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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Komödie Page 1 of 4

Monsieur Claude 2

Monsieur Claude 2

© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Christian Clavier ist das Aushängeschild Frankreichs fürs Kino und mittlerweile ein Garant für lustige Unterhaltung. Filme mit ihm treffen normalerweise immer voll ins Schwarze und sorgen breitflächig für Belustigung und gute Laune.

Monsieur Claude war damals ja bereits ein Überraschungserfolg sondergleichen und ich habe es tatsächlich irgendwann geschafft, mir die Blu-ray zu organisieren und ihn mir angeschaut und war … mäßig begeistert. Kein Plan – irgendwie absolut nicht mein Humor. Ich fand es zu schräg, zu langatmig, zu aufgebläht, zu wüst, zu viel.

Teil zwei knüpft nun an den Erfolg an und ändert wesentliche Charakterprinzipien, hat dadurch aber nichts von der Grundidee aufgegeben: Irgendwie bekommt jeder seine zwei Minuten und Ende. Genau das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg des Ganzen: Da sind so viele … eigentlich alle Konstellationen, Optionen, Möglichkeiten zusammengerissen, dass sich jeder da drin wiederfindet – wenn auch nur ganz kurz. Und genau da fehlt mir ein großer, roter Leitfaden dahinter: Irgendwie werden Szenen gebracht, dann ist direkt Schluss und andere Szenen werden gebracht. Grad so, dass du in manchen Szenen dann verschiedene Leute nochmal wieder siehst und daran merkst, dass doch alles irgendwo eine Geschichte sein soll.

Es sind aber viele. Zu viele. Und die sind so wild zusammengeschnitten, dass es einfach keinen Spaß macht, dem Strang zu folgen und man sich irgendwann nur noch auf “kommen da noch lustige Witze” konzentriert – die der Film gegen Ende aber immer weniger liefert, was auch zu immer mehr “Stimmungsruhe” im Saal führt. Kein Wunder also, wenn selbst die Sneak-Gemeinde diesen Film fast zur Hälfte bloß mit “mittelmäßig” bewertet und sogar einige “schlecht”-Stimmen in der Abstimmungsbox liegen.

Hier hätte man sich nicht auf “Wir hauen nochmal richtig drauf”, sondern lieber auf einen lustigen Plan konzentrieren sollen, entweder mehr Gagdichte oder mehr Kameraspielraum schaffen müssen, damit der Zuschauer nicht so wild vor sich hergetrieben wird. Und dann den Film in den Sneaks im Original mit Untertitel zu zeigen, wo die Darsteller alle dermaßen schnell sprechen (und dementsprechend schnell untertitelt werden) … denkt euch selbst, wie viel Freude das bereitet. Und sprecht dabei leise 3x hintereinander superschnell “Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?” aus 😀

.kinoticket-Empfehlung: Zu wild durcheinandergeschnitten, zu zerrissen, kein richtiger, durchgehender Plot, sondern einfach nur viel, laut und schräg: Absolut nicht mein Humor.

Hier hätte es etwas mehr Kamera-Ruhe oder als Ausgleich gegen Ende etwas mehr Gagdichte getan, um den Film noch einigermaßen zu retten. Jeder bekommt halt seine zwei Minuten, in denen er sich absolut wiederfindet – die werden aber durch abrupte Schnitte direkt beendet.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, das Lied ist ganz cool – aber nicht zwingend nötig, hier sitzen zu bleiben. Es kommen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Frau Mutter Tier

Kennt ihr diese “Bio-Mütter”? Die alles und jeden zu irgendeiner keuschen Vegan-Flunker-Krümel-Backstein-Diät erziehen müssen und alles und jeden verteufeln, der nicht vollständig in ihren eigenen Exzessen aufgeht und sich in seinen Gelüsten allem und jedem beugt und dann der ganzen Welt vorspielt, wie toll und einfach doch alles ist, nur, um hintenrum dann zusammenzubrechen und in einen “Mallorca-Urlaub” in die nächste Anstalt zu fliegen, um sich von den geistigen Krankheiten wieder einigermaßen erholen zu können, bevor man endgültig vor Lüge, Trugsucht und Hass auf das Eigenversagen zusammenbricht und schließlich aufgibt und sich irgendwo auf dem Speicher aufhängt?

Ich erlebe und treffe regelmäßig diesen Schlag Menschen und würde ihnen allen mit Vorliebe kompetent in die Fresse schlagen und spürbar zeigen, dass es so nicht geht.

Und wenn ihr jetzt denkt: Großer Gott, nun kommt der mit so einem Film um die Ecke: Jap! Und nein – es ist so köstlich anders, als ihr nun alle glaubt: Den grandiosen Schlag in die Fresse übernimmt nämlich der Film – oder anders gesagt: Voila, hier ist er.

BAM! 🙂

Jap, ich HASSE diese Raben-rotierende-Helikopter-Bio-Mama-Geraffel-Tanten, die sinnfreien Sprit in ihr seelenloses Hirn pumpen, selbst nicht mit ihrem Leben klar kommen und dir dann erklären, wie dein Leben zu funktionieren hat und sich selbst als “Life-Coach” bezeichnen. Und glaubt mir, meine Waffen waren in den letzten Jahren oft genug gewetzt, und eben jene sind knapp der Gesichtsdresche entgangen, weil mein Beherrschungsgen grad noch so funktioniert hat.

Und im Zuge dessen darf ich euch eröffnen: Es ist ein herrliches FEST, was dieser Film dazu zu sagen hat. Er führt diese Persönlichkeiten nämlich höchst selbstbeweihräuchernd vor und entfesselt danach den Sturm der Gerechtigkeit über dieser Schwadron an Dummheit und Non-Intelligenz, um den gemeinen Kinozuschauer so richtig tiefherzig und umschwelend zu befriedigen. Und zwar in jederlei geistiger Hinsicht. Und anderswie auch.

Ich feiere wieder einmal die Obsieg-Macht der Wahrheit in den Kinos, die offen ansprechen, kein Blatt vor den Mund nehmen, Wahrheiten erkennen lassen, wo sich ganze Heerscharen sonst was vormachen und eben die Dinge auf den Punkt bringen, ohne dabei ausfallend oder verächtlich zu werden.

Und dieses Kunststück – Felicitas Darschin sei Dank – kann ab kommenden Donnerstag endlich ein jeder auf einer Leinwand seiner Wahl bewundern und sich dabei so richtig herrlich amüsieren und feststellen, wie schön vielfältig und inhaltsreich deutsches Kino doch sein kann.

Mit tiefer Verbeugung und aufrichtiger Danksagung: Gebt uns bitte mehr davon. Und behaltet dabei den zynischen Grad an Wahrhaftigkeit bei, so wie hier, dann feier ich euch auch in Zukunft weiter!

.kinoticket-Empfehlung: Zynisch, böse, durchleuchtend und offenbarend: Die Wahrheit über die fürchterlichsten Wesen dieser Erde – in seiner glorreichen Gänze!

Frau Mutter Tier echauffiert sich nicht nur über die schlimmsten der Schlimmen, sondern zeigt auch gleich noch bildungsfördernd Möglichkeiten der Eigencharakterbildung auf, um diese grausame Spezies möglichst bald auszurotten und der Vergessenheit anheim gedeihen zu lassen.

Selten so ein wohlschmeckendes Stück Wahrheit mit purer Ironie und dem süßen Geschmack der Offenheit verschlungen. Und glaubt mir – es geht runter wie Öl!

 Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier kommt nichts mehr.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Frau Mutter Tier
Length: 96 Min.
Rate: FSK 0

Kingsman: The Golden Circle

Kennt ihr das, wenn ihr vor einem riesigen Projekt steht, etwas damit machen sollt und euch davor scheut, den ersten Handgriff zu tun aus Respekt vor dieser Erhabenheit und Ehre?

Genauso fühl ich mich grade, wenn ich mich vor diesen Film stelle und mir überlege, was ich dazu erzählen soll.

Zum einen: Meine Vorahnungen waren goldrichtig und wurden vom Original dann noch einmal weit übertroffen. Ja – Egerton alias Eggsy macht eine unglaublich gute Figur und pusht mit seinen Landsmännern so richtig die Action auf die Bühne. Zweitklassige Versuche hat man gar nicht erst eingeplant, hier spielt sich alles im 5-Sterne-Milieu ab!

Natürlich, Kingsman leuchtet nicht unbedingt in ernstzunehmenden Neon-Farben am Agentenepos-Himmel, sondern dominiert mit einer leicht würzigen, definitiv humorlastigen und extrem abgefahrenen Variante seiner selbst in einem Areal der schwarzhumorigen Kunst ganz nach britischem Vorbild auf der Leinwand und gibt damit zum zweiten Mal ein gigantisches und von mir gefeiertes Debüt einer unglaublichen Entdeckung ab, die diese Marke damit – so hoffe ich inbrünstig – auf die dauerhafte Ebene hievt und uns auch noch in einigen Jahren neue Kingsman-Filme beschert. Die erste Kingsman-Store-Eröffnung in London lässt großes hoffen…

Gleich zu beginn rasselt man sofort in ein Stunt-Gewitter, dass nicht übertrieben und breitgezogen, materialistisch zusammengestückelt oder gar ungekonnt inszeniert wirkt, sondern sofort eine Bombenstimmung aufkommen lässt und man die Moves, Fights, Actionballade und gigantöse Gentlemen-Wirkung einfach nur abfeiert.

Mit Julianne Moore in einer der Hauptrollen befriedigt man auch gleichzeitig noch die Bechdel-Test-Meckerfraktion und öffnet sich damit der internationalen Beliebtheit, die sowohl alt als auch jung, Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen gleichermaßen in einen Unterhaltungsstrudel saugt, aus dem ich am liebsten gar nicht mehr aussteigen wollen würde.

Was uns die Deadpool-Macher für ihren zweiten Teil versprochen haben, wurde hier Gottseidank nicht angewandt: Man hat das Level natürlich angehoben und nicht einfach auf krasse Wiederholung gesetzt um alles in etwas flauerem Ton nochmal über die Kinotheken fließen zu lassen. Eggsy wirkt erwachsener, bringt aber dennoch den unglaublich sympathischen Flair mit, den dieser Halbgott auf der Schauspielerbühne zum besten geben kann. Und ich hab den Strahlemann bereits live vor mir gehabt und schätze seine Arbeit seither um so mehr.

Du stolperst auf jeden Fall nach dem Film ziemlich erschlagen und absolut beeindruckt wieder aus dem Saal und findest kaum Worte für das, was dir da eben über den Weg gelaufen ist und dich mal eben plattgewalzt hat.

BAM!

.kinoticket-Empfehlung: Das heißt dann wohl: Erst zur Wahl – und dann ins Kino und schon gewählt haben, und zwar exakt diesen Film!

Das Zielpublikum ist hier nicht irgendeine Elite oder Genrefraktion, auch wenn die Sprüche und der Humor teilweise ziemlich derb sind: Spaß für alle ist garantiert auf der Servierscheibe und die wird ordnungsgemäß mit viel Imposanz und in beeindruckender Qualität geliefert!

MEHR DAVON!

Nachspann
✅ Hocken bleiben wegen der Songs – wem das egal ist: Es kommt hinterher nichts mehr. Äh…. doch, hoffentlich noch einer dieser Filme!

Kinostart: 28. September 2017

Original Title: Kingsman: The Golden Circle
Length: 141 Min.
Rate: FSK 16

Bullyparade – Der Film

Michael Bully Herbig gehört in Deutschland zu einem der ganz großen – zumindest, was meinen Geschmack und meinen Humor angeht. Seine berühmte Bullyparade war damals Aushängeschild im TV und hat eine ganze Generation begeistert.
Nachdem Stück für Stück all jene abgetreten sind, die man als Herangewachsener heute aus seiner Kindheit schmerzlich vermisst, landet nun endlich ein Meilenstein deutscher TV-Geschichte auf der großen Leinwand und bietet somit allen Fans die Chance, ihre Lieblinge nochmal auf dem Screen bewundern zu dürfen.
Und die Show lohnt sich! Die Dichte der Gags, die gewohnt übliche, durchgeknallte Form humoristischer Überlegenheit, der “alte Charme” – all das ist wieder da und besticht mit wahnsinniger Freude die Fans und das Publikum. Es fühlt sich an, als wäre die Bullyparade in seiner Gänze auf einen Kinofilm projiziert worden und man hätte einfach nur die Werbepausen von damals ausgelassen und stattdessen mit noch mehr Gags gefüllt.
Der Saal war jedenfalls am Brüllen vor Lachen und der Film erhielt bereits weit vor Kinostart schon standing ovations vom Publikum, die – zumindest meinen Interviews nach – alle sofort nochmal reingegangen wären.
Auch ich werde mir jetzt ein finales Bild dieses Films geben und die Chance nutzen, wieder und wieder reinzugehen, sofern es die Zeit zulässt, denn hier hat man endlich wieder einen deutschen Großmeister, der sein Handwerk wirklich versteht und dem nichts zu schade ist, um es in den Dreck zu ziehen, so dass eine ganze Nation sich darüber herrlich amüsieren kann.
Mehr davon!!!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz groß!
Nehmt euch die 14-Uhr-Vorstellungen vor, dann habt ihr direkt im Anschluss die Chance, gleich nochmal reinzurennen, denn ihr werdet sie brauchen.
Die Gagdichte ist überragend, die Jokes überzeugen, die Schauspieler können’s einfach und die deutsche Doofheit hat Zutrittsverbot. Mehr davon!

 
Nachspann
Es ist Bully: Sitzenbleiben! Schon in der TV-Show gab es damals immer Outtakes und dieser Marotte ist man sich beim Kinofilm genauso treu geblieben!
Kinostart: 17. August 2017

Maria Mafiosi

Mit den Eberhofer-Krimis ist zumindest in Bayern ein neuer Kinokult aus dem Boden gestampft worden, der hierzulande auch wahnsinnig positiv aufgenommen und von den Kritikern hoch gelobt wird.
Kein Wunder also, dass man sich jetzt auch anderweitig in dieser Nische versucht und mit Maria Mafiosi erneut ein Mundart-Werk in die Kinos bringt, das genau diese Zielgruppe befriedigen soll: Bayerische Fans, die Krimi-Komödien lieben und ihre bekannten Stars aus den Eberhofer-Verfilmungen auch zwischen den Publikationen auf den Leinwänden erleben wollen.
Dieser Aufgabe hat sich Jule Ronstedt angenommen und einen abtrünnigen Bruder der großartigen Filme erschaffen, der eine eigene Gangstergeschichte erzählt, die nicht weniger lustig ist und vor lauter Klischees nur so trieft.
Ob dies nun positiv oder negativ aufgenommen wird, überlasse ich den Zuschauern. Offensichtlich versucht man sich hier kaum an politischer Korrektheit noch daran, der Gleichberechtigung oder anderen neuartigen Phänomenen hinterherzurennen, sondern bedient sich ganz altbackener, klassischer Stereotype, um den Kinozuschauer in seiner Lust nach lokalsprachlicher Komik-Unterhaltung zu befriedigen. Und das gelingt meiner Meinung nach auch ganz gut, sofern man sich nicht den vergleichsweise hohen Ansprüchen der Rita Falk-Verfilmungen stellen möchte.
Maria Mafiosi bedient hier sozusagen die gleiche Klientel auf hohem Fan-Art-Niveau und lockt mit dem Regiedebüt der aus Wer früher stirbt ist länger tot bekannten Schauspielerin in die Kinos.
 

.kinoticket-Empfehlung: Natürlich muss man sich damit abfinden, dass hier keine großartigen Hollywoodbudgets im Hintergrund dümpeln oder sich die Macher auf ihre jahrelange Erfahrung stützen können, sondern man es mit einem vergleichsweise “jungen” Film zu tun kriegt, der die Zuschauer einfach auf seine Weise begeistern will – und kann.
Die Darsteller sind teilweise bekannt und liefern allesamt glaubwürdige Szenarien ab, die für sich zwar kein Meilenstein in der Kinogeschichte darstellen, allerdings auch nicht zum Lückenbüßer verkommen, sondern durchaus ihre Existenzberechtigung vorweisen.
Wer sich darauf einlässt, hat hier durchaus seinen Spaß im Kino – solange der Streifen noch auf den Screens gezeigt wird.

 
Nachspann
gibt’s ohne weiterführende Szenen oder zusätzliche Gimmicks – man darf also getrost nach draußen spazieren.

Casino Undercover

An alle, die beim Namen Will Ferrell einen Brechreiz kriegen: Ich fühle mit euch. Ich hasse den Typ und seine stupide Dummheit in seinen ständigen Rollen.
An alle, die bei Amy Poehler denken: Oh mein Gott, was für eine talentlose Frau, die in ihrer Erbärmlichkeit aufgeht und vor aller Welt beweist, was für armselige, lächerliche Schauspielerin sie ist: Ja, ich habe bei fast allen Filmen von ihr so gedacht.
Und ich lege euch wärmstens ans Herz, ab 6. Juli 2017 in Casino Undercover zu gehen.
Hauptdarsteller/in: Will Ferrell und Amy Poehler.
Was geht jetzt?
Ähm – so richtig begreifen kann ich es selbst noch nicht, was da passiert ist. Ich habe nicht mal bei den Minions so viel lachen müssen, wie vorgestern in Casino Undercover, als sich Ferrell und Poehler gegenseitig die Bälle zuspielten und ein Gagfeuerwerk entfesselten, dass seinesgleichen sucht.
In Zusammenarbeit mit Jason Mantzoukas erreichen die zwei hier Höhen, die unglaublich sind! Nicht nur, dass man es wohl endlich einmal geschafft hat, eine Komödie zu kreieren, die meinen Comedy-Hass galant beiseite stößt und mich für das Werk schwärmen lässt, sondern auch das Austarieren zwischen Unmöglichkeit und Überzogenheit hat hier in perfekter Weise geklappt. Man ist verrückt, durchtrieben, überdreht, wahnsinnig und voll auf dem Trip, schafft es aber trotzdem nicht, in irgendwelche Löcher abzurutschen oder es mit billigen Jokes zu versemmeln.
Im Gegenteil: Die meisterhaft geschnittene Schnelligkeit beweist, dass in den Drehbüchern des Films sehr wohl extrem viel Inhalt und wenig Zeit für Streckungen oder ähnliche Zeitschindereien gewesen ist, sondern man sich rühmlich auf das Wesentliche konzentrieren wollte und alles Lahmarschige dafür weggelassen hat.
Gott sei’s gedankt, denn so einen Film hätte man auch gerne gute 2 Stunden ausgehalten. Diese Entscheidung, hier tatsächlich nur mit knapp 90 Minuten zu spielen, zeigt einmal mehr das könnerhafte Verständnis für extravagante Filme der Macher.
Und im Ernst: Ich hasse diesen ganzen Komödienmist, von dem immer alle meinen, er sei “lustig” und der irgendwelche blöden Schulhofjokes feiert, als sei Gott persönlich vom Himmel herabgestiegen. Ich hasse es.
Und ich liebe diesen Film. Nachdem der gestern aus war, waren meine ersten Worte:
“Das ist mit Abstand der beste Film, den Ferrell jemals gedreht hat und das mit Abstand beste, was Poehler jemals aus sich gemacht hat.”
Und ich stehe dazu – ich liebe ihn. Ich ziehe ihn allem anderen “lustigen” vor und verweise jeden darauf, definitiv diese Vorstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Obwohl man eigentlich nicht lachen will, weil es zu “dumm” ist, muss man lachen – und es bleibt auch keine Zeit, sich auszuruhen, sondern man hat eine Szene noch nicht ganz verdaut, während man bereits in den nächsten vieren gefangen ist und auch da wieder zum Lachen gezwungen wird.
Leute im Ernst: Casino Undercover geht damit für mich in die Geschichte ein als allererster Film, den ich als Komödie wirklich für absolut gelungen bezeichne. Und damit meine ich einfach alles. Die Besetzung, die Dramaturgie, die Konversationen, die Einfälle, die realistische Glaubwürdigkeit innerhalb eines Metiers, dass extra für diesen Film geschaffen wurde, den Schnitt, die Musik, die Kostümierung, die Profilzeichnung – einfach alles!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zutiefst beeindruckt ziehe ich meinen Hut und gebe zu: Es gibt doch eine Komödie, die ich restlos feiere und vor der ich mich tief verneige: Casino Undercover.
Hier stimmt einfach alles – und die Dichte der Gags, die allesamt (!) gelungen sind und nirgendwo unter die Gürtellinie oder sonst wie abrutschen, ist überirdisch.
Geht da rein und erlebt ein einziges Mal, was es wirklich bedeutet, einen lustigen Film zu sehen – alles andere stinkt dagegen wirklich nur ab.

 
Nachspann
Läuft keiner, nur Text. Rausgehen ist also erlaubt.
Kinostart: 6. Juli 2017

Mein neues bestes Stück

Frankreich, Frauen, Männer und Komödie: Was schießt dir dabei als allererstes durch den Kopf?
Auf Empfehlung eines Freundes hin ließ ich mich zu dieser Vorstellung hinreißen und war ein wenig enttäuscht über die zu dick aufgetragene Klischeekeule, derer man sich hier des öfteren mal bedient.
Aus der eigentlich sensationellen Idee hätte man meiner Meinung nach etwas mehr machen können. So rennt Audrey Dana allerdings die ganze Zeit mehr oder weniger unbeholfen mit ihrem “Problem” durch die Gegend und erschafft dabei nicht wirklich den zauberhaften Durchbruch, wenngleich der Film sonst sehr viel für die Geschlechterverständigung tut und sich dabei äußerst Mühe gibt, auf die jeweils gegenüberliegende Seite einzugehen.
Hier hätte ich mehrfach die Schere angesetzt und manche Dinge dann nur angedeutet bzw. eher als Running Gag ausgebaut, als sie über so lange Spielzeit hindurch konsequent zu verfolgen.
Was im Ansatz spitzenmäßig begonnen wurde, mangelt am Ende an der üblich französischen Eloquenz und stolpert so ein wenig über die eigenen Gags, was zum Schluss in einer fast schon langweiligen Aneinanderreihung von Stereotypen endet. Einzig die finale Pointe setzt nochmal einen oben drauf und sorgte bei mir für einen Lacher.
 

.kinoticket-Empfehlung: Insgesamt ein solides Gut für einen Film, dem mir ein wenig der spritzige Geist einer wirklich gelungenen Komödie fehlt.
Die Figuren sind meiner Meinung nach zu unausgeglichen, bekommen teils zu wenig Zeit zur Entfaltung (Christian Clavier) und verlieren sich im Laufe der Spieldauer in einer zu starken Stereotypisierung.
Wer hierauf keine Erwartungen setzt, sondern einfach nur mal wieder locker-flockig unterhalten werden möchte, findet in dieser Wahl durchaus seine Befriedigung.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Gang ans Tageslicht sei euch gewährt.

Ein Dorf sieht schwarz

Ich muss langsam aufpassen, dass ich nicht doch damit anfange, hier und da zu spoilern, auch wenn das beim Titel eh schon fast auf der Hand liegt, worum es bei diesem Film gehen könnte. Politisch gesehen trifft man auf jeden Fall den Zahn der Zeit und schlägt damit komplett auf die Zwölf.
Dass das auch ohne moralische Predigten und vorgehaltenen Zeigefinger funktioniert, beweist Regisseur Julien Rambaldi mit seinem neuesten französischen Hit Ein Dorf sieht schwarz derzeit aktuell auf der Leinwand. Die beschwingte Fröhlichkeit des französischen Comedy-Kinos trifft auf die heitere Abwechslung in der Culture-Clash-Komödie mit tragischen Elementen, die das Bild einer nicht erwachsen gewordenen Gesellschaft abzeichnet, die sich im Laufe der Zeit kaum gewandelt hat, obwohl um sie herum doch irgendwie alles anders geworden zu sein scheint.
Dass die Franzosen witzige Filme hinkriegen, weiß man schon längst. Dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und das Leben oftmals die besten Geschichten schreibt, ist auch kein Geheimnis mehr. Vereint man dann beides auf der Leinwand, bekommt man ein rührendes Erlebnis, das weder im Schmalz noch in irgendwelchen Fettnäpfchen verunstaltet wird und dabei die zu Herzen gehende Geschichte einer Familie beschreibt, die auch in diesem Jahrzehnt wieder politische Relevanz in sich trägt.
Dabei versucht man nicht, einen weltumspannenden Hit zu generieren, der mit immer weiter reichenden Gags das Publikum erobert, sondern bewegt sich kaum aus der Wohnzimmerwohlfühlarea hinaus und baut eher im heimischen Stil den Charme rund um den Zuschauer selbst auf. Das Konstrukt erhebt sich am Ende zu einem wunderbaren Gesamteindruck und hinterlässt einen zutiefst emotionalen, herzergreifenden Moment.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für einen bombastischen Kinoabend, sondern eher für die gemütlichen Stunden zu zweit abends im Bett – wer dafür den Kinosaal bevorzugt, sollte sich eher in ein Independent-Lichtspielhaus verkrümeln, denn dort ist dieser Film bestens aufgehoben und erhält die ihm zustehende Würdigung.

 
Nachspann
kommt außer dem üblichen Abspann keiner mehr, man darf also raus rennen, sobald es dunkel wird.

Schatz, nimm du sie

Deutsch. Komödie. Beziehungen & Familie. Drei Gründe für mich, um um diesen Film einen Bogen zu machen. Persönlich hätte ich ihn mir wohl auch niemals angeschaut, denn mein Interesse für so manches Werk erwächst tatsächlich desöfteren aus der Tatsache, dass hier dann wieder eine Rezensier-Möglichkeit mehr da ist und ich so anderen auch etwas Gutes tun kann.
An dieser Stelle sei der Mannschaft aus Augsburg gedankt, in deren Unterhaltung ich reingeplatzt bin und die mir diesen Titel wärmstens empfohlen haben.
Meine Kinoerfahrung war zwar unter aller Sau (Danke, Kempten!), der Film hatte aber durchaus seine Momente, die das deutsche Kino für sich wieder liebenswert erscheinen lassen.
Fakt ist, dass man mal keine Laiendarsteller oder Fernsehheinis, sondern tatsächlich Komiker und Satiriker besetzt hat, die an sich schon mal den wahnsinnig herzerwärmenden Vorteil mit sich bringen, dass sie SPRECHEN können! Und zwar normal! Dadurch erhebt man sich mit Schatz, nimm du sie schon mal aus der Masse mieser deutscher Filme heraus und zeigt einmal mehr, dass dieses Land tatsächlich in der Lage ist, sich international auf den Bildflächen nicht permanent nur zu blamieren.
Auch vom Plot war ich relativ angetan, der zwar im ersten Moment dahingehend anmutet, wie man es aus zig anderen Beziehungskrisen-Filmen kennt. Dadurch, dass man hier aber an Stellschrauben gedreht hat, die quasi völlig andere Themen glorifizieren und damit erneut frischen Wind in die Unterhaltung sprühen, erlebt man durchaus Momente, in denen es einfach Spaß macht, an dieser irren Tour beteiligt zu sein.
Die Konstellationen der einzelnen Darsteller und die verzweigten Verknüpfungen zwischen ihnen bekommen von mir ein saftiges Lob und sind quasi mehr oder weniger der alleinige Grund dafür, weshalb ich euch diesen Film tatsächlich ans Herz lege (auch wenn er bereits schon wieder aus den Kinos verschwindet).
Einige Ideen und Umsetzungen waren tatsächlich so klasse, dass selbst die Outtakes am Schluss nicht mit mehr Witz und Charme punkten konnten, sondern man eher zwischendrin mehrfach lachen musste.
Auch wenn es nicht 100% meinen Geschmack trifft, finde ich diesen Film durchaus besser als andere Beziehungskomödien, die eben alle im Einheitsbrei rumrühren und dabei keinerlei Vergnügen bereiten.
Und ein Wort zum Schluss: Mit Plastiktüten rascheln, während der Film noch läuft, in riesiger Mannschaft durchs Kino rennen und anfangen zu kärchern, obwohl noch Szenen auf der Leinwand laufen, die natürlich bereits in voller Lichtmontur angestrahlt wird, gehört für mich nicht zu dem Ansinnen, dem Kinogast ein erfreuliches Erlebnis zu bescheren. Danke, Kempten!
 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal ein Film aus Deutschland, bei dem ich nicht an der Aussprache rummeckern muss und der sogar noch ein paar überraschende Wendungen und mehrschichtige Verquirltheiten im Plot bereit hält.
Er ist kein meisterhaftes Wunderwerk, hatte aber durchaus seine charmanten Momente und sorgte zumindest in meinem Kinosaal bei dem älteren Publikum für ständige Lacher.

 
Nachspann
Ja, man darf sitzen bleiben, denn es werden nicht nur fast permanent Outtakes gezeigt, sondern es kommt auch noch eine saftige After-Credits-Scene, sofern man die Möglichkeit überhaupt gestellt bekommt und noch was versteht, bei der Kärcherei vom Personal im Kino. Danke, Kempten!

Fist Fight

Wer beim Titel jetzt an spektakuläre Faustkämpfe im Ring oder an die Wrestling-Arena denkt, steuert direkt mal in eine falsche Richtung.
Fist Fight siedelt sich selbst im Comedy-Sektor an und baut auf einer völlig abstrusen, hirnfreien Story auf, die das gute alte Unterhaltungskino zurück zu den Zuschauern bringen will.
Wir alle erinnern uns möglicherweise noch an die Zeiten, in denen Filme nicht immer Sinn ergeben mussten und trotzdem gut waren. In denen man über schräge Aktionen gelacht und sie nicht politisch zerpflückt oder anderweitig überintellektuell verurteilt hat. In genau diese Zeit passt Fist Fight hervorragend rein.
Auch wenn die Aktionen bescheuert, die Dialoge teils so unterirdisch, der Flow holprig und stockend und die Profilstärke der Aussagen nahezu gen Null tendieren, liefert dieser Film eines in indiskutabler Stärke: Entertainment.
Dass man sich hier politisch korrekt verhält, wurde von vornherein ausgeschlossen – was wiederum aber auch nicht als Freifahrtschein für Beleidigungen jedweder Art genutzt wurde. Diesen Grat der Erzählung hinzukriegen, hier dermaßen drauf zu dreschen und trotzdem im sicheren Bereich von Satire und Komik zu bleiben, rechne ich diesem Film hoch an.
Ich habe mich während der Vorstellung bestens unterhalten gefühlt – einerseits von den Machenschaften der Darsteller, andererseits von den ständigen Kopfschüttlern und Facepalms meiner Sitznachbarn.
Über Dinge wie Vorhersehbarkeit oder andere logische Faktoren will ich bei diesem Stück nicht diskutieren, denn es hat offensichtlich den Anschein, dass Fist Fight keines dieser Bedürfnisse auch nur ansatzweise erfüllen möchte.
Stattdessen begibt man sich hier auf hochprofessionelles Profi-YouTube-Niveau und liefert genau die Inhalte, die andere Filme, welche sich bewusst diesem Genre verschrieben haben, dann nicht hinreichend bringen.
Gerade die Gestörtheit und Krassheit der vorgeführten Aktionen ist hier etwas, dass so wunderbar unethisch, schräg und völlig auflockernd in die Runde geworfen wird und vom Großteil der Mannschaft auch bestens aufgenommen wird, weil man einfach über die Dinge lachen muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fist Fight gehört wieder mal zu den Komödien, die man sich meiner Meinung nach wirklich anschauen kann, vorausgesetzt, das Hirn ist vollkommen aus und man ist sich darüber im Klaren, dass hier der Ulk an allererster Stelle steht.
Die Ernsthaftigkeit, mit der die Hauptdarsteller hier agieren, trägt ihren Teil zur heiteren Belebtheit bei und sorgt für wahnsinnig gute Unterhaltung mit kurzen, philosophischen Ansätzen.
Hervorragende Lektüre, um zwischendrin mal wieder aufzuatmen und einfach mal die Welt Welt sein zu lassen.

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzen bleiben … Anfangs kommen noch Outtakes und zum Schluss noch eine After Credits Scene. Hätte mich auch gewundert, wenn man darauf bei diesem Titel verzichtet hätte.

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