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wenn aus filmen leidenschaft wird

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The Possession of Hannah Grace

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Horror. Kino. Eigentlich immer eine schlechte Idee. Mainstream-Horror kam noch niemals gut in der Genre-Gemeinde an und das richtig geile Zeug schafft es komischerweise niemals in die Kinos. Alles, was man in der Regel zu sehen zu bekommt, dümpelt irgendwo in der Belanglosigkeitsgrube vor sich hin und macht in Sachen Plot und „Wir erschrecken dich zu Tode“-Versprechungen immer die gleichen Fehler.

Ich habe gewissermaßen aufgegeben, guten Horror im Kino vorgesetzt zu bekommen und meine Hoffnungen ad Acta gelegt, die mich immer wieder vorwärts trieben und meine sehnsüchtigen Adrenalindrüsen schon im Vorfeld auf Hochtouren laufen ließen, wenn auf den Plakaten wieder irgendeine zukünftige Enttäuschung angepriesen wurde.

Inzwischen haben ja eh Halbkommerzialisierte den Bau übernommen, die fortan als Produktionsschleuder fungieren und so hoffentlich einen „Hit“ nach dem anderen landen, der zumindest viel Geld in die Kassen spült. Sehr zum Ärger des Horrorkinofans, der eben keine ausgewählten Schmankerl mehr vor die Füße gesetzt bekommt, sondern sich mit dem Schrott rumschlagen muss, den andere als „absolut tödlich“ bezeichnen.

Ja, man hat sich gewissermaßen damit abgefunden, dass niemand mehr bereit ist, neue Ideen auszuwählen und aus ihnen hervorragendes Kino entstehen zu lassen. Ja, man weiß inzwischen, dass die letzten Bastionen inzwischen die Filmfeste sind, auf denen das Material für den Deutschen unverständlich und vor allem nur ein einziges Mal über den Screen gejagt wird, auf dass ja keiner auf die Idee kommen könnte, das ihm das gefallen und er womöglich NACH seiner Arbeitszeit aus freien Stücken nochmals in den Film gehen kann. Gott bewahre.

Für den Rest sind Studios wie Blumhouse Pictures zuständig, die inzwischen ein absolut perfektes Allround-Puzzle entworfen haben, das mit „Einmal schütteln“ einen verkaufsfähigen Horrorscreener auf die Leinwände bringt und dabei abwechselnd mal absolut abkackt und dann wieder richtig fett Kohle macht.

Und der Horror-Fan?

Der bleibt auf der Strecke, wird noch einmal mit Stahlstiefeln getreten und ihm dann ein Rohr in die Eier gebohrt und gut ist. Immerhin steht der ja auf so einen Scheiß, right?

Nope.

The Possession of Hannah Grace macht hier einiges anders, krankt aber gleichermaßen an einigen schier unheilbaren Tatsachen. Fangen wir mal mit dem Positiven an: Der Einstand des Films. Optischer, akustischer und erschreckender Hochgenuss, der so richtig Bock auf den Film macht und quasi verspricht: Leute, die Zeiten haben sich geändert!

Ja, man bedient sich hier auch wieder der typischen Elemente, die man aus „Der Exorzismus der/des [hier Name einsetzen]“-Filmen schon zur Genüge kennt und die heute niemanden mehr erschrecken dürften, zeichnet aber dabei ein vollständiges und teils echt schmuck anzusehendes Gesamtwerk, das in seiner Aussage und dem „Wow-Effekt“ tatsächlich funktioniert.

Auch Pretty Little Liar-Star Shay Mitchell leistet großartige Arbeit und kommt nicht als die völlig verblödete Teenie-Schlampe daher, die wir sonst in zweitklassigen Gruselfilmen so oft auf den Knien ausgewalzt bekommen, sondern neben optischen Augenweiden liefert man hier auch noch ein wenig Hirn und einen halbwegs soliden Charakter, aus dem man tatsächlich etwas formen könnte.

Dann kommen ein paar völlig neue und (haltet euch fest!) realistische Ideen her, die dem Film quasi Raketendüsen nach oben verpassen und auch wunderbar durchgezogen werden, aus deren Potenzial man aber irgendwie nicht schöpfen wollte. Es scheint den Machern egal zu sein, dass sie hier eigentlich einen stummen Geniestreich erschaffen haben. Sie legen es hin, rühren es danach aber kein einziges mal mehr an. Why?

Also bleiben die toten, starren Erwartungen, dass man mal mit einem super Plot überrascht werden könnte oder es Szenen gibt, die einem die Fußnägel ausziehen und daraus schöne Bilder an der Fensterscheibe gestalten oder einfach nur das billige und leicht zu befriedigende Gefühl, etwas in Sachen Horror auf den Tisch zu kriegen, dass eben nicht vollkommen hirnlos ist, sondern (vielleicht sogar WEGEN) seiner Realismus-Nähe so viel Grusel erzeugt, dass die Leute davor gewarnt werden müssen, das zu sehen.

Ich säße in der ersten Reihe.

The Possession of Hannah Grace geht hier ein paar ganz gute Schritte in die richtige Richtung, stolpert dann aber auch wieder über die „üblichen Verdächtigen“ und entfaltet seine Größe einfach nicht, die aber nachweislich in diesem Ideen-Paket steckt.

Dennoch hat der Film ein paar ganz brauchbare Szenen und ist nicht auf ganzer Linie enttäuschend, so wie man es von anderen Gruselschockern inzwischen gewöhnt ist. Deshalb hat er‘s auch in die Top 5 geschafft: Im Vergleich zu allem anderen reden wir hier von einem wirklich geilen Stück!

.kinoticket-Empfehlung: Großartiger Einstand, teils schön gruselige Momente, abwesende Horrorfilm-Dummheit und Ansätze von Ideen, die man tatsächlich hätte aufgreifen sollen, statt sie einfach nur in den Raum zu stellen und anschließend daraus nichts zu machen.

Im Vergleich ein mit Abstand gelungenes Werk, wer allerdings den Oscar®-Überflieger sucht, den muss ich auch weiterhin vertrösten und ihm zuraunen: Warte noch ein bisschen, vielleicht ist der echte Tod gar nicht mehr so weit … 😉

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: The Possession of Hannah Grace
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16

Manhattan Queen

© 2019 TOBIS Film GmbH

Filme mit Sängerinnen in den Hauptrollen erwiesen sich in der Vergangenheit oft als Rohrkrepierer, nach dem Motto: „Sie kann singen, aber nicht spielen und man kuckt den Streifen nur aus Respekt vor der Person, weil man ihr Musik-Fan ist“.

Nun so prominent Jennifer Lopez auf dem Cover zu platzieren und dann noch einen so auf „lustig“ gebügelten .trailer in die Kinos zu werfen war sicherlich deshalb Strategie der PR-Planer, weil sonst kaum jemand für den Film Interesse zeigen dürfte und man einfach wollte, dass die Leute massenhaft in den Streifen rennen.

Ehrlich gesagt hat mich das ziemlich abgeschreckt, den Film überhaupt sehen zu wollen und andererseits hab ich im Gespräch mit vielen bereits so Sätze zu hören gekriegt wie „Das kuck ich mir erst recht nicht an, weil ich so ein Geblödel definitiv nicht brauchen kann“.

Dabei ist der Film alles andere als Rumgeaffe, sondern bewegt sich in sehr leisen, ernsthaften, fast schon melancholischen Tönen, die hier zwar das Drehbuch nicht komplett neu erfinden und keine geistreichen Plot-Streiche aufs Toastbrot der Leinwände schmieren, allerdings einen Film kredenzt haben, der zu unrecht als Lustig-Molch abgestempelt wird und den ich mir tatsächlich noch einmal gerne ansehen möchte.

Die Thematik ist beinahe ernst, fast schon tragisch-dramatisch und ich verstehe nicht, wieso man davon im .trailer so absolut nichts durchblicken hat lassen, denn dann wären sicherlich viel mehr Menschen interessiert gewesen, zumal Dramen in der Vergangenheit oftmals auch beim Massenpublikum sehr gut ankamen.

Steht doch einfach zu dem, was ihr gemacht habt und versucht nicht, ein anderes Bild in der Werbung zu zeigen – das ist unaufrichtig und wird in den meisten Fällen bestraft. Man kann quasi sagen, dass die lustigen Elemente alle bereits in der Vorschau verbraten wurden und man dann im Film dazu übergeht, eine ernsthafte und traurige Tatsache cineastisch aufzurollen und eine Lösung sucht und dabei extrem viele Denkanstöße liefert, die ein ernsthaftes Problem unserer heutigen Gesellschaft aufzeigen und möglicherweise dafür sorgen, dass hier und da jemand aufwacht und in Zukunft anders handeln möchte.

Natürlich kommen dann auch hier erwartete Gegebenheiten zum Tragen und man fährt mit den „üblichen Verdächtigen“ auf, was die Handlungsentwicklung und Überraschungen angeht, was meines Erachtens aber rein gar nichts daran ändert, dass Manhattan Queen in seiner Gänze eher einem tragischen Drama gleicht, dass Gehör verdient und von Menschen gesehen werden sollte.

Ich weiß, ich selbst bin spät dran mit meiner Rezension, da dieser Titel bereits am 17. Januar 2019 angelaufen ist, aber vielleicht nutzt ja so doch noch der ein oder andere die Chance, bevor er wieder komplett aus den Kinos verschwindet. Wünschenswert wäre es.

.kinoticket-Empfehlung: Was euch vorab erzählt und gezeigt wurde, entspricht rein gar nicht den Tatsachen: Hier handelt es sich fast schon um ein Drama, dass sehr ernste und wichtige Töne anschlägt und damit Diskussionen entfachen sollte, die sich weiter mit dieser Materie beschäftigen.

J Lo‘s Problem dürfte nämlich nicht nur im Film existieren, sondern ragt weit in unsere Gesellschaft rein, wobei der Film massiv zur Lösungsfindung beiträgt und auch hier eher dramatische Szenen aufschlägt als im Comedy-Sektor zu punkten.

Nutzt die Chance und nehmt diesen Film noch mit, bevor er wieder ganz aus den Sälen verschwindet – er lohnt sich!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Second Act
Length: 105 Min.
Rated: FSK 0

Swimming with Men

Nehmt jemand her, der kein Problem mit Vorurteilen hat, lasst ihn oder sie die .kinotickets kaufen und den Rest der Truppe dann einfach mit einem sanft-gemütlichen Arschtritt ins Kino befördern und schauen, was passiert.
Liest man vorab den Plot, schaut sich .trailer oder sonstiges zu dem Titel an, kommt man womöglich auf seltsame Gedanken, die viele wohl erstmal ein klein wenig abstoßen dürften, weil diese Form des Sports eben nicht so geläufig ist, wie manch einer das wohl gerne hätte.
Vor Jahren gab es bereits eine Dokumentation namens Men who Swim, die ziemlich hohe Wellen schlug, und auf der basierend dieser Spielfilm gedreht wurde. Teile der Crew wurden sogar in die Arbeit mit einbezogen, damit ein möglichst wahrheitsgetreues Abbild der Ereignisse von damals geschaffen werden konnte, das dennoch die liebenswerten Qualitäten eines herzerwärmenden Spielfilmes aufweisen und das Kinopublikum zu unterhalten weiß.
Und dabei geht Regisseur Oliver Parker aufs Ganze und trumpft mit britischem Humor erster Güte auf, der die gar nicht mal so unalltägliche Geschichte eines Mannes erzählt.
Das Problem sehe ich hier eigentlich nur im ersten Schritt: Den Zweifeln und Vorurteilen einer ganzen Rasse vorauszugreifen und sie dazu zu bewegen, sich einfach mal ins Kino zu bewegen. Ist das passiert, wird’s garantiert köstlich und amüsant. Die Truppe weiß exzellent zu unterhalten, an Jokes und lustigen Momenten wird nicht gespart und auch die “Merkwürdigkeiten” verschwinden relativ schnell und werden vom Film sehr einfühlsam und respektvoll umschlungen, so dass am Schluss eigentlich jeder begeistert wieder aus dem Saal kommen wird, trotz dieses Themas.
Und darin brilliert dieser Film meisterlich: Er umwirbelt all die Gedanken, fängt sie ein und spinnt daraus ein farbenprächtiges Rad an Situationskomik und Alltagstragik, die eben nicht vollständig erfunden, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer wieder einmal ungeniert lachen und sich köstlich amüsieren will, dabei aber auch sensible Gefühle zulassen kann, der ist mit diesem Film bestens beraten.
Britischer Humor in seiner vollen Blüte in einer fesselnden und zugleich faszinierenden Story, bei der es nur einen Knotenpunkt gibt: Den Einstieg. Ist man einmal im Saal, wird der Abend definitiv als gelungen in die Geschichte eingehen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 07. Juni 2018

I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft

Das Konzept ist ja mittlerweile einige Male durch den Filmwolf gedreht worden und daher entlockt der Titel den meisten Zuschauern wohl nur noch ein müdes Lächeln oder sorgt dafür, dass man gar nicht erst ins Kino geht.
Dabei hat Sony hier tatsächlich einige Register gezogen, um erstklassige Unterhaltung für Kinder zu schaffen, die eben nicht alte Prinzipien wieder neu verpackt an den Zuschauer ausliefern will, sondern in einer bestehenden Welt die alte Crew wieder ins Leben gerufen und alles mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und einem durchaus witzigen, logischen und überaus spannenden Skript versehen, dass den Kleinen auch wirklich Spaß macht.
Diese lustige, verdrehte und irgendwie völlig andere Perspektive könnte man fast schon als Erziehungsmaßnahme begreifen, die viele Alltagssituationen mal völlig neu an die Familie abgibt und damit eine komplett neue Rangordnung auf die Füße stellt, die selbst Erwachsene im Saal zum Lachen animiert.
Und obwohl ich anfangs auch riesige Bedenken hatte (“Oh Mann, noch so ein Film, der wieder nur bekannte Storys neu aufwärmt”), hatte ich am Schluss richtig Freude bei der Sache und würde mir den Streifen sogar nochmal im Kino ansehen, so sich die Möglichkeit dazu ergibt.
Denn selbst wenn man aus der Story ausbricht und sich wieder auf die filmischen Tricks und Umsetzungen stürzt, hat man hier viel zu rätseln, da der Übergang zwischen beiden Welten wirklich exzellent gelöst worden ist und keine halbherzigen Erklärungen und miese Animationen mehr dafür herhalten mussten: Man sieht dem Werk seine Ernsthaftigkeit und detailverliebte Durchdachtheit an.
Und dass man hier nicht durch billiges (oder überladenes) CGI, sondern handwerkliches Geschick beeindrucken will, löst bei mir definitiv Sympathien aus, was ich dem Werk hoch anrechne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Filmischer Spaß, garniert mit einer Portion Ernsthaftigkeit und einer Brise Erwachsensein ohne dabei den spielerischen Geist der Kinder zu opfern – auf technisch hohem Niveau und mit Unterhaltungsfaktor für jung und alt – was will man mehr für einen Familienfilm, bei dem jeder etwas mitnehmen kann.
Auch, wenn es das schon gefühlt zig Mal gegeben hat: Geht trotzdem rein, denn dieser Film wächst über sich hinaus und liefert etwas, dass es so bislang noch nicht gab.

 
Nachspann
Nicht gleich abhauen, da gibt’s noch ein paar Gimmicks.
Kinostart: 18. Januar 2018

Das unerwartete Glück der Familie Payan

Wer unentwegt lachen will, sollte nicht in den Keller, sondern nach Frankreich gehen – zumindest in Sachen Kino. Mit Das unerwartete Glück der Familie Payan wirft Regisseur Nadege Loiseau einen herzerwärmenden Film für die ganze Familie auf die Leinwand und fordert damit auch den mürrischsten Deutschen wieder zum Lachen auf.
Dabei erzählt er nicht etwa Geschichten aus fernen Welten oder dem Reich der Fantasie, sondern bewegt sich im natürlichen Areal des Alltags und lässt in seinem Regiedebüt wieder den Charme seiner Schauspieler spielen.
Wie aus dem klassischen französischen Kino bekannt begegnet man während dieser Reise jeder Menge Momente, die einem ein Lachen abringen und so so manche Alltäglichkeit zu einer skurrilen Angelegenheit machen.
Dabei wird nicht eine spezielle Zielgruppe bedient, sondern generationenübergreifend von den Schwierigkeiten, Problemen, der Familie aber auch glücklichen Momenten erzählt.
Dieser Film strotzt vor Unbeschwertheit, liefert aber gleichsam ein Erlebnis, welches in wunderschöne und wärmende Watte gepackt ist. Die Spannung ist dabei zeitweise kaum auszuhalten, und das, obwohl jeder solche Situationen kennt.
Für mich ist dieses Werk wieder ein Beleg dafür, dass man eigentlich bedenkenlos in jederlei Art von Erstlingswerk gehen kann ohne dabei eine Enttäuschung zu erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also mal wieder richtig lachen möchte und den ganzen Krampf der großen Produktionen leid ist, sollte sich zwingend mit diesem Film anfreunden und sich einen Kinobesuch schon jetzt im Terminkalender vormerken.
Enttäuscht wird hier glaube ich niemand.

 
Nachspann
folgt ohne weiter Szenen oder Material.
Kinostart: 20. Juli 2017

Schatz, nimm du sie

Deutsch. Komödie. Beziehungen & Familie. Drei Gründe für mich, um um diesen Film einen Bogen zu machen. Persönlich hätte ich ihn mir wohl auch niemals angeschaut, denn mein Interesse für so manches Werk erwächst tatsächlich desöfteren aus der Tatsache, dass hier dann wieder eine Rezensier-Möglichkeit mehr da ist und ich so anderen auch etwas Gutes tun kann.
An dieser Stelle sei der Mannschaft aus Augsburg gedankt, in deren Unterhaltung ich reingeplatzt bin und die mir diesen Titel wärmstens empfohlen haben.
Meine Kinoerfahrung war zwar unter aller Sau (Danke, Kempten!), der Film hatte aber durchaus seine Momente, die das deutsche Kino für sich wieder liebenswert erscheinen lassen.
Fakt ist, dass man mal keine Laiendarsteller oder Fernsehheinis, sondern tatsächlich Komiker und Satiriker besetzt hat, die an sich schon mal den wahnsinnig herzerwärmenden Vorteil mit sich bringen, dass sie SPRECHEN können! Und zwar normal! Dadurch erhebt man sich mit Schatz, nimm du sie schon mal aus der Masse mieser deutscher Filme heraus und zeigt einmal mehr, dass dieses Land tatsächlich in der Lage ist, sich international auf den Bildflächen nicht permanent nur zu blamieren.
Auch vom Plot war ich relativ angetan, der zwar im ersten Moment dahingehend anmutet, wie man es aus zig anderen Beziehungskrisen-Filmen kennt. Dadurch, dass man hier aber an Stellschrauben gedreht hat, die quasi völlig andere Themen glorifizieren und damit erneut frischen Wind in die Unterhaltung sprühen, erlebt man durchaus Momente, in denen es einfach Spaß macht, an dieser irren Tour beteiligt zu sein.
Die Konstellationen der einzelnen Darsteller und die verzweigten Verknüpfungen zwischen ihnen bekommen von mir ein saftiges Lob und sind quasi mehr oder weniger der alleinige Grund dafür, weshalb ich euch diesen Film tatsächlich ans Herz lege (auch wenn er bereits schon wieder aus den Kinos verschwindet).
Einige Ideen und Umsetzungen waren tatsächlich so klasse, dass selbst die Outtakes am Schluss nicht mit mehr Witz und Charme punkten konnten, sondern man eher zwischendrin mehrfach lachen musste.
Auch wenn es nicht 100% meinen Geschmack trifft, finde ich diesen Film durchaus besser als andere Beziehungskomödien, die eben alle im Einheitsbrei rumrühren und dabei keinerlei Vergnügen bereiten.
Und ein Wort zum Schluss: Mit Plastiktüten rascheln, während der Film noch läuft, in riesiger Mannschaft durchs Kino rennen und anfangen zu kärchern, obwohl noch Szenen auf der Leinwand laufen, die natürlich bereits in voller Lichtmontur angestrahlt wird, gehört für mich nicht zu dem Ansinnen, dem Kinogast ein erfreuliches Erlebnis zu bescheren. Danke, Kempten!
 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal ein Film aus Deutschland, bei dem ich nicht an der Aussprache rummeckern muss und der sogar noch ein paar überraschende Wendungen und mehrschichtige Verquirltheiten im Plot bereit hält.
Er ist kein meisterhaftes Wunderwerk, hatte aber durchaus seine charmanten Momente und sorgte zumindest in meinem Kinosaal bei dem älteren Publikum für ständige Lacher.

 
Nachspann
Ja, man darf sitzen bleiben, denn es werden nicht nur fast permanent Outtakes gezeigt, sondern es kommt auch noch eine saftige After-Credits-Scene, sofern man die Möglichkeit überhaupt gestellt bekommt und noch was versteht, bei der Kärcherei vom Personal im Kino. Danke, Kempten!

Office Christmas Party

Bei einer Vor-Nikolaus-Sneak Preview kann eigentlich nur dieser Film auf der Liste stehen und voilà – er wurde es dann auch. Allein der Trailer erweckte ja schon den Aufwind richtung Die Highligen drei Könige und erinnerte einmal mehr an diese Art von Film, die ironischerweise fast alle in New York spielen, mit Jennifer Aniston im Gepäck auflaufen und alle denselben, merkwürdigen Humor in sich tragen.
Mag sein, dass die Klientel für diese Streifen mittlerweile groß genug ist, dass man sich nach Hangover-Manier überall ein paar Sympathisanten abgreift, mich jedoch erreicht diese Form von Ulkigkeit nur bedingt.
Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Er war ganz nett, jedoch jetzt kein Überflieger. Für meine Begriffe zieht sich der Film anfangs tierisch in die Länge, das Zeitlassen beim Vorstellen der Hauptdarsteller war einfach zu ausgeprägt und thematisch bedingt für Außenseiter zu langweilig. Die Spanne, bis man dann endlich zum “Ausrasten” übergeht, ist deutlich zu lang und enthält zu wenig Pointen, die einen wirklich zum Lachen zwingen, sondern der Humor plätschert so vor sich hin und hat hier und da mal eine größere Blase, die dann tatsächlich komisch wirkt.
So richtig in Fahrt kommt auch keiner, sondern man wird im Saal das Gefühl nicht los, dass hier krampfhaft versucht wird, lustig zu sein ohne dabei tatsächlich den Drive zu spüren, der die Story auch richtig in Fahrt bringt und mit vollen Schüben in die Lachmuskeln der Zuschauer pusht.
Eine Szene gibt es, relativ spät im Film, wo die Erwartungen dann schon in die richtige Richtung tendieren, dessen Höhepunkt aber auch wieder durch die willkürlichen Eingriffe jemandes abgewürgt werden und somit klargestellt wird, dass hier die konstituierte Linie ganz klar nicht verlassen werden soll.
Somit verkommt Office Christmas Party klar zu einem spezifisch-mainstreamorientierten Machwerk, das keinerlei Bedeutung abverlangt und hinterher auch leicht in Vergessenheit gerät, es sei denn, man ist 14 und findet solche Spielereien unterhaltsam. Stichwort: Schulhofhumor.
 

.kinoticket-Empfehlung: Klar erkennbare Massenware für Menschen, die auf der Hangover-Welle mitgeschwommen und diese Erfahrung für gut befunden haben.
Ans Original kommt man dabei bei weitem nicht, verlässt allerdings ganz bewusst auch nicht die Sorte Film, die sich die Macher hier ganz klar auf die Fahne geschrieben haben.
Mein Humor ist es nicht, wer jedoch dem Sex and the City-Charme etwas abgewinnt, der ist mit Office Christmas Party ganz klar auch nicht auf dem falschen Dampfer.

 
Nachspann
darf abgewartet werden, da hier nahtlos noch Outtakes gezeigt werden, die jetzt zwar auch nicht so der Brüller sind, jedoch dem Film noch das gewisse Etwas verleihen. Nach deren Abblende kommt dann tatsächlich nichts weiter mehr.

Bad Moms

Man darf von den Hangover-Machern denken was man will. Begrabt es!
Man darf von solcher Art Filme halten, was man will: Begrabt es!
Man darf Vorurteile haben, sie ausleben, aussprechen … ratet mal: Begrabt sie!
Man darf von dem Trailer halten, was man will: …. ihr wisst schon => Begrabt es!
Bad Moms macht nämlich so richtig richtig richtig viel Laune und verbreitet eine Stimmung, gegen die der Trailer richtig mies wirkt!
Wo man anfangs noch das Gefühl hat, es wird wieder nur zu so einer erbärmlichen Show, die nahe am Fremdschämen vorbeischlittert und vielleicht grad so den Bogen kriegt – diesmal halt wieder nach derzeit üblicher Manier auf Frauenseite – der täuscht sich gewaltig.
Der Humor in diesem Streifen ist derart gut austariert, dass er zwar immer den Bogen sehr weit spannt und sich streckenweise auch gewaltig aus dem Klischeefenster hängt, jedoch niemals den Absturz in die Tiefe exerziert, sondern jedesmal einen Volltreffer landet, der in tausenden Lachern beim Publikum mündet.
Ganz ehrlich? Mich hat es total erstaunt! Ich hatte nämlich echte Bedenken, obwohl ich beim ersten Mal beim Trailer schon dachte: Wow, das könnte was werden – während meine Stimmung beim 50. Mal Trailer ziemlich tief im Keller war.
Und der ist weit weit von dem entfernt, was der Film letztendlich bietet: Nicht nur die Spaßmomente sind einzigartig und erfreuen das Publikum in mannigfaltiger Art und Weise, sondern auch die Lehren zwischen den Zeilen sprechen mir zu 100% aus der Seele.
Mal ganz im Ernst: Wir alle fühlen mit Mila Kunis, wenn sie ihre Ansprachen hält und die Wahrheit auf den Tisch packt und können nachempfinden, was sie meint. Und diese für einige bittere Realität ist derart unterhaltsam und witzig verpackt worden, dass man jedem nur empfehlen kann, sich auf die Socken zu machen und diesen Titel auch tatsächlich zu schauen, sobald er in die Kinos kommt: Ein absolutes Muss, denn dieser Film gehört endlich mal zu der Kategorie “Comedy”, der ich wirklich etwas abgewinnen kann.
Und zwar nicht nur vom Humor, sondern vor allem auch von den schauspielerischen Leistungen der Damen. Kunis feierte in älterer Vergangenheit ja nicht gerade ruhmreiche Dialoge in Filmen wie Jupiter Ascending und hatte bislang auch schauspielerisch bei mir nicht die besten Karten. Aber was diese Frau hier vom Stapel lässt und welche Mimik und Eigenaura sie dabei auf den Tisch wirft, haut mich fast schon vom Hocker.
Generell hat der Cast eine derart hervorragende Leistung erbracht, die allein schon Grund genug für den Film liefert, im Gesamtpaket mit dem Plot, den verbalen Spitzen und den vergnügt-seeligen Reißern in die Klischee-Schiene macht das Werk dann aber nicht nur richtig Spaß, sondern haut einem förmlich den Wecker weg.
Mich würde es wundern, wenn in der Auswertung nächste Woche tatsächlich Stimmen dabei sind, die den Film als negativ bewertet haben, denn der ist alles andere als das!
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Reingehen! Und zwar sofort!
Ohne Diskussion und ohne Kompromisse. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Der hier bricht sogar den Erfolg von Hangover, denn er ist besser als der.
Wer den verpasst hat, kann nicht nur nicht mitreden, sondern hat auch 100 Minuten geilste Kinogeschichte nicht miterlebt – tut euch das selbst nicht an, sondern geht verdammtnochmal rein! Danke 🙂

 
Nachspann
Selten erlebt: Jeder blieb sitzen – bis zum Schluss. Der ist nicht nur reichlich gefüllt, sondern macht das gesamte Werk nochmal um Klassen sympathischer! Also auf jeden Fall bis zum Ende sitzen bleiben!

Mother's Day – Liebe ist kein Kinderspiel

Ja, ich weiß: Das Genre der Liebe ist ausgeschöpft und alle Geschichten wurden mindestens schon einmal erzählt, verfilmt, wiederverfilmt und dazu dann als Buch geschrieben.
Der Intellekt unserer Welt ist natürlich viel zu hoch angesiedelt, um zu erwarten, dass man von so einem Film überrascht werden könnte, der quasi nur der lauwarme Aufguss einer Erzählung ist, die in hochgradigem Stil bereits vor Jahrzehnten für Begeisterung sorgte.
Warum hat mich der Streifen trotzdem fasziniert?
Weil er eine gewisse Grundordnung ins Leben bringt. Dieses typische 2016er Muttigehabe, das man seit Jahren von der Leinwand runterpredigt und damit gestressten Erziehenden moraltechnisch die Hölle ins Leben wirft, wird hier einfach mal komplett verurteilt. Dieser ganze Wahnsinn rund um Kinder, Erziehung, Schule, Fahren etc. wird hier vom Plot erwürgt, in die ewigen Jagdgründe geschickt und dadurch dieses fürchterliche Mami-Papi-Getue beendet. Endlich!
Und diese Normalität in den Gesprächen, in den Vertrauensgesprächen, in den Dialogen, in den Situationen, in die die Protagonisten im Laufe der Zeit reinschlittern – all das hat mich verbal ziemlich beeindruckt.
Man hat einen Film, bei dem jeder erwartet, dass jetzt hier die Post abgeht und stattdessen wird man einfach wieder ruhig und … normal.
In einer krankhaften Welt, wie unsere eine ist, empfinde ich das fast schon wieder als begehrenswert, wenn einfach mal wieder alte Werte zurück ins Bewusstsein kehren, die dabei aber nicht verstaubt, sondern auf irrationale Weise modern wirken. Und diese Entwicklung kann ich persönlich nur begrüßen – aus diesem Grund hab ich den Film auch gleich 2x gesehen, bevor ich hier drüber schreibe.
Und ja, das Gefühl ist auch beim zweiten Mal noch das gleiche. Wäre kein Problem, ein drittes Mal reinzugehen und diese Bodenständigkeit und ruhige Ausgeglichenheit erneut zu erleben. Das sensible Herantasten an die verborgenen Gefühle inmitten einer Welt, die erbarmungslos auf einen einschlägt und dann in die Augen einer Julia Roberts zu schauen, die in diesem Film meines Erachtens wirklich gut spielt – für mich ein Genuss, den ich jedem nur ans Herz legen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung:Die Presse verreißt das Stück nach bestem Wissen und Gewissen – und ich kanns nicht verstehen. Wieder einmal.
Geht unbefangen in das Teil rein, fahrt runter, setzt euch gemütlich in den Kinosessel und genießt die Show. Wer sich darauf einlässt, dessen Herz bleibt danach nicht unberührt.

 
Nachspann
sollte man auf jeden Fall sitzen bleiben. Und zwar bis ganz zum Schluss.

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