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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Shazam! (3D)

© 2019 Warner Bros. Ent.

Nein, ich fange jetzt nicht schon wieder an, die alte Leier Marvel vs. DC abzuspulen, auch wenn hier gewisse Parallelen zu erkennen sind: Aber wie gewohnt zieht DC dabei den Kürzeren.

Wenn man Comic-Fans befragt und sie schon unrühmlich mit den Augen rollen und sich wünschen, diesen Superhelden gäbe es gar nicht, weiß man ungefähr, worauf man sich bei diesem Spektakel einlässt. Warum schaffen es dann Titel wie dieser in meine Top 5 der Woche?

Ganz einfach: Von allem, was DC inzwischen abgeliefert hat (ausgenommen Wonder Woman), erreicht man hier ein ungekanntes Niveau dieses Labels, das es tatsächlich schafft, ein würdiges Bild eines Charakters zu zeichnen und ihm per Film die notwendige Ehre zu erweisen, damit sich ein Publikum daran gewöhnen und ihn im Laufe der langen Spielzeit in sein Herz schließen kann… Man erkennt wieder frühe Züge von Marvel, die damals mit Iron Man begonnen haben.

Das Problem ist nur: Schon mit der .trailer-PR hat man redlich versagt und eine Vermutung ans Publikum weitergereicht, die so absolut keinen Bock auf diesen Film macht, weil man sich da bereits fremd schämt und schon gar keine Folgelust hat, sich als Filmheld zu verkostümieren und draußen so vor andere Menschen zu treten. Und da kommt meine Empfehlung wieder ins Spiel: Manche mögen hier gewisse Grundzüge von Deadpool erkennen wollen, auch an dieses Niveau reicht man lange nicht ran, allerdings arbeitet sich der aktuelle Blockbuster DCs redlich aus der Versenkung nach oben und schafft es wirklich, einen Superhelden so zu malen, dass man ihn auch akzeptieren kann.

Vergleiche sind an dieser Stelle unnötig, dumm und völlig aus der Luft gegriffen. Genauso muss aber auch gesagt werden, dass der .trailer wieder mal massiv mehr kaputt gemacht als Lust gemacht hat und daher die Entscheidung, ob dieser Film doch konsumiert werden sollte, nicht allein aufgrund der wenigen Bilder der Vorschau getroffen werden sollte – und wenn doch, hier dem Film ein eindeutiges “Pluspaket” zugesandt werden muss, damit dieser schwerer in die Gewichtung fällt.

Tatsächlich macht es nämlich wirklich Spaß, und man merkt, dass sich DC nun endlich um seinen eigenen Dreck schert und nicht mehr nur abkupfern und hinterhertigern möchte, sondern sich auf die Geschichte besinnt und damit anfängt, Originale zu liefern – genau das, worauf viele Fans seit Jahren beständig enttäuscht gewartet haben.

Ich beginne nun auch nicht, in überschwänglicher Freude über dieses Werk abzufeiern und jeden fanatisch ins Kino zu treten: Dafür ist man noch viel zu weit in den Anfängen. Ich würde eher sagen: “Ganz nett mit extrem positiver Tendenz zum Guten.”

Sollte daraus also wirklich etwas werden, würde man sich hinterher drüber ärgern, wenn man Teil 1 nicht im Kino bestaunen konnte, und dieser Zeitpunkt kommt bekanntlich nicht wieder: Also nehmt euch ein Herz, besauft euch den .trailer wieder aus dem Hirn, gebt euch den Ruck und verköstigt auch diesen Blockbuster auf dem Big Screen. Dann wart ihr – bei Zukunftserfolg – wenigstens von Anfang an dabei.

.kinoticket-Empfehlung: DC hat endlich verstanden, dass es mit eigenen Originalen besser funktioniert als mit Marvel-Nachgeäffe: Man beginnt, eigene Helden zu inszenieren und kümmert sich in dem Film tatsächlich mal um solide Unterhaltung.

Es dauert eine Zeit, bis man firm damit geht, aber der Film schafft es, dass man den Superheld ins Herz schließt und der Streifen am Ende wirklich eine Genugtuung war – allerdings ist die Überwindung dank des furchtbar schlechten .trailers wahrhaftig ein Stolperstein.

Rafft euch ein Herz – geht ins Kino und denkt wieder dran: Je größer, desto besser.

Nachspann
✅ Wenn man Marvel schon alles nachmacht, dann auch konsequent: Auch hier werden Mid- und Aftersequenzen geboten, die man unbedingt mitnehmen sollte.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Shazam!
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12

Friedhof der Kuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere

© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Stephen King – entweder man liebt ihn, oder hasst ihn, oder neuzeitlich: Kennt ihn nicht. So unvorstellbar das klingt – auch das gibt’s mittlerweile. Womöglich einer der Gründe, weswegen man das grandiose Original seines beliebten Klassikers Pet Sematary neu auflegt und somit einer völlig neuen Generation verfügbar machen möchte.

Ohhhhh My Gosh … sooooo unnötig …. Blabla bla. Bla.

Fertig?

Cool.

Friedhof der Kuscheltiere gehört nämlich zum ersten Mal in meinem Leben zu den Remakes, die neben dem Original bestehen können und die man am besten in ein Double Feature packt und optimalerweise im Kino bestaunt. Keiner der beiden Filme macht dem anderen jeweils Konkurrenz, auch wenn die Story sich in Teilen gleicht: Irgendwie hat man es meiner Meinung nach wunderbar hin bekommen.

Und sowas ist höchst selten.

Ja, jeder erwartet die typischen Szenen, Momente, Elemente und möchte innerlich den Film einfach nur abhaken. Und kommt dann wahrscheinlich nicht so ganz klar, weil hier nämlich in zwei völlig unterschiedlichen Macharten gearbeitet wurde. Wo der eine auf Emotionen und Gefühle, Werte und Familie setzt, zielt der andere auf völlig neue Elemente ab und möchte nicht kopieren, sondern liefert seinen eigenen Stil.

Wow!

Was mich zudem unfassbar beeindruckt hat: Die ruhige, konsequente und elegante Kameraführung … Immer im richtigen Winkel, immer im richtigen Blickfeld, immer mit der richtigen Einstellung – hier hat man so akkurat und präzise geplant und überlegt und dann durchgezogen, da steckt sicherlich eine unglaublich hohe Menge an Vorarbeit dahinter, um das so perfekt hinzubekommen.

Das gleiche bei den berühmten “Jump Scares” – die sind soooo ausgelutscht mittlerweile, dass selbst die “Inception“-Variante davon nicht mehr wirklich funktioniert.

Warum zuckt dann auf einmal plötzlich wieder der Großteil im Saal rum? Großes Kino.

Und diese bedrohliche Ruhe dabei … da fängt man sogar an, mit John Lithgow seinen Frieden zu schließen und Jason Clarke ist schauspielerisch sowieso ne Bombe.

Alles in allem hat mich der Film sehr begeistert, weil er eben eines nicht tut: Kopieren. Und sowas in einem Remake eines so weltbekannten Klassikers zu schaffen – großartig!

.kinoticket-Empfehlung: Am besten im Double Feature mit dem Original genießen!

Findet seinen eigenen Stil, legt auf völlig eigene Dinge wert, liefert exzellente Kameraeinstellungen und perfekte Bilder und interpretiert so das Werk von Stephen King völlig neu.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir eine Blutspur gewünscht. Wenigstens eine kleine. Ihr wisst, wo.

Nachspann
❌ Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pet Sematary
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16

Rocca verändert die Welt

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© 2019 Warner Bros. Ent.

Tja, was soll ich sagen? Es ist der Film, auf den die Welt gewissermaßen gewartet hat, der so vieles so grundlegend anders macht, der sich endlich gegen bestehende Regeln auflehnt und ein meisterliches Beispiel dafür liefert, wie es funktionieren kann – und der dennoch dabei an einigen Dingen scheitert.

Scheitert? Da gibt’s nicht viel. Eigentlich nur ein paar winzige Punkte, die mir im Kino aufgefallen sind: Zum Beispiel die Sprechweise der Kinder und das “typische Verhalten” einiger Erwachsener in solchen Kinderfilmen, das mir immer noch bitter aufstößt und wo ich mir so oft etwas mehr Realismus wünsche.

Sei’s drum: Hier wird ansonsten mit so viel erfrischender Andersartigkeit aufgefahren, die jede Regel, jedes Klischee, jedes Eingefahren sein und jedes Vorurteil mit einer so modernen, klugen, selbstbewussten und gleichberechtigten Weise kontert, dass der Titel bereits jetzt zu Recht mit dem Prädikat “wertvoll” ausgezeichnet wurde.

Und dabei steht Rocca im Vordergrund, deren löbliche Einstellung und tolles Verhalten zwar manchmal die Affinität zur Nerverei aufweist, die aber ständig wieder durch erstaunliche Reaktionen verblüfft und zeigt, dass der Kampf ums Gesehen werden eben auch anders geführt werden kann und dafür nicht zwingend Hass und wilde Raserei von Nöten ist.

So hier wird’s richtig gemacht, meiner Meinung nach.

Nicht selten schafft man es, den Zuschauer an die Grenzen der Rührseligkeit zu bringen und sorgt für mächtig Stimmung im Gefühlsbad der Emotionen, denn, was hier gezeigt wird, ändert einige Ansichten und bringt völlig neue Ideen auf den Tisch.

Aber auch hier ein paar wenige Kritikpunkte: Natürlich mag in der Moral gute Absicht versteckt sein, gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass teils zu unreflektierte “Wahrheiten” wiedergegeben sein wollen, die man nicht zwingend voraussetzen muss, um in der Welt Gutes zu tun: Stichwort: “Fame”. Natürlich ist es herrlich gewesen, endlich mal solch ein Beispiel zu sehen, dieses Verhalten stufe ich jedoch wieder als etwas zu gutgläubig ein, denn es dürfte sich in der Praxis wohl eher als heuchlerisch erweisen und auf lange Zeit nicht durchführbar sein.

Dass wir an manchen Stellen nicht von Realismus sprechen müssen, der glaubhaft und ernst genommen werden kann, bedarf keiner Erwähnung, all dies ändert nichts an der tollen Message und der hervorragenden Intention, die hier durchgezogen wird und mit kindlicher Frische und einer unfassbar energiegeladenen Positivität in die Welt geströmt wird.

.kinoticket-Empfehlung: Mehr davon!

Ein unangefochten einzigartiges Beispiel für selbstbewusstes Gesehen werden im Kampf des Heranwachsens und der Geschlechterdiskriminierung: Hier werden so tolle Chancen und Möglichkeiten aufgezeigt, wie man dem alltäglichen Mobbing entgegen treten kann ohne dabei in Depression und Selbstmitleid oder gar Hass zu versinken.

Dass dies von Kindern dargestellt wird, verstärkt den Effekt und sorgt für ein unvergleichbares Kinoerlebnis, das ihr schnellstmöglich aufgreifen solltet, solange der Titel noch auf den Leinwänden ist.

Nachspann
✅ Rennt nicht gleich raus, hier werden zu Beginn noch Sequenzen gezeigt, die ihr auf jeden Fall mitnehmen dürft. Die Gute Laune macht auch im Nachspann keinen Halt.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Rocca verändert die Welt
Length: 101 Min.
Rated: FSK 0

Maria Stuart, Königin von Schottland

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© 2019 Universal Pictures International

Saoirse Ronan und Margot Robbie dienen schon längst der elitären Vorstellung von damhaften Rollen in Kinofilmen, die eine gewisse Präsenz ausstrahlen und somit zur Oberschicht weiblichen Kinos zählen. Diesbezüglich haben sie sich in der Vergangenheit einen Ruf aufgebaut, der heute kaum noch Einsatz und Leistung erfordert, sondern oftmals das bloße Erscheinen ausreicht, um von aller Welt gefeiert zu werden und einen Hype auszulösen, der quasi nichts anderes als den puren Erfolg zulässt.

Diesen Trend empfinde ich persönlich als sehr gefährlich, weil dadurch nicht mehr Leistung anerkannt wird, sondern unspezifische Gegebenheiten als „persönliche Leistung“ deklariert werden und die ganze Welt förmlich Amok läuft, obwohl überhaupt gar nix ist.

Auf deutsch: Dass diese beiden Damen schauspielern können, haben sie längst bewiesen. Dass deshalb jetzt jedes Werk unreflektiert abgefeiert werden und ihrer „Größe und Brillanz“ keinerlei Zweifel mehr anhaften dürfen, ist deswegen längst nicht richtig. Maria Stuart – Königin von Schottland ist einer dieser Filme, die berechtigte Zweifel für die Eignung zum großartigen Leinwand-Event aufkommen lassen dürfen, zumal hier vielmehr Theater-Einspieler und bühnenhafte Inszenierung richtig wäre und man deutlich spürt, dass reines Kino nicht Sinn und Zweck dieser Darstellung ist.

Unlängst hat es einen Film mit dem exakt gleichen Titel gegeben … und auch, wenn hier jetzt die Vorgeschichte erzählt werden will, reicht dies noch längst nicht, um vor Entzückung alle seelischen Hüllen fallen zu lassen und sich der spielerischen Ekstase hinzugeben. Natürlich: Darbietung, Ankleidung und Make-Up sowieso alles Textilgesteuerte rund um den Film haben ihre Berechtigungen für Auszeichnungen im Vorfeld längst passiert, dass deshalb der Kinoabend für den Zuschauer ein Stimmungsgarant wird, steht wiederum auf einem völlig anderen Blatt.

Hier muss man schon gewisse Avancen für Theaterliebe mitbringen, um vollends in der Erzählung aufzublühen und sich in den Anblicken dieser beiden Damen und deren Welt um sie herum zu verlieren. Die ist nämlich völlig anders, als der Kinogänger sie bisher kennt: Irische Härte, brutale Kämpfe, Braveheart-Blut und dramatische Moral: All dies entfernt sich still und heimlich aus Maria Stuart und überlässt das Feld einer überhypten Selbstverständlichkeit, die meiner Meinung nach bestenfalls zweifelhaft ist.

.kinoticket-Empfehlung: Sieht gut aus, wird auch gut gespielt, bedeutet aber noch lange nicht, dass daraus auch ein guter Film entsteht: Theater ist hier das Maß aller Dinge.

Ob dies zwingend auch immer auf einer Kinoleinwand funktionieren muss, ist deshalb nicht zweifelsfrei erwiesen. Man muss aufpassen, dass man den Damen nicht per se eine herausragende Schauspiel-Leistung deklariert, sondern ob ihrer hohen Qualität auch immer neu hinterfragt, ob dies nun tatsächlich oscarwürdig ist oder nicht. Nur, weil‘s früher mal unangefochten war, bedeutet ja noch lange nicht, dass dies auch heut noch der Fall ist.

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Mary Queen of Scots
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Climax

Climax

© 2018 Alamodefilm

Climax – in einer Zeit der immer böseren Vorhersagen über das Klima, CO2 und Polkappenschmelzungen evtl. noch eine Doku über den Zerfall unseres Planeten?

Ja, aber völlig anders, als ich erwartet hatte – und zehntausendmal geiler!

Climax – dieser Begriff beschreibt nicht etwa das Klima oder irgendeinen Zenitpunkt im Erreichen eines bösartigen Zustands, sondern steht tatsächlich für die absolute Ekstase, in die man im Rausch gelangt: Der Moment des Abspritzens, der Moment, in dem man kommt, die unkontrollierbare und absolut hemmungslose Spitze eines Gefühls, dem man sich vorher intensiv hingegeben hat.

Richtiger Titel. Hammerharter Film.

Wenn du Kinder hast, geh zu ihnen und sag ihnen, dass du ein Leben lang finanziell dafür sorgst, dass ihnen niemals die Drogen und der Stoff ausgehen – wenn sie sich vorher diesen Film ansehen und verinnerlichen.

Ich persönlich glaube, danach rührt nie wieder jemand Rauschmittel an, der noch ganz bei Trost ist. Dieses Werk startet relativ harmlos und erliegt dann einem filmischen Rausch, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe: Die Münder der Presse standen offen, ich selbst hatte meine großen Abnormitätsmomente und musste eigentlich während des gesamten Films nur noch mit offenen Mund grinsen und dachte mir: WTF! Richtig so! Einfach richtig so – direkt in die Fresse der konservativen Arschlöcher und immer schlimmer werden lassen. Mal sehen, wieviele rausrennen.

Und ja – das begann bereits bei den ersten Pressevorführungen. Die Menschen können Dinge wie diese nicht ertragen und brechen ihren Coolness-Status lieber, bevor sie sich das zu Ende ansehen und begreifen, worauf man eigentlich hinaus wollte.

Gaspar Noé ist bekannt dafür, die Dinge einfach zu zeigen und keine Wertungen in seinen Filmen zu präsentieren – eine Eigenschaft, von der sich viele Medien ein Stück abschneiden sollten. Diese Wertungsfreiheit macht aus diesem Movie ein einzigartiges Kunstwerk, das eine tatsächlich realisierbare Situation aufstellt und im Blutrausch zerpflückt: Die humanoide Spezies wird in ihre Einzelteile zerlegt, man nimmt ihnen Normalität und Alltag weg und schaut dann einfach, was übrig bleibt. Ein hemmungsloses Bild einer verwüsteten Krankheit in betörend schönen Bildern und einer absurd-geilen Kameraführung, die ebenfalls Blut geleckt hat und aus sich raus will. Und kommt.

Hier sind bereits zu Beginn unverwüstliche Hinweise vergraben, denen man Zeit gibt, sie zu entdecken, bevor es dann im big train auf die Reise geht und man schlussendlich in einer Hölle wieder zu sich kommt, die mehr Wahrheit beinhaltet, als man anfangs glauben mag.

Nach The House That Jack Built der nächste kranke krasse Film, der tiefe Aufrichtigkeit mit sich bringt und den Zuschauer komplett verstört, darum aber umso wichtiger ist und eine immens geile Botschaft beinhaltet.

Ja, ich hab es tierisch gefeiert und dachte mir: Wie kann man nur so etwas krankhaft geiles ins Kino bringen und keiner weiß davon? Es ist hammerhart, wie absurd, weltfremd, gestört, verherrlichend und abnorm die gezeigten Szenen hier sind und mit welcher grazil-evilenten Anmut man dabei an das Zerstörungswerk herantritt, um letztendlich alles bis auf die Knochen abzuschaben und den Menschen in seiner völlig entblößten Psycho-Nacktheit zu zeigen.

Ein Meisterwerk des Nischenkinos, das man gut genug verstecken sollte, damit nur diejenigen Zugriff darauf kriegen, die sich den Inhalt auch geistig verdient haben: Hier mit Unterhaltungswünschen reinzuspazieren wäre der völlig falsche Ansatz und wird mit bloßer Entrüstung bestraft.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Blutrausch psychedelischer Ekstase, die keine Grenzen kennt und keine Wertungen aufstellt: Mit dieser Offenheit kann kaum jemand umgehen.

Gaspar Noé entführt die Menschen in eine durchaus reelle Situation und überlässt sie dann ihrem eigenen Schicksal, in das sie unweigerlich rennen, sobald man ihnen Normalität entreißt: Das Ergebnis ist ein filmischer Rausch, der extrem in seinen Bann zieht und mit Bildern verstört, die sich lange und dauerhaft ins Hirn einbrennen und einen nicht mehr loslassen.

Unbedingt ansehen, wenn man dazu in der Lage ist, diesen Film nicht als “Entertainment” abzutun, sondern sich ausgiebig damit befassen kann. Etwas geileres gibt es derzeit kaum!

Nachspann
❌ hält keine weiteren Szenen bereit.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Climax
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16

Peppermint – Angel of Vengeance

Peppermint - Angel of Vengeance
© 2018 Universum Film GmbH

 

Jennifer Garner als Racheperson: Ich hab nach Himmelskind immer noch meine Zweifel, dass diese liebenswürdige, zerbrechliche Frau mit Waffen wirklich umgehen könnte und eine solide Figur in einem Streifen wie diesem hier abgeben wird.

Tatsächlich hapert der Film aber weniger an ihrem Können als vielmehr dem unbeschreiblich kranken Plot, der von Vorhersehbarkeit durchkämmt ist und so ziemlich jedes Klischee einliest, das dabei auf dem Weg liegt.

Die Idee dahinter ist vielleicht ganz witzig, mündet aber in einer nahezu lächerlichen Farce, die nichts mehr mit ernstzunehmendem Actionkino zu tun hat. Angesichts der PR rund um diesen Streifen war vorher sogar fälschlicherweise fast anzunehmen, dass es hierbei um eine dieser wüsten Schlachten aus dem japanischen Anime-Sektor geht, das man nun vermenschlicht neu interpretiert – selbst, wenn dem so wäre, ging der Schuss extrem nach hinten los.

Was man geboten bekommt, ist mit viel Liebe allerhöchstens gutes Mittelmaß und reicht für einen „Film zwischendurch“, wenn man eh grad nichts zu tun hat – und davon dürfte derzeit da draußen kaum jemand reden.

Dass die Idee eigentlich gar nicht so übel klingt, ist deshalb erstaunlich, weil mir auch bei längerem Überlegen kein Film einfällt, der so in der Art schon mal etwas aufgegriffen und richtig überzeugend umgesetzt hätte: Fast schon, als läge auf dieser Thematik ein cineastischer Fluch, den es bis heute immer noch zu brechen gilt. Peppermint – Angel of Vengeance hat das aber auch nicht geschafft. Leider, denn Jennifer Garner ist tatsächlich mit Abstand noch das allerbeste am ganzen Film.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Erwartungen waren da und wurden in meinem Fall gänzlich enttäuscht: Die Drehbuch- und Plotarbeit ist in meinen Augen ganzheitlich misslungen.

Jennifer Garner macht trotz allem eine super Figur, kann in dem Film aber nicht richtig aufgehen, was permanent ein „Handbremse angezogen“-Gefühl auslöst, aus dem der Streifen zu keiner Zeit wirklich raus kommt. Schade, Potenzial wäre nämlich auch hier viel vorhanden.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Peppermint
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16

Der Vorname

Der Vorname
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

 

Theateradaption von Regiemeister Sönke Wortmann neu für die Leinwand erfunden, um das Kinopublikum mit anspruchsvollen Inhalten zu begeistern: Ich liebe es, dass dieser Schachzug nun mehr und mehr ausgeführt wird und man sich auch ohne Abendgarderobe an diesem niveauvollen Anspruch erfreuen kann.

Dabei trifft man inhaltlich nicht mal wieder nur absolut den Kern, sondern bewegt sich in süffisant-humorvollen Gefilden, die Spaß, Ehrgeiz, Diskussionsfreudigkeit und tief empfundene Freundschaft zelebrieren.

Es ist herrlich, den schrägen Ausführungen der Protagonisten zuzuhören, die sich zum gemeinsamen Mahl verabredet haben und dabei allerlei verbalen Schabernack treiben. Dass dabei jeder seine Rolle gefunden hat und darin hervorragend aufgeht, versteht sich von selbst. Für eine deutsche Produktion unverhältnismäßig gut umgesetzt und in höchstem Maße unterhaltsam, so wie man sich eben perfektes Kino wünscht: Viel gute Laune, supertolle Bilder, hervorragende Twists und jede Menge Bauchschmerzen vom Lachen.

Und all das, ohne unter die Gürtellinie abrutschen zu müssen, um irgendwelche Zuschauer zu ködern oder sonstige billige Tricks anzuwenden, sondern konsequent auf einem Niveau, dass ich persönlich zutiefst erbaulich finde. Und dass das Münchner Premierenpublikum sogar während der Vorstellung Applaus spendete, zeugt ebenso von einem gelungenen Auftritt, den es so selten gibt.

Großartig – weiter so!

 

.kinoticket-Empfehlung: Verbale Gaudi auf höchstem Niveau: Man diskutiert hier in wundervollem Ambiente über Themen, die die Welt bewegen und erschafft dabei eine humorgeladene Atmosphäre, in der sich jeder Zuschauer einfach wohlfühlen muss!

Der Film überrascht mit großartigem Humor und einer Peinlichkeitsfreiheit und gleichzeitig mit tollen Twists. Gelungener könnte ein Kinoabend nicht werden als mit diesem Titel! Unbedingt reingehen!

 

Nachspann
❌ kümmert sich dann endlich auch um den Nachnamen, bereitet ansonsten aber keine Überraschungen, rausgehen ist also erlaubt.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Der Vorname
Length: 91 Min.
Rate: FSK 6

 

Und zum Schluss gibt’s noch ein paar exklusive Einblicke vom Red Carpet im mathäser Filmpalast in München, wo am 9. Oktober 2018 ein Special Screening des Films stattfand, für das natürlich der komplette Cast mit Regisseur Sönke Wortmann und Produzent Tom Spiess geladen war, das auch viele Prominente besuchten.

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Sky-Moderator und Synchronsprecher Sebastian Höffner

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Schauspielerin Veronica Ferres und Constantin Film Verleih Marketing & Filmpresse-Geschäftsführer Torsten Koch

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Tänzerin, Choreographin, Fotomodel & Schauspielerin Tiger Kirchharz

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Das Schauspielerensemble Christoph Maria Herbst, Iris Berben, Justus von Dohnányi, Janina Uhse und Florian David Fitz

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… gemeinsam mit Regisseur Sönke Wortmann

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Schauspieler Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz

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Schauspieler Justus von Dohnányi und Schauspielerin Iris Berben

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Florian David Fitz und Schauspielerin Janina Uhse

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Buchautorin Rita Falk

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Im Saal beim Special Screening von Der Vorname im mathäser Filmpalast in München am 9. Oktober 2018

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Forever My Girl

Buchverfilmung: 98% derer, die das Originalwerk gelesen haben, fühlen sich also schon mal angepisst. Ich lese nichts, von dem ich glaube, dass es verfilmt werden könnte, um mir den Filmspaß nicht zu verderben, ergo hatte man mich spätestens nach 3 Minuten und dem ersten Song.
Ja, ich hab eine Schwäche für American Country Music und kann mich an unzählige Nächte erinnern, in denen ich eben jenen Klängen gelauscht habe und meine eigenen Vorstellungen davon hatte.
Und yes, die Umsetzung davon ist dermaßen bombastisch, dass einfach jeder davon begeistert sein muss – einfach, weil im Film dazu alles passt! Farben, Klänge, Publikum, Sound, Kamera, Technik im Hintergrund, Abmischung: Die Songs sind dermaßen geil, dass sie den Film fast allein schon retten.
Gleiches gilt für die Technisierung rund um den Film: Die Crew im Hintergrund hat großartige Arbeit geleistet – und zwar bis in die kleinsten Ecken: Selbst die Casting-Geschichte, die sich über Wochen hinzog, weil man tatsächlich sehr anspruchsvoll auswählen musste, hat hier erstklassige Arbeit geleistet und Leute auf die Bühne geholt, die man von außen vielleicht nicht gleich kennt, die aber in meinen Augen perfekt ausgewählt wurden, um ihren Rollen im Film zu entsprechen.
Mankos? Die Inhalte. Man mag sich über die Moral solcher Filme streiten und ich mag sie aufgrund meiner Spoilerfreiheit jetzt hier auch nicht einzeln zerpflücken und aufschlüsseln .. und meinetwegen, es ist okay, wenn man derart in eine Geschichte packen will und die Leute dazu “bekehren”, auch wenn alles in Love-Liebe und Schnulze ertrinkt.
(P.S: Don’t forget the songs: Die retten wirklich alles!!!)
Die Handlung an sich (Buchvorlage => Gebt also der Autorin die Schuld) ist allerdings derartig kitschig und unglaubwürdig, dass ich sehr gut verstehen kann, wenn dieser Film gemischte Kritiken vom Publikum erntet: Und die fielen in der Sneak Preview tatsächlich super ausgewogen aus – zu etwa gleichen Teilen gut / mittel / schlecht, was meiner Meinung nach absolut zu diesem Film passt, je nach Gewichtungsgrundlage.
Mein Kinobuddy meinte noch: “Warum verschleudert man so viel großartiges Potenzial an so einen mistigen Plot?” – und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer sich wieder einmal richtig in einen Milchbubi verschießen will, oder die weibliche Riege voll auskosten, wer auf gemütlichen Südstaaten-Flair steht oder in Musikwelten abtauchen möchte ohne dabei den trockenen Knuspermüsli-Effekt einer Dokumentation ertragen zu müssen, wer abartig geile Songs genießen und in den erstklassigen Kinoboxen zum Besten gegeben haben möchte, der darf in den Film – und wird ihn lieben.
Wem’s um Story geht und wer da ein paar Ansprüche erhebt, wird gnadenlos enttäuscht und wer beides zu gleichen Teilen wertet, wählt am Ende eben “mittel”.
Ich bin gespannt, was ihr zu dem Titel sagen werdet, ich werde (ob der grandiosen Musik!!!) wohl noch einmal reingehen und mir die Show erneut antun … denn davon hätte ich gern unsäglich viel mehr!
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Musik!!! So etwas großartiges, mitreißendes und absolut exzellent ausgeführtes gehört durch ein Kinobesuch belohnt!
Der Rest vom Film stimmt auch absolut, bis auf den tragenden Teil der Geschichte: Der ertrinkt im süffisanten Südstaaten-Heimatschmonzetten-Kleinbürgertum und kann von Plotversessenen wohl kaum wegignoriert werden.
Wer sich jedoch dafür entscheidet, den Film zu sehen, der sollte es solange tun, solange er im Kino läuft, danach ist auch der absolut rettende Teil der Musik “im Arsch”. Also sagt ja und geht ins Kino, oder lasst es ganz bleiben.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt nicht, man darf gerne rausspazieren.
Kinostart: 16. August 2018

Tully

Über Tully gibt es nicht sonderlich viel zu verraten, wenn ich meiner “Absolut keine Spoiler”-Regel treu bleiben will, denn: Jeder gesagte Satz ist im Prinzip ein Satz zu viel. Menschen, die den Twist bereits im Voraus kennen, dürften beim Anschauen dann wesentlich gelangweilter und unfreudiger sein, was sich teilweise bei den Previews geäußert hat: Fast alle, die den .trailer bereits kannten, fanden den Film schlechter als die, die völlig unvoreingenommen reingegangen sind.
Das Thema empfand ich allerdings sehr anschaulich präsentiert und gerade als Nicht-Betroffener außerordentlich einprägsam und plastisch dargestellt. Auch Charlize Theron zeigt einmal mehr, was für schauspielerische Fähigkeiten in ihr stecken. Bei einem so heiklen Thema, zu dem schon oft wütende Diskussionen entbrannt sind, einmal so ehrlich und aufgeschlossen auf der Leinwand zu sein und damit einige Tabus zu brechen und für diese Menschen zu sprechen, ist in meinen Augen das, was Tully am besten gelungen ist. Von dieser einfühlsamen, hingebungsvollen und absolut nachvollziehbaren Annäherung an diesen Konflikt war ich sehr angetan.
Am Ende ist man zwar vom Twist überrascht, jedoch nicht sonderlich begeistert, weil mir dafür einfach die Pointenschwere fehlt, wenn man so möchte. Der Knall kommt zwar, schlägt aber nicht wie gewünscht ein, sondern hinterlässt eher Fragezeichen auf den Augen und hat damit in meinen … Augen … das Ziel verfehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Charlize Theron spielt großartig und mimt einmal mehr den Fürsprecher einer ganzen Nation zu einem diskussionsfreudigen Thema.
Umsetzung, Darstellung und Verträglichkeit sind garantiert und funktionieren auch, das gewisse Etwas, dass diesen Ballon dann auch wirksam platzen lässt, bleibt aber – trotz hervorragendem Twist – irgendwie aus. Für einen gemütlichen Abend mit den Freunden und Freundinnen aber nicht die schlechteste Wahl.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 31. Mai 2018

Eine bretonische Liebe

So herzlich und wärmend wie die Farben des Kinoplakats rüberkommen, so strahlt der Film eine familiäre, unglaublich lustige und zugleich dramatische Präsenz aus, die wieder absolut für das französische Kino spricht: Die Herren und Damen dort wissen einfach, was sie tun – und begeistern in Eine bretonische Liebe einmal mehr mit ihrer cineastischen Brillanz.
Man spürt, dass man hier nicht auf Schema F zurückgreifen wollte (obwohl viele Anhaltspunkte dafür da gewesen wären), sondern man sich ganz zielgerichtet und bewusst für die Divergenz zum sonstigen Kinoalltag entschieden hat – und Leute, das tut so unfassbar gut, dass es dafür kaum Worte gibt.
Damit landet Eine bretonische Liebe auch in meiner Toplist der besten Filme, die diese Woche anlaufen und die man sich zwingend im Kino anschauen sollte: Der Sehspaß ist nämlich nahezu ungetrübt von irgendwelchen Ausfällen jedweder Art.
Selbst die Portion Durchschnittsdepp, die man hier auch reingepackt hat, erzürnt in keinster Weise, sondern stößt höchstens hier und da mal mit etwas zu spürbarer Reserviertheit auf, was aber den Gesamteindruck nur wenig bis keinen Schaden nehmen lässt, sondern das durchaus gelungene Kinostück in seiner Glückseligkeit verharren lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier stimmt einfach alles: Eine mega Portion Herz, ganz viel Kinoverliebtheit, tolle Story, klasse Schauspieler und wahnsinnig gute Unterhaltung.
Für mich definitiv der Film der Woche – sofern man noch nicht weiß, wo man demnächst reingehen sollte.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, der läuft nur auf die übliche Weise durch und bringt keine Überraschungen mit sich.
Kinostart: 21. Dezember 2017

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