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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mark Ruffalo

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Thor – Tag der Entscheidung

Das Marvel-Universum umfasst mittlerweile einiges an trächtigen Titeln, so dass man langsam den Überblick zu verlieren scheint.
Wenn wir also von den Avengers reden, inkludiert das folgende bisher vorhandene Filme:
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3
Der unglaubliche Hulk
Thor
Thor – The Dark Kingdom
Captain America: The First Avenger
The Return of the First Avenger
The First Avenger: Civil War
Marvel’s The Avengers
Avengers: Age of Ultron
Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Ant-Man
Doctor Strange
Spider-Man: Homecoming
Zu den bislang 16 veröffentlichten Titeln gesellen sich in absehbarer Zukunft dann noch:
Black Panther
Avengers: Infinity War
Ant-Man and the Wasp
und an folgenden Titeln wird noch gearbeitet (darum sind sie bislang nur unter dem Arbeitstitel bekannt):
Captain Marvel
Untitled Avengers
Untitled Spider-Man: Homecoming Sequel
Guardians of the Galaxy Vol. 3
Damit hätten wir dann insgesamt 24 Marvel Cinematic Universe-Filme, die in ihrem glorreichen Glanz ein großartiges Stück Filmgeschichte ausmachen.
24? Yes – denn am 31. Oktober 2017 erscheint der dritte Teil von Thor – Tag der Entscheidung und damit transformiert man diesen Zweig der Avengers-Saga endlich in einen ernstzunehmenden, anbetungswürdigen Teil dieses Universums.
Viele von euch wissen ja, dass sich Tony Stark alias Robert Downing Jr. würdig aus dem Filmlegendenbusiness verabschiedete, um seinen Charakter in Ehre zu halten, bevor er nicht mehr mithalten kann. Dieser Schritt bekam von mir höchste Würdigung, weil ich so etwas schätze, wenn die Leute wissen, wann es genug ist und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören, statt immer weiter zu strampeln, bis es einfach nur noch eine Witzveranstaltung ist.
Gleichermaßen vermisst man den ungleich coolen, einzigartigen und legendären Humor von Stark, was in meinen Augen Guardians of the Galaxy Vol. 2 wieder etwas aufgefangen und eingeholt hat, um weiter damit um sich zu werfen.
Thor war innerhalb dieses Filmbiotops immer ein wenig der kleine Außenseiter. Der erste Teil sprüht zwar vor gigantischem 3D und unfassbaren Farben, einem komplexen Multiversum und vielen grafischen Höhepunkten, die Story fand zuletzt jedoch im zweiten Teil ein morbides Ende – was für mich der absolute Tiefpunkt aller Filme darstellte.
Nicht gut gespielt, irgendwie lieblos zusammengezimmert und ohne jedweden Charme dümpelt man so vor sich hin und erzählt keine sonderlich spannende Story, sondern hat einfach nur einen gigantisch teuren Durchhänger, der eigentlich das Ende der Thor-Erzählung bedeuten könnte.
Und hier ist es nun meine Aufgabe, euch davon zu berichten, dass dem nicht so ist – ganz im Gegenteil.
Wer Guardians of the Galaxy Vol. 2 zum Schreien komisch fand, wird Thor – Tag der Entscheidung lieben! Die Aufgabe von Marvel bestand nämlich darin, einen Regisseur zu finden, der dem ganzen einen völlig neuen Anstrich verpasste und somit Thor aus der Versenkung holte, um ihn wieder zu einem würdigen, lustigen, unterhaltungsreichen Event zu gestalten – und das ist Taika Waititi hervorragend gelungen.
Man hat nicht nur alle Register der Avengers gezogen, sondern auch mit hollywoodinternen Jokes, Tony Starks Humor und inhaltlicher Reichhaltigkeit der Guardians gearbeitet und damit ein Werk erschaffen, dass seine Zuschauer von Anfang an verblüfft und außer den Figuren rein gar nichts mit den ersten beiden Filmen zu tun hat – sofern man diese in ihrer Genialität bewertet.
Es flasht wirklich alles – auf höchstem Niveau. Man hat sich hier aller technischer Mittel bedient, um die Kundschaft auch weiterhin auf dem Level der übrigen Avengers-Filme zu halten, jedoch wieder damit begonnen, den Charakteren Tiefsinnigkeit zukommen zu lassen und das mit einem begeisternden Charme und exzellentem Witz, dass man fast vergisst, dass es mal so etwas wie Iron Man gegeben hat.
Optionen wie Jeff Goldblum als einen der Charaktere einzusetzen, waren für mich eines der größten Pluspunkte, die man diesem Werk angedeihen ließ, denn er spielt herausragend und offenbart sich als völlig neue Entdeckung auf dem Schauspielermarkt, da man mit ihm auch weiterhin derartige Rollen besetzen könnte – großartig!
Cate Blanchett in einem Superheldenfilm? Diese zierliche Frau, die sich kaum traut, ihre Texte richtig aufzusagen? Auf ihr Konto gehen einige Lacher und sie behauptet sich in dieser Saga mit ihrer aussagekräftigen Persönlichkeit in einem Ausmaß, dass ich dieser Frau niemals zugetraut hätte. Großartig!
Man hat es wirklich geschafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und präsentiert nunmehr ein Meisterwerk, dass sich sehen lassen kann und überlaut nach mehr schreit! Wer also mit Thor abgeschlossen hatte, sollte sich jetzt darum bemühen, .kinotickets zu ordern und die Show wieder beginnen lassen, sonst verpasst er einen großartigen Neueinstand eines alten Titanen der Filmgeschichte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man wollte alles irgendwie umkrempeln, neu gestalten, frischen Wind in die Sache bringen und das Genre komplett neu beleben – und es hat definitiv funktioniert!
Die Schauspieler sind allesamt klasse, überzeugen durch großartiges Können und übertreffen sich selbst.
Humor, Unterhaltung, Optik und Sound überzeugen genauso wie das 3D und offenbaren sich als eine völlig neue Schöpfung in einem bisher langsam aussterbenden Ast eines Filmuniversum.
Wenn sich je ein Thor-Film gelohnt hat, dann dieser hier: Reingehen! Und zwar sofort!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel – da bleibt man sitzen. Nicht bis zum Zwischeneinspieler, sondern bis ganz zum Schluss – denn auch da kommen noch großartige Sequenzen.
Kinostart: 31. Oktober 2017

(Trailer) Thor: Ragnarok (3D)

Mein Blog ist der falsche Ort, um diesen Trailer zu sichten. Wirklich.
Was man dafür braucht: Ein großes Multiplex-Kino, satte Boxen, aufgedrehte Lautstärke und eine 3D-Brille auf dem Schädel.
Alle anderen nutzen halt derweil den Trailer vom offiziellen Marvel-Account auf YouTube:
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=v7MGUNV8MxU?rel=0&w=560&h=315]
Gänsehaut, präsentiert von © Marvel Entertainment
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Der Soundtrack ist schonmal unglaublich geil und vermittelt bereits ein düsteres, mächtiges Debüt des kommenden Films. Hoffentlich ist die Trackauswahl im Film dann genauso berauschend, denn was hier an Action versprochen wird, übersteigt nochmals bei weitem das, was bereits in Thor und Thor: The Dark Kingdom aufgefahren wurde.
Dass die Mythen rund um Götter und Altertum nicht mehr nur ein Produkt der Fantasie zurückgebliebener Nerds sind, sondern durchaus alltagstauglich verarbeitet und für den Massenkonsum aufbereitet produziert werden können, hat Marvel unlängst bewiesen.
Die angespannte Engstirnigkeit bei der Entfaltung neuer Optionen, die oft zur billigen Flopversion eines gigantischen Epos’ verroht wurde, ist hier absolut nicht zu finden. Stattdessen scheint Thor himself sich zu einem brachialen Durchbruch in Sachen Erfolg entschieden zu haben, was einen spannenden, wendungsreichen und definitiv sehenswerten Film verspricht.
Ich bin zumindest tierisch gespannt auf den kommenden
 
Kinostart: 26. Oktober 2017

Die Unfassbaren 2

Now You See Me – wie der Titel im Original heißt – war einer der bahnbrechendsten Magierfilme schlichtweg. Die Imposanz, mit der man die Tricks, Persönlichkeiten und Idee auf den Markt brachte, sucht bis heute seinesgleichen und verblüfft auch beim fünften Mal ansehen immer noch mit überzeugendem Wahrnehmungsrausch.
Der Speed, den man im ersten Teil generierte, das Vorzeigen, Verblüffen, Ablenken und Erstaunen funktionierte auf einer Ebene, die bis dato noch kein anderer Film in dieser Form auf der Leinwand präsentiert hat. Schaut man sich den Streifen im Heimkino an (und regelt die Anlage entsprechend hoch), hat man immer wieder eine gigantische Show, die jeden Zuschauer mitreißt und hinterher erstaunt zurücklässt.
All dies bringt immense Erwartungen, Vorfreude und den Rausch auf Fortführung herbei, der dieses Jahr mit Now You See Me 2 in den Kinos zelebriert werden will.
Dabei knüpft die Vorstellung keineswegs an die Genialität des ersten Teils an, sondern offenbart sich eher als eine bittere Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Fragen, die sich der Zuschauer beim ersten Mal stellte, wie man aus dem Nichts heraus etwas so geniales erschaffen konnte.
Die durch die überragende Meisterleistung im ersten Teil hervorgerufene Stimmung konnte in der Fortsetzung irgendwie nur enttäuschend werden, denn man geht als selig-vergnügter Magiebegeisterter nun voller Erwartungen in den Saal und wird mit den dunklen Seiten der Zauberei betraut gemacht, die eben alles andere als prickelnde Stimmung hinterlässt, sondern – angestachelt durch das Anlernen darauf, tatsächlich hinzusehen – fast schon vorhersehbar und dadurch langweilig wird.
Man hat nicht mehr das Gefühl, dass man hier nun von absoluten Profis heimgesucht wird, die so talentiert sind, dass einem als Zuschauer förmlich die Luft wegbleibt und man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, sondern fühlt sich ihnen teils schon überlegen und beginnt sich zu fragen, ob das Ganze nicht umgekehrt ist und man sich nun auf die Jagd nach den Reitern macht, die mit ihren Shows dem Gros der Gesamtveranstaltung ständig hinterher hinken.
Auch das andeutungsweise polemische Hinweisen auf mögliche Mängel im Leben von uns allen erscheint dann eher als misslungener Versuch, aus allem doch noch etwas positives zu schlagen und wenigstens mit einer guten Moral von der Bühne zu treten, doch die scheitert irgendwie an Belanglosigkeit und einer Inszenierung, die weder verblüfft noch begeistert, sondern eben einfach da ist und in sich funktioniert.
Problematisch war unter anderem auch, dass die Tricks hier nicht mehr die feinfühlige Größe aufwiesen wie im ersten Teil, sondern man sich mehr und mehr Optionen bediente, die eben nichts mehr mit wahrem Können zu tun haben, sondern zeitweilig eher ins Lächerliche rutschen und somit als Gesamtkonstruktion eher fragwürdig sind. Vergleicht man hier das Gesehene allerdings mit den üblichen YouTube-Tricks, wird schnell klar, dass das Niveau eben doch sehr hoch ist und man viel Aufwand in die Präsentation der einzelnen Kunststücke investiert hat, die in sich geschlossen aber in einem Rahmen gezeigt werden, der nicht nur bröckelt, sondern sich in seine Einzelteile aufzulösen scheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ich den Film wirklich empfehlen kann, weiß ich nicht. Meine Bewertung war bei Mittel mit Tendenz zu schlecht, weil mir einfach die spritzige Energie des Magischen gefehlt hat und man als Kenner des Vorteils höchstwahrscheinlich bitter enttäuscht aus der Show hervortreten dürfte.
Dennoch hat man viel Mühen investiert, um mit hohem Aufwand Tricks zu präsentieren, die teils schon beeindruckend waren, allerdings durch geschulten Blick vorhersehbar und beim Hinterfragen auch die Grundfrage offen lassen, wieso man das Ganze jetzt veranstaltet. Und damit geht eben einfach ganz viel Sympathie verloren, die man im ersten Teil noch hingebungsvoll spendete.

 
Nachspann
läuft wie üblich ohne weitere Szenen oder Fortsetzungen.

Spotlight

Was war es für eine Highlight-Auswahl an Filmen, die dieses Jahr in der Nominierten-Liste der Oscar-Anwärter landeten und welchen Sturm der Entrüstung löste der Umstand aus, dass keine farbigen Darsteller nominiert wurden.
Bei all dem Ärgernis über diese fehlende political correctness ist den Wutbürgern wohl entgangen, dass die Presidentin der Academy selbst eine Farbige ist und ebensoviele Farbige im Jurorenstuhl sitzen. Ein Umstand, den man bei der Gleichstellungswutäußerung gerne mal galant unter den Tisch kehrt.
Und dabei scheinen die ach so wissenden Zuschauer der größten und würdevollsten Verleihung eine Tatsache auch gerne zu vergessen: Die Academy Awards sind nicht dafür da, um das verquere Weltbild unserer zerrütteten Gesellschaft widerzuspiegeln, sondern hier werden Leistungen honoriert, die hohe Qualitätsanforderungen bestanden und sich gegen viele Mitbewerber erfolgreich durchgesetzt haben. Bewertet von Personen ihres Fachs, also Leuten, die sich in dem jeweiligen Arbeitsgebiet sehr wohl auskennen und genau wissen, was sie zu bewerten haben.
Und da 2015 nunmal ein Jahr war, in dem keine wirkliche Wucht auf die Leinwand kam, in der diese Bevölkerungsgruppe großartig gewesen ist, können hier logischerweise auch keine Nominierungen oder gar Auszeichnungen ausgesprochen werden – und das finde ich gut so. Nicht, weil ich etwas gegen anders aussehende Menschen habe, sondern weil hier etwas Großartiges ausgezeichnet werden soll und nicht krampfhaft versucht, möglichst eine Balance zwischen allen herzustellen. Hier wird nicht der Stand, das Aussehen oder die Herkunft bewertet, sondern das Erschaffene. Der Präsidentin der Academy hätte man also aufmerksam zuhören müssen, als sie die Bühne betreten und dazu ein paar Worte verloren hat. Am besten im Original, um falsche Übersetzungen zu vermeiden.
Tut aber fast keiner, beschweren kann man sich ja auch so.
Meines Erachtens wurde in dieser Nacht genau den richtigen Filmen die Auszeichnung verliehen. In den niedrigen Kategorien exakt die richtigen Filme, in den großen Kategorien auch. Über meinen Lieblingsstreifen wird jetzt sowieso gesprochen und ich finde es mehr als bezeichnend, dass diese geschichtlich-stupide Action-Ballade derart viel Aufmerksamkeit erreicht und sogar mehr Auszeichnungen tatsächlich bekommen hat, als der weltweit dritterfolgreichste Film überhaupt Nominierungen einsacken konnte: Star Wars – Das Erwachen der Macht.
Und sind wir mal ehrlich: das technischen Schaffen war bei Mad Max: Fury Road auch wesentlich rühmlicher als in der hochdotierten Star Wars-Saga, bei der ich gelinde gesagt mega enttäuscht gewesen bin.
Und umso weniger erstaunlich war es für mich, als es zum finalen Paukenschlag genau den Film getroffen hat, der die Aufmerksamkeit von 80 Millionen Zuschauern braucht, um gesehen und weltweit gehört zu werden: Spotlight. An dieser Stelle hat die Academy in meinen Augen also auch wieder alles richtig gemacht, denn dieser Film hat geschichtlich bedeutsame Relevanz und muss von einem breiten Publikum gesehen werden, um nicht in den Senken der übersättigten Medienberichterstattung unterzugehen. Dieses Versinken fand nämlich vor der Verleihung mehr oder weniger dadurch statt, dass er a) spät in den Kinos anlief und b) selten irgendwo auf den Titelseiten kommuniziert wurde, was relativ wenig Publikum in die Säle lockt. Und genau da gehört es hin.
Schaut euch an, in welcher Welt ihr lebt. Schaut euch an, wie es hinter den Kulissen aussieht. Prüft, ob euer Glaube an das System tatsächlich Bestand hat oder ihr auch nur einer weiteren, riesigen Lüge aufgesessen seid. Macht aus den kalten, stoisch vorgetragenen Nachrichten fühlbare, erlebbare Emotionen und versetzt euch in die Lage der tausenden Menschen, die von diesen Geschehnissen direkt betroffen sind. Ist es wichtig, darüber informiert zu sein? Ist es wichtig, eine großangelegte Plattform zu schaffen, die Leidtragenden die Möglichkeit bietet, mit derartigen Konfrontationen umgehen zu können und zu wissen, dass sie damit an die Öffentlichkeit treten können, um andere vor eben diesen Schäden zu bewahren?
Ja. Ja, Ja, und nochmals Ja.
Und dabei leistet dieser Film nicht nur hervorragende Arbeit, sondern beschert Verletzten die Form von innerlicher Genugtuung, während man dabei zusehen kann, wie wildfremde Starqualitäten vor einem für Gerechtigkeit kämpfen und die Dinge publik machen.
Es tut gut, dass es eben doch interessiert und nicht nur als verkaufsförderndes Publikationsprodukt missbraucht wird. Und am Ende des Films sitzt man in Schockstarre mit offenem Mund da und realisiert, welches Ausmaß die ganze Geschichte hatte. Dabei werden Zahlen auf einmal knallharte Ohrfeigen ins Gesicht und repräsentieren ein System, das dringend revolutioniert gehört – was bis heute aber nicht geschehen ist.
Also kauft euch ein .kinoticket, rafft eure geistige Willenskraft zusammen und hockt euch in diesen Film – jetzt, wo auch die Academy ihren Segen zu diesem fantastisch aufrüttelnden Werk gegeben hat, erst recht: Er ist es wert. Für jede einzelne Seele, die daran in der Vergangenheit zerbrochen ist, gerade zerbricht oder in Zukunft zerbrechen wird.
Macht diesem Wahnsinn endlich ein Ende!
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf der Oscarverleihung zu recht für den besten Film ausgezeichnet.
Macht euch die Mühe, besucht dieses Werk und richtet eure inneren Antennen bezüglich dieses Vereins komplett neu aus. Begreift, was hier stattgefunden hat und schaut, ob es in euren Gegenden genauso zugeht. Ihr schützt nicht nur euch selbst vor intelligent aufgetischten Lügen, sondern bewahrt die heranwachsende Generation vor Schäden, die irreparabel sind.
Pro Gerechtigkeit. Denn die bringt der Film nicht nur sagenhaft plastisch auf der Leinwand rüber, sondern sorgt mit seiner neu gewonnenen Auszeichnung jetzt zusätzlich hoffentlich nochmals für einen irren Zustrom an Zuschauern, um diese Sache niemals vergessen zu lassen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, allerdings sollte man zum Ende des Films sehr aufmerksam hinschauen und verstehen, dass jede einzelne Zeile hier ein komplett weiterer Film dieses Kalibers ist. Versteht das Ausmaß dieser Katastrophe und horcht auf, was euch hier gezeigt wird.

Avengers – Age of Ultron (3D)

Ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Warum erst jetzt rezensieren?

Ganz einfach: Es rennt ja doch jeder rein, ohne vorher darüber nachzudenken. Etwas, das bei Marvel Filmen zu funktionieren scheint: Das Marketing. Avengers ist überall so heiß und hoch gelobt, dass man einfach reingehen muss, egal, was einen erwartet.

Und genau da entpuppt sich eines der größten Probleme, die ich mit diesem Film habe: Immense Erwartungen, die prinzipiell nur enttäuscht werden können. Würde man sagen: “Okay, ist halt einfach ein etwas teureres Machwerk, schau mal rein” wäre man vielleicht viel begeisterter als in dem Fall, wenn Presse, Medien, Rezensenten und Marvel-Fans ihre heißgeliebten Animationen in den Himmel loben und Leute wie mich damit ansprechen wollen. Die werden nämlich irgendwo vom Film enttäuscht, wenn auch auf höherem Niveau.

Aber fangen wir mal von unten an: Dem 3D. Leute – wenn ich 14.50 € für ein (1!!) .kinoticket berappen muss, dann möchte ich etwas geboten kriegen. Überlänge, 3D-Zuschuss und was der Otto-Normalbürger sonst noch löhnen muss, das diesen Eintrittspreis derart in die Höhe schießen lässt, ist schon eine Frechheit, wenn im ganzen Film dann sagenhafte 3 Sekunden tatsächlich 3D-Effekte zum Tragen kommen – und das in einem Streifen, der vorwiegend aus CGI-Effekten besteht und daher prädestiniert für derartigen Optik-Schwachsinn wäre. Und was kommt? Das enttäuschende Gefühl, dass man die 3D-Brille auch ruhig vergessen hätte können, verändert hätte dies nichts.

Da waren Transformers – Ära des Untergangs oder sogar Kinderfilme wie Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest 3Dmäßig bei weitem überlegen. Und das sollte einem Werk, dass Milliarden an Produktionskosten verschlingt und – Backgroundinfo – kleine Kinos in den Ruin treibt, weil man viel zu viel vom großen Kuchen seitens der Studios wieder einfordert, zusätzlich zu denken geben.

Aber der Plan geht auf: Die Großen gewinnen, die Kleinen zahlen und die Kinder rennen scharenweise rein. Ich war ehrlich gesagt froh darüber, diesen Film innerhalb meiner Kino-Jahresflatrate schauen zu können, denn ich hätte mich darüber geärgert, so viel Geld dafür rausgehauen zu haben um etwas derart “mittelmäßiges” auf dieser Schiene geboten zu kriegen.

Man nehme vielleicht wieder die Erwartungen als Sündenbock daher, die mir dieses Filmerlebnis derart vermiest haben. Oder die Tatsache, dass dieses Ding mit einer FSK 12-Freigabe gesegnet ist, die actionmäßig nicht mehr zulässt, als klinisch sauberen Metall-Plastik-Sex zwischen überdimensionalen Spielzeugfiguren. Auch da gebe ich der Transformers-Saga wieder gebührend den Vorrang. Hier kriegt man wenigstens Haudrauf-Action erster Güte, gute Animationen und: brillantes 3D. Die Story mag bei Avengers etwas gehobener daherkommen, auch wenn das “Problem” eher kindischer Natur ist und von Größe im Drehbuch hier keine Rede sein kann.

Wer weiß, vielleicht will man ja auch wirklich nur die 12-14jährigen beeindrucken – und das wiederum schafft man mit den gebotenen Action-Ideen dann durchaus. Die gesamte Laufzeit über wirkte das Werk auf mich wie eine eingeschworene Truppe, der nichts mehr einfällt, das sie noch zu erledigen hat und die deshalb irgendwo irgendwas unternimmt, um wieder etwas mehr Spannung ins Leben zu kriegen. Der Saft ist raus und daher beeindruckt man mal mit viel zu viel Mainstream, damit auch ja keiner der abzumelkenden Kühe grummelig rummault, denn man möchte ja möglichst viel Kohle scheffeln und da darf Story oder anderes Anstößiges ruhig drunter leiden.

Klassischer Verfall von Kunst zugunsten eines Systems, das keine Individuen mehr zulässt und nur noch den Einheitsbrei bedient. Schade eigentlich. Hätte man mit der Kohle und dieser Bekanntheit nicht wesentlich mehr machen können? Anspruch? Mehr inhaltliche Ausgereifheit und tiefergehende Profile, die die einzelnen Superhelden darstellen?

Nunja, gesehen hat ihn eh schon jeder und ich glaube auch kaum, dass ich mit meinen kritikreichen Worten hier jemanden davon abbringe.

.kinoticket-Empfehlung: Klinisch-steriles Plastik-Mainstreamkino, das auf sehr hohem Niveau versagt.

Einzelne Szenen sind zwar ganz nett anzuschauen, reißen aber nicht unbedingt vom Hocker oder bohren tief im Schädel mit frischen Ideen und anderen geistigen Reichtümern.

Avengers ist das aktuellste Paradebeispiel, wie man es richtig macht, wenn man Unmengen an Kohle scheffeln möchte und dabei über Kunstleichen geht.

Nachspann
✅ ist optisch aufbereitet und cliffhangert am Schluss natürlich – wie sollte es anders sein…

Kinostart: 23. April 2015

Original Title: The Avengers: Age of Ultron
Length: 141 Min.
Rate: FSK 12

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