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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: High School

Lady Bird

Wie man dem Plakat schon entnehmen kann, hat der Film bereits große Aufmerksamkeit von der Academy bekommen und wird allerorts als modernes Meisterstück gefeiert, dass sich mit der Gefühlsebene einer Jugendlichen beschäftigt und sie beim Prozess des Erwachsenwerdens begleitet.
Bei mir löst Lady Bird gemischte Gefühle aus. Zum Einen spielen die Darsteller – allen voran Saoirse Ronan – hervorragend gut und überzeugen mit Witz, Humor, Schlagfertigkeit und pointierter Präzision. Es bereitet einem unglaublich viel Freude, der rebellischen Art zuzusehen, die dieses Kind entwickelt, um sich der bornierten, stehengebliebenen und für es langweiligen Welt entgegenzustellen und seine eigenen Erfahrungen zu machen.
Dies zieht sich auch große Teile des Films sehr gut hin, bis man dann unweigerlich zu einem Punkt kommt, der gleichzeitig mein größter Kritikansatz ist und für mich den Film quasi aus der Empfehlungstoplist raussaugt: Dem Finale.
Man möge sich Greta Gerwig als eine durch und durch amerikanische, patriotische, heimatliebende und ehrbar-christliche Persönlichkeit vorstellen, die vom amerikanischen Land stammt und quasi noch nie in den Genuss des Großstadtlebens und seiner “sündigen Zusammenhänge” gekommen ist.
Dem füge man noch ein klein wenig bitterbösen Hauch christlicher Sektiererei bei, mische es mit dem unweigerlichen Willen, sich der Welt und seiner Vielfalt zu öffnen und heraus kommt das Gefühl, das ich beim Abspann des Films mehrfach hatte.
Und tatsächlich hat diese Frau aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus geschrieben und sieht Lady Bird als eine Ode an ihren Heimatort Sacramento, wenngleich nichts im Film genauso passiert ist, wie es auf der Leinwand zu sehen ist.
Einige Kinozuschauer meinten zu mir, man müsse sich den Film mehrfach ansehen, um ihn in seiner Gänze zu begreifen, dies hab ich getan und das enttäuschende End-Gefühl hat sich dabei niemals großartig verändert.
Meine Frage ist: Wenn man sehen will, dass die Welt irgendwo beschissen ist und wie andere darunter leiden, dann braucht man dafür nicht ins Kino zu rennen, sondern sich einfach nur auf der Straße oder in seinem Umfeld umsehen. Diese Enttäuschung und Aufgabe des vorwärtssprießenden Mutes möchte ich doch nicht gleichzeitig noch von der Leinwand runtergebetet sehen. Ich gehe ins Kino, um dieser Welt ein Stück weit “entfliehen” zu können, mich mit dem Unmöglichen auseinanderzusetzen und Welten zu entdecken, die mir diese Realität hier vorenthält.
Dieses Empfinden teilten auch einige meiner Mitkinogänger. Das, was dieser Film anfangs hervorragend aufbaut und dieses Mädchen dem Zuschauer super sympathisch macht, opfert man zugunsten einer Lebenseinstellung, die ich ehrlich gesagt eher verachte denn schätze.
Und am Schluss bleibt immer das Gefühl: Warum sollte ich mir jetzt genau das im Kino ansehen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich rebellisch und mit wunderbarer Ironie bestückt zerreißt sich das Werk am Ende selbst und opfert seine guten Eigenschaften einer bestenfalls fragwürdigen Weltansicht.
Die alles entscheidende Frage bleibt hinterher jedem irgendwo im Halse stecken: Wozu muss ich bezahlen und extra dafür ins Kino rennen, wenn man so etwas genauso tagtäglich vor seiner Haustür erleben kann?

 
Nachspann
nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Spider-Man: Homecoming (3D)

Einigen wird wohl nicht entgangen sein, dass sich Robert Downey Jr. höchstpersönlich dafür entschieden hat, aus dem Marvel-Universum auszusteigen, solange es noch nicht peinlich geworden ist. Seine Zeit war bei Iron Man, wo er sagenhafte Leistungen ablieferte und als Filmserienheld Reden von sich machte.

Danach holte man ihn immer an Deck, wenn man mal wieder eine funktionelle Zuschauerspritze brauchte, oder einfach, um das Coolness-Level etwas aufzufrischen und andere Superhelden besser dastehen zu lassen. Denn, sind wir mal ehrlich: Mit einer Person allein funktioniert das in unserem Supergiganten-Universum nicht mehr wirklich. Die Zeiten haben sich irgendwie geändert und die Geschichten von früher müssen heute einfach anders erzählt werden. Und da ist die Auswahl der Hauptdarsteller manchmal eine ganz wichtige Angelegenheit.

Zu Downeys Coolness gehört neben einer sensationellen Schauspielerleistung aber auch, dass man sich würdig von den Bühnen der Welt verabschiedet und nicht verkrampft versucht, bis zum Schluss Kasse zu machen und auf Teufel komm raus nochmal zu brillieren (so wie man es bei Tom Cruise in Die Mumie vermuten könnte).

Und statt zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist, welche Brillanz und Größe an ihm verloren gehen wird, setzt er sich hin und überträgt dieses Level einfach gnadenlos auf den – meiner Meinung nach – besten Spiderman überhaupt: Tom Holland.

Hier zählt auch wieder, dass Marvel durchaus weiß, was es tut. Nach der sensationellen Niederlage von The Amazing Spiderman wollte man sich eine derartige Blamage nicht noch einmal geben und nahm deshalb vollständig die (kreativen) Zügel in die Hand, um einen Film zu kreieren, der von sich Reden machen wird. Und auf Holland ist die Rolle wie maßgeschneidert: Der Kerl bringt einfach alles mit, was es in heutiger Zeit braucht, um ein anbetungswürdiger Superheld zu werden: Er ist jung, süß, strotzt nur so vor jugendlicher Agilität und ist fesch in seiner Spielweise. Er geht neben den Schauspiel-Legenden keineswegs unter oder kämpft erbittert um Aufmerksamkeit, sondern spielt sich mit Tony Stark die Bälle zu, dass es nur so kracht. Die Synergie, derer die beiden sich bedienen, ist beispiellos. Es funkt – wie man so schön sagt – auf einer ganz anderen Ebene als erwartet.

Dazu trägt auch das Drehbuch und die ganzen Rahmenbedingungen bei: Man hält sich eben nicht mehr damit auf, eine bekannte Story jetzt nochmal zu erzählen, sondern setzt gewisse Vorkenntnisse voraus, die auch Nicht-Film-Kenner wissen sollten und steigt einfach gleich mit Vollspeed ein. Das macht aus dem Stück ein herrlich-neues, ebenbürtiges Iron Man-Abbild, dessen Elemente, die wir alle bis heute lieben, nun auf die nächste Generation übertragen werden.

Somit erlebt man als Zuschauer im Kino kein Revival alter Marotten, die einem das Gefühl geben würden, das Geld aus der Tasche gezogen zu kriegen, sondern erhält einen munter-heiteren Neustart in einem Universum, dass der Allgemeinheit bekannt ist und sich darum nicht länger an äußeren Erzählhistorien aufhält.

Und dieser Schachzug macht Spider-Man: Homecoming für mich zu dem besten Spider-Man überhaupt, der selbst sein Original noch übertrumpft. Genau wie auch schon bei The First Avenger: Civil War erkennbar war, dass Marvel noch ganz andere Trümpfe in der Tasche hat, hält man jetzt alte Versprechen und enttäuscht die Kinozuschauer ein weiteres Mal nicht

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man sich als Fan der Saga bekennen, stellt sich einem gar nicht die Frage, ob man nun hier rein geht oder nicht.

Für alle anderen ist dies der exakt richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen und sich bei Bedarf dann die alten Streifen nochmal im Heimkino zu Gemüte zu führen. Und derer gibt es ja mittlerweile einige.

Spider-Man: Homecoming trumpft jedenfalls nicht nur mit unglaublichem 3D und genialer Frische auf, sondern verzückt auch in Sachen Soundtrack, Humor, schnellem Schnitt und unglaublicher Erzählfreude, die einem das Leben für gute 2 ¼ Stunden so angenehm wie möglich macht.

Nachspann
✅ Üben wir einfach nochmal alle zusammen:
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher…
Ich glaube, irgendwann kapiert das auch der letzte. Und Leute: Auch hier beweist man wieder: Es ist ein neues Zeitalter angebrochen und die Jungs haben das tatsächlich kapiert und sind ihrer Zeit – selbst ganz zum Schluss – wieder weit voraus.

Kinostart: 13. Juli 2017

Original Title: Spider-Man: Homecoming
Length: 134 Min.
Rated: FSK 12

Fist Fight

Wer beim Titel jetzt an spektakuläre Faustkämpfe im Ring oder an die Wrestling-Arena denkt, steuert direkt mal in eine falsche Richtung.
Fist Fight siedelt sich selbst im Comedy-Sektor an und baut auf einer völlig abstrusen, hirnfreien Story auf, die das gute alte Unterhaltungskino zurück zu den Zuschauern bringen will.
Wir alle erinnern uns möglicherweise noch an die Zeiten, in denen Filme nicht immer Sinn ergeben mussten und trotzdem gut waren. In denen man über schräge Aktionen gelacht und sie nicht politisch zerpflückt oder anderweitig überintellektuell verurteilt hat. In genau diese Zeit passt Fist Fight hervorragend rein.
Auch wenn die Aktionen bescheuert, die Dialoge teils so unterirdisch, der Flow holprig und stockend und die Profilstärke der Aussagen nahezu gen Null tendieren, liefert dieser Film eines in indiskutabler Stärke: Entertainment.
Dass man sich hier politisch korrekt verhält, wurde von vornherein ausgeschlossen – was wiederum aber auch nicht als Freifahrtschein für Beleidigungen jedweder Art genutzt wurde. Diesen Grat der Erzählung hinzukriegen, hier dermaßen drauf zu dreschen und trotzdem im sicheren Bereich von Satire und Komik zu bleiben, rechne ich diesem Film hoch an.
Ich habe mich während der Vorstellung bestens unterhalten gefühlt – einerseits von den Machenschaften der Darsteller, andererseits von den ständigen Kopfschüttlern und Facepalms meiner Sitznachbarn.
Über Dinge wie Vorhersehbarkeit oder andere logische Faktoren will ich bei diesem Stück nicht diskutieren, denn es hat offensichtlich den Anschein, dass Fist Fight keines dieser Bedürfnisse auch nur ansatzweise erfüllen möchte.
Stattdessen begibt man sich hier auf hochprofessionelles Profi-YouTube-Niveau und liefert genau die Inhalte, die andere Filme, welche sich bewusst diesem Genre verschrieben haben, dann nicht hinreichend bringen.
Gerade die Gestörtheit und Krassheit der vorgeführten Aktionen ist hier etwas, dass so wunderbar unethisch, schräg und völlig auflockernd in die Runde geworfen wird und vom Großteil der Mannschaft auch bestens aufgenommen wird, weil man einfach über die Dinge lachen muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fist Fight gehört wieder mal zu den Komödien, die man sich meiner Meinung nach wirklich anschauen kann, vorausgesetzt, das Hirn ist vollkommen aus und man ist sich darüber im Klaren, dass hier der Ulk an allererster Stelle steht.
Die Ernsthaftigkeit, mit der die Hauptdarsteller hier agieren, trägt ihren Teil zur heiteren Belebtheit bei und sorgt für wahnsinnig gute Unterhaltung mit kurzen, philosophischen Ansätzen.
Hervorragende Lektüre, um zwischendrin mal wieder aufzuatmen und einfach mal die Welt Welt sein zu lassen.

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzen bleiben … Anfangs kommen noch Outtakes und zum Schluss noch eine After Credits Scene. Hätte mich auch gewundert, wenn man darauf bei diesem Titel verzichtet hätte.

The Boy Next Door

Ich hatte wieder mal Lust auf Kino und dieser Film musste dafür herhalten. Spontan, völlig erwartungsfrei und ohne Vorkenntnisse bin ich in den Saal spaziert und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Was mir geliefert wurde, war solides Thriller-Kino mit einem Plot, der sich nicht allzu weit von der Masse bewegt, deswegen aber auch nicht unbedingt schlecht ist.

Was anfänglich mit wunderbaren Einführungen der Charaktäre beginnt, setzt sich im Laufe der Geschichte schön durchzogen mit dem Ausbau selbiger fort. Man gerät in etwas hinein, das einen gefangen nimmt und aus dessen Fesseln man sich nicht mehr so leicht befreien kann.

Erschreckend ist hier weniger das, was man auf der Leinwand zu sehen bekommt, als vielmehr die Tatsache, dass sich das Geschehen selbst recht nahe an der möglichen Wirklichkeit befindet und man quasi nicht ausschließen kann, dass es einem selbst auch so ergehen könnte, wäre man anstelle von Jennifer Lopez, die hier wohl als Publikumsmagnet benutzt werden soll.

Die Story funktioniert so weit und ist auch nicht übertrieben, zumal selbst die Frage nach Ethik und Moral gestellt und von der Darstellerin rühmlich angezweifelt wird.

Wer Kino sucht, das hier mit einfallsreichen Ideen oder faszinierenden Neuigkeiten lockt, ist mit diesem Film garantiert an der falschen Hausnummer, denn das Wörtchen “Vorhersehbarkeit” nistet sich schon in den ersten Minuten der Vorstellung ein und wird im Laufe der Zeit auch genretypisch erwachsen. Anderenfalls würde solch ein Film wohl auch kaum der breiten Masse auf dem großen Bildschirm präsentiert werden.

Kann man sich mit dieser Tatsache abfinden und schaltet das Hirn zwischendurch einfach mal aus, erlebt man durchaus solide Unterhaltung, die streng ihren vorgeschriebenen Gesetzen folgt und diese Spur auch kaum verlässt.

Zum Ende hin wagte man dann den Sprung und fing an, die vorgeschriebenen Bahnen zu verlassen, was aufgrund des zu abrupt erscheinenden Abspanns dann aber leicht überzogen wirkt und bei mir zu einer Enttäuschung führte. Hätte man dem Ganzen hier noch etwas Zeit und kreativen Freiraum verschafft, hätte es durchaus noch richtig spannend werden können. So aber haben die Macher die Chance verspielt, einen echten Blockbuster zu erschaffen und sich freiwillig dem Label eines soliden B-Movies unterworfen, denn mehr ist The Boy Next Door in meinen Augen nicht.

.kinoticket-Empfehlung: Fans von Jennifer Lopez kommen voll auf ihre Kosten, wer die bessere schlechte Liebesgeschichte sucht, der ist hier auch eher richtig und darf 50 Shades getrost bei Seite liegen lassen.

Alle anderen erleben fundiertes Thrillerkino mit einem etwas zu scharfen Hauch im Abgang.

Der Film ist anfangs zu gut, dass man ihn nicht empfehlen könnte, endet aber zu schlecht, als dass man ein zweites Mal hinein sollte. Für 1x sehen also durchaus empfehlenswert.

Nachspann
❌ Kann man getrost beiseite lassen.

Original Title: The Boy Next Door
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16

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