Jan Josef Liefers

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So viel Zeit
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So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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Jan Josef Liefers, Heike Makatsch – was sagt uns das?
Ein deutscher Film, der auf dem Plakat schon wieder den Anschein einer schlechten Komödie macht und sich damit in die Reihen der ganzen deutschen Versagerfilme einreiht, die es auf dem Markt bereits gibt.
Und jetzt zieht los, kauft euch ein .kinoticket und überzeugt euch selbst davon, dass dem nicht so ist.
In Das Pubertier – Der Film beweist Heike Makatsch, dass sie auch ohne Stock im Arsch schauspielern kann und neben Monika Gruber eine unglaublich gute Figur abliefert. Die Lässigkeit, derer man sich der bereits vielerzählten Thematik annimmt, ist bewundernswert und erstaunlich freigiebig. Alle Kritikpunkte, die ich dem deutschen Kino oft genug anlaste, finden hier keinen Nährboden und offenbaren, dass man in unserem Land den jüngsten Beispielen nach zu urteilen wohl doch endlich begriffen hat, dass es cineastisch einen Platz gibt, auf dem man sich erfolgreich austoben und auch international Anerkennung gewinnen kann.
Das Pubertier – Der Film greift dabei nicht nur auf hervorragendes Ausgangsmaterial zurück, sondern etabliert dieses auch sehenswert auf dem Screen. Die Umstände, derer sich Liefers im Film ausgesetzt sieht, schmücken in vielen Haushalten wohl auch den Alltag und kommunizieren somit Verständnis, Gemeinschaft und realitätsnahe Unterhaltung, die ich als absolut positiv empfunden habe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Stück zeitlose Geschichte, die jede Familie im Verlaufe ihres Lebens mindestens einmal selbst betrifft und hier herrlich komödiantisch und mit viel Liebe zum Detail gepflegt wird.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 6. Juli 2017

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Wer sich den Trailer ansieht, fühlt sich zurückerinnert an die Zeiten in den 90ern, wo die wirklich schlechten Horrorfilme mit mega üblen Trailern beworben wurden und die Grotte der Darstellung anschließend auch genauso heftig ins Minus wanderte, wie der Trailer es anfangs versprach.
Genauso ging es mir mit Vier gegen die Bank, in dem zwar so ziemlich alles, was das deutsche Kino hergibt, zusammengesammelt wurde um mit hierzulandiger Größe und Publikumswirksamkeit zu punkten, allerdings hatte ich nach dem ersten Einblick in den Film schon von vornherein keine Lust auf die Vorstellung.
Man bloggt, man schaut sich trotzdem alles an, man rezensiert auch für andere – ergo kommt man um die Vorstellung sowieso nicht drumrum. Also Augen zu und durch.
Meine Kinobegleitung ist nach den ersten 15 Minuten auch gleich mal eingeschlafen (es sei ihm nicht zu verübeln), denn das Erzähltempo und der Spannungsaufbau lassen quasi auch gar nichts anderes zu. Die Doofheit, mit der man hier versucht, Hollywoods Größen mit Eigenproduktionen zu schlagen, ist nicht nur lächerlich peinlich, sondern sorgt auch für jede Menge Fremdschämmaterial und dafür, dass ich noch nicht mal Ambitionen erwägte, meinen Begleiter wieder zu wecken in der Hoffnung, er könnte verpassen, wenn der Film dann doch noch ins Positive umschlägt und mit trickreichen Wendungen und sehenswerten Momenten punktet.
Ich hatte ja schon von Anfang an keinerlei Hoffnungen diesbezüglich mehr, also hab ich ihn kurz nach Eintreten des Abspanns dann wieder aus den Tiefen des Traumlandes entführt und gen Ausgang begleitet.
Verpasst hat er nichts. Nicht nur, dass nach den wahnsinnig spoilerhaften Einblicken im Trailer der gesamte Plot quasi absolut vorhersehbar war, sondern die Erzählgeschwindigkeit (sorry, dass ich es nochmal erwähne) war so dermaßen träge, dass man an dieser Stelle besser getan hätte, hätte man das Werk auf 10 Gesamtminuten runtergekürzt, um sich tatsächlich nur um das Wesentliche zu kümmern und die ganzen Pausen und das ewige Genörgel um Wesenszüge, die sowieso schon jeder errät, außen vor zu lassen.
Dazu mag ich weder Schweiger noch Schweighöfer sonderlich und die TV-Pominenz deutscher Landen haut mich jetzt auch nicht unbedingt sofort vom Hocker. Diese Herrschaften müssen sich also in meinem Fall doppelt anstrengen, um das Ruder irgendwie rumzureißen und getan haben sie genau das Gegenteil.
Was dann letztendlich mega nervt, ist die aufgesetzte Größenwahnsinnigkeit, die man beispielsweise beim Soundtrack hergenommen hat, mit der man an Megaproduktionen wie Bourne erinnern wollte, bei dem auch immer wie in  Agentenepen ein einziger Ton als Dauergrundlage für den umgebenden Soundtrack verwendet wird und man – sofern man es tatsächlich kann – dann ein Momentum generiert, dass tatsächlich leicht an Bond erindert.
Pustekuchen: Hier wirkt das einfach nur lächerlich, blöd und losermäßig. Gleichermaßen beim Abspann. Sofern ihr zu denen gehört, die zwei Abspielkonstruktionen ihr Eigen nennen, legt einfach mal auf ein Fenster Vier gegen die Bank und aufs andere Die Bourne Identität und lasst den Abspann laufen. Die Parallelen sind fast schon ein YouTube-Video wert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Vergesst es.
Weder der Plot noch die Darbietungen lassen sich mit dem Kauf eines .kinotickets rechtfertigen, obwohl die Idee gar nicht so doof ist und in dieser Geschichte absolut Potenzial steckt.
Petersen hat dann aber alles versemmelt, was kaputtzumachen ging und in meinen Augen das schlechtmöglichste Ergebnis geliefert, das nicht nur im Kino für Stimmungsverdruss sorgt, sondern an seiner Peinlichkeit gegenüber anderen Hollywoodgrößen kaum zu überbieten ist.
Daumen runter.

 
Nachspann
läuft nur in Textform und bietet keinerlei weitere Szenen oder Bilder.

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Nach dem riesigen Welterfolg der Minions wird es Zeit, dass Illumination Entertainment ein neues Werk an die Öffentlichkeit trägt, mit dem man den wirtschaftlichen Nutzen dieses Unterfangens neu aufflammen lässt, auch wenn das bei dem Run und immer noch andauernden Hype um die kleinen gelben Viecher längst nicht mehr nötig ist, da die Gelder durchaus fließen dürften.
Auch marketingstrategisch hat man hier auf die richtigen Pferde gesetzt und die Öffentlichkeit erstmal mit rein gar nichts angefixt außer dem Wunsch, den neuen Film unbedingt sehen zu wollen.
Als dann Trailer Nr. 2 und 3 nachgeschoben und mit ihnen die Story etwas erweitert wurde, kamen mir persönlich die ersten Zweifel, ob das hier wirklich etwas werden würde, oder man rein auf die Bekannt- und Beliebtheit des Publishers setzt und hofft, dass der Coup nach vorne losgeht.
Die Bedenken sind unnötig. Pets überzeugt mit einer familiengeeigneten Story rund um die namensgebenden Tierchen, die allerhand Erlebnisse zu verzeichnen haben, deren Umfang man jetzt nicht unbedingt zu den stilvollsten und tiefgründigsten zählen braucht, die aber auch nicht dermaßen aufgeplustert daherkommen, dass man sich als Zuschauer dafür fremdschämt.
Die kleinen Racker erobern durchaus die Herzen der Kinogänger, wenn auch nicht ganz so im Sturm wie die gelben Vorläufer, allerdings finde ich genau diesen Umstand extrem gut gelöst, da man sich hier nicht auf die überbordende Wirkung der Vorläuferfilme verlässt, sondern durchaus einkalkuliert, dass es jetzt “ruhiger” zugehen wird.
Dass der Plot selbst etwas altbacken daherkommt, mag verzeihlich sein, die Animation, das 3D und die Synchronisation des Films überragen und liefern hier genügend Ausgleich, dass man zufrieden den Eintrittspreis zahlt und durchaus etwas dafür geboten bekommt.
Mir persönlich hat der Schluss mit am besten gefallen, der nicht nur versöhnlich, sondern nahezu herzallerliebst die Kehle hinuntergleitet und bei manchen wohl auch die ein oder andere emotionale Regung durchfließen lässt. Schön, die Welt mal aus dieser Perspektive zu sehen und dabei ganz nebenbei noch wunderbar unterhalten zu werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der große Ansturm und die mediale Begeisterung wie bei den Minions hat man hier nicht, allerdings wurde das Unternehmen souverän gelöst und dem Kinozuschauer wird hier nichts halbgares vorgesetzt.
Der Film hält trotz vorheriger Traileroffensive genügend Überraschungen vor und beinhaltet durchaus unterhaltsame, lustige und auch sehr rührende Szenen, die im Gesamtpaket einen Film abgeben, der sich das Prädikat “sehenswert” durchaus verdient.

 
Nachspann
sollte man nicht ganz so flink verschwinden, denn hier kommt noch ein paar mal etwas.

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Man kann über Til Schweiger denken, was man will. Ich hasse ihn. Tut mir leid, ich kann mit dem Typen nichts anfangen und mochte keinen seiner früheren Filme. Ich mag die schmierige, deutsche, eigene Art von ihm so überhaupt nicht und es wundert mich um so mehr, dass jemand wie ich es tatsächlich über den Schemel gebracht hat und nun Besitzer zweier Honig im Kopf-Tickets ist.
Wie gut, dass man Mütter hat, die einem solche Streifen empfehlen. Wie gut, dass es Söhne gibt, die manchmal auf ihre Mütter hören 😉
Anfangs hatte ich tatsächlich meine argen Schwierigkeiten, in den Film einzusteigen, denn er punktet mit allem, was den typisch-deutschen Film so ausmacht und das ich auf den Tod nicht leiden kann.
Genervte Ehefrauen, perfekt stilisiertes Deutsch, die üblichen, nervigen Kinder, Til Schweiger … der sich zu meiner Bewunderung erstaunlich zurückgehalten hat. Wenn man ihn im Bild sieht und er einfach mal nur dasteht und die Klappe hält – eine Wohltat.
Dieter Hallervorden macht seine Sache großartig. Er war für mich der Knackpunkt, mit dem ich mich zuerst angefreundet habe. Und dann zu erleben, wie die Stimmung schlagartig umschlägt und man einfach nur von Liebe und Herzlichkeit umgeben ist, der Hass wie weggeblasen erscheint.
Es hat mich auf Deutsch gesagt so richtig umgehauen, wie in diesem Film mit dem Thema dieser Krankheit umgegangen wird. Dass zu erleben, wie in der gezeigten Öffentlichkeit auf diesen Menschen reagiert wird, vorzuleben, wie man sich in solchen Momenten verhalten kann – Wahnsinn!
Zu spüren, mit welcher Herzlichkeit und Hingabe die einzelnen Charaktere dieser Familie aufeinander eingehen und sich mal nicht alles nach Friede-Freude-Eierkuchen-Manier in die absolute Glückseligkeit verwandelt, sondern ein wahrlich ernsthafter Film mit einem allzeit defensiven Til Schweiger, der sich zu keinem Zeitpunkt als Macker aufdrängt, sondern der Geschichte mal einfach ihren Lauf lässt.
Ganz ehrlich? Meine Augen waren feucht und ich konnte zwei Stunden nach dem Film noch immer nicht unbefangen sprechen, sondern war froh, wortlos mit meiner Begleitung durch die Stadt schlendern und Fotos machen zu dürfen.
Absolut positiv überrascht und ein Kandidat für die Blu-ray-Sammlung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn ihr Til Schweiger auf den Tod nicht abkönnt, gebt diesem Film eine Chance. Er trägt wahrlich Potenzial in sich und beschäftigt sich nicht klischee-, sondern ernsthaft mit einem Thema, über das viel mehr Menschen aufgeklärt werden sollten.
Ganz sicher wird hier nicht das reale Abbild unserer Gesellschaft portraitiert, der Film geht jedoch als gutes Beispiel voran zu zeigen, wie man sich angemessen verhalten könnte. Nachahmenswert.

 
Nachspann
zeigt keine weiterführenden Szenen, man darf also getrost gehen, sofern man nicht auf die Musik steht.

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