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Climax

Climax

© 2018 Alamodefilm

Climax – in einer Zeit der immer böseren Vorhersagen über das Klima, CO2 und Polkappenschmelzungen evtl. noch eine Doku über den Zerfall unseres Planeten?

Ja, aber völlig anders, als ich erwartet hatte – und zehntausendmal geiler!

Climax – dieser Begriff beschreibt nicht etwa das Klima oder irgendeinen Zenitpunkt im Erreichen eines bösartigen Zustands, sondern steht tatsächlich für die absolute Ekstase, in die man im Rausch gelangt: Der Moment des Abspritzens, der Moment, in dem man kommt, die unkontrollierbare und absolut hemmungslose Spitze eines Gefühls, dem man sich vorher intensiv hingegeben hat.

Richtiger Titel. Hammerharter Film.

Wenn du Kinder hast, geh zu ihnen und sag ihnen, dass du ein Leben lang finanziell dafür sorgst, dass ihnen niemals die Drogen und der Stoff ausgehen – wenn sie sich vorher diesen Film ansehen und verinnerlichen.

Ich persönlich glaube, danach rührt nie wieder jemand Rauschmittel an, der noch ganz bei Trost ist. Dieses Werk startet relativ harmlos und erliegt dann einem filmischen Rausch, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe: Die Münder der Presse standen offen, ich selbst hatte meine großen Abnormitätsmomente und musste eigentlich während des gesamten Films nur noch mit offenen Mund grinsen und dachte mir: WTF! Richtig so! Einfach richtig so – direkt in die Fresse der konservativen Arschlöcher und immer schlimmer werden lassen. Mal sehen, wieviele rausrennen.

Und ja – das begann bereits bei den ersten Pressevorführungen. Die Menschen können Dinge wie diese nicht ertragen und brechen ihren Coolness-Status lieber, bevor sie sich das zu Ende ansehen und begreifen, worauf man eigentlich hinaus wollte.

Gaspar Noé ist bekannt dafür, die Dinge einfach zu zeigen und keine Wertungen in seinen Filmen zu präsentieren – eine Eigenschaft, von der sich viele Medien ein Stück abschneiden sollten. Diese Wertungsfreiheit macht aus diesem Movie ein einzigartiges Kunstwerk, das eine tatsächlich realisierbare Situation aufstellt und im Blutrausch zerpflückt: Die humanoide Spezies wird in ihre Einzelteile zerlegt, man nimmt ihnen Normalität und Alltag weg und schaut dann einfach, was übrig bleibt. Ein hemmungsloses Bild einer verwüsteten Krankheit in betörend schönen Bildern und einer absurd-geilen Kameraführung, die ebenfalls Blut geleckt hat und aus sich raus will. Und kommt.

Hier sind bereits zu Beginn unverwüstliche Hinweise vergraben, denen man Zeit gibt, sie zu entdecken, bevor es dann im big train auf die Reise geht und man schlussendlich in einer Hölle wieder zu sich kommt, die mehr Wahrheit beinhaltet, als man anfangs glauben mag.

Nach The House That Jack Built der nächste kranke krasse Film, der tiefe Aufrichtigkeit mit sich bringt und den Zuschauer komplett verstört, darum aber umso wichtiger ist und eine immens geile Botschaft beinhaltet.

Ja, ich hab es tierisch gefeiert und dachte mir: Wie kann man nur so etwas krankhaft geiles ins Kino bringen und keiner weiß davon? Es ist hammerhart, wie absurd, weltfremd, gestört, verherrlichend und abnorm die gezeigten Szenen hier sind und mit welcher grazil-evilenten Anmut man dabei an das Zerstörungswerk herantritt, um letztendlich alles bis auf die Knochen abzuschaben und den Menschen in seiner völlig entblößten Psycho-Nacktheit zu zeigen.

Ein Meisterwerk des Nischenkinos, das man gut genug verstecken sollte, damit nur diejenigen Zugriff darauf kriegen, die sich den Inhalt auch geistig verdient haben: Hier mit Unterhaltungswünschen reinzuspazieren wäre der völlig falsche Ansatz und wird mit bloßer Entrüstung bestraft.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Blutrausch psychedelischer Ekstase, die keine Grenzen kennt und keine Wertungen aufstellt: Mit dieser Offenheit kann kaum jemand umgehen.

Gaspar Noé entführt die Menschen in eine durchaus reelle Situation und überlässt sie dann ihrem eigenen Schicksal, in das sie unweigerlich rennen, sobald man ihnen Normalität entreißt: Das Ergebnis ist ein filmischer Rausch, der extrem in seinen Bann zieht und mit Bildern verstört, die sich lange und dauerhaft ins Hirn einbrennen und einen nicht mehr loslassen.

Unbedingt ansehen, wenn man dazu in der Lage ist, diesen Film nicht als “Entertainment” abzutun, sondern sich ausgiebig damit befassen kann. Etwas geileres gibt es derzeit kaum!

Nachspann
❌ hält keine weiteren Szenen bereit.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Climax
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16

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Peppermint - Angel of Vengeance
© 2018 Universum Film GmbH

 

Jennifer Garner als Racheperson: Ich hab nach Himmelskind immer noch meine Zweifel, dass diese liebenswürdige, zerbrechliche Frau mit Waffen wirklich umgehen könnte und eine solide Figur in einem Streifen wie diesem hier abgeben wird.

Tatsächlich hapert der Film aber weniger an ihrem Können als vielmehr dem unbeschreiblich kranken Plot, der von Vorhersehbarkeit durchkämmt ist und so ziemlich jedes Klischee einliest, das dabei auf dem Weg liegt.

Die Idee dahinter ist vielleicht ganz witzig, mündet aber in einer nahezu lächerlichen Farce, die nichts mehr mit ernstzunehmendem Actionkino zu tun hat. Angesichts der PR rund um diesen Streifen war vorher sogar fälschlicherweise fast anzunehmen, dass es hierbei um eine dieser wüsten Schlachten aus dem japanischen Anime-Sektor geht, das man nun vermenschlicht neu interpretiert – selbst, wenn dem so wäre, ging der Schuss extrem nach hinten los.

Was man geboten bekommt, ist mit viel Liebe allerhöchstens gutes Mittelmaß und reicht für einen „Film zwischendurch“, wenn man eh grad nichts zu tun hat – und davon dürfte derzeit da draußen kaum jemand reden.

Dass die Idee eigentlich gar nicht so übel klingt, ist deshalb erstaunlich, weil mir auch bei längerem Überlegen kein Film einfällt, der so in der Art schon mal etwas aufgegriffen und richtig überzeugend umgesetzt hätte: Fast schon, als läge auf dieser Thematik ein cineastischer Fluch, den es bis heute immer noch zu brechen gilt. Peppermint – Angel of Vengeance hat das aber auch nicht geschafft. Leider, denn Jennifer Garner ist tatsächlich mit Abstand noch das allerbeste am ganzen Film.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Erwartungen waren da und wurden in meinem Fall gänzlich enttäuscht: Die Drehbuch- und Plotarbeit ist in meinen Augen ganzheitlich misslungen.

Jennifer Garner macht trotz allem eine super Figur, kann in dem Film aber nicht richtig aufgehen, was permanent ein „Handbremse angezogen“-Gefühl auslöst, aus dem der Streifen zu keiner Zeit wirklich raus kommt. Schade, Potenzial wäre nämlich auch hier viel vorhanden.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Peppermint
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16

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Der Vorname
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

 

Theateradaption von Regiemeister Sönke Wortmann neu für die Leinwand erfunden, um das Kinopublikum mit anspruchsvollen Inhalten zu begeistern: Ich liebe es, dass dieser Schachzug nun mehr und mehr ausgeführt wird und man sich auch ohne Abendgarderobe an diesem niveauvollen Anspruch erfreuen kann.

Dabei trifft man inhaltlich nicht mal wieder nur absolut den Kern, sondern bewegt sich in süffisant-humorvollen Gefilden, die Spaß, Ehrgeiz, Diskussionsfreudigkeit und tief empfundene Freundschaft zelebrieren.

Es ist herrlich, den schrägen Ausführungen der Protagonisten zuzuhören, die sich zum gemeinsamen Mahl verabredet haben und dabei allerlei verbalen Schabernack treiben. Dass dabei jeder seine Rolle gefunden hat und darin hervorragend aufgeht, versteht sich von selbst. Für eine deutsche Produktion unverhältnismäßig gut umgesetzt und in höchstem Maße unterhaltsam, so wie man sich eben perfektes Kino wünscht: Viel gute Laune, supertolle Bilder, hervorragende Twists und jede Menge Bauchschmerzen vom Lachen.

Und all das, ohne unter die Gürtellinie abrutschen zu müssen, um irgendwelche Zuschauer zu ködern oder sonstige billige Tricks anzuwenden, sondern konsequent auf einem Niveau, dass ich persönlich zutiefst erbaulich finde. Und dass das Münchner Premierenpublikum sogar während der Vorstellung Applaus spendete, zeugt ebenso von einem gelungenen Auftritt, den es so selten gibt.

Großartig – weiter so!

 

.kinoticket-Empfehlung: Verbale Gaudi auf höchstem Niveau: Man diskutiert hier in wundervollem Ambiente über Themen, die die Welt bewegen und erschafft dabei eine humorgeladene Atmosphäre, in der sich jeder Zuschauer einfach wohlfühlen muss!

Der Film überrascht mit großartigem Humor und einer Peinlichkeitsfreiheit und gleichzeitig mit tollen Twists. Gelungener könnte ein Kinoabend nicht werden als mit diesem Titel! Unbedingt reingehen!

 

Nachspann
❌ kümmert sich dann endlich auch um den Nachnamen, bereitet ansonsten aber keine Überraschungen, rausgehen ist also erlaubt.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Der Vorname
Length: 91 Min.
Rate: FSK 6

 

Und zum Schluss gibt’s noch ein paar exklusive Einblicke vom Red Carpet im mathäser Filmpalast in München, wo am 9. Oktober 2018 ein Special Screening des Films stattfand, für das natürlich der komplette Cast mit Regisseur Sönke Wortmann und Produzent Tom Spiess geladen war, das auch viele Prominente besuchten.

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Sky-Moderator und Synchronsprecher Sebastian Höffner

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Schauspielerin Veronica Ferres und Constantin Film Verleih Marketing & Filmpresse-Geschäftsführer Torsten Koch

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Tänzerin, Choreographin, Fotomodel & Schauspielerin Tiger Kirchharz

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Das Schauspielerensemble Christoph Maria Herbst, Iris Berben, Justus von Dohnányi, Janina Uhse und Florian David Fitz

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… gemeinsam mit Regisseur Sönke Wortmann

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Schauspieler Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz

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Schauspieler Justus von Dohnányi und Schauspielerin Iris Berben

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Florian David Fitz und Schauspielerin Janina Uhse

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Buchautorin Rita Falk

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Im Saal beim Special Screening von Der Vorname im mathäser Filmpalast in München am 9. Oktober 2018

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Buchverfilmung: 98% derer, die das Originalwerk gelesen haben, fühlen sich also schon mal angepisst. Ich lese nichts, von dem ich glaube, dass es verfilmt werden könnte, um mir den Filmspaß nicht zu verderben, ergo hatte man mich spätestens nach 3 Minuten und dem ersten Song.
Ja, ich hab eine Schwäche für American Country Music und kann mich an unzählige Nächte erinnern, in denen ich eben jenen Klängen gelauscht habe und meine eigenen Vorstellungen davon hatte.
Und yes, die Umsetzung davon ist dermaßen bombastisch, dass einfach jeder davon begeistert sein muss – einfach, weil im Film dazu alles passt! Farben, Klänge, Publikum, Sound, Kamera, Technik im Hintergrund, Abmischung: Die Songs sind dermaßen geil, dass sie den Film fast allein schon retten.
Gleiches gilt für die Technisierung rund um den Film: Die Crew im Hintergrund hat großartige Arbeit geleistet – und zwar bis in die kleinsten Ecken: Selbst die Casting-Geschichte, die sich über Wochen hinzog, weil man tatsächlich sehr anspruchsvoll auswählen musste, hat hier erstklassige Arbeit geleistet und Leute auf die Bühne geholt, die man von außen vielleicht nicht gleich kennt, die aber in meinen Augen perfekt ausgewählt wurden, um ihren Rollen im Film zu entsprechen.
Mankos? Die Inhalte. Man mag sich über die Moral solcher Filme streiten und ich mag sie aufgrund meiner Spoilerfreiheit jetzt hier auch nicht einzeln zerpflücken und aufschlüsseln .. und meinetwegen, es ist okay, wenn man derart in eine Geschichte packen will und die Leute dazu “bekehren”, auch wenn alles in Love-Liebe und Schnulze ertrinkt.
(P.S: Don’t forget the songs: Die retten wirklich alles!!!)
Die Handlung an sich (Buchvorlage => Gebt also der Autorin die Schuld) ist allerdings derartig kitschig und unglaubwürdig, dass ich sehr gut verstehen kann, wenn dieser Film gemischte Kritiken vom Publikum erntet: Und die fielen in der Sneak Preview tatsächlich super ausgewogen aus – zu etwa gleichen Teilen gut / mittel / schlecht, was meiner Meinung nach absolut zu diesem Film passt, je nach Gewichtungsgrundlage.
Mein Kinobuddy meinte noch: “Warum verschleudert man so viel großartiges Potenzial an so einen mistigen Plot?” – und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer sich wieder einmal richtig in einen Milchbubi verschießen will, oder die weibliche Riege voll auskosten, wer auf gemütlichen Südstaaten-Flair steht oder in Musikwelten abtauchen möchte ohne dabei den trockenen Knuspermüsli-Effekt einer Dokumentation ertragen zu müssen, wer abartig geile Songs genießen und in den erstklassigen Kinoboxen zum Besten gegeben haben möchte, der darf in den Film – und wird ihn lieben.
Wem’s um Story geht und wer da ein paar Ansprüche erhebt, wird gnadenlos enttäuscht und wer beides zu gleichen Teilen wertet, wählt am Ende eben “mittel”.
Ich bin gespannt, was ihr zu dem Titel sagen werdet, ich werde (ob der grandiosen Musik!!!) wohl noch einmal reingehen und mir die Show erneut antun … denn davon hätte ich gern unsäglich viel mehr!
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Musik!!! So etwas großartiges, mitreißendes und absolut exzellent ausgeführtes gehört durch ein Kinobesuch belohnt!
Der Rest vom Film stimmt auch absolut, bis auf den tragenden Teil der Geschichte: Der ertrinkt im süffisanten Südstaaten-Heimatschmonzetten-Kleinbürgertum und kann von Plotversessenen wohl kaum wegignoriert werden.
Wer sich jedoch dafür entscheidet, den Film zu sehen, der sollte es solange tun, solange er im Kino läuft, danach ist auch der absolut rettende Teil der Musik “im Arsch”. Also sagt ja und geht ins Kino, oder lasst es ganz bleiben.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt nicht, man darf gerne rausspazieren.
Kinostart: 16. August 2018

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Tully

Über Tully gibt es nicht sonderlich viel zu verraten, wenn ich meiner “Absolut keine Spoiler”-Regel treu bleiben will, denn: Jeder gesagte Satz ist im Prinzip ein Satz zu viel. Menschen, die den Twist bereits im Voraus kennen, dürften beim Anschauen dann wesentlich gelangweilter und unfreudiger sein, was sich teilweise bei den Previews geäußert hat: Fast alle, die den .trailer bereits kannten, fanden den Film schlechter als die, die völlig unvoreingenommen reingegangen sind.
Das Thema empfand ich allerdings sehr anschaulich präsentiert und gerade als Nicht-Betroffener außerordentlich einprägsam und plastisch dargestellt. Auch Charlize Theron zeigt einmal mehr, was für schauspielerische Fähigkeiten in ihr stecken. Bei einem so heiklen Thema, zu dem schon oft wütende Diskussionen entbrannt sind, einmal so ehrlich und aufgeschlossen auf der Leinwand zu sein und damit einige Tabus zu brechen und für diese Menschen zu sprechen, ist in meinen Augen das, was Tully am besten gelungen ist. Von dieser einfühlsamen, hingebungsvollen und absolut nachvollziehbaren Annäherung an diesen Konflikt war ich sehr angetan.
Am Ende ist man zwar vom Twist überrascht, jedoch nicht sonderlich begeistert, weil mir dafür einfach die Pointenschwere fehlt, wenn man so möchte. Der Knall kommt zwar, schlägt aber nicht wie gewünscht ein, sondern hinterlässt eher Fragezeichen auf den Augen und hat damit in meinen … Augen … das Ziel verfehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Charlize Theron spielt großartig und mimt einmal mehr den Fürsprecher einer ganzen Nation zu einem diskussionsfreudigen Thema.
Umsetzung, Darstellung und Verträglichkeit sind garantiert und funktionieren auch, das gewisse Etwas, dass diesen Ballon dann auch wirksam platzen lässt, bleibt aber – trotz hervorragendem Twist – irgendwie aus. Für einen gemütlichen Abend mit den Freunden und Freundinnen aber nicht die schlechteste Wahl.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 31. Mai 2018

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So herzlich und wärmend wie die Farben des Kinoplakats rüberkommen, so strahlt der Film eine familiäre, unglaublich lustige und zugleich dramatische Präsenz aus, die wieder absolut für das französische Kino spricht: Die Herren und Damen dort wissen einfach, was sie tun – und begeistern in Eine bretonische Liebe einmal mehr mit ihrer cineastischen Brillanz.
Man spürt, dass man hier nicht auf Schema F zurückgreifen wollte (obwohl viele Anhaltspunkte dafür da gewesen wären), sondern man sich ganz zielgerichtet und bewusst für die Divergenz zum sonstigen Kinoalltag entschieden hat – und Leute, das tut so unfassbar gut, dass es dafür kaum Worte gibt.
Damit landet Eine bretonische Liebe auch in meiner Toplist der besten Filme, die diese Woche anlaufen und die man sich zwingend im Kino anschauen sollte: Der Sehspaß ist nämlich nahezu ungetrübt von irgendwelchen Ausfällen jedweder Art.
Selbst die Portion Durchschnittsdepp, die man hier auch reingepackt hat, erzürnt in keinster Weise, sondern stößt höchstens hier und da mal mit etwas zu spürbarer Reserviertheit auf, was aber den Gesamteindruck nur wenig bis keinen Schaden nehmen lässt, sondern das durchaus gelungene Kinostück in seiner Glückseligkeit verharren lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier stimmt einfach alles: Eine mega Portion Herz, ganz viel Kinoverliebtheit, tolle Story, klasse Schauspieler und wahnsinnig gute Unterhaltung.
Für mich definitiv der Film der Woche – sofern man noch nicht weiß, wo man demnächst reingehen sollte.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, der läuft nur auf die übliche Weise durch und bringt keine Überraschungen mit sich.
Kinostart: 21. Dezember 2017

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Keine Worte.
Auch Tage nach der Vorstellung immer noch: Keine Worte.
Ich habe im Foyer noch überlegt, ob ich hierzu einfach eine Rezension mache, die den Titel trägt, euch vorerst das Plakat zeigt und einfach nur drunter schreibe: “Reingehen. :-(”
Und nichts weiter.
Weil der Film für sich selbst spricht.
Ja, ich bin auch kein Verfechter solcher Allüren, die Horrorfilmen “nach einer wahren Begebenheit” auf die Cover pflastern und meinen, damit dann mehr Leute ins Kino zu locken. Dieses Phänomen funktioniert allenfalls im für uns nicht durchschaubaren und völlig verquer dargestellten Amerika oder bei gutgläubigen Idioten. Aber doch niemals bei denkenden Menschen.
Dieses Mal ist es kein Horrorfilm. Und es steht dennoch “nach einer wahren Geschichte” drauf.
Und es kommt noch besser: Adrian Goiginger ist nicht nur Regisseur des Films, sondern auch die Person, die genau das erlebt hat. Sprich: Kein externer Regisseur, der sich mal eben paar Stunden mit jemandem zusammen gehockt hat, um Randfakten zu eruieren und daraus nach Schema F einen funktionierenden Blockbuster zu kredenzen, sondern Erfahrungen, die expressiv aus eigenem Erleben heraus geschildert werden können und somit unglaublich detailliert und vor allem mit zielgerichteter Authentizität wiedergegeben werden.
Auf deutsch: Es geht um Inhalte. Um herzzerreißende Inhalte. Du kannst noch so hartgesottener Horrorfilmkucker sein, dieses Ding bricht dir trotzdem die Knochen. Und du sitzt im Kino und kriegst kein Wort mehr raus. Allenfalls Tränen, die du hinterher hastig abwischst, damit kein anderer was davon mitkriegt. Obwohl die auch alle einen Kloß im Hals sitzen haben.
Jungs und Mädels: Das hier sind exakt die Filme, nach denen ich immer auf der Suche bin und die allen Missachtungsregeln widersprechen.
Es ist keine “Kunst”, das erhabene Gequatsche irgendwelcher arte-Elitären, das die normale Welt nicht versteht.
Es ist kein “schlechter” Film, dessen Abstrusität mit “Kunst” entschuldigt werden muss.
Es ist keins dieser moralpredigenden Biopics, das alte Männer oder Frauen mit irgendwelchen lahmarschigen politischen Errungenschaften oder dergleichen zeigt.
Nein!
Es ist eine Geschichte eines Mannes, die euch garantiert umhauen wird! Drum fasst euch ein Herz, schmeißt die Suchmaschinen an und holt die Kinos auf die Bildfläche, in denen Die Beste Aller Welten läuft und nehmt jeden, dem ihr mal wieder eine innere Kur wünscht, einfach mit: Es wird funktionieren! Das garantiere ich euch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein so unfassbar realistisches, herzzerreißendes und episches Leben eines noch so jungen Menschen in einem Film so drastisch und dramatisch rüberbringen zu können und ob all der nicht in Worte fassbaren Grausamkeiten dennoch eine derart einprägsame Botschaft von Liebe und Füreinander zu präsentieren – mit diesem Filmende?
Etwas, das definitiv jeder gesehen haben MUSS!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Der Respekt vor den Machern entsteht bereits während des Films.
Kinostart: 28. September 2017

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Phew – jetzt wird’s selbst für Wortakrobaten schwierig. Darren Aronofsky ist ja sowieso kein unbeschriebenes Blatt mehr und für seine zweifellos verstörenden Filme bekannt.
Mit mother! beschreitet nun selbst er neues Terrain, dass im Vorfeld bereits in Venedig für mächtig verstörende Sequenzen in der Weltgeschichte gesorgt hat, was wiederum in vielen Köpfen nun für Unsicherheit und Zurückhaltung verantwortlich ist, der man auf keinen Fall nachgeben, sondern sich eines ganz klar und indiskutabel auf die Fahnen schreiben sollte: Den Film auf jeden Fall im Kino zu besehen, und zwar völlig unabhängig von dem, was jedweder Kritiker – also auch ich – dazu zu sagen haben.
Dass ich dem Mainstream sowieso nicht so sehr zugeneigt bin, hat sich ja inzwischen unmissverständlich herauskristallisiert. Damit ist mother! für alltagshassende Menschen wie mich gefundenes Fressen – und zwar nicht nur, weil ich den Punch in die Fresse der Normalität über alles liebe, sondern es einfach krass ist, wie sehr man die wackelpuddingartigen Persönlichkeiten in ihren Grundfesten erschüttern und mit wenigen Minuten auf der Leinwand völlig aus ihrem Alltagsweltbild herausreißen kann, so dass im Kinosaal nicht nur massenhaft offene Münder, sondern auch jede Menge erschreckte und angstvolle Fuck-Laute zu hören waren.
Und ja – hier bricht das Chaos aus, dass aus einem für mich wieder mal hervorragend inszenierten .teaser nun den dazu passenden Film liefert, bei dem man einfach mal so absolut gar nichts weiß. Auch nicht, wenn man ihn gesehen hat. Auch nicht, wenn man sich hinterher versucht, mit anderen darüber auszutauschen. Und damit ist Aronofsky für mich weiterhin das Genie, das er auch vorher schon war, nur eben jetzt in unglaublich viel besser.
Was genau jeder Einzelne nun in die immer eskalierenderen Szenen hineininterpretieren möchte und wie man sich den Plot hinterher selbst zurechtlegt, um daraus ein funktionelles Konstrukt zu machen, dass irgendwie in die Gedankengänge eines jeden passt, bleibt dem Zuschauer für sich überlassen.
Diese Abartigkeit (und ja, ich weiß, dass dieses Wort bei mir inflationär oft benutzt wird) bekommt mit mother! eine völlig neue Dimension, die anfangs verstörend, im Mittelteil verstörender und am Ende wortlos und unbeschreiblich wird, sich aber dennoch irgendwie zum Großen Ganzen zusammenstückelt.
Die Phasen der emotionalen Durchleuchtung einer Sache gereichen hier in Höhen, in denen normalerweise auch die Gedanken von Genies nichts mehr zu suchen haben – und überschreiten damit keine Grenzen mehr, sondern dringen in verbotene Zonen vor, die sich auch nicht mit FSK-16 Freigabe rechtfertigen lassen.
Ihr spürt so ein wenig meine unfassbare Begeisterung für dieses absurde Werk? Ich liebe es und werde mir wohl immer wieder davon ein Bild machen können. Wer weiß – vielleicht schaffe ich es noch in diesem Jahrhundert, mir einen passenden Reim darauf zu bilden und mich so tief in die Kaninchenlöcher vorzubeißen, dass ich irgendwann in den tiefsten Wurzellöchern den Anfang dessen finde und alles verstehe – und wenn es mein Leben kostet.
Genau das gehört für mich in die Kinosäle, die aus Gründen schwarz und nicht weiß sind. Genau das gehört für mich in jedes Wochenprogramm jeden Kinos, weil da eben mal nicht die Masse bedient und der familienfreundliche Schwulst übellaunig zusammengepresster Standard-Mainstreamscheiße mit einem passenden Namen versehen in die Scheinproduktionsmaschine geworfen wurde.
Hier offenbart sich eine völlig neue Interpretation von was auch immer, dass ohne Gnade und Erbarmen seine Schläge in die Gedankengänge normaler Menschen austeilt und damit auf Eskalation setzt, die ich liebe und vergöttere.
Und während am Markt geschlossene Unentschlossenheit darüber herrscht, ob man dem Werk nun Genialität oder Unfähigkeit attestieren soll, treibe ich mich wieder und wieder in die dunklen Höhlen der Glückseligkeit, um mir dieses Schauspiel wieder und wieder einzuverleiben.
Es ist der Gnadenschuss für die tödliche Allgegenwärtigkeit, die immer unerträglicher in den Lungen der Gesellschaft für den Erstickungstod sorgt und somit sogar den Standard-Zombies das Sterben neu beibringt.
Und da stehe ich daneben und man hört in den apokalyptischen Rängen am Ende der Welt das einsame Applaudieren eines glückseligen Jungen, der Kino über alles liebt: Meins.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ein Film dieses Attribut je tatsächlich verdient hat, dann dieser: Abgefuckt!
Aronofsky inszeniert hier mit meiner Lieblingsschauspielerin Jennifer Lawrence einen Reigen von Unverständnis, Desillusion und Normwidrigkeit, dass unterbrechungsfrei mit größter Aufopferung in die Klöten der Natürlichkeit tritt und uns damit das präsentiert, das ich auf dem höchsten Stuhl der Verehrung einmeißeln würde: mother!
Wer behauptet, er habe den Film verstanden, lügt.
Wer nicht ins Kino spaziert, um ihn sich dort mit Gurten am Sessel festgeschnallt anzusehen, ist blöd.
Wer anderen irgendetwas darüber erzählt, sollte besser seine Fresse halten und dafür sorgen, dass sie trotzdem ins Kino gehen.
Und darum vergesst, was ich oben darüber geschrieben habt und geht rein. Bitte!

 
Nachspann
sollte man bis zum Schluss anschauen und mir dann eine E-Mail schicken und erklären, was das alles soll. Im Ernst – kann damit jemand was anfangen?
Kinostart: 14. September 2017

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Ich hoffe, ihr kennt alle die “Originalversion” mit Kevin Costner und Whitney Houston aus dem Jahre 1992. Allein schon das “Filmplakat”, das man im Internet zu beiden Filmen findet, verrät gewisse Parallelen.
Tatsächlich hat Twentieth Century Fox es sich hier auch nicht nehmen lassen, unfassbar viele Anspielungen auf das liebevolle Original im Neuwerk einzubauen und die Zuschauer so mit viel perfidem Vergleichs-Zynismus zu erfreuen.
Dabei gilt nicht mehr das klassische “Wir verarschen mal irgendeinen Film ein bisschen”, sondern man schlägt dermaßen über die Stränge, dass so manch frühzeitige Ausstrahlung durchaus in Frage gestellt werden darf.
Sehr zum Vergnügen der erwachsenen Zuschauer, die hoffentlich reichlich die Säle bevölkern, denn der Spaß findet kaum ein Ende. Dabei driftet man so herrlich in die Absurdität und Übertreibung ab, die längst nichts mehr mit klassischen B-Twist-Movies zu tun hat, welche man dem Film fälschlicherweise attestieren könnte, sofern man die “Vorgeschichte” dazu eben nicht kennt.
Daher mein gut gemeinter Rat an alle Newbies: Schaut euch vorab The Bodyguard mit oben erwähnten Darstellern an und nutzt diese Blu-ray als Vorfilm zur aktuellen Klamauk-Version, die aus dem ernst gemeinten Original dann etwas völlig anderes werden lässt – der Spaßfaktor steigert sich dadurch auf jeden Fall ungemein.
Und wie ich schon oft erzählt habe, hat jeder Schauspieler seine Rolle des Lebens, in der er die eigenen 100% erreicht und danach immer nur Schatten seiner selbst produziert. Bei Ryan Reynolds dürfte jedem klar sein, dass Deadpool diesen Platz ergattert hat – und diese Verrücktheit merkt man ihm auch hier ansatzweise an, auch wenn sie nicht so in den Spitzen gipfelt, wie in seinem Film.
Dennoch macht Killers Bodyguard unfassbar viel Spass und begeistert die Erwachsenenriege mit viel Sarkasmus, Übertreibung, Blut und noch viel mehr. Beste Unterhaltung im Kino garantiert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv vorher The Bodyguard schauen, dann erkennt man viel mehr Zusammenhänge zum eigentlich sehr sinnlich-romantischen Original.
Reynolds und Jackson geben hier genauso gute Figuren ab, wie die Hauptdarsteller in der Vorlage und gemeinsam mit einem umwerfenden Cast hat man im Kino als Erwachsener durchaus jede Menge Spaß.

 
Nachspann
Auf jeden Fall abwarten, auch wenn es etwas dauert – die Geduld wird auf jeden Fall belohnt 😀
Kinostart: 31. August 2017

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Ich muss langsam aufpassen, dass ich nicht doch damit anfange, hier und da zu spoilern, auch wenn das beim Titel eh schon fast auf der Hand liegt, worum es bei diesem Film gehen könnte. Politisch gesehen trifft man auf jeden Fall den Zahn der Zeit und schlägt damit komplett auf die Zwölf.
Dass das auch ohne moralische Predigten und vorgehaltenen Zeigefinger funktioniert, beweist Regisseur Julien Rambaldi mit seinem neuesten französischen Hit Ein Dorf sieht schwarz derzeit aktuell auf der Leinwand. Die beschwingte Fröhlichkeit des französischen Comedy-Kinos trifft auf die heitere Abwechslung in der Culture-Clash-Komödie mit tragischen Elementen, die das Bild einer nicht erwachsen gewordenen Gesellschaft abzeichnet, die sich im Laufe der Zeit kaum gewandelt hat, obwohl um sie herum doch irgendwie alles anders geworden zu sein scheint.
Dass die Franzosen witzige Filme hinkriegen, weiß man schon längst. Dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und das Leben oftmals die besten Geschichten schreibt, ist auch kein Geheimnis mehr. Vereint man dann beides auf der Leinwand, bekommt man ein rührendes Erlebnis, das weder im Schmalz noch in irgendwelchen Fettnäpfchen verunstaltet wird und dabei die zu Herzen gehende Geschichte einer Familie beschreibt, die auch in diesem Jahrzehnt wieder politische Relevanz in sich trägt.
Dabei versucht man nicht, einen weltumspannenden Hit zu generieren, der mit immer weiter reichenden Gags das Publikum erobert, sondern bewegt sich kaum aus der Wohnzimmerwohlfühlarea hinaus und baut eher im heimischen Stil den Charme rund um den Zuschauer selbst auf. Das Konstrukt erhebt sich am Ende zu einem wunderbaren Gesamteindruck und hinterlässt einen zutiefst emotionalen, herzergreifenden Moment.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für einen bombastischen Kinoabend, sondern eher für die gemütlichen Stunden zu zweit abends im Bett – wer dafür den Kinosaal bevorzugt, sollte sich eher in ein Independent-Lichtspielhaus verkrümeln, denn dort ist dieser Film bestens aufgehoben und erhält die ihm zustehende Würdigung.

 
Nachspann
kommt außer dem üblichen Abspann keiner mehr, man darf also raus rennen, sobald es dunkel wird.

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