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Nun ist die Verwirrung perfekt: Bowling for Columbine konnte man von Fahrenheit 9/11 noch unterscheiden. Aber Fahrenheit 9/11 von Fahrenheit 11/9? Warum bringt Michael Moore den alten Schinken jetzt wieder ins Kino?

Äh … das ist der neue von ihm … und er handelt nicht vom 11. September (wie war das nochmal mit dem umgekehrten Monats-Tags-Dingens bei den Amis?), sondern ist sein aktuelles Werk über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen Machenschaften, Ehrgeiz und Handhabe er in seiner neuesten Dokumentation leicht verständlich, aber dennoch impulsiv, inhaltsmächtig und provokant offenlegt.

Dass es Moore schon seit jeher auf die Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika abgesehen hat (“Shame on you, Mr. Bush, shame on you!” [Zitat Michael Moore auf den 75th Academy Awards beim Gewinn des Oscars für Bowling for Columbine]), wissen wir seitdem ja. Ironischerweise sagte Trump damals, dass er sich wünscht, Moore würde nie einen Film über ihn machen … und voilà – da ist er.

Ich weiß, es ist sehr spät dafür, und ich weiß, der Film läuft quasi nirgends. Womöglich haben die Kinobetreiber selbst nicht gerafft, dass dies keine Wiederholung ist, sondern ein brandheißes neues Eisen, dass zwingend auf die Leinwand gehört und dort von so vielen wie nur irgend möglich gesehen werden sollte.

Umso genialer zu erfahren, dass es diverse Schulklassen in Sondervorstellungen davon schaffen und ich im Rahmen einer dieser Vorstellungen doch noch an dieses Werk gelangt bin. Und noch genialer ist, dass mir hunderte dieser Schüler am Ausgang gesagt haben, sie würden:

a) wieder in diesen Film gehen
b) nochmal Geld bezahlen, um ihre Freunde auch mit reinzunehmen und ihn nochmal anschauen
c) es weitererzählen und Werbung für den Film machen, da er grenzgenial ist

Und ja, das Ding ist Bombe und sprengt sich mit so viel Durchschlagskraft den Weg zur Wahrheit frei, dass selbst Moore, dem viele ja intensive Selbstinszenierung vorhalten (wo auch in der Vergangenheit tatsächlich etwas dran war) sehr in den Hintergrund rückt und es hier tatsächlich um die Inhalte geht und nicht um ihn.

Und was dort preisgegeben wird, mit welcher sarkastischen, zynischen und bitterbösen Wahrheit man hier auf unausgesprochene Fakten losgeht und diese belegt, schreit förmlich zum Himmel.

Gerade deshalb sind Filme wie dieser enorm wichtig, weil selbst die Medien mantraartig nachbeten, was man ihnen vorgibt und von “Pressefreiheit” schon lange keine Rede mehr sein kann. Wer kontrolliert also die Mächtigen? Wer legt offen, was keiner mehr recherchiert? Wer kümmert sich darum, wenn ganze Bevölkerungsgruppen verarscht werden?

Das Separieren in Gruppen von Unwissenden ist seit jeher ein Mittel zum Machterhalt, bloß nicht zu viele Informationen, bloß keine Zusammenhänge herstellen, bloß nicht das ganze Gesamtbild betrachten lassen, sondern immer nur schön unwichtige Brocken, die für sich selbst dann auch gar nicht so schlimm aussehen.

Das, was Moore hier macht, ist genau das Gegenteil davon: Er schöpft so viele Informationen wie möglich, packt sie in verständliche Worte und bringt sie dem Zuschauer auf einem Tablett so angeordnet, dass dieser sie trotz seiner Komplexität versteht und sich anschließend seine eigene Meinung zu den Dingen bilden kann.

Es werden genug Fragen gestellt, die man sich selbst beantworten darf. Es werden Verbrechen aufgezeigt, die so groß und unfassbar sind, dass sie selbst hier in Deutschland in den Medien präsent waren, aber doch irgendwie im Trubel des eigenen Alltags untergegangen sind … und wenigstens einer schert sich darum und zeigt, wie es tatsächlich aussieht mit dem Land, was hierzulande oft nur von Hörensagen-Märchen geprägt ist.

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn er kaum zu finden ist: Stürzt euch auf die Screenings, die noch angeboten werden, fragt in den Kinos nach, fordert es ein und bittet, dass möglichst viele Säle den Film wieder ins Programm zurückholen, denn seine Mächtigkeit ist überragend und gesehen haben ihn viel zu wenige.

Und wer irgendwo die Chance hat, ihn zu sehen – ganz gleich, wo – ergreift sie! Das Ding ist wichtig … und den erschütternden Blicken der Kids nach zu urteilen auch inhaltsgewaltig und extrem sehenswert.

Also sucht sie, findet sie und bevölkert sie: Die wenigen Vorstellungen, die es vielleicht irgendwo noch gibt!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es kommt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Fahrenheit 11/9
Length: 128 Min.
Rated: FSK 12