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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mark Strong

Shazam! (3D)

© 2019 Warner Bros. Ent.

Nein, ich fange jetzt nicht schon wieder an, die alte Leier Marvel vs. DC abzuspulen, auch wenn hier gewisse Parallelen zu erkennen sind: Aber wie gewohnt zieht DC dabei den Kürzeren.

Wenn man Comic-Fans befragt und sie schon unrühmlich mit den Augen rollen und sich wünschen, diesen Superhelden gäbe es gar nicht, weiß man ungefähr, worauf man sich bei diesem Spektakel einlässt. Warum schaffen es dann Titel wie dieser in meine Top 5 der Woche?

Ganz einfach: Von allem, was DC inzwischen abgeliefert hat (ausgenommen Wonder Woman), erreicht man hier ein ungekanntes Niveau dieses Labels, das es tatsächlich schafft, ein würdiges Bild eines Charakters zu zeichnen und ihm per Film die notwendige Ehre zu erweisen, damit sich ein Publikum daran gewöhnen und ihn im Laufe der langen Spielzeit in sein Herz schließen kann… Man erkennt wieder frühe Züge von Marvel, die damals mit Iron Man begonnen haben.

Das Problem ist nur: Schon mit der .trailer-PR hat man redlich versagt und eine Vermutung ans Publikum weitergereicht, die so absolut keinen Bock auf diesen Film macht, weil man sich da bereits fremd schämt und schon gar keine Folgelust hat, sich als Filmheld zu verkostümieren und draußen so vor andere Menschen zu treten. Und da kommt meine Empfehlung wieder ins Spiel: Manche mögen hier gewisse Grundzüge von Deadpool erkennen wollen, auch an dieses Niveau reicht man lange nicht ran, allerdings arbeitet sich der aktuelle Blockbuster DCs redlich aus der Versenkung nach oben und schafft es wirklich, einen Superhelden so zu malen, dass man ihn auch akzeptieren kann.

Vergleiche sind an dieser Stelle unnötig, dumm und völlig aus der Luft gegriffen. Genauso muss aber auch gesagt werden, dass der .trailer wieder mal massiv mehr kaputt gemacht als Lust gemacht hat und daher die Entscheidung, ob dieser Film doch konsumiert werden sollte, nicht allein aufgrund der wenigen Bilder der Vorschau getroffen werden sollte – und wenn doch, hier dem Film ein eindeutiges “Pluspaket” zugesandt werden muss, damit dieser schwerer in die Gewichtung fällt.

Tatsächlich macht es nämlich wirklich Spaß, und man merkt, dass sich DC nun endlich um seinen eigenen Dreck schert und nicht mehr nur abkupfern und hinterhertigern möchte, sondern sich auf die Geschichte besinnt und damit anfängt, Originale zu liefern – genau das, worauf viele Fans seit Jahren beständig enttäuscht gewartet haben.

Ich beginne nun auch nicht, in überschwänglicher Freude über dieses Werk abzufeiern und jeden fanatisch ins Kino zu treten: Dafür ist man noch viel zu weit in den Anfängen. Ich würde eher sagen: “Ganz nett mit extrem positiver Tendenz zum Guten.”

Sollte daraus also wirklich etwas werden, würde man sich hinterher drüber ärgern, wenn man Teil 1 nicht im Kino bestaunen konnte, und dieser Zeitpunkt kommt bekanntlich nicht wieder: Also nehmt euch ein Herz, besauft euch den .trailer wieder aus dem Hirn, gebt euch den Ruck und verköstigt auch diesen Blockbuster auf dem Big Screen. Dann wart ihr – bei Zukunftserfolg – wenigstens von Anfang an dabei.

.kinoticket-Empfehlung: DC hat endlich verstanden, dass es mit eigenen Originalen besser funktioniert als mit Marvel-Nachgeäffe: Man beginnt, eigene Helden zu inszenieren und kümmert sich in dem Film tatsächlich mal um solide Unterhaltung.

Es dauert eine Zeit, bis man firm damit geht, aber der Film schafft es, dass man den Superheld ins Herz schließt und der Streifen am Ende wirklich eine Genugtuung war – allerdings ist die Überwindung dank des furchtbar schlechten .trailers wahrhaftig ein Stolperstein.

Rafft euch ein Herz – geht ins Kino und denkt wieder dran: Je größer, desto besser.

Nachspann
✅ Wenn man Marvel schon alles nachmacht, dann auch konsequent: Auch hier werden Mid- und Aftersequenzen geboten, die man unbedingt mitnehmen sollte.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Shazam!
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12

Kingsman: The Golden Circle

Kennt ihr das, wenn ihr vor einem riesigen Projekt steht, etwas damit machen sollt und euch davor scheut, den ersten Handgriff zu tun aus Respekt vor dieser Erhabenheit und Ehre?

Genauso fühl ich mich grade, wenn ich mich vor diesen Film stelle und mir überlege, was ich dazu erzählen soll.

Zum einen: Meine Vorahnungen waren goldrichtig und wurden vom Original dann noch einmal weit übertroffen. Ja – Egerton alias Eggsy macht eine unglaublich gute Figur und pusht mit seinen Landsmännern so richtig die Action auf die Bühne. Zweitklassige Versuche hat man gar nicht erst eingeplant, hier spielt sich alles im 5-Sterne-Milieu ab!

Natürlich, Kingsman leuchtet nicht unbedingt in ernstzunehmenden Neon-Farben am Agentenepos-Himmel, sondern dominiert mit einer leicht würzigen, definitiv humorlastigen und extrem abgefahrenen Variante seiner selbst in einem Areal der schwarzhumorigen Kunst ganz nach britischem Vorbild auf der Leinwand und gibt damit zum zweiten Mal ein gigantisches und von mir gefeiertes Debüt einer unglaublichen Entdeckung ab, die diese Marke damit – so hoffe ich inbrünstig – auf die dauerhafte Ebene hievt und uns auch noch in einigen Jahren neue Kingsman-Filme beschert. Die erste Kingsman-Store-Eröffnung in London lässt großes hoffen…

Gleich zu beginn rasselt man sofort in ein Stunt-Gewitter, dass nicht übertrieben und breitgezogen, materialistisch zusammengestückelt oder gar ungekonnt inszeniert wirkt, sondern sofort eine Bombenstimmung aufkommen lässt und man die Moves, Fights, Actionballade und gigantöse Gentlemen-Wirkung einfach nur abfeiert.

Mit Julianne Moore in einer der Hauptrollen befriedigt man auch gleichzeitig noch die Bechdel-Test-Meckerfraktion und öffnet sich damit der internationalen Beliebtheit, die sowohl alt als auch jung, Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen gleichermaßen in einen Unterhaltungsstrudel saugt, aus dem ich am liebsten gar nicht mehr aussteigen wollen würde.

Was uns die Deadpool-Macher für ihren zweiten Teil versprochen haben, wurde hier Gottseidank nicht angewandt: Man hat das Level natürlich angehoben und nicht einfach auf krasse Wiederholung gesetzt um alles in etwas flauerem Ton nochmal über die Kinotheken fließen zu lassen. Eggsy wirkt erwachsener, bringt aber dennoch den unglaublich sympathischen Flair mit, den dieser Halbgott auf der Schauspielerbühne zum besten geben kann. Und ich hab den Strahlemann bereits live vor mir gehabt und schätze seine Arbeit seither um so mehr.

Du stolperst auf jeden Fall nach dem Film ziemlich erschlagen und absolut beeindruckt wieder aus dem Saal und findest kaum Worte für das, was dir da eben über den Weg gelaufen ist und dich mal eben plattgewalzt hat.

BAM!

.kinoticket-Empfehlung: Das heißt dann wohl: Erst zur Wahl – und dann ins Kino und schon gewählt haben, und zwar exakt diesen Film!

Das Zielpublikum ist hier nicht irgendeine Elite oder Genrefraktion, auch wenn die Sprüche und der Humor teilweise ziemlich derb sind: Spaß für alle ist garantiert auf der Servierscheibe und die wird ordnungsgemäß mit viel Imposanz und in beeindruckender Qualität geliefert!

MEHR DAVON!

Nachspann
✅ Hocken bleiben wegen der Songs – wem das egal ist: Es kommt hinterher nichts mehr. Äh…. doch, hoffentlich noch einer dieser Filme!

Kinostart: 28. September 2017

Original Title: Kingsman: The Golden Circle
Length: 141 Min.
Rate: FSK 16

Miss Sloane

In diesem Fall ist die Wartezeit bis zum 6. Juli 2017 unerträglich lang, bis dieser Film endlich regulär in den Kinos startet und von allen gesehen werden kann.
Ich werde mir dann wohl freinehmen und mich fünf Tage lang ins Kino verziehen, um ihn mir wieder und wieder anzusehen.
Zum einen wäre da Jessica Chastain, die allein schon Grund genug ist, diesen Film in die Wiederholungsschleife zu schicken, denn sie spielt in meinen Augen unglaublich professionell. Doch nicht nur sie, sondern auch Michael Stuhlbarg und alle anderen Darsteller glänzen hier mit einer verbalen Virtuosität, die ich in anderen Filmen mit enormen Budgets nicht zu Gesicht kriege.
Dass in einem politischen Drama nicht unbedingt viel passiert, macht es den Regisseuren und Darstellern umso schwerer, hier trotzdem Spannung und eine mitreißende Atmosphäre zu erzeugen. Und dies ist John Madden zu 100% gelungen.
Man fiebert zu jeder Minute mit der Hauptdarstellerin mit und lässt sich in den Bann der politischen Verstrickungen reißen, was hier nicht nur unglaubliches Aufklärungspotenzial aufweist, welches fast schon vergleichbar mit der Offenlegung in Sachen Finanzen bei The Big Short ist. Der (un)mündige Bürger bekommt also wieder einmal in einfachster Form ein undurchschaubares Konstrukt erklärt, dass nicht nur faszinierend inszeniert wurde, sondern dafür sorgt, dass in Zukunft jeder Idiot die komplexen Vorkommnisse innerhalb der Politik im In- sowie Ausland verstehen kann.
Und dies in einem Gewitter von Dialogen gigantischen Ausmaßes, die zu jeder Zeit ein enorm hohes Niveau vom Zuschauer abverlangen. Höchstwahrscheinlich teilen sich deshalb an dieser Stelle die Meinungen über diesen Film, weil es für einen Großteil schlichtweg zu schwierig ist, die gigantische Informationsmenge in der Kürze der Zeit zu schlucken und zu verstehen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass dieser Film vor informativer Fülle nur so strotzt und die einzige Option im Prinzip ist, ihn sich mehrfach im Kino anzusehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des geschriebenen Wortes oder von Sprache werden hier immens verwöhnt.
Die schauspielerische Leistung, die den Darstellern in verbaler Form abverlangt wurde, ist enorm und hievt den Film auf ein Niveau, bei dem jeder Intellektuelle vor Freude im Kreis springt.
Jessica Chastain, Aufklärungsfaktor und Spannung sind nur drei Gründe, die diesen Film im Kino zur Pflichtvorstellung machen.

 
Nachspann
Braucht nicht abgewartet zu werden, denn hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Der Spion und sein Bruder

Sacha Baron Cohen ist für viele ein heißes Eisen. Was man mit Gewissheit sagen kann: Seine Filme sind kritisch, schwer verdaulich und mit Sicherheit nichts für die breite Masse.
Sein Humor verlangt, dass man sich mit seiner Art, Filme zu machen, auseinandergesetzt hat und der Übertriebenheit seines Stils etwas abgewinnen kann. Cohen nimmt kein Blatt vor den Mund und ihm ist nichts zu peinlich, was er in seinen vergangenen Werken nur allzudeutlich zu erkennen gegeben hat.
Worum viele mittlerweile einen Bogen machen, entwickelt sich für mich neuerdings zu sehnsüchtig erwarteter Kost, da ich die Andersartigkeit nicht nur als erfrischende Abwechslung in einem immer größer werdenden Pott von mainstreamiger Langweiligkeit begrüße, sondern ihn langsam beginne, zu verstehen.
Klar rollen sich einem bei manchen Szenen die Fußnägel des guten Geschmacks undurchtrieben nach oben, jedoch ist die teilweise unerträgliche Ehrlichkeit und Geradlinigkeit seiner Machart derart sympathisch, dass man ihm auch grobe Schnitzer bereitwillig verzeiht und sich mit zunehmender Zeit immer leichter auf diesen Schmarren einlässt.
Und ist dieser Grad des guten Geschmacks einmal seicht umsegelt, hat man in der Vorstellung jede Menge Spaß.
Das Problem sehe ich hier wiederum eher in der üblichen Art, die Leute in diesen Film zu bewegen, denn hätte ich nur den Trailer zur Verfügung gehabt, wäre dieser Titel auch als eher unspannend von mir abgetan worden. So aber kam ich in den Genuss einer exklusiven Preview, die durch die zusammenhängenden Szenen dann eher den Geist des Films offenbart und das anfangs falsche Trailerbild wieder zurechtgerückt hat.
Und zusammenhängend macht das Werk dann nämlich auch richtig Freude – wenn man sich darauf einlässt. Was man aber auf keinen Fall erwarten darf, ist leichte Unterhaltung, die sich mit anderen Filmen vergleichen lässt. Diesbezüglich hat Cohen längst sein eigenes Genre erschaffen, in dem er genauso aufblüht, wie ein Tarantino es gleichermaßen in seinem Umfeld tut. Davon zeugen nicht nur teils wirklich akribische, höchst professionell gefilmte Szenen wie hier am Anfang, mit denen er unlängst bewiesen hat, dass es ihm mit der ganzen Sache durchaus todernst ist.
Ein Unikat, und ich möchte schon fast sagen, ein unterschätztes Genie in Hollywood, dem man auch in Zukunft sehr genau auf die Finger schauen sollte. Diesen oberflächlich wirkenden Blödsinn tatsächlich als solchen abzutun wäre definitiv ein riesengroßer Fehler.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sich vorher andere Filme von Sacha Baron Cohen angesehen zu haben, ist definitiv kein Fehler.
In einem eigens von ihm geschaffenen Genre blüht er auch hier wieder mit Können und ungeniertem Talent auf und unterhält auf sehr schwierigem Niveau. Ein Film für die Masse ist das nicht. Dass man es deswegen aber mit nicht sehenswertem Material zu tun hat, bedeutet dieser Umstand ganz gewiss nicht.
Reingehen, wenn man einen seiner vorherigen Filme auch nur annähernd mochte.

 
Nachspann
Auch wenn es schwer fällt: Sitzenbleiben. Nicht nur, bis die Sequenzen im Abspann durch sind, sondern bis ganz zum Schluss. Der Vorhang geht nochmal auf.

Kingsman – The Secret Service

Wenn es einen Film gibt, den man gesehen haben muss, dann ist es Kingsman. James Bond auf parodistische Art zu persiflieren ist in der Regel ein Unterfangen, das die schmale Gratwanderung zwischen lustig und voll daneben in den allermeisten Fällen nicht überlebt. Gerade bei komödiantisch angehauchten Macharten geht dieser Schuss – was mein persönliches Empfinden betrifft – fast schon per Definition nach hinten los.

Nicht bei Kingsman. Die Grenze zwischen genial und absolut dämlich wird niemals überschritten. Alles behält den im Film allzeit forcierten Standard von Gentlemen und ist dabei nicht nur unterhaltsam, sondern sorgt mit genügend lustigen Einlagen auch für jede Menge Lachspaß im Kinosaal.

Die Härte, denen sich die Bewerber in diesem Fall stellen müssen, grenzt nahezu an Wahnsinn und hält immer genügend Flächen offen, um verbal nochmal eins nachzusetzen. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug.

Man mag meinen, das Thema sei schon ausgekaut genug, doch dieser Film belehrt hier eines besseren. Es macht ungeheuren Spaß, den Figuren dabei zuzusehen, wie sie versuchen, das Ende der Welt zu verhindern. Jeder einzelne verkörpert dabei eine verdammt gute Nummer und leistet hervorragende Schauspielarbeit. Selbst die Newcomer charmeuren durch ihre teils unbeholfene Art, die komplett in ihre Rolle passt und somit nicht negativ zu werten ist.

Ganz abgesehen vom Zusammenspiel zwischen Colin Firth und Taron Egerton, der als Gary “Eggsy” Unwin hier die ungelernte Rolle des Schützling von altem Hasen einnimmt und mit Bravour meistert. Das gegenseitige Bälle zuwerfen macht nicht nur beim Zusehen Spaß, sondern toppt auch mit verdammt lässigem Coolness-Faktor. Dabei steht das Alter der Jugend in rein gar nichts nach.

Die Ideen, mit denen der Film aufwartet, sind gleichermaßen skurril wie genial und teilweise auch gar nicht mal so abwegig. Doch abseits jedweder gesellschaftlicher Entwicklungskritik verliert man niemals den Fokus, der hier eindeutig auf pures Vergnügen ausgerichtet ist.

Lange – wirklich lange – keinen so guten Film mehr gesehen, der in unserer Zeit produziert wurde.

Das Sahnehäubchen war für mich dann noch das Publikum! Jungs – ihr ward wirklich großartig!!! Selten so viel Spaß jenseits der 100-Menschen-im-Saal-Grenze erlebt und so viel gemeinsam gelacht.

Ein Kinobesuch, wie er im Buche steht, der meiner Meinung nach noch sehr viel öfters so sein könnte.

.kinoticket-Empfehlung: Wenn du Comedy was abgewinnen kannst, gehört Kingsman sowieso zur Pflichtlektüre. Wenn nicht, dann lerne endlich, dass es zwischen all dem Mist auch manchmal Perlen gibt, die man sich ruhig ein zweites Mal anschauen kann.

Die Story sprudelt geschüttelt, nicht gerührt daher und verleiht dem großen Vorbild Bond allzeit gebührend alle Ehre. Reingehen!

Nachspann
✅ Sollte man dringendlichst abwarten, denn die Coolness hört auch da nicht auf.

Kinostart: 12. März 2015

Original Title: Kingsman: The Secret Service
Length: 129 Min.
Rated: FSK 16

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