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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kathryn Newton

Ben is Back

Ben is Back

© 2019 TOBIS Film GmbH

Dass ich erstmal mit dem Namen sympathisiere … logo.

Lucas Hedges – ein Gott von einem Darsteller, der mich bis jetzt kein einziges Mal auch nur ansatzweise enttäuscht hätte – im Gegenteil: Ich liege ihm zu Füßen! Und sein Dad führt Regie und bietet seinem Sohn einmal mehr eine Bühne in Hollywood, die er mit seinem Charme füllen und den Kinozuschauer begeistern kann.

Und glaubt mir: Es geht vielleicht um völlig andere Themen, aber eines hat sich dieser Film in blutroten Buchstaben auf alle Fahnen geschrieben: Megakrasse Spannung! Im Ernst: Du fieberst sowas von mit und spürst allgegenwärtig eine Anspannung, die Gänsehaut, Grusel, Erwartung und Adrenalin gleichzeitig hervorruft und auch von einem alten Kinohasen wie mir noch nicht so gesehen wurde.

Julia Roberts verbinde ich zumindest immer noch mit Pretty Woman, das war ihre Traumrolle, mit der sie sich in unser aller Herz gespielt hat und die sie auch nicht so leicht wieder los wird. Was diese Frau jedoch in Ben is Back leistet, drückt dermaßen auf die Tränenkanäle, dass Taschentücher gemeinsam zum .kinoticket gereicht werden sollten.

Überhaupt: Wie kriegt man ein derart krasses Skript hin, bei dem eigentlich gar nicht viel passiert, was den Zuschauer so bannt, dass der sich kaum bewegen kann? Schon lange habe ich die Wartezeit zwischen Pressevorführung und Kinostart nicht mehr so unerträglich lang empfunden wie hier. Und ich werde ihn mir definitiv noch so oft wie irgend möglich reinziehen, denn dieser Film löst unglaubliches in einem aus!

Tut euch selbst den Gefallen und flieht förmlich vor .trailern und allem, was euch irgendwie den Lauf der Geschichte spoilern könnte … vertraut mir und geht einfach da rein. Wirklich: Hier kommt niemand enttäuscht wieder raus! Promise.

.kinoticket-Empfehlung: Einfach nur krass … hier tobt es an Spannung und gebannter Fesselung, dass einem Hören und Sehen vergeht!

Selten hab ich einen Film so mitreißen sehen, wie es Ben is Back tut – und das bei einem so vergleichsweise lahmen Titel! Lasst euch das nicht entgehen und schaut oder lest vorher NICHTS darüber, sondern geht einfach rein! Vertraut mir!

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Szenen oder Bilder, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Ben is Back
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

Der Sex Pakt

Auch wenn wir es hier seit langer Zeit mal wieder mit einem durch und durch deutschen Titel zu tun haben: Der Film kommt aus Amerika und er ist für Amerika geschaffen.
Allein des Titels wegen werden die ahnungslosen Kinogänger die Säle stürmen und sich einfach darauf einlassen, was da kommen möge. Dabei ist der Film weitaus weniger witzig, als uns das .trailer oder Vorahnungen glauben lassen möchten.
Nun hatte ich gleich das “Vergnügen”, diesen Film 2x hintereinander mit einem völlig unterschiedlichen Publikum zu sehen: Einmal mit der “Elite der Presse”, denjenigen, deren Schreibarbeit maßgeblich das Denkbild unserer Nation prägt und die mit ihren Eingebungen ganze Menschenhorden versorgen, um hier Meinungsbildung zu betreiben und unter Achtung aller verstrickten Verlagsauflagen einen Artikel zu schreiben, der “morgen” dann in aller Munde diskutiert wird – und das Ergebnis hierbei war schlichtweg negativ.
Im Anschluss daran dann mit dem “gemeinen Volk”, dass sich zahlungswillig in die Kinosäle hockte und den Film beschaute. Auch hier habe ich mir die Mühe gemacht und bin wieder wahllos auf Zuschauer zugegangen und habe sie nach ihrer Einschätzung gefragt – und überraschenderweise zeigte sich (auch bei der Auszählung der Stimmzettel, die nach dem Film eingeworfen werden durften) ein ganz anderes Bild: Die Menschen mochten es zum Großteil bzw. waren hin und hergerissen.
Ich glaube, um mit Der Sex Pakt wirklich warm zu werden, braucht man ganz viel kulturelles Verständnis für das womöglich klischeehafte Verhalten einiger ländlicher Amerikaner. Das Problem ist nämlich: So viele Dinge sind hier so maßlos überzogen und unwirklich, dass sich dieser Film unfreiwillig eigenständig persifliert – dies aber so schlecht umsetzt, dass man hin und wieder daran zweifelt, ob er wirklich eine Parodie sein möchte, oder tatsächlich einfach nur ein schlecht gemachtes Werk ist, dass uns da vor die Füße geknallt wird.
Um jetzt aber vollends darauf rumzuhacken, enthält er zu viele – mit dem richtigen Publikum im Saal – funktionierende Witze, die teils schon so dämlich sind, dass man wieder darüber lachen kann.
Auch die Mädels, die ich gefragt habe, meinten, dass der Film relativ ausgewogen zwischen peinlich und gut dahin schippert, einige fanden ihn toll, ungefähr gleich viele haben nur mit den Augen gerollt.
Meiner Meinung nach fehlt hier einfach das gewisse Etwas, dass ihn aus diesem schon millionenfach erzählten Plot rausreißt und zu etwas besonderem macht. Die Story – schön und gut. Das peinliche Gehabe, wenn Erwachsene versuchen, auf Jugendlich-Cool zu machen, kennen wir schon aus anderen Rohrkrepierern zur Genüge. Was fehlt, ist das erfrischend andere Etwas.
Da zeigen sich zwar Ansätze, die fingerdeutend auf die scheinbare “American Stupidity” zeigen, die Frage ist aber, ob “die da drüben” wirklich so sind, wie dieser Film vermuten lässt. WENN (großes Fragezeichen) das tatsächlich die Message sein sollte, wäre dies ein höchst lobenswerter Ansatz, der uns alle von dem unmöglichen Gebaren werdender Eltern erlöst und nun endlich “von oben herab” die Leviten liest, auf dass sich vielerorts vieles in den Familien wieder normalisieren möge – das würde ich durchaus begrüßen.
Allerdings denke ich kaum, dass das – im besten Falle angetrunkene – Publikum derart viel Denkvermögen in petto mit in den Saal schleppt, um derlei Überlegungen anzustellen, wenn es sich einfach nur unterhalten lassen möchte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn selbst die Damen nach der Vorstellung schon allesamt bejahen, dass man bestenfalls MIT Sekt den Saal betritt, dann sagt das eigentlich schon alles über den Film aus.
Es kann gut werden, Voraussetzung dafür ist meiner Meinung nach aber viel Publikum im Saal, dass definitiv gut drauf ist und Lust auf so etwas hat. Mit ein paar deprimierten Nasen im Raum macht es dann überhaupt keinen Spaß mehr und wer Ernsthaftigkeit oder Logik hier drin sucht, geht elendig zugrunde.
Mein Lob gilt denen, wo man es am wenigsten erwartet – dieser Moment war für mich einer der Besten des Films.

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen, nach dem Nachsatz kommt dann nichts mehr.
Kinostart: 12. April 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ewig ist es her, dass ich diesen Film in einer Pressevorführung gesehen habe und Aussagen dazu noch unter Embargo standen – und nie ist es mir schwerer gefallen, dazu die Klappe zu halten.
Nun sind die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben worden und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat sage und schreibe 7 (!) davon eingeheimst und steht damit unter den Top 3 der diesjährigen Nominierten bei der größten Verleihung überhaupt – allein das sagt ja schon mal verdammt viel über den Film aus!
In diesem bitterschwarzen Stück, das im Übrigen von seinen zynischen Inhalten lebt, die Ernsthaftigkeit und Tiefe, zum Himmel schreienden Schmerz und Provokation gegen das Eingefahrensein und die Gleichgültigkeit des Rechtssystems proklamieren, erhebt sich Francis McDormand in einer Frauenrolle zur Schauspielikone, die nicht nur für Recht und Gerechtigkeit kämpft, sondern auch das weibliche Geschlecht weltweit auf ein ansehnliches Niveau hebt, was Schauspielerei und die Bedeutung der Frau in Hollywood und grundsätzlich auf der Leinwand ganz neu bewertet.
Allein schon diese starke Weiblichkeit, die sich gegen unzählige frauenfeindliche Männercharaktere durchsetzen muss, habe ich bereits beim ersten Schauen genüsslich begrüßt! Ich liebe es, wenn endlich nennenswerte weibliche Beispiele an der Front der Schauspielerei stehen, damit tatsächlich mal etwas in Sachen Gleichberechtigung getan wird und die Klischees nicht immer weiter gefüttert und diese unglaublich wichtige Grundsatzdiskussion durch Lächerlichkeiten ad absurdum geführt wird.
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig angeht und grollt mit unfassbarem Zorn gegen ein System, dass vielerorts auf der Welt für Ungerechtigkeit sorgt und Menschen in den richtigen Positionen die Macht gibt, Dinge falsch zu machen ohne dafür bestraft zu werden.
Dass man sich hier nicht vollkommen der Menschlichkeit entledigt und einfach auf einen groben Schlachtfeldzug geht, bei dem alles, was sich einem in den Weg stellt, zunichte gemacht wird, sondern die Emotionen und Gefühle, aber auch Verantwortung und Ehre gefordert werden, macht diesen Film unter allen Filmen dieses Jahr zu einem der ganz großen.
Und die bisherigen Nominierungen und Auszeichnungen sprechen eine ganz klare, deutliche Sprache: 3x AACTA International Awards 2018, Aufnahme in die Top-10-Filme des Jahres 2017 im American Film Institute, 9 Nominierungen bei den British Academy Film Awards 2018, 5 Nominierungen und 2 Auszeichnungen bei den British Independent Film Awards 2017, 6 Nominierungen und 3 Auszeichnungen bei den Critics’ Choice Movie Awards 2018, 4 Golden Globes und 6 Nominierungen bei den Golden Globe Awards 2018 und und und … die Liste ist endlos!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr seht: Man braucht kein Oscar®-Filmjäger zu sein, um diesen Film gut zu finden, sondern von allen Seiten strömt der Tenor zu einem, dass dieses Werk eines der besten Filme aller Zeiten ist, das zu Recht mit Preisen überschüttet wird und jede einzelne Auszeichnung davon redlich verdient!
Francis McDormand pusht starke, weibliche Charaktere in Paraderollen in Hollywood, während sich die Männerriege hinten anstellt und gleichermaßen herausragende Performances abliefert, bei denen sich jeder einzelne davon sehen lassen kann.
Nicht nur der zynisch-sarkastische Humor, der es in vielen Dingen oft auf die Spitze treibt, sondern die unfassbare Härte und Konsequenz, der man sich hier opfert, machen aus diesem Stück einen Film, den jeder – wirklich jeder – unbedingt gesehen haben muss!
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gehört für mich schon seit einigen Monaten zu den Top 10 Lieblingsfilmen meines Lebens, und jeder, der ihn gesehen hat, weiß anschließend, warum!
Also tut euch selbst den Gefallen und geht rein – es lohnt sich. In jedem Kino. Zu jeder Zeit. Hauptsache gesehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

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