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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mann

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Das Mädchen, das lesen konnte

© 2018 Film Kino Text

1851 ist nun schon ein wenig her. In Kürze feiern wir den Übergang ins Jahr 2019 … eine große Zeitspanne, in der manchmal gar nicht so viel anders geworden ist.

Das Mädchen, das lesen konnte trumpft mit einer „Idee“ auf, die tatsächlich sehr spannend ist und deren Erörterung sicherlich extrem viel Spaß machen kann. Jedoch befürchte ich bei diesem zeitlichen Abstand, dass viele eben nicht mehr wirklich den Anschluss an das Geschehen finden. Hier werden nämlich Probleme offenbar, die tatsächlich etwas mit „Ungleichheit“, „Freiheit“ und dergleichen zu tun haben. 167 Jahre sind nun mal kein Pappenstiel, wo viele schon mit einem 30-Jahres-Zeitraum ihre lieben Schwierigkeiten haben.

Und da der Film tatsächlich Anschluss an dieses Jahrhundert findet und wahre Probleme aufzeigt, ist es als Zuschauer zwingend erforderlich, sich mit dieser „Einfachheit“ auseinanderzusetzen und damit in gewissem Maße klar zu kommen. Und dabei hatte auch ich meine lieben Schwierigkeiten.

Nicht von der Hand zu weisen ist aber der Inhalt, denn der Gedanke, der im übrigen auf dem autobiografischen Werk der tatsächlichen Frau basiert, ist wahrhaftig interessant und den würde ich zu gerne in heutiger Zeit mal durchexerziert sehen. Dazu war mir der Film aber zu sehr im „falschen Jahrhundert“ und die Thematik zu abgedriftet, um reale Bezüge und sinnvolle Verknüpfungen herstellen zu können, die sich auch mit der heutigen Problematik auseinandersetzen.

Und den geistigen Aufwand, der der Zuschauer absolvieren muss, um hier vollends aufzugehen, bringen eben standardisiert die wenigsten mit.

.kinoticket-Empfehlung: Eine echt abgedrehte, wahre Geschichte, basierend auf dem autobiografischen Werk von Violette Ailhaud.

Stellt zu wenig Bezug zur heutigen Zeit dar und macht es einem schwierig, darin einzutauchen, da weder die Umstände, noch die „Technik“ dahinter mit irgendetwas belohnen, sondern hier echte Denkarbeit vor einem liegt. Das macht diesen Film zur schweren Kost, auch wenn die Grundidee eigentlich total spannend ist…

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Le Semeur
Length: 98 Min.
Rate: FSK (tba)

Mein neues bestes Stück

Frankreich, Frauen, Männer und Komödie: Was schießt dir dabei als allererstes durch den Kopf?
Auf Empfehlung eines Freundes hin ließ ich mich zu dieser Vorstellung hinreißen und war ein wenig enttäuscht über die zu dick aufgetragene Klischeekeule, derer man sich hier des öfteren mal bedient.
Aus der eigentlich sensationellen Idee hätte man meiner Meinung nach etwas mehr machen können. So rennt Audrey Dana allerdings die ganze Zeit mehr oder weniger unbeholfen mit ihrem “Problem” durch die Gegend und erschafft dabei nicht wirklich den zauberhaften Durchbruch, wenngleich der Film sonst sehr viel für die Geschlechterverständigung tut und sich dabei äußerst Mühe gibt, auf die jeweils gegenüberliegende Seite einzugehen.
Hier hätte ich mehrfach die Schere angesetzt und manche Dinge dann nur angedeutet bzw. eher als Running Gag ausgebaut, als sie über so lange Spielzeit hindurch konsequent zu verfolgen.
Was im Ansatz spitzenmäßig begonnen wurde, mangelt am Ende an der üblich französischen Eloquenz und stolpert so ein wenig über die eigenen Gags, was zum Schluss in einer fast schon langweiligen Aneinanderreihung von Stereotypen endet. Einzig die finale Pointe setzt nochmal einen oben drauf und sorgte bei mir für einen Lacher.
 

.kinoticket-Empfehlung: Insgesamt ein solides Gut für einen Film, dem mir ein wenig der spritzige Geist einer wirklich gelungenen Komödie fehlt.
Die Figuren sind meiner Meinung nach zu unausgeglichen, bekommen teils zu wenig Zeit zur Entfaltung (Christian Clavier) und verlieren sich im Laufe der Spieldauer in einer zu starken Stereotypisierung.
Wer hierauf keine Erwartungen setzt, sondern einfach nur mal wieder locker-flockig unterhalten werden möchte, findet in dieser Wahl durchaus seine Befriedigung.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Gang ans Tageslicht sei euch gewährt.

Seitenwechsel

Das Thema ist lange nicht neu und einer der Klassiker, wenn es um Frau-Mann-Filme geht. Unzählige Beispiele haben vorher schon Wege für diese Art von Unterhaltung geebnet und nun folgen Wotan Wilke-Möhring und Mina Tander eben diesem Beispiel und beleben aktuell im Kino erneut eine dieser Geschichten, die folglich mit schwerwiegenden Vorhersehbarkeiten zu kämpfen haben.
Warum lohnt sich trotzdem der Gang ins Kino?
Klar fehlt mir an dieser Stelle wieder etwas die seelische Spieltiefe, die man bei amerikanischen Schauspielern oder fremdländischen Darstellern eher entdeckt, jedoch mausert sich das deutsche Kino mit kleinen Schritten und entdeckt seine ganz eigenen Talente, die zwar meines Erachtens noch lange nicht mit internationalen Schauspielgrößen mithalten können, jedoch auf eine andere Art eine Form des Kinos entwickeln, die ihrerseits auch eine Daseinsberechtigung hat.
Tatsache ist: Die Klischees, die man hier ausgräbt, werden nicht nur erwartet, sondern auch bedient, jedoch machen die beiden Hauptdarsteller ihre Sache wirklich gut. Gerade, wenn der Seitenwechsel stattgefunden hat, erlebt man hier teilweise wirklich komische Momente, die nicht nur die Lachmuskeln anstrengen, sondern so dermaßen übertrieben sind, dass es schon wieder gute Unterhaltung ist.
Und das aus meinem Munde, wo ich den deutschen Darstellern und Darstellerinnen doch immer nichts abgewinnen kann …
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Überflieger ist es nicht, das absolute Überraschungsmoment bleibt auch aus, es kochen viele Klischees hoch und vorhersehbar ist das Ganze insofern auch irgendwie, jedoch überzeugen die Hauptdarsteller mit einer unglaublich guten Performance und daher lohnt sich der Gang ins Kino doch: Man sollte einfach nur wissen, worauf man sich einlässt und sich von Anfang an damit abfinden.
Und dann wird es auch ein unterhaltsamer Kinoabend.

 
Nachspann
kommt keiner, auch wenn hier farblich wirklich cool gespielt wurde.

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