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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Lügen

Kleine Germanen

Kleine Germanen

© 2019 Little Dream Entertainment

Lasst den Krieg beginnen: Hauen wir mal verbal auf die Kacke und finden offene Worte. Alles andere ist Heuchelei und hilft niemandem weiter.

Das Plakat ziert der wunderschöne Satz “Ein wichtiger Film zur richtigen Zeit” und provoziert mit dem Bild, dass dort zu sehen ist. Ja, diese Behauptung ist wahr, denn wir müssen reden. Dringend reden.

Es herrschen Ausnahmezustände in den deutschen Foren, Social Media-Plattformen, Zeitungen, in den Köpfen der Menschen: Viele haben Angst, dass aus Deutschland wieder ein Nazi-Deutschland wird, andere haben Angst, dass durch Null-Komma-Prozent eine gesamte Kultur unterwandert und historisch getötet wird, wieder andere finden es richtig, unschuldige Bevölkerungsgruppen in die Luft zu sprengen, um sich für Missachtung und Hohn zu rächen und der Welt zu zeigen, dass ihre Tötungsmoral die bessere von allen Lebensformen ist.

Allen Religionsfanatikern gemein ist die Tatsache, dass ihre ständigen Kriegereien und Tötungen niemandem dienen und damit eine Religion ad absurdum führen, ganz gleich, welche Gottheit sie anbeten. Anderen Menschen das Leben durch Bomben, Terror, Gemetzel und Blut zu beenden kann NIEMALS die richtige Vorgehensweise dafür sein, um eine “trostspendende” und richtige Religion an den Mann zu bringen, die den Menschen hilft und der Allgemeinheit dienlich ist.

Hätten sich das einige “Führer” mal früher überlegt, gäbe es heute auch nicht weltweit eine solch verbreitete Aggression gegen gewisse Religionen, aber so weit denken manche eben nicht. Im Gegenteil: Viele von den “Hetzern” denken überhaupt nicht mehr, sondern haben ihr Hirn kategorisch ausgeschaltet und handeln nur noch in blindem Hass und voller Wut und Desorientierung.

Ich habe das Gefühl, manchmal sollte man sich gewisse Grundsatzfragen einfach nochmal neu stellen, um zu merken:

a) dass etwas schief läuft
b) was schief läuft

Und dafür muss man reden. Reden können. Schreib mal irgendwo eine These, ohne dass du sofort angefeindet und (verbal) terrorisiert wirst. Es fragt niemand mehr, warum. Es fragt niemand mehr, woher manche Situationen rühren und ob sie überhaupt so gemeint sind, jeder fühlt sich allernorts direkt und absolut angegriffen und verachtet, missachtet, geschunden, übergangen und heult nur noch rum, wie scheiße diese Welt geworden ist und dass die Zustände nicht besser werden.

The house got bigger, the minds don’t. Wir leben in einem Global-Menschismus, mit dem wir klar kommen müssen: Unsere Türen enden nicht mehr im Garten, sondern reichen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Ihr wollt billige Wäsche, seid aber nicht bereit dafür, die “indischen Konsequenzen” auch in Deutschland zu ertragen? Dann kauft deutsch. Und zahlt den angemessenen Preis dafür.

Ihr wollt billiges Fressen, seid aber nicht bereit dafür, der Landwirtschaft in Afrika unter die Arme zu greifen? Dann hört auf, billig zu kaufen und zahlt beim Lokalbauern das vielfache und unterstützt “euer Land”.

Übernehmt Verantwortung für euer eigenes Tun und hört auf, alles und jeden dafür zu beschuldigen, nur weil ihr euch zu fein seid, für eine Leistung auch den angemessenen Preis zu zahlen.

Was mit einem Land geschieht, dass sich aus der Weltengemeinschaft aussperrt, weil es kein Bock mehr auf Internationalität hat, seht ihr grade grandios an Lächerlich-Little-Mind-Britannien: Die Briten haben sich selbst in den Arsch gefickt mit ihrem Gejammere über “Oh mein Gott, andere bestimmen über uns” und selbst nicht gemerkt, dass diese anderen es sind, die das eigene Land eigentlich erst funktionieren lassen, weil sie auf einmal doch auf Exporte und Importe angewiesen sind und in einer globalisierten Welt mürrische Nationalität keinen Platz mehr hat.

Und was hat ihr Ruf nach “Freiheit” gebracht?

Die Firmen wenden sich massenweise von ihnen ab, holen ihre Standorte aus der “Gefahreninsel” heraus und schützen sich selbst, indem sie alle Verbindungen zu Großbritannien aufkündigen und die Briten “allein” lassen.

Dann sind sie frei, werden nicht mehr “fremdbestimmt” und können tun und lassen, was sie wollen. Und haben auch keine Arbeit, keine Wohnung und kein Fressen mehr. Wunderbar!

Dass das Gebahren scheiße war und man sich absolut hirnverbrannt dabei verschätzt hat, haben einige Befürworter des Brexit dann auch irgendwann gemerkt und still und heimlich ihre Meinung zu 180° geändert – der Schlamassel ist aber längst angerichtet und wir werden sehen, worauf das hinaus läuft.

Genauso geht’s mit den Religionen: Habt ihr euch mal gefragt, warum so viel Hass auf Muslime außerhalb der muslimischen Gesellschaft existiert? Wenn diese Religion so friedlich ist, so positiv ist, so hilfreich für die Welt ist, wieso stören sich dann die Menschen daran, dass aus deren Kreisen so viel explosives Material in die Luft fliegt und massenhaft Menschen das Leben nimmt und deren Umfeld selbiges zur Hölle macht? Wo sind die muslimischen Führer, die sich öffentlich gegen den Terror bekennen und einfach nur friedlich ihre Religion ausüben wollen?

Wie kann man so hirnverbrannt und blöd sein und der Meinung, dass man durch Anschläge und Terrorismus die Welt zu einem besseren Ort macht?

Manchmal wünsche ich mir Thanos und sein Fingerschnippen herbei.

Und in Deutschland genau das gleiche. Wir haben bereits einmal Nazi-Deutschland gehabt. Es hat Tod, Verderben, Kummer, Schmerz und unzähliges Leid verursacht und trägt heute noch Früchte davon, dass man an den Konsequenzen fast erstickt. Reue? Nein – wir wollen es einfach wieder. Seid ihr eigentlich noch alle ganz klar im Kopf?

Und wenn niemand so denken würde oder nur eine “Minderheit”, warum schaffen es verfluchte Parteien dann in den Bundestag? Im ganzen Land brodelt dieser Schwachsinn vor sich hin und glimmt in den Köpfen der Menschen, die immer mehr Plattformen finden, um im wüsten Geschrei medialen Alltags ihren geistigen Dünnschiss in die Welt hinaus zu flöten.

Hat sich einmal jemand gefragt, woher das kommt?

Kleine Germanen tut das. Allerdings mit dem – in meinen Augen – völlig falschen Ansatz. Hier haben Regisseure Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger (ja, multi-kulti) in wüster Zusammenarbeit Rechte (rechtsorientierte, nicht “rechtens’e”) vor die Kamera gelassen und ihnen Bühne geboten, damit die einfach erzählen.

Der Plan war, dass sie sich durch ihr Reden selbst in Schwierigkeiten bringen und ihre perfiden Ideen selbst widerlegen und damit das ganze rechtsorientierte Gedankengut in sich selbst vernichten.

Das haben die aber nicht getan. (Wundert’s wen?)

Die haben endlich die Möglichkeit gesehen, sich selbst zu erklären, zu zeigen, wie toll und offensichtlich anstrebenswert ihre Gedankenform dieser Welt ist und wie sehr sie sich zurückwünschen, dass die todbringende Zeit erneut da ist.

An dieser Stelle hätte ich einfach als Regisseur (gut, gerne auch danach im Schnitt) eingegriffen und doch kommentiert. So ein Film kann funktionieren – mit anschließender Podiumsdiskussion und “Themenabend” in der ARD, aber niemals in einem Kino, aus dem der Zuschauer anschließend verwirrt und allein wieder auf die Straße geschickt wird.

Bei der absoluten Abwesenheit fähiger Denkorgane auf diesem Planeten ist es fast unhaltbar, so einen Film unters Volk zu bringen … und gleichzeitig so unerlässlich, endlich darüber zu reden und endlich diese Menschen zu Wort kommen zu lassen, um sie überhaupt zu verstehen und eine Basis zu haben, auf der man damit beginnen kann, sie durch Verständnis wieder “zurück” zu holen?

Ich hab keine Ahnung, was richtig ist an dieser Stelle, ich weiß nicht, was ich empfehlen soll. Ich weiß auch nicht, wie man das Thema innerhalb einer Rezension glaubhaft und allumfassend aufarbeiten könnte… und gleichermaßen keinen Bock drauf, es einfach versanden zu lassen und zu sagen: “Okay, nicht mein Problem, sollen sich andere drum kümmern”.

Fuck it.

Tatsache ist: Wir müssen reden.

Dringend reden.

Wir müssen zuhören.

Auch den Menschen, die wir hassen und deren Weltanschauung wir absolut nicht teilen.

Auch Mördern. Terroristen. Religiösen Fanatikern.

Wir müssen Fragen stellen.

Wir müssen Fragen stellen dürfen.

Und wieder zuhören.

Selbst mal die Fresse halten und den anderen reden lassen.

Und dann weiter zuhören.

Und so gemeinsam in einen Dialog treten, in dem Probleme – auch komplexe, vielschichtige und historisch langatmige Probleme – durch miteinander kommunizieren gelöst und angegangen, aufgearbeitet und bereinigt werden können.

Kleine Germanen macht hier einen Anfang. Das Problem wird nur sein, dass die Wirkung innerhalb des Medienzirkusses gänzlich verpufft und sich so die eigentlich moralisch gute Absicht ins Gegenteil verkehrt und somit “gefährlich” wird.

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassen? Lest den Text. Sorry. Geht nicht anders.

Nicht bei dem Thema, nicht bei einer so heiklen Sache. Hochscrollen – lesen. Oder geht rein und lest es danach. Oder geht nicht rein und lest, warum nicht.

Nachspann
❌ folgt nichts weiter, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Kleine Germanen
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12

Der verlorene Sohn

© 2019 Universal Pictures International

Reparativtherapie – derzeit reden auch in Deutschland viele wieder über dieses Thema … und ich schätze, dass dies nicht nur wegen dem Film der Fall ist: Boy Erased, wie er im englischen Original heißt, angelehnt an die Autobiografie von Garrard Conley, der diese Scheiße tatsächlich durchlebt hat, startet demnächst hier in den Kinos und liefert euch ein eindrückliches Beispiel dafür, was ihr mit eurem Konservativismus Menschen antut, die nicht nach euren eigenen Weltvorstellungen leben.

Ihr wundert euch über Bomben, Terror, Tode, Suizidmorde, Versagensängste und Menschen, die dem Leben den Rücken kehren und aus Hass, Angst und Verzweiflung andere mitnehmen?

Ihr habt sie gezüchtet. Zum Beispiel so, wie hier gezeigt.

Aktuell haben 36 Staaten in den USA keine Gesetze gegen die Reparativtherapie und nur 14 Staaten plus Washington D.C. sich entschieden, per Gesetz gegen diese Maßnahmen vorzugehen, um LGBTQ-Jugendliche davor zu schützen.

Die Human Rights Campaign meint, dass Jugendliche, denen man mit derartiger Ablehnung begegnet

  • ungefähr 8x stärker suizidgefährdet sind
  • 6x höhere Depessionswahrscheinlichkeit haben
  • 3x wahrscheinlicher Drogen nehmen
  • 3x höheres Risiko besitzen, an HIV- oder STD-Erkrankungen zu leiden

Außerdem sind die potentiellen Risiken der Reparativtherapie nach Aussagen der American Psychiatric Association sehr hoch und beinhalten Folgen wie Depressionen, Angstzustände und selbstzerstörerisches Verhalten, gefolgt von Selbsthass, der durch derartige „Behandlungen“ oft eher verstärkt wird, genährt von den Lügen und falschen Behauptungen, die in solchen Therapiezentren oft verbreitet werden.

Zudem haben sich viele Organisationen gegen eine solche Therapie ausgesprochen, u.a. Die American Medical Association, American Psychiatric Association, American Psychoanalytic Association, American Psychological Association, American School Counselor Association, National Association of Social Workers, Pan American Health Organization: Regional Office of the World Health Organization sowie die World Psychiatric Association.

Alle diese Organisationen geben an, dass es derzeit keine wissenschaftlich fundierten oder gar untersuchten Beweise dafür gibt, dass Homosexualität eine Krankheit ist oder anzunehmen wäre, dass dieser Umstand „heilbar“ sei.

Da weiß die Kirche und all ihre Fanatiker scheinbar besser Bescheid, als studierte Wissenschaftler und Ärzte und freut sich, während sie kleine Kinder und Jugendliche weiter in den Tod schickt, dass der Pfarrer sonntags so viel über Liebe, Nächstenliebe und „Dem Vorbild Jesu folgen“ predigt, bevor er dann selbst im Hinterstübchen verschwindet und kleine Jungs fickt.

Achja, wie ich diesen Verein hasse ………. es gibt doch nichts schlimmeres, als heuchlerisch zu sein … und genau das ist fast die gesamte christliche Institution für mich, egal, wo man hinsieht. Mit Gold behangen Armut und Zurückhaltung predigen, pompöse Tempelsäle pflegen und unterhalten und den Armen auf der Straße sagen, sie sollen aus der Liebe Gottes genährt werden. Fickt euch einfach alle selbst!

Und hört endlich auf, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Fangt selbst an, den „Sünder zu lieben und die Sünde zu hassen“ – und informiert euch bei euren kruden Vorstellungen darüber, was in der Bibel steht und was nicht, erstmal genau und harscht nicht so über die Texte ohne die Worte genau zu studieren und das ganze andere immer konsequent auszuklammern, wenn es nicht in die „eigene Sünde rechtfertigen“-Schiene passt. Deal?

Dann werdet ihr nämlich ganz schnell feststellen, dass es solche Passagen, wie sie oftmals „rezitiert“ werden, gar nicht gibt, sondern alles irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Interpretationen sind, aufgrund derer ihr kategorische Ausschluss-Verurteilungen über Menschen aussprecht, obwohl Jesus ganz klar und deutlich gesagt hat, dass man nicht über andere urteilen soll?

„Ihr sollt das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und nicht schwul sein, und das nicht, und das nicht, und das nicht und das nicht.“

„GROSSER GOTT lasst uns alle Schwulen verbrennen, schnell, es steht in der Bibel!“

„Ja, aber die 200 anderen Sachen … 80% davon treffen auf dich zu, und 96% davon treffen auf mich zu, das sollten wir auch lassen, meinst du nicht?“

„SCHWULE!!! Hast du es denn nicht gelesen? Es ist verboten – Reparativtherapie !! Schnell!!!!!!!!!!!!1111einself“

Merkt ihr‘s eigentlich selbst noch? Spürt ihr in eurem Fanatiker-Gutgläubigertum eigentlich noch, was ihr da macht? Nein? Verurteilt ihr den Fanatismus der Islamisten, die anderen Menschen unschuldig in den Tod stürzen und merkt dabei nicht, dass ihr genau das gleiche tut, nur mit anderen Mitteln?

Und ja, zu dieser Behauptung stehe ich! Mit meinem Namen und meinem ganzen Stolz – denn ich habe hingesehen. Zugesehen. Selbst gesehen. Gespürt. Und erlebt. Diese verlogenen Hassbotschaften und Blicke, das Zerstören, diese psychischen Martyrien durchlaufen – ich weiß genau, wie sich diese Scheiße anfühlt und wie danach mit falschem aufgesetzten Grinsen „die Liebe Jesu“ gepredigt wird. FICKT EUCH!

Und wieder einmal ist Kino die letzte Bastion, in der solchen Heuchlern das Maul gestopft wird und sämtliche Argumente fundiert und erwiesen totgeschlagen werden: So etwas liebe ich! Wenn diesen Diskussionsaffen einfach mit Argumenten und Beispielen sämtliche Worte aus der Fresse geschlagen werden und man hinterher betroffen, maultot und so klein mit Hut wieder aus dem Kino spaziert und sich möglichst schnell verkrümeln muss, weil man sonst von der Meute in der Luft zerrissen wird.

Verdient! Ihr Heuchler habt es nicht anders verdient!

Und genau deshalb sollte man sich den Film auch ansehen: der ist nämlich nicht mit Hass vollgepackt, so wie ich, der hier grade sitzt und am liebsten irgendjemand schlagen wollen würde – sondern der erzählt die Story, wie es ein Junge – Garrard Conley – aus dieser Hölle geschafft hat. Und offenbart dabei noch ein paar ganz hübsche Wahrheiten, die das ganze Bild zeigen und nicht die instagramisierte Unwirklichkeit.

Mein Schwert ist die Leinwand – und diesmal seid ihr gestorben und das Kino lebt. Und ich suhle mich gerne in eurem intellektuellen toten Blut, dass dabei aus euren verlogenen Herzen fließt und aufzeigt, wie falsch euer Verhalten war und ist.

Dieser Film … macht‘s richtig. Er regt sich nicht auf, sondern hält einfach nur ne Kamera neben das, was geschieht.

Und Lucas Hedges zeigt, was passiert ist.

Und ich bin mal gespannt, wie vielen von euch es auffällt …. ich wette, die Zahl wird klein bleiben. Aber wir können ja gerne hinterher drüber diskutieren (wenn ihr mich notfalls angekettet habt, damit meine Rage und Wut über dieses Thema gebändigt bleibt). Let‘s Play!

.kinoticket-Empfehlung: Hochscrollen. Nochmal lesen.

Oder ihr scheißt auf mein Gelaber und geht einfach so in den Film. Ausreden gibt‘s keine. Hauptsache, gesehen! Alles andere ist egal. Deal?

Nachspann
✅ Nach dem Text dürft ihr abdampfen, dann kommt nichts weiter.

Kinostart: 21. Februar 2019

Original Title: Boy Erased
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts

Und weiter geht’s im Land der Besonderheiten: Wir bewegen uns nach Bollywood und verzichten gleich mal auf Show, Tanz und Gesang: Ja, Indien kann auch ganz anders!
ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts lehnt an das 1969 gedrehte Filmwerk an und präsentiert einen erstklassigen Krimi in indischer Manier: der deutsche Kulturgänger wird hier wohl die ein oder andere merkwürdige Szene finden, die den indischen Humor durchscheinen lässt, was für den geneigten film noir-Liebhaber wohl seltsam anmuten wird, allerdings kann man sich stellenweise das Lachen dann doch nicht verkneifen und die Story reißt auch ziemlich bald in ihren Bann und fesselt bis zum spektakulären Finale.
Wer sich jetzt desinteressiert abwenden möchte: In Indien wurde der Streifen zeitgleich mit Thor: Ragnarok released, was eine ziemlich starke Konkurrenz darstellt und gegen den er trotzdem seinen Platz behauptet hat. Ein Blick in die hierzulande rar gesäten Vorstellungen ist er also definitiv wert.
Über die anfängliche Suche zwischen Komödie und Thriller ist er schnell hinweg und entwickelt dann einen sehr speziellen, tiefergehenden und interessanten Blick in eine Geschichte, die zum Mitraten einlädt und ihre Offenbarung lange auf sich warten lässt. Diese ist dafür aber umso genialer und bereitet dem Zuschauer ein süffiges Ende. Damit erlebt man einen Thriller, der zwar von fern her kommt, es jedoch locker mit internationalen Größen aufnimmt und sie locker in die Tasche steckt. Prädikat: Sehenswert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Bollywood mal ganz anders: Kein Gesang, kein Tanz und keine Kleider: Hier herrschen völlig neue Prinzipien und nehmen einen mit auf eine spannende Ratetour quer durch die dunklen Tiefen einer wunderbar erzählten Story.
Auch wenn der indische Humor vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist: Der überwiegende Teil dieses Films besteht aus einem ernstzunehmenden Thriller mit wendungsreichen Pointen und einem herrlichen Finale.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018
Alle Kinos, die den Film in einem einmaligen oder wiederholten Event zeigen, findet ihr hier.

Euphoria

Euphoria wird getragen von einem starken Frauentrio, das sich mit Fragen auseinandersetzt, vor denen der Großteil der Menschheit permanent auf der Flucht ist. Themen, einerseits heiß diskutiert, andererseits bis zum bitteren Ende totgeschwiegen, werden hier rührend angegangen und auf bewegende Art und Weise zerpflückt.
Was diesen Film großartig macht, ist das absolut stimmige Zusammenspiel und die fast magische Faszination, die man dafür zu entfachen weiß und mit Thesen anreichert, die nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch zutiefst erschüttern und berühren.
Die Story als solches trifft einen hart und bietet gleichermaßen eine Plattform für ausreichend Anregungen und “Inspiration”, sollte man selbst davon betroffen sein. Man darf dieses Werk als Gesprächsgrundlage zu Rate ziehen und hat auch genügend Möglichkeiten, sich selbst einmal mit dem Gedanken zu befassen und auf nüchterne Art darüber nachzudenken, um evtl. besser Entscheidungen treffen zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Schauspieler liefern großartige Leistungen ab in einem beklemmenden Story-Gerüst, das jederzeit einzubrechen droht und gleichermaßen eine faszinierende mystische Anziehung besitzt und damit einen unvergleichlichen Mehrwert bietet.
Als Einstieg in Diskussionen rund um dieses schwierige Thema eignet sich dieser Film genauso wie für tief im Herz ergriffene Momente, ausgelöst durch die Brisanz und Ernsthaftigkeit, mit der man diesen Stoff angeht.
Sucht euch ein kuschliges Kino, nehmt euren Best Buddy mit und schaut, was dabei raus kommt. Vielleicht ganz viel Herzensnähe.

 
Nachspann
❌ kommt nichts weiter, man darf also wieder nach draußen.
Kinostart: 24. Mai 2018

Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums

Einmal mehr begibt man sich auf die Reise in die Welt des kindlichen Gemüts und betritt eine Landschaft, die den Erwachsenen im fortschreitenden Alter verloren gegangen zu sein scheint. Tatsächlich entwickelt sich der Mensch ja altersmäßig immer weiter vorwärts, während man meinen könnte, dass diese Richtung auch im Geiste vorhanden sein muss – realistisch sieht es allerdings oft genau umgekehrt aus.
Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums ist ein Film, der sich vorwiegend an Kinder richtet und diese auch nach ihrem Schema unterhält: Man ist ruhig genug, spricht und überlegt langsam genug und lässt ihnen genügend Zeit, um das Gehörte zu verarbeiten und zu begreifen. Das Vokabular und die genutzten Thesen richten sich hierbei vollständig an das jüngere Kaliber, die von Logik und Plot-Realität noch keine Ahnung haben. Interessant für Erwachsene ist hierbei allerdings der Fakt, dass die Darstellung der Welt vollständig aus Sicht der Kinder gestaltet wird und sich daran einige Erwachsene gerne vollkommen neu ausrichten dürfen – dabei ist der Film eine sehr große Hilfe.
Zurückbesinnung auf ein paar der Grundwerte, die humanistische Ausrichtung auf ethische Fundamente, das Auseinandersetzen mit psychologisch-pädagogischen Prinzipien nimmt hier einen großen Stellenwert ein, auch wenn der Weg dorthin steinig und stellenweise unerträglich langsam ist: Sobald der Film einmal gezündet hat, beweist er sein wertvolles Gehalt auf Augenhöhe mit Titeln wie Rico, Oskar und …, die seinerzeit auch schon sehr vorteilhaft vermitteln konnten, womit sich Heranwachsende beschäftigen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Braucht eine ganze Weile, bis das Feuer endlich brennt – dafür lodert der Wert des Films dann um so heller.
Das Auseinandersetzen mit stinknormalen Prinzipien menschlicher Vernunft wird hier auf eine ganz traditionelle und gleichermaßen frisch-neuerfundene Weise gehandhabt und führt zu Erkenntnissen, die uns alle die Menschlichkeit in uns neu entdecken lassen könnten.
Auch, wenn der Film dafür im Kino viel zu schnell untergeht: Man sollte sich doch die Zeit nehmen und die Botschaft davon auch als Ausgewachsener neu entdecken.

 
Nachspann
Nach üblicher Manier gestaltet, man entlässt die Kinderschar nicht abrupt, sondern hat auch hier liebevolles Abspann-Design bewiesen. Also geht gemächlich raus.
Kinostart: 19. April 2018

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Es ist soweit: Der Film, auf den die Massen gewartet haben, steht vor der Tür und feierte vorgestern seine Deutschlandpremiere in Hamburg.
Ich selbst war heute im Rahmen der Ladies Night in Augsburg und habe zusammen mit ca. 1400 Frauen die Vorpremiere von Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe geschaut.
Es ist ein Kulturphänomen, das seinesgleichen sucht. Als Fanfiction zu den Twilight-Filmen gestartet und ursprünglich als reine SM-Kopie von Edward und Bella geschrieben entwickelten sich die im Nachhinein als Christian und Anastacia betitelten Figuren zu einem weltweiten Erfolgsprodukt, dass seit jeher als Publikumsmagnet gilt.
Doch statt jetzt hier meinen Senf zum Film abzugeben, möchte ich euch an den Meinungen einiger Damen teilhaben lassen, die mir freundlicherweise hinterher zum Interview zur Verfügung standen (und namentlich nicht genannt werden möchten ^^).
 

Wie hat dir der Film gefallen?
“Ich fand ihn schon gut. Also ich fand ihn teilweise ein bisschen lächerlich.”
Ist das förderlich für den Unterhaltungseffekt?
“Ja, ich glaube schon.”
Das ist ja jetzt der zweite Teil. Habt ihr den ersten auch gesehen und wie fandet ihr den Nachfolger im Vergleich?
“Ja, viel besser als den ersten.”
Von der Technik her oder vom Schauspiel oder komplett besser?
“Mei, es war halt mehr Sex…” (lacht)
Und was hat dir besser gefallen?
“Die Handlung war irgendwie näher am Buch.”
“Ich fand ihn von allem her eigentlich besser. Man hat mehr gesehen. Beim 1. Teil hat man sich viel mehr erwartet, von den sexuellen Handlungen her, dass es da mehr in die Tiefe rein ging.”
Hast du auch alle drei Bücher gelesen?
“Ja.”
“Ich habe die Bücher nicht gelesen, aber mir hat er gut gefallen. Alles war dabei.”
Was findest du besser? Die Bücher oder was sie mit dem Film daraus gemacht haben?
“Ich muss sagen, der erste Teil: Da fand ich das Buch besser, und jetzt den Film. Ich hab die Bücher ab der Mitte des zweiten Teils auch nicht mehr weiter gelesen.”
“Ich hab nur das erste Buch gelesen, ich kann es gar nicht sagen, weil ich dachte, dass ist eh das gleiche. Aber jetzt hätte ich es vielleicht lesen sollen, wo ich das jetzt gesehen habe.” (lacht)
Wie fandet ihr den Humor des Films?
“Ja, naja (lacht) – eher stumpf.”
“Vom Witz her? Ich fand’s witzig. Erotischer wie im ersten Teil.”
“Der Humor war absolut richtig. Wir haben uns davon sehr unterhalten gefühlt.”
Hat man gemerkt, dass es ein Abklatsch von Twilight ist?
“Nein, gar nicht.” – “Überhaupt nicht.”
Auf meine Erklärungen und Vergleiche hin, die ich aus Spoilergründen hier mal nicht anbringen möchte, meinten die Damen dann:
“Ja, stimmt. Ich mochte Twilight auch, die hab ich auch angeschaut.”
“Ja, dann ist es aber echt so, dass die, die Twilight mögen, auch den hier mögen. Ich war nämlich auch kein Twilight-Fan und bin auch hiervon kein Fan.”
“Ich bin Twilight-Fan, ich habe auch alle Filme zu Hause, aber ich hätte das jetzt nicht so gesehen. Aber jetzt, wo du es so sagst…”
Was war jetzt der Grund, warum ihr ins Kino gegangen seid und euch genau diesen Film angeschaut habt?
“Musste man einfach jetzt wieder sehen. Ich hab die Karten schon im Dezember gekauft und hab die hier alle überredet. Wir haben halt den ersten gesehen und wollten die Fortsetzung sehen. Ist jetzt ja schon zwei Jahre her.”
“Ich bin nur mitgegangen, ich hätte ihn mir jetzt nicht alleine angeschaut.”
“Ich bin vielleicht jetzt auch nicht repräsentativ, ich kann das auch gar nicht so richtig begründen. Das hätte man sich vor Jahren auch gar nicht vorstellen können, dass das wirklich so groß übertragen wird und ich finde, dass man an manchen Stellen wegschauen muss und peinlich berührt ist. Und deswegen hab ich auch ein bisschen Abneigung.”
Würdest du sagen, durch Fifty Shades of Grey werden Sex und Tabuthemen öffentlicher präsentiert und dadurch mehr salonfähig gemacht? Dass man öffentlich besser und leichter drüber reden kann?
“Ja, das schon, dadurch, dass das jetzt öffentlich ausgestrahlt wird auch in den ganzen Kinos wird bei manchen Leuten, wo noch ein Tabu ist, dieses vielleicht schon gebrochen. Aber viele – glaube ich – haben da auch keine Berührungsängste.
“Jein, also im ersten Teil wird’s schon sehr verharmlost. Wenn Tenies das anschauen, die denken, das ist normal, wenn man die Freundin übers Knie legt. Es kommt halt drauf an, wer es schaut und wie man es aufnimmt.”
Was sagt ihr jetzt als Frauen dazu: Im Film wird ja immer ein wenig die Stellung der Frau im Gegensatz zu der Emanzipation und Gleichberechtigung, die ja heute eigentlich auf dem Plan steht, wieder komplett ins Gegenteil verkehrt. Ist das gut oder schlecht oder warum meint ihr, reagieren da so viele Leute drauf?
“Also ich finde sogar, dadurch, dass sie die einzige ist, die es schafft, ihn zu ändern und nicht zu allem Ja und Amen sagt, spiegelt sie die Emanzipation wieder. Weil sie eben dagegen ankommt. Im ersten Teil nicht, aber jetzt im zweiten vielleicht schon ein bisschen.”
“Ich finde nicht, dass es Schwierigkeiten mit der Darstellung der Frau gibt, die im Film ja oft als “Objekt” dargestellt werden soll. Es kommt halt darauf an, wer was mit sich machen lässt. Geschmäcker sind da verschieden.”
Würdest du sagen, dass dieser Film ein Erfolg wird? Würdest du ihn dir nochmal anschauen?
“Ja, würde ich schon machen.”
“Ich kauf mir auch die DVD” (lacht)
“Ja.” (mehrfach wie aus der Pistole geschossen ^^)
“Definitiv ja.”
“Kann es mir schon vorstellen, weil eben dieses ‘Verbotene’
oder nicht Alltägliche mal übertragen wird.”
Und da liegt jetzt die Faszination drin, dass gerade beim weiblichen Publikum – wie man ja sehen kann – der Film so gut ankommt?
“Ja, könnt ich mir schon vorstellen.”
Freut ihr euch auf den dritten Teil?
“Ja, auf jeden Fall.”
Würdet ihr diesen Teil hier weiter empfehlen?
“Ja, auf alle Fälle.”
Was hat euch am Film am meisten gefallen?

 
Und an dieser Stelle möchte ich vor spoilernden, aber interessanten Antworten mal aus den Interviews aussteigen und mich nochmal für alle bereitwilligen Antworten der Gäste bedanken, die sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort standen.
Was mir persönlich am meisten gefallen hat?
Man ist endlich ein wenig tiefer in die Materie eingestiegen, auch wenn man von Fifty Shades of Grey noch lange nicht behaupten kann, wirklich im Genre angekommen zu sein, sondern das alles durchaus noch sehr oberflächlich und – um es mit den Worten einer Dessouladenbesitzerin zu sagen – “langweilig” ist.
Das Interesse an Erotik und dem Verbotenen ist wohl vielerorts schon immer da gewesen, aber es wurde in unserem Jahrzehnt nicht derart offen ausgelebt, wie es Fifty Shades of Grey jetzt tut.
Ich erinnere nur an die rühmlichen 68er, da wäre ein Film dieser Größenordnung wohl eher langweilig gewesen und hätte den Zuschauern nur müdes Lächeln abgerungen. Dass wir danach wieder in einer amerikanischen Prüderie angelangt sind, aus der man sich jetzt schrittweise wieder hervorkämpft, ist nun mal Tatsache und beweist, dass die Gesellschaft nicht nur permanent im Wandel ist, sondern sich gewisse Dinge in Abschnitten auch immer wiederholen.
Der Design-Effekt, der mir beim ersten Teil noch am besten gefallen hat, fällt in dieser Fortsetzung nun komplett weg, diese Liebe zur Unerreichbarkeit ist weg und man befindet sich mehr auf dem Boden der Tatsachen.
Über den Plot brauchen wir nicht reden, auch die Dialoge sind wieder zeitweilig so beschissen, dass sich in vielen Situationen allein aus der dämlichen Ausdrucksweise eine Art Selbstironie entwickelt, die als solches dann schon wieder lustig ist und durchaus seinen Unterhaltungseffekt hat.
In punkto Forschheit und anzüglicher Anmache hat man sich hier tatsächlich gesteigert und langsam ein Gespür dafür entwickelt, wie man in die Tiefen der Dunkelheit vordringen kann, die sich in der Allgemeinheit noch zu befinden scheint, jedoch agiert man auch hier relativ zaghaft und plotbedingt teilweise lächerlich.
Ich persönlich habe immer noch meine Probleme mit der Darstellung der Frau, die immer wieder als Sexobjekt und “Gegenstand” bzw. “Eigentum” angesehen werden soll. Diesbezüglich gibt es – wie beim Interview oben schon benannt – zwar nun endlich halbwegs vernünftige Gegenwehr, das Thema als Solches finde ich aber im Film zu unreflektiert und damit für die heutige Generation als zu unverantwortlich behandelt. Die Unterwerfung der Frau dem Mann gegenüber ist immer noch Thema in der Gesellschaft, was man schon anhand der Problematiken sieht, die aus dem Arabischen in die westliche Welt überschwappen und immer wieder für Unmut in unserem Land sorgen.
Interessant war auch, den Einlass zu beobachten, wie sich die Scharen der weiblichen Welt ins Kino zwängten und immer ein bedrückt dreinblickender Typ dazwischen … Macht euch den Spaß und vergleicht einfach mal mit Twilight und ihr werdet im Film so extrem viele Parallelen finden, dass man fast behaupten könnte, die Schreiberin der Fifty Shades of Grey-Romane hat absolut keine Fantasie, sondern tatsächlich Wort für Wort in den SM-Slang übernommen. Selbst Nebencharaktere bilden so eindeutig und erkennbar das Gegenstück zu den jeweiligen Doublen aus Twilight, dass einem fast schon die Lust daran vergeht.
Fakt ist, dass hiermit ein Nerv der Zeit getroffen wird, der gestern in Augsburg fast 1500 Menschen zeitgleich ins Kino gelockt hat und sicher wie beim ersten Teil auch in den nächsten Wochen und Monaten für volle Kinosäle sorgen wird.
Müsste ich mich zwischen beiden Filmen entscheiden, würde ich sofort zum neuesten greifen, da der tatsächlich sehr viel mehr Unterhaltungseffekt bietet und nicht mehr so zimperlich mit den Dingen umgeht, auch wenn man die Thematik durchaus besser hätte beleuchten und ausarbeiten können. Stichwort: SM-Variante von Underworld…? 😉
Die Damen bekommen in den nächsten Wochen auf jedenfalls einiges zu sehen – und das nicht nur im Kinosaal, sondern auch davor…

© Dessous und Modelle ausgestellt von Fee, Steingasse 10, 86150 Augsburg, www.my-fee.de

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Gespür, in die Materie einzusteigen, erwächst langsam, Teil zwei ist um Welten besser als der erste, erreicht aber noch lange keine Krone der Filmschöpfungen, sondern etabliert sich in der Frauenwelt durch Diskussionen über Tabuthemen garantiert immer noch zu einem Publikumsliebling und punktet durch teils sehr selbstironische Züge.
Ernst nehmen sollte man den Film auf keinen Fall, sondern einfach die Show genießen und sich über teils abartig dämliche Aktionen lustig machen und mit richtig viel Publikum, das stellenweise sogar zu den Entscheidungen der Darsteller applaudiert, wird auch der Kinobesuch zu einem ganz eigenen Erlebnis.

 
Nachspann
Da es sich hier um eine back-to-back-Produktion handelt (der folgende Teil ist also bereits abgedreht), sollte man auf jeden Fall noch sitzen bleiben, denn die Vorfreude auf 2018 wird in der Mitte des Abspanns nochmal angehoben.

Die Bestimmung – Allegiant

Ich hab’s versprochen – hier ist sie: Die .kinoticket-Filmrezension zum dritten (und vorletzten) Teil der Bestimmung-Saga.
An diesem Beispiel kann man glorreich erkennen, was passiert, wenn im Trailer viel zu viel verraten wird. An dieser Stelle: Teasern! Lasst die Leute auf die Mauer zurennen und dann blendet ab! Lasst doch den Scheiß und zeigt schon im Trailer die markanten Stellen, um der Geschichte schließlich noch den letzten Rest von Interpretationswürde zu rauben, damit macht ihr den Kinogängern nämlich das Leben wirklich zur Hölle.
Wir reden wieder einmal von: Vorhersehbarkeit.
Nichts ist tödlicher für eine Geschichte, als wenn man deren Ausgang erahnen könnte und sich dann im Laufe der Zeit mit der vorhergesagten Vermutungsbewahrheitung anfeindet. Und genau das wird scheibchenweise bei Die Bestimmung – Allegiant getan.
Klar, das Werk erhebt sich technisch aus der Masse der Dinge und entspricht in seiner Machart locker dem, was man ein episches Finale nennen würde, jedoch gilt mein Lob hier vorwiegend wieder: Der Kulisse, dem Ton und der Kameraführung.
Dass diesmal dann tatsächlich auf 3D verzichtet wurde (kommt das noch?) lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass im zweiten Teil die Leute so dermaßen angepisst waren, dass man den Aufschwung zur 3D-.kinoticket-Grenze wohl nicht mehr wagen wollte, um wieder mehr Leute in den Film zu kriegen, damit die Massenphänomen-Regeln erfüllt werden.
Und ohne sagenhaftes 3D – wir erinnern uns: das war in Teil 2 wirklich herausragend! – bleibt dann auf einmal nur die Story und der Gesamteindruck des Films. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass ich dem Alter entwachsen und somit nicht mehr einfach angefixt werden kann, denn das Kino war zum Teil mit 13-14jährigen gefüllt, die ihre helle Freude an den Geschehnissen verkündeten.
Und als Kinderrevolution geht die Sache durchaus durch. Wenn man beabsichtigt, die Generation BRAVO hier zu begeistern, erfüllt man definitiv die gewünschten Kriterien und erntet Lob vom Wunschpublikum. Die Frage ist nur, was diese (Quad)-Trilogie dann von Panem unterscheidet, da hat der Käse nämlich auch für Erwachsene durchaus zumutbar funktioniert.
Die Schauspieler sind ungefähr gleich alt, die Welt ist ähnlich beschissen aufgeteilt, die Menschen werden ähnlich unterdrückt, es geht ebenfalls um nicht ausschließlich erwachsene Systemkritik und bei dem einen krachts gewaltig und endet furios, bei dem anderen gähnt man hinterher und spaziert gemütlich wieder von dannen.
What has happened?
 

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassend würde ich sagen, dass man hier zwar einiges aus dem wirklich verpatzten zweiten Teil wieder gut gemacht hat, jedoch zu wenig Materie auf den Bordstein wirft, um die Menschen darauf auch nur annähernd zu erschüttern.
Stoff genügend hätte man, um hier etwas wirklich großes daraus entstehen zu lassen, doch damit hätte man sich dann wohl von der Kinderfraktion abgewendet und wäre publikumsleer ausgegangen. Und das soll ja nun nicht passieren.

 
Nachspann
Die Musik war gut – wirklich gut. Doch ob sich dafür das Warten auf den Schlussakkord lohnt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Teaser für das endgültige Finale bleibt auf jeden Fall aus.

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