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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Henry Cavill

Mission: Impossible – Fallout (3D)

Derzeit stehen sie wieder in allen Läden zum Verkauf bereit – optisch schön aufbereitet in einer glänzenden Edition: 2,8 Millionen Dollar hat das Franchise rund um Mission: Impossible bereits eingebracht und mit Rogue Nation vollführte man damals einen Schachzug, der die Filmreihe mit Tom Cruise wieder mächtig nach vorne katapultieren sollte.
2018 wartet man mit einem neuen Teil dieser Reihe auf und vollzieht damit etwas, dass ich dem alternden Hollywood der Moderne kaum mehr zugetraut hätte. Ich meine: Wir leben in einem CGI-Zeitalter, in dem fast alle Schwierigkeiten mit “das machen wir eben mit PC – kostet Geld, ist aber machbar” wegdiskutiert werden können und man sich keine Gedanken mehr um schwierige Kamerafahrten oder ähnliche Stunts zu machen braucht.
Mittlerweile weiß aber fast jeder, dass Cruise dafür bekannt ist, all seine Stunts selbst zu machen und keine Stuntmen dafür anheuern zu lassen. Mit dieser Echtheit hat man bei Mad Max: Fury Road schon mal dem Zuschauer gegenüber Ehrlichkeit bewiesen und es hagelte goldene Oscars ohne Ende.
Mission: Impossible – Fallout vollzieht die Konsequenz dessen und führt erneut eine Stunt-Ballade in den Ring, die sich gewaschen hat. Selbst als langjähriger Kinogänger sitzt man vor der Leinwand und weiß innerlich, was eigentlich kommt, kennt so ziemlich jeden Ablauf eines Actionfilms in und auswendig und hat so ziemlich jede technische Raffinesse bereits 100.000x vorher gesehen. Warum hockt man dann im Kino und kriegt die Fresse vor Staunen nicht mehr zu und fragt sich: Wie zur Hölle haben die das gemacht?
Mission: Impossible – Fallout ist seit langem endlich wieder mal ein Blockbuster im Mainstreamkino, der sich selbstbewusst so nennen muss und der neben zwei anderen Titel derzeit zeigt, dass Hollywood wohl doch verstanden hat, was es anders machen muss, um weiterhin erfolgreich zu bleiben?
In dem Teil ist einfach alles perfekt! Jurassic World: The Fallen Kingdom kann einpacken und die Leinwände für diesen Film freigeben: Es ist das beste in diesem Genre, was ich seit langem gesehen habe!!!
Man macht’s einfach richtig! Spricht, wenn gesprochen werden muss. Hält den Schnabel, wenn die Fresse gehalten werden soll, vollführt Stuntaction der Meisterklasse und liefert unglaubliche Bilder, die einen voller Staunen und Ehrfurcht vor dem Filmbusiness zurücklassen und einfach nur zutiefst niederwuchten!
Der Soundtrack – ein glanzvolles Meisterstück eleganter Kunst, der wieder das altbekannte Theme aufgreift, daraus aber kein modernes Miststück werden lässt oder mit irgendwelchen Popgören überrumpelt, sondern einmal mehr Größe und Anmut zeigt und den Besucher hier in voller Montur akustisch verwöhnt.
Man ist wieder man selbst und orientiert sich hierbei – wie auch schon bei Rogue Nation – nicht an der Konkurrenz, sondern macht einfach sein Ding! Wenn nur jeder Film so wäre…
Dazu kommen eine gigantische Portion Humor, Witz, Lachsalven und trockene Ironie, Ernsthaftigkeit, Pflege von Individuen und Charaktertiefe und der Beweis, dass nicht jeder 3D-Schinken gleich inhaltslos sein muss. Okay, zugegeben, auf das 3D hätte man an vielen Stellen verzichten können, aber was spricht es denn bitte für eine Sprache, wenn man eben jenes Konstrukt, mit dem sich so viele halbgaren Mainstreambrecher rühmen wollen, lieber verzichtet und dafür auf Eleganz und Inhalte setzt, statt auf stupide Action?
Hier ertappt man sich fast schon dabei, dass man bei den extrem seltenen Szenen, wo dann tatsächlich mal CGI eingesetzt wurde, Vergebung nach vorne sendet und es dem Film verzeiht, wenn er nicht perfekt aussieht. Was ist das schon im Hinblick darauf, dass unter den Schöpfern Einigkeit darüber herrschte, dass der größte Feind dieses Films der Greenscreen sein sollte?
Ich war über alle Maßen beeindruckt von dem Geschehen und bekam hinterher kaum Worte genug raus, um ehrfürchtig und gebührend das wiederzugeben, was mir da grade auf der Leinwand serviert worden war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Legt eure Arbeit nieder, cancelt eure Termine und organisiert euch .kinotickets für den größten Blockbuster aller Zeiten, der euch endlich wieder richtig in Staunen versetzt!
So – und nur so – wird Mainstreamkino gemacht, dass für sich absolut neue, bislang unerreichte Maßstäbe setzt und als Orientierung für das nächste Jahrzehnt herhalten sollte – es ist gigantisch, mit welcher Inbrunst und krassen Originalität man sich hier ins Zeug wirft und dem Zuschauer gegenüber einfach ehrlich und authentisch auftritt.
Belohnt es mit einem durchschlagenden Erfolg, damit der Regisseur noch einen weiteren Coup fahren darf, denn dafür wurden Kinos geschaffen!

 
Nachspann
✅ Anfangs kommen noch Sequenzen, die man definitiv mitnehmen sollte, nach dem Ende des 3D darf man dann auch den Saal verlassen.
Kinostart: 2. August 2018
Wer nicht mehr warten kann oder will, darf sich gerne z.B. in München im Rahmen von After Work am 31. Juli 2018 mit DJ und Vorprogramm respektive in der Vorpremiere am 1. August 2018 den Streifen in einem Sonderevent im CinemaxX zu Gemüte führen und weiß dann schon vorab, worauf er sich ab Donnerstag erneut einlassen kann: Denn in diesen Film willst du nicht nur 1x reingehen!

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

Batman v Superman: Dawn of Justice (3D)

Ein – inklusive Kinowerbung – 3-Stunden-Stück per .kinoticket-Kauf auf die To-Do-Liste zu setzen erfordert für manch einen wohl doch eine gehörige Portion Respekt vor dem eigenen Durchhaltevermögen. Und mit dieser Laufzeitansage begibt man sich auch gleich mal seitens der Macher auf episches Terrain, das einige Stolperfallen bereithält.
 
Mehrere Superhelden unter einem Hut
Meiner Meinung nach einer der gravierendsten Punkte, die man Batman v Superman: Dawn of Justice andichten kann: Hier müssen mehrere Welten miteinander vereint werden und durch die Charaktertiefe eines Batman und das düstere Höhlenloch, aus dem er gekrochen kommt, schafft man das eben nicht mehr ganz so einfach wie bei den vergleichsweise metallglatten Avengers, deren Aufgabe es im Nachhinein ja wohl eher nur war, die 14jährige Kinderriege zu unterhalten.
Batman ist für Erwachsene und zeugt hier von einer Welt, die durchtrieben, bösartig und vielschichtig ist. Superman hingegen war auf der Leinwand eher die aalglatte Vorstellung von superlativen Effekten gepaart mit dem hervorragenden Look eines Henry Cavill, der seinerseits eben nicht dafür gemacht ist, einen Helden zu mimen, der mehr kann als nur gut auszusehen. Er erschafft kein Profil, er erschafft keinen Charakter – was seinem Part im Film diesmal schon eher positiv zugute kommt, jedoch verblasst seine Darstellung dadurch im Rampenlicht des mit sich selbst zweifelnden Batmans und fordert den düsteren Höhlenhelden daher eher dazu auf, sich auf das Niveau der Allgemeinheit herabzulassen, um ihm gehörig die Birne zu waschen.
Dass sich im Zuge dessen dann noch weitere Epos-Helden etablieren und auf den Olymp der Comicgötter stellen wollen, lässt drei Stunden Laufzeit fast zu einer Farce verkommen, denn der Platz, auf dem sich die einzelnen Charaktere entwickeln dürfen, ist mehr als knapp bemessen.
 
Der Verzicht auf bekannte Elemente vergangener Tage
Stellt euch die Dialoge eines Jeremy Irons mal gesprochen von Michael Caine vor. Ersetzt dann den zeitweise gesichtslosen Daredevil-Versager mal mit dem rühmlich-bösen Christian Bale und achtet darauf, was in eurem Kopf passiert: Richtig! Diese Konstellation ist in meinen Augen einer der Gründe, weshalb The Dark Knight vorzüglich an allen anderen Streifen konkurrenzlos vorbeizieht und auch in 50 Jahren noch einer der Filme sein wird, die sich nicht mit anderen Filmen gleich welcher Art vergleichen lassen. Er hat einfach funktioniert und hier die Welt von Gotham mehr als präsentabel auf die Leinwand gebracht – Christopher Nolan erschuf einen Allzeitklassiker, der die Filmgeschichte maßgeblich geprägt hat.
Snyder, dem viele nichts, ich aber durchaus etwas abgewinnen kann, durfte hier halt nur nochmal am Kuchenteig schnüffeln und ist selbst eben nicht der Bäcker, der auf der cineastischen Nobelpreisverleihung steht und hier großartige Lorbeeren kassiert. Er hat seinen eigenen Stil, der er meines Erachtens nach auch großartig umsetzt (man bedenke z.B., mit welch stilistischer Einführung man die beiden Helden anfangs geschichtlich auf Vordermann bringt) und zeigt hier ganz klar anders positionierte Stärken als es ein Christopher Nolan tun würde. Dieser hat sich nämlich in die hinteren Ränge gesetzt und gemeinsam mit Hans Zimmer nur noch Spuren seines Schaffens am Gesamtwerk hinterlassen.
Da sind auf einmal zwei völlig verschiedene Welten, zwei großartige Soundtrack-Komponisten, zwei völlig verschiedene Facetten zweier Superhelden, die in einer einzigen Geschichte zusammenfinden müssen, was zwangsweise zu Abstufungen in der Eleganz perfektionierter Erzählungen führen muss. Superman wird Tiefe angedichtet, die Batman geklaut wird, um irgendwie einen korrelierenden Faktor zu erschaffen, auf dem sich all diese Elemente miteinander verbinden.
Und ein Publikum, das von Nolan in der Vergangenheit derart verwöhnt wurde, hat es dann eben schwer, mit neuen Maßstäben mitzuhalten und die Akzeptanz dafür aufzubringen, dass sich manche Dinge jetzt einfach geändert haben und man damit leben muss.
Interessant fand ich, dass Jesse Eisenberg von der Presse eher vorbeugend verrissen wurde, weil gerade seine Figur eine derjenigen war, bei denen nahezu alles gestimmt hat. Mal ganz im Ernst: Welches Werk hat dieser Junge in der Vergangenheit angepackt, in dem er nicht vollständig überzeugen konnte? Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die solche Dialoge wie in The Social Network auswendig lernen mussten. Und auch in diesem Film überzeugt er durch seine derart authentische Darstellung eines – man möchte fast schon sagen – zweiten Jokers, dass einem fast die Spucke wegbleibt und jede seiner Szenen zu einer cineastischen Gourmeterfahrung wird. Selbst wenn er in seinem gespielten Wahnsinn nur in die Kamera schaut, erlebt man als Zuschauer hier vollkommene Schauspielkunst, denn der Wahnsinn spiegelt sich in seinen Augen wieder und zeugt davon, dass Jesse seine Rollen nicht nur spielt, sondern tatsächlich auslebt.
Aus dem Grund jetzt zu behaupten, Batman v Superman: Dawn of Justice wäre nicht so toll gewesen, finde ich als etwas ungerecht, denn Snyder hat tatsächlich geschafft, in gewisser Weise wieder Größe auf die Leinwand zu bringen, auch wenn er an dem Experiment, viele Welten in einer zu vereinen, gänzlich scheiterte. Vielmehr hat man das Gefühl, alles wird jetzt nur noch schleierhaft in die Szenen gewebt, um überall etwas, aber nirgendwo etwas handfestes im Raum stehen zu haben, das der ganzen Sache Seele einverleibt.
Daraus resultieren dann zeitweise anklingende Perfektionslücken, die den Zuschauer aber dennoch kaum spüren lassen, wie schnell die Zeit vergeht – denn selbst ohne Pause in der Vorstellung kam mir die Spielzeit fast schon lächerlich klein vor, als der Abspann über die Leinwand nudelte. Action gibt’s auf jeden Fall gewaltig und wenn die Kinos das Prinzip verstanden haben und die Anlage ordentlich aufdrehen, dann macht der Streifen auch in Sachen Entertainment richtig Freude. Die unbestritten superlativen Kämpfe haben es auf jeden Fall in sich und sind würdig, den Film auf den Status eines Epos zu erheben, wo er sich mit anderen genialen Machwerken in Zukunft messen lassen darf.
Ich für meinen Teil werde definitiv noch eine Vorstellung dieser Art besuchen und dann schauen, wieviel von meiner anfänglichen Begeisterung geblieben ist, kann mir aber jetzt kaum vorstellen, dass sich da großartig was dran ändern wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kommt damit klar, dass hier neue Seiten aufgezogen werden und The Dark Knight niemals vergleichbar sein wird – hakt die Anhänglichkeit an die Vergangenheit ab und gebt der Sache eine Chance, dann wirds ein Schlachtfest der Action und Epik.
Niemand verlangt, dass Altes weitergesponnen wird und genauso, wie wir uns damit abfinden müssen, dass unser Lieblings-Bond hin und wieder mal neu besetzt wird, so müssen wir damit Vorlieb nehmen, dass perfekt funktionierende Konstellationen nach gewisser Zeit begraben werden um Platz für Neues zu schaffen.
Ich seh es positiv: So ist sichergestellt, dass mir die “Anfänge” von Batman immer positiv in Erinnerung bleiben werden, denn die nolansche Dark Knight-Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen. Und würde man jetzt weitermachen, könnten an der Fassade dieser ikonischen Stilblume kleine Macken entstehen und das würden denk ich noch viel weniger Menschen verkraften als die Tatsachen, denen man sich in diesem Werk hier stellt.
Also Schwanz einziehen, sich mit reichlich Popcorn und Getränken eindecken, das Handy lautlos ins Schließfach packen und sich dann einfach mal drei satte Stunden lang berieseln lassen – glaubt mir, am Ende macht’s euch doch Spaß!

 
Nachspann
erwartet hab ich ihn schon, gekriegt aber nicht: Hier darf man nach Anbrechen der weißen Lauftext-Zeichen gern damit beginnen, sich wieder aus dem Kinosessel rauszuschälen. Ein paar Meter weiter im Boden sitzt man am Schluss auf jeden Fall.

Codename U.N.C.L.E.

Inspiriert durch eine Serie aus den Sechzigern… das lässt Menschen wie mich sofort in Nostalgie schwelgen, denn – auch wenn mein Jahrgang noch etwas jüngerer Natur ist – das Wissen, dass es die Jungs zu damaligen Zeiten echt drauf hatten, ist auch bis zu meiner Generation durchgedrungen. Hoffentlich.
Codename U.N.C.L.E. merkt man auf jeden Fall seine durchtriebene Geschichtslastigkeit an, mit der locker flapsig durch die Zeit geführt wird. Das Zusammenspiel der beiden Agenten lässt in mir den tiefen, sehnlichen Wunsch aufkeimen, dass daraus eine große Filmreihe wird, an der wir uns auch noch nach zehn Jahren erfreuen dürfen. Hier wird – und das ist spannend – mal mit dem ersten Teil eine Introduktion geführt, die etwas höchst potenzielles in den Raum wirft und vorstellt. Dass mal nicht gleich das volle Pulver im ersten Teil verschossen wird, sondern quasi das Prequel der Startschuss ist, hat es glaube ich in der Filmgeschichte so noch nicht gegeben.
Man kann und sollte hier auch keine Vergleiche ziehen. Die Anmut und humoristische Eleganz, mit der die Schauspieler jeder für sein Land in die Presche springen und ihren Teil der Abmachung einzuhalten versuchen, ruft beim Zuschauer das reinste Vergnügungsgefühl auf den Plan. Der vielgezogene Vergleich “James Bond meets Oceans Eleven” hinkt meiner Meinung ein bisschen, denn beide Parteien sind für sich jeweils eine völlig andere Welt, die mit dem hier beschriebenen Titel gar nichts gemein haben.
Und darin liegt auch das Alleinstellungspotenzial: Man kupfert mal wieder nicht ab, sondern besinnt sich auf eigene Ideen, die eine so liebenswürdige Echtheit generieren, die den Film auf jeden Fall sehenswert macht. Das hier ist einfach nicht Bond und man möchte es auch nicht sein. Und das ist gut so.
Somit bleibt ein Machwerk, das vor neuer Energie und kreativem Schöpfungsgeist nur so blüht und eine geniale Frische ins Land der ausgereizten Ideen bringt, mit der nicht nur neue Meeresluft aufkreuzen, sondern hohe Wellen geschlagen werden können.
Hoffen wir, dass die Macher den Wink verstehen und das Publikum diesmal nicht so blöd ist und dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt, so dass wir alle die Flut an geilem Kino noch zu Lebzeiten erleben dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Da es sich hier um den Auftakt einer Serie handelt, die man großartig ins Kino portiert, sollte man sich selbst den Gefallen tun und später behaupten können, man sei von Anfang an dabei gewesen.
Bond-Liebhaber wissen um das Gefühl, wie es ist, mit einer Filmreihe groß zu werden und genau das könnte hier auch der Fall sein: Der Startschuss einer genialen Serie in Kinofilm-Format ist gefallen und man erobert die Leinwand und legt einen fulminanten Auftakt mit einer unterhaltsamen, witzigen, spritzig-frischen Komödie auf den Tisch, an der sich einfach jeder Cineast bedienen sollte.
Also Augen auf im Straßenverkehr, Karre abstellen, .kinoticket lösen und dann vergnügliche 116 Minuten abschalten und den Alltag vergessen. Es lohnt sich!

 
Nachspann
zeigt anfangs noch Bilder im authentischen Stil, beim Switch auf den schwarzen Lauftext darf man dann wieder in diese Realität rennen.

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