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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Jason Momoa

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

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