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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: James Gunn

Das Belko Experiment

Endlich mal wieder ein Film, der mit seinen Meinungen polarisiert und kein Allgemeinheitsgemansche erzeugt, sondern den Leute entweder die Tränen vor Glück in die Augen oder die Wut ins Gesicht treibt. Man fühlt sich direkt zurück in die 90er versetzt, wo man es auch in Hollywood teilweise noch so handhabte, dass man hier und da ein paar Genrefreunde befriedigte und einem die große breite Masse noch relativ egal war.
Blockbuster hin oder her – wir sind hier im Independent-Kino zu Hause und hauen da auch richtig auf die Zwölf. Freigabe ab 18? Läuft. Deshalb braucht jetzt aber niemand erwarten, dass wieder die klassischen Gore-Momente abgefeiert werden, in denen zermatschte Gehirne und möglichst brutale Schüsse mit Gekröse in 3D durch die Säle fliegen, sondern das erste Mal hat man ein so derbes Thema derart kunstvoll und intelligent inszeniert, dass mir immer noch der Schauer über den Rücken läuft.
Man spürt, dass hier eben nicht die barbusige Blondine neben zehn weiteren Klischees durchs Bild springt, bis auf einmal der Vorhang fällt und das fröhliche Gemetzel mit Killcount gestartet wird, sondern allein schon das “Intro” (wenn man so will) arbeitet sich mit extrem viel Fingerspitzengefühl und Charakterausarbeitung immer weiter durchs Geschehen, dass der Zuschauer zwar in der Achterbahn der Gefühle mitgerissen wird und auch irgendwie noch mit einem Arm am Gurt hängt, jedoch längst nicht mehr mit seinem Arsch im Sitz verankert ist, sondern wild durch die Luft schleudert und sich dabei immer wieder am Gestänge der Achterbahn anschlägt.
Die Voraussetzungen, mit denen man hier sowohl auf als auch vor der Leinwand konfrontiert wird, lassen jemanden wie mich innerlich frohlocken, denn endlich wird alles anders und Chaos bricht aus. Chaos reinigt die Welt von ihren aufgesetzten Zwängen und offenbart das wahre Wesen der Menschen. Ich höre schon die entnervten Enthusiasten aufstöhnen, weil hier gleich wieder die Klischeemoralkeule ausgepackt wird, um ein weiteres Mal zu zeigen, dass … und wer … und wieso …… Nein.
The Belko Experiment begleitet dich durch ein wahres Schauspiel, für das ich keine andere Bezeichnung finde, als stilvoll-perverse Kunst. Man spürt den Machern an, dass sie unglaublich intelligent waren, sowohl beim Schreiben der Dialoge, als auch bei den Überlegungen, wer weshalb wie handeln würde. Das typische Blabla, das man aus spanischen Horrorfilmen beispielsweise kennt, hat hier keinen Platz und selbst Abschlachtungen finden in gewisser Weise unglaublich elegant und absolut durchgestylt statt, was einem zwar vordergründig den Tod eines Menschen zeigt, ihm unterschwellig aber dennoch Respekt und Ehre erweist und somit kein sinnloses Töten bedeutet. Demnach sollte man sich nicht im Pollunder mit abgehalfterten Jeans, sondern eher im Opern-Dress in die Vorstellung hocken, weil spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem die Musik einsetzt, klar wird, dass es sich hier keineswegs um Trash oder einen B-Movie handelt, sondern der Intellekt des Films auf weitaus höherem Niveau avanciert.
Dies spürt man bei Szenen, in denen das gesamte Kino vergnüglich im Takt der höchst anspruchsvollen Klänge mitschwingt, während auf der Leinwand das Unaussprechliche gnadenlos durchgezogen und dem Zuschauer mit aller Brutalität ins Hirn gemeißelt wird.
Und genau da beginnt die Diskussion, bei der sich so viele so unglaublich aufregen, ob der gefühlten Sinnlosigkeit der Taten in Verbindung mit der nicht wegzudiskutierenden Intelligenz und brillanten Inszenierung der dargestellten Abstrusitäten.
Und genau das feiere ich: Endlich mal ein Film, der nicht “Yoah, war ganz ok” aus den Mündern holt und ihn dann in Vergessenheit geraten lässt, sondern der für wilde Diskussionen sorgt und damit genau das erreicht, was man eigentlich im Kino erreichen sollte: Geteilte Meinungen und das Herausfordern des Geistes, damit sich der Zuschauer auch danach noch damit beschäftigen muss, um irgendwie damit klar zu kommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab’s gefeiert – in allen Punkten: Dem Aufbau, der Entwicklung, der abartigen Perversion, der philosophischen Tiefgründigkeit, der Darstellung, dem Score, der essentiellen Verbindung zwischen Optik und Akustik.
Ich habe keine Ahnung, womit die Macher diese perfide Konstruktion so elegant in den Raum zeichnen konnten, aber der Coup hat funktioniert und in meinem Fall voll eingeschlagen. Entweder man liebt es, oder hasst es – dazwischen gibt’s nichts.
Achja: Jeder, den ich danach gefragt hat, meinte, dass die Musik und der Soundtrack einsame spitze sind. Da waren sich komischerweise alle einig.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet werden, da folgt nichts mehr.
Kinostart: 15. Juni 2017

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (3D)

“Nein, Schatz, wir bleiben jetzt hier so lange stehen, bis so ein verdammtes Kind kommt und uns dieses Ticket wieder abkauft, der Film ist echt scheiße, glaub mir! Der ist total blöd.”
(Zitat eines Besuchers im Kino an der Kasse, dessen Name ich nicht kenne)

Denken wir einfach mal wieder in Klischees. Nehmen wir die alteingesessenen Omas mit trockenem Streuselkuchen, die brav jeden Sonntag in die Kirche rennen und bei denen es sich nicht geziemt, dumm daher zu quatschen, könnte man obiges Zitat auf jeden Fall verstehen. Wer Guardians of the Galaxy kennt, wird die Fortsetzung lieben. Wer damit nichts anfangen kann, sollte womöglich doch mal einen Blick mehr in die Materie des Films werfen und sich vielleicht sogar den wahnsinnig gut gemachten Teaser anschauen, um einen ungefähren Einblick in das – verständlicherweise – wirre Geschehen dieser Storyline zu ergattern, denn normal ist hier tatsächlich nichts

Viele wissen ja noch nicht mal mehr, dass dieser Teil aus der Reihe der Avengers-Filme entspringt und eines Tages mal Part einer “Wir zeigen alle Marvel-Filme am Stück im Kino”-Session sein könnte. Und bevor ihr großartig suchen müsst, gibt’s … weil heute Sonntag ist und wir alle gelernt haben, dass jeden Sonntag hier Trailer am Start sind …

… den Trailer im O-Ton vom zweiten Teil der Beschützer des Universums. Here we go – präsentiert von © Marvel Entertainment:

BAM. Ich glaube, damit hat man bereits einen ganz guten Eindruck, in welche Richtung sich der Streifen entwickeln wird, jedoch noch längst kein vollständiges Bild davon, was einen wirklich erwartet, nämlich:

  • wesentlich geilere Jokes als vorhersehbar
  • mehr Action
  • mehr Superlative
  • mehr Gagfeuerwerk mit höherer Schlagzahl
  • abartigstes räumliches 3D (Leute, investiert in das 3D-Ticket!!!)
  • und so ein Mega-Pack an irrsinnigem Klamauk, dass Kino einfach mal wieder richtig Spaß macht – ohne nachzudenken und mit ganz viel Popcorn

Wer will, darf auch gern öfters rein – ich werde mir definitiv noch die ein oder andere Vorstellung abgreifen (es lebe die CinemaxX Goldcard ^^) und hoffe, dass es mir sehr viele gleich tun werden – denn Teil 3 dieser Reihe ist bereits angekündigt und soll auch unbedingt produziert werden. Zumindest mal, was meine Meinung betrifft. Denn die Guardians gehören für mich mit zur coolsten Truppe der Avengers und haben bisher alle Ernsthaftigkeit oder Lustlosigkeit mit Humor, Flapsigkeit und zielführender Selbstsatire überspielt und somit jedesmal einen Volltreffer abgeliefert.

Warum man den Film sehen sollte

  • Weil’s kein vernünftiges 3D fürs Heimkino gibt
  • weil der Film überall NICHT wirkt, außer auf einer megagroßen Leinwand mit absolut gigantösen Boxen im Hintergrund
  • weil’s gemeinsam definitiv mehr Spaß macht und man bei der richtigen Lautstärke auch keine Popcornmahlmühlen-Sitznachbarn mehr neben sich stören hört
  • weil Filme wie dieser einfach nur fürs Kino geschaffen sind und nicht für kleinere Displays
  • weil die Guardians eine coole Gang sind, die nichts anbrennen lassen und bei denen auch niemals Langeweile aufkommt – trotz immens langer Spielzeit

.kinoticket-Empfehlung: Also: Ausreden fallen lassen, 3D-Ticket buchen und Abflug ins Kino.

Und zwar, so lange das Teil noch in den großen Sälen gespielt wird! Alles andere ist schwachsinnig, da keine Dorfklitsche das so auf die Reihe bringt, wie ein gigantisches Monsterkino, dass die entsprechende Hardware im Hintergrund hat und bei den richtigen Stellen nochmal auf verstecken Boost zurückgreifen kann.

Witzig, räumlich auf allerhöchstem 3D-Niveau, flott, kurzweilig und irgendwie auch völlig blöd (aber lustig-blöd) – und dadurch total sehenswert.

Nachspann
✅ Wer das immer noch nicht kapiert hat, kriegt für die nächsten 10 Marvel-Filme Sichtverbot: Der Publisher hat immer eine After-Credits-Scene, diesmal sogar mehrere. Also jedes Mal, wenn im Vorspann Marvel auftaucht, bleibt man bitte bis zum bitteren Ende sitzen! Jedes. Einzelne. Mal!

Kinostart: 27. April 2017

Original Title: Guardians of the Galaxy Vol. 2
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

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