlag auf Schlag verurteilt und grausame Gräueltaten zur Schau stellt, sondern das Verhältnis eines Vaters zu seinen Söhnen darzustellen, die in dieser krankhaften Welt aufwachsen und mehr oder weniger gar keine Chance dazu haben, anderes Gedankengut kennenzulernen oder zu spüren, was echte Liebe überhaupt ist.

Das rechtfertigt überhaupt nichts, schafft aber sehr viel Denkstoff, zukünftig solche Personen anders zu bewerten und ihnen die “Menschlichkeit” nicht vollständig abzusprechen. Wie wärst du, wenn du so einen Vater hättest und dir keine Auswege blieben, um dich anders zu entwickeln? Was würdest du tun?

Fragen, die ich niemals beantworten möchte …

Das eigentlich grausame daran ist, dass es für diese Menschen normal ist, so zu handeln, so zu leben, so zu denken und ihre Beweggründe aus einer tiefen Überzeugung heraus geschehen, die man ihnen womöglich noch nicht einmal vorwerfen könnte – as said: Was würdest du in dieser Situation tun?

“Auf keinen Fall Menschen umbringen” ist an dieser Stelle keine Antwort, denn diese Konsequenz ist bereits aus westlicher Erziehung innerhalb einer Demokratie entstanden und nicht auf dem eigenen Mist gewachsen…

Ihr merkt: Es ist soooooo wichtig, dass ihr diesen Film seht. Und es gibt tatsächlich Möglichkeiten, dies in einem sicheren Rahmen zu erledigen, denn die Kinovorstellung weiß, worum es geht und kennt die “Rahmenhandlung” drumrum, während bloßes Ausstrahlen auf einem Fernsehsender womöglich bei Menschen, die “mitten rein zappen” zur bloßen Verstörung führen könnte, denn hier wird unkritisch berichtet und einfach draufgehalten… mit dem allseits vorhandenen Anfangswissen “Er kann nicht anders.”

Keine Kommentare, keine Erklärungen, keine kritischen Fragen, sondern das hungrige Draufstürzen auf diese krankhaften Wahnvorstellungen, die eine Welt offenbaren, die – wie oben erwähnt – viele Diskussionen beendet und überflüssig macht.

Und das macht Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats zu einem brutal wichtigen Werkzeug im Rahmen der Aufklärung über Kultur, Brauchtum, Gedankengut und Handlungsweisen, weil es kein Blatt vor den Mund nimmt und weil es das vorführt und bloßstellt, das hierzulande niemand zu Hauf zu Gesicht bekommt und von dem viele gar nicht erst sprechen, weil sie sich selbst entblößen und sich ihrer eigenen Grundlage berauben würden, die sie so vehement verteidigen.

Der Film ist aber kein Moralstück, dass zum Hass und zum Völkermord aufruft oder in mannigfaltiger Art und Weise denunziert und demütigt, sondern es ist eine Flut von Aufrichtigkeit und Vervollständigung, die ein Bild gänzlich beleuchtet und darum höchst wertvoll im Umgang mit diesen Themen bei Diskussionen und Konfrontationen ist, denen sich die westliche Welt immer häufiger aussetzen muss.

Und glaubt mir: Ihr wollt dieses Ding nicht auf Netflix im Bus oder irgendwo auf der Straße schauen, eure Blicke würden immer mehr über eure Schultern wandern und ihr würdet irgendwann vermutlich vor Scham und Angst abschalten, denn wenn euch jemand darauf ansprechen würde, kämt ihr in große Erklärungsnöte.

Harter Tobak.

Und was sich da festsetzt, was man da sieht, was sich zusätzlich im Kopf abspielt und was letztendlich der Regisseur vor seinen Augen gesehen und teilweise (Gott sei Dank) nicht gefilmt hat – ich hoffe, dass der FSK 12-Antrag scheitert und es eine 16 wird – und jeder, der dieses Alter erreicht hat, dazu aufgerufen wird, dieser Pflicht nachzugehen und diese Inhalte zu konsumieren, um sich – ganz automatisch – damit auseinanderzusetzen und die Dinge zu bewerten.

Ganz ehrlich? Der Text ist jetzt schon viel zu lang und ich hab noch lange nicht das Gefühl, euch auch nur annähernd gesagt zu haben, was ich zu diesem Titel gerne los werden möchte: Hier habt ihr es auf jeden Fall mit einem Ausnahmewerk zu tun, dass die Nominierung verdient und den Oscar erhalten hätte sollen. Das Niveau wurde bei weitem überstiegen.

.kinoticket-Empfehlung: Schockierend, brachial, erschütternd und gnadenlos: Dieser Film wurde unter dem Risiko gedreht, das Leben des Regisseurs von Heut auf Morgen zu beenden.

Es ist ein Ausnahmezustand, der so viel Kraft, Mut und Courage erfordert, um so etwas fertig zu bringen, die tatsächlich kaum jemand besitzt, sonst hätten wir längst viele dieser Dokumentationen. Das Niveau ist Oscar-würdig, die Einsichten zerschlagen deinen Geist und die Erkenntnisse zertrümmern dein Weltbild mehrfach in Gänze.

Harter Stoff, Bilder im Kopf und Herausforderungen, denen manche womöglich nicht gewachsen sind, die aber eine dringliche Wichtigkeit und Warnung an alle beinhalten, die sich mit solchen Themen auseinandersetzen und die grundsätzlich dabei helfen, Terror und Hass zu verstehen und damit umzugehen.

Was der Film kann, dazu bin ich nicht in der Lage, darum reiche ich euch einfach ans Kino weiter: Ich weiß, ihr werdet anders wieder raus kommen, als ihr reingegangen seid. Promise!

Nachspann
❌ muss nicht abgewartet werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Of Fathers and Sons
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12 (beantragt)

Mid90s

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Jonah Hill ist mir zum ersten Mal in Superbad aufgefallen, einer ziemlich schrägen Komödie über das Erwachsenwerden. Ich hätte mir zwar nie träumen lassen, dass dieser Junge mal Regie führen würde, aber es ist nicht weit hergeholt, dass gerade ein Typ wie er derartige Themen angeht und hier mit seinem Regiedebüt gleich einen absoluten Volltreffer landet.

Mid90s beschäftigt sich mit dem, was benannt wird und zieht dabei seine Kreise über einem Lebens-Genre, mit dem man entweder dermaßen zu tun hat, dass es quasi nichts anderes mehr gibt – oder meilenweit davon entfernt lebt und diese Szene als totgeglaubt abhakt. Beides ist nicht der Fall, sondern nur ein Extrem – und die Wahrheit liegt bekanntlich immer in der Mitte.

Umso erfreulicher, dass es nun einen Szeneneinblick gibt, der ein Milieu unter die Lupe nimmt, mit dem die meisten wohl nichts anfangen können. Das mag sich anfangs noch befremdlich anfühlen, läuft dann aber in ein heroisches Biopic einer ganzen Generation über und liefert so viel Tiefgang und Emotion. Genau das traut man dem Streifen anfangs überhaupt nicht zu, wenn man sich als „Outsider“ noch zurechtfinden muss und irgendwie nicht so richtig weiß, was das alles nun soll.

Salopp gesagt wird hier eine ganze Generation erklärt, die sich in der Welthistorie nie ganz nach oben gekämpft hat und heute mehr oder weniger immer noch das „Nischendasein“ feiert, wenngleich es unzählige Anhänger gibt, die man aber in der Stadt oder auf dem Land kaum sieht. Dass darin tausende Jugendlich immer noch „festhängen“ mag manchem nicht ganz klar sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch diese Generation ihr A Clockwork Orange bzw. ihr Shank braucht, um sich selbst zu erklären und zu definieren: Wir sind da – und wir gehen auch nicht so schnell weg.

Ein interessanter Aspekt ist an dieser Stelle das Alter, dass – so kann ich mir in der verrückten, politisch-angefressenen Welt sehr gut vorstellen – auch hier für viel Ärger und Häme sorgen könnte, da doch einige Dinge gezeigt werden, die zumindest fragwürdig sind und näherer Erklärungen bedürfen. Genau diese „Schocker“ sind es, die dem Werk eine gewisse Brisanz verleihen und aus ihm etwas Authentisches werden lassen, dass auch von Außenstehenden nicht mehr wegzudiskutieren ist.

Aber das möchte der Film auch nicht: Er hat es nicht nötig, mit anderen in Wettstreit zu treten und dem territorialen Kräftemessen beizuwohnen, sondern fügt sich in seelische Abgründe, die einen zum Schluss richtig packen und fast schon trunken wieder aus dem Saal entlassen. Der Paukenschlag sitzt tief und man ist zum Schluss ergriffen und erstaunt über den Tiefgang und die Würde, die man dabei behalten hat.

Nicht zuletzt begeistert aber der kleine Hauptdarsteller, der hier eine wirklich hammerharte Performance abliefert und damit viele andere vom Thron der Neuentdeckungen entlässt, um selbst den Platz einzunehmen und ihn – so hoffe ich – in Zukunft würdig auszufüllen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine epische Milieubeschau, die weder Tiefen, noch Provokation und Ängste scheut und auch in der Cast-Auswahl mutige Schritte geht: Debütfilme sind oftmals die Dinger, die ich richtig liebe und schätze (mit einigen Ausnahmen), und auch Mid90s reiht sich hier ein.

Es ist das Clockwork Orange der frühen 90er, dass hier sensitive Einblicke gewährt und den Zuschauer – ob Kenner oder nicht – in diese Gesellschaft einführt und tief darin verwurzelt. Absolut sehenswert!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Mid90s
Length: 85 Min.
Rated: FSK 12

Drei Gesichter

© 2018 Weltkino Filmverleih

Iran im Jahr 2018 – wir müssen, wenn wir wirklich ehrlich uns gegenüber sind, zugeben, dass wir eigentlich rein gar nichts über das Land wissen außer dem Schrott, der uns in den sensationsheischenden Medien über den Krieg zwischen den USA und dem Iran erzählt wurde (oder war‘s Irak – selbst das können die wenigsten auseinanderhalten).

Dieses Land hat auch Filme? Auch Kultur? Dort leben Menschen Tag für Tag, die an etwas anderem interessiert sind, als den Amis irgendwelche Waffen vorzuenthalten?

Ja! Über die Kultur und das „Innenleben“ dieses Staates wissen nur sehr wenige – und in meinem Umfeld und Einflusskreis rein gar niemand etwas drüber. Tatsächlich ist es aber so – manche mag das verwundern – dass dieses Land sehr viel mehr zu bieten hat, als das Paradebeispiel für die Achse des Bösen für den Rest der Welt darzustellen.

Im Iran gibt es auch viele Probleme und das alltägliche Leben ist für die meisten kein Zuckerschlecken. Und darüber erzählt Jafar Panahi etwas, der Buch geschrieben und Regie geführt … und als Besetzung auftritt, gemeinsam mit Behnaz Jafari, der gefeiertsten und berühmtesten Schauspielerin des Landes.

Ja, sie treten gemeinsam selbst auf und erzählen gewissermaßen „ihre eigene Geschichte“ anhand eines Portraits, das sehr tiefe, ehrlich-authentische und beeindruckende Einblicke in ein Land gewährt, das für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Cannes hat das Werk bereits anerkannt und die Goldene Palme für die beste Regie überreicht, jedoch ist dieses Stück so viel mehr! Unsereiner sieht vielleicht einen Film, der „echt ganz gut ist“, aber wenn man überlegt, wieviel Arbeit da dazugehört, in einem Land wie diesem als Frau in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen und welche kulturelle und politische sowie geistig-gesellschaftliche Vorarbeit notwendig ist, um erstmal für uns völlig banale Alltäglichkeiten herzustellen, dann ist es in tiefstem Maße beeindruckend, so etwas hergestellt zu haben.

Panahi mögen einige kennen über seinen vorherigen Film Taxi Teheran und mit Drei Gesichter zeichnet er erneut das Bild eines Landes in völlig verständlichen Farben auf einem hoch ansehnlichen Niveau für den Kinogänger in einer Weise, die im Gedächtnis haften bleibt und die es deshalb für mich zu den Filmen geschafft hat, die man definitiv gesehen haben sollte, um seine kulturelle Allgemeinbildung dahingehend erweitert zu haben.

Und hier zählt wirklich viel mehr als das wirklich rühmliche Offensichtliche – nämlich, welche künstlerischen Möglichkeiten und „Ausflüchte“ jemand in einem Land nehmen muss, um einfach „frei sprechen“ zu können: Vor diesen Schachzug verneige ich mich in Ehrfurcht und lege allen ans Herz: Besorgt euch .kinotickets, auf denen Drei Gesichter aufgedruckt ist – egal, wo. Hauptsache, der Titel stimmt!

.kinoticket-Empfehlung: Ein intimer Einblick in eine völlig unbekannte Wahrheit und Kultur eines Landes, über das nur sehr wenige genaueres wissen.

Die Figuren spielen sich alle selbst und dringen dabei in Gefilde vor, die wohl kaum jemand aus unseren Kreisen je erreichen dürfte: So präzise, fein austariert und künstlerisch auf höchstem Niveau hat mir bisher noch nie jemand einen kompletten Staat beschrieben. Großartig und zu Recht in Cannes ausgezeichnet! Rein da!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. Dezember 2018

Original Title: Se rokh
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

Venom (3D)

Dieser Film wird die Welt heilen. Er saugt all die Boshaftigkeit in sich auf, bringt die zerstörerische Wut unserer Generation in ein passendes Gefäß, lässt dieses explodieren und verteilt die genüssliche Wirkung von Rache, Feindseligkeit und Hass auf unsere Generation.

Diese Krankhaftigkeit, mit der unsere Zeit verseucht ist, bekommt hier ein Symbolbild und wird für Sehende verständlich auf die Leinwand gemalt.

Wer nicht mit Waffen draußen rumspazieren und seinem Ärger durch den Trigger Luft verschaffen will, kann dies völlig unschädlich jetzt auf der Leinwand auch einfach erleben: .kinoticket lösen, 3D Brille aufsetzen und dabei zusehen, wie Venom mit allem aufräumt.

Krieger dieser Welt, schnappt euch ein Pausenbrot, senkt eure Waffen, legt euch auf den Boden und lasst das Blut aus euren Wunden fließen: Ihr braucht vorerst nicht weiter kämpfen: Venom ist da!

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich: Pause! Zeit für sich. Zeit, seinen eigenen Schmerz zu erleben, weil man nicht ständig für andere stark sein muss. Da drin … steckt mehr, als Sony oder Marvel weiß.

Ich hab stundenlang danach immer noch Gänsehaut gehabt und ich bin mir ziemlich sicher: Die Welt wird diesen Film nicht verstehen. David, this is for you. Only.

Es klingen überall Befürchtungen an, dieses Werk sei scheiße. Okay, Sony hat in der Vergangenheit nicht immer nur Brüller rausgehauen und Marvel ist dieses Mal nur “in association with” dabei, aber selbst das reicht, um endlich alles richtig zu machen, was vorher mit Spider-Man in die Scheiße geritten wurde.

Es ist das erste Mal, dass Marvel einen Charakter “einkauft”, den sie nicht selbst erfunden und auf die Leinwand gebracht haben. Und die Vorgeschichte ist durch alle, die vorher mit ihren Dreckhänden dran gepackt haben, im Arsch. Marvel muss diesen Charakter also nicht nur retten, sondern auch viele Lügen und Betrug bereinigen, der inzwischen in den Köpfen der Menschen rumgeistert.

Die .trailer zum neuen Spider-Man leisten da schon großartige Vorarbeit und die zerstrittenen Comic-Seelen dürften nun langsam beginnen, ihren Frieden mit dem Major-Label zu schließen und ihre Augen weiter öffnen für alles, was da kommen möge.

Vor dem Wiederaufbau die Zerstörung. Erst alles kaputtschlagen, dann schauen, was überlebt und neu hinstellen. Great American Spirit. Venom ist für’s Kaputtschlagen da und ich hoffe und bete immer noch, dass wir davon eine Trilogy bekommen werden, denn: Dieser Film wird unsere Welt heilen.

P.S: Schaut ihn euch in OV oder OmU an, die deutsche Synchronisation ist zwar ganz passabel, der Voice-Cast für Venom erfreulich düster und auch Tom Hardy‘s geile Performance wurde toll gemastered, allerdings sind einige Jokes im Englischen mit wesentlich mehr Profil gesegnet.

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist nicht zwingend notwendig, den Film anzusehen dafür um so mehr: Es ist ein perfektes Spiegelbild unserer zerstörten Generation und vollbringt das, wozu alle Regierenden dieser Erde gerade scheinbar nicht in der Lage sind: Er haut mit riesigen Pranken auf den Tisch und beendet einfach alles und räumt auf.

Gebündelter Hass, vollzogene Zerstörung und dabei eine tiefschwarze Liebe, die einzigartig ist: Venom übernimmt den Kampf aller kämpfenden Helden und portraitiert damit auf der Leinwand, was außerhalb der Kinos gerade abgeht.

Nationen, zieht euch warm an, Venom ist da und ihr wollt ihn nicht als Feind.

Nachspann
✅ Die Presse wurde bereits vor der Weltpremiere bestraft, die Vorpremierenzuschauer haben sich selbst gegeißelt und die Kinogänger werden es wohl auch kaum lernen: Bei einem Marvel bleibt man bis zum Schluss sitzen.

Ja, der Abspann ist lang. Elends lang.

Ja, es kommt eine Zwischensequenz.

Ja, danach kommen noch 10 Minuten Abspann.

Ja, danach kommt noch ein Film, der den Vorfilm von Coco locker in der Zeit toppt. Nicht nur eine Sequenz … ein Film!!! Wer ihn verpassen möchte => Die Kinotüren sind die ganze Zeit offen.

Achja, und Venom steht draußen und prügelt euch wieder zurück in den Saal.

BLEIBT. ALSO. VERDAMMTNOCHMAL. BIS. ZUM. BITTEREN. ENDE. SITZEN!
Danke. 

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: Venom
Length: 112 Min.
Rate: FSK 12 (halte ich für wesentlich zu gering!)

Meine teuflisch gute Freundin

Wir sind wieder im deutschen Kino und man findet auf der Leinwand diesbezüglich fast alles, was hierzulande Rang und Namen hat – zumindest, wenn man die aktuellen Teenie-Stars mal so durchforstet. Dementsprechend kratzt man auch wieder an meiner heiß geliebten Theatersprache und beordert meine Fav-Stars gleich mal in den Keller, weil man so einfach nicht spricht. Aber was soll’s.
Samuel Finzi dürfte meinen Lesern aktuell noch aus HERRliche Zeiten in Erinnerung sein und wenn ich euch jetzt verrate, dass sein vorheriges Projekt Hot Dog war, dürfte jeder wissen, wie meine Sympathien um diesen Darsteller stehen und mit welchen Gefühlen und Erwartungen ich diesen Film begonnen habe.
Die Startvoraussetzungen sind also unterirdisch und genau da setzt wohl auch der Plot an, der – zu meiner großen Überraschung – zwar von vielen kleinen filmischen Gemeinheiten gebeutelt wird, sich daraus aber extravagant empor kämpft und dem Zuschauer, im speziellen dem Zielpublikum, eine wahrhaft sehenswerte Story vorbeibringt, die von Moral und guten Vorbildern geprägt ist und gleichsam durch seine Ungewöhnlichkeit ungemein viel Spaß bereitet.
Wer jetzt mit Anstand und Konservativismus ankommt, so von wegen “Teufel”, “Dämonen” und “Das ist nichts für Kinder, schon gar nicht für meine”, darf diese Vorurteile gerne sofort wieder einstecken, denn davon ist im Film rein gar nichts zu sehen. Schaut euch ein Profilbild des Darstellers an, dann seht ihr alles, was an “Teufelsfratze” im Antlitz erstrahlt – die Kindertauglichkeit ist demnach also gewährleistet.
Vielmehr finden die diabolischen Streifzüge eher in den Handlungen statt, wobei hier angemerkt werden darf, dass der Alltag in deutschen Schulen wohl oftmals wesentlich boshafter ist, als auf der Leinwand gezeigt. So mag wohl auch manch einer die Überschwänglichkeit der guten Seite anzweifeln, die jedoch im Rahmen des Films meiner Meinung nach super ausgelotet dargestellt wurde und fast wie der sprichwörtlich trockene Schwamm vorbildhaftes Verhalten an die Tagesordnung bringt, die unserer Gesellschaft in Teilen heute so arg fehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist schon bezeichnend, dass man erst in die Hölle hinabsteigen muss, um moralisch-ethisch vertretbares Handeln zu finden, was metaphysisch betrachtet schon wieder ein glanzvolles Beispiel zum derzeitigen Zustand unserer Welt offenbart.
Das alles in einen kinderfreundlichen Film verpackt, der wieder ehrbares Verhalten lehrt und dabei noch wunderbar unterhält, ist Inhalt dieses Films. Familientaugliche Kost, die gerne im Kino konsumiert werden kann – wer danach noch mit den Kids über das Verhalten der verschiedenen Charaktere spricht, hat pädagogisch alles richtig gemacht! Top!

 
Nachspann
✅ Ist zwar nicht sonderlich wichtig oder Story-vorantreibend, aber es werden alle Figuren nochmal schön bebildert gezeigt.
Kinostart: 28. Juni 2018

Feinde – Hostiles

Schaut euch das Poster zum Film mal ein paar Minuten genau an: Was seht ihr?
Ich weiß, man sollte sich einen Job suchen, wenn man Zeit hat, über solche Dinge nachzudenken … Aber: Hey – es weiß doch keiner – also who cares … denken wir doch einfach mal darüber nach! Also: Was seht ihr?
Wir sind in einer Zeit, in der es noch Dinge zu erobern gab. Ländereien. Machtgebiete. Neuland. Dinge, die die “Welt” vorher nicht kannte. Quasi den Ursprungsgedanken Amerikas. Glaubt ihr nicht auch, dass es Trump am meisten ärgert, dass quasi die ganze Welt schon erschlossen ist und er einfach nicht mehr mit Waffengewalt erobern kann? Nun muss man hingehen und umständlich politisch verhandeln… Diplomatie kannte man mal, Drohgebärden sind doch viel geiler, man begibt sich wieder zurück zu der guten alten “Wenn du nicht machst, was ich dir sage, schlag ich dir den Schädel ein”-Zeit, in der alles noch ganz einfach war.
Ja, es gibt solche Leute auch heute noch. Die ärgern sich maßlos über alles mögliche. Fernsehen. Rundfunkgebühren. Ausländer. Rente. Den Nachbarn, der es in der Früh wagt, lautstark durchs Haus zu trappeln und die Tür hinter sich ins Schloss fallen zu lassen, um der Arbeit nachzugehen, mit der er meine Rente finanziert, damit ich mich im Haus über ihn aufregen kann.
Solche Dinge waren damals genauso unnötig wie sie es heute sind. Und dennoch: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er hat sich daran gewöhnt, über alles und jeden zu meckern und bei Nichtgefallen die Hölle auf Erden hereinbrechen zu lassen.
Nur, dass das damals eben noch sehr viel einfacher war.
Wisst ihr was? Es gibt eine Lösung – und die heißt: Kino!
Zwei Stunden Zeit, ein paar Piepen im Gegenwert von 2-3 Kaffees mitbringen und schon kann man sich exzellent aus dieser “beschissenen Welt” entziehen und zurück zu den “guten alten Tagen”, wo “die Welt noch in Ordnung war”.
Dass sie’s nicht war, seht ihr z.B. in Feinde – Hostiles. Und was daran so exzellent ist: Filme bieten gewaltiges Potenzial für Künstler, Filmschaffende, Menschen, denen das dumpfe Rumjammern nicht reicht, einfach neue Gedanken, Inspirationen, Lösungen zu finden und den Zuschauern quasi “für lau” zu präsentieren.
“Ja – aber Kino kostet doch ungemein viel Geld” … nicht für lau auf den Eintrittspreis bezogen, sondern “für lau” in Form dessen, dass man selbst keine Arbeit mehr hat und keine eigene Denkleistung mehr erbringen muss, sondern sich am Festmahl durchdachter Philosophien bedienen kann. Und das quasi – bedenkt man, was Wissen einst wert war und dass Wissen heute dank Datensammelei zur weltweiten Währung geworden ist – für ‘n Appel und ‘n Ei.
Und jetzt kommen wir zu dem, was Kino in meinen Augen wahrhaftig groß macht: Hier werden nicht die Probleme präsentiert und man wird damit alleingelassen, sondern bekommt von vielen anderen Geistesgescheiten verschiedene Situationen und gleichermaßen ein Konzept an die Hand, dass sich dann mit ein klein bisschen Rest-Denk-Energieleistung unfassbar einfach aufs reale Leben des Zuschauers übertragen lässt.
Ich kann also die “Früher war alles besser”-Gegebenheiten aktuell neu erkennen und sie auf meinen Alltag übertragen und damit – auf deutsch gesagt – aus Filmen lernen.
Und wenn dann die Welt so kompliziert geworden ist, dass man der Menschheit das simple, einfache Miteinander leben wieder neu beibringen muss und es zur physischen Arbeit gehört, sich NICHT die Köpfe einzuschlagen, dann entpuppt sich Kino als großartiges Medium, um hier erst in eine fremde Fantasiewelt zu flüchten und anschließend zu erkennen, dass genau diese “einfachen Grundfakten menschlicher Existenz” heute aktueller denn je sind.
Tut euch einen Gefallen und schnuppert währenddessen mal in eine der angebotenen OV-Vorstellungen rein, die im Vergleich zur synchronisierten Fassung unvergleichbar mehr “hasserfüllte Depressiv-Grundstimmung” mitbringen und die Story somit um ein Vielfaches tiefgründiger und ernster erscheinen lassen. Die deutsche Synchronisation ist eher vorsichtig ausgedrückt auf dem “Plastik-Niveau”, weil die Stimmlagen und Höhen eben sehr viel von der Schwere und der Unbereitwilligkeit zur Veränderung, diesem tiefen Seelenabgrund und der Verbitterung einbüßen, indem sie einfach zu “hell” sind – überzogen vorgestellt: Wenn ein mächtiger Kampfbulle mit Heidi Klum-Stimmchen vor dir brüllt, nimmst du ihn einfach weniger ernst, als wenn er mit Bud Spencer-Kampfmaul spricht. Und das zieht sich in der Synchro konsequent durch, während man im Original kaum Luft zum Atmen kriegt und einfach nur “deeply impressed” ist.
So beeindruckt, dass mein erster Gedanke war: Feinde – Hostiles ist DIE Ablösung unserer Generation von Der mit dem Wolf tanzt – genauso episch, genauso tragend, genauso großartig, dass es andere Filme einfach bei weitem in den Schatten stellt.
Christian Bale hat ja schon im Original eine endgeile düstre Stimme, und ich finde, seine Schauspielleistung toppt hier die eines Dark Knight um Längen!
Dann in dem Film zu sitzen und zu begreifen, WAS einem da wirklich gezeigt wird – war für mich ein unvergessliches Erlebnis, das noch sehr lange nachhallt und mich vor einiger Zeit innerhalb der Sneak Preview erneut in seinen Bann gezogen hat.
Und ihr dürft raten: Ich erwarte mit Freuden den Kinostart und werde …….. und ihr hoffentlich auch!
 

.kinoticket-Empfehlung: Feinde – Hostiles löst Der mit dem Wolf tanzt in unserer Generation ab: Es ist ein Werk epischen Ausmaßes mit einer Botschaft, wichtiger denn je, die garantiert niemanden gefühlskalt zurück lässt.
Ich persönlich bevorzuge absolut die OV/OmU-Varianten, die die drückende Situation sehr viel glaubwürdiger und nachhaltiger rüberbringen, aber auch die deutsche Fassung tut ihr übriges, um als ernsthafter Film wahrgenommen zu werden und den Zuschauer mehr als zu beeindrucken.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, man darf das Gesehene aber gerne noch sacken lassen – dafür ist der Abspann sehr gut zu gebrauchen.
Kinostart: 31. Mai 2018

The Cleaners

Dieses Mal ist es ganz einfach: Beantworte folgende Fragen. Falls du bei einem (oder mehreren) Punkten mit “ja” antwortest, dann ist dieser Film für dich Pflicht!

  • Hast du ein Smartphone?
  • Bist du bei Facebook registriert?
  • Nutzt du Twitter?
  • Schaust du hin und wieder (oder regelmäßig) auf YouTube Videos?
  • Nutzt du Instagram?
  • Nutzt du generell soziale Netzwerke?
  • Folgst du auf irgendeiner Plattform Freunden?
  • Hast du dir Ausschnitte eines Lebens schon mal in einer Timeline oder Wall angesehen?
  • Kennst du Menschen, die soziale Netzwerke nutzen?
  • Hast du vom Datenskandal auf Facebook gehört?
  • Hast du schon mal etwas von der Einflussnahme sozialer Netzwerke auf unsere Gesellschaft gehört?
  • Kennst du den Namen “Mark Zuckerberg“?
  • Sagt dir Google etwas und nutzt du deren Online-Angebote manchmal?

Solltest du eine dieser Fragen da oben mit “ja” beantworten, dann stehst du in der Pflicht! Dann bist du mit verantwortlich! Dann bist du Teil von etwas, das der Menschheit längst über den Kopf hinausgewachsen ist – ein entfesseltes Monster, dass es wieder zu bändigen gilt!

In den letzten Tagen und Wochen ist ein Konstrukt durch die Medien gegeistert, von dem diejenigen, die sich nicht aktiv mit Medien, IT und der Macht dahinter beschäftigt haben, vielleicht nicht viel verstanden haben.

Wieder einmal gilt nämlich: Worin Politik, Medien und öffentliche Personen glorreich versagt haben, obsiegt einmal mehr die Leinwand, indem sie eine Filmproduktion zulässt, die jedem Menschen diese Dinge beispielhaft und einleuchtend erklärt.

Es geht um ein Phänomen, von dem kaum einer etwas mitkriegt, weil diesen Personen unfassbare Bürden aufgelegt werden – wie die, über ihre Tätigkeiten schweigen zu müssen … was nun mutige Filmemacher recherchiert und enthüllt haben: Die schmutzige Dreckwäsche der Communities, in denen wir alle uns mehr oder weniger täglich rumtreiben und von dem Gebaren vordergründig kaum etwas mitkriegen.

The Cleaners heißt zu Deutsch: “Die Säuberer” – und dieses Wort allein löst schon eine schmutzige Affirmation aus: Ethnische Säuberungen, brutale Aktionen, Etwas, wo man am liebsten schnell wegschauen möchte, weil es mit Sicherheit irgendetwas Ekelhaftes im Hintergrund birgt.

Dieses Ekelhafte ist der Mensch. Das, was Menschen tagtäglich auf sozialen Plattformen hochladen, was von Facebook sozialgenormt als “hatespeech entfernen” in den Medien salonfähig gemacht wurde. Was so “normal” und wie eine gesellschaftliche Pflicht klingt, ist in Wirklichkeit ein hässliches Geschäft, dass auf dem Rücken weniger ausgetragen wird und enorme Risiken birgt, die eine Grundsatzdiskussion auslösen MÜSSEN!

Leute, um diese Pflicht können und dürfen wir uns nicht mehr drücken: Die Inhalte dieses Films MÜSSEN in den Medien und der Öffentlichkeit, in Schulen, Universitäten diskutiert werden, ja – dieser Film sollte zur Pflichtlektüre werden, bevor man sich als Anwender jemals an ein Smartphone setzen und dieses benutzen darf.

Ich appelliere hier ganz stark an die öffentlich-rechtlichen Medien, von ihrer Reichweite und Gebührenstärke unabhängig von der Quote Gebrauch zu machen und diesen Film breitflächig durch das Programm zu jagen – wieder und wieder – und all diejenigen zu erreichen, die es bislang noch nicht in den Kinos gesehen haben, solange der Film dort läuft.

Diese Botschaft hat nichts mehr damit zu tun, dass jemand hier Geld verdienen will oder man einfach nur “eine Geschichte” erzählt, diese Botschaft grenzt von ihrer Wichtigkeit her an die Grundprinzipien des Menschen, deckt Abgründe auf, in die wir uns alle mit Scheuklappen verrennen und elendig darin zugrunde gehen, sofern wir uns nicht aktiv diesem Thema annehmen und uns alle endlich darüber klar werden, was da eigentlich im Hintergrund gespielt wird – und wieso!

Das hat auch nichts mehr mit “Facebook” allein zu tun oder mit sozialen Netzwerken. Selbst wenn du kein Handy hast, kein Account auf dem Blauen Riesen besitzt, dich vehement dagegen weigerst, ein Smartphone zu besitzen und zu bedienen, aber deine Freunde oder Familie tut es: Deine Pflicht ist hier genauso, sie mit diesem Film zu konfrontieren und zur allgemeinen Debatte beizutragen, damit endlich Aufklärung in diese dunklen Bereiche kommt und die Menschen wissen, WAS sie da in den Händen halten.

Hier gehört Schulung her, hier gehören Menschen her, die mit klugen Gedanken eine Gesellschaft unterrichten und die Kompetenz in jedem einzelnen herstellen, der bereits ein Smartphone besitzt und diese Netzwerke ständig nutzt.

Die jahrelang versäumten Informationen, die aus dem “Was ist das überhaupt? Das braucht doch kein Mensch” ein Medium entwickelt haben, von dem heute viele süchtig sind und ohne das viele nicht mehr leben können, gehören endlich in die breite Öffentlichkeit, damit jeder, der dort drin agiert, endlich selbstbestimmt und verantwortungsbewusst postet und derartige Aktionen nicht mehr in den digitalen Hinterzimmern durchgeführt werden müssen, sondern endlich transparent und vom Bürger verständlich in die Primetime von ARD und ZDF gespült werden, damit diejenigen, die zu dem Zeitpunkt nicht schauen, spätestens in die Wiederholungen in den Dritten reinschalten, weil es vom Ersten in einer Primetime ausgestrahlt wurde und daher wichtig sein muss!

Letztendlich liegt die Verantwortung nämlich allein bei uns – den Anwendern – die ihr Verhalten und ihre Sichtweise mit eigenen Gedanken bespielen müssen, damit nicht mehr das Netz das alleinige Medium bleibt, dem man Glauben schenkt, sondern das eigene Hirn das zentrale Organ wird, mit dem ein objektives Bild hergestellt wird und manche (viele?) Dinge vorerst in Frage gestellt werden.

Und bevor jetzt der ein oder andere Angst kriegt, dass dies wieder so eine aufmerksamkeitsheischende Hetzjagd auf soziale Netzwerke wird: Dies ist es nicht. Dieser Film versteht sehr gut die Bedürfnisse und zeigt genauso auf, wie wichtig diese digitalen Einrichtungen sind. Hier werden keine Pauschalurteile gesprochen, sondern immens wichtige Punkte angerissen und Dinge aufgezeigt, die zum Alltag (!) dieser Netzwerke gehören und die einfach nicht länger ignoriert werden dürfen!

.kinoticket-Empfehlung: Der Film feierte im Rahmen des DOK.fest in München seine Deutschlandpremiere und startet am 17. Mai 2018 regulär in den Kinos.

Seit diesem Zeitpunkt kann niemand mehr behaupten, er “habe ja nichts davon gewusst”, sondern es gehört zu eurer bürgerlichen Pflicht, diesen Stoff zu konsumieren und zu verstehen – und lautstark dafür zu protestieren, dass diese Diskussion endlich von den Medien sachlich aufgegriffen wird, in Schulen und Universitäten verbreitet und flächendeckend die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wir alle in Zukunft mit so etwas umgehen müssen.

Die Zeit des Wegsehens ist vorbei und Ausreden gelten dabei auch nicht: Wer sich den Eintritt ins Kino nicht leisten kann, für den werden TV-Ausstrahlungen zur Verfügung stehen, wo er sich spätestens darüber in Kenntnis setzen kann, was dieser Film zu berichten hat.

Und ja, hier ist nichts gefaked, sondern es ist ein Enthüllungsfilm, der unter enorm schwierigen Voraussetzungen gedreht wurde und bei dem einige Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um uns an diese Informationen gelangen zu lassen. Also zollt ihnen gefälligst den Respekt dafür, den sie verdient haben!

Ich weiß: Die Konkurrenz diese Woche ist riesig – aber die Message dieses Dokumentarfilms ist um Welten wichtiger!

Nachspann
❌ Raus zu den anderen und darüber reden! Tauscht euch darüber aus. Diskutiert auf den Schulhöfen, in den Klassen, mit euren Lehrern, in Apple-Stores und Handyverkaufsgeschäften. Auf der Straße. Einfach überall darüber, was hier abgeht. Den Nachspann braucht ihr dafür nicht abwarten.

Kinostart: 17. Mai 2018

Original Title: The Cleaners
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16

Und das sagen andere zu diesem immens wichtigen Film:
Programmkino.de: https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/the-cleaners/
ARD-Sendung Stilbruch: http://www.ardmediathek.de/tv/Stilbruch/The-Cleaners-Doku-über-die-digitale-/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3914800&documentId=49763856
Variety.com: http://variety.com/2018/film/reviews/the-cleaners-review-1202673932/ (englisch)
Puls im BR: https://www.br.de/puls/themen/popkultur/interview-macher-the-cleaners-100.html


Userstimmen: Wenn ihr auch in diesem Beitrag gelistet und verlinkt werden möchtet, schreibt einfach eine kurze E-Mail mit eurem Blog/Artikel und einem Link dazu an meine E-Mail benjamin@directbox.com – ich werde eure Beiträge sichten und gerne mit einpflegen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich so viele Menschen wie möglich mit diesem Thema auseinandersetzen und wir denjenigen Gehör verschaffen, die so etwas im Namen dieser Konzerne durchleiden müssen.

Gerne freue ich mich auch über Backlinks: Let’s spread the world!

Fifty Shades of Grey – Befreite Lust

Die Uhren schlagen zwölf – es ist soweit: Der finale Teil der Fifty Shades of Grey-Saga kommt (haha) offiziell in die Kinos und löst weltweit wieder einen Superhype aus, den niemand versteht und in den nur die Doofen reingehen. Genau wie die BILD: Kauft keiner, liest keiner, hat aber nen riesigen Absatz.
Dieses Jahr hab ich mich bewusst und sehnsüchtig für die Pressevorführung vorab entschieden, weil ich mich jetzt gerne und liebevoll für ein paar Wochen aus dem regulären Kino zurückziehe, bis diese Seuche wieder vorbei oder zumindest abgeflacht ist. Aber der Reihe nach:
Meine Äußerungen zu den Vorgängerfilmen sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, um meine jetzige Einstellung besser zu verstehen:
Fifty Shades of Grey
Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe
Man merkt also, dass Fifty Shades of Grey insgesamt ein gewollt sadomasochistisches Peitschen-Image mit Sexverdunkelung und Abgründen erotischer Natur aufgebaut hat, um seinem Ursprungsideal der SM-Fanfiction-Variante von Edward und Bella aus Twilight zu entsprechen.
Und an alle Zweifler, die mir das immer noch nicht glauben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shades_of_Grey#Entstehung << tatsächlich als Fanfiction von Twilight entstanden und später umgeschrieben. Voilà!
Ich meine: An sich ist die Idee ja gar nicht schlecht, immerhin gibt es von vielen Filmen mittlerweile die “(Soft)Pornovariante” auf Sport1 im Spätprogramm, auch wenn ich (ehrlich) noch nie eine davon gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal nachholen, weil ich anschließend von dem hier begeistert sein werde … wer weiß 😉
Allein schon die Idee, so einen Jugend-Kitsch-Schmalzi-Girlie-Fanschrei-Film (Twilight) aus der pubertären Verniedlichung in die (ernstgemeinte) SM-Tiefe zu schicken, sollte eigentlich Freudensprünge beim von Einfallslosigkeit geprügelten Zuschauer auslösen. Dass daraus dann aber ein Konstrukt erwächst, dass den Zuschauern jedwede Relation zu seinem eigentlichen Ursprung abspricht – obwohl teils schon fast szenengenaue Parallelen zum Vorbild vorhanden sind und eigentlich deutlicher nicht mehr sein könnten – trotzdem einschlägt wie eine Bombe, wirft für mich zwei Thesen auf:
Entweder ist die ganze Welt vollkommen krank und ich bin geistig soweit zurückgeblieben, dass ich den Erfolg und das Verlangen nach solchem Stoff erst verstehen werde, wenn mir jemand an meinem Sterbebett erklärt, warum…
oder:
Diese Einfallslosigkeit ist so weit verbreitet und ich bin zu behämmert, um zu kapieren, dass das tatsächlich Alltag da draußen ist und sollte wirklich öfters aus dem Kino und mehr in die Realität wechseln.
Fakt ist: Man sollte vor dem PR-Coup seinen Hut ziehen, denn hier wurde wahrhaftig aus Scheiße Gold gemacht – und das nicht zu knapp. Allein der .trailer hat bereits Weltrekorde aufgestellt und sogar Star Wars geschlagen … mit einer Fanfiction eines behämmerten Films auf SM-Niveau! * kopfgreif * – in was für einer gestörten Welt leben wir denn?
Über die Vorteile davon hab ich mich bereits damals schon ausgelassen – den Chancen, sexuelle Aufklärung zu betreiben, Sex-Nischen salonfähig zu machen, Plattformen zum öffentlichen Diskurs zu bieten und den Menschen die Chance zu ermöglichen, auch über Tabuthemen gemeinsam zu sprechen, um so Unerfahrenheit oder ungewollte Versteckspiele endlich beenden zu können.
Ich meine: Die Welt sieht zu, die Aufmerksamkeit ist vollends vorhanden und alle starren gebannt auf die Leinwand – und was macht man daraus?
Fifty Shades of Grey – Befreite Lust!
Für mich wirkt das alles so, als wäre ein Großteil meiner Mitmenschen in einer irren Blase gefangen, die einer unbefriedigten Hausfrau der frühen Neuzeit entspringt, die vom großen Geld, dem traumhaften Prinzen und jeder Menge anderem Kitsch träumt und diesen mit unfassbar viel Kohle und einer vollkommen wahnsinnig gewordenen Kultur subventioniert bekommt.
Kürzlich meinte mal einer zu mir: Deutschland hat keine Fähigkeiten darin, Dialoge zu schreiben. Fifty Shades of Grey ist das beste Beispiel dafür – nur, dass es nicht aus Deutschland kommt. Die Dialoge sind dermaßen zum Schreien, dass es nicht mehr komisch ist. Auf Stumpfsinn folgt Plätte und danach kommt Fifty Shades.
Es fällt schwer, hier tatsächlich ernst zu bleiben und diese “unerreichbare Größe”, die dem Edward im ersten Teil zumindest noch teilweise innewohnte, hat man nun vollends aufgegeben. Ich meine, es ist okay, von dem wahnsinnig gut gebauten, knackigen, Superduperhypermilliardär zu träumen, für den alles fern jeglicher Realität absolut kein Problem ist und der sich alle Sorgen einfach mit sündhaft viel Geld wegkauft. Es ist okay, darüber Bücher zu schreiben und sich darauf einen zu schrubben, es ist auch okay, das dann ins Kino zu bringen und dem Rest der Welt zu ermöglichen, sich ebenfalls einen darauf zu schrubben.
Aber zumindest im dritten Teil erwarte ich als Kinogänger doch, dass man zumindest ansatzweise anfängt, mich als Zuschauer wahrzunehmen und aufhört, mir irgendwelche Märchen auftischen zu wollen. Ich sehe also nicht mehr in eine Girlie-Fan-Blase, sondern erwarte einen ernsthaften Film, der mich dann tatsächlich in die Welt der Superreichen einführt – was zumindest wieder Spannungsbogen-Potenzial aufweist und auch hier wieder Chancen bietet, daraus etwas durchaus Sehenswertes zu machen.
Und genau da krankt der aktuelle Film nicht nur, sondern stirbt tausend unrühmliche Tode: Christian wirkt in die wahl- und lieblos zusammengestellten Kulissen wie reingeschneidert, man kauft ihm die Rolle als Mega-Milliardär schon längst nicht mehr ab, sondern seine Stellung wirkt unbeholfen, lächerlich und hat längst nichts mehr von dem mysteriösen, verdorbenen Charme, für den Anastacia ihn im ersten Teil noch abgöttisch anhimmelte.
Statt hier den Weg einfach konsequent weiter zu gehen (Teil 1 anteasern, Teil 2 langsam bodenständig werden und Teil 3 nun vollends in die SM-Unterwelt abzutauchen und einfach Peitschen und Devotsein, Machtspiele, Erhabenheit und Unterwerfung und all die tausend Gefühle sprechen zu lassen) ergießt man sich hier in eine unzählbare Fülle von dümmlichen Dialogen, die himmelschreiende Realitätsferne aufweisen und von dem subtilen Witz und der unberührbaren Unkenntnis über dieses Genre aus Teil 1 absolut nichts mehr innehaben.
Verdammt! Ich meine, unsere Zeit ist doch aufgeklärt genug, dass man sich durchaus sexueller Themen auf der Leinwand annehmen könnte, die nicht bei Knutsch-Kuss-Wegblende aufhören, sondern man durchaus mal richtig vögeln darf und dabei auch über die Missionarsstellung hinaus gehen könnte … und was kommt?
“Hi.”
“Hey.”
“Kommst du ins Bett?”
“Später vielleicht.”
Ähm … es gibt Leute, unglaublich viele Leute, die für diese – sorry – Scheiße echtes Geld hinblättern und erwarten, dass ihr ihnen etwas dafür liefert. Und zwar nicht so einen geistigen Dünnschiss, sondern zumindest ein bisschen Humor und Ernsthaftigkeit – aber doch nicht so was?
Und was ist aus der eleganten Kulisse aus dem ersten Teil geworden? Aus dem Monster-Immobilien-Ding, dass man technisch gerne erkundet hat? Aus den Farbenspielen und den professionellen Versuchen, der Farbe Grau ein wenig Leben abzuringen?
Eine Anhäufung verschiedenster, nicht zueinander passender Stile, die stümperhaft zusammengewürfelt in eckige Szenen geschnitten wurden, in denen die beiden Hauptdarsteller jederzeit vollkommen verloren und deplatziert wirkten, was im Presseheft dann mit “sommerlicher Frische” und “farblicher Befreitheit” entschuldigt wurde. Hat bei mir nicht funktioniert.
Überhaupt wirkte dieser Film eher wirklich wie ein Softporno mit profaner Entschuldigung, für den man sich nicht mehr zu schämen braucht, weil ihn ja hunderttausend andere Menschen ebenfalls ganz offen schauen.
Von Sado oder Maso oder anderen themenrelevanten Dingen einfach überhaupt keine Spur mehr. Na gut, immerhin sieht man zumindest 2-3 Minuten mal ein paar Handschellen, aber dann?
Seid ihr wirklich so einfallslos und langweilig, ein – eigentlich so spannendes – Thema auf diese billigen Klischees zu begrenzen? Hier kommt mir wieder die untervögelte Hausfrau in den Sinn, die sich nichts mehr wünscht, als mal so richtig von Edward durchgebumst zu werden und die ihren fickrigen Sehnsüchten nun in Form einer Milliardenproduktion Ausdruck verleiht … oh mein Gott, wo sind wir da alle rein geraten? Mommy porn im Kino? Ernsthaft?
Sorry, wenn ich hier im Niveau etwas absinke und mich nicht mehr gewählt auszudrücken vermag, aber ich war gestern echt sauer. Sauer auf das, was man daraus gemacht hat. Sauer darauf, dass man jetzt ein Leben lang mit der Message leben darf, dass genau das ja “Sadomaso” ist.
Um mal Vergleiche zu ziehen: Es gibt schwule Kerle, denen man kein “Tuff Tuff Baby ich zieh mir Frauenkleider an und schmink mich” ansieht, die sich aber trotzdem inniglich lieben und definitiv schwul sind. Und dann kommt Frau Mama und erzählt: “Ich hab letztens so einen Film gesehen, in dem sich ein Typ schminkt und als Diva rumläuft, bist du auch so, weil du ja auch schwul bist?”
Und wisst ihr, was das Problem ist? Die Medien haben bis heute keine gegenteilige Ansicht geliefert, die der breiten Bevölkerung eindrücklich ins Hirn hämmert, dass sie sich ihre bekloppten Vorurteile sonstwohin stecken und anfangen sollten, einfach mal ernsthaft mit anderen zu reden.
Und dank Fifty Shades of Grey ist das jetzt nicht nur bei Schwulen und Lesben so, sondern auch bei Liebhabern dieser sexuellen Branche, die sich sowieso schon in der Öffentlichkeit immer unverstanden gefühlt haben.
Und wisst ihr was? Wir alle sollten uns auf die Schultern für diesen misslungenen Integrationsversuch klopfen und weiterhin in Ruhm und Schande ertränken, die wir uns selbst zufügen, indem wir tagsüber aller Welt von Gleichberechtigung und Integration, Toleranz und Selbstverständlichkeit predigen und uns nachts dann von Fifty Shades mit Gegenteiligkeit verarschen lassen, die uns auf den kommenden Tag und die Hexenjagd vorbereiten.
Wundert es da noch jemanden, dass es Parteien wie AfD und Co. an die Spitze der medialen Berichterstattung geschafft haben? Ich bin echt gespannt, was die hiesige Presse auf diesen Titel zu schreiben weiß, denn im Kino haben sich viele vor Lächerlichkeit kaum zurückhalten können.
Merkt eigentlich keiner von den Schaffenden, was hier allgemein für ein Bullshit produziert wurde? Die ertrinken fast in ihren Argumentationen, wie unglaublich professionell und ausgewählt, subtil und emotional hier aufeinander eingegangen wird und dass der Film sich selbst quasi nicht mehr parodiert, sondern beschämend in den Mülleimer wirft, hat dabei keiner gemerkt?
Abschließend sollte man noch erwähnen, dass man sich technisch nun auf absolut perfektem Niveau befindet, sowohl bei Kameraführung als auch in Sachen Soundauswahl! Ohne Witz: Der Soundtrack im aktuellen Shades-Film ist derart berauschend und für mich wohl das beste, das man der Welt damit schenken konnte.
Mir ist die Gänsehaut über den kompletten Körper gerauscht, als man – endlich wieder – Ellie Gouldings “Love Me Like You Do” in einem grandiosen Remix anstimmte und das Kino davon erfüllt war!
Und nicht nur da, sondern auch bei anderen Titeln hat man unglaubliches Gespür bewiesen – z.B. mit Hailee Steinfeld & BloodPop’s “Capital Letters” – einfach mal rein hören. Einige Titel, die man ruhig im Radio zu Tode spielen darf – vollkommen mein Geschmack! Dafür ein herzliches Dankeschön!
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich ist Fifty Shades of Grey – Befreite Lust der erste Film über Liebe, der selbst überhaupt nichts mehr mit Liebe zu tun hat.
Ich meine, es gibt mittlerweile so viele unzählige, berührende, zu Tränen führende Filme, die sich dieser Thematik annehmen und so tief in die Materie eintauchen. Das hier ist einfach nur noch ein billiger Witz, der selbst seine Einzigartigkeiten – und waren sie noch so verrückt – aufgegeben hat, um sich schlussendlich selbst zu verraten.
Und dabei war da bevor man mal begonnen hat, eigentlich unglaublich hohes Potenzial vorhanden.
Aber um mit was positivem zu schließen: Als Jugendlicher hat man nun definitiv ein schlagfestes Argument, um sich völlig ungeniert in der Öffentlichkeit billige Softpornos anzuschauen, die auch die gleiche inhaltliche Tiefe aufweisen, wie es Softpornos eben tun.
Yeah Baby!

 
Nachspann
Abwarten. Zum einen bis ganz zum Nachspann, weil da noch die Happy-End-Sequenzen kommen, von denen man im Film ja bekanntlich nichts sehen wollte. Zumindest laut Autoren. Zum anderen hat sich das Team “fürs Erste” von Fifty verabschiedet. Um was wetten wir, dass das in ein paar Jahren wieder ausgegraben wird?
Kinostart: 8. Februar 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ewig ist es her, dass ich diesen Film in einer Pressevorführung gesehen habe und Aussagen dazu noch unter Embargo standen – und nie ist es mir schwerer gefallen, dazu die Klappe zu halten.
Nun sind die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben worden und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat sage und schreibe 7 (!) davon eingeheimst und steht damit unter den Top 3 der diesjährigen Nominierten bei der größten Verleihung überhaupt – allein das sagt ja schon mal verdammt viel über den Film aus!
In diesem bitterschwarzen Stück, das im Übrigen von seinen zynischen Inhalten lebt, die Ernsthaftigkeit und Tiefe, zum Himmel schreienden Schmerz und Provokation gegen das Eingefahrensein und die Gleichgültigkeit des Rechtssystems proklamieren, erhebt sich Francis McDormand in einer Frauenrolle zur Schauspielikone, die nicht nur für Recht und Gerechtigkeit kämpft, sondern auch das weibliche Geschlecht weltweit auf ein ansehnliches Niveau hebt, was Schauspielerei und die Bedeutung der Frau in Hollywood und grundsätzlich auf der Leinwand ganz neu bewertet.
Allein schon diese starke Weiblichkeit, die sich gegen unzählige frauenfeindliche Männercharaktere durchsetzen muss, habe ich bereits beim ersten Schauen genüsslich begrüßt! Ich liebe es, wenn endlich nennenswerte weibliche Beispiele an der Front der Schauspielerei stehen, damit tatsächlich mal etwas in Sachen Gleichberechtigung getan wird und die Klischees nicht immer weiter gefüttert und diese unglaublich wichtige Grundsatzdiskussion durch Lächerlichkeiten ad absurdum geführt wird.
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig angeht und grollt mit unfassbarem Zorn gegen ein System, dass vielerorts auf der Welt für Ungerechtigkeit sorgt und Menschen in den richtigen Positionen die Macht gibt, Dinge falsch zu machen ohne dafür bestraft zu werden.
Dass man sich hier nicht vollkommen der Menschlichkeit entledigt und einfach auf einen groben Schlachtfeldzug geht, bei dem alles, was sich einem in den Weg stellt, zunichte gemacht wird, sondern die Emotionen und Gefühle, aber auch Verantwortung und Ehre gefordert werden, macht diesen Film unter allen Filmen dieses Jahr zu einem der ganz großen.
Und die bisherigen Nominierungen und Auszeichnungen sprechen eine ganz klare, deutliche Sprache: 3x AACTA International Awards 2018, Aufnahme in die Top-10-Filme des Jahres 2017 im American Film Institute, 9 Nominierungen bei den British Academy Film Awards 2018, 5 Nominierungen und 2 Auszeichnungen bei den British Independent Film Awards 2017, 6 Nominierungen und 3 Auszeichnungen bei den Critics’ Choice Movie Awards 2018, 4 Golden Globes und 6 Nominierungen bei den Golden Globe Awards 2018 und und und … die Liste ist endlos!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr seht: Man braucht kein Oscar®-Filmjäger zu sein, um diesen Film gut zu finden, sondern von allen Seiten strömt der Tenor zu einem, dass dieses Werk eines der besten Filme aller Zeiten ist, das zu Recht mit Preisen überschüttet wird und jede einzelne Auszeichnung davon redlich verdient!
Francis McDormand pusht starke, weibliche Charaktere in Paraderollen in Hollywood, während sich die Männerriege hinten anstellt und gleichermaßen herausragende Performances abliefert, bei denen sich jeder einzelne davon sehen lassen kann.
Nicht nur der zynisch-sarkastische Humor, der es in vielen Dingen oft auf die Spitze treibt, sondern die unfassbare Härte und Konsequenz, der man sich hier opfert, machen aus diesem Stück einen Film, den jeder – wirklich jeder – unbedingt gesehen haben muss!
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gehört für mich schon seit einigen Monaten zu den Top 10 Lieblingsfilmen meines Lebens, und jeder, der ihn gesehen hat, weiß anschließend, warum!
Also tut euch selbst den Gefallen und geht rein – es lohnt sich. In jedem Kino. Zu jeder Zeit. Hauptsache gesehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

Rendel

Bereits zum Fantasy Film Fest gesichtet kommt heute mal wieder ausnahmsweise eine Publikation, die das Heimkino angeht, da dieser Film bislang in keinem von mir gefundenen Kino gestartet ist, aber dennoch eine Erwähnung verdient hat.
Natürlich erinnert man sich als Liebhaber klassischer Haudrauf-Filme aus den 90ern gerne an genau dieses Genre und ebenso an die Zeit, die man damals vor den Flimmerkisten verbracht hat, denn viele dieser exquisiten Werke landeten direkt auf DVD und sahen niemals ein Kino von innen.
So auch mit Rendel, der nur auf einigen Festivals lief und anschließend auf seine Veröffentlichung fürs Heimkino wartete, die gestern vonstatten ging.
Sieht man das Plakat, denkt man wohl erst an The Punisher oder entfernt wohl noch an Spawn – und diese Züge vereint man mit nordischem Flair gemeinsam in Rendel, mit dem man den Start-Paukenschlag eines neuen Filmhelden einläuten möchte.
Dass die mega Erfahrung fehlt, merkt man dem Film durch seine stellenweisen Schleifmomente durchaus an, die hier und da für Längen sorgen, an denen man nicht vorwärts kommt, sondern sich mit der bezeichnenden Optik und einigen Liebhaber-Kameraeinstellungen aufhält.
Grandios herausgearbeitet hat man hier den Soundtrack, dessen Verantwortlicher einigen wohl als Gruppenmitglied von Nightwish bekannt sein dürfte. Und nicht zuletzt bleibt die Größte aller Fragen:
Wie isst er? 😀
Aber das nur am Rande.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr merkt schon: Film beginnt wieder Spaß zu machen und hat sich bewusst vom großen Hollywood-Mainstream abgewendet.
Demnach sind Vergleiche fast schon unanständig und auch die womöglich erwartete Ernsthaftigkeit sollte man aufhören zu suchen. Damit legt Rendel ordentlich Zunder ins Nischenkino und besänftigt die wartenden Fans längst vergangener Zeiten wieder mal mit neuem Futter.

 
Nachspann
zeigt ganz anständige Bilder und sollte daher nicht unbedingt ignoriert werden.
Kinostart: (respektive Blu-ray-Veröffentlichung) 24. November 2017

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