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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Karoline Schuch

Ballon (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
Michael Bully Herbig wird ernst – und viele kaufen ihm das schon im Vorfeld seines ersten Films in diesem Metier nicht ab. Warum?
Vielleicht, weil ein Großteil der Presse schon immer nicht genau hingeschaut hat. Wie oft ist es damals passiert, dass man beim Zappen hängen geblieben ist, wenn die Bullyparade auf ProSieben gelaufen ist? Wie sehr hab ich bedauert, als diese Sendung schlussendlich abgesetzt wurde, einfach nur, weil Bully etwas ganz eigenes war. Klar gab es viele Showoriginale, die aber in vielen Fällen eine pragmatische Weichgespültheit besaßen, um die für Allgemeinheit tauglich zu bleiben und dem Tod aller Shows – zu wenig Einschaltquoten – nicht anheim zu fallen.
Mein Gefühl war immer: Bully interessiert sich nicht für so etwas. Und tatsächlich habe ich ihn als Person gegenüber der Presse und dem ganzen Medienrummel schon ganz abgeneigt erlebt und hatte das Gefühl, er selbst fühlt sich von den Vertretern der Presse gänzlich missverstanden. Diese Sprache haben auch schon seine früheren Filme gesprochen: Was grade “in” ist, interessiert ihn nicht, er macht einfach sein eigenes Ding und versucht so, seinen Blick auf die Welt an andere weiterzugeben. Seine Filme sind Originale, die sich nicht dem Zeitgeist angepasst haben und jeder – egal, ob Freund oder Feind – kennt sie.
Nun hat er nach dem abschließenden Bullyparade – Der Film einen Schlussstrich unter den Komödienstadl gezogen und möchte fortan nur noch ernste Geschichten drehen. Der erste Fakt: Er hält sich dran: Ballon ist durch und durch ernst und zeigt so gar nichts von dem früheren Filmemacher, den damals schon sehr viele total unterschätzt haben.
Eine Sache fällt den Kritikern nämlich immer nicht ganz so blühend ins Auge: Er hat unfassbar viel Können und Filmwissen, er weiß mit und vor der Kamera umzugehen und kennt daher Schachzüge, die man als Regisseur tätigen kann, aus dem FF. Ich glaube, viele Leute unterschätzen ihn vollkommen als Filmtalent, weil viele ihn salopp als “Spinner” abtun – und das ist in meinen Augen ein großer Fehler.
Diese Tatsache bekräftigt sich schon allein dadurch, dass sein Erstlingswerk im neuen Genrebereich kein Alleingängerfilm ist, sondern er sich an bereits gezeigtem Material orientiert und es auf seine Weise neu interpretiert, einfach, um sich in der Richtung auszutesten und damit anzufangen, neue Wege zu beschreiten. Man merkt an vielen Stellen des Films, wie er vor Potenzial und Schöpferkraft strotzt und dass da noch einiges kommen wird, was aus ihm rausplatzen möchte – und ehrlich gesagt freue ich mich riesig darauf.
Ballon als solches ist bereits eine Geschichte, der durch ihn als Berühmtheit zu Aufmerksamkeit verholfen wird, denn ehrlich gesagt kenne ich kein einziges dieser vorher schon “zig mal verfilmten” Werke über diese Story, und ich komme aus dem Reich der DDR und sollte es daher eigentlich wissen.
Was hier an geballter Spannung, unfassbar gutem Schauspiel und Filmästhetik auf der Leinwand zu sehen ist, erinnert mit gar nichts an das, was man von ihm als Person vorher kannte: Ballon macht riesigen Spaß anzuschauen und unterhält auf bestem Wege.
 
G E W I N N S P I E L
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© 2018 StudioCanal

Und wer sich diesen Film gerne auf Kosten von StudioCanal ansehen möchte, für den ist vielleicht folgendes interessant: Mir wurden vom Verleiher zwei Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch als meine Leserschaft verlosen darf.
Kommentiert unter diesem Beitrag, welcher Film euch von Bully bislang am meisten oder am schlechtesten gefallen hat und ihr landet im Lostopf. Unter allen Kommentatoren bis einschließlich 30. September 2018 wird anschließend per Zufall der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Bitte gebt dazu also eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann, damit euch die Freikarten zugeschickt werden können.
Und nun wünsche ich allen viel Glück und natürlich viel Spaß im Kino – dieser Film ist es wert, ihn dort anzuschauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bully beschreitet neue Wege und zeigt, dass wesentlich mehr in ihm steckt, als manch einer ihm vorher zugetraut hätte.
Dieser Film erzählt eine unglaublich spannende Story und wartet mit filmischem Potenzial auf, das vor Energie und Stärke nur so strotzt: Es lohnt sich, diese bereits erzählte Story neu interpretiert im Kino zu besehen, allein schon, weil die Impressionen gewaltig beeindrucken.
Diese neu gefundene Ernsthaftigkeit, der sich ein ehemaliger Comedy-Garant verschrieben hat, ist grandios und ich wünsche Ballon einen wahnsinnig erfolgreichen Kinostart, den ihr alle ihm durch einen Besuch in den Lichtspielhäusern verschaffen könnt.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Sequenzen mehr.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Ballon
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12

Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling dürfte für viele ja ein Begriff sein. Sein Buch Ich bin dann mal weg über seinen Trip auf dem Jakobsweg auch.
Devid Striesow als Hauptdarsteller zu engagieren war ein genauso kluger Schachzug wie die Idee, dieses Buch zu verfilmen. In einer Generation, die des Lesens überdrüssig geworden ist, erreicht man kein Publikum mehr mit Büchern, die schon seit Alters her als Inbegriff von Weisheit und Fortschritt gelten.
Mochte man vielleicht meinen, man kenne diesen Mann anhand seiner Auftritte im TV und vor Live-Publikum, entsendet dieser Film nun ein gänzlich anderes Image seiner Person umgeben von einer gemütlich-charmanten Leichtigkeit, die sich – gottseidank – mal nicht auf die kirchlich-sakramentösen Rituale stürzt und versucht, hier ein möglichst religionsbehaftetes Moralgetue von sich zu geben. Im Gegenteil: Die Kirche verschwindet fast schon in der Bedeutungslosigkeit, während das Suchen und Finden einer göttlichen Instanz in Hape-üblicher Gemütlichkeit über die Bühne gestrichen wird.
Und genau diese Entspanntheit, das Ankommen in der Natur – umgeben von den faszinierenden Landschaften Spaniens – das schrittweise Herantasten an Probleme, die im Geschrei unserer Zeit längst untergegangen sind, die Offenbarungen und das Lösen innerer Konflikte bricht hier wie ein großer, erlösender Schwall aus Entschleunigung auf den Zuschauer herein und hinterlässt eine wahnsinnig gemütliche Aura, in der sich sicherlich nicht nur ich mich allzu gerne dauerhaft baden würde.
Gepaart mit dem einzigartigen Humor von Kerkeling ergibt dies eine wunderbare Reise zurück zum Glück jedes einzelnen Menschen, der sich auf diesen Erzähltrip einlässt. Die ergreifenden Profile der verschiedenen Begleiter werden teils so stark und emotional ausgebreitet, dass man durchaus an einigen Stellen mit tiefer Ergriffenheit im Kino sitzt und sogar stellenweise mit den Tränen zu kämpfen hat.
Für mich war der Film ein Quell der Erquickung, der genau diesem Zeitgeist entgegenwirkt, in dem wir alle gefangen sind und unweigerlich unserem Ende zusteuern. Alles wird mehr, alles muss wachsen, wir arbeiten immer schneller, immer heftiger, der Mensch beutet sich selbst immer stärker aus und hinterlässt eine Spur seelischer Verwüstung und körperlicher Zerstörtheit, die innerhalb der Hetze umgeben von sinnlosen Postings, Facebook und anderem Firlefanz längst nicht mehr gehört, geschweigedenn entschleunigt wird.
Und aus genau diesem Wahnsinn bricht dieser Film gekonnt aus und zeigt auf, wie wichtig es für einen jeden von uns ist, sich wieder dem inneren Ich zu stellen und sich auf die Person und den Mensch selbst zu besinnen, statt sich weiterhin zombielike mit Dingen zu beschäftigen, nach denen bereits wenige Sekunden später kein Hahn mehr kräht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aus diesem Grund kann ich jedem nur schwerstens empfehlen, sich diesen Film anzusehen – auch wenn man das Buch schon kennt. Julia von Heinz hat derart filigran den Sprung in die richtige Richtung geschafft und endet hier mit keiner Silbe in einem Topf aus triefenden Klischees oder andersartiger Verwüstung eines guten Buches.
Im Gegenteil: Die Entschleunigung, das Mensch werden, das Fragen stellen und Antworten darauf finden. Die richtigen Fragen stellen, sich Zeit nehmen, für andere da sein, zur Ruhe kommen, weitergeben, entschlacken, innerlich wieder frei werden und der Seele neues Futter geben, damit der Mensch in all dem Wahnsinn nicht kaputt geht, sondern das Herz wieder lacht – all das organisiert dieser Film in gekonnter Art und Weise und richtet in diesem Schema wahnsinnig viel gerade.
Wer nach den 92 Minuten nicht gründlich gebadet wieder aus dem Kinosaal tritt und sein Leben unglaublich erleichtert empfindet, der hat während der Vorstellung geschlafen oder schlichtweg kein Auffassungsvermögen.
Genau solche Filme sollte man sich als Lehrbuch hernehmen, um das allgemeine Gesellschaftsbild wieder etwas gerader zu rücken und den Menschen zu erklären, dass neben Displays, Handys, Facebook und Co. auch noch andere Dinge existieren, die nicht nur einfach so da sind, sondern für die meisten von uns unverzichtbar.
Und weil die im Alltag mittlerweile fehlen, leben wir in einer Welt, in der das Handydisplay wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt als dein Gegenüber, das verzweifelt versucht, mit dir ins Gespräch zu kommen um einfach mal wieder ein friedliches Beisammensein zu genießen.
Vielleicht schaffen wir es doch wieder zurück zu einem Zustand, wo Geselligkeit einen Stellenwert bekommt, weil die Menschen zu dem zurückfinden, was wirklich zählt.
Was das ist, zeigt dieser Film in allen Facetten. Also Abflug ins Kino!

 
Nachspann
Der Nachspann flattert genauso gemütlich mit vielen Bildern über die Leinwand und bricht das Gesehene dadurch nicht gleich ab. Vorzeitiges Aufspringen ist also unangebracht.
 

Und damit wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Jahr 2016 und hoffe, dass nicht nur ich die Elemente dieses Films als Leitlinie statt der guten Vorsätze hernehmen werde.

Geht wieder aufeinander zu, schaut einander an, wenn ihr euch unterhaltet, lasst die Displays wieder in den Hintergrund rücken und hört auf, eure Umgebung mit diesem ignoranten und verletzenden Verhalten zu massakrieren. Nur wenn die Menschheit wieder aufeinander zugeht, sich in die Arme schließt und gegenseitigen Respekt erweist, wird es auf diesem Planeten wieder möglich sein, in Frieden miteinander zu leben.

Und ich denke, von diesem Krieg und seinen langfristigen Auswirkungen, die uns die letzten Jahre ständig erschüttert haben, haben wir alle mehr als genug.

Auf dass 2016 das Jahr wird, in dem Gespräche von Angesicht zu Angesicht wieder mehr wert sind, als das tote, kalte Tippen auf einem Smartphone, bei dem der Mensch hintenan gestellt wird und nicht mehr das wertvollste Geschöpf auf diesem Planeten ist.

Schaut euch wieder in die Augen – und schaut diesen Film.

In diesem Sinne – Frohes neues Jahr 2016!

Ben

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