Jonathan Pryce

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Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
© 2018 KSM

 

Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

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Fast 30 Jahre sind vergangen, seit die Arbeiten an The Man Who Killed Don Quixote begonnen haben und die Streitigkeiten und Sorgen rund um dieses Projekt haben immer noch kein Ende gefunden. Terry Gilliam durfte nach langem Hin und Her auf den 71. Filmfestspielen in Cannes sein neuestes Werk nun doch als Abschlussfilm präsentieren.
Auf Nachfrage von mir wurde geantwortet, dass es wohl rechtliche Streitereien unter den Produzenten geben würde, die sich um die Eigentumsrechte des kompletten Stücks drehen und dass bis dato wohl immer noch nicht final geklärt sei, ob Terry Gilliam nun endgültiger Besitzer dieser Klamauk-Kiste ist oder nicht. Bislang wohl schon, darum tourt er jetzt durch die Welt und stellt dieses Projekt im Rahmen von Festivals vor und bringt es demnächst dann auch ins Kino.
Es ist bezeichnend für die Filmbranche – und gerade für den Bereich “Comedy und Spaß” – dass um solche Projekte so ein Terz gemacht wird und man sich nicht einfach zurücklehnt und gemeinsam miteinander lacht.
Terry Gilliam ist unweigerlich verbunden mit Monty Python und zählt daher sowieso zu der verrückten Durchgeknalltheits-Sorte, die sich um schräge Sachen und aberwitzigen Humor kümmert und die Leute zum Lachen bringt. Ein schlechtes Beispiel dafür, wie sehr Kommerz und Geldverdienen die Leute kaputtmachen und etwas eigentlich wunderschönes in seiner Wurzel zerstören kann.
Aber kommen wir zum Film: Der erzählt die Bestsellergeschichte aus dem Jahr 1605 / 1615 und ist eben dort angesiedelt. Und zwar auf obskure Weise mit ein wenig Modernität verknüpft, aber genauso abgedreht und seltsam, wie wir es von der Monty Python-Gruppe gewöhnt sind: Man muss sich auf diese Schrägheit einlassen und darf nicht bei vollem Verstand in den Saal spazieren, sonst wird einem ganz schnell die Birne zu Matsch und der Verstand rausgevögelt.
Man kann also salopp sagen: Mochtest du Python, hast du damit kein Problem. Kennst du die Sketche davon nicht, ist es eine absonderliche Erfahrung, die dich zutiefst verstören und/oder begeistern kann und erwartest du einen ernsthaften Film über irgendwas, bist du an dieser Stelle vollkommen falsch.
Man muss das Buch nicht gelesen haben und auch kein größeres Verständnis für irgendwas mitbringen, sondern sich einfach nur auf diesen “Unsinn” einlassen und darf dabei dann mächtig lachen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es beinhaltet quasi einmal komplett alles, wofür man seinerzeit Monty Python kannte: Klamauk, Unsinn, Schrägheit und Absurdität.
Über diese Handschrift sollte man sich nicht aufregen und auch keine meisterhaften Darbietungen höchster Ebene erwarten, dann klappt’s auch mit dem gelungenen Kinoabend. Wer die damaligen Sketche der mittlerweile aufgelösten Truppe mochte, bekommt hier quasi nochmal eine wunderschöne Zusammenfassung ihres Lebenswerkes.

 
Nachspann
✅ ist durchanimiert, darf also bis zum Schluss genossen werden.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: The Man Who Killed Don Quixote
Length: 133 Min.
Rate: FSK 12

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