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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kida Khodr Ramadan

Die Goldfische

Goldfische

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Jetzt wird’s schwierig: Tom Schilling, Jella Haase und viele bekannte deutsche Gesichter starten eine neue Form einer Komödie, die auch beim Vorab-Publikum in der Regel super ankommt und kürzlich seine Weltpremiere in München feierte, wo ich auch auf dem Roten Teppich zugegen war und mich von der Sympathie der Schauspieler und Regisseur/Produzenten überzeugen konnte. Bilder dazu gibt’s weiter unten.

Dennoch hatte ich mit dem Plot gewisse Schwierigkeiten. Ja, das Genre ist nach wie vor eines der schwersten überhaupt: Comedy. Hier wirklich den Geschmack zu treffen ist ob der Vielzahl an Möglichkeiten “Was ist wirklich witzig” kaum zu meistern. Toll ist auf jeden Fall die Idee, die man hier aufzieht und auch die Wendungen und Twists haben mich gewissermaßen erfreut.

Grundsätzlich braucht der Film in meinen Augen aber zu lange, um wirklich in Fahrt zu kommen und setzt dabei ein kleines bisschen zu viel auf “Charakterbildung” und das Rundherum, wo sich viele letztendlich wohl wieder beschweren würden, wenn es nicht so gemacht worden wäre. Wie gesagt: Schwierig.

In dem Teil des Films, der wohl als Höhepunkt wahrgenommen wird, ist der nämlich tatsächlich großartig und liefert ein Gag-Gewitter, bei dem man bestens unterhalten wird und es endlich mal ohne politische Korrektheit und anderen Schwachsinn abläuft, sondern man sich mit den richtigen Darstellern den richtigen Dialogen zuwendet und dem Zuschauer hier Fun und Lachmuskeltraining bietet, dass sich die Balken biegen.

Zudem ist auch die Dichte an Humor so großartig, dass eine Nicht-Empfehlung eine Schande wäre und man auch als großer Deutscher-Film-Zweifler dieses Werk trotz allem im Kino aufgreifen sollte. Der Mehrwert, mit Publikum zu schauen, ist hier fast schon unerlässlich.

Die Reaktionen ist auf jeden Fall landesweit bislang super optimistisch und ich freue mich auf eure Kommentare und Meinungen zu dem Film.

.kinoticket-Empfehlung: Hapert für mich im Plot ein wenig und braucht zu lange, um in Fahrt zu kommen, ist dann aber fast schon unschlagbar und liefert Humor in einer Dichte, die den Kinobesuch definitiv rechtfertigt.

Sollte mit Publikum geschaut werden und liefert eine Bandbreite von deutschen Stars auf, von der andere Filme nur träumen.

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Die Goldfische
Length: 112 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend gibt’s noch ein paar Eindrücke von der Weltpremiere des Films am 13. März 2019 in München im mathäser Filmpalast, bei der jede Menge Prominenz am Start war. Aber seht selbst 😉

Sweethearts

Sweethearts

© 2019 Warner Bros. Ent.

Karoline Herfurth – manchen bekannt aus Türkisch für Anfänger – den meisten spätestens durch die Fack Ju Göhte-Trilogie, hat nun ihre zweite Regiearbeit angenommen und uns im Rahmen der Ladies Night im CinemaxX München gebeichtet, dass dies gar nicht so einfach war, da sie zeitgleich auch noch die Hauptrolle in ihrem eigenen Film spielte und beide Persönlichkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten: Hauptdarstellerin und Regisseurin.

Tatsächlich erwägt der .trailer auch beim Publikum nicht so großes Interesse, sondern sorgte teils sogar für verhaltene Reaktionen, was wohl auch der Grund dafür ist, dass sich die Meute nicht zwingend auf den Film stürzt und die Säle aus allen Nähten platzen lässt. Großer Fehler!

Ihr kennt meine Affinität zu deutscher Kultur, was Filme angeht und wisst, dass ich regelmäßigen Brechreizen erliege, wenn ich die Klientel da drin so “sprechen” höre. Dazu kommt dann noch der “Blödplot” bekannt aus Sat.1 und fertig ist das Fremdschämprodukt… WAS?

NEIN! Herfurth zeigt endlich, wie man es richtig macht und sorgt im Saal für dermaßen Humor, wie ich es in meiner Karriere in deutschen Filmen bislang noch nie erlebt habe! ENDLICH hat’s jemand verstanden und bringt einen Plot, ausgereifte Charaktere und empfehlenswerten Witz auf die Leinwand, bei dem der Spaß im Saal mal sicher ist. Ganz ehrlich? Beste Unterhaltung ist hier garantiert!

Frederic Linkemann (ganz links) und Karoline Herfurth (ganz rechts) in der Ladies Night im CinemaxX München

© Petra Schönberger

Die beschwingte Leichtigkeit, die präsenten Darsteller, der exquisite Humor und ein Drehbuch, das am Ende leicht melancholisch wird und vielleicht etwas an Geschwindigkeit einbüßt, formen hier einen Film, den man sich definitiv mit Freundesschaft und Familie im Kino besehen sollte – denn auch das Publikum tut sein übriges und zählt an dieser Stelle für mich mit zum Film dazu.

Herfurth selbst sorgte nach dem Film zusätzlich mit Frederic Linkemann nochmal für bombastische Stimmung im Kino und stand anschließend Rede und Antwort auf die Fragen zum Film … und bewies einmal mehr, dass ihr schauspielerisches Talent tatsächlich auch außerhalb von Kamera und Set perfekt zur Unterhaltung taugt und sie die “müden Deutschen” trotzdem dazu animieren kann, Spaß zu haben und einen tollen Abend zu erleben.

Vielen Dank an dieser Stelle für die sensationelle Show – und danke, dass es nun endlich wieder eine deutsche Regisseurin gibt, deren Arbeit man anderen empfehlen kann – besucht ihren Film und habt viel Vergnügen!

.kinoticket-Empfehlung: Deutsches Kino mit Lachern und einem vergnüglichen Plot, dass tatsächlich empfehlenswert ist?

Karoline Herfurth hat genau dies geschafft und den Monster-Zweifler überzeugt: Dieser Film taugt bestens für eine absolut lustige, unterhaltsame und erfrischende Show – besser könnte man einen Tag nicht ausklingen lassen.

Also besorgt euch .kinotickets, schnappt ein paar Jungs und Mädels von der Straße dazu und geht gemeinsam in diesem Film – ihr werdet es hinterher nicht bereuen!

Nachspann
❌ muss nicht ausgesessen werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Sweethearts
Length: 107 Min.
Rated: FSK 12

Asphaltgorillas

Buck, dem wir u.a. die Bibi und Tina-Filme zu verdanken haben, hat sich auf die Straße gewagt und einen Rennfilm gemacht. Dachte ich. Als ich auf Facebook die Titelabfrage gelesen habe und mitentschieden, wie der Film nun endgültig heißen soll.
Asphaltgorillas war auch meine finale Entscheidung gewesen, was ich allerdings, seit ich diesen Film gesehen habe, nun doch bereue. Nicht, weil der Filminhalt schlecht ist, sondern weil der Titel nun eben doch nicht so optimal passt und ein anderer Vorschlag besser gewesen wäre. Der Inhalt ist nämlich völlig entgegengesetzten Erwartungen gerecht geworden.
Aber mal der Reihe nach. Film kann Deutschland ja erst seit neuestem, nicht zuletzt das Teenie-Machwerk Das Schönste Mädchen der Welt überzeugt mit einer technischen und vor allem inhaltlich- und sprachlichen Eleganz, wie man sie von deutschen Filmschaffenden eigentlich sonst nicht kennt. In etwas älterer Vergangenheit gab es schon einmal “Frankfurter Milieu”-Filme, die ebenfalls ganz brauchbar sind – Nur Gott kann mich richten ist da nur ein Beispiel davon.
Man arbeitet sich also langsam nach oben und merkt, dass ernsthaftes Kino durchaus seine Abnehmerschaft findet und man sich gerne auch ohne auf zwanghaften Humor setzen zu müssen hinter die Kamera stellen und Filme drehen darf.
Hat Buck gemacht. Und irgendwie packt einen der Film ob seiner technischen Raffinesse und Eigenart doch relativ schnell. Auf eine seltsame Art und Weise. Natürlich muss man konform gehen mit den schon im Vorfeld plakativ präsentierten Darstellern, muss eine gewisse Vorliebe für solche Filme mitbringen und sich dann im Kino auch willentlich darauf einlassen, meine vorurteilenden Zweifel habe ich jedenfalls relativ schnell abgelegt.
Das Problem bleibt meiner Meinung nach eher beim Titel hängen, der – so ganz ohne Vorwissen und .trailer nun eben doch etwas völlig anderes verspricht, als der Film schlussendlich liefert. Enttäuscht ist man deswegen aber trotzdem nicht, vor allem die Moves und Kämpfe im Film sind sehr durchgestylt und lassen viel Erfahrung und ästhetisches Geschick vermuten. Und dass in diese Richtung aus dem deutschen Filmeareal noch einiges auf euch zukommen wird, brauch ich ja nicht groß ankündigen, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist kein Rennfilm im klassischen Sinne, sondern ein technisch durchgestylter und plakativer Film, der das deutsche Kino wieder sehr stark aufwertet.
Lässt man sich auf die Schauspieler ein, kann dem “Frankfurter Film” einiges abgewinnen, findet man hier sehr schnell Freude. Und Kida Khodr Ramadan, mach bitte immer so weiter!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, es sei denn, man steht auf den Sound 😉
Kinostart: 30. August 2018

Verpiss dich, Schneewittchen!

Bülent Ceylan ist mir noch bekannt aus den Zeiten, wo ihn noch niemand so richtig kannte, er völlig frisch war und durch etwas Originelles frischen Wind in die ermüdete deutsche Fernsehlandschaft gesprüht hat. Damals hab ich ihn wirklich gemocht und seine Sendungen und Auftritte extra eingeschalten.
Und wie es mit dem Erfolg so ist: Kaum wird man bekannter, kommen die Bosse aus ihren Sesseln hervorgekrochen und werfen mit Verträgen um sich, aus Hobby wird Verpflichtung, aus Genialität wird Wiederholung und irgendwann ächzt der größte Meister unter der Belastung, die der kommerzielle Erfolg mit sich im Handgepäck trägt.
Damals hat RTL ihn unter seine Fittiche genommen und als ich dann Jahre später beim Zappen mal wieder auf ihn gestoßen bin, war ich leicht schockiert. Nicht weiter schlimm, denn als Zuschauer hat man ja immer die Chance, einfach abzuschalten und jeden seiner Wege gehen zu lassen. Genau das hab ich vorerst auch getan.
Inzwischen enttäuscht von der fehlenden Informations- und Unterhaltungsstärke vom TV abgewendet ist mein neues Hobby bekanntermaßen auf die große Leinwand umgeschwungen und da begegnete mir doch kürzlich ein alter Bekannter mit seinem Kinodebüt wieder: Bülent Ceylan.
Mein Humorgeschmack ist das längst nicht mehr und obwohl Ceylan im Interview gesagt hat: “Wir wollen auch später noch mit Stolz auf unsere Arbeit zurückblicken”, ändert das meiner Meinung nach nichts an der Veränderung, die er als (Schauspiel)-Charakter hingelegt hat.
Wie ich immer so schön sage: Kein Film ist schlecht, nur das Publikum ist manchmal das falsche. Es gibt immer Abnehmer für diese Art von Humor und Unterhaltung und deshalb wäre es anmaßend von mir, zu behaupten, dass dieser Film Dreck ist. Da haben andere (Schein)Größen schon wesentlich schlechteres abgeliefert und sind damit richtig auf die Fresse geflogen. Ich denke, Ceylan hat schon recht mit dem, was er sagt: Er ist authentisch er selbst und lebt genau das, was er zu dieser Zeit jetzt verkörpert. Und ich persönlich glaube, dass auch seine Fans in ein paar Jahren noch mit Stolz auf das zurückblicken, was er in diesem Film geleistet hat – nur mein Geschmack ist es eben einfach absolut gar nicht.
Die Songs allerdings – das erkenne ich neidlos an – sind toll gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine TV-Sendungen liebt, wird an diesem Film genauso Gefallen finden und seinen Spaß haben.
Die Gags sind halt nicht immer der Brüller, sondern befriedigen ein ganz spezielles Publikum, zu dem ich mich diesmal so überhaupt nicht zähle, es aber niemandem absprechen möchte, diese Art des Entertainments zu genießen. Man sollte sich vorher eben einfach nur darüber im Klaren sein, dass dies hier gewollt nicht zum elitären Kreis gehört, sondern man sich ganz gezielt das Publikum vorausgewählt hat. Und denen liefert man genau das, was sie dann auch gerne sehen möchten.

 
Nachspann
Ist mit Outtakes gespickt, bleibt also ruhig bis ganz zum Schluss sitzen. 🙂
Kinostart: 29. März 2018

Nur Gott kann mich richten

Leute: GEHT! DA! REIN!
Es ist doch einfach unfassbar: Die Zeit ist absolut reif, um zu sagen: Pumpt etwas mehr Kohle in die deutsche Filmproduktion und wir haben in ein paar Jahren ernsthafte Konkurrenz für Hollywood in unserem eigenen Land!
Klar, auf dem Plakat ist Moritz Bleibtreu zu sehen, der als deutscher bekannter Schauspieler schon einiges verzapft hat und jetzt vielleicht nicht bei jedem Zuschauer Sympathien hervorruft. Nur Gott kann mich richten gehört meiner Meinung nach jedoch zu seinen besten Werken und hält – als Gesamtpaket – die absolute Spitze, was deutsche Filme angeht, derzeit spielend leicht im Alleingang aufrecht!
Die immer wieder erwähnte Tatsache, dass sich dieses Land Tragödien, Dramen und düsterer Materie zuwenden sollte, um cineastisch erfolgreich zu sein, wird einmal mehr überdeutlich aufgezeigt und entfacht in mir die Sehnsucht nach genau solchem Stoff – und zwar viel mehr!
Hier landet man direkt in einem packenden, faszinierenden und gleichzeitig emotional bewegenden Stück schwarzer Filmgeschichte, die gleich von Anfang an fasziniert und mitreißt – und bei der einfach alles stimmt!
Sprache => Dialekt. Ohne Fremdschämen. Klasse!
Soundtrack => hat Hollywoodblockbustern durchaus das Wasser gereicht und erzeugt eine bizzelnde und knisternde Stimmung, die den Big Budget-Produktionen in nichts mehr nachsteht.
Plot / Twist => mag einigen Vorbildern ein wenig nachhängen, ist aber im Rahmen dieser düster-schauerlichen Film-Noir-Atmosphäre richtig gut angepasst und erzeugt Stimmung. Und genau das treibt diesen Film richtig vorwärts und macht ihn zu einem der sehenswertesten deutschen Produkte, die derzeit auf dem Markt zu finden sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut, was aus deutscher Filmschmiede entstehen kann – auch wenn man hierzulande immer noch auf Erfolge baut, die kaum vorhanden sind: Dieser Film treibt das internationale Ansehen Deutschlands auf Kinoebene weit nach vorne.
Definitiv ein sehr empfehlenswertes, düsteres und ernstzunehmendes Genre, dem sich Özgür Yildirim da geopfert hat – weiter so!

 
Nachspann
Wer auf die Musik abfährt: Kinos haben immer noch geilere Anlagen als mancher zu Hause – ansonsten kommt da nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

Mein Blind Date mit dem Leben

Der Trailer verbreitet ja an sich schon extrem gute Stimmung und deutet auf eine unglaubliche Geschichte hin, die tatsächlich so passiert ist. Kostja Ullmann spielt hier den Hauptdarsteller und punktet damit schon mal grundsätzlich, sofern ihr mir an dieser Stelle gestattet, mich als heimlichen Fan dieses Schauspielers zu outen.
An der Seite von Jacob Matschenz taucht er in einen Berufszweig ein, aus dessen Abgründen ich als Gebrandmarkter sowieso selbst genügend Stories erzählen kann. Umso interessanter ist es dann, eben jene Gleichgesinnten auf der Leinwand wiederzuentdecken und damit nicht nur tiefer ins Berufsfeld vorzudringen, sondern sich zumindest gedanklich auch noch mit den Einschränkungen zu befassen, die dem Hauptdarsteller hier gegeben waren.
Dadurch, dass Kostja sich nicht nur immens auf seine Rolle vorbereitet hat, sondern auch mit dem wahren Helden dieser Story angefreundet und von ihm unterrichtet wurde, was Mimik, Gestik, Wahrnehmung und Co. betrifft, erhält der Film nochmals ein Stück weit mehr “Nähe zur Realität” und offenbart auf ehrliche Art und Weise, mit welchen Problemen sich der “echte Akteur” rumzuschlagen hatte.
Dies wurde nicht nur überzeugend und nachvollziehbar rübergebracht, sondern auch in unterhaltsame Kurzweil verpackt, die beim Schauen richtig Spaß macht.
Dass man sich dann als Drehort noch für die Stadt entschieden hat, zu der ich ganz besondere Gefühle entwickelt habe und in einem Hotel dreht, in dessen Hallen ich auch schon zugegen war, setzt für mich dem Ganzen die Krone auf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mir hat es riesig gefallen und ich kann diesen Titel auch ohne Vorbehalte weiterempfehlen.
Die Darsteller sind allesamt überzeugend und das Metier wird einigermaßen gut eingefangen. Der Blick “hinter die Kulissen” ist für manche vielleicht genauso spannend wie der Plot, der eine schier unglaubliche Story aufgreift und zum Besten gibt.
Dieser Film macht sogar in kleinen Kinos richtig Gaudi und sorgt für einen wohlig-gemütlichen Abend und gute Unterhaltung. Reingehen!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.

Wie Männer über Frauen reden

Der deutsche Markt an Beziehungskrisen im Kino ist überspült von schlechten Filmen, die allesamt das einheitliche Klischeepublikum der Fans verschiedener Schauspielgrößen wie Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger in die Säle ziehen und immer wieder für das große (oder kleine) Geld in den Kassen der Macher sorgen.
Dementsprechend viel Lust hat man als Verweigerer und absoluter Unlustigfinder solcher filmischen Spirenzchen, sich ein Teil seiner kostbaren Lebenszeit zu entbehren, um einen erneuten Film derartigen Inhalts zu konsumieren, bei dem man laut vernunftbasierter Logik eigentlich nur enttäuscht werden kann.
Wie schafft es ein Werk dann, im Kinomarathon zum bestgekürten Objekt aufzusteigen und im Endeffekt die Errungenschaft des Tages zu werden?
Mit ganz viel authentischem Charme, der hier mit einer detailverliebten Hingabe zu der Stadt Berlin – und im speziellen dem Kiez am Kottbusser Tor – gewidmet ist.
An dieser Stelle greift dann wohl meine Berlin-Macke, denn das knappe Jahr, das ich in meiner Jugend dort verbringen durfte, war ungeschlagen die schönste Zeit meines Lebens. Dass im Film dann nicht mit dem von mir viel kritisierten Sat.1-Deutsch, sondern tatsächlich mit glaubwürdiger Berliner Schauze gesprochen wurde, man sich also nicht auf die Theaterschauspielschul-Hochwürden-Lachhaftigkeitsnummer herabgelassen, sondern “aus dem echten Leben erzählt” hat – ein Pluspunkt sondersgleichen.
Man kauft Komplizen wie Oliver KorittkeFrederick Lau oder Barnaby Metschurat ihre Rollen absolut ab und liebt ihre nach Berlin passende Ehrlichkeit in der Darstellung ihrer Charaktere ungemein. Sie versuchen nicht witzig zu sein, sie sind einfach sie selbst und umschmeicheln damit die Verbundenheit, die man zum Zuschauer als Filmemacher gerne aufbauen möchte – absolut gelungen.
Das Thema selbst ist garantiert nichts neues und die wahnsinnig spannenden, neuen Erkenntnisse braucht auch niemand erwarten, jedoch wurde in einer Zeit des Genderwahnsinns der Graben zwischen Mann und Frau endlich wieder einmal aufgerissen und gleichermaßen mit verbalen Brücken der Weg zueinander gebahnt.
Und das aus der Feder eines deutschen Autors grenzt für mich fast schon an ein Geniestreich, den dieses Land in cineastischem Sinn da auf die Reihe gebracht hat.
Hinterher fühlt man sich ein Stück weit beglückt, die Zeit mit “seinen” Freunden genossen und gelebt zu haben, und kommt zuguterletzt endlich darüber hinweg, dass irgendwer mal irgendwann Gut zu Vögeln auf die Leinwand geschmissen hat, der auch dieses antiromantische Gedöns zur Lachnummer konstituieren wollte, damit aber absolut daneben lag. Das Wörtchen “antiromantisch” hatte ich bei diesem Film hier auch öfters im Gedächtnis und mir gedacht: “Schau an, es geht also doch, dass man so etwas unterhaltsam und verdaulich auf die Leinwand bringt und es beim Zuschauen dann doch richtig Spaß macht.”
Gottseidank. So wird wenigstens Menschen wie mir die Chance gegeben, auch im Kielwasser der gegenseitigen Beziehungskrisen-Dramen-Komödien mitzuschwimmen und einen Film zu kennen, den ich durchaus für mehr als gelungen halte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Haltet euch fest: Es ist ein deutsches Werk. Von deutschen Autoren. Mit deutschen Schauspielern. Und echtem gesprochenem Deutsch aus dem Alltag. Und ich als bekennender Hasser deutscher Filme werde mir diesen Film noch ein weiteres Mal im Kino anschauen.
Was sagt uns das?
Vergesst das deutsche Fernsehen. Vergesst alles, was ihr bislang aus deutscher Feder gesehen habt. Geht rein und erhofft euch nicht die absolute Lachnummer der Glückseligkeit, sondern erfreut euch an ganz viel authentischem Charme innerhalb einer Ode an Berlin und seinen liebenswürdigen Stätten, denen man hier huldvoll eine Bühne bietet.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende darf man also wieder aus dem Saal tigern.

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