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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Künstlerin

Das Familienfoto

Das Familienfoto
© 2019 Alamodefilm

 

Nischen-Label, amouröser Familien-Kuschel-Titel, irgendwas mit Vanessa Paradis (muss die wieder was machen oder wie?) und schon steht man da und weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Eigentlich steckt hier ja Potenzial am Start, dass eigentlich alle Voraussetzungen bietet, um einen famosen Insider zu landen… aber: Es langweilt.

Keine Ahnung – ich bin nach dem Film raus und dachte mir: Was war das denn? Völlig spurlos, keinen Plan, was man eigentlich will, und der Titel hat mit dem Inhalt gewissermaßen überhaupt nix zu tun, wenn man die letzten 30 Sekunden verschläft. Äh?

Sorry, auch wenn ich normalerweise viel für Filmperlen und abseits der Hauptspur-Filme übrig habe: Aber das geht deutlich besser. Da helfen auch die ganzen französischen Namen auf den Plakaten nix mehr, denn per se zu sagen: „Okay, ist aus Frankreich, muss gut sein“ zählt nach diesem Titel definitiv auch nicht mehr als Generalentschuldigung.

Kurzum: Spart euch die Zeit, oder handelt nach eurem Bauchgefühl nachdem ihr den .trailer gesehen habt: Mich hat das Ding absolut nicht abgeholt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Schade um die Zeit, das geht deutlich spannender und besser.

Was hier geliefert wird, ist total planlos, ziellos und einfallslos – und wenn man die letzten 30 Sekunden verpasst, weiß man nicht mal, warum der Film überhaupt so heißt.

 

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Photo de Famille
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Drei Gesichter

© 2018 Weltkino Filmverleih

Iran im Jahr 2018 – wir müssen, wenn wir wirklich ehrlich uns gegenüber sind, zugeben, dass wir eigentlich rein gar nichts über das Land wissen außer dem Schrott, der uns in den sensationsheischenden Medien über den Krieg zwischen den USA und dem Iran erzählt wurde (oder war‘s Irak – selbst das können die wenigsten auseinanderhalten).

Dieses Land hat auch Filme? Auch Kultur? Dort leben Menschen Tag für Tag, die an etwas anderem interessiert sind, als den Amis irgendwelche Waffen vorzuenthalten?

Ja! Über die Kultur und das „Innenleben“ dieses Staates wissen nur sehr wenige – und in meinem Umfeld und Einflusskreis rein gar niemand etwas drüber. Tatsächlich ist es aber so – manche mag das verwundern – dass dieses Land sehr viel mehr zu bieten hat, als das Paradebeispiel für die Achse des Bösen für den Rest der Welt darzustellen.

Im Iran gibt es auch viele Probleme und das alltägliche Leben ist für die meisten kein Zuckerschlecken. Und darüber erzählt Jafar Panahi etwas, der Buch geschrieben und Regie geführt … und als Besetzung auftritt, gemeinsam mit Behnaz Jafari, der gefeiertsten und berühmtesten Schauspielerin des Landes.

Ja, sie treten gemeinsam selbst auf und erzählen gewissermaßen „ihre eigene Geschichte“ anhand eines Portraits, das sehr tiefe, ehrlich-authentische und beeindruckende Einblicke in ein Land gewährt, das für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Cannes hat das Werk bereits anerkannt und die Goldene Palme für die beste Regie überreicht, jedoch ist dieses Stück so viel mehr! Unsereiner sieht vielleicht einen Film, der „echt ganz gut ist“, aber wenn man überlegt, wieviel Arbeit da dazugehört, in einem Land wie diesem als Frau in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen und welche kulturelle und politische sowie geistig-gesellschaftliche Vorarbeit notwendig ist, um erstmal für uns völlig banale Alltäglichkeiten herzustellen, dann ist es in tiefstem Maße beeindruckend, so etwas hergestellt zu haben.

Panahi mögen einige kennen über seinen vorherigen Film Taxi Teheran und mit Drei Gesichter zeichnet er erneut das Bild eines Landes in völlig verständlichen Farben auf einem hoch ansehnlichen Niveau für den Kinogänger in einer Weise, die im Gedächtnis haften bleibt und die es deshalb für mich zu den Filmen geschafft hat, die man definitiv gesehen haben sollte, um seine kulturelle Allgemeinbildung dahingehend erweitert zu haben.

Und hier zählt wirklich viel mehr als das wirklich rühmliche Offensichtliche – nämlich, welche künstlerischen Möglichkeiten und „Ausflüchte“ jemand in einem Land nehmen muss, um einfach „frei sprechen“ zu können: Vor diesen Schachzug verneige ich mich in Ehrfurcht und lege allen ans Herz: Besorgt euch .kinotickets, auf denen Drei Gesichter aufgedruckt ist – egal, wo. Hauptsache, der Titel stimmt!

.kinoticket-Empfehlung: Ein intimer Einblick in eine völlig unbekannte Wahrheit und Kultur eines Landes, über das nur sehr wenige genaueres wissen.

Die Figuren spielen sich alle selbst und dringen dabei in Gefilde vor, die wohl kaum jemand aus unseren Kreisen je erreichen dürfte: So präzise, fein austariert und künstlerisch auf höchstem Niveau hat mir bisher noch nie jemand einen kompletten Staat beschrieben. Großartig und zu Recht in Cannes ausgezeichnet! Rein da!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. Dezember 2018

Original Title: Se rokh
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Filmdebüts sind etwas absolut Wertvolles. Zum einen kommt frisches Blut auf die Leinwand, unverbrauchte Ideen, frischer Geist, neue Inspiration – zum anderen sind bisher alle Debüts, die mir vor Augen gekommen sind, ein voller Erfolg gewesen.
So auch hier. Lars Montag verfilmt in kompakter und leicht umgeschriebener Weise das Buch von Helmut Krausser und landet damit gleich mal einen Volltreffer.
Angespornt von den komplexen Verflechtungen der verschiedenen Persönlichkeiten spinnt er ein Netz im Grossstadtdschungel und lässt alltägliche Gefühle und Sehnsüchte zu einer Offenbarung werden.
Die Vorgehensweise im Plot hat mich zutiefst beeindruckt. Der Aufbau, die Charaktere als solches, das abartige Finale – der Streifen hinterlässt beeindruckende Momente und hallt noch lange nach.
Wo man bei großen Hollywoodblockbustern oftmals nach mehr Profil schreit, nimmt man sich hier geschlagene zwei Stunden Zeit um quasi nichts anderes zu machen als Charakter zu formen und dabei mit der Kamera draufzuhalten. Die Darsteller selbst legten sich dabei so dermaßen ins Zeug, dass sie bei den Dreharbeiten vom Regisseur gebremst werden mussten, um noch FSK-tauglich zu bleiben. Diese Leidenschaft und den Enthusiasmus für die Rolle merkt man allen sowohl vor als auch hinter der Kamera an.
Für mich hat dieser Film Auszeichnungen verdient, denn man erfüllt nicht nur jedweden Anspruch auf fantastische Weise, sondern liefert dem Kino wieder Inhalt und dazu noch eine grandiose Geschichte. Mehr davon!
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein rein rein!
Filmdebüts sind sowieso Pflicht – und wenn dann noch – wie hier – Story, Komplexität, Anspruch und Unterhaltungsfaktor stimmen – macht’s im Kino erst recht richtig Spaß.
Zutiefst beeindruckend und mit nachhaltiger Wirkung für die Seele.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – hier kommen noch ein paar Szenen.

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