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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Liam Neeson

Hard Powder

Hard_Powder_Plakat

© 2019 StudioCanal

Liam Neeson – kennst du einen, kennst du alle. An dieser Aussage ist irgendwo ein Stück Wahrheit dran, dieser Typ spielt tatsächlich immer wieder die gleichen Rollen mit dem immer gleich leidenden Vater, der irgendwo seine Schützlinge rächen möchte und darum gegen Gott und die Welt in den Krieg zieht und mit seiner verbitterten Miene und düsteren Einstellung jeden Kampf auf destruktive Weise gewinnt.

Tatsächlich hat dieser Kerl im wahren Leben einige Verluste hinnehmen müssen, weswegen er in diesen Rollen so aufgeht: Hier kann er seine Trauer ausleben und muss nicht schauspielern, sondern darf einfach er selbst sein und kann seine Emotionen verarbeiten.

Was ist jetzt an Hard Powder so anders, dass er im Week-Ranking landet und ich euch empfehle, diesen Film anzusehen?

Hans Petter Molands Neuinterpretation seines eigenen Einer nach dem anderen aus dem Jahr 2014 tischt nicht nur eine Glanzvorlage für Neesons Charakter auf, sondern bringt etwas ins Spiel, dass den Film in meinen Augen wieder sehenswert macht: Bitterbösen Humor. Damit kann man eigentlich fast immer punkten – und kurioserweise ist schwarzer Humor flächendeckender erfolgreich als bestimmte Formen von Comedy.

Dazu gesellt sich der wunderbar verdreckt aussehende Look aus dem Nordischen gepaart mit Einsamkeit und der fröstelnden Atmosphäre, die im Kinosaal gefühlt zusätzlich für Gänsehaut sorgt. Wenn man jetzt nicht zwingend allein im Saal sitzt, sondern auch noch etwas Publikum neben sich hat, das an den richtigen Stellen lacht, wird‘s fast schon garantiert eine tolle Vorstellung.

Darum: Anschauen. Und darum: Im Kino. Mittelmäßige Leinwände taugen, der Sound sollte nicht all zu ruhig sein und hockt euch nicht zu weit nach hinten – vorne macht‘s mehr Spaß und man ist eher „mittendrin“.

.kinoticket-Empfehlung: Natürlich sollte man ein klein wenig Sympathie für Liam Neeson mitbringen, wenn man in diese Vorstellung will.

Sofern man einen Film von ihm sehen möchte, dann aber definitiv diesen hier, denn das absolut erfreuliche Bonus-Zuckerstückchen dieses Titels ist der zynisch-sarkastische Humor schwarzer Güte, der hier den herausragenden Unterschied zu all seinen sonstigen Werken leistet. Und der macht tatsächlich so viel Laune, dass sich der Kinobesuch dadurch schon lohnt.

Nachspann
✅ ist nice animiert, braucht aber nicht zwingend ausgesessen werden, neue Szenen kommen keine.

Kinostart: 28. Februar 2019

Original Title: Cold Pursuit
Length: 119 Min.
Rated: FSK 16

Schindlers Liste

Schindlers Liste

© 2019 Universal Pictures International

25 Jahre – ein Vierteljahrhundert – ist es her, dass Schindlers Liste auf der Außenwand des Kinos in der Stadt stand, in der meine Musikschule war. Mich hat man damals nicht in den Film rein gelassen – und ich hatte auch noch nicht so die Ambitionen für Kino, wie sie heute ausgeprägt sind.

Sehr wohl habe ich aber früher oder später damit Kontakt bekommen und ich war gelinde gesagt geschockt über das, was dort gezeigt wird. Diese brutale Aufwicklung von Geschehnissen aus dem zweiten Weltkrieg, die eine Geschichte erzählen, mit der jeder von uns auch heute noch tagtäglich konfrontiert wird.

Ehrlich gesagt zählt Schindlers Liste zu den Filmen, die in meinem Leben die meisten einprägsamen, bleibenden Momente erzeugt haben und dessen Soundtrack allein mir schon mehrfach das Herz zerrissen hat. Was für Tränen hab ich vergossen für die Menschen, denen man so etwas angetan hat. Wieviel Leid und Kummer muss das gewesen sein … in all der Zeit, nach all den Jahren, in Tagen wie diesen, wo dieser Geist erneut aufzublühen scheint, frage ich mich eigentlich immer wieder, ob die Welt diesen Film immer noch nicht gesehen hat.

Für mich ist das kein Film, für mich ist das Geschichte. Für mich entbehrt es jedweder Diskussion, denn am Anfang steht immer die Frage „Hast du Schindlers Liste etwa immer noch nicht gesehen und begriffen, was hier vor sich geht?“

Tatsächlich wäre dann sicherlich vieles in unserem Land anders, wenn Menschen begreifen würden, welche Zusammenhänge das hat, wie die Dinge ineinandergreifen, wie man systematisch ohne es zu wollen Menschen vernichtet und selbst zum Arschloch wird, obwohl man es „nur gut gemeint hat“ usw.

Dieser Film ist eine Bombe!

Eine Bombe, die man nicht oft genug zünden und den Menschen vor Augen halten kann, damit sie begreifen und lernen. Anders werden. Anders denken. Und aufhören mit dem Bullshit, über den die Medien dann gezwungenermaßen berichten.

Es würde so viele … so viele Diskussionen überflüssig werden lassen, weil danach kein einziges Wort mehr gesprochen werden müsste, da dieser Film einfach alles sagt! Und ja, ich übertreibe kein bisschen!

Hier wird weder einseitig berichtet, noch Dinge ausgespart, noch Sachen übertrieben oder unterschwellisiert, hier werden einfach Tatsachen gezeigt und der Zuschauer darf selbst entscheiden, wie er dazu stehen möchte.

Und dieses Ding ist einprägsam! Ja, ich habe nicht berichtet über Filme, die schon vor Urzeiten im Kino liefen und die man jetzt einfach nochmal auf den Screen zerrt. Coole Sache übrigens, so hat man ganz regulär die Chance, die geilen alten Streifen nochmal im Kino zu sichten und ist nicht zwingend auf Heim-Zumutungen angewiesen.

Diesmal konnte ich die Finger aber nicht still halten, denn:

Ihr habt einmalig die Chance, am heutigen Sonntag, 27. Januar 2019 in den Kinos deutschlandweit den Film erneut auf der großen Leinwand zu sehen!

Zum 25jährigen Jubiläum bringt man den Film digital überarbeitet und qualitativ aufgewertet zurück auf die Leinwand und öffnet somit allen heute lebenden Menschen die Möglichkeit, den Film entweder zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt zu sehen oder ihn erneut auf der Leinwand zu erleben und sich all die Erinnerungen zurückzurufen.

Und dieses Ding ist Pflicht! Absolute Pflicht. Obwohl 25 Jahre vergangen sind, gab es niemals einen wichtigeren Zeitpunkt, als die Message in die Köpfe der Menschen zu bringen und sie nachwirken zu lassen, auf dass ganze Heerscharen zur Besinnung gelangen und die Welt endlich anfängt, ein besserer Ort zu werden, als er ist.

Film Facts:
Inzwischen lief dieses unzählige Male ausgezeichnete Werk auch auf diversen Fernsehkanälen und sorgte dort für Furore. Vielleicht ist es jemandem schon mal aufgefallen, dass sich viele Fernsehsender daran halten und den kompletten Film absolut werbefrei zeigen, um die Wirkung nicht zu beeinträchtigen und ihm die angemessene Ehre zuteil werden zu lassen.

Sender wie superRTL verzichteten 2017 sogar auf das Senderlogo und zeigte den Film damit quasi in der DVD-Fassung. Wenn selbst hier außergewöhnliche Zustände herrschen, wieviel wichtiger ist dann, dass ihr euch ins Kino bewegt und ihn euch dort nochmals anschaut!

.kinoticket-Empfehlung: Achtung: NUR HEUTE auf der großen Leinwand – Sonntag, 27. Januar 2019 – 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung als digital aufgewertetes Werk zurück in den Kinos!

Es gibt kaum einen Film, der wichtiger wäre, kaum ein Werk, dass brachialer und mächtiger nachwirkt, kaum einen Titel, der einem mehr Emotionen abverlangt, als dieser hier: Nutzt die Chance und seht ihn euch an! Es sind 195 Minuten eures Lebens, die ihr nie wieder bereuen werdet!

Nachspann
❌ Dieser Song!!! Es bricht mir das Herz!

Kinostart: 03. März 1994 | Zurück als Event am 19. Januar 2019

Original Title: Schindlers Ark
Length: 194 Min.
Rated: FSK 12

Widows – Tödliche Witwen (inkl. Gewinnspiel)

Widows

© 2018 Twentieth Century Fox

Twentieth Century Fox hat euch für diesen Film wieder ein Gewinnerpaket geschnürt bestehend aus 3×2 Freikarten sowie 3x Kinoplakaten, die ich unter dem Beitrag an meine Leser weiterverlosen darf!

Der Rachefeldzug gegen die männliche Dominanz im Kino geht weiter – und erbt inzwischen ertragreiche Früchte, die nichts mehr mit Gender-Gerede zu tun, sondern den Absprung zum ernsthaften und wahnsinnig unterhaltsamen Kino-Entertainment-Abenteuer längst vollzogen haben.

Widows – Tödliche Witwen ist das geistige Erbe eines Fans der TV-Serie von damals, der die geballte inhaltliche Power auf die neuzeitliche Gegenwart und damit eine völlig andere Gesellschaft projizieren wollte und in meinen Augen einen großartigen Coup gelandet hat.

Gleichzeitig berührt der Film abseits der Action auch sensible Parts des Lebens und liefert übersetzbare Vorbildpraktiken für ein gemeinschaftlicheres Ziele-Erreichen, das jeder auf seine Art in den Alltag interpretieren und (ohne Waffen & Gewalt) umsetzen kann.

Steve McQueens Werk steht dabei aber in keinem Schatten und muss sich durch irgendetwas behaupten, sondern er wartet mit starken, überzeugenden und inhaltlich tragbaren Elementen auf, die am Ende einen unglaublich sehenswerten Streifen auf die Leinwand gebracht haben, der für einen gemeinschaftlichen Kinoabend lässig taugt.

Das Metier, in dem man sich hier bewusst bewegt, grenzt an das Plot-Genre des Actionkinos heran und trumpft hier und da mit ein paar tollen Überraschungen auf, die aus dem Gesehenen definitiv keine Enttäuschung werden lassen.

Damit schafft McQueen ein vorzeigbares Neuzeitelement von Lynda La Plantes Miniserie und liefert als Oscar-Gewinner für 12 Years A Slave erneut einen Titel für die große Leinwand ab, den man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox hat wieder zugeschlagen und euch ein Bundle geschnürt, bestehend aus 3×2 Freikarten für den Film sowie insgesamt 3 Kinoplakaten, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Beantwortet diesmal einfach folgende Frage:

Welche Filme mit starken Frauenrollen habt ihr bereits im Kino gesehen und welcher hat euch davon am besten gefallen?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Sonntag, 16. Dezember 2018 unter diesem Beitrag im Blog eingehen, werden die Gewinne verlost. Bitte gebt hierfür bitte dringend eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann.

Nach Abfrage eurer Adresse wird euch im Falle des Gewinns dieser postalisch zugeschickt und alle Daten anschließend wieder gelöscht.

Ich wünsche euch viel Glück und natürlich – wie gehabt – mega viel Spaß in den gemütlichen Sesseln der Kinos.

.kinoticket-Empfehlung: Starke Geschichte über extrem starke Frauen!

Steve McQueens Filmwerk ist eine Hommage an die Londoner TV-Serie und trägt deren Inhalte ins moderne Chicago, was an der kraftvollen Aussage dieses Werks rein gar nichts ändert und definitiv für einen gelungenen Kinoabend steht.

Nutzt die Chance auf die Freikarten und bevölkert die Kinos – dieser Titel lohnt sich definitiv.

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Widows
Length: 129 Min.
Rate: FSK 16 | R

The Commuter

Wer erstklassige Action sucht mit grundsoliden Festen, auf denen dieser Erzählspaß fußt, sollte um Liam Neeson einen leichten Bogen machen, denn der äußert sich eher in subversiver Materie, die nicht ganz vorne dran mitspielt, sich aber in den letzten Jahren durchaus seinen Bereich freigekämpft hat.
Dann kam The Secret Man und auf einmal war der Mann riesengroß!
Entsprechend stiegen auch meine Erwartungen und für Übernahme-Dramen hab ich immer etwas übrig, allerdings mittlerweile auch mit sehr gestiegenem Niveau und hohen Ansprüchen.
Der .trailer zu The Commuter (deutsch: Der Pendler) tut sein übriges und teasert wieder eine völlig neue, geile Idee an, für die Neeson wie geschaffen zu sein scheint und der Film dann … naja.
Jüngst hat man darüber diskutiert, wieso Hollywood es so liebt, in Filmen mit Zügen zu arbeiten: Sie bringen Fahrt auf, treiben die Story voran, bringen Geschwindigkeit und Drive in die Sache … und all das findet man in The Commuter eher weniger, ganz im Gegenteil: Es zündet irgendwie nicht so richtig, die Gespräche deuten zwar hochdotierte Kost an, aber das Ergebnis ist dann genauso ernüchternd wie der Blick in den FastFood-Karton eines Burgers.
Und das ist eigentlich traurig, denn das Thema ist spannender denn je und gewinnt in unserer Zeit sogar immer mehr an Bedeutung im Umgang mit dem sozialen Umfeld.
Dass hier dann so enorm mit Effekten, Spannungsbögen, gefühlter Geschwindigkeit und dem durchdringenden Rumms eines unaufhaltsamen Zuges gespart wird, deutet an, dass dieser Film wohl bald wieder aus den Kinos verschwinden wird, obwohl die Zuschauerzahlen noch im angenehmen Bereich sind. Und das Ende ist gelinde gesagt einfach erbärmlich und gnadenlos mit dem Zuschauer, der hier entweder verstört aufspringt und aus dem Saal rennt oder enttäuscht sitzen bleibt und sich fragt, warum das jetzt alles.
Da hätte man den Drehbuchschreibern einfach noch ein paar mehr Nächte aufs Auge drücken müssen, um hier einen etwas glückseligeren Ausgang zu finden, was nicht zwingend bedeuten muss, dass man an der Positiv-Negativ-Waage etwas drehen muss. Nur der Twist ist insofern nicht wirklich da und offeriert eher Lustlosigkeit denn Leidenschaft – sehr zum Leidwesen desjenigen, der sich voller Vorfreude ein .kinoticket für die Show gebucht hat und wieder einmal verblüfft werden will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Neeson kehrt zu alter Gewohnheit zurück und überzeugt wieder in seinem bekannten Business ohne großartige Überraschungen oder nennenswerte Elemente.
Der Film ist solide verpackt in unterschwelligem Humor und bringt es die ganze Laufzeit über kein einziges Mal fertig, so richtig Fahrt aufzunehmen. Das Potenzial, dass man anfänglich in den Dialogen noch samenhaft streut, lässt man danach sofort verrotten und wendet sich lieber salonfähiger Action zu, die weder beeindruckend noch nachhaltig ist – in meinen Augen einfach verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, auch wenn das Design wunderschön gemacht ist. Wer das genießen möchte, darf dies natürlich gerne tun.
Kinostart: 11. Januar 2018

The Secret Man

Oftmals braucht man ja gar nichts mehr zu einem Film sagen, sondern einfach nur ein Gesicht dazu präsentieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und die Zuschauerschaft ins Kino zu locken.
Wie wäre es mit Liam Neeson? Dessen Konterfei ja mittlerweile auch seinen eigenen Ruf erarbeitet hat und für ein ganz bestimmtes Genre steht, dass sich quasi schon als Subkultur innerhalb der Thriller- und Actionwelt begründet hat?
Ähm … schwierig. Richtig?
Aus dem Grund haben die Kostüm- und Maskenbildner in The Secret Man auch erstklassige Arbeit geleistet, da man den Mann in seiner Güte kaum wiedererkennt. Und seine Rolle schon gar nicht.
Bereits im .trailer entdeckt man eindrucksvoll, zu welch schauspielerischen Höhenflügen dieser bereits in die Jahre gekommene Mann noch fähig ist und dass er es durchaus versteht, seine Fans und darüber hinaus auch andere zu begeistern.
Nicht nur, dass diese Story wieder auf wahren Begebenheiten beruht, die damals von den Medien bis ins unerträgliche ausgeschlachtet wurden, sondern man münzt die Vorfälle in entertainmentfreudige und brachial-unterhaltsame Momente um, die einen erstklassigen und vor allem spannenden Polit-Thriller erschaffen, der gerne wochenlang die Blockbuster-Top-10 anführen darf.
Dass solche Naturgewalten schon seit Jahrhunderten die Massen begeistern, ist ja allseits bekannt. Einen so intimen Einblick in die privaten Bereiche dieser Organisationen mit Messer und Salz bewaffnet für all die wunden Punkte ihrer Karriere hat bislang aber noch keiner so eindrucksvoll hingekriegt.
Mich hat’s extrem mitgenommen und wieder mal hat Hollywood es nachträglich geschafft, eigentlich langweilige, für Schüler und Studenten uninteressante Politik zu einem sehenswerten Erlebnis zu machen, dass noch lange nachhallt und einprägsam einen Teil unserer Weltgeschichte ins Gedächtnis einbrennt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehen sollte man den Film auf jeden Fall, denn der zerbricht fast unter seiner selbst aufgebauten Spannung – und das, obwohl eigentlich alles schon vorab bekannt sein könnte.
Dazu sollte man sich ein ungestörtes, großes und soundträchtiges Kino suchen, aber nicht auf Actionsequenzen warten, sondern sich von dem wummenden Sound und der politischen Härte umnieten lassen.
Unterhaltung ist dabei auf jeden Fall garantiert.

 
Nachspann
wahrt die Anknüpfung an die reellen Geschehnisse in Form von Sätzen. Danach folgt nichts mehr.
Kinostart: 2. November 2017

Sieben Minuten nach Mitternacht

Manchmal gibt es Menschen auf der Welt, die einen Draht zu etwas ganz besonderem haben. Genies. Vielleicht in der Realität total verarmte, verwahrloste oder unscheinbare Typen, die jedoch mit etwas ganz besonderem gesegnet sind. Menschen, die Schicksale erleiden, Menschen, die unglaubliches durchstehen müssen, Menschen, die man an ihre Grenzen bringt und ihnen anschließend einen Arschtritt verpasst und dabei zusieht, wie sie über sich selbst hinauswachsen und dabei etwas Unvergessliches erschaffen.
Ich weiß nicht, wer Siobhan Dowd war, wie sie gelebt hat, und was ihr widerfahren ist, ich weiß nur, dass sie vor Beendigung ihres Schreibens dem Krebs erlegen ist und daher diesen Roman niemals fertigstellen konnte. Dieser Aufgabe hat sich dann Patrick Ness angenommen und damit renommierte Preise, weltweites Aufsehen und einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.
Ich selbst habe dieses Werk noch nie in den Händen gehalten und kann daher keine Beurteilung darüber abgeben, inwieweit der Film der Buchvorlage gerecht wird, was ich aber weiß, ist, dass hier so dermaßen unglaublich brachiales, herzzerreißendes und zutiefst emotionales Kino geboten wird, um eine Geschichte zu erzählen, die meine persönliche Gefühlswelt jedes Mal bei weitem überfordert hat.
Das erste Mal (ich meine, es war Anfang November 2016) wusste ich nicht, wo ich im dunklen Kinosaal schnell ein paar Tücher kriegen konnte, um mein verheultes, ergriffenes Gesicht wieder einigermaßen alltagstauglich zu machen, während man mir beim zweiten Mal im April diesen Jahres die Frage stellte, ob bei mir alles in Ordnung sei, weil ich so ergriffen im Foyer sitzen würde.
Beide Male war der Film daran schuld. Beide Male war diese unglaubliche Ausdruckskraft, das künstlerische Können und die bildhafte Sprache von jugendlicher Rebellion, die jeden Erwachsenen anspricht und damit das Thema der Generationen galant überspielt, daran schuld – denn beide Male hat man brennende Pfeile auf mein Herz abgeschossen und sich meine cineastische Liebe ohne Kompromisse erkauft.
Mal ernsthaft: Ich hadere auch immer mit mir selbst (und lese deshalb vorzugsweise keine Bücher, von denen ich glaube, dass sie verfilmt werden könnten), ob man nun dem kreativen Freiraum des Geistes die Bühne gewähren und die Fantasie spielen lassen, während man sich langsam durch das geschriebene Wort wälzt, oder ob man sich genüsslich zurücklehnen und die Effekte spielen lassen sollte, um die Geschichte verblümt über die Leinwand rauschen zu sehen.
Ich denke, Sieben Minuten nach Mitternacht schafft beides – denn der Besuch im Kino ist packend und trifft garantiert jedes fühlende Wesen tief in seiner Seele an einem sensiblen Punkt.
Und daran ist nicht nur Sigourney Weaver schuld, der ich seit Alien treu ergeben bin, und auch nicht die Preisträgerin Felicity Jones oder der medienwirksame Liam Neeson, sondern einer der wichtigsten Säulen dieses packenden Stücks ist Lewis MacDougall, der als Jungdarsteller hier mit einer Mimik und berauschenden Ausdrucksart glänzt, die man Kinderdarstellern niemals zutraut.
Im Ernst: Was hat man diesem kleinen Kerl zu schlucken gegeben, dass der so eine abartig-geile Performance hinlegt und sein Publikum innerhalb von Sekunden an sich reißt und es keine Sekunde mehr auch nur einen Millimeter von sich weglässt?
So eine atemlose Jagd nach etwas völlig Unnatürlichem mit einer derartigen Bildkraft und emotionalen Tiefe habe ich selten erlebt. Und ich finde auch bei längerem Nachdenken keine vergleichbaren Filme, die ebenfalls mit solch einer Würde das innere Sterben von Glückseligkeit auf so eine wunderbare Weise darstellen und hier inmitten von Umrahmungen die größte Geschichte aller Zeiten erzählen.
Auf Deutsch: Noch nie war es so erbittert grausam, zu warten, bis man endlich darüber reden darf. Noch nie war es so unsagbar schwer, den Kinostart herbeizufiebern und endlich endlich endlich wieder und wieder in diesen Titel rennen zu können.
Leute? Obwohl mein Limit für UHD-Discs deutlich niedriger angesetzt ist, würde ich ohne zu zögern 49 Ocken auf den Tisch blättern, um das Teil nachts beim Einschlafen, morgens beim Aufstehen und unter tags auf dem Bildschirm rauschen zu sehen und beständig in die Abgründe der Seele des Kleinen abtauchen zu können.
Diese Notwendigkeit, mit der man hier Schmerz illustriert und dem Zuschauer über furchtbare Kanäle zuführt, diese Selbstverständlichkeit, mit der man die kindlichen Anomalien des Denkens überzeichnet und sie der Erwachsenenwelt zugänglich macht, die Vermengung von Alltäglichkeit und den unsagbar tiefen Abgründen kindlicher Ängste in einem Film zu verdeutlichen und jedem – wirklich jedem – nahezubringen, grenzt für mich selbst an ein unglaubliches Wunder.
Und genau so würde ich diesen Film auch bezeichnen: Als ein unglaubliches Wunder, dass den Kinofan und Filmliebhaber packt, umgarnt und anschließend tief in den Sog einer unfassbaren Welt zieht, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Und der einzige Weg zu überleben, ist der des kleinen MacDougall, der in diesem Stück die wohl wichtigste Lektion seines Lebens auf unvergessliche Weise lernt – und dies in der Umsetzung von Juan Antonio Bayona mit uns allen teilt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Solltet ihr die Wahl haben, entscheidet euch für die Originalversion mit Untertitel (OmU), denn nur hier schrammt man verbal wieder an der Profiltiefe, wie sie vom Autor wohl vorgesehen war.
Vergleicht einfach mal die Trailer auf YouTube, insofern ihr euch einen Teil der Geschichte bereits vorab zerstören wollt – oder vertraut mir und geht in die Vorstellung.
Wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt.

 
Nachspann
braucht man nach dieser Gefühlsorgie nicht mehr, sondern eher Zeit zum Verdauen.
Kinostart: 4. Mai 2017

Ted 2

Dass im Kino fast alle 10 Minuten in einem anderen Saal schon wieder eine Vorstellung von Ted 2 startet, zeugt davon, wie viel sich die Kinobetreiber davon versprechen. Im Gespräch mit einer Einlassdame erwähnte diese, dass es fast schade ist, dass Filme mit einem derart niedrigen Niveau so viele Zuschauer ins Kino locken, während bildende und tatsächlich wertvolle Schöpfungen wie 12 Years a Slave noch nicht mal gezeigt werden, obwohl der sogar einige Oscars einheimste.
Und ja, die großen Vorstellungen mit Filmmaterial, das einen wirklich bildet oder sich künstlerisch im Arthaus-Sektor bewegt, dominieren wirklich nicht unbedingt die Plakataushänge an den Außenwänden der Kinos. Ich möchte nicht sagen, dass es die gar nicht gibt, aber man muss schon sehr genau hinschauen, um einen davon zu entdecken.
Und ja, ich gebe zu, der Humor von Seth MacFarlane trifft nicht unbedingt den Geschmack von jedem. Was anfangs noch überraschend grenzüberschreitend und gewagt bei Family Guy erfrischte, landete in den folgenden Staffeln dann eher in der Müllgrube des guten Geschmacks und wurde derart speziell, dass sich mit Sicherheit nicht nur ich mich davon abwendete.
Glückstreffer wie Ted dazwischen ließen in mir Hoffnungsschimmer aufkeimen und so ging ich mit ziemlich gemischten Gefühlen in den Saal.
Fakt 1: Bucht euch in volle Säle ein. Je mehr Publikum, desto mehr Spaß macht der Film. Und zwar, weil ständig einer lachen muss und das die Gesamtstimmung einfach spürbar hebt. Selbst, wenn dich die Jokes auf der Leinwand grade so gar nicht ansprechen, ermuntert eben das Lachen der anderen dazu, selbst doch schmunzeln zu müssen. Also Faustregel: Je mehr im Saal, umso besser für die gute Laune.
Fakt 2: Ted ist versaut. Und macht daraus auch keinen Hehl. Finde dich damit ab, dann stellst du ganz schnell fest, dass die Schiene des Versautseins hier dennoch präzise gezogen wurde und man so dem Sturz in den Abgrund immer wieder entkommt. Ob es manche super gelungenen Animationen von Ted sind, diverse Szenen, hier und da auch mal nur eine Andeutung, die wieder einen Hauch von Niveau in die Geschichte trägt – der ganze Film überrascht letztendlich doch mit einer gekonnten Inszenierung eines Themas, das trotzdem Tabuthemen bricht und schonungslos darüber redet.
Fakt 3: Was MacFarlane sowas von drauf hat, ist Musik. Mich begeisterte schon das Intro von Family Guy und hier haut der Film wieder und wieder einen Volltreffer nach dem anderen raus. Was die Geschichte zeitweise an Niveau verliert, heben die teils jazzigen, teils rührenden Klänge immer wieder auf ein Level, das musikalisch seinesgleichen sucht. Ganz ganz großer Pluspunkt an die Vertonung – die ist in höchstem Maße gelungen.
Fakt 4: Ich freue mich auf die nächsten Academy Awards und die Anspielungen auf Ted 2 dabei, denn irgendwo beweisen die Macher hier, dass sie es eben doch drauf haben und auf ihre Art einen Teil des Zeitgeistes wiedergeben, in dem wir uns heute befinden. Das Prozedere hinter der Kamera spielt auf allen Ebenen ganz große Professionalität aus, denn der Film weiß so zu überzeugen, dass jemand, der Arthaus liebt, sich dazu entschieden hat, Ted 2 erneut auf die Liste zu setzen, denn irgendwo tief drin rührt sich unerwarteterweise doch etwas in puncto Gefühle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn Ted 2 im Trailer nicht unbedingt die gebildetste Schicht unserer Gesellschaft ansprechen will, gehört er für mich dennoch zu den Filmen, die man gesehen haben sollte.
Allein das fast getreue Wiedergeben des Zeitgeistes, der der Schöpfungsweise von MacFarlane innewohnt, ist den Besuch im Kino wert.
Grundsätzlich gilt: Mit 500 Leuten im Saal macht der Film mehr Spaß als nur mit 20 auf einer eigenen Hausparty. Also seht zu, dass ihr diesmal zur Masse hinrennt und mit ihr gemeinsam den Streifen konsumiert, dann kann daraus ein wirklich geiler Kinoabend werden.

 
Nachspann
gibt es einen, und der besteht nicht nur aus Buchstaben. Also keep calm and watch it.

Run All Night

Hiermit oute ich mich mal als film noir-Liebhaber und gebe zu, dass ich für diese Art von Kunst schon immer etwas übrig hatte. Außerdem bin ich gewissermaßen ein wenig mit Ed Harris aufgewachsen und in Verbindung mit dem Trailer und der Hoffnung, dass daraus endlich mal was wirklich gutes und kein so Dritte-Wahl-Blockbuster wird wie die restlichen Streifen von Liam Neeson, ging ich gespannt und voller Erwartungen in meinem Lieblingskino in den Saal und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
Ich weiß nicht, welche Kinos ihr in der Umgebung habt. Ich meinerseits fahre jedesmal gerne 120-150 km um ins nächste CinemaxX zu reisen und den übermäßig guten MaxXimum Sound dort zu genießen, der in einem Film wie diesem seine atmosphärisch wuchtige Pracht entfaltet und dir ungebremst ins Gesicht knallt.
Was hier auf der Leinwand zu sehen ist, ist kein Billigpappenheimer, der mit übermäßig vielen Schussszenen oder stupidem Geballer die Masse ansprechen will, sondern wider Erwarten richtig gutes Kino mit Anspruch auf Stil und Klasse.
Das klassische schwarz-weiß-Feindbild gibt es nicht, das Jonglieren zwischen Freund- und Feindschaft gefällt von der ersten Minute an. Abgewrackt und niedergelebt entpuppt sich Liam Neeson im Verlaufe der Story nicht zu dem Helden, den er in üblichen Machwerken mit seinem Konterfei gerne tituliert, sondern hier zählt nur Größe.
Das Zusammenspiel zwischen ihm und Harris war in meinen Augen ganz großes Kino. Hier wird nicht mehr billig gefeixt oder blöde Sprüche gekloppt, sondern schon die Dialoge und Zusammentreffen der beiden zeugen sowohl spielerisch als auch erzählerisch von Anmut und Eleganz. Dazu beinhaltet der Film eine Art von “Ruhe”, die schwer in Worte zu fassen ist. Das Thema – Run All Night – und die damit vorurteilsträchtige Hetze, die man dem Werk womöglich andichten möchte, sinkt eher in eine düstere Schwere, die sich gelassen und vollgepumpt mit mächtigen Soundeffekten den ganzen Film über professionell durchzieht.
Es ist Wahnsinn, was man aus ein paar wenigen Ideen für mächtige Illusionen erschaffen kann, die sich zu einer mitreißenden Selbstläuferstory entwickeln, die nicht nur unterhält, sondern tief beeindruckt.
Aus dem Saal raus spaziert bin ich gefühlte 2 Meter unterhalb des Erdbodens. Was man hier geboten bekommt, beeindruckt wirklich extrem und dazu tut der Score nicht nur sein übriges, sondern spendet einen beachtlichen Anteil an der Gesamtstimmung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gutes Kino, welches sowohl Nischengänger als auch Blockbusterfans von beiden Seiten her ansprechen dürfte – so würde ich Run All Night vielleicht beschreiben.
Wer einen wunderbaren Kinoabend sucht, der sowohl alt als auch jung unterhält, mit Soundeffekten und Score-Stimmung nicht spart und dazu noch eine nachvollziehbare Story liefert, die weder verärgert noch verspottet, der sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.
Und alle anderen auch. Denn ihr lernt hier etwas kennen, dass es tatsächlich wert ist, gesehen zu sein. .kinoticket lösen und rein da!

 
Nachspann
liefert Bilder, die den film-noir-Style des Movies nochmal richtig unterstreichen.

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