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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Krieg Page 1 of 2

Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Birds of Passage

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Birds of Passage hört sich erstmal nicht wirklich spektakulär an, hat mich aber zutiefst beeindruckt und fast wortlos zurückgelassen.

Dieser Film erzählt eine Story, die große Anfänge beschreibt, von denen Hollywood und die Allgemeinheit nicht sonderlich viel wissen (wollen), die aber so epischen Ausmaßes sind, dass sie zurecht als “indigener Pate” beschrieben werden: Hier kracht eine monumentale Erzählerwucht auf die Zuschauer ein, die verblüfft und entsetzt.

Dabei werden tiefe Wahrheiten ausgegraben, historische Gegebenheiten beleuchtet und Licht in dunkle Ecken gebracht, aus denen direkt das Quell allen Übels hervorgeht und weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden können, die verwurzelt bis in die heutige Zeiten ihr Unwesen treiben und die Menschheit in Ketten legen.

Und nicht nur im Plot liegt eine tragreiche Schwere, sondern auch in punkto Kameraarbeit hat man sensationelle Arbeit geleistet, die wirklich zutiefst beeindruckt: Die Bilder betören schon fast und muten mit einer faszinierenden, fesselnden Eleganz an, die in höchstem Maße bestaunenswert ist. Birds of Passage ist hohe Kunst, die das pure Gen der Wahrheit in sich birgt und verstörende und zugleich bildungsreiche Einblicke in das Wesen der Menschheit liefert.

Hier sollte man zwingend zuschlagen, ganz gleich, welches Kino ihr dafür ins Visier nehmt – Hauptsache der Film steht auf dem .kinoticket.

.kinoticket-Empfehlung: Monumental erzähltes Epos historischer Beginne einer krankhaften Kultur, die bis in die heutige Zeit reicht.

Dabei verblüfft nicht nur der Inhalt, sondern auch Bild, Kameraführung und das gesamte Setting drumrum: Hier wurde sagenhafte Arbeit geleistet, die zumindest mit einem .kinoticket honoriert gehört.

Reingehen!

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pájaros de Verano
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats

Of Fathers and Sons

© 2019 Port au Prince Pictures GmbH

Talal Derki hat’s getan: Sein Leben riskiert, eine falsche Identität angenommen, andere Verhaltensweisen einstudiert, sich als jemand ausgegeben, der er nicht ist, sich mit Kamera über 300 Tage in der “Friendzone” einer Familie der al-Nusra-Front eingenistet und deren Alltäglichkeiten gefilmt.

Dieser Coup brachte ihm bereits 17 Preise, 19 Nominierungen sowie eine Oscar-Nominierung ein.

Und die ganze Welt hat nun die Chance, den “Fehler” der Academy wieder auszubügeln und diesen immens wichtigen Film dennoch zu schauen – denn der macht viele Diskussionen überflüssig.

Und kein Film dieser Art hat mich bisher mehr beeindruckt, als dieser.

Der Stoff ist harter Tobak. Extrem harter Tobak. Man wird mitten in die Dinge geworfen, die einem kein Medienvertreter zeigen, kein TV-Sender zur besten Sendezeit präsentieren kann, denn in diese geschlossenen Gelage dringt gewöhnlich niemand vor, ohne dabei seinen Kopf zu verlieren. Talal Derki hat seinen noch, aber auch nur, weil er in der Lage dazu war, sich als Sympathisant dieser grausamen Machenschaften auszugeben und dabei nicht aufzufliegen.

Das Material, das hier gesammelt und ungeschönt vorgeführt wird, wurde unter Einsatz seines Lebens zusammengetragen – und ich hab keine Ahnung, ob ich persönlich dazu in der Lage gewesen wäre, mit solchen Menschen zu speisen, zu beten, zu leben … über 300 Tage lang. Wohl eher nicht.

Umso mehr Respekt verlangt diese Tat mir ab, umso mehr verbeuge ich mich vor dem Risiko, dem sich dieser Regisseur gestellt hat – eine Welt zu erkunden, über die man im “Wilden Westen” unserer Breitengrade eigentlich wenig weiß.

Als jemand, der das Leben schätzt, der gleichzeitig aber auch alle Menschen erst einmal respektiert und in ihrer Kultur und ihren Bräuchen toleriert und der zugegebenermaßen keinerlei Ahnung vom Islam, IS, Terrorismus und Co. hat, weil mich das Thema bis dato offen gesagt nur “tangiert”, aber niemals aufmerksam interessiert hat, habe ich beim Sichten dieses Films nahezu Schockzustände bekommen, denn die bittere Wahrheit dieser Personen kommt in diesem Film abartigst zum Tragen.

Und ich verneine solcherlei Absichten, Durchführungen, Weltanschauungen und Taten aufs Schärfste, denn für solches Gedankengut kann und darf man keinerlei Verständnis und Toleranz aufbringen… und es ist mir bis jetzt immer noch ein Rätsel, wie dieser Regisseur in solch einem Umfeld ruhig bleiben konnte.

Of Fathers and Sons geht aber nicht um Abartigkeiten, sondern nimmt sich einer noch viel größeren Aufgabe an: Nämlich ein Bild zu zeichnen, dass nicht Schlag auf Schlag verurteilt und grausame Gräueltaten zur Schau stellt, sondern das Verhältnis eines Vaters zu seinen Söhnen darzustellen, die in dieser krankhaften Welt aufwachsen und mehr oder weniger gar keine Chance dazu haben, anderes Gedankengut kennenzulernen oder zu spüren, was echte Liebe überhaupt ist.

Das rechtfertigt überhaupt nichts, schafft aber sehr viel Denkstoff, zukünftig solche Personen anders zu bewerten und ihnen die “Menschlichkeit” nicht vollständig abzusprechen. Wie wärst du, wenn du so einen Vater hättest und dir keine Auswege blieben, um dich anders zu entwickeln? Was würdest du tun?

Fragen, die ich niemals beantworten möchte …

Das eigentlich grausame daran ist, dass es für diese Menschen normal ist, so zu handeln, so zu leben, so zu denken und ihre Beweggründe aus einer tiefen Überzeugung heraus geschehen, die man ihnen womöglich noch nicht einmal vorwerfen könnte – as said: Was würdest du in dieser Situation tun?

“Auf keinen Fall Menschen umbringen” ist an dieser Stelle keine Antwort, denn diese Konsequenz ist bereits aus westlicher Erziehung innerhalb einer Demokratie entstanden und nicht auf dem eigenen Mist gewachsen…

Ihr merkt: Es ist soooooo wichtig, dass ihr diesen Film seht. Und es gibt tatsächlich Möglichkeiten, dies in einem sicheren Rahmen zu erledigen, denn die Kinovorstellung weiß, worum es geht und kennt die “Rahmenhandlung” drumrum, während bloßes Ausstrahlen auf einem Fernsehsender womöglich bei Menschen, die “mitten rein zappen” zur bloßen Verstörung führen könnte, denn hier wird unkritisch berichtet und einfach draufgehalten… mit dem allseits vorhandenen Anfangswissen “Er kann nicht anders.”

Keine Kommentare, keine Erklärungen, keine kritischen Fragen, sondern das hungrige Draufstürzen auf diese krankhaften Wahnvorstellungen, die eine Welt offenbaren, die – wie oben erwähnt – viele Diskussionen beendet und überflüssig macht.

Und das macht Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats zu einem brutal wichtigen Werkzeug im Rahmen der Aufklärung über Kultur, Brauchtum, Gedankengut und Handlungsweisen, weil es kein Blatt vor den Mund nimmt und weil es das vorführt und bloßstellt, das hierzulande niemand zu Hauf zu Gesicht bekommt und von dem viele gar nicht erst sprechen, weil sie sich selbst entblößen und sich ihrer eigenen Grundlage berauben würden, die sie so vehement verteidigen.

Der Film ist aber kein Moralstück, dass zum Hass und zum Völkermord aufruft oder in mannigfaltiger Art und Weise denunziert und demütigt, sondern es ist eine Flut von Aufrichtigkeit und Vervollständigung, die ein Bild gänzlich beleuchtet und darum höchst wertvoll im Umgang mit diesen Themen bei Diskussionen und Konfrontationen ist, denen sich die westliche Welt immer häufiger aussetzen muss.

Und glaubt mir: Ihr wollt dieses Ding nicht auf Netflix im Bus oder irgendwo auf der Straße schauen, eure Blicke würden immer mehr über eure Schultern wandern und ihr würdet irgendwann vermutlich vor Scham und Angst abschalten, denn wenn euch jemand darauf ansprechen würde, kämt ihr in große Erklärungsnöte.

Harter Tobak.

Und was sich da festsetzt, was man da sieht, was sich zusätzlich im Kopf abspielt und was letztendlich der Regisseur vor seinen Augen gesehen und teilweise (Gott sei Dank) nicht gefilmt hat – ich hoffe, dass der FSK 12-Antrag scheitert und es eine 16 wird – und jeder, der dieses Alter erreicht hat, dazu aufgerufen wird, dieser Pflicht nachzugehen und diese Inhalte zu konsumieren, um sich – ganz automatisch – damit auseinanderzusetzen und die Dinge zu bewerten.

Ganz ehrlich? Der Text ist jetzt schon viel zu lang und ich hab noch lange nicht das Gefühl, euch auch nur annähernd gesagt zu haben, was ich zu diesem Titel gerne los werden möchte: Hier habt ihr es auf jeden Fall mit einem Ausnahmewerk zu tun, dass die Nominierung verdient und den Oscar erhalten hätte sollen. Das Niveau wurde bei weitem überstiegen.

.kinoticket-Empfehlung: Schockierend, brachial, erschütternd und gnadenlos: Dieser Film wurde unter dem Risiko gedreht, das Leben des Regisseurs von Heut auf Morgen zu beenden.

Es ist ein Ausnahmezustand, der so viel Kraft, Mut und Courage erfordert, um so etwas fertig zu bringen, die tatsächlich kaum jemand besitzt, sonst hätten wir längst viele dieser Dokumentationen. Das Niveau ist Oscar-würdig, die Einsichten zerschlagen deinen Geist und die Erkenntnisse zertrümmern dein Weltbild mehrfach in Gänze.

Harter Stoff, Bilder im Kopf und Herausforderungen, denen manche womöglich nicht gewachsen sind, die aber eine dringliche Wichtigkeit und Warnung an alle beinhalten, die sich mit solchen Themen auseinandersetzen und die grundsätzlich dabei helfen, Terror und Hass zu verstehen und damit umzugehen.

Was der Film kann, dazu bin ich nicht in der Lage, darum reiche ich euch einfach ans Kino weiter: Ich weiß, ihr werdet anders wieder raus kommen, als ihr reingegangen seid. Promise!

Nachspann
❌ muss nicht abgewartet werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Of Fathers and Sons
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12 (beantragt)

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Zwei Herren im Anzug

An diesem Film scheiden sich wohl die Geister – die theatergeprägte Generation beschreit dieses Werk als Meisterstück zeitgeschichtlicher Dokumentation in Vollendung und feiert Josef Bierbichler als modernen Helden des Kinos ab, der es endlich vollbracht hat, die gebeutelte Geschichte dieses Landes fesselnd auf die Leinwand zu bannen, die nicht so versierten Freunde altdeutscher Geschichte fühlen sich gelangweilt und gelegentlich vor den Kopf gestoßen ob der missdeutbaren Botschaft, die dieses Werk hinterlässt.
Tatsächlich hat mich dieser Film beides – begeistert und verärgert. Als übermäßiger Konsument von Geschichten auf der Leinwand empfand ich es als sehr erfrischend und technisch super gelungen, mal einen Film in unserer Zeit zu sehen, der bewusst in schwarzweiß gedreht wurde. Obwohl man als Laie meint, dass dies ja alles einfacher macht, da man sich nicht mehr um Farben und Aussehen scheren muss, liegt die Wahrheit eher im Gegenteil: Es ist schwieriger, einen Film in schwarzweiß zu bringen, weil hier die Bildgebung und viele Details wesentlich schwieriger umzusetzen sind und man nicht mehr nur “einfach draufhalten kann”. Von dieser Seite her hat man die Umsetzung tatsächlich extrem gelungen auf die Reihe gebracht und das Spiel mit den diversen Wechseln sehr gekonnt inszeniert.
Ebenfalls hochgradig gelungen ist der Tritt ins vergangene Jahrhundert, das Aufleben lassen dieser Zeit und die historische Verbundenheit durch eine Generation hindurch zu sehen ist etwas, das man in anderen Filmen nicht in diesem Ausmaß hat. Die lokale Verbundenheit und der – wenn man so will – rote Faden durch alles ist in diesem Stück plastisch, historisch und grenzt dabei schon fast an das Unverständnis heutiger Generationen, die diese Epochen eben nicht mehr in dem Ausmaß zelebrieren, wie sie damals von der aktuellen Generation proklamiert wurde.
Und da kommen wir zu dem Punkt, was mir letztendlich übel aufgestoßen ist: Dieses immerwährende Festhängen an unliebsamen Fakten, die sich im Nachgang nicht mehr ändern lassen und auch heute keine neuen Lösungen anbieten, sondern sich einzig und allein im Bad von Schuld, Schuldzuweisung und Egalität suhlen, statt konkret Verantwortung zu übernehmen und für seine Sünden zu büßen.
Dieses Thema ist ein heikles, das in vielen Bereichen bereits große Kriege entfacht hat und wenn ich dann als jemand, der nicht in dieser Zeit gelebt oder aktiv und bewusst etwas davon mitgekriegt hat, sondern die Taten vergangener Tage nur aus Geschichtsbüchern und Filmen kennt, aus einem Film gehe und mir sage: “Okay, die Welt ist schlecht”, dann ist das eine Erkenntnis, die gleichzeitig keine ist, denn genau das wussten wir alle schon lange.
Es wäre in der Tat ein historischer Meilenstein, würde man die Egalität derjenigen dann einfach mal weglassen, sich das Gejammer von “Ich wusste es ja nicht besser und habe eigentlich auch nichts gemacht” sparen und sagen: Wir waren das und genau das war scheiße, es tut uns leid.” – dann hätten heutige Generationen die Möglichkeit, Schuld zu vergeben und man könnte gemeinsam damit beginnen, die schwarzen Kapitel der Vergangenheit in Sühne und Vergebung zu ertränken und sich tatsächlich an die Aufarbeitung machen.
Ich habe dem deutschen TV früher oft vorgeworfen, in seiner eigenen Historie zu ertrinken und keine anderen Themen zu kennen – von Freude und Ausgelassenheit ganz zu schweigen. Überzeugt haben mich diesbezüglich aber eher amerikanische Filme, auch in Sachen Moral. Die fehlte mir hier nämlich gänzlich – und dafür ist dieses Werk mit seinen 139 Minuten deutlich zu lang.
Freunde dieser Zeit, Leute mit den gleichen verschrobenen Ansichten oder Persönlichkeiten, die sich zurück in jene Epochen wünschen, feiern natürlich ein Fest alter Traditionen, finden sich wieder inmitten grandios ausgearbeiteter Szenen, die ein irres Bild vermitteln und tatsächlich tief in die Verkommenheit menschlichen Seins vordringen, aber all das bringt am Ende nichts, wenn es nicht zu einer Lösung führt oder gar Vorbild wird, sondern man sich schlichtweg drumrum entschuldigt und seiner eigenen Verantwortung entzieht.
Und genau das halte ich diesen Generationen bis heute vor – und nun steinigt mich dafür.
 

.kinoticket-Empfehlung: Josef Bierbichler fungiert hier gleichzeitig als Romanautor, Filmemacher und Hauptdarsteller und vereint die Geschichte einer Familie eines ganzen Jahrhunderts in historischen Bildern, die weit über dem stehen, was andere Dokumentationen bisher ablieferten.
Die Gleichgültigkeit, mit der man hier in Sachen Verantwortung umgeht, hat mich erneut vor den Kopf gestoßen und das Gesamtprojekt in Frage stellen lassen, weil mir dafür einfach zu viel Unverständnis und Einsicht entgegengekommen ist, die ich mir sinnigerweise von den Erzählenden gewünscht hätte.
Wer also eine zeithistorische Aufarbeitung besehen möchte, ist mit diesem Werk bestens gesegnet, jedoch sollte man weder Moral noch einen Sinn darin suchen, denn der wird uns gänzlich vorenthalten.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 22. März 2018

Das Kongo Tribunal

Wer von euch hat manchmal (oder immer) das Gefühl, dass die Politik heutzutage nur noch am Versagen ist? Hände hoch!
Ich predige schon lange davon, dass man, um etwas zu lernen, heute nicht mehr in Schulen gehen oder TV schauen muss, sondern ins Kino gehen sollte, denn dort spielt sich das ab, was hinterher (oder vorher) auf unserer Welt passiert (ist).
Das Kongo Tribunal ist erneut ein meisterliches Beispiel dafür, dass an dieser Behauptung definitiv etwas dran zu sein scheint, denn dort, wo die Politik schon seit jeher versagt hat, obsiegt dieses Werk mit seinem unerschütterlichen Drang, den Schrei nach Gerechtigkeit zu beantworten, der aus so vielen Kehlen schon seit Jahrzehnten brüllt.
Milo Rau wird wohl für viele auch kein unbeschriebenes Blatt mehr sein, zumindest diejenigen, die sich mit seinen anderen Arbeiten befasst haben und man mag auch hier wieder Urteile über Selbstbeweihräucherung oder -inszenierung ausschütten, aber das alles interessiert mich reichlich wenig.
Das Kongo Tribunal spielt zwar in fernen Ländern, geht uns aber als Konsumenten alle an und durchdringt die Kulisse zur machtpolitischen Auseinandersetzung der Wirtschaftsriesen, die unseren unbändigen Hunger nach Konsum zu stillen versuchen und dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.
Und damit wird jeder – auch in Deutschland – zur Verantwortung gezogen und durch Rau seiner Untätigkeitsargumente beraubt – und das ist gut so. Denn Gerechtigkeit ist das einzige, dass uns vor dem Untergang bewahrt – und gerade davon existiert in letzter Zeit so unfassbar wenig, dass es einfach nur zum Heulen ist.
Und da prescht Das Kongo Tribunal als volksziviles Event nach vorne, um der Politik zu zeigen, was passieren muss, damit die entsprechenden Täter zur Rechenschaft gezogen und tatsächlich Urteile gesprochen werden, nach denen rechtskräftige Konsequenzen folgen – die auch als Präzedenzfall dienen und offenbaren, dass anderen Branchen das gleiche blüht, wenn sie Menschenleben so missbilligend behandeln.
Dieses Tribunal einzuberufen und es zu filmen, um es anschließend durch die Äther der Kinos an die Öffentlichkeit zu verteilen und zu beweisen, dass es eben doch geht – wenn man will – ist eines der größten Kunststücke, dass man in menschenrechtlicher Hinsicht in letzter Zeit gestartet hat – und ich bewundere es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Gerechtigkeit sucht: Hier ist sie.
Als Vorbild, Präzedenzfall für die Politik und Beispiel, wie man ein guter Mensch sein kann.
Wieder einmal ist Kino menschlicher als das Leben selbst und beantwortet all die Schreie der Opfer in nur einem einzigen Film.
Das verwegene Konstrukt der Komplexität von Verantwortung und Rechenschaft zeichnet sich auch in diesem Werk hervorragend ab und überlässt dem Zuschauer, wie er damit umgehen möchte.
Meisterhaft.

 
Nachspann
Sitzenbleiben – hier werden noch einige wichtige Statements genannt, bevor man dann vollständig entlassen wird. Beim Scrolling könnt ihr quasi dann raus.
Kinostart: 16. November 2017

American Assassin

Normalerweise kennen wir Actionfilme dieser Art mit Jason Statham oder früher Bruce Willis, deren Alter aber schon weit über dem Zenit dessen ist, was die Filmemacher dem Hauptdarsteller hier zumuten möchten.
Michael Cuesta startet daher seinen neuesten Kinostreich mit einem entsprechend jungen Hauptdarsteller mit dem Plan, diesen mit seiner Rolle altern zu lassen. Was man da rein interpretieren möchte, sei nun jedem selbst überlassen: Ob wir demnächst einfach weitere Teile dieser gestarteten Noch-Nicht-Filmreihe sehen werden oder man sich daran versucht, eine neue Moviemarke auf der Welt zu etablieren, die ähnlich The Fast & The Furious in kommenden Jahren immer mehr abwirft, oder man sich einfach nur weitere Optionen für kommende Verfilmungen offen hält, sei dahingestellt.
Tatsache ist, dass wir mit American Assassin definitiv am Anfang von etwas stehen, dass ich mal als grundsolides Action-Unterhaltungskino bezeichnen würde. Dylan O’Brien, den viele vielleicht eher aus den Maze Runner-Filmen kennen werden, widmet sich in dieser Buchverfilmung auf ehrliche und lockere Weise einem immer ernster zu nehmenden Thema ohne dabei zu sehr auf moralische Konsequenzen hinzuweisen, sondern die drohende Gefahr eher durch subtilen Optimismus und offensichtliche Satire zu untergraben.
Und der Plan geht irgendwie auf: Man fühlt sich zeitgeschichtlich an die Aktualität angeknüpft, ohne dazu aufgefordert zu sein, sich mit Martyrien den Kopf zuzupflastern, was die Lösungen für etwaige Probleme angeht. Stattdessen verschwindet der Geist wieder in die Unterhaltungsbranche des Kinos und überlässt die Welt da draußen für knapp zwei Stunden sich selbst.
Und dieses “Loslassen” tut extrem gut. Den Film darum zum Beispiel im Rahmen eines Männerabend zu präsentieren, ist in meinen Augen die exakt richtige Entscheidung, denn da würde auch ich ihn verankern. Und an die Gleichheitsgeier da draußen: Auch Frauen sitzen in solchen Vorstellungen – nur eben mit den richtigen Erwartungen dazu ^^.
Hier zählt nämlich einfach nur: Bombastische Action, spannende Stunts, kein zu blöder Twist und einen Helden, den man sich durchaus zum Vorbild nehmen kann, auch wenn dazu das extrem junge Alter doch noch einige Hürden in den Weg wirft. Aber nach oben steht ja wie gesagt noch alles offen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bierchen in die Hand, Feierabendstress im Foyer abgeben und einfach einen tollen Film genießen, der Unterhaltung, Spannung, klasse Wendungen und fundierten Witz enthält, ohne dabei über sich selbst hinauszuwachsen und das Hirn zu sehr zu fordern.
Das Potenzial, diese Story weiter auszubauen, ist definitiv gegeben und wer von Anfang an dabei sein will, sollte jetzt die Chance nutzen und den Start davon in einem Kino erleben, dass sich nicht davor scheut, hier und da auch mal die Wände erzittern zu lassen.
Jason, du kriegst Konkurrenz.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Vorgeschmack ist bereits im Filmende integriert.
Kinostart: 12. Oktober 2017

Planet der Affen: Survival (3D)

Beginnen wir mal mit der Technik: die Dreidimensionalität lohnt sich auf allen Ebenen und projiziert moderne Technik mitten ins Kino. Brachial und beeindruckend zugleich fördert man hier den Zuschauer auf neue Ebenen und beweist, dass nicht nur Geld, sondern auch Lust da gewesen ist, diesen Film zu drehen.
Der Soundtrack bezeugt gleichermaßen Größe und Unterschwelligkeit und fördert dabei das neu gewonnene Bild einer verkannten Welt, die sich im Laufe seiner bisher acht Verfilmungen den Weg ins Herz der Zuschauer gebahnt hat.
Über die Anfänge, die Idee, ist man längst hinaus. Den Weg zur Empore einer Action-Ikone hat man mit den neuzeitlichen Verfilmungen auch längst beschritten und abgelegt. Was bleibt, ist das fulminante Ende einer Saga, die es im Laufe der Kinogeschichte zu Großem gebracht hat – und genau das liefert Regisseur Matt Reeves in seiner demnächst startenden, finalen Schlacht, die zwischen allem entscheiden soll.
Der Unwissende wird wohl oder übel der teils angstbehafteten PR aufgesessen sein, die Erwartungen schürt, die Planet der Affen: Survival so nicht erfüllen wird. Das Epos einer alles auseinanderberstenden Gewalt findet nicht in dem Rahmen statt, den man sich ursprünglich denkt, sondern manövriert hier auf einer völlig anderen Dimension, die gleichermaßen beeindruckend und vielschichtig wie visuell beeindruckend ist: Man landet schlicht und ergreifend einen finalen Coup, der auch Kritiker der vorherigen Teile wieder gutmütig stimmen dürfte: Denn das Ende ist so völlig anders, als man es erwartet.
Und zwar nicht nur im erzählhistorischen Stil, sondern auch in der Machart und Schwere des Films, die völlig neue Bereiche einnimmt und den Zuschauer so auf eine komplett andere Reise schickt, als dieser vielleicht eingangs gewollt hat.
Funktioniert das? Ich denke schon – sofern man sich als Zuschauer etwas gemütlicher in den Sessel positioniert und den Leuten auf der Leinwand einfach eine Chance gibt, ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Die ist nämlich nicht minder beeindruckend als es die Anfänge dieser Saga seinerzeit waren. Nur eben so völlig gereift und gewachsen, dass sie mit der “Kindheit” fast nichts mehr zu tun haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Diese Erfahrung lohnt sich auf jeden Fall im Kino, auch wenn sie völlig unerwartet und anders ist, als man anfangs vielleicht annimmt.
Reeves weiß es mit Methoden und Elementen umzugehen, die aus dem Werk etwas völlig anderes rausholen, als es die letzten beiden Filme vermuten ließen.
Der finale Paukenschlag ist in meinen Augen definitiv gelungen und entlässt uns aus diesem Abenteuer mit einem völlig überraschenden und gelungenem Ende, das euch hoffentlich nirgendwo verraten wird.

 
Nachspann
Verhältnismäßig kurz, aber ohne weitere Szenen oder Bilder.
Kinostart: 3. August 2017

Dunkirk

Christopher Nolan ist wieder am Start – und wie es aussieht, verkennt unsere Generation dieses Genie.
“Spoiler: Der ist scheiße.”
“Naja, ich fand ihn nicht so.”

und ähnliches kam mir zu Ohren, bevor ich ihn überhaupt selbst gesehen habe. Nun, was erwartet euch wirklich? Oder besser gesagt: Was habe ich für Erwartungen an den Film gehabt?
Nolan braucht keine Actionballaden, immerhin ist er Nolan und nicht Bay. Aus welchen Gründen auch immer, erwartet jeder aber genau das von ihm. Wieso? Weil der .trailer das bereits signalisierte?
Für mich eher nicht. Sieht man genau hin, hört auf die Musik, sieht die Bilder und erinnert sich an das, was er bei Interstellar abgeliefert hat, war mehr als deutlich, wohin die Reise führen würde.
Und sie tut es. Nolan begreift sich selbst als Unikat, als unverwechselbarer Geschichtenerzähler, der seinen ganz eigenen Stil, seine eigenen Farben, seine eigenen Kamerafahrten und ganz persönliche Note in seine Filme integriert. Wem das bisher nicht aufgefallen ist: Schaut euch doch mal ein paar seiner Filme im Split-Screen an und achtet auf ein paar dieser Faktoren.
Und Dunkirk passt genau in dieses Schema rein: Er ist ein Genie und Genies muss man selbst nicht verstehen. Das ändert nichts daran, dass dieser Mann großartig ist und hervorragende Kinofilme herstellt, auch wenn die breite Masse sie vielleicht nicht begreift oder mit seinen Aussagen nicht klar kommt.
Allein schon die alleinstellungsmerkmalbehaftete Stimmung, die man gleich zu Beginn an konsequent durch den ganzen Film zieht, bietet dem Zuschauer so viel mehr Raum für das, was er zu sagen hat. Hier wird einem nicht mehr Wort für Wort vorgekaut, was die Aussage des Films ist, sondern man bekommt zu jeder Szene genügend Luft, Ruhe, Eindrücke, um sich selbst auszumalen, was er damit sagen will. Und die Tiefe, mit der er dabei in ein Thema vorrückt, dass wir in der westlichen Welt heute alle nicht mehr live kennen, ist beeindruckend.
Gestern haben ich einen Film gesehen, in dem gesagt wurde, dass die Fantasien durch Worte beschränkt werden und man seine Möglichkeiten beschneidet, indem man Dinge in Worte fasst. Nolan tut dies in seinem aktuellen Werk erstaunlicherweise nicht, sondern erzählt durch Bilder, durch Momente, durch Eindrücke und nimmt einen mit auf eine mehrdimensionale Reise in einen Raum, der vor Bedrückung und niedergeschlagener Stimmung nur so strotzt.
Menschliches Ehrgefühl? Ein Epos sondergleichen? Eine von Moral durchklüftete Eindruck schindende Heldenstory mit phänomenalem Ausgang? Fehlanzeige. Ich glaube kaum, dass das eine seiner Absichten gewesen ist – im Gegenteil: Er wollte genau das aussagen, was er mit diesem Film in Bild, Farbgebung und Sound auch tut: Etwas Unbegreifbares greifbar machen und den Menschen in Portionen in den Kopf schütten, die sie verdauen können – Stück für Stück.
Und dafür muss man sich als ungebildeter Zuschauer ein Stück weit auf ihn einlassen und akzeptieren, dass er einfach kann, was er macht. Geht auf diese Reise. Freundet euch mit seinen Bildern an. Die Welt ist noch nicht so weit, dass sie von allein begreift, welche Aussagekraft in diesen Momenten steckt. In spätestens 10 Jahren werden die Menschen dann sagen: “Verdammt, wäre ich damals mal nur ins Kino gegangen und hätte ihn mir da angesehen. Die Chance ist jetzt vorbei.”
Lasst es nicht dazu kommen. Geht rein. Lasst es auf euch wirken. Ich war gestern schwer beeindruckt. Und ich bezweifle stark, dass die große Masse dieses Gefühl zu Hause auf den Minifernsehern nachstellen kann, die derzeit noch überall rumstehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht noch ein Soldatenfilm, nicht noch etwas, was es schon tausendmal gibt.
Nolan schickt euch auf eine Reise, die weitaus vielschichtiger und großräumiger ist, als bisher angenommen. Seine Genialität versteckt sich zeitweise hinter dem Minimalismus, der seinen Filmen angediehen ist und dem Zuschauer Luft gibt, selbst darüber nachzudenken und die Botschaft im eigenen Kopf zu entwickeln.
Er gibt die Verantwortung an den Zuschauer weiter und betet ihm nichts mehr vor. Zeit genug bleibt einem dafür, weil man mit Impressionen nicht überladen, sondern gemächlich zugeflutet wird, während sich die Kernaussage immer weiter manifestiert und in einem historischen Ereignis gipfelt.

 
Nachspann
Der bislang unerwähnte Soundtrack von Hans Zimmer ist es wert, beim Abspann sitzen zu bleiben. Überhaupt hat der Film einen akustischen Mantel, der zu unangefochtener Größe aufsteigt und aus diesem Werk zusätzlich etwas ganz besonderes macht.
Kinostart: 27. Juli 2017

(Trailer) Terminator 2: Tag der Abrechnung (3D)

Zum heutigen .trailer möchte ich eigentlich nicht viel sagen, außer: Schaut ihn euch an und freut euch tierisch drauf – genau wie ich. Im Ernst: Es wird der absolute Kracher. Aber seht selbst:
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Nn2KojlG-0Q?rel=0&w=560&h=315]
Ein absoluter Klassiker präsentiert von © Studiocanal
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Was waren es für Zeiten, als Terminator 2: Tag der Abrechnung in den Kinos lief und alle Welt begeisterte. Mittlerweile sind wir so weit in der Zeit vorangeschritten, haben so viele technische Errungenschaften erobert, haben so große Wandel auch im cineastischen Sinne er- und durchlebt, dass es fast unglaublich ist, ein so vergleichsweise altes Werk wieder auf der großen Leinwand bestaunen zu dürfen.

Und Leute: Der Moment ist absolut magisch! Wenn Arnold Schwarzenegger erneut durch die Weltgeschichte eiert, um seine Aufträge zu erfüllen und die Geschichte ein weiteres Mal erzählt. Man sitzt im Kino, kann – als absoluter Fan der Terminator-Reihe – jedes einzelne Wort mitsprechen und feiert den bis dato besten Terminator in seinem Lieblingskino im Jahr 2017! Was für ein Fest!

Sofort spürt man den Unterschied, welche Machenschaften damals aktuell waren. Dass mit Technik nicht viel gemacht wurde und höchstens hier und da mal ein paar visuelle Effekte eingepflegt wurden, die jedoch eher verpönt waren, weil es das Gesamtbild des Realistischen einfach verzerrte und aus einem perfekten Film nur etwas Zweitklassiges werden ließ.
Terminator 2 ist nicht zweitklassig, sondern glänzt auch heute noch mit einer unverkennbar wichtigen, eindrücklichen und wohlüberlegten Botschaft, die ihre Wirkung auch jetzt auf der Leinwand immer noch nicht verfehlt.
Die Liebe und Hingabe, die James Cameron damals in sein Werk investierte, zeigt sich auch aktuell bei der von ihm persönlich überwachten, in 3D konvertierten Fassung, die den Film technisch auf das aktuelle Niveau hebt, ohne ihn durch modernen Schnickschnack zu verschandeln.
Zwischen den technisch perfekten, unglaublich in die Tiefe projizierten Bildern (Cameron wusste natürlich, welche Szenen sich perfekt dafür eignen und hat sich auf eben diese spezialisiert) finden sich immer noch die Original-Material-Aufnahmen, wodurch man spürt, dass man auch heute dem Werk immer noch einen tiefen Respekt zollt und nicht mit Modernität überrumpelt und der Ansicht ist, es einfach alles besser zu können und dadurch nochmal die gleiche Geschichte neu verfilmt respektive einfach alles neu rendert.
Die Schärfe ist extrem – die Bilder unglaublich plastisch und mit immenser Detail-Tiefe bereichert, während der Film selbst noch den Charme seiner Zeit ausstrahlt und eben ein echtes Original ist, von dem man meinen könnte, es wäre heute erst gedreht worden. Mad Max: Fury Road (3D) und seine authentische Stunt-Darstellung lässt grüßen.
Dieser Respekt gegenüber dieser Zeit, die tiefe Verneigung vor der unglaublich visuellen Kraft, die man damals in seine Filme gesteckt hat, findet sich auch in der dreidimensionalen Neufassung wieder, die im Kino zu sehen definitiv Pflicht ist. Denn: Cameron wollte der heutigen Jugend einen Film näherbringen, den man damals gesehen hat – auf DVD – und nicht in dieser unfassbar coolen Fassung, die es am 29. August 2017 in den Kinos zu bestaunen gibt.
Also rein da!
 

.kinoticket-Empfehlung: Es fühlt sich an, als wäre man selbst in der Zeit zurückgereist und all die Probleme, in die uns unsere Geschichte gefahren hat, seien vergessen: Man bekommt nochmal eine Chance, während Edward Furlong gerade in den Kinos vorgestellt wird.
Die Originalität dieses Meisterstücks wurde in keinster Weise verbogen oder durch irgendwelche modernen Techniken verschandelt, sondern dem Werk wurde der ihm gebührende Respekt gezollt, während man die Geschichte topmodern und technisch auf absolut einwandfreiem Niveau erneut der Jugend in den Kinos vorführt.
Gut so, denn das ist ein unangefochtenes Beispiel für einen wahrhaft sensationellen Film, der alles mitbringt, was das Kinoherz liebt: Action, Schauspieler-Originale und eine fantastische Story, die man mittlerweile in den Sand gefahren hat.
Damals war sie noch in Ordnung – und am 29. August wird sie es wieder sein. Eure Chance!

 
Nachspann
Wie damals – nichts neues mehr nach dem Abspann – außer dem aktualisierten 3D-Abspann, der die Mitarbeiter würdigt, die hier wirklich unfassbare Arbeit geleistet haben. Danke Jungs!

Tubelight

Wer einmal ein Bollywood gesehen hat, hat entweder für immer damit abgeschlossen, oder seine Liebe daran gefunden. Ich bin zwiegespalten, was das angeht. In der Vergangenheit war ich mehrfach beeindruckt von dieser Art Film, seiner epischen Größe und der unglaublichen schauspielerischen Leistung, die man hier eingebracht hat.
Mit Tubelight geht wieder solch ein Titel an den Start, der in seiner Ernsthaftigkeit zwar schon leicht am türkischen Kino kratzt, jedoch niemals so ausfallend und absolut schräg wie dieses Land in cineastischer Hinsicht wird. Damit hat man Hauptdarsteller, die zwar die ganze Zeit über rum blödeln, Songtexte, die für sich einen Beitrag wert wären bezüglich inhaltlicher Fragwürdigkeit, dafür aber ein absolut stimmiges Gesamtkonzept und eine Botschaft, die wieder in den Untiefen des indischen Glaubens und dessen Weisheiten gräbt und Erstaunliches zutage fördert.
Und genau das rechne ich diesem Werk hoch an: Die behutsame und trotzdem unterhaltsame und spaßige Heranführung an diese durchaus expliziten und wichtigen Lebensweisen, denen wir auch in unserer westlichen Kultur etwas mehr Aufmerksamkeit beikommen lassen sollten, um generell ein besseres Leben führen zu können.
Solcherlei Gedankengut dümpelt in den Köpfen höchstens als fernes geschichtliches Konstrukt rum, das in der aktuellen Zeit keinerlei größerer Beachtung mehr bedarf, Tubelight zeigt aber genau das Gegenteil.
So kann man jetzt über die gelungene oder misslungene Darstellung von Salman Khan und Soheil Khan diskutieren, oder sich einfach auf das besinnen, was dieses Werk einem positiv mit auf dem Weg gibt: Die subtile, tiefgründige und umso wertvollere Botschaft in ihrem Kern daselbst.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch von dem Wörtchen “Bollywood” nicht abschrecken, denn auch hier findet ihr wieder einen Film, der in meinen Augen absolut sehenswert ist.
Klar, sollte man mit den Grundpfeilern dieser Filmform zurechtkommen und keinen absoluten Hass hegen – oder man lässt sich einfach darauf ein, löst ein .kinoticket und lässt sich von dem, was da kommt, einfach überraschen. Wer weiß, vielleicht ist hinterher der ein oder andere ja gar nicht mehr so enttäuscht, wie vielleicht erwartet?

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also wieder ans Tageslicht.

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