.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Marion Cotillard

Assassin’s Creed (3D)

Es kracht wieder im Kino. Vorausgesetzt, man stellt die Lautsprecher seitens der Betreiber leicht überhöht ein und gönnt seinen Besuchern damit, dass die Euros, die jeder für sein .kinoticket in diesem Fall hingeblättert hat, auch wirklich lohnenswert waren.

Denn hier sollte man als Gast tatsächlich in die Taschen greifen und nicht nur die Vorstellung buchen, sondern alle Features mitnehmen, die dieser Film zu bieten hat, auch das 3D. Scheiß drauf, was es kostet.

Wieso? Eingefleischte Fans dieser Spielereihe (ja, es handelt sich tatsächlich um eine Gameverfilmung, die sehenswert ist) strömen sowieso in die Kinos um sich die Adaption in aller Größe zu geben und zu sehen, was Hollywood aus dem Kultspiel gemacht hat.

Mein allergrößter Pluspunkt: Der Sound! Ich sag nur: Wow! Und meine damit nicht ein bekanntes anderes Onlinespiel… – Komponist Jed Kurzel hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und bietet allein schon vom Hören ein Audioexemple, dass weit und breit in der Game-Verfilmungswelt keinerlei Vergleichbares antrifft. Man kann seine Augen schließen und sich einfach von der Wucht der beeindruckenden Impressionen audiovisueller Natur ein paar Kilometer weiter in den Boden rammen und diesen brachial-harten Beat in seiner ästhetischen Schönheit auf sich wirken lassen … wenn die Betreiber des Kinos vorher rechtzeitig in ihre Anlagen investiert haben und diese bei den Vorstellungen auch an ihre Grenzen führen.

So und nicht anders kann ich mir all die negativen Kritiken seitens der Presse und Besucher erklären, die wiederum eines nicht verstanden haben: Filme sind eine Kunst, die es nicht nur zu konsumieren gilt (man trinkt Wein auch nicht aus alten Pappbechern), sondern bei der man nicht nur gezielt seine Filme auswählt, sondern ebenfalls das passende Kino dazu. Und da greift bei vielen die gute alte Faulheitsregel: Warum sollte ich 120 km in ein passendes Kino fahren, wenn es um die Ecke auch eins gibt, das zwar nicht so toll ist, aber den Film genauso zeigt?

Falsch. Falsch falsch falsch! In diesem Fall macht diese lapidar herbeigeführte Entscheidung nämlich den kompletten Film kaputt! Assassin’s Creed lebt von dem Zusammenspiel der Musik, Töne, Effekte und den dazu gezeigten Bildern, die sich nicht unbedingt auf brutale Action ausrichten, sondern in ihrer Gänze als Konstrukt überzeugen, bei dem man nicht von der Story, sondern deren Umsetzung überzeugt wird und anschließend ohrwurmträllernd durch die Straßen schlendert und dafür dankbar ist, dass es Apple Music gibt …

Selbst in der deutsch synchronisierten Fassung greift diese packende Wucht, obgleich die Dialoge noch etwas bescheuerter klingen als im Original, da plottechnisch hier genauso Schindluder getrieben wurde, wie bereits in den Folgespielen, wo auch nicht wirklich mehr auf die Storyline geachtet wurde, sondern man eher auf visuelle Effekte gesetzt hat.

Die Schauspielgrößen (Michael Fassbender, Jeremy Irons, Marion Cotillard) liefern nämlich auch hier allein durchs Rumstehen irgendwo Größe ab, was letztendlich nur durch das Drehbuch selbst kaputtgeschrieben wird, wofür der komplette Crew-Rest aber auch nicht wirklich was kann. Es mag verwunderlich sein, wieso man sich an dieser Stelle für diese Art von Geschichte entschieden hat, wäre da doch so viel mehr Potenzial gewesen, auch erzählerisch noch auf die höchsten Klippen zu steigen, jedoch sollte man das Beschweren darüber lieber den Kolumnisten irgendeiner Zeitung überlassen, sich ein Popcorn schnappen, die Kinoleitung beknien, dass sie die Lautstärke über Normal regelt und die Show einfach genießen.

Der beeindruckende Effekt, den Assassin’s Creed damit bei den Zuschauern hinterlässt, ist auch so ein Epos an sich, worüber sich all jene freuen, die Gäste in einer meiner Vorstellungen sind, denn ich lass es mir niemals nehmen, diesen Film durch zu nischenhafte Boxen in den Abgrund stürzen zu lassen.

Damit lebt oder stirbt er.

.kinoticket-Empfehlung: Wählt zu dem Film das richtige Kino und lasst die richtige Lautstärke einstellen, alles andere macht euch die komplette Vorstellung kaputt!

Sound, die dazu gezeigten Bilder und die Schauspielgrößen, die man dazu gesellt, bilden ein Komplott, das als Ganzes sehenswert ist, sofern man von der packenden Wucht der Szenen audiovisuell in den Sessel gedrückt wird. Ist dies nicht vorhanden (Dorfkinos, TV, Blu-rays oder VOD), ist der Film als solches gar nicht sehenswert.

Wer hier nicht ins richtige Kino geht, der braucht gar nicht erst drüber nachdenken. Alle anderen haben ein Extraerlebnis meisterlicher Klasse, bei dem Story nicht wichtig und Momentum alles ist. Genießt es!

Nachspann
❌ wird keiner geliefert, allerdings gilt auch hier wieder: Sperrt die Ohren auf … es lohnt sich so dermaßen, ich bin immer noch ganz zittrig vor Aufregung!

Kinostart: 27. Dezember 2016

Original Title: Assassin’s Creed
Length: 116 Min.
Rated: FSK 16

Allied

Robert Zemeckis, dem wir Filmlegenden wie Zurück in die Zukunft I-III, Der Tod steht ihr gut, Forrest Gump und Contact zu verdanken haben, wirft einmal mehr den Scheinwerfer über dem Regiestuhl an und widmet sich diesmal einem Drama, das ich in einer derart sensiblen, zärtlichen und einfühlsamen Verbaljonglage so noch nicht erlebt habe.
Da ich diesen Film im Rahmen der Sneak Preview Tage später erneut im deutschen Synchronton erleben durfte, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass sich meine Rezension tatsächlich auf die Originalversion bezieht, die man (wahlweise mit deutschen Untertiteln) der Deutschen auf jeden Fall vorziehen sollte.
Warum?
Brad Pitt und Marion Cotillage machen hier einen derart feinfühligen Sprachwettbewerb auf, der mit dieser extrem anmutigen Darstellungsweise von ihr beispielsweise eine abartige Gänsehaut erzeugt, wenn sie an vielen Stellen des Films elegant durchs Bild tanzt und sich in ihrer ruhigen, sensiblen Art und Weise nicht nur durch die Gegend, sondern auch den Plot bewegt.
Pitt reagiert darauf nicht weniger professionell und erhebt die Kunst des Krieges damit auf ein neues Niveau: Der Überraschungsmoment im Film ist nicht etwa der, den man als Zuschauer tatsächlich im Stillen erwarten würde, sondern erhebt sich auf völlig neue Ebenen, die sich einem erst dann erschließen, wenn man wirklich im Film sitzt und alles andere um sich rum langsam ausblendet.
Das Ganze gipfelt in einem Finale, bei dem ich in der OV-Vorstellung wahrhaftig Tränen in den Augen hatte. Die stille Verzweiflung, das erhebende Gefühl von Liebe und Geborgenheit, die Sehnsucht und inneren Wünsche wurden von Cotillard hier so dermaßen eindrücklich in die Kamera gesendet, dass der deutsche Zuschauer nur davon träumen kann, dieses Momentum in gleichem Ausmaß zu erleben.
Tatsächlich ist nämlich in der Synchronisierung jeglicher Charme dieser eleganten Darstellungsweise durch plumpes “Ablesen” verloren gegangen, was den Film zwar auf bildhafter Ebene großartig erscheinen lässt, mit dem stumpfen Dahinplappern der Dialoge dann aber eher zu einer ungewollt-komischen Vorstellung erscheinen lässt, die den tieferen Sinn dieses Dialogs völlig ins Abstruse verkehren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichtsdestotrotz sollte man sich aufmachen, denn Allied – Vertraute Fremde schafft auch hier wieder Raum für großartig erzähltes Kino und präsentiert eine wunderbare Geschichte mit herzergreifendem Ende.
Wer immer die Chance dazu hat, sollte sich nach den OV-Vorstellungen umsehen oder später in den VOD-Portalen nach eben jener suchen, denn nur hier kommt wirklich rüber, was Zemeckis uns in seiner Geschichte sagen wollte.

 
Nachspann
enthält Cast & Crew nach üblicher Manier, wartet aber nicht mit Bild- oder Videomaterial auf. Der Sturm zum Ausgang ist also gerechtfertigt.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén