.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kino

Das “Gender-Problem” in den Köpfen der Menschen und wie man es los wird

Ich finde es immer wieder bezeichnend, zu was sich der Mensch alles aufraffen kann und mit welcher Inbrunst sich dann Themen ergeben wird, die im Verlauf der gesellschaftlichen Diskussion ad absurdum geführt werden, dass es nur so kracht – Hauptsache, es wird drauf geschlagen und man kann seiner rasenden Wut und tobenden Blindheit in irgendeiner Form Luft machen. Um die Idee an sich geht es schon längst nicht mehr, sondern ganz andere Dinge bekommen eine unfassbare Wichtigkeit zugeschrieben – die ich hiermit einfach mal offen anzweifle.

Und ich wage es, ein paar Gedanken darüber zu verlieren und sogar offen mit Namen und Impressum zu meinen Aussagen zu stehen in dem blinden, unvernünftigen Glauben daran, dass es Menschen gibt, die diese Worte lesen und deren erstes Ziel es ist, sachlich, fundiert und respektvoll darüber sprechen zu wollen. Bestenfalls, bevor sie mich steinigen oder erschießen. Vielleicht lässt sich ja dann doch konstruktiv miteinander kommunizieren … ich lass es auf den Versuch ankommen.

Es geht – wie ihr der Überschrift bereits entnehmen konntet – um “gendern” und alles, was damit zusammenhängt.

Ja, ich denke, niemandem ist entgangen, dass in jüngster Zeit eine Epoche angebrochen ist, in der Umwälzungen stattfinden, in der sich aufgelehnt wird gegen Strukturen, Machtprinzipien, gesellschaftliche Gepflogenheiten und Martyrien, die sich – bewusst oder unbewusst – in den Denkweisen der Menschheit festgesetzt haben und die berechtigterweise angezweifelt werden dürfen, sollen und müssen.

Ganz konkret: Das Bild der Frau, den Status der Frau, die Wahrnehmung der Frau, einfach alles, was Frauen angeht und die ungerechtfertigte und ungerechte Handhabe, mit der das weibliche “Ich” in der Gesellschaft dargestellt, geformt, benutzt wird.

Es gab Zeiten, da waren solche Dinge egal, es war wie es war und jeder hat gemacht, was alle gemacht haben – die Frauen hatten ihren Stand und mussten damit leben – basta. Diese damalige “Normalität” ist passé – das sollte eigentlich in jedem Kopf angekommen sein, denn sonst wäre es niemals zu solch einem Aufschwung an Frauenrechtsbewegungen und Diskussionen über Gendergleichheit etc. gekommen.

Ich stelle an dieser Stelle einfach mal ein paar Fragen und versuche, ein paar Dinge klarzustellen, die sich wieder mit der Ursprünglichkeit dieser Idee befassen und nicht bloß die reine reißerische Wut von ungerecht behandelten Individuen bedienen. Genau darin liegt meiner Meinung nach nämlich ein Problem, mit dem sich diese Bewegungen auch in Zukunft noch auseinanderzusetzen haben.

Fragen wir also erst einmal: Was ist eine Frau? Und was ist ein Mann? Gibt es da Unterschiede?

Back to the roots also, zurück zu den Ursprüngen. Im biblischen Glauben hat Gott den Mann erschaffen und die Frau aus seiner Rippe geschnitten, die Bibel und das gesamte religiös betrachtete christliche Metier basiert also auf den Annahmen, die Frau sei “minderwertig” gegenüber dem Mann und ihm untertan, ihm hörig und quasi nur ein “Spielzeug” seines Willen, ihm zu Diensten und sollte seine Befehle befolgen und ihm ein möglichst gutes Leben bescheren.

Sei dahingestellt, was ich von Religion halte, dürften meine Leser längst wissen. Schieben wir das also vorerst beiseite und fragen uns auf biologischer Ebene: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Gibt es da Unterschiede?

Verzeiht meine offene Ansprache: Aber ja doch! Die Frau ist mit weiblichen Geschlechtsteilen gesegnet, der Mann mit männlichen Geschlechtsteilen. Körperbau ist verschieden, jede dieser Arten hat eigene “Bauformen” und gewisse spezifische Merkmale, die sieihnersiees unverkennbar zu dem machen, als was man die Bezeichnung gebraucht (merkt ihr, wie’s anfängt, kompliziert zu werden?).

Wir halten fest: Es gibt biologische Unterschiede.

Und dagegen kann man wenig bis gar nichts machen. Niemand sucht sich aus, ob bei der Geburt das männliche oder weibliche Geschlecht aus dem Mutterleib schlüpft, niemand hat Einfluss darauf, welche spezifischen biologischen Merkmale das Kind im Fortgang seines Lebens entwickelt. Rein biologisch gesehen sind wir also gewissermaßen einem Zufallsprinzip unterworfen und müssen “nehmen was wir kriegen”.

Das führt mich automatisch zu dem Part, den wir tatsächlich beeinflussen können: Der sozialen Wahrnehmung des Menschen, der vor uns steht und wie wir mit ihm umgehen. Wir als Menschheit, wir als Kulturausführende können nämlich entscheiden, wie unsere Handlungen aussehen und wie wir mit Wahrnehmungen, Aussprachen, Umgang innerhalb der Gesellschaft hantieren und was wir einander zumuten und was nicht.

Und da existieren ein Haufen Fragen, auf die viele schlichtweg gar keine Antworten wissen und die sie auch bis heute schuldig bleiben.

Ich geh mal ein paar Absätze zurück in meinem Text:

"Der sozialen Wahrnehmung des Menschen, der vor uns steht und wie wir mit ihm umgehen."

Ist der Satz korrekt? Darf ich “der Mensch” sagen, obwohl das eine eindeutig männliche Bezeichnung ist vom Wortstamm her, oder fühlt sich “Frau” dann gleich minderbeachtet und gedisst?

Heißt es neuerdings “Der sozialen Wahrnehmung der Menschin, die vor uns steht” und ist das rot unterstrichene in meinem Wortschöpfungsapparat das Übel, gegen das alle Welt protestiert?

Wie soll ich im weiteren Verlauf des Satzes dann damit umgehen? Darf ich mich auf die männliche Wortform beziehen oder bedeutet das automatisch, dass ich ein Frauenhasser bin, weil ich nicht alles und jeden einbezogen habe, obwohl auch der Duden hier keine mir bekannten Vorgaben dazu macht?

Wie soll es heißen? Ist “wie wir mit ihm umgehen” dann richtig? Oder muss es “ihr” heißen? Oder muss ich etwas völlig neues erschaffen, dass sich von der Persönlichkeitsform vollständig distanziert? Oder muss automatisch in mir ein Glöcklein klingeln, wenn nicht alle bekannten und unbekannten Persönlichkeitsformen angesprochen worden sind?

Wäre der Satz dann richtig, wenn ich “Der sozialen Wahrnehmung des Menschen und der Menschin, der und die vor uns steht und wie wir mit ihm und ihr umgehen” schreibe? Oder mucken jetzt die Transgender auf, weil die sich nicht ausreichend beachtet fühlen?

Wer muss zuerst genannt werden? Heißt es also nicht, wie oben eben geschrieben, sondern vielmehr:

“Der sozialen Wahrnehmung der Menschin sowie des Menschen als gleichwohl des Menschen und der Menschin, die als auch der, sowie der als auch die vor uns steht und wie wir mit ihr, ihm als auch ihm und ihr umgehen”?

Wäre es also noch richtiger, wenn ich schreibe:

“Der, die, das, jede und keine soziale/n Wahrnehmung der, des, dem, dessen Menschen und der, die das Menschin, sowie des Mensches, deren Mensch und oder -in und sämtliche und gleichwohl keine -in und oder Mensch/Es, der, die, das, derer, dessen, den da vor uns steht, stehen, stehe und wie wir mit ihm, ihr, ihnen, es, nichts und allem umgehen” – und wem macht das noch Spaß zu lesen?

Ja, es geht nicht um Spaß, sondern den Frauenrechtlerinnen ist es bitterernst und sie sehen die Welt dem Tode geweiht, wenn wir nicht alle augenblicklich korrekt und richtig handeln.

Also: Was ist richtig?

Was wollen wir in Zukunft für eine Welt haben, in der gelebt wird? Was wäre das maximale Ultimo, das perfekte Weltbild, das ihr anstrebt? Wie wäre es in euren Augen vollkommen?

Ganz auf sächlich umzuschwenken und die Persona innerhalb der Sprache gänzlich zu assimilieren?

“Das Kind hat das Erlaubnis des Elter einzuholen, ob es zum Spielen mit das anderen Kinds nach draußen darf.”

Ist das die Sprache, die niemanden mehr verletzt und das, was ihr euch wünscht, dem jeder nachgeht?

Und warum fühlt ihr euch überhaupt verletzt?

Worum ging es eigentlich nochmal?

Um die Stellung der Frau, ihre Handhabe und den Umgang in der kulturellen und gesellschaftlichen Welt – um die allgemeine Wahrnehmung einer bislang minder beachtet und behandelten Allgemeinheit, die sich zu Recht auflehnt, oder hab ich was verpasst?

Es ging doch darum, dass es gesellschaftliche Strukturen gibt und gab, die es Frauen per se verbot, gewisse Berufe auszuüben. Es ging doch um grundlegende Diffamierungen durch z.B. unterschiedliche Bezahlungshöhen, die ungerechtfertigterweise für gleiche oder bessere Leistungen erbracht wurden und werden – weniger Lohn und Achtung, weniger Respekt auf Basis eines nicht beeinflussbaren Geschlechterzufalls, für den niemand etwas kann, weil er nicht beeinflussbar ist. Oder hab ich immer noch etwas verpasst?

Um das mal auf die Filmwelt zu beziehen (immerhin ist das hier noch ein Kinoblog und keine Gender-Diskussionsplattform, auch wenn diese Problematik den Kinobereich längst erreicht und mit konstruktiven Beiträgen bereichert hat): Es geht doch darum, dass die Frau als solches eine grundlegend neue Betrachtungs- und Ansehensweise erfährt, man ihr Zugang gewährt zu Arealen, in denen sie sich gleichermaßen beweisen kann und Behinderungen, die aufgrund eines Geschlechterunterschieds geschaffen wurden, zerstört und abgeschafft werden. Dass ihr Zugang “gewährt” werden muss, ist der Fehler, oder? Sie sollte ihn einfach haben und nicht “von oben herab zugebilligt kriegen”.

Zu Deutsch:

Gebt den Frauen endlich das Recht, gleiche Rollen in Filmen zu besetzen. Gebt ihnen die gleichen Löhne für die Anzahl gespielter Minuten. Bezahlt sie genauso anständig und fürstlich, wie ihre männlichen Pendants. Macht keinen Unterschied zwischen sozialen Gepflogenheiten wie Löhnen. Benutzt die Frauen in Filmen nicht als Objekte der Begierde oder als “Fickstücke”, hört ganz damit auf und räumt ihnen einen ehrbaren, würdigen und anständigen Platz inmitten aller ein, auf dass sich keine einzige ausgeschlossen, diskriminiert, verletzt oder ausgestoßen fühlt.

Lasst es egal sein, ob eine Rolle ein Mann oder eine Frau belegt, weil diese Unterschiede keine nennenswerten Unterschiede sein sollten. Gebt Frauen das Recht, sich über intellektuelle Themen zu unterhalten und macht sie nicht zu Sklaven männlicher Interessen. Würdigt sie durch Anerkennung, Lob, Ehre, Raum, Platz zur Entfaltung, faire Bezahlungen, gleiche Beachtung, Achtung und den selben Respekt, den ihr bisher nur Männern gegenüber gebracht habt.

Hört auf, sie als “pornöse Stücke” zu behandeln, macht sie stark, gebt ihren Charakteren Kraft, Waffen, Intelligenz und fangt endlich an, ihre längst vorhandenen Stärken zu erkennen und zu würdigen.

Liege ich richtig?

Es gibt so viele herrliche Beispiele, die mir sofort in den Sinn kommen, wo ich jedesmal dachte: Gottseidank hatte eine Frau das Zepter in der Hand, ein Mann hätte das nie so geil hingekriegt.

The Virgin Suicides – ein Debütfilm einer Frau, der mich schon als Kind monströs begeistert hat und der die zärtlichen, sinnlichen, wütenden, rebellischen Gedanken von Kids auffängt und ihnen Raum gibt, sich in einer berührenden Art und Weise zu entfalten. Wow!

The Hurt Locker – böser Film, Krieg, Männerdomäne, krankes Hirn, gestörter Geist, großartiger Film – geschaffen von einer Frau! Großer Gott – eine Frau! Wahnsinn! Ein Mann hätte womöglich nur Waffen hergenommen und rumgeballert (Oder diskriminier ich hier grad Männer? Aber die haben’s ja verdient, oder? Stichwort: Mantrash, richtig?) << Falsch. Da fehlt nämlich genau der Respekt, der in einer gleichbehandelten Welt sowohl Mann als auch Frau zusteht.

Zero Dark Thirty – ich knie vor dem Werk vor Erstaunen und Begeisterung. Geschaffen von einer Frau. Gott sei dank! Männer hätten darauf womöglich einfach nur eine Jagd auf einen Terroristen gemacht.

Geht es womöglich am Ende gar nicht um männlich oder weiblich, sächlich oder irgendwas, sondern einfach um ein respektvolles Miteinander und gleiche, faire Behandlung untereinander ohne dass partout eine Form eines Geschlechts benachteiligt wird? Kommen wir jetzt dem Ursprungsgedanken der “Gleichheit” näher?

Um das mal zwischen rein zu werfen: Manche Dinge lassen sich auch in einer perfekt gleich ausgewogenen Welt nicht ändern: Männer kriegen keine Kinder, Frauen wächst kein Penis. Und Sperma entwickelt sich biologisch gesehen auch selten in weiblichen Gefilden. Hier “verbietet” die Natur also von sich aus eine Gleichschaltung von allem und jedem und aller und jeder und schiebt diesem “Wahnsinn” einen natürlichen Riegel vor, weil es eben doch Unterschiede gibt und die auch gut sein können. Stichwort: Vielfalt.

Oder zweifelt ihr die Geschlechter grundsätzlich an und haltet es generell für falsch, dass es Frauen und Männer gibt und hättet lieber eine komplette De-Geschlechterisierung, die euer perfektes Weltbild ausmacht? Hab ich das letztendlich doch alles missverstanden?

Und ist es – religiös gesprochen – nicht eine Auflehnung gegen Gott, wenn man seine Schöpfung dermaßen anzweifelt und kritisiert und versucht, durch Gleichschaltung sämtliche Unterschiede aus dem Weg zu räumen?

Aber Religion versagt ja eh auf allen Stufen – das wird nur zum Machtmissbrauch hergenommen, also die beste Vorstufe, um wieder Machtmissbrauch zu betreiben und die Frau kategorisch unter den Mann zu zwingen, merkt ihrs?

Was ist also wichtig?

Ich finde: Dass Frauen für ihre Leistungen bezahlt werden – und grundsätzlich die Möglichkeiten existieren, dass sie die überhaupt erbringen dürfen und können.

Frauen müssen wählen können, mit gleicher Gewichtung im gesellschaftlichen und politischen Umfeld gewertet werden, eine gleich starke Stimme haben wie alle andren und sich aktiv am Bildungsprozess einer Nation beteiligen ohne auf “Brüste und Mutter” reduziert zu werden.

Was haben in so einer Welt Dinge wie eine “Ladies Night” verloren?

Ja, solche Events gab es, und gibt es noch.

Ladies Night – eine Vorauswahl an Filmen, die womöglich Frauen gut gefallen wird, weil hauptsächlich Themen angesprochen werden, die klischeehaft in das Bild der Frau passen, wie wir sie aus vergangenen Zeiten definiert kennen.

Männerabend – eine Vorauswahl an Filmen, die womöglich Männern gut gefallen wird, weil hauptsächlich Themen angesprochen werden, die klischeehaft in das Bild des Mannes passen, wie wir ihn aus vergangenen Zeiten definiert kennen.

Ihr wollt Gleichschaltung? Hier wäre schon mal Mann und Frau – beide hätten Events, beide wären gleich beachtet. Der Skrupel liegt wohl eher darin, dass irgendwer der Meinung ist, vorgeben zu können, was Frauen und was Männern zu gefallen hat.

Ergo müsste man Einlasskontrollen erzwingen, die es verbieten würden, dass Männer in Frauenveranstaltungen und Frauen in Männerveranstaltungen gehen. Gleichermaßen müssten scharfe Auswahlkriterien erschaffen werden, die den Wert und die Ideologie dieser Vorstellungen aufrechterhalten und dafür sorgen, dass der Mann-Frau-Ausgrenzungsgedanke immer am Leben bleibt.

Dann wird’s noch krasser: Gay-Night – mit einer Vorauswahl an Filmen, in denen schwuler Männersex praktiziert wird und das Pendant dazu, die L-Night, mit einer Auswahl an Filmen, in denen Frauen mit Frauen vögeln und Männer partout ausgeschlossen werden.

Ist das Diskriminierung, die von Grund auf böse und verachtenswert ist oder lag dahinter einst einfach nur mal der Gedanke, dem Zuschauer die Auswahl des Films zu erleichtern, damit der von Anfang an eine Richtung wusste, in die sich die Inhalte des Films entwickeln werden?

Wer den sexuellen Handlungen zwischen zwei Männern nichts abgewinnen kann, dem half die Bezeichnung “Gay-Night” dabei, eben jene Vorstellungen zu meiden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Wer anspruchsvolles Kino mochte ohne Haudrauf-Action und dummes Rumgeballer, der ging eben in die sinnlichen Ladies-Night-Vorführungen, in denen es um Intellekt, Romantik, Anspruch und Eleganz ging statt um Bomben, Rache, Action und Terror.

Ist das Diskriminierung?

Ja, eindeutig: Wenn vor dem Saal jemand steht, der dir zu verstehen gibt: Du bist ein Kerl, du kommst hier nicht in die Ladies Night, nur für Frauen! Damit wird frei denkenden, selbst entscheidungsfähigen Individuen abgesprochen, eigenständig über ihr Handeln zu entscheiden und sie (die Individuen – Mehrzahl, weder Männlich noch Weiblich ^^) in eine Rolle gepresst, die über den freien Willen hinweg deklarieren möchte – und das ist in höchstem Maße falsch.

So etwas ist mir in vielen Jahrzehnten massiven Kinobesuchs aber nicht ein einziges Mal untergekommen. Im Gegenteil: Ich war selten der einzige “fremden Geschlechts”, der im Saal saß, sondern das Publikum ist seit jeher bunt gemischt und hat damit dieser “Bezeichnung” in keinem Maße einen Wert beigemessen oder sich daran gestört, dass diese Events mit “Frau”, “Mann”, “schwul” und “lesbisch” betitelt wurden, sondern sich auf den Film gefreut und die Inhalte genossen.

Menschen auf Twitter stören sich aber daran … und bringen Belege von anderen, die darauf schließen lassen, dass sie selbst noch niemals in einer solcher Vorstellungen gewesen sind (belehrt mich eines besseren, wenn dem nicht so ist) und darum gar nicht wissen können, “was da überhaupt abgeht” – mockieren sich dann aber in einer rasenden Wut und äußern, ohne den anderen zu kennen, dann angebliche Tatsachen über mich ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, wer ich überhaupt bin und wie ich zu den Dingen stehe und darüber denke.

Als Twitter-Nutzer stehe ich also sofort mitten in einem rasenden Kampf und Aufschrei, der mich zum niederen Objekt degradiert, dass “nicht kapiert, dass” und bei dem alles schon längst verloren ist. Fanatismus in Perfektion – und da wundert sich jemand darüber, dass es Menschen gibt, die solche Diskussionen inzwischen leid sind, weil es ja gar kein richtig mehr gibt oder geben soll, sondern es nur noch darum geht, seinen Hass in die Welt rauszuposaunen ohne überhaupt zu wissen, wovon man spricht oder den anderen sachlich und ruhig über die Lage aufzuklären?

Was ist wichtig? Dass es endlich Frauen in Hauptrollen gibt, die selbstverständlich besetzt wurden?

Dass es solche krassen Lohnunterschiede bei Filmen nicht mehr gibt?

Dass Frauen in Managerpositionen sind und auch deren Gehaltsklassen einstreichen für gleiche Arbeitsleistung?

Dass eine Gesellschaft keinen Hehl darum machen braucht, ob Mann oder Frau, sondern es wieder um Leistung geht oder um Talent und das Vermögen, etwas durchzuführen und zum erfolgreichen Ziel zu bringen, als um ein “…in” oder ein Lady oder Man im Namen?

Die Zuschauerschaft vom CinemaxX hat das längst kapiert und bevölkert die Vorstellungen nicht mehr um der “Ladies” oder “Männer” im Titel, und es diskutiert auch niemand darüber, dass diese Vorstellung jetzt primär an jemand gerichtet sei oder nicht … sondern sie suchen sich die Events um der Filmtitel willen aus und wissen manchmal gar nicht, dass das eine “Ladies Night” ist oder ein “Männerabend” und wundern sich, dass es zum vergünstigten Eintritt noch ein gratis Getränk und Zeitschrift on top dazu gibt.

Und ja, ich liebe den Anspruch der Ladies Night und lasse freiwillig so manchen Männerabend aus, weil mir die Filme zu anspruchslos sind – und ich bin auch kein Biertrinker, sondern steh auf das Gesöff, dass den “Damen” feilgeboten wird: Sekt lässt sich als Non-Alkoholiker und Nicht-Biertrinker eben doch leichter kippen als die Pulle Weizen.

Und da kommen wir zu einem entscheidenden, in meinen Augen extrem wichtigen Faktor in dieser ganzen Debatte: Der Relevanz.

Es gibt scheinbar unzählige Menschen, denen diese Vorstellungen zusagen, sonst wären sie von der Kette längst abgeschafft worden. Und keiner hatte bis heute damit Probleme.

Und dann läuft jemand daher, sieht womöglich zum ersten Mal solch ein Plakat, und rennt erbost in die Welt und fängt an, fanatisch Leute zu diskreditieren, die längst bemerkt haben, dass es auf diese “Aufteilung” längst nicht mehr ankommt, sondern sich die Geschlechter im Publikum längst gemischt haben, aber von all dem kann man eben nur Ahnung haben, wenn man auch dort war.

An dieser Stelle ist eine erboste Beschwerde für mich dann relevanzlos, denn hier weiß jemand offensichtlich nicht, was gespielt wird – im wahrsten Sinne des Wortes. Also besteht auch kein Grund oder Recht, sich darüber zu beschweren, da diese Person auch in Zukunft womöglich kaum in die “Höhle des Löwen” steigen und sich der “diskriminierenden Vorstellung” ergeben und dafür sogar Geld bezahlen möchte. Nehme ich an und hoffe, dass ich falsch damit liege.

Und ich stehe zu meinem Wort: Melde dich bei mir – ich lade dich gerne dazu ein und trag auch die Kosten dafür!

Die Foyers dieser Kinos sind groß genug, um nach der Veranstaltung wahllos Leute aus dem Publikum zu picken und sie darauf anzusprechen, ob die Bezeichnungen noch zeitgemäß sind und rechtens oder hier einem ganzen Geschlecht Unrecht getan wird. Ich bin Blogger, ich bin solche Umfragen gewöhnt – stell dich an meine Seite – ich lade dich öffentlich dazu ein. Wo immer du wohnst, ich komme in das nächstgelegene CinemaxX zu dir und wir erleben dort einen Abend gemeinsam – du darfst wählen, ob Männerabend oder Ladies Night.

Hier wären nämlich die nächsten Fragen:

Wenn Frauen mit der Bezeichnung “Ladies Night” diskriminiert werden, warum wählen sie dann offensichtlich aus freien Stücken solche Events und gehen da rein? In unserem aufgeklärten Zeitalter?

Werden sie womöglich dazu gezwungen? Ist hier ein unaufgedeckter Skandal verborgen, der massenweise Menschen gegen ihren Willen ins Kino zwingt?

Wenn Männer mit “Männerabend” diskriminiert werden, warum tun sie sich das dann an und gehen in diese Vorstellungen? Welche Bedeutungen misst man dieser Bezeichnung bei? Spielt das eine Rolle, die solche ausufernde Ausmaße annimmt, dass jemand “von außen” kommen und hier endlich mal aufräumen muss, damit die Welt endlich ertragbar wird?

Was genau ist sooooo schlimm und furchtbar daran, dass an diesen Events (die im übrigen immer mehr erweitert und erneuert werden) noch nichts geändert wurde und man am Ende in ein paar Jahren dann vielleicht “Actionabend” und “Romantic Movie Event” dazu sagt?

Kommen dann die Comedy-Genre-Fraktion und Horror-Spezies angerannt und fühlen sich diskriminiert, weil nur Action und Romantik gezeigt wird? 😉 Und was ist mit der “Rettet die deutsche Sprache”-Fraktion? Fühlt die sich diskriminiert, weil man “Event” sagt und nicht “Ereignis”?

Merkt ihr, dass es längst vom eigentlich Weg abgewichen ist und wir hier über Dinge diskutieren, die prinzipiell niemandem weiterhelfen, außer dass man gegenseitig aufeinander losgehen und den anderen für seine Dummheit beschimpfen kann und ihn kategorisch verurteilen, obwohl man nicht ein einziges Mal gefragt hat oder gar anständig miteinander gesprochen?

Reden ist solch eine heilsame Medizin und es gibt wahrlich Gründe, wofür die Frauenrechte-Bewegung perfekt ist: Opfer der #metoo-Gewalttaten, Frauen, denen der Aufstieg ihrer Karriere versagt wurde, weil irgendwelche Bosse sich nur mit ihnen vergnügen wollten.

Der Film #FemalePleasure, den ich nochmals jedem ans Herz lege – der sich wirklich um Diskriminierung und Ungerechtigkeiten bei Frauen kümmert und dies plausibel darlegt und weltweit beleuchtet – auch ein Meisterwerk, das jeder gesehen haben sollte.

Fakten wie derzeit in On the Basis of Sex auf den Leinwänden gezeigt wird, Suffragette und andere Filme, die offensichtliches Unrecht gegenüber dem weiblichen Geschlecht offenlegen und zeigen, dass ein Aufstand bitter nötig ist.

Und macht es, weil ihr es könnt. Nicht, weil ihr Quoten erfüllen müsst. Eine Quotenfrau – das ist Diskriminierung. Nur jemand weibliches nehmen, weil irgend ein Gesetz es vorschreibt. Nur eine Frau besetzen, weil ein Gesetz es vorschreibt. Das ist das Problem. Nehmt eine Frau, weil Frauen es auf dem Kasten haben und können! Weil die Weiblichkeit unsere Welt um so dermaßen viele Dinge bereichert, ohne die auch eine männliche Welt nicht auskommt. Hört auf, solche dümmlichen Vergleiche mit “Mann vs. Frau vs. Mann vs. Frau” anzustellen.

Habt Respekt! Respektiert euch gegenseitig. Achtet euch. Achtet einander. Liebt den anderen. Lebt es vor. Macht es besser. Versucht nicht, den anderen zu ändern oder durch Hass und Aggression diese Welt zu verändern, sondern lebt es vor – seid selbst der Unterschied, den ihr euch in dieser Welt wünscht.

Vergebt, wenn es Unsicherheiten gibt – auch ich habe viele und oftmals größte Angst davor, eines Tages an den Pranger gestellt zu werden, weil ich unwissentlich eine Reihenfolge nicht eingehalten oder jemand genannt oder nicht genannt habe – ich lege auf solche Dinge keinen Wert, weil es mir auf Inhalte ankommt und nicht auf weiblich oder männlich. Es soll gut klingen, es soll ein guter Lesefluss sein und was das stört, empfinde ich als störend.

Also schreibe ich so, wie ich vermute und hoffe, dass es gut und flüssig lesbar ist und sich der Besucher nicht durch widerwärtige Formulierungen abgestoßen fühlt, sondern alles in einem “samtweichen Bett” serviert wird, dass tatsächlich Freude bereitet und nicht nach Beamtendeutsch klingt.

Fühlt euch nicht genötigt, das zu lesen, wenn ihr nicht möchtet – ihr seid frei. Frei in euren Entscheidungen. Genießt diese Freiheit. Lebt so, dass ihr den höchstmöglichen Spaß und Freude an eurem Dasein empfindet – und wenn ein “Männerabend” da nicht dazu gehört, dann geht nicht hin. Euer Wegbleiben wird dafür sorgen, dass der Stuhl, den ihr bevölkert hättet, leer bleibt. Keiner zwingt euch dazu, solche Handlungen zu vollführen. Eine oder einer weniger in diesen euren Augen sündigen Vorstellungen wider die Weiblichkeit.

Macht konstruktive Vorschläge, wie etwas besser sein könnte – schreibt, wie ihr es nennen würdet. Gründet ein Kino und führt solche Vorstellungen ein – die richtig benannt sind, wenn ihr das Gefühl habt, dass genau dies die Welt zu einem besseren Ort macht. Es ist euer Recht das zu tun. Es bringt Vielfalt und bereichert den Markt an Möglichkeiten und ist ein Zugewinn fürs Publikum und die ganze Nation.

Kreiert Filme und macht auf Ungerechtigkeiten aufmerksam, die euch auffallen. Bringt sie ins Kino. Redet mit den Menschen dort und findet heraus, ob die Dinge wirklich so offensiv falsch sind und stören.

Macht die Welt zu einem besseren Ort. Ich schau mir eure Beiträge gerne an und geb meinen Senf wie üblich in meinem Blog dazu ab.

Ich freue mich auf eure Beiträge.

Und auf die Meldung, in welches CinemaxX ich kommen darf und die betroffene Person zu solch einem Abend einladen.

Leto (inkl. Gewinnspiel)


© 2018 Weltkino Filmverleih

 

So Leute: Auf euch wartet ein immens wichtiger Film, zu dem es viel zu sagen gibt. Und damit den möglichst viele sehen, hat Weltkino euch 2×2 Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die unter diesem Beitrag verlost werden.

Kirill Serebrennikow – der Director dieser Erinnerungsnacherzählung von Natalia Naumenko – steht seit dem 23. August 2017 (!) in Russland unter Hausarrest, der es ihm verbietet, weitere Stellungnahmen zu seinem Werk zu äußern und der es ihm u.a. auch verbot, seine eigene Weltpremiere im Rahmen des Wettbewerbs der Filmfestspiele in Cannes zu besuchen.

Er wurde während der finalen Drehaufnahmen festgenommen und hat den Film darum unter Hausarrest fertiggestellt. Künstler wie Cate Blanchett, Volker Schlöndorff und Nina Hoss solidarisierten sich mit ihm und forderten seine sofortige Freilassung.

Ihr spürt, welche Brisanz in diesem Thema steckt? Schaut euch das Plakat an und ratet mal, worum es geht…

Musik, Unterhaltung, Entertainment, das Volk durch Worte und Töne zu bewegen, emotional mitzureißen und dabei nicht vollkommen diktatorisch zensiert zu werden.

Ja, wenn ihr gegen das System seid: Das ist euer Film.

Ich liebe ihn und werde ihn so oft schauen, wie es mir irgendwie möglich ist – denn das trifft genau den Kern auf den Punkt: Der Musik-Style ist der meine, die Botschaften hinter den Texten sind die meinen und der Grundgedanke an die Freiheit künstlerischen Schaffens ist das, wofür ich quasi lebe. Und dieser Film erzählt keinen fiktiven Schwachsinn, sondern basiert auf den Erinnerungen von Natalia, die das damals alles live so erlebt hat und quasi das Portrait der geistigen Gefangenschaft eines ganzen Volkes durch Serebrennikow dokumentiert und über die Leinwände in die Welt hinaus schreit.

Moah, spürt ihr diesen Vibe? Spürt ihr, wie wichtig Kino tatsächlich ist und was für (vom System unentdecktes) Potenzial hierin steckt, freie Gedanken äußern zu dürfen und Wahrheiten entgegen dem Willen einer Regierung doch ans Licht zu bringen und aufzudecken und das weltweit zu können? Welche demokratische Kraft auf diesen Leinwänden zu finden ist und warum es wichtig ist, dass die Menschen bis an ihr Lebensende niemals damit aufhören, Kinos zu besuchen?

All die Unterdrückung, Unmenschlichkeit und immer noch aktuelle Zensur, die durch staatliche Organe vorgenommen wird und Menschen verbietet, ihren Geist frei entfalten zu dürfen und mit etwas positivem zu füllen, wird hier in einem Film präsentiert, der es absolut in sich hat und in meinen Augen auf jede Leinwand gehört, die dieses Land zu bieten hat.

Und lasst euch von unwichtigen Randfakten nicht abschrecken: Dass der Film in schwarz-weiß gedreht wurde, ist für mich oft ein Indiz, etwas distanzierter mit der Auswahl umzugehen und es eher in die hinteren Ränge der “To do”-List zu schieben. Bei Leto hatte ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, dass in diesen Grautönen extrem viel Farbe verborgen ist und dass das einfach so sein muss und nicht anders gehört. Es wäre ein Fehler gewesen, ihn in Farbe zu drehen, weil auch das wieder die Zeitepoche dokumentiert, die Russland damals einfach so erlebt hat und deren Auswirkungen aktuell (siehe Festnahme) immer noch anhalten.

Ich feiere es, wenn irgendwo die Wahrheit gesprochen wird und es mächtige Leute gibt, die diese Wahrheiten ankotzen. Je mehr solche teils weltfremden Personen von Wahrheit angewidert sind, umso wichtiger erachte ich es, dass diese Wahrheiten gesprochen werden. Und genau das tut dieser Film in einer ehrwürdigen Form, die für mich einfach mit einem sensationellen Kinoerfolg gekrönt gehört, der wiederum Aufmerksamkeit auf Serebrennikow lenkt und ihn durch Proteste und andere Reaktionen aus seiner Gefangenschaft befreit.

Das hier ist kein Aufruf dazu, Gewalt anzuwenden oder in anderer Form auszuticken: Es ist ein Aufruf dazu, sich diesen Film anzusehen und darüber in Kenntnis zu kommen, wie es anderswo aussieht. Diese Fakten richten nämlich viele ungeraden Ansichten in den Köpfen der Menschen wieder gerade. Und dass die Welt in Tagen wie diesen so etwas bitter nötig hat, brauch ich ja wohl nicht extra erwähnen oder?

 

.kinoticket-Empfehlung: Eines der wichtigsten Werke, in denen der Kampf um die Freiheit des Geistes weitergeführt wird – das überaus gelungene Portrait einer Gesellschaft, die ihren Geist öffentlich nicht frei entfalten darf.

Filme wie dieser gehören auf die Pflicht-Liste eines jeden Menschen, egal, ob Kinogänger oder nicht: Die Wahrheiten, die hier gesprochen werden, kotzen große Regierungen an. Umso wichtiger ist es, sie weiter zu verbreiten und den Menschen zu sagen, damit die Mehrheit dieser Welt über das Gebaren Bescheid weiß und dementsprechend reagieren kann. Und wenn es nur korrigierte Ansichten im Kopf sind, weil man danach definitiv mehr weiß als vorher.

 

Nachspann
❌ I love the music, mehr Szenen kommen deshalb aber nicht. Wer also rausgehen möchte, dem sei es erlaubt.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Leto
Length: 128 Min.
Rate: FSK 12

 

G E W I N N S P I E L

Weltkino hat für euch von diesem extrem wichtigen Film 2×2 Freikarten klargemacht, die ich hiermit an euch weiter verlosen darf.

Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 11. November 2018 unter diesem Beitrag, mit wem ihr euch den Film gerne ansehen möchtet und ihr seid im Lostopf dabei. Die Gewinner/innen werden anschließend via random.org gezogen und von mir per E-Mail benachrichtigt. Gebt also unbedingt eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann.

Die Freikarten werden dann per Post zugeschickt und können von euch in jedem Kino eingelöst werden, das diesen Film regulär im Programm hat und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze zur Verfügung stellt. Genaueres erfahrt ihr dann im Anschreiben.

Ich drücke euch die Daumen und wünsche allen viel Glück und lege jedem ans Herz: Geht da rein und schaut es euch an – dieses Movie ist enorm wichtig für eine weitere gute Welt!

Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

Auf der Suche nach … Margarethe von Trotta könnte dieser Titel auch heißen, zumindest, wenn man sich die 50% des Films ansieht, die sich nicht mit Ingmar Bergman beschäftigen, sondern mit der Regisseurin Margarethe von Trotta. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen diese Frau. Ich finde nur, wenn man einen Film so nennt wie diesen, sollte man sich dann auch mit Ingmar Bergman und seinen Gepflogenheiten beschäftigen und nicht ständig ellenlange Szenen einbasteln, die sie in ihrer Schönheit durch Paris spazierend zeigen oder sich sonst in einer Form mit ihr beschäftigen.

Auf mich wirkte das stellenweise wie das Insta-Video einer Girl-Clique, die sich selbst feiert und ihren Idolen auf der Spur ist. Als wäre es kein Film von … sondern eine Selbstinszenierung von … und das machte das eigentlich ansonsten hervorragende Werk doch ein ganz klein groß wenig viel kaputt. Die Passagen, die sich tatsächlich mit Ingmar Bergman beschäftigen, sind nämlich spannend und verfolgen einmal den Gang des Films in die Epoche des Kinos und zeigen hier die Anfänge allen Seins, was selbst für unsere Generation heute interessant wäre. Auch, wenn man sich deshalb jetzt nicht zwingend seinen Filmen zuwenden möge (Geschmackssache), so ist doch der Ursprung allen Seins aus kinotechnischer Sicht definitiv einen Einblick wert.

Die andauernden Narzissmus-Phasen stören dabei halt gewaltig. “Uh, yeah, dort haben wir das, und da haben wir das … und geil war’s” – so etwas kennt man heute tatsächlich von Best Buddies, die zum Tomorrowland-Festival reisen und sich selbst dabei aufnehmen. Ganz nett, wenn man so etwas sehen möchte, dann ist aber der Titel gewaltig irreführend und diese Selbstdarstellung ist nicht nur mir negativ aufgefallen.

Sollte man sich beim Kauf des .kinotickets also für diesen Titel entscheiden, dann mit dem Wissen, dass hier zwei Persönlichkeiten großartig im Vordergrund stehen. Wer’s positiv sehen will, bekommt eben gleich zwei zum Preis von einem – dafür dann jeweils nur halb so lang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Selbstinszenierung meets hervorragende Recherche über Ingmar Bergman.

Das Werk liefert spannende Einblicke in die anfänglichen Entwicklungen des Films hin zum Kino und durchmischt sich mit girliehaftem Erinnerungsgeplänkel über alte Zeiten, die ein Massenpublikum kaum interessieren dürften. Aber wer weiß, vielleicht releast Frau von Trotta das Ding ja nicht auf Blu-ray, sondern in ihrem Instagram-Kanal, da wäre sie dann der absolute King mit ihrem Werk. Wir werden sehen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Searching for Ingmar Bergman
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12

Frohe Weihnachten 2017 (+ Weihnachts-Toplist)

IMG_4312
 
Was für ein fulminantes Jahr!
Doch ich möchte mich gar nicht in Rückblicken verzweigen, sondern alle neuen Besucher herzlich willkommen heißen. Mein Dank gilt gleichermaßen allen treuen Freunden dieses Blogs – es ist der Wahnsinn, was ihr mittlerweile aus diesem Projekt gemacht habt.
Ein ganz ganz großes Dankeschön geht auch an all die unermüdlichen Helfer und Presseveranstalter, die mit ihrem intensiven Einsatz und ausdauernder Arbeit dafür sorgen, dass jeder von uns immer mehr Filmmaterial zu Gesicht bekommt. Ich habe mich im vergangenen Jahr über jede einzelne Einladung gefreut, auch wenn ich längst nicht jede wahrnehmen konnte.
Und natürlich geht ein dickes, fettes Danke an all die großartigen Filmemacher, denen wir unfassbar viele Stunden puren Kinogenuss verdanken – macht einfach weiter damit!
 
Die Weihnachts-Toplist
Natürlich ist an Heiligabend auch im Kino abends kein Licht mehr an, da auch diese Mitarbeiter Familien und Freunde haben, mit denen sie ihr Weihnachten verbringen möchten. Aber morgen geht’s schon wieder weiter und daher hier noch eine kleine Empfehlungsliste meiner besten Filme, die man sich rund ums Fest dieses Jahr anschauen kann:
 

Platz 1: La Mélodie – Der Klang von Paris – Eine berührende und wahre Begebenheit
Platz 2: Eine bretonische Liebe – Voller Sinn für Familie und emotionale Beziehungen
Platz 3: Paddington 2 – Der süßeste und liebste und lustigste Film aller Zeiten
Platz 4: Coco – Lebendiger als das Leben – Tragisch, emotional und herzallerliebst
Platz 5: The Killing of a Sacred Deer – Schräg und daher eine prima Alternative
Platz 6: Dieses bescheuerte Herz – Spaßig und ergreifend zugleich
Platz 7: Madame – Französischer Witz und karikative Verbissenheit
Platz 8: Bo und der Weihnachtsstern – Eine gelungene Weihnachtsgeschichte
Platz 9: Liebe zu Besuch – Für die einsamen Romantiker
Platz 10: Star Wars – Die letzten Jedi – Wem das auf unserem Planeten alles zu viel ist…

 
Und damit entlasse ich euch an den Christbaum: Feiert, lasst euch reich beschenken und gebt die Liebe im kommenden Jahr permanent an andere weiter – nur so schaffen wir es, das Böse permanent zu besiegen.
Euer Ben von www.kinoticket-blog.de

Radiance (mit Gewinnspiel)

Zum Gewinnspiel für 2x 2 Kinofreikarten bitte ganz nach unten scrollen. 🙂

Jüngst habe ich hier meinen 500. Beitrag veröffentlicht und damit wohl besiegelt, dass Kino tatsächlich etwas super Wertvolles in meinem Leben ist. Als Mensch ohne weitere Einschränkungen nimmt man dies fast schon selbstverständlich zur Kenntnis und erhofft sich einfach nur immer weiter gute Unterhaltung.
Dass hinter dem Film an sich aber noch weitaus größere zeit- und kraftraubende Prozesse stehen, erkennen wohl die wenigsten. Dabei ist die Liebe zum Kino mit so viel mehr gespickt, als es auf den ersten Moment den Anschein hat.
Radiance kümmert sich innerhalb einer unglaublich bild- und tongewaltigen Version seiner selbst um einen Bereich, der den meisten wohl eher verborgen bleibt: Der Möglichkeit, auch Menschen ohne Sehvermögen in die Welt der Fantasien und Kreativität eintauchen zu lassen.
Tatsächlich gibt es unzählige Beispiele dieser Arbeit bereits jetzt schon auf dem Markt, ohne dass jemand diese als Hauptaugenmerk wahrnehmen würde. Welch schwieriger Tanz an Herausforderungen dafür hinter den Kulissen der Öffentlichkeit zu meistern ist, hat die japanische Regisseurin hierbei wunderbar herausgearbeitet.
Dabei vereint dieser Film beide meiner größten Leidenschaften und kreiert hier ein Werk, dass vor Sensibilität und Einfühlungsvermögen nur so strotzt. Die Macht, mit der man in diese farbenfrohe Dunkelheit eintaucht, scheint so hell am Leinwandhimmel, dass selbst Blinde dabei anfangen, zu sehen.
Für mich eines der reichhaltigsten, inhaltsträchtigsten und begehrenswertesten Stücke, die man in diesem Jahr auf die Leinwand gebracht hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine Würdigung an die Arbeit unzähliger Menschen, denen ihre Umwelt nicht scheißegal ist, sondern die anderen ermöglichen, auch die Zukunft, Hoffnung und Perspektive im Kino zu finden, die uns auf der Leinwand täglich geboten wird.
Radiance trifft dabei nicht nur voll ins Herz, sondern bricht die Emporen zu völlig neuen Dimensionen der Gefühlswelt auf, um allen anderen zu offenbaren, wie viel mehr in Filmen steckt – und präsentiert damit in brachialer Weise die Kraft des Kinos, die sich in Licht, Farben und Glanz widerspiegelt.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen, sondern in Ruhe bis zum Schluss genießen. Da folgen noch einige Sequenzen.
Kinostart: 14. September 2017
 

* * Gewinnspiel * *

Radiance ist ein absoluter Nischenfilm, der sicherlich nicht in großen Multiplex-Kinos anlaufen und somit die Massen erreichen wird. Umso wichtiger ist es, diese Botschaft der Gesellschaft zugänglich zu machen.
Darum habe ich vom Verleih jeweils 2x 2 Kinofreitickets für Radiance zum Verlosen bekommen, die ich hiermit an euch weitergeben möchte.
Wie funktioniert das genau?
Einfach unter diesem Beitrag oder auf Facebook im entsprechenden Post bis zum einschließlich 10. September 2017 kommentieren, dass ihr diese Tickets gerne gewinnen möchtet.
Solltet ihr gezogen werden, werde ich mich per E-Mail bei euch melden (also gebt mir bitte irgendwo per PN oder in den Kommentaren hier eine gültige E-Mail an), um eure Adressdaten zu erfragen, damit ich euch die Freitickets zuschicken kann.
Mit diesen geht ihr dann in ein Kino eurer Wahl, das Radiance im regulären Programm zeigt und gebt an der Kasse die Freitickets ab. Im Gegenzug erhaltet ihr dafür zwei .kinotickets aus dem Haus und könnt somit kostenfrei in die Vorstellung gehen.
Barauszahlung des Gewinns ist natürlich ausgeschlossen und auch sonst gelten die üblichen Regeln: Facebook, WordPress oder andere Firmen haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun. Dies wird ausschließlich von www.kinoticket-blog.de betrieben und die Freitickets wurden von Concorde Filmverleih GmbH gestellt.
Nun wünsche ich euch viel Glück und natürlich wahnsinnig tolle Unterhaltung hier im Blog und im Kino.
Ben
Kurz und knapp:

  • Unterm Beitrag im Blog oder auf Facebook bis 10. September kommentieren, dass ihr gewinnen wollt.
  • E-Mail Adresse dabei hinterlassen.
  • Am 11. September E-Mails kontrollieren und schnell antworten, falls ihr gewonnen habt.

Die Gutscheine werden euch dann per Post zugeschickt und ihr könnt ab 14. September in den Genuss dieses herausragenden Films kommen.

Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Ihr wisst, was ich von deutschen Filmen halte, kennt meine abschätzige Meinung zu deutschen Schauspielern und deren Lautdarstellungen und vernehmt an dieser Stelle, dass selbst mein hoch geschätzter Sender ZDF hier coproduziert hat.
Beste Voraussetzungen für eine positive Kritik.
Spinnt der jetzt?
Zugegeben, als ich Milan Peschel auf der Darstellerliste entdeckt habe, kamen in mir auch die größten Angstgefühle hoch und ich befürchtete das Schlimmste. Vielleicht war das auch grade mein Glück, denn mit derart niedrigen Erwartungen liegt die Arbeitsleistung dann wieder darin, diese nicht noch zu unterbieten, sondern einfach nur mäßig gute Arbeit abzuliefern.
Es wurde mehr getan. Sehr viel mehr. So richtig viel mehr.
Irgendwie fällt nämlich gar nicht so richtig auf, dass das hier eine deutsche Produktion ist, wenn man über die üblichen Filmkinderkrankheiten mal hinweg sieht. Im Gegenteil: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen hat mir sogar bis auf ein paar Ausnahmen so richtig gut gefallen.
Und das meine ich diesmal auch nicht ironisch. Gut, das Lachen des Kleinen wirkt auf den ersten Moment doch etwas befremdlich und unfreiwillig komisch, jedoch gewinnt Arved Friese als Hauptdarsteller dieser Kinderbuchverfilmung dann ganz schnell die Sympathie aller Anwesenden und punktet als glaubwürdiger und überaus charmanter Jungdarsteller in einem Bühnenstück, das die Empore guter Filme recht schnell erklimmt.
Gedreht wurde in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Berlin und Umgebung und dabei eine sehr tiefgründige, Fragen aufwerfende Geschichte erzählt, die sich mit den wichtigen Themen unserer Zeit auseinandersetzt und somit nicht nur dem jungen Publikum ein Forum für Überlegungen und Diskussionen bieten.
Dabei wird dem zärtlichen Aufbau von Gefühlen und Magie, Neugier, Herausforderungen und Problembewältigung in der sicheren Atmosphäre eines Kinder- und Jugendfilms sehr viel Raum geboten. Man hat während des Schauens sehr viel Zeit zum Entdecken und Erkunden des Lebens und stellt dem Zuschauer die Frage danach, was wirklich wichtig ist und zählt.
Einzig die Rolle des Justus von Dohnanyi hat mir ob der Undurchsichtigkeit seiner Handlungsmotive nicht ganz so gefallen, was aber dem ansonsten gut durchstrukturierten Plot mit aufgeweckten Figuren und klaren Zielen nicht weiter schadet.
Lobend erwähnen möchte ich auch nochmal die Kulisse, die hier genutzt wurde, die malerisch durchaus mit Design und Ästhetik zu beeindrucken weiß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur als Kinderbesitzer sollte man hier zuschlagen und die Chance auf richtig gutes, unverdorbenes und lehrreiches Kino vertun, sondern ein .kinoticket lösen und die große Version dieses Kinderuniversums in vollen Zügen genießen.
Der Plot ist abwechslungsreich, spannend und wird vom gesamten Cast super rüber gebracht, hier und da gibt es ein paar kleine Mankos, die aber dem gesamt positiven Eindruck keinen Schaden zufügen.
Daumen hoch!

 
Zum Schluss noch ein paar interessante Fakten über das Lachen
© Constantin Film Presseheft
☑️ Die Wissenschaft vom Lachen heißt Gelotologie und stammt vom griechischen “gelos” ab, was soviel wie “das Lachen” heißt.
☑️ Das Lachen war ursprünglich eine Drohgebärde und entstand aus dem Zähnefletschen.
☑️ Beim Lachen aktiviert der Mensch 80 Muskeln, davon 17 in seinem Gesicht.
☑️ Die Redensart “Ich mache mir vor Lachen in die Hose” hat einen wahren Kern. Denn das Lachen entspannt die Blasenmuskulatur.
☑️ 20 Sekunden herzhaft zu lachen entspricht in etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern. Somit kräftigt Lachen das Herz-Kreislauf-System.
☑️ Bären können nicht lachen, ihnen fehlen die entsprechenden Muskeln im Gesicht.
☑️ 1998 wurde der Weltlachtag eingeführt. Am ersten Sonntag im Mai lachen die Teilnehmer in mehr als 100 Ländern um Punkt 14 Uhr deutscher Zeit eine Minute lang.
☑️ Der Weltlachtag ist eine Initiative des Inders Madan Kataria, dem Gründer der weltweiten Yoga-Lach-Bewegung.
☑️ In einem Sketch der Comedytruppe Monty Python setzt das britische Militär im Zweiten Weltkrieg den “lustigsten Witz der Welt” als tödliche Waffe gegen die deutsche Wehrmacht ein.
 
Nachspann
Optisch anfangs ansprechend gestaltet bringt einen dieser auch bei gänzlichem Schauen nicht zu noch mehr Bildmaterial. Rausgehen ist also erlaubt.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén