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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Heiner Lauterbach

Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers

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© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Bei Pferdefilmen ist es genau wie bei Tanzfilmen: Hast du einen gesehen, kennst du alle. Der Plot ist immer der gleiche: Am Anfang ist ein Hof. Irgendein Konkurrent möchte dem Hof böses und sorgt deshalb dafür, dass er garantiert und ohne Umschweife komplett untergeht! Nicht Teile des Hofs müssen geschlossen werden oder bestimmte Bereiche verkauft oder vermietet oder umstrukturiert, nein – der komplette Hof muss schließen!

Dann gibt es da noch das Pferd. Und eine “sie”, die irgendwie mit dem Pferd verbandelt ist. Sie kann den Hof retten. Die Eltern und Erwachsenen mit Finanzhoheit und Lebenserfahrung haben rein gar keine Chance, es müssen (!) die Kinder machen, denn die Erwachsenen sind in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit vollkommen außer Gefecht gesetzt und dadurch absolut handlungsunfähig. Wären nicht die Kinder, wäre alles verloren!

Irgendein “Eindringling”, der anfangs rein gar keine Beziehung zu Pferden und dem Hof hat, sorgt für Ideen, gilt als Motivator oder Antrieb, der die Kinder dazu befähigt, weit über sich hinaus zu wachsen und im besten Falle mit einem groß angelegten Rennen ein Preisgeld zu kassieren, das den Hof komplett rettet und alle glücklich in den Sonnenuntergang reiten lässt.

Achja, und das Mädchen küsst den Jungen. Abspann.

Wahlweise macht man aus “Hof” eine “Tanzschule”, aus “Pferd verbandelt” ein “Junge verbandelt” und aus “Rennen” ein “Street Dance Event mit Preisgeld” und man hat den Plot für Tanzfilme.

Das garniert jede Fanbase dann mit ihrem eigenen Logo, tut so, als ob es außer ihrer Marke rein gar nichts gibt, was auf diesem Gebiet das Wasser reichen könnte und lebt so, als wäre es immer schon so gewesen. Dazu ein paar rührselige Landschaftsbilder und viel Pferdegetrappel und fertig ist der tolle, atemberaubende Pferdefilm, der das Millionenpublikum begeistert!

Boah … ertrinkt ihr auch gerade so in diesem Kitsch-Schleim?

Yes – der .trailer zu Immenhof hat genau das vermittelt: Just another one … dazu mit den wahnsinnig innovativen, mutigen, aus der Reihe tanzenden Einfällen der Öffentlich-Rechtlichen inkl. Filmförderung, die ja bekannt für “neue Ideen” sind, und … äh ja, die Ironie merkt ihr oder?

Meine Fresse, was hab ich wochenlang abgekotzt und mir gedacht: Lasst es doch einfach sein! Wer braucht das? Immenhof, da hat’s mal irgendwas im Fernsehen gegeben, was dich damals schon nicht interessiert hat und wenn “kleine Mädchen” und ARD/ZDF in einem Atemzug genannt werden, brauch ich per se direkt einen Eimer.

Und dafür hat mich Immenhof – Abenteuer eines Sommers echt überrascht. Positiv. Ja, Ostwind – Aufbruch nach Ora ist für mich immer noch das Maß aller Dinge, weil dieser Film endlich aus dem üblichen Schemata ausbrach und etwas lieferte, was ich bis dato noch nie in einem Pferdefilm gesehen habe: Einen Charakter, der mehr war, als das üblich-schmonzige ARD-Geraffel und etwas, das bereits weit in die Erwachsenenwelt hineinreicht und Avancen hat, größer zu werden, als es jemals war.

Und auf diesen Zug springt Immenhof gewissermaßen auf. Die Szenerien und Landschaftsauswahl gehört zur Kategorie “großartige Bilder” genau wie auch der Soundtrack vermittelt, dass man sich eben von der TV-Serie abwendet und tatsächlich ins Kino möchte. Auch beim Plot spürt man deutlich, dass Kino hier das Maß aller Dinge sein sollte, auch wenn hier und da noch ein wenig die Fernsehlandschaft durchblickt, diese Momente sind ganz schnell wieder vorbei und man entwickelt sich so, dass am Ende tatsächlich der Gang in den Saal von Nöten ist und man das Ding nicht einfach nur auf dem Bildschirm abspulen kann.

Auch charaktertechnisch hat man einiges aufgefahren, was sich eben von dem üblichen Standards abhebt und in einer sehr einfühlsamen Weise zum Ausdruck verhilft, so dass man die Story, wenngleich sie oben beschriebene Elemente enthält, dennoch glaubhaft akzeptiert und hier einen Film erhält, der meiner Meinung nach zwar noch nicht an mein Vorbild heranreicht, jedoch nicht mehr weit davon entfernt ist.

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v.l.n.r. Benjamin Trinks, Rafael Gareisen, Leia Holtwick, Ella Päffgen, Sharon von Wietersheim, Laura Berlin, Moritz Bäckerling auf der Premiere von Immenhof – Abenteuer eines Sommers

© 2019 Petra Schönberger

Vielen Dank an Petra Schönberger für das Bereitstellen des Fotos. Schaut auch mal auf ihrer Seite vorbei: www.events-for-you.eu.

.kinoticket-Empfehlung: Viel positiver, als ich anfangs gedacht habe: Man distanziert sich fast schon aus dem eigenen Genre und liefert Bilder, Soundtrack und Charaktere, die sich vom restlichen Genre deutlich abheben und ein viel “gesünderes Bild” zeichnen als andere Filme dieser Gattung.

Damit kommt man zwar nicht ganz, aber fast an mein Allzeitvorbild Ostwind – Aufbruch nach Ora ran. Der Gang ins Kino ist damit von mir freigegeben 😉

Nachspann
❌ kann man hocken bleiben und den Pferdchen beim Springen zusehen, weiterführende Szenen gibt es aber keine mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers
Length: 105 Min.
Rated: FSK 0

Kalte Füße

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Kalte Füße enthält im Titel keine super-duper-hightech-nonchalanten Superheldencharaktäre und deutet darauf hin, dass hier eher eine TV-Produktion ins Kino gehievt wurde, die sich mit Ach und Krach behaupten will. Dazu noch talentierte Schauspielgrößen wie Heiner Lauterbach oder Leinwand-Emporkömmling Emilio Sakraya und man ist mittendrin im deutschen Kino.

Nur: Diesmal eben in richtig gut!

Bereits der .trailer hat angedeutet, dass hier tatsächlich echte Gagschreiber am Werk waren und – soviel sei verraten – er nimmt nichts vorweg, sondern lässt genügend Zeit und Spielraum, damit die Story sich entwickeln kann und nicht einfach nur die vorgezeigten Szenen zusammenfügt und abarbeitet.

Und obwohl hier und da schon ein klein wenig die fernsehbegabte Arbeitsweise durchschimmert und auch der ein oder andere Dialog eher den Öffentlich-Rechtlichen entsprungen sein könnte: Man gibt sich hier so viel Mühe, eine wirklich unterhaltsame, spannende und vor allem coole Geschichte zu präsentieren, die auf der Leinwand durchweg Spaß macht!

Wer also wieder mal ungeniert lachen möchte und eine wunderbar erzählte Geschichte erleben, der darf hier beherzt zugreifen und sich ein .kinoticket sichern!

.kinoticket-Empfehlung: Für die deutsche Machart übertrieben gut!

Man schafft es, witzig zu sein und präsentiert eine Coolness, die ich bei anderen deutschen Filmen oft vermisse oder als lächerlich empfinde: Keine Fremdscham, guter Humor, interessante Handlung und ungenierter Kinospaß! Mitnehmen!

Nachspann
✅ ist nett animiert, aber nicht zwingend notwendig … man braucht allerdings nicht direkt rausstürmen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Kalte Füße
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

Unter deutschen Betten

Soll ich an dieser Stelle auch mal mit “Untertiteln” anfangen und über meine Kritik “Eine Abrechnung” schreiben?
Denn genau das ist es, woran der Film meiner Meinung nach tierisch krankt: Er schürt beim Zuschauer durch diesen blöden Untertitel immens falsche Erwartungen, was in derber Enttäuschung mündet, da genau diese absolut nicht geliefert werden.
Ich weiß natürlich nicht, wie andere das sehen oder auffassen, ich kann da nur von mir ausgehen – als jemand, der das Buch nicht gelesen hat (aber jetzt gerne lesen würde), hätte ich erwartet, dass eben genau das im Film gezeigt und inszeniert wird, was der Untertitel verspricht: Eine Putzfrau packt aus.
Dass im Bezug auf “Unter deutschen Betten” dann eben sehr pikante Details über das Privatleben “echter” Bürger offenbart werden, was wiederum eine interessante Fallstudie zum Thema Öffentlichkeitserscheinung vs. reale Tatsachen darstellen würde – und so etwas interessiert mich brennend! Ein Blick hinter die Kulissen der Fassaden, mit denen fast jeder auf der Straße rumrennt und die von jemandem widerlegt werden, der genau hinter diesen Kulissen arbeitet.
Und da ist der Film auf ganzer Linie enttäuschend: Man könnte fast meinen, er ist eine Art “Rahmenhandlung”, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist, der dabei wieder auf völlig andere Augenmerke wert legt und sich um den eigentlichen Inhalt einen Dreck schert. Und dabei aber immer mit dem nicht einsehbaren Werk vor den Augen der Zuschauer rum wedelt, der es kaum erwarten kann, doch endlich etwas präsentiert zu bekommen … und dann wohl oder übel auf den zusätzlichen Kauf des Buches angewiesen ist. Marketingstrategisch auf jeden Fall wiederum ein sehr kluger Schachzug, der allerdings auf dem Rücken des Kunden ausgetragen wird.
Kommen wir dann zum Film ohne diesen Untertitel, bleibt ein weiteres Werk, dass zwar bei Weitem nicht an die unterirdische “Größe” von High Society heranreicht, jedoch die gleiche Klientel zum Thema hat und daher bei mir etwas bitter aufstößt.
Ja, ich weiß, wie es ist, wenn man Geld hat – ich weiß aber auch, wie es ist, wenn man mit 10 Pfennig (umgerechnet 5 Cent) im Monat (!) klar kommen muss und 2 ½ Jahre auf eine Dose Pringles sparen müsste und daher seine ganze Kindheit über nie eine zu essen bekommen hat.
Und genau aus dem Grund halte ich es für falsch, mit Besitz und Reichtum hausieren zu gehen und diese blöde öffentliche Zurschaustellung zu zelebrieren, während woanders Leute um ihr Leben kämpfen. Und die peinlichen “Von oben herab”-Spendengalas sind einfach nur bitter und lächerlich, weil sie den Leuten vielleicht Geld vermachen, jedoch keine Wertschätzung und Anerkennung liefern – und genau das hätten die Ärmsten der Armen aber verdient.
Dass hier dann die Chance mal genutzt wird und diese Scherenstellung der Gesellschaft auseinandergepflückt wird, ist zwar tendenziell zu erkennen, mündet für mich aber auch nicht in der bleibenden Moral, die ich dabei hintenan gestellt hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich widersprechen sich Untertitel und Inhalt des Films, was in meinem Fall zu einer herben Enttäuschung mutierte, statt zu vergnügter Offenbarung der Fälle hinter den Kulissen unseres Lebens.
Die teils ausbleibenden Lacher im Kino zeugen davon, dass es anderen ebenfalls so geht und auch mit einer Ansammlung nationaler Stars dabei kein großer Hit gelandet wurde, sondern allenfalls eine Nebensächlichkeit.
Man könnte den Film quasi als Rahmenhandlung zum Buch sehen – und sollte spätestens danach zur Lektüre greifen, damit sich der Untertitel auch noch erfüllt.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – gebt den Saal zum Reinigen frei ^^.
Kinostart: 5. Oktober 2017

Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (3D)

Vormaterial gibt’s vieles – neben zwei animierten Filmen auch unzählige Folgen von TV-Serien, CDs, Merchandising und Co. – Die Schlümpfe begeistern seit jeher die jungen Generationen mit ihren durchtriebenen Geschichten.
Mit Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf startet man ein neues Abenteuer, dass sich von altem Ballast befreit und einmal völlig neu die Geschichte der kleinen Umtreiber erzählt, die diversen Rätseln auf die Schliche gehen und dabei ihre ganz eigenen Erkenntnisse sammeln.
Die liebenswürdige Machart in Sachen Animation, Sprache, Bildpracht und Farbenerguss lassen dieses Reboot auf der Liste aller Reboots weit nach oben klettern, denn der Aufwand hat sich – in meinen Augen – gelohnt. Nicht nur die Story ist dabei herzerwärmend und verströmt wieder viel Liebe, weckt Neugier und erzählt inspirativ von völlig neuen Möglichkeiten, sondern auch die Vorankündigung im Teaser fand ich PR-technisch mal wieder absolut gelungen.
Dass man hier bedenkenlos mit allen Kleinen hingehen kann, versteht sich von selbst und dass man selbst als Erwachsener seine Portion Unterhaltung und Kurzweil abkriegt, wisst ihr nun auch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer über die Ostertage also nicht weiß, wohin mit der Familie, darf hier gerne zuschlagen und sich für eine knappe anderthalbe Stunde in die blaue Welt der Schlümpfe entführen lassen.
Die Geschichte ist absolut familientauglich, toll animiert und keinesfalls so enttäuschend wie die Remakes von Biene Maja und Co.
Von mir gibt’s ein Daumen hoch!

 
Nachspann
nicht gleich rausrennen, hier kommen noch ein paar Sequenzen, die auch das granatige 3D nochmal so richtig auskosten.

Willkommen bei den Hartmanns

Deutsch – Ausländer – stark emotionalisiertes Thema und jede Menge (schein)prominente Klüngel … und Elyas M’Barek – fertig ist das Erfolgskonzept, dass hierzulande frenetisch abgefeiert werden soll und mit ach so gesellschaftskritischen Themen sowohl zum Lachen als auch Nachdenken anregen will.
Der Mix ist derart kalt zusammengemischt, dass man wirklich viel Feingefühl mitbringen muss, um hier tatsächlich eine funktionierende Unterhaltung vorzufinden, denn der Plot ist größtenteils sehr sehr langwierig und unglaublich langsam. Dass man Themen, über die sich die halbe Welt aufregt und die bei jedem gleich die Emotionen hochkochen lassen, hier nicht unbedingt von der sachlich-objektiven Seite aus angehen sollte, ist auch mir klar.
Die richtige Portion Komik könnte dabei helfen, hier tatsächlich den Blickwinkel einiger zugeschnürter Meinungen zu entzerren und dabei ganz im Alleingang den Horizont einiger beschränkter Zuschauer zu erweitern, das Potenzial von schwarzem Humor wurde zwar mächtig ausgereizt, jedoch beständig auf Kosten von übel-triefendem Klischee, deren Keule man nicht nur subtil ins Geschehen eingebaut hat, sondern quasi permanent mit allen verfügbaren Kräften auf die Vorurteile drauf preschen lässt, die sich einem hier bieten könnten.
Selbst die ungewollt komischen Momente wirken dadurch oft nur aufgesetzt und keineswegs authentisch, was die Erzählung ein Stück weit unerträglich macht, da es zumindest Menschen wie mir schwer fällt, solche Charaktere zu akzeptieren und mich die komplette Spielzeit über mit ihnen auseinanderzusetzen.
Interessant ist dabei, dass hier die offensichtliche Zurschaustellung von Ausländern gar nicht zentrales Thema ist, sondern vielmehr ein Plot um etwas gewickelt wird, dass man bestenfalls noch mit viel Interpretation als gesellschaftliche Reflektion bezeichnen könnte, da auf keinerlei Moral hingearbeitet wird, sondern die Wertekeule allenfalls als Alibi dient.
Dabei wirken teils verhasste Schauspieler wie M’Barek schon als erfrischende Nebendarsteller, die der Geschichte überhaupt Esprit verleihen und damit die Unerträglichkeit auf ein Minimum reduzieren. Angesichts des wirklich hoch aktuellen Themas hätte ich mir von dieser Chose viel mehr versprochen, das aber nicht geliefert wird, sondern eben einfach nur abgehandelt.
Hier und da kommen Ansätze durch, die den Zuschauer durchaus zum Nachdenken bringen könnten, werden kurz darauf aber gleich wieder mit der Witzkeule niedergemacht, so dass am Ende kein bleibender Mehrwert bleibt, der diesen Film empfehlenswert macht oder gar dazu einlädt, ihn sich nochmals anzuschauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Auswahl an nationalen Stars ist groß, das Thema hochaktuell, die Idee dem Trailer entsprechend gar nicht schlecht, die Umsetzung dann aber derart lahmarschig, dass es kaum lohnt, dafür Geld auszugeben.
Der trockene Humor wird zwar an vielen Stellen richtig ausgekostet, jedoch immer auf Kosten von Klischees und niemals zur Weiterentwicklung der persönlichen Ansichten, was ich persönlich einfach nur schade fand.
Man kann ihn sich anschauen, mein Humor ist es aber mal definitiv nicht.

 
Nachspann
hält noch eine kleine Überraschung parat.

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