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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Master Z: The IP Man Legacy

© 2019 NEW KSM Cinema

Ein spannendes Phänomen ist: Bei uns westlichen Kulturen besteht förmlich eine “Blindheit”, wenn wir in asiatische Gefilde blicken – für viele von uns “sehen die alle gleich aus”. Trotz massiver Unterschiede.

Das gleiche ist von asiatischer Seite her mit uns Westlern genauso: Wir sehen für sie allesamt “gleich aus”. Trotz massiver Unterschiede.

Gewissermaßen geht es mir mit asiatischen Filmen genauso: Die sind alle irgendwo gleich. Trotz massiver Unterschiede.

The IP MAN zählt zu den chinesischen Martial Arts-Wunderwerken, die es in diesem Genre weit gebracht haben und sogar hierzulande bekannt sind.

Eben jene Filme bekommen nun Nachwuchs: Man könnte fast sagen das Creed des Rocky Balboa taucht von chinesischer Seite her auf und schließt Kreise.

Aus dem Grund braucht man auch nicht viel über den Plot sagen: Ich weiß nicht, ob wir je dazu in der Lage sind, hier vernünftig einzusteigen und den diversen Sinn dahinter zu begreifen, oder ob das tatsächlich alles “nur ein Mix” aus asiatischer Weisheit und Lebensweise ist und zur puren Unterhaltung dient.

Fakt: Die Martial Arts Moves sind berauschend geil. Das, wozu die Protagonisten körperlich fähig sind – ob mit oder ohne Tricks – ist immer wieder atemberaubend und definitiv wert, dass man sich Master Z: The IP Man Legacy im Kino besieht: Die wunderschöne Choreographie körperlicher Kampfkunst in Vollendung auf der Leinwand zu erleben ist selbst für mich, der diesem Genre sonst eigentlich nicht viel abgewinnen kann, ein kultureller Genuss und optischer Augenschmaus.

Und auch an Schauspielern fährt man einige bekannte Gesichter auf. Manch einer wird Drax von den Guardians of the Galaxy sicherlich direkt wiedererkennen: Auch hier wieder: Schauspielerisch eine Topleistung, wenn man bedenkt, zu was dieser Mann fähig ist und was er im Film verkörpert.

Also hadert nicht lang mit euch rum, bewaffnet euch mit Süßkram und Flüssigkeit – und dann genießt einfach die Show.

.kinoticket-Empfehlung: Die Kampf-Choreos sind der helle Wahnsinn, der Plot darum halbwüchsig und dennoch ist es das Spin Off des weltweit erfolgreichsten Martial Arts-Franchise der letzten Jahrzehnte.

Genießt die Show!

Nachspann
✅ Lohnt sich wieder mal, also rennt nicht gleich raus 🙂

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Cheung Tin-Chi
Length: 107 Min.
Rated: FSK 16

Wir

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© 2019 Universal Pictures International

Es ist der Film, auf den alle warten und der seit gestern endlich offiziell in den Kinos anzufinden ist: Oscar-Preisträger Jordan Peele, der jüngst mit dem von mir nicht ganz so gehypten Get Out Kasse gemacht hat, muss beweisen, ob er es wirklich drauf hat, oder es kürzlich nur um eine Eintagsfliege ging und er eigentlich gar kein so großes Genie ist, wie alle bislang glaubten.

Fakt ist: Mit Wir schafft er Stimmung und erzeugt auch hier wieder anständig Flair, das sich im Kinosaal tatsächlich sehen lassen kann und Grund genug bietet, mit der neuen Liebschaft enger zusammen zu kuscheln und körperliche Nähe zu suchen.

Dies wird auch im Verlauf des Films immer weiter ausgebaut, und gipfelt meiner Meinung nach etwas zu früh (ungefähr im Rahmen von Minute 50), wo dann derart auf die Pauke gehauen wird, dass es selbst mir Spaß gemacht hat.

Bis dahin waren die Settings auch cool, die Ideen neu, die Stimmung brauchbar und alles soweit okay, nur an der darauf folgenden, anbahnenden und schließlich durchzogenen Auflösung hapert der Film wieder etwas: Als alteingesessener Horror-Fan kann man sich natürlich den Epilog längst denken und kriegt hier auch keinerlei Überraschungen mehr geboten, sondern alles wandert ab ins Standardfach und lässt sich dort aus den hunderttausend anderen Schinken auch nicht problemlos rausfiltern. Schade, denn dieses Potenzial verschenkt man – und das wäre bei dem Einstand definitiv nicht nötig gewesen.

Dennoch muss man sagen, dass hier auf höherem Niveau gejammert wird, denn insgesamt bricht man natürlich schon aus dem Sud anderer Filme heraus, allein durch den Cast und die “saubere” Darstellung, die hier eben etwas mehr liefert als nur einen grundsoliden Horrorfilm nach Schema F.

Zusammenfassend könnte man also sagen:

.kinoticket-Empfehlung: Wir liefert etwas mehr, als man von Standard-Horror erwarten kann, bietet aber zu wenig, um als grandios oder genial bezeichnet zu werden: Auch hier bedient man sich wieder der typischen Elemente und liefert zu wenig Einfallsreichtum, sondern läuft nach typischer Manier und altbekannten Mustern ins Leere.

Der Cast ist hochwertig, das Setting funktioniert, die Idee ist mal was anderes und in der Mitte macht der Film extrem Spaß, mit etwas mehr Mut zum Schluss und einem völlig anderen Ende wäre dieses Ding in meinen Augen großartig – aber dazu lässt man es nicht kommen. Zu viel Vorhersehbarkeit, aber dennoch fundiert gearbeitet – ein Besuch im Kino lohnt sich deshalb trotzdem.

Nachspann
❌ kommt nichts mehr, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Us
Length: 116 Min.
Rated: FSK 16

Nur ein kleiner Gefallen

© 2018 StudioCanal

 

Ich habe mittlerweile schon einige negative Stimmen zu diesem Film gehört, der ja inzwischen auch durch die Sneak Preview ging und somit mehr Publikum als nur die Presse bekommen hat. Ich kann es teils verstehen, andererseits aber auch wieder gar nicht.

Warum positiv?

Blake Lively und Anna Kendrick liefern in dem Film Verbalduelle ab, die sprachlich weit über das Niveau solcher Filme hinausreichen und den zweien schon eine luxuriöse Dekadenz angedeihen lassen, in der man sich endlich wieder mal rührselig baden kann. Und diese frivole Frische tut zur Abwechslung echt mal verdammt gut.

Das Ding hat Humor, wurde sogar im Deutschen an den entscheidenden Stellen gut übersetzt und trumpft mit einer leichten Andersartigkeit auf, die zwar nicht legendär ist, aber dennoch einen völlig anderen Wind durch die Säle wehen lässt.

Die Idee ist nicht neu, aber solche Filme gab es früher zu Hauf und es tut einfach gut, so etwas mal wieder modern auf der Leinwand zu erleben.

Warum negativ?

Natürlich hat der Film seine Schwächen, hier und da vielleicht auch Längen, leidet ein wenig an Vorhersehbarkeit und hat eben ein ganz bestimmtes Niveau, für das man empfänglich sein muss. Darauf können sich einige nicht einlassen, weil sie gewisse Dinge einfach zu blöd finden und mit dieser Stimmung wird man auch zu fortlaufender Zeit keinen Bohnentopf mehr gewinnen können: Entweder du gehst von Anfang an mit oder wirst eben nicht warm mit dem Ding.

Weil bei mir aber definitiv die Frische überwiegt und ich diesem “Edlen”, wenn man so will, viel abgewinnen kann, steht dieser Film diese Woche dennoch auf der Top 5 – wenn auch ein klein wenig aus Mangel an Alternativen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grund Nr. 3, warum positiv: ⬇️

 

Nachspann
✅ Der Song im Abspann ist der Hammer! Ich hätte das gern als Musikvideo – offiziell.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: A Simple Favor
Length: 118 Min.
Rate: FSK 12 | R

Breaking In

Breaking In ist wieder mal einer der typischen Horrorfilm-Verschwendungen, wie sie im Buche stehen: Man bekommt eine eigentlich irre geile Idee, drapiert sie mit Kanonenfutter zum Abschlachten, wartet mit grandiosen Locations auf und zerhackstückt das Ganze dann in einem billigen Plot ohne Tiefgang und Jumpscare-Effekte.
Übrig bleibt ein Süppchen, das von 13-14jährigen gerne gegessen wird, welche dann tatsächlich auch im Kinosaal sitzen und sich schockiert die Hände ins Gesicht halten, weil sie die Spannung im Film kaum aushalten können.
Ich bin über diese Art Movie scheinbar längst hinausgewachsen, denn ich habe mich permanent gelangweilt. Es tat weh, zu sehen, wie dieser Einfall so lieblos auseinandergenommen wurde, zumal man daraus ein echt packendes, spannendes Abenteuer hätte gestalten können. Doch von Geschwindigkeit und Vorankommen fehlt im Film jedwede Spur. Stattdessen hat man sich sogar bei den Dialogen Mühe gegeben, nicht über eine non-einschläfernde Sprechgeschwindigkeit hinaus zu gehen, um den Zuschauer ja nicht zu irgendwelchen Regungen zu verleiten, sondern ihn in seinem dösenden Schlaf zu belassen.
Alles ist so durchgeplant, jede noch so verheerend wollend wirkende Überraschung wird penibel vorbereitet und in Vorhersehbarkeit ertränkt, so dass wirklich nur vollständig Horrorfilm-Lose eine Art Twist erleben können. Alle anderen bekommen noch nicht mal den jüngst benannten Twist-Twist, dafür konnte sich der Film dann auch nicht mehr hochrappeln.
An dieser Langsamkeit stirbt jede nur erdenkliche Spannung, die zudem mit technischer Einfallslosigkeit gespeist und in Sachen Negativität unterstützt wird. Es ist, als hätte jemand einen Baukasten im Dachboden gefunden, der ein paar auf den ersten Anschein ganz gescheite Brüller im Gepäck hat, aber in der Durchführung ist man nie über die Vorschaubildchen hinaus gekommen und hat dieses unfassbare Potenzial somit kaum ausgeschöpft. Auch aus dem Schauplatz hätte man wesentlich mehr rausholen können. So verzettelt man sich in unnötigen Verstrickungen, zeigt die immer gleichen Schauplätze mit den immer gleichen technischen Raffinessen, ohne sie wirklich einzusetzen oder daraus etwas gekonntes zu gestalten.
Und dann braucht man eigentlich nur noch die nackten Filmregel-Tatsachen auflisten und der Reihe nach abhaken:

  • Kinder müssen gerettet werden.
  • Das schwache weibliche Geschlecht wächst im Twist über sich hinaus.
  • Jung, blond und hübsches Fickmaterial wird zum Abschuss freigegeben (hat eigentlich je mal ein junges, blondes Milchbubigesicht in einem Horrorfilm überlebt?).
  • Am Ende ist draußen drin, drin draußen und überhaupt alles komplett umgekehrt.
  • Außenstehende kommen ins Geschehen rein und fallen dem Fleischwolf anheim.
  • Wo immer ein Überraschungsmoment auftauchen könnte, taucht er auf.

Und wenn am Schluss Mr. Keine-Haare-am-Sack-aber-Freundin-dabei neben mir meint: “Eigentlich müsste der jetzt nochmal aufstehen und zum finalen Schlag ausholen” und das dann nicht passiert, spätestens dann ist klar, dass hier Langeweile Regie geführt hat und man gar nicht beabsichtigt hatte, auch nur annähernd Spannung erzeugen zu wollen.
Und dabei wäre diese Idee so geil gewesen…
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Rohmaterial bietet so viel Stoff, um daraus den spannenden Action-Thriller des Jahres zu gestalten, stattdessen setzt man auf Langsamkeit, Vorhersehbarkeit und liefert absolut null Innovation und Spannung.
Der Film erstickt an sich selbst, tut so, als wäre er ein ungeheuer wichtiges Projekt und liefert dabei allerhöchstens Schreckmomente für diejenigen, denen noch nie im Leben ein düsterer Thriller begegnet ist.
Das Geld nicht wert, das man dafür berappen müsste.

 
Nachspann
❌ bringt nichts und macht aus der Soße auch kein genießbareres Mahl.
Kinostart: 16. August 2018

Luis & die Aliens (3D)

Es ist Zeit für Kinderlachen und auch wenn der erste Anschein voll von Klischees ist: Dieser Film ist herzerwärmend toll und erobert die Jüngsten im Saal im Sturm! Die Animationen sind großartig und unterhalten sogar Erwachsene, der Plot ist zwar vorhersehbar, aber in Anbetracht der offensichtlich gewünschten Zielgruppe mehr als gerechtfertigt.
Was mich total umgehauen hat, ist die liebevolle Herzlichkeit, die man in dieses Stück gelegt hat und mit der man auf Basis von Spannung und Unterhaltung die Kids begeistert. Es macht richtig Spaß, den Eskapaden zu folgen und auf die witzige, urkomische Art folgt einfach nur Lachen und Heiterkeit, die das uneingeschränkte Markenzeichen von FOX ist: Die können Film und wissen es, Familien spannend zu entertainen. Genau diese Stärke spielen sie hier einmal mehr aus und liefern etwas ab, dass nicht nur liebevoll gestaltet ist, sondern auch Herz und Seele besitzt und gleiches von seinen Zuschauern erstürmt.
Zum Schluss gibt es ein paar Stellen, die ich ansatzweise heftig finde, zumindest, wenn man ganz Kleine allein ins Kino lässt, hier sollte eine Aufsichtsperson mit an Board sein, um evtl. Erklärbärtätigkeiten vollbringen zu können, ansonsten hat’s mir richtig Spaß gemacht und – dreimal dürft ihr raten – ich werde es mir nochmals im Kino geben, sofern die Zeit es zulässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Spannend, liebevoll und unglaublich mitreißend: Diese Story unterhält groß und klein und trumpft mit unglaublich viel Sympathie und Herzwärme auf, die aus diesem Film etwas Großartiges machen.
Stellenweise sind die “Gegenspieler” etwas böse, da bedarf es womöglich ein paar schützender Händchen der Eltern, ansonsten ist das ein Film, der für Jüngere uneingeschränkt zu empfehlen ist!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 24. Mai 2018

Peter Hase

Schlagt mich, aber ich muss etwas loswerden: In letzter Zeit tauchen immer mehr Filme auf – und Peter Hase ist ein Paradebeispiel dafür – die kein klassisches Genre mehr bedienen, auf das man sich verlassen kann, sondern es vermischt sich – genauso wie auch schon in der Musik alles immer vielfältiger geworden ist.
Genau das passiert jetzt nicht mehr nur mit den Genres, sondern auch mit den Bewertungskriterien, in die man Filme klassischerweise kategorisieren kann. Was sich früher simpel in “mega”, “mittelmäßig” und “schlecht” einordnen ließ, bewegt sich jetzt immer differenzierter und dabei ist mir kürzlich ein besonderes Neugenre im Einordnungssystem aufgefallen: gutschlecht.
Gemeint sind Filme, die eigentlich schlecht sind und von den Kinogängern auch der Einfachheit halber als schlecht bezeichnet werden, aber gleichzeitig so viele grandiose Szenen, Jokes oder Momente haben, die eigentlich verhindern, den Film als schlecht zu markieren. Das bedeutet aber nicht: So schlecht, dass sie schon wieder gut sind, und auch nicht schlechtschlecht, also grottenschlecht, sondern eben grundsätzlich schlecht mit zu vielen geilen Momenten, die per Definition wieder einen mittelmäßigen Film draus machen würden, aber dafür wäre er zu schlecht.
Kommt ihr noch mit?
Genau da tu ich mich gerade besonders schwer, bei Peter Hase eine ehrliche, würdige und aufrichtige Einschätzung abzugeben, denn der Film ist einfach ein Paradewerk von Schrödingers Katze – gleichzeitig gut und schlecht.
Er hat genügend Momente, die durchaus witzig sind, er ist frisch, er trumpft mit inspirierenden Ideen auf und bereitet gleichzeitig Langeweile, verbreitet Klischees oder zündet an vielen Stellen nicht, so dass man oft darüber nachdenkt, warum das eigentlich alles. Und bevor man in depressive Gedanken abgleitet, kommen wieder Momente, die reich an Gefühlen oder Humor sind und einen aus dem Tal des Aufgebens herausreißen, es aber allgemein nicht schaffen, daraus einen Film zu machen, den man mit Freuden anderen weiterempfehlen würde.
Und genau das ist die Crux: Man kann weder sagen, er wäre schlecht, noch, er wäre gut. Er ist beides. Nur eben nicht mittelmäßig.
Deal with it.
 

.kinoticket-Empfehlung: Animierter Spaß mit Längen, merkwürdigen Momenten, grandiosen Einfällen und gleichzeitig klischeeüberladenen Humoreskapaden, die aus dem Film eine leibhaftige Schrödingerkatze machen: Gleichzeitig gut und schlecht.

 
Nachspann
Mitnehmen, der enthält noch einiges an Szenen.
Kinostart: 22. März 2018

Genauso anders wie ich

Es ist wieder mal eine Schande: Im Kino häufen sich die Filme, die in aller Munde sind und die Leute rennen zu Scharen rein und Vorstellungen wie diese sind schamlos leergefegt und werden von keinem beachtet. Dabei ist gerade dieser Titel es soooo wert, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt – und das gleich aus mehreren Gründen.
Vorab: Wer bereits irgendwo eine Kritik gelesen oder sich von Inhaltsangaben oder sonstigem Schwachsinn oberflächlich hat abspeisen lassen, sollte seine aufgebauten Vorurteile wieder in die Tasche stecken und einfach mal fünf Minuten zuhören.
Ja, es gibt tatsächlich kurze Momente, in denen die illustre Mädchenhaftigkeit von Renée Zellweger zu spüren ist, die nunmal ihre ganz eigene Bridget Jones Tagebuch-Manier hat, das macht sie als Person nunmal aus.
So man dies weiß und sich diesen Film besieht und erstmal geschlagene 20 Minuten braucht, um festzustellen, dass das tatsächlich Zellweger und nicht jemand anderes ist, zeugt an dieser Stelle dann wohl eher von einer schauspielerischen Stärke, die seinesgleichen sucht. Und da schließe ich alle anderen sofort mit ein, die das Kinoplakat auf den ersten Blick freigibt: Die gespielten Rollen überzeugen dermaßen mit einer Authentizität und Hingabe, die man so selten gesehen hat.
Ich behaupte oft, dass die Menschen heute in den Werken beliebig austauschbar wären und alles nur noch von Technik und CGI-Gekröse am Leben erhalten wird – dies kann man von Genauso anders wie ich mal absolut nicht behaupten: Nimm einen der Darsteller hier raus und die Kiste bricht in sich zusammen! Diese Höchstleistung gehört honoriert und es ist eine Schande, dass der Film gerade gnadenlos absäuft!
Weiter geht’s nämlich mit den eindrücklichen Szenen, die mancher als “kitschig” bewirbt oder schmalzig dargestellt sehen will: Dies kann ich so überhaupt nicht unterstreichen: Kameramäßig merkt man auch hier wieder viel Arbeit, die in solche Szenen geflossen sind und musikalisch hat man eher auf Beruhigung und Tiefenentspannung gesetzt, was in der ansonsten oft hektischen Weihnachtszeit jetzt ja wohl das Willkommenste ist, das man sich wünschen kann: Einen Film, der mal nicht nach vorne prescht, sondern sich mal die Zeit lässt und an Natur, Farbträchtigkeit und Schönheit ergötzt, ohne den Zuschauer durch mittelklassische Musik zu deformieren. Auch da wieder ein großes Lob, diese Momente sind den Besuch in einem ruhigen Kino durchaus wert!
Gehen wir zur Kindlichkeit und dem Rumgenerve von Zellweger: An alle Frauenrechtler und Feminist-Fetischistinnen: Sorry, dieser Film erzählt nicht die Geschichte einer Frau, sondern die eines Mannes – und da ist es leider ein ganz klein wenig egal, ob diese Frau sich im Laufe der Spielzeit selbst zur Lächerlichkeit führt und sich daher am Ende eigenständig obsolet macht: Vielmehr zählen die unfassbar vielen Momente, die zwei Kerle hier miteinander erleben und die eindrücklich ein so wichtiges und diskutiernotwendiges Thema aufgreifen, dass einem nur das Herz durchgeschüttelt werden kann.
Mein Gott, was bin ich zwischendrin oft zusammengebrochen, als man mit einer derartigen Einbruchskunst vor verschiedene Szenarien geführt wurde und sie in einem mächtigen Emotionsschlag hat enden lassen, die sowohl das anprangern, was angeprangert gehört als auch zeigen, aus welchen Verwindungen sich manche herauskämpfen müssen, das wiederum ihre soziale Abgeschiedenheit und Andersartigkeit erläutert und damit einen Reigen zur humanistischen Verständigung anführt, die ich in diesem Ausmaß noch nicht erlebt habe: Ohne Moralfinger, ohne Predigten und den ganzen Schwachsinn einen Film über so ein wichtiges Thema zu drehen, der diese Reaktionen beim Zuschauer auslöst: Her damit!
Und nicht zuletzt: Wahre Geschichte! Und zwar so wahr, dass er in Amerika drüben so extrem viel bewirkt hat, dass sich jemand sogar auf die Beine gemacht und das Ding verfilmt hat – es ist also etwas dran. Dies sieht man auch am Nachspann – und darum bleibt mir nur zu sagen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Vergesst die verdammten Kritiker und setzt euch auf eure vier Buchstaben und zwar genau in diesen Film!
Eine wichtigere Botschaft gibt es an Weihnachten nicht – und das Geplörre von irgendwelchen Schrullen, die einem erzählen wollen, dass das hier schmalzt oder nervt, darf man sich gerne wohin stecken.
Dies ist ungelogen menschlich gesehen einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe!

 
Nachspann
dringend sitzen bleiben, denn hier sieht man, dass das nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern tatsächlich wahr ist. Sehr wertvoll!
Kinostart: 30. November 2017

mother!

Phew – jetzt wird’s selbst für Wortakrobaten schwierig. Darren Aronofsky ist ja sowieso kein unbeschriebenes Blatt mehr und für seine zweifellos verstörenden Filme bekannt.
Mit mother! beschreitet nun selbst er neues Terrain, dass im Vorfeld bereits in Venedig für mächtig verstörende Sequenzen in der Weltgeschichte gesorgt hat, was wiederum in vielen Köpfen nun für Unsicherheit und Zurückhaltung verantwortlich ist, der man auf keinen Fall nachgeben, sondern sich eines ganz klar und indiskutabel auf die Fahnen schreiben sollte: Den Film auf jeden Fall im Kino zu besehen, und zwar völlig unabhängig von dem, was jedweder Kritiker – also auch ich – dazu zu sagen haben.
Dass ich dem Mainstream sowieso nicht so sehr zugeneigt bin, hat sich ja inzwischen unmissverständlich herauskristallisiert. Damit ist mother! für alltagshassende Menschen wie mich gefundenes Fressen – und zwar nicht nur, weil ich den Punch in die Fresse der Normalität über alles liebe, sondern es einfach krass ist, wie sehr man die wackelpuddingartigen Persönlichkeiten in ihren Grundfesten erschüttern und mit wenigen Minuten auf der Leinwand völlig aus ihrem Alltagsweltbild herausreißen kann, so dass im Kinosaal nicht nur massenhaft offene Münder, sondern auch jede Menge erschreckte und angstvolle Fuck-Laute zu hören waren.
Und ja – hier bricht das Chaos aus, dass aus einem für mich wieder mal hervorragend inszenierten .teaser nun den dazu passenden Film liefert, bei dem man einfach mal so absolut gar nichts weiß. Auch nicht, wenn man ihn gesehen hat. Auch nicht, wenn man sich hinterher versucht, mit anderen darüber auszutauschen. Und damit ist Aronofsky für mich weiterhin das Genie, das er auch vorher schon war, nur eben jetzt in unglaublich viel besser.
Was genau jeder Einzelne nun in die immer eskalierenderen Szenen hineininterpretieren möchte und wie man sich den Plot hinterher selbst zurechtlegt, um daraus ein funktionelles Konstrukt zu machen, dass irgendwie in die Gedankengänge eines jeden passt, bleibt dem Zuschauer für sich überlassen.
Diese Abartigkeit (und ja, ich weiß, dass dieses Wort bei mir inflationär oft benutzt wird) bekommt mit mother! eine völlig neue Dimension, die anfangs verstörend, im Mittelteil verstörender und am Ende wortlos und unbeschreiblich wird, sich aber dennoch irgendwie zum Großen Ganzen zusammenstückelt.
Die Phasen der emotionalen Durchleuchtung einer Sache gereichen hier in Höhen, in denen normalerweise auch die Gedanken von Genies nichts mehr zu suchen haben – und überschreiten damit keine Grenzen mehr, sondern dringen in verbotene Zonen vor, die sich auch nicht mit FSK-16 Freigabe rechtfertigen lassen.
Ihr spürt so ein wenig meine unfassbare Begeisterung für dieses absurde Werk? Ich liebe es und werde mir wohl immer wieder davon ein Bild machen können. Wer weiß – vielleicht schaffe ich es noch in diesem Jahrhundert, mir einen passenden Reim darauf zu bilden und mich so tief in die Kaninchenlöcher vorzubeißen, dass ich irgendwann in den tiefsten Wurzellöchern den Anfang dessen finde und alles verstehe – und wenn es mein Leben kostet.
Genau das gehört für mich in die Kinosäle, die aus Gründen schwarz und nicht weiß sind. Genau das gehört für mich in jedes Wochenprogramm jeden Kinos, weil da eben mal nicht die Masse bedient und der familienfreundliche Schwulst übellaunig zusammengepresster Standard-Mainstreamscheiße mit einem passenden Namen versehen in die Scheinproduktionsmaschine geworfen wurde.
Hier offenbart sich eine völlig neue Interpretation von was auch immer, dass ohne Gnade und Erbarmen seine Schläge in die Gedankengänge normaler Menschen austeilt und damit auf Eskalation setzt, die ich liebe und vergöttere.
Und während am Markt geschlossene Unentschlossenheit darüber herrscht, ob man dem Werk nun Genialität oder Unfähigkeit attestieren soll, treibe ich mich wieder und wieder in die dunklen Höhlen der Glückseligkeit, um mir dieses Schauspiel wieder und wieder einzuverleiben.
Es ist der Gnadenschuss für die tödliche Allgegenwärtigkeit, die immer unerträglicher in den Lungen der Gesellschaft für den Erstickungstod sorgt und somit sogar den Standard-Zombies das Sterben neu beibringt.
Und da stehe ich daneben und man hört in den apokalyptischen Rängen am Ende der Welt das einsame Applaudieren eines glückseligen Jungen, der Kino über alles liebt: Meins.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ein Film dieses Attribut je tatsächlich verdient hat, dann dieser: Abgefuckt!
Aronofsky inszeniert hier mit meiner Lieblingsschauspielerin Jennifer Lawrence einen Reigen von Unverständnis, Desillusion und Normwidrigkeit, dass unterbrechungsfrei mit größter Aufopferung in die Klöten der Natürlichkeit tritt und uns damit das präsentiert, das ich auf dem höchsten Stuhl der Verehrung einmeißeln würde: mother!
Wer behauptet, er habe den Film verstanden, lügt.
Wer nicht ins Kino spaziert, um ihn sich dort mit Gurten am Sessel festgeschnallt anzusehen, ist blöd.
Wer anderen irgendetwas darüber erzählt, sollte besser seine Fresse halten und dafür sorgen, dass sie trotzdem ins Kino gehen.
Und darum vergesst, was ich oben darüber geschrieben habt und geht rein. Bitte!

 
Nachspann
sollte man bis zum Schluss anschauen und mir dann eine E-Mail schicken und erklären, was das alles soll. Im Ernst – kann damit jemand was anfangen?
Kinostart: 14. September 2017

Casino Undercover

An alle, die beim Namen Will Ferrell einen Brechreiz kriegen: Ich fühle mit euch. Ich hasse den Typ und seine stupide Dummheit in seinen ständigen Rollen.
An alle, die bei Amy Poehler denken: Oh mein Gott, was für eine talentlose Frau, die in ihrer Erbärmlichkeit aufgeht und vor aller Welt beweist, was für armselige, lächerliche Schauspielerin sie ist: Ja, ich habe bei fast allen Filmen von ihr so gedacht.
Und ich lege euch wärmstens ans Herz, ab 6. Juli 2017 in Casino Undercover zu gehen.
Hauptdarsteller/in: Will Ferrell und Amy Poehler.
Was geht jetzt?
Ähm – so richtig begreifen kann ich es selbst noch nicht, was da passiert ist. Ich habe nicht mal bei den Minions so viel lachen müssen, wie vorgestern in Casino Undercover, als sich Ferrell und Poehler gegenseitig die Bälle zuspielten und ein Gagfeuerwerk entfesselten, dass seinesgleichen sucht.
In Zusammenarbeit mit Jason Mantzoukas erreichen die zwei hier Höhen, die unglaublich sind! Nicht nur, dass man es wohl endlich einmal geschafft hat, eine Komödie zu kreieren, die meinen Comedy-Hass galant beiseite stößt und mich für das Werk schwärmen lässt, sondern auch das Austarieren zwischen Unmöglichkeit und Überzogenheit hat hier in perfekter Weise geklappt. Man ist verrückt, durchtrieben, überdreht, wahnsinnig und voll auf dem Trip, schafft es aber trotzdem nicht, in irgendwelche Löcher abzurutschen oder es mit billigen Jokes zu versemmeln.
Im Gegenteil: Die meisterhaft geschnittene Schnelligkeit beweist, dass in den Drehbüchern des Films sehr wohl extrem viel Inhalt und wenig Zeit für Streckungen oder ähnliche Zeitschindereien gewesen ist, sondern man sich rühmlich auf das Wesentliche konzentrieren wollte und alles Lahmarschige dafür weggelassen hat.
Gott sei’s gedankt, denn so einen Film hätte man auch gerne gute 2 Stunden ausgehalten. Diese Entscheidung, hier tatsächlich nur mit knapp 90 Minuten zu spielen, zeigt einmal mehr das könnerhafte Verständnis für extravagante Filme der Macher.
Und im Ernst: Ich hasse diesen ganzen Komödienmist, von dem immer alle meinen, er sei “lustig” und der irgendwelche blöden Schulhofjokes feiert, als sei Gott persönlich vom Himmel herabgestiegen. Ich hasse es.
Und ich liebe diesen Film. Nachdem der gestern aus war, waren meine ersten Worte:
“Das ist mit Abstand der beste Film, den Ferrell jemals gedreht hat und das mit Abstand beste, was Poehler jemals aus sich gemacht hat.”
Und ich stehe dazu – ich liebe ihn. Ich ziehe ihn allem anderen “lustigen” vor und verweise jeden darauf, definitiv diese Vorstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Obwohl man eigentlich nicht lachen will, weil es zu “dumm” ist, muss man lachen – und es bleibt auch keine Zeit, sich auszuruhen, sondern man hat eine Szene noch nicht ganz verdaut, während man bereits in den nächsten vieren gefangen ist und auch da wieder zum Lachen gezwungen wird.
Leute im Ernst: Casino Undercover geht damit für mich in die Geschichte ein als allererster Film, den ich als Komödie wirklich für absolut gelungen bezeichne. Und damit meine ich einfach alles. Die Besetzung, die Dramaturgie, die Konversationen, die Einfälle, die realistische Glaubwürdigkeit innerhalb eines Metiers, dass extra für diesen Film geschaffen wurde, den Schnitt, die Musik, die Kostümierung, die Profilzeichnung – einfach alles!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zutiefst beeindruckt ziehe ich meinen Hut und gebe zu: Es gibt doch eine Komödie, die ich restlos feiere und vor der ich mich tief verneige: Casino Undercover.
Hier stimmt einfach alles – und die Dichte der Gags, die allesamt (!) gelungen sind und nirgendwo unter die Gürtellinie oder sonst wie abrutschen, ist überirdisch.
Geht da rein und erlebt ein einziges Mal, was es wirklich bedeutet, einen lustigen Film zu sehen – alles andere stinkt dagegen wirklich nur ab.

 
Nachspann
Läuft keiner, nur Text. Rausgehen ist also erlaubt.
Kinostart: 6. Juli 2017

Die Verführten

Sofia Coppola auf dem Regiestuhl ist meist ein Garant dafür, dass ein Film einschlägt. Die Frau hat nicht nur einen anbetungswürdigen Vater als Regie-Vorbild, sondern ihren ganz eigenen Stil entwickelt, den sie mit Herzblut, Liebe und Hingabe jedes Mal auf die Leinwand zeichnet, ohne sich dabei von anderen beirren zu lassen.
Und so etwas ist selten. Schon in The Virgin Suicides habe ich ihre Arbeit bewundert und die Liebe zu ihrem Stil entdeckt. Umso erfreuter war ich, dass im Kino demnächst wieder ein Stück von ihr zu sehen sein wird und habe mit Freuden darauf hingefiebert.
Die Verführten lockt ja im Trailer schon mit einer außergewöhnlichen Story und kitzelt die Zuschauer bereits ein wenig in punkto Horroranflüge. Der Film selbst packt die Sache dann allerdings völlig anders an und löste nicht nur bei mir die Reaktion aus, etwas völlig anderes bekommen als erwartet zu haben. Sei’s drum.
Der prägende Stil, den sie sich für ihre neueste Schöpfung ausgesucht hat, orientiert sich natürlich auch wieder pedantisch an der gewählten Zeit und sorgt mit viel Detailreichtum und Aufmerksamkeit für ein authentisches Bild dieser Epoche. Die dadurch erzeugte Sphäre wird zusätzlich aufgeladen, da alle Schauspieler sich gemeinsam auch zwischen den Drehs in ihrer Rolle beschäftigten um somit mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen.
Nicht nur beim Design der Klamotten und dem Ausschmücken der Szenen, sondern auch in den Erzählsträngen spürt man sofort, dass hier sehr viel Detailverliebtheit am Start war. Auch die Darsteller berichten darüber, dass die Arbeit mit Sofia sehr angenehm, verspielt und fachlich sicher gewesen ist. Das für die heutige Zeit eher ungewöhnliche Format des Films zeigt, dass ihre Entscheidungen wohl durchdacht und mit Sinn getroffen worden sind, denn sie wollte durch das 1:1,66 Bildformat mehr Ausdrucksmöglichkeiten für die Körpersprache erreichen.
Sich dann mit Thematiken zu beschäftigen, die in heutiger Zeit wohl kaum noch eine Rolle in der Öffentlichkeit spielen, diese aber so immens beeindruckend und von allen Dingen unterstützt auf die Leinwand zu konzipieren, ist großartige Regiearbeit, die sonst keiner so innig ausführt.
Der Film lebt quasi mehr oder weniger von der Kulisse, den Regeln, den Gemeinsamkeiten und Entwicklungen, die jede Generation für sich mit der Situation macht. Dadurch erzählt sie in ihrer Buchverfilmung eine Story, die nicht nur absolut realistisch wirkt, sondern auch dieses verlorene Bild der Protagonisten mitsamt ihren Schwierigkeiten vermittelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv ein Stück sehenswerte Kinogeschichte, dass sich mit einer Zeit beschäftigt, die unsere heutigen Probleme um ein Vielfaches unterwandert.
Die Details, die Vorarbeit und das wohldurchdachte Konzept sprühen aus jeder Szene und vermitteln ein authentisches und beklemmendes Bild einer mehr als eigensinnigen Situation. Dies dann in 89 Minuten fesselnd auf die Leinwand zu bringen und etwas völlig Abstruses zu erzählen, schafft nur jemand in 26 Drehtagen, der sein Handwerk wirklich versteht.
Freunde alter Filme, die ganze “Damenkleider”-Fraktion und Menschen mit Liebe für eine außergewöhnliche Story finden hier sicherlich Gefallen dran.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Nach der letzten Klappe ist wirklich Schluss.
Kinostart: 29. Juni 2017

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