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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Jeremy Renner

Catch Me!

Catch Me! – ein Spiel, dass glaube ich jeder in seiner Kindheit unzählige Male gespielt hat. Kindheit – die Zeit im Leben, in der man unbeschwert und voller Sorglosigkeit in jeden Tag hineinlebt und ein Abenteuer nach dem anderen durchstreift und dabei immer wieder neue Dinge entdeckt.
Dann kommt das Erwachsensein, man übernimmt Verantwortung, sucht sich Arbeit, wird seriös, macht gewisse Dinge nicht mehr, weil “das so gehört” und benimmt sich nicht mehr kindisch, um in der Gesellschaft nicht negativ aufzufallen.
Der “Ernst des Lebens” beginnt und damit einher gehen Traurigkeit, Depressionen, Sorgen, Nöte, Ängste, Abgründe und unvergleichlich viel negative Emotionen.
So selten fragen sich Menschen dann, wann und vor allem, warum sie die Fähigkeit des Lachens und der Freude aufgegeben haben und was sie eigentlich ganz genau davon abhält, diese Freude auch weiterhin zu verspüren, auch im höheren Alter?
Ich beobachte dieses Phänomen schon seit Jahren und habe mir persönlich damals gesagt, dass es wichtig ist, niemals die Fähigkeit zu opfern, täglich zu spielen. Wer aufhört, das Leben als ein Spiel zu betrachten, der öffnet gewissermaßen Depressionen und Ängsten Tor und Tür.
Catch Me! kommt nun mit einer wahren Geschichte daher, in der ein paar Männer eben jene Fähigkeiten nicht aufgrund ihrer Karrieren oder Lebenswegen geopfert haben, sondern sich alljährlich zusammentun und ihre Kindheit weiterleben lassen, indem sie einfach spielen. Die Idee und Botschaft, die hinter diesem Streifen steckt, ist also außerordentlich und beinhaltet eine gewisse Wichtigkeit, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte.
Filmisch umgesetzt wurde das Thema super lustig, sofern man auf Ed Helms-Humor steht. Ich persönlich kann ihm weniger etwas abgewinnen und war auch kein allzu großer Fan der Hangover-Filme, es ist ganz nice anzuschauen und man lacht sich hier und da auch krumm ob der wirklich abstrusen Einfälle, jedoch verliert sich der Streifen damit ein wenig an “Ernsthaftigkeit”, die das Publikum – das ja nun mal erwachsen ist und bereits in der ‘Ich spiele nicht mehr’-Falle gefangen ist – dadurch nicht wirklich abholt, sondern bestenfalls top unterhält.
Die Message des Films bleibt davon aber absolut unberührt, was ihn für mich dennoch zu einem sehenswerten Film macht, den man am besten mit seinen Freunden im Kino anschauen sollte. Zusammen macht’s eben einfach mehr Spaß! 🙂
 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Botschaft, wahre Story und ein Appell an alle, die die Fähigkeit verlernt haben, sorglos durchs Leben zu spazieren.
Ed Helms hat einen besonderen Humorstyle, den man mögen sollte, um völlig bespaßt zu werden, unterhaltsam und witzig ist das Ding allemal und die Moral von der Geschicht’ würde unsere Welt auch in Teilen etwas mehr auflockern. Kein Überflieger, aber für einen tollen Kinoabend durchaus zu gebrauchen.

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben – selten so gelacht!
Kinostart: 26. Juli 2018

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Arrival

Beide Daumen gedrückt, hoffend darauf, dass exakt dieser Titel in die Kinos flattert, wenn es wieder heißt: Sneak Preview. Meine Erwartungen wurden … übertroffen.
Der Trailer mutete mit einigen Actionszenen an und sprach damit unverblümt die Riege Popcornkino an, die man aus der Masse rausholen und in die Kinosäle bringen wollte. Diesbezüglich wird Arrival wohl viel negative Kritiken ernten, denn der Film entbehrt jedweder aufgesetzter Durchschlagskraft und entfaltet seine Stärken ganz wo anders.
Sehr zur Freude meiner einer. Es wird schwer, nicht zu spoilern und euch trotzdem davon zu überzeugen, die Vorstellungen zu stürmen, denn der Lohn wird groß sein.
Die Power steckt hier abartigst in den Vorbereitungen zu diesem Film. Konkret in den Ideen, den Gedanken, dem Brainstorming, das man der Schaffenskunst hier vorauseilen hat lassen. Da hat sich jemand übelst Gedanken um etwas gemacht, die Dinge hinterfragt, Tellerränder überschritten und das gesamte Machwerk in seine Idee verpflanzt, damit es selbst das beste Beispiel für die Botschaft abliefert und quasi als Referenz der Moral herangezogen werden kann.
Nach dem Film spült man entspannt zum Ausgang hin mit dem Gefühl, absolut beruhigt und zufriedengestellt zu sein, nur um hinterher festzustellen, dass der Film mit einer immensen Geschwindigkeit abgespult wurde, die sich erst durch Nachdenken im Nachhinein ergibt.
Philosophischer Tiefgang auf Wunsch im Kopf des Zuschauers? Oh ja! Möglichkeiten zur Interpretation dieses absurden Themas, das vom Namen her zwar bekannt, von der Umsetzung so aber völlig neu ist? Oh ja! Ich sag nur: Bonusmaterial. Hoffen wir alle, dass das die Spielzeit des Films deutlich überschreitet.
Dennis Villeneuve schafft es hier, Spannung zu erzeugen, die teilweise sogar Gänsehaut auf dem Rücken entblättert, und verzichtet dabei auf jederlei ablenkende visuelle Eindrücke. Allein der Look des Films ist ein paar Diskussionen wert, denn hier wurde wirklich auf allerhöchstem Niveau gearbeitet. Ich war fasziniert von der einheitlichen und doch alles durcheinanderbringenden Art, die hier kongruent durch die Spielzeit durchgezogen wurde und in einem Finale gipfelt, dass niemanden enttäuschen dürfte.
Doch nicht nur die Kulissenbauer, Designfetischisten und Bühnenprofis haben hier ganze Arbeit geleistet, sondern alle Bereiche, die einem Film zuträglich sind, arbeiten hier in einer Synergie zusammen, die etwas oscarreifes produziert, das im Kino einfach nur eines macht: Begeistern.
Jóhann Jóhannsson zum Beispiel, der seinerseits auch schon verantwortlich für den Soundtrack von Sicario war, hat hier wieder einmal mit Selbstübertreffen gepunktet und einen Beat kreiert, der nicht nur in völlig andere Dimensionen entreißt, sondern als alleinstehendes Werk eine derartige Überzeugungskraft mitbringt, dass man zum Schauen des Films zusätzlich empfehlen kann, ein paar Euro für den Soundtrack hinzublättern.
Hier ein brachiales Ereignis vorzuführen, ohne dabei an die superlativen Exponate zu stoßen, die von Hollywood in derlei Situationen aufgefahren werden, sondern gegenteilig die Reize zu minimieren um dann einen Effekt zu erzielen, der um so vieles größer ist – wow!
Ihr merkt schon – ich komme ins Schwärmen, und das ist gut so. Arrival ist die Art Film, die es für mich dauerhaft geben könnte, bei der – realistisch betrachtet – der kreative Geist der Schöpfer jedoch zwingend an seine Grenzen kommt, bevor die Show überhaupt gestartet ist. Arrival gehört zu den Filmen, die man nicht einmal, nicht zweimal, sondern viele Male gesehen haben sollte, um alle Wesenszüge zu entdecken, die tief in den profilstarken Vorbereitungen drin stecken, die man vor dem ersten Paukenschlag gemacht hat.
Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg und andere Schauspielgrößen hier auflaufen zu lassen, zeigt, dass der Sinn für tiefgründiges Kino auch in Hollywood noch nicht ausgestorben ist und ich hoffe – ich bete – für viele Auszeichnungen, um genau diese Art Unterhaltung nach vorne zu pushen, die den Geist anspricht, das Denken erfordert und die Zuschauer dazu animiert, wieder selbst in die Materie einsteigen zu wollen und sich nicht nur mit plumpen Animationen und stupidem Geballer zufrieden zu geben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Absolutes Pflichtprogramm.
Dieser Film bringt alles mit, was ich von einem exzellenten Streifen erwarte. Hier wurde vor der Produktion an Details gefeilt, die sich erst im Nachhinein ergeben und in ihrer Intelligenz und Durchdachtheit derartig überzeugen, dass wir wohl lange auf “Nachahmerfilme” warten dürfen.
So viel exzessive Atmosphäre, so eindrückliches Entführen in eine Geschichte und deren Tiefe, so eine überzeugende Soundstärke und visuelle Bildgewalt, die auf ein Minimum reduziert ist, habe ich selten bis gar nicht erlebt.
Wenn es ein Wort geben müsste, dass diesen Film treffend beschreibt, dann: AbsoluteBegeisterung!
Geht rein und genießt die Show – endlich wieder mal eine Story, für die sich jeder einzelne Cent verdammt lohnt!

 
Nachspann
kommt keiner, allerdings erhält man hier nochmal eine heftige Dosis Sound, die man unbedingt mitgenommen haben sollte. Nicht umsonst ist das halbe Kino sitzen geblieben.

The First Avenger: Civil War (3D)

Avengers: Age of Ultron (3D) hat mir den Spaß an der Avengers-Reihe ja gehörig verhagelt. Das 3D war so gar nicht 3D, die Story irgendwie gelangweilt, der Film eine reine Zumutung.
Mit Ant-Man (3D) hat man dann seitens der Macher das Entschuldigungstablett serviert und quasi wieder richtig netten Stoff abgeliefert und auch das 3D konnte sich sehen lassen.
The First Avenger: Civil War (3D) reiht sich nun in das Universum der Avengers ein und führt die Geschichte weiter, die in bisher unerreichten 12 Teilen einer Comicverfilmung erzählt wurde. Dieser bildet den Auftakt der dritten Phase im Marvel-Filmuniversum, in der noch neun weitere Filme folgen sollen. [Quelle: Wikipedia]
Damit verkündet man quasi nicht nur den absolut devoten Wirtschaftskniefall, sondern offenbart ebenfalls, dass das Treiben noch lange kein Ende findet.
Grund genug für Leute wie mich, mit großen Zweifeln in einen Film zu gehen, der in solch große Fußstapfen treten und eine legendäre Erzählchronologie weiterführen möchte, die eben nicht aus der Feder eines Hinterzimmer-Autors stammt, sondern würdige Vorfahren hat und damit auch vom Zuschauer an die Hersteller gerichtete Ansprüche erfüllen muss.
Civil War vermag, all diese Ansprüche zu erfüllen und tischt hier das Ergebnis einer Saga auf, die zwar durchaus durchzogen von einigen Längen ist und sich eben nicht in Notizform abfertigen lässt, jedoch auch überraschend viel Tiefgang mitbringt und somit den Kinozuschauer nicht nur aus technischer Sicht heraus zunehmend verblüfft.
Die Tiefen der gesellschaftspsychologischen Verhaltensstruktur gegenüber Dingen, die als unkontrollierbar gelten gepaart mit Actionszenen, die einfach tierisch Spaß machen und den aufkeimenden Neuerungen, die man hier in das Filmuniversum integriert, machen einfach nur Lust auf mehr. War ich früher noch dazu geneigt, mich der ganzen Sache langsam abzuwenden, hat der letzte Teil es jetzt endgültig geschafft, dass auch ich knie und um mehr bettle.
Auch damit huldigt man wieder den Enttäuschten früherer Verfilmungs-Reboots und verspricht Reue und Wiedergutmachung auf cineastischer Basis. Und genau darauf hab ich so tierisch Lust, nachdem ich diese Vorstellung gesehen habe, die es einem wirklich ernsthaft schwer macht, auf das finale Endergebnis der Versprechungen zu warten, die überall im Film aufkreuzen und für jede Menge Stimmung sorgen.
Ich hatte meinen Spaß, der Friede zwischen mir und dem Avengers-Ökosystem ist wiederhergestellt und ich darf jedem von euch nur raten:
 

.kinoticket-Empfehlung: Greift zu, nutzt die Chance und schaut euch dieses sagenhafte 3D-Phänomen auf der großen Leinwand an.
Die Bilder sind fantastisch, die Story weiß mitzunehmen und allein für den 3D-Kick lohnt sich der Weg ins große Wohnzimmer.
Obendrauf gibt’s dann gleich noch unerwartet viel Tiefgang und inhaltliche Sinnhaftigkeit und das gepaart mit den schon genannten Fakten ergibt wunderbare Kinounterhaltung, die gerne mehr werden darf.
Reingehen!

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Es geht nämlich weiter. Dann kommt der Abspann und dann geht es nochmal weiter. Und das, was man dort sieht, toppt alles aus dem Film gleich drei mal. Ich – will – mehr! 😉

Mission: Impossible – Rogue Nation

Sprechen wir mal von Macht. Wir leben in einem Zeitalter, in dem alles solch überdimensionale Maße angenommen hat, dass kleine Dinge im Sumpf der sich immer wieder überbietenden Superlativen einfach sang- und klanglos untergehen.
Man wird erschlagen von Großkonzernen. Strafen werden nicht mehr in 1000ern oder 10.000ern gezahlt, sondern in Billiardenhöhe. Mediale Macht hat einen neuen Höhepunkt erreicht und die öffentlichen Personen bestimmen die Gesprächsthemen mehr denn je.
Manche Dinge gibt es, die damit zusätzlich noch maßlos übertreiben und sozusagen sprichwörtlich laut löwe-brüllen, um möglichst gesellschaftsfähig zu proklamieren, dass auch sie zu der Übergröße gehören, die man uns vor Augen setzt. Dabei liegt wahre Größe schon seit jeher in den leisen Tönen.
Neben all dem Größenwahnsinn gibt es dann Filmreihen wie Mission: Impossible. Seinerzeit bereits ein Kinomeilenstein, der nicht versuchte, mit anderen das Kopf-an-Kopf-Rennen durch immer stupidere, sinnfreiere Aufplusterungen zu gewinnen, sondern der sich solide und “nebenspurig” durch die Filmwelt kämpfte und einfach sein eigenes Ding machte.
Wenn man bedenkt, dass der erste Teil im Jahr 1996 auf den Leinwänden zu sehen war und sich mal ausrechnet, wie viele Filmjahre dieses Franchise nun schon auf dem Buckel hat, ist es erstaunlich, dass man dabei so bodenständig geblieben und keineswegs auf irgendeine Art von seiner fundierten Erzählweise abgewichen ist.
Genau das sorgt in Rogue Nation einfach nur für gute Laune und innere Freude. Man sieht eine Geschichte, die nichts kopiert. Es wird weder von den neuen Errungenschaften aus Batman oder von anderen, mächtigen Filmriesen kopiert, sondern man fährt treu seine eigene Schiene und erzählt einfach etwas eigenes, ohne sich selbst vergleichen zu wollen.
Man koexistiert in friedlicher Absicht. Das zu erleben ist für mich tiefgreifende, seelische Befriedigung. Während du im Kino sitzt und die Geschichte zum vielgezeigten Trailer siehst, zu spüren, dass zu keinem Zeitpunkt dieses so gehasste Neider-Konkurrenzverhalten auftaucht – ein wahrhafter Traum!
Man kann über Tom Cruise und seine Verbindungen zu Scientology denken, was man will. In meinem Bekanntenkreis sind viele, die seine Filme aufgrund dieser Tatsache vehement ablehnen und schon von vornherein komplett blockieren, wenn es auch nur den Anschein hat, dass dieser Kerl mit von der Partie ist. Und genau das empfinde ich an dieser Stelle mehr als unpassend, denn: Was auch immer da für ein Mist im Leben dieses Mannes stattfindet: Filme machen kann er!
Sehr erfrischend war auch der fast schon introvertierte Soundtrack, der die bekannten Melodien, die sicher jeder im Leben schon einmal gehört hat, diesmal nicht posaunend nach draußen schrie, sondern nur – und darum habe ich am Anfang über Macht geschrieben – machtvoll andeutet und mit der richtigen Anlage im richtigen Kino so richtig fundiert und brutal gefestigt zur Geltung bringt. Was dich hier tief im Herzen trifft, sind nicht mehr eine unglaubliche Menge spitzer Pfeile, die – jeder für sich – einen tiefen Riss hinterlassen, sondern hier walzt eine gewaltige, undurchdringbare, solide Mauer an Tonkunst auf dich zu und rattert über deine Gedanken, als wären sie Staub.
Verbunden mit den Szenen, die teils schon in den Trailern offenbart wurden, die als Film um so mächtiger, aber nicht aufgeplustert und schreiend von der Leinwand runterpoltern, ergibt Mission: Impossible – Rogue Nation ein Werk, dass Cineasten in seiner Gänze erfreuen und sowohl Kritiker als auch Liebhaber der Reihe endlich zusammenfinden lassen.
Und das – Ladies und Gentlemen – empfinde ich als wahre Regisseurskunst, denn daran unterscheidet sich, ob man in einem Blockbuster oder einem Möchtegernfilm sitzt. Hier haben wir es definitiv mit ersterem zu tun.
 

.kinoticket-Empfehlung: Was man bei anderen Showgrößen der Kinowelt schmerzlich vermissen lies, wurde in Mission: Impossible – Rogue Nation nun endlich richtig gemacht: Eigene Ideen, stilvolle Action, die Liebe zur Kunst und eine Authentizität, die weder kopiert, noch übertrumpft oder anderweitig laut schreit.
Das hier Gezeigte offenbart eine Ehrlichkeit, die die Seele runtergleitet wie Öl. Die Konkurrenzlosigkeit, mit der man sein eigenes Ding hier schafft, tut einfach nur gut und lässt einen Film auf die Menschheit los, der es sowas von Wert ist, gesehen zu werden.
Also Abmarsch bei diesen Temperaturen und ab ins klimatisierte Kino, um mit einer mächtigen Erfahrung mehr nach Hause zurückzukehren. Es lohnt sich!

 
Nachspann
Einen bebilderten, animierten, szenenerweiterten Nachspann gibt es hier nicht. Hoffen wir, dass dafür noch weitere Teile folgen, die auf den neuen Zug aufspringen und in der gleichen Weise für Filmspaß sorgen, der es in sich hat.

Avengers – Age of Ultron (3D)

Ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Warum erst jetzt rezensieren?

Ganz einfach: Es rennt ja doch jeder rein, ohne vorher darüber nachzudenken. Etwas, das bei Marvel Filmen zu funktionieren scheint: Das Marketing. Avengers ist überall so heiß und hoch gelobt, dass man einfach reingehen muss, egal, was einen erwartet.

Und genau da entpuppt sich eines der größten Probleme, die ich mit diesem Film habe: Immense Erwartungen, die prinzipiell nur enttäuscht werden können. Würde man sagen: “Okay, ist halt einfach ein etwas teureres Machwerk, schau mal rein” wäre man vielleicht viel begeisterter als in dem Fall, wenn Presse, Medien, Rezensenten und Marvel-Fans ihre heißgeliebten Animationen in den Himmel loben und Leute wie mich damit ansprechen wollen. Die werden nämlich irgendwo vom Film enttäuscht, wenn auch auf höherem Niveau.

Aber fangen wir mal von unten an: Dem 3D. Leute – wenn ich 14.50 € für ein (1!!) .kinoticket berappen muss, dann möchte ich etwas geboten kriegen. Überlänge, 3D-Zuschuss und was der Otto-Normalbürger sonst noch löhnen muss, das diesen Eintrittspreis derart in die Höhe schießen lässt, ist schon eine Frechheit, wenn im ganzen Film dann sagenhafte 3 Sekunden tatsächlich 3D-Effekte zum Tragen kommen – und das in einem Streifen, der vorwiegend aus CGI-Effekten besteht und daher prädestiniert für derartigen Optik-Schwachsinn wäre. Und was kommt? Das enttäuschende Gefühl, dass man die 3D-Brille auch ruhig vergessen hätte können, verändert hätte dies nichts.

Da waren Transformers – Ära des Untergangs oder sogar Kinderfilme wie Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest 3Dmäßig bei weitem überlegen. Und das sollte einem Werk, dass Milliarden an Produktionskosten verschlingt und – Backgroundinfo – kleine Kinos in den Ruin treibt, weil man viel zu viel vom großen Kuchen seitens der Studios wieder einfordert, zusätzlich zu denken geben.

Aber der Plan geht auf: Die Großen gewinnen, die Kleinen zahlen und die Kinder rennen scharenweise rein. Ich war ehrlich gesagt froh darüber, diesen Film innerhalb meiner Kino-Jahresflatrate schauen zu können, denn ich hätte mich darüber geärgert, so viel Geld dafür rausgehauen zu haben um etwas derart “mittelmäßiges” auf dieser Schiene geboten zu kriegen.

Man nehme vielleicht wieder die Erwartungen als Sündenbock daher, die mir dieses Filmerlebnis derart vermiest haben. Oder die Tatsache, dass dieses Ding mit einer FSK 12-Freigabe gesegnet ist, die actionmäßig nicht mehr zulässt, als klinisch sauberen Metall-Plastik-Sex zwischen überdimensionalen Spielzeugfiguren. Auch da gebe ich der Transformers-Saga wieder gebührend den Vorrang. Hier kriegt man wenigstens Haudrauf-Action erster Güte, gute Animationen und: brillantes 3D. Die Story mag bei Avengers etwas gehobener daherkommen, auch wenn das “Problem” eher kindischer Natur ist und von Größe im Drehbuch hier keine Rede sein kann.

Wer weiß, vielleicht will man ja auch wirklich nur die 12-14jährigen beeindrucken – und das wiederum schafft man mit den gebotenen Action-Ideen dann durchaus. Die gesamte Laufzeit über wirkte das Werk auf mich wie eine eingeschworene Truppe, der nichts mehr einfällt, das sie noch zu erledigen hat und die deshalb irgendwo irgendwas unternimmt, um wieder etwas mehr Spannung ins Leben zu kriegen. Der Saft ist raus und daher beeindruckt man mal mit viel zu viel Mainstream, damit auch ja keiner der abzumelkenden Kühe grummelig rummault, denn man möchte ja möglichst viel Kohle scheffeln und da darf Story oder anderes Anstößiges ruhig drunter leiden.

Klassischer Verfall von Kunst zugunsten eines Systems, das keine Individuen mehr zulässt und nur noch den Einheitsbrei bedient. Schade eigentlich. Hätte man mit der Kohle und dieser Bekanntheit nicht wesentlich mehr machen können? Anspruch? Mehr inhaltliche Ausgereifheit und tiefergehende Profile, die die einzelnen Superhelden darstellen?

Nunja, gesehen hat ihn eh schon jeder und ich glaube auch kaum, dass ich mit meinen kritikreichen Worten hier jemanden davon abbringe.

.kinoticket-Empfehlung: Klinisch-steriles Plastik-Mainstreamkino, das auf sehr hohem Niveau versagt.

Einzelne Szenen sind zwar ganz nett anzuschauen, reißen aber nicht unbedingt vom Hocker oder bohren tief im Schädel mit frischen Ideen und anderen geistigen Reichtümern.

Avengers ist das aktuellste Paradebeispiel, wie man es richtig macht, wenn man Unmengen an Kohle scheffeln möchte und dabei über Kunstleichen geht.

Nachspann
✅ ist optisch aufbereitet und cliffhangert am Schluss natürlich – wie sollte es anders sein…

Kinostart: 23. April 2015

Original Title: The Avengers: Age of Ultron
Length: 141 Min.
Rate: FSK 12

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