.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Korruption

Fahrenheit 11/9

Fahrenheit119_A4_300_RGB

© 2019 Weltkino Filmverleih | Midwestern Films LLC All rights reserved

Nun ist die Verwirrung perfekt: Bowling for Columbine konnte man von Fahrenheit 9/11 noch unterscheiden. Aber Fahrenheit 9/11 von Fahrenheit 11/9? Warum bringt Michael Moore den alten Schinken jetzt wieder ins Kino?

Äh … das ist der neue von ihm … und er handelt nicht vom 11. September (wie war das nochmal mit dem umgekehrten Monats-Tags-Dingens bei den Amis?), sondern ist sein aktuelles Werk über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen Machenschaften, Ehrgeiz und Handhabe er in seiner neuesten Dokumentation leicht verständlich, aber dennoch impulsiv, inhaltsmächtig und provokant offenlegt.

Dass es Moore schon seit jeher auf die Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika abgesehen hat (“Shame on you, Mr. Bush, shame on you!” [Zitat Michael Moore auf den 75th Academy Awards beim Gewinn des Oscars für Bowling for Columbine]), wissen wir seitdem ja. Ironischerweise sagte Trump damals, dass er sich wünscht, Moore würde nie einen Film über ihn machen … und voilà – da ist er.

Ich weiß, es ist sehr spät dafür, und ich weiß, der Film läuft quasi nirgends. Womöglich haben die Kinobetreiber selbst nicht gerafft, dass dies keine Wiederholung ist, sondern ein brandheißes neues Eisen, dass zwingend auf die Leinwand gehört und dort von so vielen wie nur irgend möglich gesehen werden sollte.

Umso genialer zu erfahren, dass es diverse Schulklassen in Sondervorstellungen davon schaffen und ich im Rahmen einer dieser Vorstellungen doch noch an dieses Werk gelangt bin. Und noch genialer ist, dass mir hunderte dieser Schüler am Ausgang gesagt haben, sie würden:

a) wieder in diesen Film gehen
b) nochmal Geld bezahlen, um ihre Freunde auch mit reinzunehmen und ihn nochmal anschauen
c) es weitererzählen und Werbung für den Film machen, da er grenzgenial ist

Und ja, das Ding ist Bombe und sprengt sich mit so viel Durchschlagskraft den Weg zur Wahrheit frei, dass selbst Moore, dem viele ja intensive Selbstinszenierung vorhalten (wo auch in der Vergangenheit tatsächlich etwas dran war) sehr in den Hintergrund rückt und es hier tatsächlich um die Inhalte geht und nicht um ihn.

Und was dort preisgegeben wird, mit welcher sarkastischen, zynischen und bitterbösen Wahrheit man hier auf unausgesprochene Fakten losgeht und diese belegt, schreit förmlich zum Himmel.

Gerade deshalb sind Filme wie dieser enorm wichtig, weil selbst die Medien mantraartig nachbeten, was man ihnen vorgibt und von “Pressefreiheit” schon lange keine Rede mehr sein kann. Wer kontrolliert also die Mächtigen? Wer legt offen, was keiner mehr recherchiert? Wer kümmert sich darum, wenn ganze Bevölkerungsgruppen verarscht werden?

Das Separieren in Gruppen von Unwissenden ist seit jeher ein Mittel zum Machterhalt, bloß nicht zu viele Informationen, bloß keine Zusammenhänge herstellen, bloß nicht das ganze Gesamtbild betrachten lassen, sondern immer nur schön unwichtige Brocken, die für sich selbst dann auch gar nicht so schlimm aussehen.

Das, was Moore hier macht, ist genau das Gegenteil davon: Er schöpft so viele Informationen wie möglich, packt sie in verständliche Worte und bringt sie dem Zuschauer auf einem Tablett so angeordnet, dass dieser sie trotz seiner Komplexität versteht und sich anschließend seine eigene Meinung zu den Dingen bilden kann.

Es werden genug Fragen gestellt, die man sich selbst beantworten darf. Es werden Verbrechen aufgezeigt, die so groß und unfassbar sind, dass sie selbst hier in Deutschland in den Medien präsent waren, aber doch irgendwie im Trubel des eigenen Alltags untergegangen sind … und wenigstens einer schert sich darum und zeigt, wie es tatsächlich aussieht mit dem Land, was hierzulande oft nur von Hörensagen-Märchen geprägt ist.

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn er kaum zu finden ist: Stürzt euch auf die Screenings, die noch angeboten werden, fragt in den Kinos nach, fordert es ein und bittet, dass möglichst viele Säle den Film wieder ins Programm zurückholen, denn seine Mächtigkeit ist überragend und gesehen haben ihn viel zu wenige.

Und wer irgendwo die Chance hat, ihn zu sehen – ganz gleich, wo – ergreift sie! Das Ding ist wichtig … und den erschütternden Blicken der Kids nach zu urteilen auch inhaltsgewaltig und extrem sehenswert.

Also sucht sie, findet sie und bevölkert sie: Die wenigen Vorstellungen, die es vielleicht irgendwo noch gibt!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es kommt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Fahrenheit 11/9
Length: 128 Min.
Rated: FSK 12

Loro – Die Verführten


© 2018 DCM Film Distribution GmbH

 

Loro werden die Italiener als Loro 1 und Loro 2 kennen, denn dieses Stück wurde in Italien in zwei Akten konzipiert und am 24. April 2018 sowie am 10. Mai 2018 uraufgeführt. Die Längen betrugen jeweils 100 und 104 Minuten (also sagenhafte 3 Stunden 24 Minuten), welches für den internationalen Vertrieb von Paolo Sorrentino auf einen um etwa 60 Minuten gekürzten Director’s Cut geschnitten wurde. Mit 145 Minuten (2 Stunden 25 Minuten) ist man aber auch hierzulande immer noch ausreichend bedient und kann nicht behaupten, zu wenig Spielzeit für sein Geld zu kriegen.

Und auf diese Show sollte man sich – ob Berlusconi-Befürworter oder -verächter – definitiv einlassen. Loro entführt hier nicht nur in die korrumpierte italienische Politiker-Welt, sondern erzählt gleichermaßen anhand eines “Originals”, auf welchem Boden sämtliche Mafia-Filme fundiert sind. Und das beständige Flair, das dieser Film dabei ausstrahlt, zieht von Anfang an in seinen Bann.

Man kann jetzt nicht behaupten, dass dies “normale Umgangsformen” wären, aber genau das ist das spannende daran: Diese schmierige, permanent-in-die-Fresse-schlagende Schleimart, mit der Berlusconi hier dargestellt wird, ist zum Anbeten gut gespielt und sorgt für viele freiwillige und unfreiwillige Lacher. Dieser Sog, der sich dabei entwickelt, grenzt fast an das Unaussprechliche, das uns The Wolf of Wall Street 2013 geliefert hat und eröffnet nun einen politisch wesentlich aktuelleren Reigen von Verdorbenheit und Sünde.

Es fühlt sich an, als hätte man Der Pate neu verfilmt, nur dass diese Gegebenheiten natürlich (!) erzählerisch gedichtet sind und rein gar nichts (absolut nichts !) mit eventuell aktuellen, lebenden Personen zu tun haben oder haben könnten. Ein Narr, wer … naja, ihr wisst schon.

In Sachen Produktionsgröße, Dialogschwere, mentale sowie gesellschaftliche Ausmaße kommt man auf jeden Fall an Francis Ford Coppolas Vorbildwerk heran und mit den richtigen Hintergrundgedanken und einer im Sessel gefesselten Genusswirkung von bildschönen, sich räkelnden Körpern auf der Leinwand erlebt man all das fast schon in Form eines drogenähnlichen Trips, aus dem man hinterher nur beschwert wieder aufwachen kann.

Mich dazu hinreißen lassen, das Werk mehrfach zu sichten, konnte ich nicht – da hat mich dann wahrscheinlich die Länge doch zu sehr abgeschreckt, aber ihn deshalb nicht anzuschauen, empfinde ich genauso als einen Fehler: Nutzt die Gunst der Stunde und gönnt euch ein Stück italienische Politik-Geschichte in unglaublich erzählerischem Ausmaß und einer betörend-schönen Verdorbenheit.

 

.kinoticket-Empfehlung: Erledigt vorher alle körperbedingten Tätigkeiten, denn die Zeit, bis die Türen sich wieder von selbst öffnen, ist lange.

Kein Grund, sich deshalb vor diesem Titel zu drücken: Hier wird auf eine unverblümte, erschreckend ehrliche und fast schon ironisch-satirische Art die Wirkensweise der Politiker am italienischen Beispiel erläutert. Die fragwürdige Situationskomik gepaart mit einer betörenden Schönheit und illustren Verdorbenheit portraitieren einen psychedelischen Trip, der einen ganz schnell gefangen nimmt und für viele Stunden bewegungsunfähig macht.

Ein Erlebnis, das man sich sehr wohl auf der großen Leinwand geben sollte.

 

Nachspann
❌ Das ist der wahrscheinlich längste Abspann, der mir je untergekommen ist – und er lohnt nicht, abzuwarten.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Loro
Length: 145 Min.
Rate: FSK 12

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

Jack Reacher 2: Kein Weg zurück

Mit Tom Cruise geht hier wieder ein Mann an den Start, dem man gelungene Filme zutraut und auch ein gewisses Niveau abverlangt. An Geld mangelt es dem Kerl nicht mehr, an Schauspielerfahrung und Tiefenwirkung genauso wenig.
Seine persönlichen Ausflüchte in Sachen Weltansichtsüberzeugungen mal außen vor war ich von seinen persönlichen Werken in filmischer Hinsicht eigentlich immer sehr angetan, im speziellen von den Mission: Impossible-Filmen.
Mit Jack Reacher 2: Kein Weg zurück setzt er ein filmisches Abenteuer fort, dass ebenfalls an das Niveau der M:I-Reihe angrenzt, es jedoch nicht ganz aufs Podest schafft.
Keine Frage ist auch hier wieder jede Menge Größe, die einem Epos nachhallt, in jederlei Hinsicht zu finden. Drehbuch, Plot, Wendungen, Kameraführung, Look & Feel – es passt soweit.
Wer Jack Reacher nicht kennt und völlig erwartungsfrei hier rein geht, darf sich gerne auf einen soliden, überzeugenden und unterhaltsamen Film einstellen, der auch als Fortsetzung alleinstehend geschaut werden kann und nicht viel Vorwissen benötigt.
Jedoch hat mir das Quäntchen Perfektion und persönliche Leidenschaft gefehlt, dass man ihm in M:I noch angesehen hat. Reacher läuft etwas unbedeutsamer, ruhiger, unterschwelliger über die Bühne und präsentiert sich nicht von seiner glanzvollsten Seite. Dafür jetzt aber den Film extra abzuwerten, empfinde ich persönlich als zu hart.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gute Unterhaltung, die sich oberhalb des üblichen Mainstream-Blablas befindet, erhält man hier garantiert.
Wer auf Bond-Niveau hofft, sollte seine Erwartungen runterschrauben, jedoch wird man von einem Besuch dieses Streifens auch nicht enttäuscht.

 
Nachspann
Nope – der Weg nach draußen ist nach der Abblende geebnet.

Dirty Cops – War on Everyone

Genau wie bei den Präsidentschaftswahlen in den USA sind auch bei Dirty Cops – War on Everyone die Meinungen geteilt. Die einen hassen, was die anderen lieben und vice versa.
Fakt ist: Dirty Cops punktet hier mit extrem schwarzem Humor und einer biederen Trockenheit, die Grenzen zum toleranten Geschmack nicht nur überschreitet, sondern gar nicht wahrzunehmen scheint. Der Peak lautet hier: Flucht nach vorne und direkte Konfrontation mit den unschönen Themen – und zwar auf die bitterste Art, die es gibt.
Und genau das macht diesen Film für mich zu einem sensationellen und sehenswerten Stück Filmgeschichte: Man überträgt das Verantwortungsgefühl in die Hände zweier Persönlichkeiten, die Recht vertreten und Ansehen in der Gesellschaft genießen – und selbiges mit Füßen treten. Die – man möchte fast schon sagen – Gleichgültigkeit, mit der hier mit ernstzunehmenden Situationen umgegangen wird und die Geradlinigkeit, mit der man dieses Verhalten bis ganz zum Schluss auf Kosten des Heldentums durchzieht, schreit geradezu nach Applaus.
Man will sich hier nicht profilieren. Boxt nicht mit Argumenten, appelliert nicht an den Verstand oder setzt welchen voraus, sondern man unterhält einfach ganz klassisch mit einer Art, die Menschen wie ich, die Allgemeinheit verabscheuen, einfach nur lieben können.
Ich hatte während des Films meine helle Freude an den Wesenszügen der beiden Hauptdarsteller und freue mich schon auf den Kinostart, damit ich mir diesen Film definitiv nochmal ansehen kann. 
Der Cast ist hervorragend und besticht mit seiner Schauspielweise auf glanzvolle Art, die Kaputtheit dieser beiden Typen wird exzellent rübergebracht. Dass viele mit dem Film ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen, erklärt sich mir nur durch ihre Verbundenheit zu den allgemeingültigen Werten, die sie auf der Leinwand mit Füßen getreten sehen und dadurch keinerlei Sympathie mit den Charakteren aufbauen können, die ihre eigenen Moralvorstellungen ignorieren – ein huldvolles Beispiel gelebter (Anti)-Toleranz in Europa.
Und genau diese Ehrlichkeit, mit der man hier an die Front zieht und losprügelt, fasziniert mich. Die Grenzen in diesem Ausmaß zu überschreiten, dass die Verurteilungswürdigkeit schon wieder in Frage gestellt werden darf, ist ein Schachzug, den ich mir von manchen Politikern gerne wünschen würde – und die Tatsache, dass es hier Angestellte des Staates sind, die diese Verbrechen ausüben, zeigt wieder eins: Im Kino ist alles möglich – und dafür liebe ich es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Freude ist groß bei Freunden von zutiefst schwarzem Humor, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen und wissen, dass das alles nur ein Film ist, der eines will: Erstklassig unterhalten.
Die große Errungenschaft liegt hier eindeutig in den Dialogen und der Kaltschnäuzigkeit, die man an den Tag legt und damit eine Geschichte erzählt, über die definitiv gesprochen werden kann.
Ich gehe gerne nochmal rein und kann jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun, auch wenn streckenweise etwas längere Passagen sind, die den Push etwas verlangsamen – der Film als solches lohnt sich dennoch.

 
 
Nachspann
ist wie üblich ohne weitere Szenen und Blabla. Also gerne aus dem Saal rausgehen.

Triple 9

Und weiter geht’s mit der nächsten verspäteten Sneak Preview, ein Film, den ich eigentlich schon lange im Rahmen dieser Vorvorführung erwartet hatte: Triple 9.
Mit Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Norman Reedus, Gal Gadot, Woody Harrelson und Kate Winslet ist dieser Film promitechnisch hochkarätig besetzt und verspricht, keiner von den halbgaren Vorstellungen zu werden, in denen man irgendetwas erzählt und dabei verschiedene wichtige Aspekte des Films vernachlässigt.
Und genau so startet man auch – fulminant und actionbeseelt mit einer Geschwindigkeit, die in den ersten 15 Minuten einfach nur Vorfreude auf den Rest des Films hervorbringt. Die große Introduktion verspricht viel und man ist sofort im Geschehen gefangen.
Dann fährt man erstmal mit dem Erzählflow nach unten und lässt dem Zuschauer Zeit zum Luftholen, was dieser sicherlich nutzt, aber – im Hinblick auf Blockbuster wie Sicario – keinesfalls von Nöten gewesen wäre.
Das Problem dieser Atempause: Es geht danach irgendwie nicht weiter. Der Plot baut auf der Auflösung des Triple 9 auf, dessen Erklärung komischerweise aber bereits im ersten Trailer aufgelöst wurde (wer zur Hölle winkt so etwas einfach durch?), was das Interesse des Zuschauers deutlich mindert, da er bereits zu Beginn des Films weiter ist als die gesamte Truppe auf der Leinwand zulassen möchte.
Irgendwie stockt daher die durchaus professionell aufgebaute Geschichte und man verweilt auf einer Plattform, die weder den Absturz noch den weiteren Aufstieg zulässt. Und dieses Ausruhen auf der anfänglich verbreiteten Überflieger-Mentalität macht dem Zuschauer letztendlich das Gesamtwerk kaputt, da in dieser Weise die Komponente des zeitlosen Klassikers feierlich untergeht.
Irgendwie war zum Schluss der Streifen nur ein kurzes Aufflammen gigantischer Gefühle mit Hoffnung auf mehr, die aber zuletzt nur in Enttäuschung endet, jedoch keinen minderwertigen Geschmack abgibt, da man sich trotz des heruntergefahrenen Tempos dennoch auf hochniveaulastiger Ebene bewegt.
Hier hätte ich wesentlich mehr Action, mehr Durchtriebenheit, mehr Klasse erwartet, so dass man als Zuschauer endlich ein modernes Äquivalent zu Der Pate in der Hand hätte, mit der man die zeitlose Geschichte von Korruption und Gewalt weitererzählt, die schon seit Jahrzehnten für gute Unterhaltung in der Filmbranche sorgt.
Aber dies sollte nicht sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine ruhige, gelassene Form von Action sucht, die gelegentliche Spannungsspitzen zulässt, aber nicht allzudeutlich hochfährt, der ist mit Triple 9 sicherlich auf der richtigen Fährte.
Insgesamt ist das Werk aber eher enttäuschend gewesen, da ich hier wesentlich mehr Action und Plot-Verzweigungen erwartet hätte, die aber nicht wirklich vorhanden waren und angesichts der heruntergefahrenen Erzählgeschwindigkeit auch das Potenzial eines modernen Pate verschenkt wurde. Mehr als etwas langatmiger Durchschnitt ist hier einfach nicht drin.

 
Nachspann
gibt’s nur die üblichen Texte, weitere Bilder oder Geschichtsbrocken bleiben aus.

Straight Outta Compton

Mit 147 Minuten geht hier ein wahres Kaliber an den Start, dem man sich bereitwillig stellen muss. Erzählt wird die biografische Geschichte der HipHop-Crew “N.W.A.” und deren teils brutalen Ausflüchte in die provokative Auseinandersetzung mit den alltäglichen Problemen ihres Lebens.
Der Film polarisiert. Wie schon aus anderen musikalischen Werken bekannt, trifft man hier oft nicht nur auf existenzangreifende Problematiken, sondern auch innerhalb des Musik-Business auf Korruption, Hinterhältigkeit und viel undurchsichtige Bürokratie, die so manchem seine Karriere kosten könnte.
Hier sind Szenen zu sehen, bei denen man nicht weiß, ob man das offensichtlich falsche Verhalten nun jetzt doch gutheißen soll oder nicht. Innerliche Genugtuung, Rache, Wut, Streben nach Gerechtigkeit und der Kampf mit den durchaus bekannten Problemen innerhalb der Gesellschaft stellen hier einen Großteil der Thematik dar und sorgen für jede Menge kurzweilige, interessante und beispiellose Einblicke in das Leben dieser Menschen. Ein Film über Musik, der zum ersten Mal nicht wirklich Wert auf die Stücke selbst legt, sondern sich sehr stark am Leben und den ganzen Geschehnissen außerhalb des Musikmachens orientiert und damit einen völlig neuen Baustein in das Puzzle der “Wir sind Musiker, wir machen jetzt auch Film”-Menschen wirft.
Interessant war’s allemal und spannend blieb es bis zum Schluss, auch wenn mir da gern noch ein wenig mehr kinopublizistische Theatralik ins Programm hätte genommen werden können, denn das hier sollte kein Personenportrait, sondern eher eine unterhaltende Spielfilmadaption werden, bei der dann gern auch ein wenig drastischer untermalt werden darf, als es in Wirklichkeit gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Spannend ist es, zu beobachten, wie Hollywood derzeit Licht ins Dunkel des Musik-Wirr-Warrs bringt und durch immer neue Publikationen verschiedenster Künstler aus verschiedensten Genres immer mehr Informationen an die Oberfläche dringen lässt, die das mysteriöse Dunkel von so manchem gehörten Song aus dem Radio erhellen lässt.
Dass hier mal weniger Wert auf die Musik selbst oder eine einzelne Person gelegt wird, sondern vielmehr das Drumrum im Sumpf von Korruption innerhalb des Musik-Biz gezeigt wird, macht diesen Film zu etwas ganz eigenem, der nicht kopiert und auch dabei sein will, sondern seine eigene Geschichte erzählt und mit dieser auch polarisiert.
Durchaus sehenswerte Kost, sofern man sich mit der Musik anfreunden kann und einfach etwas mehr über die Jungs dahinter wissen möchte.

 
Nachspann
enthält einige interessante Original-Szenen, die man sich gerne anschauen darf.

Escobar – Paradise Lost

Über das Leben des kolumbianischen Drogenbosses gibt es ja mittlerweile schon genügend Presseberichte und Filme. Seine Brutalität ist weltbekannt und nicht umsonst gilt er als einer der brutalsten Menschen überhaupt.
Escobar – Paradise Lost mutet dadurch fast wie ein moderner Pate-Film an, dessen Besetzung eben nicht mehr mit historischen Gesichtern auftrumpft, sondern mit Jünglingen punktet, die man als Peeta Mellark aus Filmen wie Die Tribute von Panem kennt.
Faszinierend zu sehen, dass Josh Hutcherson nicht nur süß aus der Wäsche schauen und perfekt gestylt durch die klinisch reinen Kulissen eines korrupten Systems laufen, sondern so derb überzeugend einen Part innerhalb eines solchen Systems spielen kann, dass einem einfach nur die Spucke wegbleibt.
Die filigrane Charakterzeichnung zeigt nicht nur bei ihm deutliche Nuancen zwischen Gut und Böse und beweist einmal mehr, dass die klassische Rollenverteilung bekannt aus alter Schule heute nicht mehr greift. Was hier abgeliefert wird, grenzt an Genialität, denn nirgends habe ich bisher so wunderbar verworren die Züge von Sympathie und absoluter Grausamkeit zusammen vermischt innerhalb einer Person vorgefunden – wenn man von Der Pate mal absieht.
Hier will man mit Szenen schocken. Dem robinhoodesken Helfersyndrom von Escobar – hervorragend gespielt von Benicio Del Toro – erlegen, findet man sich sympathisierend mit diesem Drogenboss wieder, der zeitgleich durch absolut unmenschliche Härte immer wieder mit Dingen schockt, die einem zeitweise das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Kaum auszuhalten, wie verkrampft man teilweise im Kinosessel sitzt und der Dinge harrt, die da kommen mögen. Spannung pur, denn auch mit trickreichen Wendungen hat man hier nicht gespart.
Wenn die Macher erreichen wollten, dass man im Hirn so richtig gefickt wird und einfach nur fassungslos wieder aus dem Kinosaal spaziert, dann haben sie hier voll ins Schwarze getroffen. Anspruchsvolles Kino, dessen schauspielerische Leistungen zusätzliche Erwähnung finden sollten, denn die darf man ganz weit oben ansiedeln. Endlich mal eine Liebesgeschichte, die keine sein möchte und die dadurch auch funktioniert.
Am Schluss hat man viel Stoff zum Nachdenken und einen Film mehr gesehen, der zu Recht das Prädikat: Wertvoll verliehen kriegen sollte. Arthaus lässt grüßen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Anschauen. So wie schon Shank eine Epochenerneuerung darstellte, so anspruchsvoll und erhaben wird hier Der Pate in die neue Zeit transferiert und super spannend auf die Leinwand gebracht.
Wendungen, Story, und schauspielerisches Können bewegen sich auf ganz hohem Niveau und beeindrucken mit einer Größe, die seinesgleichen sucht.
Definitive Schau-Empfehlung. Rein da!

 
Nachspann
Lohnt sich nur dann, wenn man auf die Musik nicht verzichten möchte. Visuelle Eindrücke bleiben hier aus.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén