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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: James Wan

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

The Nun (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
An alle Christenfreunde: Es wird kirchlich in den Kinos … und ihr dürft gerne mit Beten anfangen … zumindest suggeriert uns das der Film so.
The Nun ist die Konsequenz, die sich aus den Hauptfilmen The Conjuring und The Conjuring 2 ergeben, gefolgt von den Spin-Offs Annabelle und Annabelle: Creation. Folgerichtig hat man getan, was seinerzeit im Action-Segment mit Alien und Predator auch passiert ist: Man segmentiert das “Monster” aus dem Hauptfilm heraus und spendiert ihm einen eigenen Film.
Und da diese Horror-Reihe weltweit zu einer der beliebteren zählt, ist es klar, dass sich ein Großteil der Fangemeinde des Kinohorrors auf eben jenen Spin-Off megamäßig freut: Auch ich.
Was Warner Bros. uns da liefert, zählt auch tatsächlich endlich wieder zu “brauchbarem Horror”, der nicht so megamäßig enttäuscht, wie die unendlich gehypten Möchtegern-Bösewichte der letzten Jahre: Auch wenn man sich hier nicht mit Brillanz und Genialität übertrifft, sondern auf solidem Boden agiert, machen die Schockeffekte und der Look endlich wieder mal Spaß.
Die brutale Angst vor bösem Rot ist endlich gebrochen worden und man darf sich als Zuschauer endlich wieder an boshaftem Schwarz laben, ohne dafür schräg von der Seite aus angesehen zu werden: Diese Optik hat mir durchweg absolut gefallen.
Zudem spürt man, dass sich die Superbillig-Chinamüll-Manier vom Gesamteindruck verabschiedet und man sich tatsächlich dazu durchgerungen hat, einen etwas ernsthafteren Film zu kredenzen, der zwar immer noch mit Realitätsgetreuheit schwächelt, dafür aber in seinem Genre durchaus ernstzunehmen ist.
Dass Horror jetzt nicht der Mainstream-Massenfänger ist (war er nie), ist klar. Dass dadurch viele seriöse Pressevertreter seltsam mit den Augen rollen und man hierzulande auf komische Kritiken diesbezüglich stoßen wird, absehbar. Das erfordert dann einfach die natürliche Selektion, wer in den Film rennt und wer nicht: Es ist und bleibt ein Nischen-Genre, das durch The Nun nun einen nennbaren tollen Titel mehr hat, den man sehr schön auf der großen Leinwand bestaunen kann.
Das Fanherz schlägt definitiv höher, wenn man sich immer weiter in die obskuren Welten dieses Universums durchschlägt und in immer tiefere Gefilde eintaucht, die skurriler, merkwürdiger und böser werden – mit einer passablen Auflösung am Schluss, die nicht gut genug ist, um jetzt von dem neuen Plot-Durchbruch sprechen zu können, aber auch keine Hassgefühle hervorruft und die Leute langweilt.
Kurzum: The Nun ist genau das, was man eigentlich erwartet – dafür aber mit ausbleibenden Enttäuschungen, wie sie so oft in solchen Tragiken zum Vorschein kommen. Der Gang ins Kino deshalb definitiv lohnenswert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Führt konsequent das Conjuring-Universum fort und überzeugt mit hohem Niveau in seinem Genre.
Schockeffekte, Einfälle, Optik und Sound überzeugen und heben sich vom Horror-Schund deutlich hervor, bahnbrechende Elemente sucht man jedoch vergebens.
Der Gang ins Kino ist wegen des Fehlens anderer gleichwertiger Genre-Filme sehr empfehlenswert, erwartete Enttäuschungen bleiben aus. Sprecht eure Gebete! 😉

 
G E W I N N S P I E L
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Warner Bros. Ent. hat für meine Leserschaft zwei coole Freitickets klargemacht, die ich euch hiermit verlosen möchte. Zwei von euch dürfen also gratis in den Film, indem sie die gewonnenen Kinogutscheine an der Kasse eines frei gewählten Kinos abgeben und dafür Freikarten für eine Vorstellung von The Nun erhalten.
Voraussetzung ist, dass dieses Kino den Film im Programm hat (logisch) und in der gewählten Vorstellung noch freie Plätze verfügbar sind (eigentlich auch logisch). Die Gutscheine sind gültig bis 3. Oktober 2018 – bis dahin sollte ein Kinobesuch also definitiv möglich sein. Achja: Nur innerhalb Deutschlands einlösbar.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Mittwoch, den 12. September 2018 unter diesem Beitrag, warum ihr den Film sehen wollt und gebt dabei eine gültige E-Mail Adresse an.
Unter allen Kommentatoren wird der Gewinner dann via random.org ausgelost und per E-Mail benachrichtigt.
Ich drück euch die Daumen und wünsche auf jeden Fall allen schon mal extrem viel Gänsehaut und megamäßig viel fun in den dunklen Sälen. 🙂
 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 6. September 2018
Original Title: The Nun
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16 | R

Insidious – The Last Key

Blumhouse, Blumhouse, was soll ich bloß mit euch machen …
Zum einen serviert ihr uns Titel wie die The Purge-Trilogy, die hoffentlich noch lange weitergehen wird, Filmperlen wie Happy Deathday, zeigt euch verantwortlich für Sinister und Nachfolger und kommt jetzt mit einem so vorhersehbaren Mist wie Insidious – The Last Key daher… Warum denn?
Freunde von mir bezeichnen den Titel als “den schlechtesten Horror, den ich je gesehen habe” und ich kann ihnen nicht widersprechen, denn gegruselt hat mich in eurem neuesten Werk schlichtweg … gar nichts.
Was also war die Aufgabe? Gebt Lin Shaye wieder eine Bühne, auf der dieses einprägsame Gesicht eine neue, müde Story austüftelt, gespickt mit den immergleichen, abflauenden Horrorbausteinen, die einem nicht mal mehr ein simples Gähnen entlocken?
Ich lasse mich gerne schocken. Ich drehe mich im Kino ob der Surround-Effekte gerne mal um und schaue, ob nicht irgendwer aus dem Kino hinter mich getreten ist und mich erschrecken will. Meine Güte, ich bin extra in die 23:00 Uhr-Vorstellung, die gähnend leer war, um einen weiteren Sicherheitsbaustein fallen zu lassen und den “Du bist allein und niemand kann dir helfen, wenn die Geister plötzlich echt werden”-Spuk-Katalysator anzuwerfen … und bin dabei sanft, aber konsequent ins seichte Land der Träume abgedriftet – und zwar zu euren “Höhepunkten”. Und nicht, weil ich müde war.
Gezuckt, geschockt, Gänsehaut … nichts.
Und das von einem Titel, der ein so vielversprechendes Plakat aufweist und uns auf diese Weise so sehr schmackhaft gemacht wurde: Traurig!
Warum tut ihr so etwas? Euch fehlen doch längst nicht mehr die Mittel, um ein Genre, das angestaubter nicht sein könnte, mit neuen Innovationen zu renovieren und vom Ballast der Alltäglichkeit zu befreien. Ihr habt doch längst alle Connections, fähige Leute, Schauspieler und Technik in der Hinterhand, um dem Kino wieder etwas zu liefern, bei dem sich der Zuschauer bis aufs Mark und Bein fürchtet und am Ende froh ist, den Saal wieder verlassen zu dürfen und noch zu leben.
Wieso langweilt ihr uns dann mit derartigem? Langeweile? Trist? Freudlosigkeit und Erwartbarem?
Die Offensive, den “Schauereffekt” einfach ein paar Sekunden mehr in die Länge zu ziehen, ist kein Allheilmittel, um immer besseren Horror zu kredenzen. Und spätestens 2018 hat jeder längst kapiert, dass einsetzende Violinen in schrägen Tönen Unheilvolles ankündigen – und wisst ihr was? Es funktioniert nicht mehr. Nicht bei mir.
Dazu die üblichen Holzblöcke aus altbekannten Horrorfilmen im Zeitalter der Aufgeklärtheit, die sich der Lächerlichkeit preisgeben statt den Zuschauer das Fürchten zu lehren ist für ein Label wie eures doch keine Trophäe, auf die ihr ernsthaft stolz seid, oder irre ich mich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich war die Enttäuschung auf keiner Ebene zu überbieten – viel zu ruhig, zu vorhersehbar, zu gewöhnlich und langweilig, um noch auf irgendeine Weise zu begeistern.
Schade, denn hier steckt so viel Schaffenskraft dahinter, die augenscheinlich völlig verpufft ist, bevor man sich diesem Titel zugewandt hat. Warum?

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Soundtrack wird hier auch nicht besser.
Kinostart: 4. Januar 2018

Lights Out

Wer sich den Trailer anschaut und diesem Genre etwas abgewinnen kann, dem kribbelt es anschließend tierisch in den Fingern. Ich hab mir extra eine große Portion Extrazeit mitgebracht, um mir den Streifen in der Nachtvorstellung noch anzuschauen und da ich mein Stammkino für seine Lautstärke und immense Wucht, die damit verbreitet wird, tierisch liebe, wurde es einfach nur eine gelungene geile Vorstellung.
Aber der Reihe nach. Allein schon der Titel ist dem genialen Einfall so unterlegen, dass man hofft (und die Gebete werden teilweise bereits erhört), dass demnächst noch weitere Teile diesbezüglich aufkreuzen werden. Dieser Thematik hat man sich so in der Filmwelt noch nie angenommen und dabei gänzlich (!) auf sämtliche Vorfälle und Handlungen verzichtet, die dem Horrorfilmschauer übel aufstoßen könnten.
Ganz im Ernst: So ernsthaft, normal, realitätsgetreu und brillant habe ich lange keinen Schauspieler mehr solch ein Thema spielen sehen wie in Lights Out. Nicht nur die Kinderdarsteller sind hervorragend gecastet, sondern auch die Erwachsenen enttäuschen zu keiner Zeit mit irgendwelchen Plattitüden, für die man die Protagonisten in Horrorfilmen so oft hasst.
Doch nicht nur im Spiel selbst, sondern auch bei der Einbeziehung der verschiedenen Optionen während der Show verzichtet man hier gänzlich auf Dummheit und obliegt einer realitätsnahen Schärfe, die man sich in so vielen anderen Filmen dieser Art so sehr wünscht. Wie erstaunlich und selbstreflektierend man sich hier immer wieder auf die Suche nach dem titelgebenden Licht macht, grenzt fast schon an ein Kunstwerk und lässt vergessen, dass keine milliardenschweren Sponsoren im Hintergrund sitzen, die sich Probleme einfach mit Geld wegkaufen.
Diese Ausdrucksstärke in den Gesichtern und den Augen der Darsteller, das Mitdenken in brenzligen Situationen und im Affekt richtige Handeln, der Schauer, der einem als Zuschauer durchaus die Rückenpartien runterläuft, während man nicht gespielt und erzwungenermaßen, sondern reell geschockt wird – von mir eine Eins Plus.
So unbefremdlich und klasse war schon lange kein Horrorfilm mehr, der dazu auch noch den Weg ins Kino überstanden hat. Ich war einfach nur begeistert und bete, dass man diese Schiene nicht zerfleddert und genauso derbe ausschlachtet, wie seinerzeit Saw. Dann hätten wir nämlich endlich wieder mal etwas, worin man sich als Fan gerne badet und das auch im heimischen Kino durchaus zu überzeugen weiß.
Auch erwähnenswert: Benjamin Wallfisch – der schon die Trailersounds für Die Insel der besonderen Kinder spendierte und damit voll ins Schwarze traf. Dieser Musikspezialist trumpft hier auch wieder mit einem Beat zum Niederknien auf, der allein schon Grund ist, selbst als Blinder die Vorstellung zu besuchen und sich von dieser tragenden Schwere langsam ins Reich des Staunens tragen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Horror, der sich lohnt? Lights Out.
Nach diesem Film gehst du garantiert nicht ohne Taschenlampe ins Bett. Schocker, Darstellung und Realitätsnähe sind hier am oberen Limit und überzeugen mit einer Natürlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Nicht nur der Sound überzeugt auf voller Länge, sondern sämtliche Horrorfilmklassikerdummheiten wurden ausgelassen und machen einer wunderschönen Normalität Platz, die man in vielen anderen Filmen dieses Genres oft vermisst. Wenn sich ein Film zum Gruseln lohnt, dann ist es Lights Out – also rein da!

 
Nachspann
kommt außer der abnormal geilen Mucke nichts mehr, auf das man warten müsste. Aber die Musik …. schwärm
 

Conjuring 2

So wie uns die Kinos in den letzten Jahren in diesem Genre still angeschwiegen haben, so war es in den letzten paar Tagen hier im Blog etwas “leiser”, aber das wird sich wieder ändern. Versprochen.
Fakt ist: Mit Conjuring 2 schickt Starregisseur James Wan endlich wieder mal einen Horrorfilm ins Rennen, der diese Bezeichnung auch verdient. Was öden mich diese ganzen aufgesetzten Schocker an, die so vorhersehbar, abgelutscht, ausgeweidet und 200x aufgekocht wurden, nur um mit den wiedergleichen Effekten nochmal Geld zu machen und dem Zuschauer auf dem Tablett nur die Suppe von vorletztem Jahr zu servieren.
Conjuring 2 geht da gänzlich anders vor. Der ganze heischende “Wir sind live. Alles hier ist echt und basiert auch auf reellen Tatsachen und ist überhaupt genau so passiert”-Quatsch bleibt außen vor und man wird als Zuschauer in eine wunderbar selbstreflektierte, ernstzunehmende Welt geschmissen, die sich mit dem Übernatürlichen beschäftigt.
Dies wird aber nicht in einer derart überzogenen, unwirklichen und teilweise lächerlichen Art gemacht, wie es bei der Paranormal Activity-Reihe der Fall ist, sondern wenn man so will mit Sinn und Verstand.
Klar handelt es sich hier um Dinge, die man so im Supermarkt wohl kaum in den Einkaufswagen legen und seinen Kindern zu Hause als hübsches Mitbringsel präsentieren kann, allerdings hat man den Spagat zwischen der Unwirklichkeit des Films und der realen Gefahr, die aus dem Stoff hervorgeht, meiner Meinung nach wunderbar gelöst.
Doch einer der größten Pluspunkte ist der Gruselfaktor, da hier nicht auf überragende Effekte oder wahnsinnig moderne Animationen gesetzt wird (im Gegenteil: die Effekte wirken teilweise sogar fast schon billig), sondern tatsächlich Sphäre schafft, die den Zuschauer mitreißt und in seinen Bann zieht. Was der Trailer rüberbringt, nimmt längst nicht die Ausmaße an, die im Film ausgefüllt werden und man hat durchaus wunderbare Momente, in denen sich die Haut zusammenzieht und das Adrenalin in die Höhe schnellt.
Es geht eben also doch.
Dass sich der Regisseur, der mit dem grandiosen FSK-18-Werk SAW weltbekannt geworden ist, hinterher eher dem Paranormalen zugewendet hat, haben seine vergangenen Erfolge ja mittlerweile deutlich bewiesen. Und diese Bodenständigkeit, die einen als Zuschauer wissen lässt, dass dieser Mann noch viel mehr kann als Nichts anzudeuten und einen dabei den eiskalten Hauch im Nacken spüren zu lassen, hinterlässt auch hier deutliche Spuren. Damit erhält man ein Fundament, auf dem etwas Wunderbares entstehen kann, was im Endeffekt darin gipfelt, dass der geneigte Fan von Horrorfilmen nun endlich wieder aufatmen und seinem Stammkino einen Besuch abstatten kann: Der Grund hierfür steht im Titel dieses Beitrags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Satz “Es geht eben doch” geisterte mir während der ganzen Vorstellung durch den Kopf.
Die Stupiditäten diverser Horrorstreifen wurden endlich mal in einen Sack gepackt und in einem dieser Keller vergraben, in denen es 100 Jahre lang keiner findet. Klar hat man auch hier witzige Stellen, die ironisch mit den Vorahnungen spielen (das Kino hatte während der Vorstellung durchaus richtig Spaß mit solchen Bemerkungen), jedoch wurde an dieser Stelle endlich mal vieles richtig gemacht.
Einziges Manko: Ein paar kleine Längen gibt es, aber ansonsten hat man wunderbar funktionierende Gruselstimmung und endlich wieder einen Grund, als Horrorfilmfanatiker ins Kino zu gehen.

 
Nachspann
Sitzen bleiben. Hier kommt noch einiges an Bildmaterial zum Vorschein.

Fast & Furious 7

Ich glaube, dieses Jahr gab es keinen Film, auf den ich so sehr hingefiebert habe, wie Fast & Furious 7. Als das Startdatum näher rückte, war für mich klar, dass irgendwas in Richtung Kino laufen musste.

Also habe ich mich passend zum Car-Samstag geschlagene 16 ½ Stunden ins Kino gehockt und mir alle Teile dieses Franchise-Spektakels am Stück auf der großen Leinwand gegeben.

The Fast & The Furious
Die Idee, die an Genialität und Straßenlage kaum zu toppen ist und alle bisherigen Renn- & Straßenfilme von der Bühne verweist.

2 Fast 2 Furious
Ein üblicher Nachfolger, basierend auf dem Erfolg des ersten Teils, in dem auch Vin Diesel nicht mitspielt. Solide, witzig und die beiden Hauptcharaktere machen eine gute Figur.

The Fast & The Furious: Tokyo Drift
Völlig von Laien vereinnahmt bildet dieser Teil für mich den absoluten Tiefpunkt der Reihe. Das stümperhafte Zurschaustellen von Möchtegernmachos umhüllt mit billigen Dialogen, die die Geschichte kein Stück weiter tragen.

Der Cameo-Auftritt am Ende hat insgesamt mit seinen drei Minuten weit mehr Stil als der komplette restliche Film zusammen.

Fast & Furious: Neues Modell. Originalteile.
Back to the roots. Mit der Original-Crew und einer Düsterness, die einem wahrlich zu denken gibt. Grandios den Aufschwung nach oben gemeistert und somit spektakulär zurück im Spiel.

Fast & Furious 5
Es fängt an zu krachen, ein neuer Player kommt auf den Plan und beide Showgrößen liefern hier exzellente Action, die Teil 4 weit in den Schatten stellt. Es wird immer mächtiger.

Fast & Furious 6
Unfassbar: man steigert sich tatsächlich wieder und rutscht kein Stück in Übertreibung oder Schmach ab. Es knallt immer heftiger und auch hier landet man einen grandiosen Sieg, der nahezu nach Fortsetzung schreit.
Und die kam dieses Jahr dann endlich in die Kinos und feiert seitdem einen Mega-Erfolg nach dem anderen. Zurecht!

Fast & Furious 7
Aufgrund des tragischen Tods von Paul Walker, der seinerzeit ja durch die Medien ging und weltweit nicht nur die Fangemeinde von Fast & Furious aufgeschreckt hat, war klar, dass es in diesem Film sehr emotional zugehen würde.

Wer jetzt erwartet, dass man hier die übliche Klischeekiste auspackt und mit allem punktet, was man als Zuschauer erwarten würde, der liegt gehörig falsch.

Die Geschichte bringt erneut einen Teil-6-Cameo-Auftritt-Player ins Spiel, der sich mit den bereits aus den Vorteilen aufgebauten Teams wacker durch die Geschichte kämpft, die diesmal von Coolness und scheiß geilen Sprüchen kaum zu überbieten ist.

Wer meint, dass es jetzt langsam anfängt, lächerlich zu werden, der irrt gewaltig. Auch wenn ein neuer Regisseur im Spiel ist, dessen teils gewöhnungsbedürftige Drehweise man sehr deutlich zu spüren bekommt, so verliert die Fast & Furious-Reihe dadurch absolut nichts von ihrem Charme, sondern gewinnt im Gegenteil zusätzlich an frischem Geist und einer Lebendigkeit, die sich in Form von noch größerer Wut und noch viel mehr Action äußert.

Leute, wenn ihr die Qualität eures Kinos austesten wollt, dann geht in Fast & Furious 7. Die Rivalitäten werden nicht mehr nur hinter ganz normalen Steuern ausgetragen, sondern gleichen epischen Schlachten, wie man sie von Heldenfilmen erwarten würde, dort aber nicht in der Größe und Wucht bekommt, wie im 7. Teil dieser Saga.

Es ist verblüffend, wie viel Munition man abfeuern kann und welche Kaliber da aufgefahren werden ohne dass dabei auch nur irgendjemand an das Wörtchen ‘Übertreibung’ denkt. Du hockst da und es kracht, dass dir Hören und Sehen vergeht während dein Hirn permanent nur eines schreit: “Wow – mehr!”

Wo andere Filme kläglich scheitern führt Fast & Furious 7 hier einen Siegeszug, der an Feingefühl und Sensibilität für Richtiges nicht zu überbieten ist. Man spürt allgegenwärtig die Präsenz einer nicht greifbaren Professionalität, die in Würde und Ehre die Unantastbarkeit dieser Serie ausmacht und dessen Erhabenheit nicht zur Debatte steht. In diesem Schaffen steckt so viel Können, das jederzeit aus allen Ecken und Enden hervor greift und aus dem Film ein Meisterwerk macht, das zurecht einem Thema gewidmet ist, dem sich nicht nur Dominic Toretto als Anführer der Autogang verschrieben hat, sondern auch von der real dahinterstehenden Person leibhaftig vertreten wird.

Man spürte bereits in seinen Facebook-Posts, welche Wichtigkeit hier die Familie einnimmt. Diesel gehört zu den Schauspielern, denen ihr Publikum nicht egal ist und ich glaube, dass der Wert der Familie ein ganz zentraler Punkt ist, der dieses Franchise überhaupt derart funktionieren lässt. Du bist als Zuschauer mit ihnen aufgewachsen. Du sitzt mit am Tisch. Du erlebst Leid und Trauer, Freude und Siege, Partys und Alleinsein hautnah mit und gehörst einfach dazu.

Vor dieser Fan-Verbundenheit schreckt Teil 7 auf keinen Fall zurück, sondern prescht mit einer emotionalen Flutwelle über dich herein, die es mit einem Fingerschnippen schafft, dass 400 Kinozuschauer Tränen in den Augen haben.

Mächtig mächtig großes Kino, das einen ganz großen Schauspieler mit einer Pietät entlässt, die ich den Machern in dieser Form nicht zugetraut hätte.
Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich mir den Film als Event gleich ein zweites Mal im Kino angeschaut habe. Und ganz ehrlich? Es könnte passieren, dass ich noch ein drittes und viertes Mal im Kino lande, denn dieser Streifen wurde nicht für kleine Fernseher und billige Anlagen erschaffen, sondern verlangt nach ebenbürtiger Technik, die dem Gezeigten die ihm gebührende Größe erweist.

Die Endgültigkeit, mit der die einzelnen Schauspielgrößen hier ihre Rolle zum Besten geben, fasziniert. Die brachiale Wucht von Effekten und Sound gepaart mit der muskelprotzenden Kraft der tragenden Elemente überzeugt. Die Story driftet kein einziges Mal in Richtung Langeweile. Die Aufgaben werden härter, die Zeit knapper, die Lösungsansätze irrer. Die Grenzen verschwimmen nicht nur, sondern lösen sich völlig auf. Und all das, ohne zu übertreiben, ohne den Kunden zu verarschen und in seinem Intellekt zu beleidigen.

Diesmal geht es eben nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um das wichtigste, das dem Menschen jemals geschenkt wurde: Die Familie.

.kinoticket-Empfehlung: Spätestens bei der Veröffentlichung der Blu-ray wirst du dich verfluchen, wenn du nicht im Kino warst.

“Kino. Dafür werden Filme gemacht.” bewahrheitet sich hier in einem bisher noch nie dagewesenen Ausmaß, das kaum Spielraum nach oben zulässt.

Geht rein, erweist Paul die letzte Ehre und erhaltet im Gegenzug dazu einen Film, der definitiv jeden abholt und auf den blanken Asphalt schmeißt.

Action, Kracher, Dialoge, Ideen und Extravaganz feiern hier nicht nur Party, sondern beleben das Ganze in einer Form, die alles andere grinsend in den Schatten stellt.

Wer hier nicht rein geht, der ist selber schuld.

Nachspann
✅ ist in diesem Teil Pflicht. Bleibt einfach sitzen.

Kinostart: 1. April 2015

Original Title: Furious 7
Length: 137 Min.
Rated: FSK 12

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