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Tag: Kindheit

Kirschblüten & Dämonen

Kirschblüten und Dämonen

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Zeitreise. 2007 – Kirschblüten – Hanami setzt den Startschuss und erzählt eine Geschichte, die sich mit dem Nutzbarmachen des Lebens auseinander setzt und erzielt weltweit damit Erfolge. Die Szenen sind wohlgeformt, ergreifend und sinnlich, berühren das Herz und erreichen damit nicht nur beim Kinopublikum Aufmerksamkeit und Interesse.

2019 geht die Fortsetzung dessen an den Start: Kirschblüten & Dämonen kümmert sich quasi um die “nächste Generation” und möchte den Strang weiterspinnen, wird dabei aber auch sehr langsam und weniger “spektakulär”: Doris Dörrie nimmt sich erneut ihrer Hauptdarsteller/innen an und erzählt dort weiter, wo man 2007 aufgehört hat.

Als “Quereinsteiger” ohne den ersten Film zu kennen (was durchaus noch bei einigen der Fall sein dürfte) eignet sich diese Fortführung prächtig dazu, um in der Materie einzusteigen und dann mit dem ersten Teil quasi nochmal eins drauf zu setzen. Man kränkelt ein wenig an den Macken des verfluchten zweiten Teils, überspielt diese Mankos aber galant mit der würdigen, tragenden und lebenseingreifenden asiatischen Art, die sich ja bekanntermaßen sehr vornehm und elegant um die Weisheiten des Lebens kümmert und an den Punkten ansetzt, wo beispielsweise die amerikanische Plumpheit endet. Wer hierfür ein Auge hat, der wird auch im zweiten Teil bestens bedient und kommt damit klar, dass jetzt die pure Schönheit eben ein wenig dem “Alltag” der Charaktere gewichen ist. Gewissermaßen logisch, wenngleich auch etwas enttäuschend, aber was will man machen?

Alles in allem dennoch kein Grund, nicht in Kirschblüten & Dämonen zu gehen: Der Film ist durchaus sehenswert und spiegelt einmal nicht den üblichen Mainstream wider, den man sonst auf der Leinwand geboten bekommt.

.kinoticket-Empfehlung: Typischer Second Part, etwas ruhiger und weniger spektakulär, aber trotz allem mit den bekannten japanisch-asiatischen Wurzeln, die zum Ursprung allen Lebens führen und von Asia-Fans so geliebt werden.

Doris Dörrie setzt ihre Geschichte fort und kümmert sich um den “Fortbestand” im wahrsten Sinne des Wortes: Man pflegt die alten Kulturen wieder, lässt Vergangenes aufleben, erreicht damit aber nicht den Höhenflug, den der erste Teil aufs Parkett gelegt hat.

Sehenswert ist Kirschblüten & Dämonen deshalb aber trotzdem.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Kirschblüten & Dämonen
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Deutschlandpremiere des Films in München aus der Astor Filmlounge im Arri Kino.

Christopher Robin

Es ist schon irgendwie bezeichnend. 1924 wurde Puh der Bär von Alan Alexander Milne erfunden, entwickelte sich seitdem zu einem durchschlagenden Welterfolg. 1961 sicherte sich Disney sämtliche Rechte daran und schlachtete aus, was auszuschlachten geht.
Zur Zeit beflügelt die Story rund um das Kind Christopher Robin wieder die Filmheimat. Bereits kürzlich hatte Twentieth Century Fox seinen Goodbye Christopher Robin ins Rennen geschickt und sorgte dabei mit zeitgleichen Meldungen von Christopher Robin für wesentliche Verwirrungen innerhalb der Presse. Auch ich habe anfangs nicht wirklich den Durchblick gehabt, bis ich gecheckt habe, dass beide Labels, die sich gerade selbst aufkaufen, zeitgleich ein und den selben Film ins Rennen schicken wollen.
Twentieth Century Fox war früher. Und ist im Längen besser. Dass ich schon seit meiner Kindheit mit diesem Studio grün bin, dürfte bekannt sein. Irgendwie gehören die Fox Studios für mich zur Heimat guter Filme, denn genau das tun sie und können sie in Perfektion. Ich denke, der Aufkauf durch Disney rührt nicht daher, Konkurrenz aus der Welt zu schaffen, sondern das Interesse liegt viel mehr bei den Inhalten und dem Portfolio, das Fox mitbringt. Denn selber haben sie in letzter Zeit kaum etwas wirklich auf die Reihe gebracht.
Das gilt – leider – auch für Christopher Robin, dessen Geschichte durch den Vorlauf von Goodbye Christopher Robin dem Zuschauer ja nun höchst aktuell im Gedächtnis ist. Ich hab irgendwie auch das Gefühl, dass die Zeiten sich langsam permanent ändern und die “Normalität” unserer Kindertage längst passé ist. Ist euch schon mal aufgefallen, dass es z.B. nicht mehr einfach ausreicht, einen genialen Twist in einen Film zu bauen, sondern dass der Twist immer nochmal getwistet werden muss? Einmal reicht nicht mehr.
Und so geht es nun vielleicht auch mit den Kindergeschichten weiter. Einfach eine – damals – geniale Geschichte wieder zu erzählen reicht heutzutage einfach nicht mehr. Wir haben erlebt, dass viele Märchen neu aufgelegt und inhaltlich vollkommen überholt wurden, wir sind Zeuge geworden, wie viele Ideen völlig umgekrempelt und komplett neuerfunden auf den Tischen gelandet sind und nun kommt Disney und erzählt … die gleiche Geschichte einfach nochmal. Das ist langweilig. Und in der Machart auch in meinen Augen völlig daneben.
Dieser Film ist in sich völlig zerrissen. Einerseits spricht er Kinder auf die dümmste Weise an, die man sich vorstellen kann und erinnerte mich zeitweilig an das Rumgehopse von Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po (haha), dem sich Erwachsene kaum aussetzen können (warum läuft der Film dann in den Spätvorstellungen?) und trägt auch mit selten-dämlichen Synchronisationsversuchen auf, die eher an sprachliches Unvermögen grenzen und im Geiste leicht debil klingen. Soll man dabei dann Spaß haben?
Nur weil das Studio mittlerweile verstanden hat, wie man überzeugend animieren kann, bedeutet das noch lange nicht, dass eine Story deshalb gut ist. Der Plot bzw. die Art, wie man die Story angegangen ist, war in meinen Augen auch völlig verfehlt. Hier trifft man nämlich eher den Geist exzellenter BBC-Dokumentationen und hat – um dieses Gefühl beim Zuschauer noch zu unterstützen – auch gleich mal die gleiche Synchronstimme an Bord geholt, damit man wirklich meint, man schaue gerade Planet Erde. Die geistigen Ausflüge und unterschwellige Intelligenz dieser Geschichten reicht so weit in den bei Kindern nicht vorhandenen Intellekt-Bereich hinein, dass sie damit rein gar nichts anfangen können dürften.
Damit hat man nun einen Film, der permanent zwischen “dummes Kind” und “mega gescheiter Erwachsener” hin und her switcht und das ist absolut nervig! Warum man hier nicht auf einen kontinuierlichen Plot setzen oder sich wenigstens auf eine der beiden Erzählweisen fokussieren konnte, ist mir völlig schleierhaft.
Auch die Machart begeistert beim ersten Take, der im Wechsel zwischen Real-Life und Animation einen hervorragenden Übergang geschaffen hat, doch bereits ab Minute zwei bekommt man das Gefühl, die Macher hätten einen neuen Filter im Schnittprogramm gefunden und würden diesen jetzt über alle Maßen ausreizen und in jeder nur erdenklichen Situation und Lage anwenden, um zu zeigen, dass das wirklich mit jeder Bildeinstellung geht.
Und sowas ist für mich kein gelungenes Movie, sondern einfach nur schlechte Arbeit. Die Story ist langweilig und debil, das Einfangen des Herzens schlägt völlig fehl und die permanenten Wechsel erinnern eher an unfähige YouTuber als an ein Label, dass sich zum Weltmarktführer aufschwingen will, indem es einfach alles rund um sich aufkauft.
Und wer jetzt noch damit ankommt, dass Disney hier wenigstens frauenrechtlich alles richtig gemacht und in Sachen “gendern” ein Vorbild sein will, dem ist nicht mehr zu helfen. Denn selbst diese misslungenen Interpretationsversuche sind eher peinlich und lassen ganze Völkerscharen im Kino facepalmen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn’s Disney anfasst, geht’s kaputt?!?
Das könnte man zumindest meinen, wenn man sich die jüngsten Eigenversuche des Giganten anschaut. Der Film ist in meinen Augen ein völliger Griff ins Klo, weil er sich nicht bei der Zielgruppe entscheiden kann und viele wesentliche Aspekte des modernen Kinos nicht verstanden zu haben scheint. Einzig beim Nachspann kommen dann leichte Intelligenzerscheinungen zutage, die aber die Hälfte der Zuschauer kaum mitkriegen dürfte, weil die schon längst beim ersten Abspannwort aufgesprungen sind und den Saal verlassen haben.
Rausgeschmissenes Geld – auf beiden Seiten der Leinwand.

 
Nachspann
✅ darf bis zur Mitte abgewartet werden, danach folgt nichts mehr.
Kinostart: 16. August 2018

Vom Ende einer Geschichte

Die BBC ist bekannt für Film- und Dokumentarbeiträge, denen man eigentlich nie die Note “schlecht” attestieren kann. Auch wenn das Buch mit 182 Seiten nicht zu den Monster-Romanen gehört, ist der Inhalt doch von vielen als preisverdächtig ausgezeichnet worden. Immerhin hat Julian Barnes – der Autor – so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sich die British Broadcasting Corporation dazu verpflichtet gefühlt hat, diesen Inhalt für die Leinwand zu inszenieren.
Und das Ergebnis darf sich sehr wohl sehen lassen. Jim Broadbent und Charlotte Rampling geben ein Schauspielerduo ab, dass sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellt und in einer gelungenen Performance verschiedensten Dingen auf den Grund geht. Die Themen dürften am heutigen Tag aktueller denn je sein. Dem Tag, nachdem Deutschland erstmalig in der Geschichte als Weltmeister bereits in der Vorrunde der Fußball-WM ausschied und in vielen Gesichtern auf der Straße, in Lokalen und Restaurants der Schock tief in den Gliedern sitzt.
Exakt solche Szenen durfte ich gestern Abend zu Hauf beobachten und habe daher beschlossen, mich in ein kleines, schnuckliges Kino zu verkrümeln und mir eben diesen Film anzusehen.
Und er liefert nicht nur Gedankenanstöße für die “Großen”, sondern ist selbst wie eine liebevolle Umarmung, die dich vollständig einhüllt, schützt und wärmt und das Gefühl von Sorglosigkeit und Lebensvertrauen vermittelt. Vielleicht habe ich deshalb das Durchschnittsalter im Saal drastisch nach unten korrigiert, weil eben dies eine Realität aufbaut, die sich wohl viele der älteren Generationen heute wünschen würden: Langsamkeit, Sinnieren, Reflexion, die Frage nach Eigenverantwortung und Erinnerungen an ein besseres Leben.
In Zeiten wie diesen, in denen alles so wahnsinnig schnell geht, in der Dinge bereits vorbei sind, bevor sie richtig angefangen haben, darf man gerne Werke wie dieses nutzen, sich zurücklehnen und die Zeit einfach für eine Weile mal etwas langsamer verstreichen lassen. Es fühlt sich unglaublich gut an. Versprochen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Buchverfilmung der besonderen Art, die viel Nähe, Liebe, Selbstkritik und reflektierendes Verhalten zulässt und damit zu den besonderen Werken unserer Zeit zählt.
Dass man sich dafür auf den Weg in die nischigen Independent-Kinos machen muss, sollte kein Hindernis darstellen, nutzt einfach gezielt die Kinosuche und schaut euch dann das Ende einer wunderbaren Geschichte an. Ihr werdet euch danach nicht schlechter fühlen als vorher – soviel garantiere ich euch.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 14. Juni 2018

Kindheit

Dieser Film hat zwei Seiten. Einerseits – und das ist vollkommen löblich – setzt er sich mit Erziehungsmethoden auseinander, die grandios durchdacht sind und aus dieser Welt systematisch die Waschlappenkinder wieder entfernen könnten, wenn sich mehrere Tagesstätten derartiger Methoden annehmen und sie im Alltag praktizieren würden.
Ich habe nach der Pressevorführung jede Menge negative Stimmen gehört, worauf ich aber später noch zu sprechen komme. Warum mein Blickwinkel darauf trotzdem positiv ist? Wahrscheinlich lese ich zu viel zwischen den Zeilen oder mache mir währenddessen Gedanken darüber, wie es sonst in der Welt so aussieht und finde das Konzept, das im Hintergrund damit beworben wird, einfach fantastisch.
Und das sage ich jetzt befreit von jedwedem Öko-Bio-Neumodern-Gelaber, sondern einzig im Hinblick auf die Tatsache, dass wir von diesen Helikopter-Eltern einfach zu viele haben und sich viele abgewöhnt haben, Erziehungsberechtigte zu sein und sich stattdessen lieber darauf konzentrieren, beste Freunde der Kinder zu werden, die bei nichts mehr durchgreifen und damit Menschen heranwachsen lassen, die ihrerseits absolut unfähig dazu werden, wieder ihre Kinder zu erziehen.
Diesem Trend, der damit die ganzen Vollidioten produziert, die einem auf der Straße tagtäglich begegnen und von denen man auch im Netz jede Menge Bullshit vor die Augen geschmissen bekommt, wird hier auf eine völlig defensive und erkenntnisreiche Art entgegengewirkt und man sollte sich tatsächlich über das ein oder andere mal wieder klar werden – dazu werden gerade am Anfang des Films einige Sätze in den Raum gespeist, über die es sich ernsthaft nachzudenken lohnt.
Andererseits – und damit kommen wir zu den kritischen Stimmen – ist dieser Film sehr “nah” gefilmt, was bedeutet, dass während des Drehs der unabhängige Abstand zu den Kindern fehlt, die sich vor der Kamera tatsächlich völlig eigenständig und unbeeinflusst bewegen und verhalten können, was den Verdacht aufwirft, dass es im Hintergrund wohl doch “Regieanweisungen” gegeben haben könnte. Wohlgemerkt: haben könnte, es ist nicht gesagt, dass es tatsächlich so war, sondern das geschulte Auge bemerkt eben einfach, dass räumlich gesehen oft zu wenig Platz war, um beispielsweise mit extremem Zoom zu filmen und so den Kindern nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken.
Wer schon mal vor einer solchen Kamera hat agieren müssen, weiß selbst, wie “seltsam” das ist und kann sich daher denken, dass auch Kinder anders reagieren – auch hier gab es einige Szenen, die solcherlei Vermutung aufkommen lassen, weil es – sagen wir – etwas unnatürlich wirkt, wie sich die Kinder angeblich “aus freien Stücken” verhalten.
All dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dieses Gesamtkonzept absolut löblich ist und – ohne Kamera – gerne weiterverbreitet werden darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit pädagogischen Augen betrachtet ist dies ein rühmliches Vorbild, an dem man sich in der Kindererziehung gerne in jedem Haushalt orientieren kann.
An vielen Stellen fehlte ein wenig der Abstand, um die Kinder nicht zu aufdringlich zu verfolgen, was einen negativen Beigeschmack produziert, in meinen Augen aber das hintergründliche Prinzip deswegen nicht angreift.
Darum empfehle ich den Streifen definitiv als sehenswert und warte einfach darauf, welche Generationen diesem Erziehungsprinzip entspringen. Es wäre in höchstem Grade wünschenswert, dass es viele sind.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Insidious – The Last Key

Blumhouse, Blumhouse, was soll ich bloß mit euch machen …
Zum einen serviert ihr uns Titel wie die The Purge-Trilogy, die hoffentlich noch lange weitergehen wird, Filmperlen wie Happy Deathday, zeigt euch verantwortlich für Sinister und Nachfolger und kommt jetzt mit einem so vorhersehbaren Mist wie Insidious – The Last Key daher… Warum denn?
Freunde von mir bezeichnen den Titel als “den schlechtesten Horror, den ich je gesehen habe” und ich kann ihnen nicht widersprechen, denn gegruselt hat mich in eurem neuesten Werk schlichtweg … gar nichts.
Was also war die Aufgabe? Gebt Lin Shaye wieder eine Bühne, auf der dieses einprägsame Gesicht eine neue, müde Story austüftelt, gespickt mit den immergleichen, abflauenden Horrorbausteinen, die einem nicht mal mehr ein simples Gähnen entlocken?
Ich lasse mich gerne schocken. Ich drehe mich im Kino ob der Surround-Effekte gerne mal um und schaue, ob nicht irgendwer aus dem Kino hinter mich getreten ist und mich erschrecken will. Meine Güte, ich bin extra in die 23:00 Uhr-Vorstellung, die gähnend leer war, um einen weiteren Sicherheitsbaustein fallen zu lassen und den “Du bist allein und niemand kann dir helfen, wenn die Geister plötzlich echt werden”-Spuk-Katalysator anzuwerfen … und bin dabei sanft, aber konsequent ins seichte Land der Träume abgedriftet – und zwar zu euren “Höhepunkten”. Und nicht, weil ich müde war.
Gezuckt, geschockt, Gänsehaut … nichts.
Und das von einem Titel, der ein so vielversprechendes Plakat aufweist und uns auf diese Weise so sehr schmackhaft gemacht wurde: Traurig!
Warum tut ihr so etwas? Euch fehlen doch längst nicht mehr die Mittel, um ein Genre, das angestaubter nicht sein könnte, mit neuen Innovationen zu renovieren und vom Ballast der Alltäglichkeit zu befreien. Ihr habt doch längst alle Connections, fähige Leute, Schauspieler und Technik in der Hinterhand, um dem Kino wieder etwas zu liefern, bei dem sich der Zuschauer bis aufs Mark und Bein fürchtet und am Ende froh ist, den Saal wieder verlassen zu dürfen und noch zu leben.
Wieso langweilt ihr uns dann mit derartigem? Langeweile? Trist? Freudlosigkeit und Erwartbarem?
Die Offensive, den “Schauereffekt” einfach ein paar Sekunden mehr in die Länge zu ziehen, ist kein Allheilmittel, um immer besseren Horror zu kredenzen. Und spätestens 2018 hat jeder längst kapiert, dass einsetzende Violinen in schrägen Tönen Unheilvolles ankündigen – und wisst ihr was? Es funktioniert nicht mehr. Nicht bei mir.
Dazu die üblichen Holzblöcke aus altbekannten Horrorfilmen im Zeitalter der Aufgeklärtheit, die sich der Lächerlichkeit preisgeben statt den Zuschauer das Fürchten zu lehren ist für ein Label wie eures doch keine Trophäe, auf die ihr ernsthaft stolz seid, oder irre ich mich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich war die Enttäuschung auf keiner Ebene zu überbieten – viel zu ruhig, zu vorhersehbar, zu gewöhnlich und langweilig, um noch auf irgendeine Weise zu begeistern.
Schade, denn hier steckt so viel Schaffenskraft dahinter, die augenscheinlich völlig verpufft ist, bevor man sich diesem Titel zugewandt hat. Warum?

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Soundtrack wird hier auch nicht besser.
Kinostart: 4. Januar 2018

Schloss aus Glas

Das Thema Breakout ist derzeit in vielen Kinos wieder in Mode und erweist sich so langsam auch als Publikumsmagnet. Zumindest in kleineren Städten reißen sich die Menschen um .kinotickets für solche Vorstellungen und man rüstet den Wochenplan dementsprechend um, um genau das zu bieten.
Schloss aus Glas basiert erneut auf einer wahren Geschichte und ist somit zugleich Buchverfilmung als auch “aus dem echten Leben erzählt”. Die Geschichte ist derart verblüffend, tragisch und ergreifend, da sie nicht zwischen A und B entscheidet, sondern den erbitterten Zwist zwischen der notwendigen Realität und dem unerklärlichen Drang nach Freiheit und Ausbruch sorgfältig unter die Lupe nimmt und hier neue Formen des Umgangs damit präsentiert.
Durch seine “Tatsächlich passiert”-Nacherzählung verpuffen alle Argumente, die dieses Leben als “nur ein Film” hinstellen wollen und offenbart einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, nicht nach den konformen Regeln des Konservatismus leben zu müssen, um tatsächlich erfolgreich und – viel wichtiger – glücklich im Leben sein zu können.
All dies verrät aber immer noch nichts über das, was uns in Schloss aus Glas in eindrücklichen und bleibenden Bildern erzählt wird. Brie Larson glänzt neben Naomi Watts an der Seite von Woody Harrelson, der wieder einmal Höchstleistungen darbietet, die auch in diesem Film wieder zum Anbeten sind.
Und neben all den Exzessen, Querulanten, Absonderlichkeiten und dem unbändigen Streben einer Coming-of-Age-Generation, die sich im harten Alltag durch alle möglichen und unmöglichen Situationen durchbeißt, erblüht hier eine diskutierbare Offerte von Optionen des Erwachsenwerdens, ohne dabei auf den Respekt und die Liebe verzichten zu müssen.
Und ich wage zu versprechen, dass jeder, der diesen Film besucht, auf irgendeine Weise angesprochen wird. Denn um das völlig gefühlskalt und emotionsbefreit abzutun, braucht es die Abwesenheit jedweder menschlicher Regung – und das dürfte in den seltensten Fällen der Fall sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine ergreifende und wahre Geschichte, die nicht nur mit völliger Schrägheit verblüfft, sondern die irren Windungen inmitten von Gesetzen und Normen durchbricht, um schlussendlich völlig befreit aus dieser Lage emporzusteigen.
Die Szenen sind beeindruckend und hallen noch lange nach, die Darsteller erobern die Herzen im Sturm und die erbitterte Wahrheit dieser Erzählung erschüttert noch lange danach den Geist.
Definitiv sehenswert und mega emotional!

 
Nachspann
sollte man mitnehmen, da dieser zur Glaubwürdigkeit extrem viel beiträgt.
Kinostart: 21. September 2017

Findet Dorie (3D)

Weiter geht’s mit dem “Ich hab den ersten Teil nicht gesehen, dafür aber jetzt den zweiten”-Reigen: Findet Dorie in 3D – alles andere kannste vergessen.
Zugegeben: Die Werbephase war erfolgreich, jeder rennt rein, die Kinos überbieten sich mit Vorstellungsterminen und das Teil wird hoch und runter genudelt. Der Herbst hat begonnen und jeder will wieder alte Zeiten aufleben lassen, mein Gott, Nemo war ja sooooo süß ….
Gottseidank kann ich über den ersten Teil nichts sagen, denn dann würde ich jetzt wahrscheinlich darüber herziehen, wie schlecht alles geworden ist, wie man es ausquetscht, melkt und meint, damit wieder bei der großen Zuschauerschaft zu punkten, aber die Wahrheit sieht anders aus: Die Säle sind voll und es lacht immer nur eine einzige Frau.
Ich möchte euch eure liebevollen Tierfantasien jetzt nicht zerstören oder hier mit meiner schlechten Laune über diesen Film euren Sommerend-Spaß kaputt machen, aber geht’s nur mir so, oder hat dieses Ding allein schon im Plot ewige Sinn-Lücken, die bloß keinem auffallen, weil Nemo ja soooo süß ist und Dorie erst … Awwwwwww…………..* kotzbröckchenwiederrunterschlugg *?
Wie dem auch sei – das Problem in meinem Fall war wohl: Vor dem eigentlichen Hauptfilm wurde zuerst ein Vorfilm gezeigt und der war richtig gut, hatte Anmut, Stil, Eleganz und eine kindliche Unschuld, derer Findet Dorie nicht mehr Herr werden konnte.
Man spürt richtig die Schranken, die hier überall aufgebaut worden sind, um ja keinen der ach so großen Zuschauerschaft zu verärgern und – wieder einmal – merkt keiner, dass man mit genau diesen erzählerischen Einschränkungen genau dies tut.
Schon im Trailer hat man eine gewisse Art “Zurückgebliebenheit” diagnostizieren können und der Film als Ganzes macht diese Vorahnungen nicht unbedingt besser. Es dümpelt so seicht vor sich hin und ist eben mal da – auch wenn es niemandem vom Hocker reißt, man könnte ja jemand anderen verärgern.
Und diese cineastische Eingeschränktheit erinnert mich immer an den Satz: “Wer seine Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erhalten, wird am Ende beides verlieren.”
Das und nichts weiter ist Findet Dorie (3D) für mich: Ein Verlierer, der seine schöpferische Erzählkraft und sein animiertes Potenzial in den Wind schleudert und noch nicht mal 3D ausreizt, um hier wenigstens für Szenen zu sorgen, die im Gedächtnis bleiben. Und als Quintessenz dann das Wörtchen ‘Belanglosigkeit’ mit aus dem Saal zu tragen, ist doch das schlimmste, was einem Film überhaupt passieren kann, oder?
Warum geht man nicht hin und opfert hier etwas mehr kreativen Freiraum? Wieso spendiert man von dem vielen Geld, das da sicherlich im Hintergrund steckt, nicht einfach ein wenig mehr in die richtigen Positionen, um einen zweiten Großerfolg einzufahren, der nicht nach Belanglosigkeit und Bedeutungsfreiheit stinkt?
Ich weiß es nicht. Für mich wieder mal ein klassisches Beispiel dafür, dass genau die Filme, in die man als Nicht-Kinogänger permanent rennt, die schlechtesten von allen sind und man sich besser beraten ließe, bevor man sich ein .kinoticket löst – ich geb mir die größte Mühe, euch hier solch eine Einschätzung zu liefern.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn das Niedlichkeitspotenzial wieder zum Himmel stinkt: Reingehen würde ich hier auf keinen Fall nochmal.
Und das 3D sollte man sich auch geflissentlich schenken, denn das ist quasi so gut wie gar nicht vorhanden, außer vielleicht auf den Abrisskarten und als Lücke im Geldbeutel. Und das bei einem animierten Film (wo geht denn 3D besser wenn nicht hier?) – ein Armutszeugnis für eine Filmschmiede wie Disney, die dazu noch von allen derart viel Kohle abknüpft und kleine Kinos zerstört … ihr werdet mir immer unsympathischer. Hört das irgendwann wieder auf oder geht das jetzt immer so weiter mit euch? Ist ja nur ne Frage …

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Die Abspannszenen und das danach ist mit fast das Beste am ganzen Film. Nein, eigentlich ist der Vorfilm das Beste am ganzen Film.

Sisters

Was hab ich auf die Veröffentlichung von Deadpool gewartet und hingefiebert … und geliefert wurde Sisters. Mit so einer Enttäuschung schon vor dem Vorspann konfrontiert zu werden, benötigt bei mir dann viel Aufwand, um mich wieder in eine halbwegs akzeptable Stimmungslage zu versetzen. Und das hat Sisters so absolut gar nicht geschafft.
Der Film war von mir zwar auf die Liste der zu sichtenden Filme gesetzt worden, weil im Trailer schon einige Szenen angerissen wurden, die ihn für halbwegs sehenswert ausgezeichnet haben, jedoch bestanden meine Hoffnungen darin, die sehnsüchtig herbeigewünschte Kippe zum empfehlenswerten Comedy-Streifen zu schaffen, statt den Zuschauer mit biederen Billigwitzen zu konfrontieren und darauf zu setzen, dass genügend Dumme im Publikum sitzen, die so etwas lustig finden.
Zur Zeit wird viel Fäkalhumor versprüht und auf Themen gesetzt, die weder mit Sittsamkeit noch anständigen Lehren zu tun haben. Vermutlich holt man so aus der unteren Gesellschaftsschicht wieder Kohle nach oben, um neue Einnahmequellen zu sichern und Menschen ins Kino zu locken, die sowas “geil” finden.
So und nicht anders wirken Tina Fey und Amy Poehler auf mich, wenn sie als viel zu alte Spinatwachteln versuchen, ihre verlorene Kindheit zurückzuerobern und damit kläglich scheitern. Denn nicht anders kann man das Unterfangen der beiden bezeichnen. Nochmal jung sein, nochmal Party machen, nochmal im Kielwasser von Robert DeNiro mitschwingen und einen Erfolgshit landen, der die Massen ins Kino zieht … der Plan ist fehlgeschlagen.
Der Humor trifft absolut nicht meinen Geschmack, sondern löst eher würgereizbehaftetes Fremdschämen aus. Das Niveau der Jokes ist derart niedrig, dass der Fall gar nicht lange dauern kann. Irgendwie will keine Stimmung aufkommen, die etwas von Heimeligkeit oder Sympathie in sich trägt, sondern man fragt sich eher die ganze Zeit, wie lange man dieses Pack noch ertragen muss, bevor man endlich vom Nachspann erlöst wird.
Klar, einen oder zwei gibt’s immer, die dabei dann lachen – was für mich einfach nur zeigt, dass die Gesellschaft Gottseidank immer noch aus verschiedenen Charakteren besteht und nicht alle denselben Humor haben. Und das ist für mich auch der einzige Grund, weshalb dieser Film “besteht”: Es gibt Menschen, die sowas tatsächlich lustig finden und für die ist der Film da. Alle anderen sollten einen weiten Bogen darum machen, denn unter lachkrampfartiger Unterhaltung verstehe ich etwas völlig anderes.
So richtig Sinn macht der Film überhaupt nicht, da weder etwas positives vorgelebt wird, noch irgendwelche nachahmbaren Ziele vorgestellt werden, die erstrebenswert wären. Am Ende ist einfach alles sinnlos und das Fremdschämen war völlig umsonst, was nicht zuletzt am Nachspann ersichtlich ist, wenn offensichtliche “Outtakes” vorgestellt werden, die einfach nicht witzig sind.
Hier wird also mit den Elementen gespielt, die man schon aus Filmen wie Bad Neighbors kennt: Einfach wahnsinnig übertrieben, viel zu alt und dann auf jung getrimmt und einfach nur durchgeknallt sein, ohne großartige Inhalte dazu zu liefern. Hätte man hierzu noch etwas mehr Profil auf die Gesichter projiziert, dem ganzen etwas mehr Seele eingehaucht und auf einige Peinlichkeiten verzichtet, wäre daraus sicherlich eine interessante Gesellschaftsstudie geworden, die auf komischer Plattform die unverhinderlichen Züge des Lebens analysiert und damit umzugehen versucht.
Und was kommt dabei raus?
“Komm, machen wir einfach ganz viel unter der Gürtellinie und hauen richtig auf den Putz, dann wird das schon werden.”
Und ganz so einfach ist es am Ende dann eben doch nicht, weil die Enttäuschung nicht nur permanent in der Luft liegt, sondern Kinder gebiert und in den Mägen der Zuschauer so richtig zum Tragen kommt. Fehlschuss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man schaue sich den Trailer mit offenen Augen an und sei sich dessen bewusst, dass hier kein großartiges Etablissement dahintersteckt, sondern “mehr” einfach nicht kommen wird.
Ist man mit dieser Tatsache befriedigt, wird man im Film durchaus respektabel unterhalten und kann vielleicht hier und da auch mal lachen. Findet man diesen Humor absolut nicht witzig, dann ändert der Hauptfilm auch nichts mehr an der Tatsache, dass hier einfach der Boden fehlt, auf dem das Konstrukt gebaut werden soll. Und solche Einrichtungen sind von vornherein dazu verdammt, zu scheitern.

 
Nachspann
liefert die oben bereits erwähnten “Outtakes”, wobei ich mir da nicht ganz sicher war, ob die nicht absichtlich produziert wurden. Ich fand’s im Gegensatz zu anderen Filmen absolut nicht komisch, sondern eher erbärmlich.

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