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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Jason Clarke

Niemandsland – The Aftermath

Niemandsland - The Aftermath

© 2019 Twentieth Century Fox

Das Plakat gibt einen wunderbaren Vorgeschmack davon, wie sehr einen Vorurteile täuschen können. Worauf habt ihr Bock, wenn ihr derartige Bilder seht und wieder mal (wie so oft in Deutschland) nicht wisst, was “The Aftermath” bedeutet?

Ich verrat’s euch nicht, schick euch aber zwingend in den Film, der wartet nämlich mit einer wunderbaren Bildprofessionalität auf und erzählt eine sagenhafte Geschichte, die man so ganz sicher nicht erwartet hätte. Wie ich zu Jason Clarke stehe? Schaut bei Friedhof der Kuscheltiere nach. Und der Rest vom Titel-Fest arbeitet genauso abartig, dass man im Kino sitzt und die Show einfach feiert.

Es ist der Hammer, wie man so eine Zeit, so ein Thema mal so ganz und vollkommen anders anpacken kann und dem Zuschauer nichts aus der Klischee-Mottenkiste liefern braucht, sondern hier einen Titel vorstellt, der seine Aufmerksamkeit redlich verdient hat.

Würdigt sie … indem ihr ein .kinoticket besorgt, eure Freunde schnappt und diesen wunderbaren Film in einem Kino eurer Wahl genießt.

.kinoticket-Empfehlung: Eine Sichtweise, die so allein auf weiter Flur steht, dass man sie einfach ansehen muss: Wie hier an das Thema rangegangen wird, ist überaus beeindruckend.

Eingebettet in tragreiche Geschichten und eine ansonsten hervorragend umgesetzte Bild-Pracht bekommt ihr hier genau das, was niemand erwartet hätte.

Reingehen!

Nachspann
❌ man rennt nicht gleich aus dem Kino, wenn die Schwarzblende einsetzt, es kommen aber auch keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: The Aftermath
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Friedhof der Kuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere

© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Stephen King – entweder man liebt ihn, oder hasst ihn, oder neuzeitlich: Kennt ihn nicht. So unvorstellbar das klingt – auch das gibt’s mittlerweile. Womöglich einer der Gründe, weswegen man das grandiose Original seines beliebten Klassikers Pet Sematary neu auflegt und somit einer völlig neuen Generation verfügbar machen möchte.

Ohhhhh My Gosh … sooooo unnötig …. Blabla bla. Bla.

Fertig?

Cool.

Friedhof der Kuscheltiere gehört nämlich zum ersten Mal in meinem Leben zu den Remakes, die neben dem Original bestehen können und die man am besten in ein Double Feature packt und optimalerweise im Kino bestaunt. Keiner der beiden Filme macht dem anderen jeweils Konkurrenz, auch wenn die Story sich in Teilen gleicht: Irgendwie hat man es meiner Meinung nach wunderbar hin bekommen.

Und sowas ist höchst selten.

Ja, jeder erwartet die typischen Szenen, Momente, Elemente und möchte innerlich den Film einfach nur abhaken. Und kommt dann wahrscheinlich nicht so ganz klar, weil hier nämlich in zwei völlig unterschiedlichen Macharten gearbeitet wurde. Wo der eine auf Emotionen und Gefühle, Werte und Familie setzt, zielt der andere auf völlig neue Elemente ab und möchte nicht kopieren, sondern liefert seinen eigenen Stil.

Wow!

Was mich zudem unfassbar beeindruckt hat: Die ruhige, konsequente und elegante Kameraführung … Immer im richtigen Winkel, immer im richtigen Blickfeld, immer mit der richtigen Einstellung – hier hat man so akkurat und präzise geplant und überlegt und dann durchgezogen, da steckt sicherlich eine unglaublich hohe Menge an Vorarbeit dahinter, um das so perfekt hinzubekommen.

Das gleiche bei den berühmten “Jump Scares” – die sind soooo ausgelutscht mittlerweile, dass selbst die “Inception“-Variante davon nicht mehr wirklich funktioniert.

Warum zuckt dann auf einmal plötzlich wieder der Großteil im Saal rum? Großes Kino.

Und diese bedrohliche Ruhe dabei … da fängt man sogar an, mit John Lithgow seinen Frieden zu schließen und Jason Clarke ist schauspielerisch sowieso ne Bombe.

Alles in allem hat mich der Film sehr begeistert, weil er eben eines nicht tut: Kopieren. Und sowas in einem Remake eines so weltbekannten Klassikers zu schaffen – großartig!

.kinoticket-Empfehlung: Am besten im Double Feature mit dem Original genießen!

Findet seinen eigenen Stil, legt auf völlig eigene Dinge wert, liefert exzellente Kameraeinstellungen und perfekte Bilder und interpretiert so das Werk von Stephen King völlig neu.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir eine Blutspur gewünscht. Wenigstens eine kleine. Ihr wisst, wo.

Nachspann
❌ Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pet Sematary
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16

Aufbruch zum Mond

Aufbruch zum Mond

© 2018 Universal Pictures International

 

Hollywood und Mondlandung – zwei Dinge, die quasi schon per se zusammen gehören und auch schon tausendmal erzählt wurden. Spektakel hier, Spektakel da, viel Brimborium mit wahnsinnig entertainment-reichem Stoff, der die Massen begeistert. Und nun?

Nun kommt Ausnahmetalent Damien Chazelle und verfilmt diesen Stoff neu … ohne das Brimborium, aber mit ganz viel Esprit und einer Geschichte, die höchst professionell für die Leinwand umgesetzt wurde und den Zuschauer mit sanften Tönen, melodie-reichen Emotionen und einer völlig neuen Art und Weise begeistert, die ihn dieses Genre quasi ganz neu erfinden lässt.

Damit spielt er einmal mehr die Stärken von Ryan Gosling aus und lässt ihn auf eine Erzählung los, die in dieser Welt genauso faszinierend wie umstritten ist und erzählt sie auf seine eigene Weise.

Glaubt mir: Auch wenn euch das bisher nicht begeistert und ihr zu der Fraktion “Hat man einen gesehen, hat man alle gesehen” gehört – dieser Film lohnt sich dennoch. Allein ob der betörenden Bilder, die anfangs zwar gewöhnungsbedürftig wirken, sich dann aber zu einem schleichend-genialen Geniestreich entwickeln und ihren Weg in die Datenbahnen im Hirn buddeln. Chazelle schickt den Zuschauer selbst auf seine Reise und vermittelt dabei ein Gefühl von Schwerelosigkeit im Kino – weswegen man sich dafür auch nicht unbedingt die kleinere von beiden Leinwänden aussuchen sollte: Je größer, desto besser. Je mehr Dolby Atmos®, umso besser.

Und wartet nicht, bis er in kleinere Säle abwandert, sondern nutzt die Startwoche dafür – überall anders ist es dann “nur noch ein Film” und kein Ereignis mehr.

 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt im Kino mitnehmen und sich auf eine ganz neue Art hinreißen lassen- Chazelle hat’s immer noch drauf!

Die Bilder wirken zuerst befremdlich, graben sich dann aber tief ins Gewissen und lassen einen auch nicht mehr so schnell los. Dieser Film beflügelt auf ganz hohem Niveau.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, es folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: First Man
Length: 143 Min.
Rate: FSK 12

Winchester – Das Haus der Verdammten

Bei diesem Titel braucht man vorab ein paar Setting-Erklärungen, sonst geht die Sache gewaltig in die Hose:

    • Der Film zählt zum Horror-Genre, darüber sollte man sich im Klaren sein. Das bedeutet, er kann auch im Rahmen einer FSK-18-Sneak Preview gezeigt werden. Das Kinopersonal anzuschnauzen, dass man so etwas doch nicht in einem Kino zeigen könne, ist hier garantiert nicht intelligent. Genau dafür sind u.a. Sneak Previews da: Um Dinge auf den Screen zu bringen, die nicht im üblichen Kinoprogramm durchlaufen würden. Danke an die Kinos – shame on you an die Beschwerer.
    • Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit, wo man einfach Klamauk als festen Bestandteil eines jeden Horrorfilms kannte und es seltsam war, wenn die gewollt ironisch-billige Komik während der Blut- und Angstszenen fehlte? Genau da wollten die Macher Winchester – Das Haus der Verdammten haben: Als eine Hommage an diese Zeit. Billiger Plot, angsteinflößende Szenen, die in Lachkrämpfen enden und doch irgendwo horrös rüberkommen.
    • Ja, der Film sieht sich nicht als Blockbusterüberflieger und möchte genausowenig Independent-Geheimtipp sein: Er ist ehrlich zu sich selbst und vermittelt zu jeder Zeit, dass er einfach einen gemütlichen Kinoabend verspricht, der an die unbeschwerte Kindheit erinnert und einem mal wieder so richtig gechillt die Comedy-Eier durchschaukelt, während um einen herum diese von merkwürdigem Humor umflügelnden Angstzenen tanzen.
    • Man soll sich nicht gruseln, man soll belustigt sein.

 
 
Und damit wäre jetzt eigentlich alles gesagt und ihr seid bereit dafür, .kinotickets zu ordern und diesen Streifen zu genießen.
Die Idee ist nämlich durchaus gelungen, hält sogar Stücke aus der Realität parat – soll heißen: Die Gruselvorlagen entstammen dem echten Leben.
Das Bühnensetting steht auch völlig diskussionsfrei erhaben da: Die grandiosen Bauten und imposanten Einrichtungen allein sind ein Blick in diesen Film wert.
Und obwohl man während des Films manchmal seine Plot-Zweifel hegt (und auch hegen darf), so ergießt sich die Auflösung dann wieder völlig in Logik, insofern man oben benannte Regeln beachtet: Nehmt es einfach nicht ernst, sondern erfreut euch an einem wunderbar traditionellen Stück Horror.
Der Fakt, dass sich so viele bereits jetzt darüber aufregen (Ja, er lief in der Sneak) zeugt eigentlich nur von einer traurigen Wahrheit: Das Volk ist viel zu wenig getrimmt auf Horror – schon gar nicht im Kino. Wir wurden weichgespült und uns wurde der Umgang mit Horrorfilmen aberzogen. Der Zuschauer weiß nicht mehr, wie er mit solcherlei Stoff umgehen soll und fühlt sich überfordert, da er ansonsten nur mit geistigem Dünnschiss zugelallt wird oder mit ikonischen Blockbustern umschmeichelt.
Da kann der Horror in sich noch so gut sein, bewertet wird immer schlecht, weil: Horror.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und zieht euch dieses Werk rein, denn hier hat man den Griff ins Klo mal sagenhaft verfehlt 🙂
Man orientiert sich an alten Werten, komödiantischem Horror und trifft damit auf ein Genre, dass nichts im Mainstream verloren hat, sondern einfach Spaß macht und unterhält. Beachtet die obigen Regeln und ihr werdet dieses Ding lieben.

 
Nachspann
Hier seht ihr die originale Dame, was belegt, dass die ganzen Spukvorlagen tatsächlich aus realen Ängsten entstanden sind. Toll, dass dann so als Film herauszuarbeiten.
Kinostart: 15. März 2018

Everest (3D)

Bergsteigerfilme gibt es viele. Irgendwen verschlägt es auf irgendeinen Gipfel, der in tollkühnen Aktionen bestiegen werden will, wobei dann irgendwas passiert – oder auch nicht.
Was hier durchaus zu einer lakonischen Abarbeitung altbackener Fakten mutieren hätte können, wandelt sich in ein eindrucksvolles Gigantismus-Kino, das nicht auf Superlativen setzt, sondern eine wahre Geschichte erzählt, deren Kernfakten nur durch etwaige Dramatisierungen fürs Kino aufbereitet wurden.
1996 stieg tatsächlich eine Gruppe von Leuten auf den Berg, die ein tragisches Schicksal erlitten, von dem die Menschen bislang vielleicht noch gar nichts wussten.
Überrascht hat mich hier, dass bei all den Vorbereitungen und der Story selbst mal keine Kleinkriege ausgefochten, sondern tatsächlich auf Zusammenhalt und Miteinander gesetzt wurde. So viel Vernunft bei einem kommerziell sowie egoistischem Unterfangen ist mir bislang nicht untergekommen.
Was außerdem beeindruckt, sind die faszinierenden 3D-Aufnahmen der Kulissen, die die betörende Schönheit der Umgebung irrsinnig gut einfangen. Man sitzt zu Recht vor den Bildern mit Respekt und schaut auf ein Geschehen hinunter, dass in einem nichts weiter zulässt als die pure Ehrfurcht vor den Gewalten der Natur. Zeitweilig kommt man sich als schäbiger Voyeur vor, wenn man dabei zusieht, wie die Menschen vor der Natur erzittern und jämmerlich darin verrecken, aber genau diese Art von natürlicher Gewalt hat mich seit jeher fasziniert und tut es bis heute.
Zu spüren, dass du selbst keine Chance hast und zu merken, wie man an seine Grenzen stößt, welche Opfer man bringen muss für solche wahnwitzigen Aktionen und welchen Preis man für das Gefühl von Leben zahlt – den Preis eines .kinotickets allemal wert.
Dass die Presse hier wieder kritisiert, es sei zu wenig auf die anderen Gruppen am Hügel eingegangen worden und man würde keine konkreten Schuldzuweisungen aussprechen, finde ich zum Teil absurd, denn niemals kann man in einer Geschichte alle Fakten und Variationen unterbringen, bei der dann nicht das kinoübliche Zeitformat gebrochen und weit überschritten wird. Dass hier ganz klar die Geschichte des einen Bergführers erzählt werden sollte, ist völlig legitim und angebracht und daher für mich auch nicht verwunderlich, wenn man mit Kamera, Drehbuch und Aussage dann auch den Fokus auf eben jene Bergleute richtet und den Rest einfach mal so außen vor lässt.
Ich für meinen Teil hatte sichtlich “Spaß” (das Wort ist völlig unangebracht an dieser Stelle, aber mir fällt kein anderes ein) beim Zuschauen, denn ich liebe es, wenn der Mensch verliert und die Natur beweist, dass sie am längeren Hebel sitzt. Das ist Wahrheit erster Güte, vor der ich mich jederzeit gerne erneut verneige.
Richtet man seinen Blick auf andere Bergfilme wie z.B. Nanga Parbat, fällt sofort auf, dass in Everest eben nicht nur der höchste und größte Berg bestiegen wird, sondern auch das Epos mit am Stärksten ist und man sich eben nicht mit kleingeistiger Erzählerei zufrieden gegeben hat.
Dem zuträglich ist auch die Auswahl an hochkarätiger Besetzung, die allesamt in ihren Rollen glänzen und ihre Arbeit meisterlich abliefern.
Selbst Menschen, die mit Bergsteigen nicht konform sind oder dieser “Sportform” nichts abgewinnen können, wird man mit diesem Werk überzeugen können, da die Gesamtmischung von eindrucksvollen Naturaufnahmen, zwischenmenschlichen Aspekten und katastrophal-angehauchter Unterhaltung einfach stimmig ist und somit cineastisch zu überzeugen weiß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sauber stilisierte Bilder, ein beeindruckendes 3D und eine gut aufbereitete Geschichte liefern hier ein stimmiges Bild und wahnsinnig unterhaltsame Stunden ab.
Als Zuschauer bekommt man Respekt und Ehrfurcht eingeflößt, wenn man dabei zuschaut, wie der Mensch den Naturgewalten unterliegt. Den Everest selbst muss man nicht gleich besteigen, den Weg ins Kino sollte man dafür allemal antreten.

 
Nachspann
gibt’s keinen, nach dem Off darf man den Saal also getrost verlassen.

Terminator: Genisys (3D)

Als jemand, der in seiner Kindheit selbstgebastelte Altar-Monumente Schwarzeneggers in sein Kinderzimmer stellte, Bücher, Bildmaterial und vor allem die Filme hatte, die er nicht nur gesehen, sondern live mitsprechen konnte, sollte ich eigentlich jemand sein, der mit Terminator nichts mehr als grenzenlose Freude und immensen Spaß erlebt.
Dass dem nicht so sein würde, ahnte ich bereits beim Erkennen, mit welch aggressiver Manier man das neue Machwerk des Franchises im Kino bewarb. Ich hatte also meine Zweifel.
Im Zuge der Vorfreude und auch, weil mein Mitbewohner die alten Teile noch nicht kannte, bereitete ich uns beide mit dem Sichten der ersten vier Teile auf die kommende Wiederauferstehung des Terminator-Kults vor: Großer Fehler.
 
The Terminator
Mit dem Einstieg und der Idee aus dem Jahre 1984, mit dem ich zufällig sehr viel anfangen kann, sieht man erneut, wie gutes Filmemachen stattfindet. Hier wurden ganz klar technische Geräte genutzt, die Zeit war längst nicht reif für überdimensionale CGI-Effekte und die Geschichte hatte derart Tiefgang, dass man sich nur ehrfürchtig vor dem Werk verneigen und den Machern seinen tiefsten Dank auszusprechen wagte. Gold in allen Punkten, die es gibt.
 
Terminator 2 – Tag der Abrechnung
aus dem Jahre 1991 führte diesen filmischen Siegeszug fort, entwickelte neue Terminatoren und schickte mit einer noch genialeren Story an, die der alten in nichts nachstand und von ihrem 80er Jahre Charme rein gar nichts eingebüßt hatte. Bonuspunkt: Schwarzenegger ist diesmal der Gute und kämpft für die richtige Seite, so dass man sich als Verehrer nun endlich nicht mehr rechtfertigen muss. Ein Meisterwerk.
 
Terminator 3 – Rebellion der Maschinen
erzählt erneut die Story um Sarah, John und den Terminator und liefert mit Kristanna Loken nun einen der unsympathischsten Bösewichte ab, die die Filmgeschichte je gesehen hat. Hier versucht man erneut, neue Module zu installieren und die fiktive Zukunft weiterzuentwickeln, aber was dabei rauskommt, ist eigentlich schon fast übertrieben. Konnte in meinem Fall mit Teil 2 nicht mehr mitziehen, sondern verlor rasant an Fahrt.
 
Terminator: Die Erlösung
ohne Schwarzenegger und damit ohne Terminator. Selbst seine politische Karriere hat gezeigt, dass Arnie der einzige und wahre Terminator sein und bleiben wird – wie soll da ein Streifen funktionieren, der ohne ihn auszukommen versucht? Ein Griff ins Klo, der seinen Charme und alles, was Terminator einmal ausgemacht hat, einbüßt zugunsten eines nochmaligen Reboots, der mächtig in die Hose ging. Danach war erstmal Ruhe und ich als Zuschauer hoffe, dass damit nun endlich auch der endgültige Tod des Franchises besiegelt war und ich tatsächlich von schlechtem Kino erlöst sein würde. Bis heute.
 
Terminator: Genisys (3D)
Ja, Arnie spielt wieder mit – einer der wenigen Hoffnungsschimmer, die ich hatte, als ich zum ersten Mal den Trailer auf der Leinwand sah. Doch seine Glanzzeiten sind längst vorbei und die eigenkreierte, wortkarge und somit einzigartige Filmpersönlichkeit, die er durch seine Schauspielerei geschaffen hat, gehört zu den alten Eisen, die langsam aber würdevoll abtreten sollten. Er ist nicht mehr der unzerstörbare, alles besiegende Held, dem keiner das Wasser reichen kann, sondern wird langsam ein grauhaariger, zerbrechlicher Mensch, dem man die Maschine einfach nicht mehr glaubhaft abkauft.
Das gleiche gilt für die verloren gegangene Härte einer Frau, die sich in Form von Sarah Connor hilflos durch den Alltag kämpft und sich nicht nur den Maschinen aus der Zukunft, sondern auch der Borniertheit ihrer eigenen Spezies in den Weg stellt und für das Überleben der Menschheit kämpft. Es hat den Anschein, als hätte man die Wichtigkeit des Überlebens unserer Rasse nun aus den fähigen Händen entgleiten und an die spielerische Jugend übergeben, die ihre Sache nach Tribute von Panem-Art irgendwie durchziehen. Die Ernsthaftigkeit, mit der John Connor im zweiten Teil noch unterrichtet wurde, macht nun einer handlungsunwürdigen Gleichgültigkeit Platz, die nicht mehr durch Dialogträchtigkeit und brillanter Hintergrund-Komplexität glänzt, sondern einzig und allein den Schmachtbonus auszuspielen versucht, für die Jungs wie Jai Courtney und Girls wie Emilia Clarke wie geschaffen sind.
Alles andere versinkt in einer übersintflutartigen Überreizung durch CGI-Effekte, die in 3D mehr schlecht als recht rüberkommen und deutlich sichtbare Mankos mit auf die Leinwand transportieren. Weniger … sehr viel weniger … wäre an dieser Stelle bedeutsam mehr gewesen, denn der Zuschauer ertrinkt an Effektbombardements, was natürlich zu lasten der Geschichte getragen wird.
Die in den Vorteilen mysteriös gehaltene Zukunft, aus der immer nur sporadisch Bildmaterial gezeigt und die damit interessant gehalten wurde, verliert ihr komplettes Ansehen dadurch, dass jetzt nicht mehr aus Sicht der Menschen des Heute, sondern aus der Sicht einer möglichen Zukunft berichtet wird, die nun ihre Kämpfe in der Vergangenheit auszutragen versuchen. Dass sich im Laufe der Zeit alles weiterentwickelt hat – keine Frage – nur ergibt hier alles so überhaupt keinen Sinn mehr und das geniale Spielen mit den verschiedenen Komponenten der Zeitreisen und dem Verändern der Vergangenheit rutscht leicht ins Abseits und macht Platz für … nichts.
Mein Gedanke nach dem Film war: Wie kann man ernsthaft versuchen, einen Film mit CGI vollzustopfen und ihn dann im Jahr 1984 spielen lassen?
Ich war bitter enttäuscht, habe die Enttäuschung ein paar Tage ruhen lassen, ihn mir nochmal angesehen und war wieder enttäuscht. Warum greifen sie teilweise vollständige Dialoge schlecht kopiert wieder auf und kredenzen nicht einfach etwas völlig neues, das sich nur an den Grundelementen der alten Filme bedient und daraus etwas völlig neues erschafft? Damit hätte man sich das Recht auf Eigenständigkeit erkämpft und aus etwas Großartigem etwas neues großartiges geschaffen.
Aber stattdessen kopiert man hier Vergangenes, übertrieft es mit Computerlastigkeit, das einem schlecht wird und lässt es dann im selben Zeitalter spielen, wie seine 31jährigen Vorgänger. Und das kann in meinen Augen einfach nur schief gehen.
Da klingt es fast schon selbstironisch, wenn Schwarzenegger sich in seinen Dialogen auf der Leinwand dafür rechtfertigt, dass er wieder engagiert wurde.
Die Aussicht, dass hier noch zwei weitere Teile kommen sollen (und werden), bereitet mir eher Bauchschmerzen denn Freude. Ich weiß nicht, wie die Generationen nach mir Filme bewerten und anschauen und ob es einfach an meiner Generation liegt, die mit höherwertiger Schaffenskunst aufgewachsen ist und eben jene schätzt. Vielleicht sind wir dazu verdammt, dem Untergang perfekter Popcornunterhaltung zuzuschauen, die sich von ihrer intelligenten Komplexität verabschiedet und der Gleichgültigkeit immer mehr Platz einräumt.
Ich für meinen Teil war einfach nur bitter enttäuscht und ich glaube kaum, dass sich daran durch ein drittes Mal schauen etwas ändern wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf keinen Fall die vorherigen Teile wieder anschauen und hoffen, dass man vergessen hat, was darin vorkam.
Oder einfach auf den hier verzichten und sich ausschließlich die vorherigen Teile anschauen. Beides gemeinsam löste in mir nur Enttäuschung aus.
Teil 5 ist für mein Empfingen zu CGI-überladen und hält wenig vom bisherigen Terminator-Charme bereit, der durch seine typischen Charakterausbildungen und den bevorstehenden Tod der Menschheit eine gewisse Beklemmung und -befreiung in einem auslöste.
Vielleicht ist das der Preis, den wir für immer teureres, immer gigantöseres Kino zahlen müssen: Dass alles in einer Effektwüste verkommt und stupiden Explosionen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss als den wirklich wichtigen Dingen.
Ließe sich das 3D wegmachen, wäre ein handwerklich ordentlicher Film zustandegekommen, der nur noch inhaltsschwache Defizite aufweist, aber so haben wir einen Teil, der maßlos übertreibt und damit ein weiterer Meilenstein misslungener Fortsetzungen ist.
Verdammt, dabei hätte es doch so schön weitergehen können …

 
Nachspann
Sitzenbleiben und nicht gleich losrennen. Nach den ersten paar Zeilen kommt eine weitere, 3D-animierte Szene, die den Bogen zu den kommenden Teilen spannen will. Erst danach darf man den Abspann abkürzen und rausrennen, man könnte ja eine Rotphase an einer Ampel verpassen.

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